• J. Vet. Med. B 34, 197-201 (1987) 0 1987 Paul Parey Scientific Publishers, Berlin and Hamburg ISSN 0931-1793 'Institut fur Gefliigelkrankheiten, Frankfurter Str. 87, 0-6300 GieJ3en 'Institut fur Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere, Frankfurter Str. 89, 0-6300 GieJ3en 'Hessische Landesanstalt fur Leistungsprufungen in der Tierzucht, Neu-Ulrichstein, 0-6313 HomberglOhrn 1 'Stipendiat der Tiirkischen Regierung, Ankara Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Legehybridhuhn ZEYDANLI"', M., TH. REDMA"', E. F. KALETA', w. HERBST*, w. SCHLOLAUT' und K. LANGE) Adresse der Autoren: IInstitut fur Geflugelkrankheiten, Frankfurter Str. 87, D-6300 GieSen 'Institut fur Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere, Frankfurter Str. 89, D-6300 Gieien 'Hessische Landesanstalt fur Leistungsprufungen in der Tierzucht, Neu-Ulrichstein, D-6313 Homberg/Ohm 1 'Stipendiat der Tiirkischen Regierung, Ankara Mit 2 Tabellen (Eingegangen a m 29. Januar 1987) Summary Present prevalence of antibodies against the parainfluenza 2 virus in hybrid chicken layers A total of 49 random samples with 1,421 sera were collected in the years 1984 to 1986 from day- old male chicks of various layer hybrid lines and tested in the haemagglutination inhibition test for antibodies against the parainfluenza 2 virus (strain Gieien). Three random samples collected in 1986 contain sera with an antibody titre of log, L 5. This result indicates that the parainfluenza 2 virus is still prevalent in chickens. Key words: Parainfluenza-2-virus, chicken, haemagglutination inhibitions test, epizootiology Einleitung Im Jahre 1960 konnte ENDERS-RUCKLE aus embryonierten Huhnereiern mehrmals ein hamagglutinierendes Virus isolieren, das offenbar nicht embryoletal ist. In einer weiteren Studie mit diesem Virus berichten WAGNER und ENDERS-RUCKLE (1966) uber weitere Untersuchungsergebnisse uber das Virus. Demnach ist es Trypsin-resistent und Ather- sensitiv; es besitzt Neuraminidase-Aktivitat und Ribonukleindure (RNS) im helikal- symmetrischen Nukleocapsid. Elektronenmikroskopisch stellt sich das Virus als sphari- sches bis pleomorphes Partikel mit stachelartigen Oberflachenprojektionen dar. Das Virus hat fusogene Eigenschaft. Serologisch konnten WAGNER und ENDERS-RUCKLE (1966) keine Verwandtschaft mit Paramyxovirus (PMV)-1 (Virus der Newcastle-Krankheit) und PMV-2 (Yucaipa-Virus) sowie Mumpsvirus, Parainfluenza-1- (Sendai u. HA 2), Parainfluenza-3-, Masern-, Rin- US. Copyright Clearance Center Code Statement: 0931-1 793/87/34034197$02.50/0
  • 198 ZEYDANLI et al. derpest- und Staupevirus nachweisen. Im Hamagglutinationshemmungstest reagierte das aus Hiihnerembryonen gewonnene Virus jedoch mit Parainfluenza-2-Virus (CA und SV 5). Aufgrund dieser Eigenschaften wurde das Virus dem bei Mensch und Primaten bereits bekannten Parainfluenza-2-Virus zugeordnet. Anschliei3ende epizootiologische Untersuchungen deuten auf ein weit verbreitetes Vorkommen von Antikorpern gegen dieses Virus bei Hiihnern in den Bundeslandern Hessen und Baden-Wurttemberg (WAGNER u. ENDERS-RUCKLE, 1966). Zu gleichlautenden Befunden kommen WAGNER und KOSTERS (1965) und WOERNLE und Mitarbeiter (1971). Auch EISENGARTEN (1972), der mit dem Parainfluenza-2-Stamm Stuttgart 2" Hiihnerse- ren aus dem Bezirk Jena untersuchte, fand mittels