Innovationsmanagement als Methode zur Zukunftssicherung von Bibliotheken?

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    29-Oct-2014

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Vortrag gehalten am BIS Kongress 2012, 14. September 2012 in Konstanz

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  • 1. Innovationsmanagement als Methodezur Zukunftssicherung vonBibliotheken?Prof. Dr. Rudolf MumenthalerMitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz 1

2. Es ist eigentlich ganz einfach:Seite 2 3. Ausgangslage Aktuelle grundlegende technische Entwicklungen betreffen direkt undindirekt auch Bibliotheken Radikale Innovationen verndern die Informationsnutzung und vermittlung Die Entwicklungen fhren zu verndertem Nutzerverhalten und zu neuenNutzererwartungen Bibliotheken befinden sich im Auge des Taifuns Die Entwicklungen sind kaum berblickbar Bibliotheken haben keinen Einfluss auf diese Entwicklungen Die Folgen fr die Institution Bibliothek sind nicht vorhersehbar Seite 3 4. Gartner Hype Cycle 2011http://www.gartner.com/technology/research/methodologies/hype-cycle.jsp4 5. Beispiel: Entwicklung der mobilen Kommunikation Mit den Smartphones werden Handys nicht mehr (nur) zum Telefonierenoder SMSen genutzt Nutzer sind permanent online und nutzen Internet zusehends mobil Durch die Nutzung des Internets mit Smartphones entstehen neueAnforderungen an Webangebote auch von Bibliotheken: Reduktion der Komplexitt (Gebot der Einfachheit) Erhhung der Performance, Reduzierung der Datenmenge(Geschwindigkeit ist alles) Smartphones mit GPS ermglichen ortsbasierte Dienste und die Nutzerwnschen dies auch von der Bibliothek Apps (und WebApps) ersetzen herkmmliche Websites Benutzer verlangen eine Bibliotheks-App, mit der sie alles tun knnen, wassie unterwegs vom Smartphone aus tun wollen usw. usw... Seite 5 6. Was tun? Innovationsmanagement! Profitunternehmen stehen prinzipiell unter Konkurrenzdruck und mssenpermanent neue Produkte entwickeln oder bestehende verbessern Innovationsmanagement hat entsprechend eine lange Tradition inProfitunternehmen Meist als F&E (R&D) bekannt Im Dienstleistungssektor und vor allem im Nonprofit-Bereich istInnovationsmanagement weniger verbreitet In Bibliotheken mehr oder weniger NeulandSeite 6 7. Ziele von Innovationsmanagement Weniger Zufall, mehr Konsequenz Zielgerichtete Entwicklung und Verbesserung der Produkte Neue Ideen entwickeln und umsetzen Erfolgreiche Umsetzung von Produktideen Senkung der Kosten Reduktion von Leerlauf und gescheiterten Projekten/Produkten Weiter: Verfolgung und Adaption von Trends Aktive Verfolgung von technischen Entwicklungen Einbezug des Knowhows von Mitarbeitenden und Kunden Beobachtung der Konkurrenz 7 8. Definition von Innovation Zentrale Aspekte von Innovation sind, dass durchsystematische, zielgerichtete Prozesse neue Ideen in neuartige Produkteund Dienstleistungen umgesetzt und diese auch erfolgreich am Marktplatziert werden. Also: nicht nur neue Ideen, sondern auch deren Umsetzung in neueProdukte/Dienstleistungen Ideenmanagement als Bestandteil von Innovationsmanagement8 9. Beispiel fr Definition als inkrementale Innovation Beispiel ETH-Bibliothek: Innovativ ist ein Produkt oder eine Dienstleistung, wenn diese bisher indieser Form, in der Schweiz oder im Bibliothekswesen allgemein noch nichteingesetzt wird. Technologien aus anderen Bereichen/Branchen knnen frDienstleistungen der Bibliothek eingesetzt werden Geschftsmodelle aus anderen Branchen knnen bernommen werden Es knnen Dienstleistungen adaptiert werden, die in anderen Lndernbereits im Einsatz sind Auch die Verbesserung einer bestehenden Dienstleistung gilt alsInnovation Die ETH-Bibliothek versteht sich als Early Adopter 10. Beispiel fr Definition als radikale Innovation Definition der Bayerischen Staatsbibliothek: An der BSB versteht man unter Innovation Weltweit erst- und einmalige Produkte und Anwendungen Die einen Wow-Effekt auslsen Dem State-of-the-art 2-3 Jahre voraus sind Die mit grossem Ressourcenaufwand realisiert