HAH-Test eine ebenfalls hohe Durch- seuchungsrate bei Jung- und Legehennen. Alle Untersucher sehen HAH-Titer von 1 : 8 und hoher als spezifisch, d. h. beweisend fur eine vorausgegangene Parainfluenza-2- Virusinfektion an. Ubereinstimmend wird von allen zitierten Autoren betont, dai3 weder nach spontaner noch nach experimenteller Infektion von Huhnern verschiedenen Alters Krankheitssym- ptome beobachtet werden konnten; auch experimentell infizierte Putenkiiken erkrankten nicht. Demzufolge liegt die Bedeutung des Parainfluenza-2-Virus nicht in dessen Virulenz fur Huhn und Pute. Das spontane Vorkommen des Virus im embryonierten Hiihnerei kann zu Fehldeutungen im virologisch arbeitenden Labor, das Hiihnerembryonen als Substrat fur Virusisolierungen verwendet, AnlaB geben. Auch Impfstoffe fur den Veteri- nar- und Humanbereich konnen spontan vorhandenes Parainfluenza-2-Virus als Kontami- nate enthalten (WAGNER u. ENDERS-RUCKLE, 1966; WAGNER u. KOSTERS, 1965; WOERNLE u. Mitarb., 1971; EISENGARTEN, 1972). In den letzten Jahren sind keine Berichte iiber das Vorkommen von Parainfluenza-2- Virus in Huhnerpopulationen bekannt geworden. Weil das Virus jedoch auch weiterhin als mogliche Kontaminante von Embryo- und Zellkulturen sowie daraus hergestellten Biolo- gika angesehen werden darf, sol1 nachfolgend iiber serologische Erhebungen zum derzeiti- gen Infektionsstatus von Legehybrid-Elterntieren berichtet werden. Material und Methoden Parainfluenza-2- Virus Ein Parainfluenza-2-Virus (Stamm Giefien) wurde uns dankenswerterweise von Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. R. R o n , Institut fur Virologie, Justus-Liebig-Universitat Giefien, in Form infektioser Allantoisfliissigkeit iiberlassen. Das Virus wurde durch zwei Passagen via Amnionhohle in 7 Tage alten VALO-Embryonen (Fa. Lohmann, Cuxhaven) vermehrt. Drei bis fiinf Tage p. i. wurden die Eifliissigkeiten geerntet; wahrend dieses Zeitraums wurde keine erhohte Embryomortalitat beobach- tet. Die gewonnene Eifliissigkeit wurde durch niedertouriges Zentrifugieren geklart und auf Anwe- senheit aerob bzw. anaerob wachsender Bakterien mit negativem Ergebnis gepriift. Die Hamaggluti- nationstiter mit einprozentigen Hiihnererythrozyten lagen zwischen 2' und 28. Ein Teil der inokulier- ten Embryonen enthielt keine hamagglutinierende Aktivitat. Der Infektiositatstiter im embryonierten 7tagigen SPF-Hiihnerei liegt nach Amnionbeimpfung bei 8.3 log,, EIDSo mlk'. Das Virus verursacht auch bei Infektion mit hoher Infektionsmultiziplitat weder Embryoveranderungen noch Embryotod. Eine elektronenmikroskopische Untersuchung negativ kontrastierter Praparationen ergab Partikel mit einer Morphologie, wie sie fur Paramyxoviren typisch sind. Antiserum-herst ellung Etwa 6 Wochen alten Hiihnerkiiken (Rasse Araucana) wurde aus der Fliigelvene Blut entnom- men. Anschliefiend erhielten 5 Kiiken je 0,5 ml mit 9.O1oglO EID,, des Parainfluenza-2-Stammes Giefien intravenos injiziert. Nach 3 Wochen erfolgte die zweite Blutentnahme und eine Boosterung der zwischenzeitlich gebildeten Antikorper durch eine zweite intravenose Injektion von 9.0 log,, EID5, desselben Virus. Zwei Wochen nach dieser Injektion wurden die Tiere zur Serumgewinnung entblutet. Am Versuchsende wurde versucht, aus homogenisierten Organproben Parainfluenza-2- Virus zu isolieren.
  • Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Huhn 199 Hamaggbtinationshemmungstest Die Ausfuhrung des Hamagglutinationshemmungs-(HAH)-Tests erfolgte im Mikrotitersystem mit hitzeinaktivierten Seren, auf vier hamagglutinierende Einheiten eingestelltem Parainfluenza-2- Virus (Stamm Giegen) und einer 1 %igen Hiihnererythrozytensuspension. Alle Reaktionen erfolgten bei Zimmertemperatur. Bei jedem Test wurden mitgefuhrt: Erythrozyten-Kontrolle, HA-Titer- Kontrolle sowie positives und negatives Hiihnerserum. Titer von log, = 5 und hoher werden als Hinweis auf spezifische Antikorper gegen das Parainfluenza-2-Virus angesehen. Feldseren Untersucht wurden insgesamt 49 Stichproben mit insgesamt 1421 Seren, die in den Jahren 1984 bis 1986 gewonnen wurden. Alle Seren stammen von mannlichen eintagigen Huhnern, die in der Hessischen Landesanstalt fur Leistungspriifungen in der Tierzucht in Neu-Ulrichstein erbrutet wurden. Wed als gegeben unterstellt werden kann, dai3 die maternalen Antikorpertiter der Eintagskii- ken - in Analogie zu denen bei der Newcastle-Krankheit - denen der weiblichen Elterntiere entsprechen, wurden anstelle der Zuchthennen die Hahnchenseren untersucht. Die in Neu-Ulrich- stein erbriiteten und dann eingestallren weiblichen Kuken reprasentieren alle zur Zeit in der Bundesre- publik Deutschland gehaltenen weii3en und braunen Legehybridherkunfte. Alle 1421 Seren wurden bis zur Untersuchung tiefgefroren gelagert. Kurz vor Durchfuhrung der HAH-Teste wurden die Seren 1 : 4 bzw. 1 : 8 in physiologischer Kochsalzlosung verdiinnt und fur 30 Minuten bei 56 "C erhitzt. Ergebnisse Antiserum-Herstellung Die sechs Wochen alten Kuken blieben nach intravenoser Injektion von 1 0 9 ~ EIDSO/ Tier des Parainfluenza-2-Virus wahrend einer dreiwochigen Beobachtungszeit klinisch gesund. Auch die Zweitinjektion der gleichen Virusmenge beeinfluhe das klinische Verhalten der Tiere nicht. Derngegenuber fuhrte die Erstinjektion zur humoralen Antikor- perbildung, die durch die Zweitinjektion noch gesteigert werden konnte (Tab. 1). Zwolf Tage nach der Boosterinjektion konnte mittels Amnionbeimpfung aus Gehirn, Trachea, Lunge, Leber, Niere, Milz, Hoden, periphere Leukozyten sowie Enddarrn 7 Tage alter Hiihnerembryonen kein Parainfluenza-2-Virus isoliert werden. Serologische Untersuchungen Jeweils im Marz der Jahre 1984, 1985 und 1986 wurden stichprobenartig Seren von eintagigen Legehybridhahnchen auf Antikorper gegen Parainfluenza-2-Virus im H A H - Test untersucht (Tab. 2). Der weitaus uberwiegende Teil der Seren besai3 HAH-T' iter von log, S 4. Lediglich in drei Stichproben fanden sich vereinzelte Seren rnit einem Titer von logz = 5 und logz = 6. Tabelle 1. Antikorperbildung in Huhnerkuken nach intravenoser Injektion von Parainfluenza-(PI)2- Virus ( 109-0 EID,, je Tier) Kuken Tag 0 1. Injektion mit Tag 21 2. Injektion mit Tag 32 Nr. PI-2- PI-2-Virus (log,,) PI-2- PI-2-Virus (log,,,) PI-2- HAH-Titer HAH-Titer HAH-Titer ~~~ ~ 1 < 3 9.0 4 9.0 > 9 2 < 3 9.0 4 9.0 6 3 < 3 9.0 8 9.0 8 4 < 3 9.0 < 2 9.0 7 5 3 9.0 7 9.0 > 9
  • 200 ZEYDANLI et al. Tabelle 2. Ergebnisse der HAH-Teste rnit Parainfluenza-2-Virus (Stamm GieRen) und Seren aus Eintagskuken verschiedener Legehybridherkiinfte aus den Jahren 1984 bis 1986 Jahrgang Monat der Zahl der Seren Zahl der Seren mit Serumgewinnung Stichproben Parainfluenza-2-HAH-Titer (log,) s3 s 4 5 6 7 1984 Marz 25 585 585 1985 Marz 12 273 273 1986 Marz 10 468 387 79 2 1986 Marz 1 48 11 25 9 3 0 1986 Marz 1 48 14 20 13 1 0 Diskussion In Ubereinstimrnung rnit den Untersuchungsergebnissen fruherer Untersucher (WAGNER u. ENDERS-RUCKLE, 1966; WAGNER u. KOSTERS, 1965; EISENGARTEN, 1972) gelang es nicht, durch intravenose Injektion hoher Virusmengen (loglo = 9.0 EIDs0 je Tier) klinische Symptorne beirn Huhnerkuken auszulosen. Auch bei 3 4 Wochen alten SPF- Huhnerkuken konnten nach intranasaler und intrarnuskularer Injektion