werden Die Ideen dafr stammen meist aus der Geschftsleitung (Top-Down- Ansatz) 10 11. Organisatorische Massnahmen Einrichtung einer fr die Innovation verantwortlichen Stelle Inhaltlicher Aufbau und Organisation des Innovationsmanagements alsAufgabe dieser Stelle Theoretisch verschiedene Modelle denkbar: Stabsstelle (TU Mnchen, UB Bern) Linienfunktion, relativ hoch in der Hierarchie (Bereich/Abteilung) (ETH-Bibliothek, ZB MED, ZBW, UB Wien) Aufgabe, die einer bestehenden Stelle zugeordnet wird(Matrixorganisation, vergleichbar mit Projektleitung) (Stabi Hamburg)11 12. Innovationsprozess Innovationsprozess als Managementprozess einer Bibliothek Aufgaben: Ablauf definieren (von der Idee zum neuen Produkt) Verantwortlichkeiten klren Einbindung der Geschftsleitung Einbezug der Mitarbeitenden Verantwortlichkeit fr den Prozess klren Kriterien fr Bewertung von Ideen und Projekten entwickeln Etabliertes Modell: Stage-Gate-Prozess12 13. Stage-Gate-Prozess nach Cooper www.stage-gate.de/ 13 14. Innovationsprozess in einer BibliothekAufgabeVerantwortlichkeitMarkt beobachten Mitarbeitende, InnovationsmanagerIdeen einbringen MitarbeitendeIdeen aufnehmenInnovationsmanagerIdeen bewerten GeschftsleitungMachbarkeit prfen (Projekt) Mitarbeitende, InnovationsmanagerProjekt abnehmen GeschftsleitungUmsetzung Idee (Projekt) FachbereicheAbnahme ProduktGeschftsleitungbergabe in BetriebFachbereiche 15. Ideengenerierung Die Basis fr gute Innovationen ist eine mglichst grosse Zahl von Ideen, sodass aus dieser die besten Ideen ausgesucht werden knnen. Je kleiner der Input im Rahmen dieses Trichtermodells ist, desto grsser istdas Risiko, nicht die besten Ideen fr die Umsetzung auszuwhlen. Mglicherweise muss man sich dann mit der zweit- oder drittbesten Lsungbegngen. Deshalb werden heute neben den Mitarbeitenden verstrkt auch Kunden indie Ideengenerierung mit einbezogen (Stichwort: Open Innovation) 15 16. Einbezug der Mitarbeitenden Potential der Mitarbeitenden abholen Mehr Ideen = bessere Ideen Fragezeichen? Mitarbeitende in den Prozess einbinden Motivation erhhen Wettbewerb Integration in Jahresplanung und Mitarbeiterbeurteilung Innovationskultur frdern Niederschwelliges Angebot Briefkasten, internes Blog, Mail Innovationszirkel Oder einfach den Mitarbeitenden mehr Zeit geben und ausprobieren lassen? 17. Innovationszirkel Informelle Treffen Innovationsfreudige Mitarbeitende tauschen sich aus unterLeitung/Koordination einer Person Meist befasst sich nur ein berschaubarer Kreis von Mitarbeitenden mitneuen Ideen Beispiel: UB Wien Innovationsteams Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen Matrixorganisation Mitglieder als Innovationsbotschafter Beispiel: TU Mnchen17 18. Grenzen des Ideenmanagements Es knnen nicht stndig neue Produkte lanciert und alle alten beibehaltenwerden Es sind nicht unbedingt die (zeitlich beschrnkten) Projekte, welche die Ressourcen binden, sondern der Betrieb der Produkte Forderung nach Produktmanagement, regelmssige berprfung des Produktportfolios, um nicht mehr bentigte/genutzte Produkte aufzugeben 19. Open Innovation Einbezug der Kunden und/oder Stakeholder Ideenbasis wird erhht Motivation zum Mitmachen? 10-40% der Kunden sind je nach Branche bereit Preisausschreiben Einsatz von Web 2.0-Technologien Z.B. Facebook fr Kundenfeedback Plattformen wie Uservoice (Beispiel PaperC)http://feedback.paperc.de/forums/7110-feedback-paperc-de Oder neurovation (Beispiel ZBW: http://zbw.neurovation.net) 19 20. Beispiel: Open Innovation an der ZBWhttp://zbw.neurovation.net 20 21. Kundenfeedback UserVoiceNutzer knnenEingabe von Ideenabstimmen unddurch Kundenbewertenffentliche Antwortder Firma (Status) 21 22. Systematische Ideensuche Ausgangslage: Ideen von Mitarbeitenden und Vorschlge von Kunden sindin der Regel eher zufllig Problem: wie kann man die Ideensuche systematisieren? Wie kann man Innovationspotential systematisch erfassen? Mgliche Methoden: Kundenbeobachtung Ableitung von Suchfeldern aus der Strategie Auswertung von Trendreports 23. Auswertung von Trends fr