von hochtitrigem Parainfluenza-2-Virus keine klinischen Symptome beobachtet werden. Sornit darf das hier verwendete Virus als apathogen fur Huhnerkuken angesehen werden. Irn Rahrnen der serologischen Untersuchungen zur derzeitigen Epizootologie des Parainfluenza-2-Virus wurden Seren von eintagigen Hahnchen untersucht. Diese Tiere starnrnen aus Eiern von Elterntierherden, die in verschiedenen Regionen der Bundesrepu- blik Deutschland gehalten werden und in der Hessischen Landesanstalt fur Leistungspru- fungen in der Tierzucht in Neu-Ulrichstein erbrutet werden. Die Stichproben geben sornit einen guten Uberblick iiber derzeitig gehaltene Legehybriden. Das Parainfluenza-2-Virus gehort wie das Virus der Newcastle-Krankheit zurn Genus Newcastle-Disease-Virus der Farnilie Paramyxoviridae (MATTHEWS, 1979). Es darf deshalb als angenornmen werden, dai3 Antikorperbildung und Transfer bei Huhn und Kuken fur das Virus der Newcastle-Krankheit (BORNSTEIN u. Mitarb., 1948) und der Parainfluenza- 2-Virusinfektion identisch sind. Auch bei anderen virusbedingten Infektionen des Huhnes werden Serumantikorper via Dotter an die Nachkornmenschaft weitergegeben. Hieraus folgert, dai3 es sich beim Antikorpertransfer vom Legehuhn auf ihre Kuken um einen allgemein giiltigen Vorgang handelt (SIEGMANN u. Mitarb., 1983). Unter dieser Premisse entsprechen auch die Parainfluenza-2-Antikorpertiter irn Kuken denen im Serum der Zuchthennen und sind sornit reprasentativ fur letztere. Der Grenzbereich fur spezifische Infektiositatstiter liegt - unter Berucksichtigung der Titer der hier verwendeten Huhner- kiiken -fur die Antiserumherstellung zwischen log, = 3 und log2 = 4. Demnach enthalten 46 der 49 untersuchten Stichproben keine Antikorper gegen das Parainfluenza-2-Virus. Lediglich drei Stichproben enthielten Seren mit Titern von log2 = 5 und log2 = 6. Diese Werte belegen, dad auch heutzutage das Parainfluenza-2-Virus beim Huhn immer noch prasent ist. Als Ursachen fur die im Rahrnen dieser Untersuchungsreihe beobachtete relativ geringe Haufigkeit von positiven Reagenten kornrnen zwischenzeitlich erfolgte Verbesse- rungen der Bestandshygiene und des Managements in Betracht. Die negativen Ergebnisse konnten aber auch darauf hinweisen, dai3 Antikorper nur relativ kurze Zeit in nachweisba- rer Menge persistieren, oder dai3 sich durch vertikale Infektion eine Irnrnuntoleranz ausgebildet hat. Zusammenfassung In den Jahren 1984 bis 1986 wurden 49 Stichproben rnit insgesamt 1421 Seren von eintagigen mannlichen Huhnerkuken verschiedener Legehybridlinien gesammelt und im Hamagglutinations- hernmungstest auf Antikorper gegen das Parainfluenza-2-Virus (Starnm GieRen) untersucht. In drei
  • Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Huhn 201 Stichproben aus dem Jahre 1986 wurden Seren mit einem Antikorpertiter von log, t 5 nachgewiesen. Dieser Befund belegt, daB auch heutzutage noch mit dem Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Huhn zu rechnen ist. Literatur BORNSTEIN, S., A. RAUTENSTEIN-ARAZI, and Y. SAMBERG, 1952: Some aspects of congenital passive immunity to Newcastle disease in chicks. I. The transfer of hemagglutinin inhibitors from the maternal yolk to the chick. Am. J. Vet. Res. 13, 373-378. EISENGARTEN, H.-J., 1972: Zur Parainfluenza-2-Virusinfektion der Huhner. Mh. Vet.-Med., 27, SIEGMA", O., K.-H. HINZ, E. F. KALETA, J. KOSTERS, H. LUDERS und G. MONREAL, 1983: Kompendium der Geflugelkrankheiten. Verlag M. und H. Schaper Hannover. 4. Aufl. 56-65 , WAGNER, K., und G. ENDERS-RUCKLE 1966: Ein im Huhnerei vorkommendes Parainfluenza-Virus. WAGNER, K., und J. KOSTERS, 1965: Zur Epidemiologie des Parainfluenza-11-Virus der Huhner. WOERNLE, H., A. BRUNNER und M. M. MOSTAFA, 1971: Zum Nachweis der Parainfluenza-2- 548-551. 92-98. Zbl. Vet. Med. B 13, 215-218. Dtsch. Tierarztl. Wschr., 72, 486-488. Virusinfektion des Huhnes. Tierarztl. Umschau, 26, 304-315.