das Produktportfolio Beispiel aus Kooperation der HTW Chur und der ETH-Bibliothek: Die Produktverantwortlichen der ETH-Bibliothek diskutieren in einemWorkshop mit Experten die aktuellen Trends Allgemeine Trends werden in der Bedeutung fr die ETH-Bibliothekgewichtet Wichtigste Trends gemss Workshop: Tablets, virtuelle Forschungsumgebungen, Smartphones, Semantic Web Die wichtigen Trends werden auf ihre Anwendung fr die einzelnen Produktegeprft Wie knnen die bestehenden Produkte verbessert/weiterentwickeltwerden? Welche neuen Produkte sind wnschenswert?Seite 23 24. Fehlertoleranz: Beispiel MIT Libraries mit Beta Graveyard MIT Betas and Widgets: http://libguides.mit.edu/betas Beta graveyard: nicht weiter entwickelte oder eingestellte Beta-Tools24 25. Blick in die Werkstatt: ZBW Labs 25 26. Aktueller Stand Innovationsmanagement in Bibliotheken Grundstzlich: Thema nur an Hochschulbibliotheken Schweiz: Innovationsverantwortliche an ETH-Bibliothek, UB Bern,Nationalbibliothek Deutschland: Innovationsverantwortliche an StaBi Hamburg, Bibliothek TUMnchen, Bibliothek TU Hamburg/Harburg, TIB Hannover, UB Erlangen-Nrnberg, ZBW, ZB MED sterreich: UB Wien Eigentlich wissen wir noch wenig ber das Innovationsmanagement inBibliotheken Und mchten Bibliotheken nicht wissen, wo sie im Vergleich zu anderenstehen?26 27. Geplantes Projekt: Innovationscheck fr Bibliotheken Eingesetzte Methoden und Technologien in (Schweizer) Bibliotheken Ziele: Standortbestimmung fr Bibliotheken und Benchmarking Handlungsbedarf ermitteln Methodik: 12 Themen mit je 10 Fragen/Attributen Online-Umfrage bei Schweizer Bibliotheken Auswertung nach Bibliothekstyp Visualisierung als Spider mit Mglichkeit, Profil zu vergleichen Standortbestimmung fr die einzelne Bibliothek27 28. Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz Seite # 29. Ein innovatives Finanzierungsmodell fr die Erforschungvon Innovation... Inspiriert von der Methode Crowdfunding: Bibliotheken versprechen einen Betrag, den sie fr das Resultat zu zahlen bereit sind (Grssenordnung Fr. 5000.-), Abschluss einer Vereinbarung Sobald Fr. 50000.- versprochen sind, wird das Projekt gestartet Bibliotheken zahlen nach Lieferung des Ergebnisses den versprochenen Betrag Sobald weitere Fr. 50000.- versprochen sind, wird die Plattform zu einem Webangebot weiterentwickelt, das allen Bibliotheken offen steht Die Ergebnisse sind fr die eigene Bibliothek sowie pro Bibliothekstyp einsehbar.Seite 29 30. Wer macht mit? Mehr Informationen zum Projekt Innovationscheck auf http://www.fh-htwchur.ch/sii-home/forschung-und-dienstleistung/sii-research/bibliothekswissenschaft/innovationscheck/ Oder http://goo.gl/VRuvm Fundraising ist fr 2012 geplant, Umsetzung des Projekts 2013 In 2012 wird Geld versprochen In 2013 wird der Bericht geliefert und bezahltSeite 30 31. Und wenn Ihnen das alles zu kompliziert ist: Seite 31 32. Vielen Dank fr IhreAufmerksamkeit.Fragen?rudolf.mumenthaler@htwchur.chwww.htwchur.chMitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz Seite 32 33. Literatur Birkenmeier, Beat; Brodbeck, Harald: Wunderwaffe Innovation. WasUnternehmen unschlagbar macht ein Ratgeber fr Praktiker. Zrich:Orell Fssli, 2010. Cooper, Robert G.: Top oder Flop in der Produktentwicklung.Erfolgsstrategien: von der Idee zum Launch. Weinheim: Wiley, 2002 Georgy, U. & Mumenthaler, R.: Praxis Innovationsmanagement. In:Georgy, U., & Schade, F. (2012). Praxishandbuch Bibliotheks- undInformationsmarketing. Walter de Gruyter, S. Mumenthaler, R. (2011). Produkt- und Innovationsmanagement.Praxisbeispiel aus der ETH-Bibliothek Zrich . In A. Degkwitz & F.Klapper (Eds.), Prozessorientierte Hochschule. Allgemeine Aspekte undPraxisbeispiele. (pp. 167180). Bielefeld/Cottbus: DINI. Mumenthaler, R. (2010). Innovationsmanagement anHochschulbibliotheken am Beispiel der ETH-Bibliothek Zrich. In U.Hohoff & C. Schmiedeknecht (Eds.), Ein neuer Blick auf Bibliotheken.98. Deutscher Bibliothekartag in Erfurt 2009 (pp. 134148). Hildesheim.33

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