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Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Legehybridhuhn

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  • J. Vet. Med. B 34, 197-201 (1987) 0 1987 Paul Parey Scientific Publishers, Berlin and Hamburg ISSN 0931-1793 'Institut fur Gefliigelkrankheiten, Frankfurter Str. 87, 0-6300 GieJ3en 'Institut fur Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere, Frankfurter Str. 89, 0-6300 GieJ3en 'Hessische Landesanstalt fur Leistungsprufungen in der Tierzucht, Neu-Ulrichstein, 0-6313 HomberglOhrn 1 'Stipendiat der Tiirkischen Regierung, Ankara Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Legehybridhuhn ZEYDANLI"', M., TH. REDMA"', E. F. KALETA', w. HERBST*, w. SCHLOLAUT' und K. LANGE) Adresse der Autoren: IInstitut fur Geflugelkrankheiten, Frankfurter Str. 87, D-6300 GieSen 'Institut fur Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere, Frankfurter Str. 89, D-6300 Gieien 'Hessische Landesanstalt fur Leistungsprufungen in der Tierzucht, Neu-Ulrichstein, D-6313 Homberg/Ohm 1 'Stipendiat der Tiirkischen Regierung, Ankara Mit 2 Tabellen (Eingegangen a m 29. Januar 1987) Summary Present prevalence of antibodies against the parainfluenza 2 virus in hybrid chicken layers A total of 49 random samples with 1,421 sera were collected in the years 1984 to 1986 from day- old male chicks of various layer hybrid lines and tested in the haemagglutination inhibition test for antibodies against the parainfluenza 2 virus (strain Gieien). Three random samples collected in 1986 contain sera with an antibody titre of log, L 5. This result indicates that the parainfluenza 2 virus is still prevalent in chickens. Key words: Parainfluenza-2-virus, chicken, haemagglutination inhibitions test, epizootiology Einleitung Im Jahre 1960 konnte ENDERS-RUCKLE aus embryonierten Huhnereiern mehrmals ein hamagglutinierendes Virus isolieren, das offenbar nicht embryoletal ist. In einer weiteren Studie mit diesem Virus berichten WAGNER und ENDERS-RUCKLE (1966) uber weitere Untersuchungsergebnisse uber das Virus. Demnach ist es Trypsin-resistent und Ather- sensitiv; es besitzt Neuraminidase-Aktivitat und Ribonukleindure (RNS) im helikal- symmetrischen Nukleocapsid. Elektronenmikroskopisch stellt sich das Virus als sphari- sches bis pleomorphes Partikel mit stachelartigen Oberflachenprojektionen dar. Das Virus hat fusogene Eigenschaft. Serologisch konnten WAGNER und ENDERS-RUCKLE (1966) keine Verwandtschaft mit Paramyxovirus (PMV)-1 (Virus der Newcastle-Krankheit) und PMV-2 (Yucaipa-Virus) sowie Mumpsvirus, Parainfluenza-1- (Sendai u. HA 2), Parainfluenza-3-, Masern-, Rin- US. Copyright Clearance Center Code Statement: 0931-1 793/87/34034197$02.50/0
  • 198 ZEYDANLI et al. derpest- und Staupevirus nachweisen. Im Hamagglutinationshemmungstest reagierte das aus Hiihnerembryonen gewonnene Virus jedoch mit Parainfluenza-2-Virus (CA und SV 5). Aufgrund dieser Eigenschaften wurde das Virus dem bei Mensch und Primaten bereits bekannten Parainfluenza-2-Virus zugeordnet. Anschliei3ende epizootiologische Untersuchungen deuten auf ein weit verbreitetes Vorkommen von Antikorpern gegen dieses Virus bei Hiihnern in den Bundeslandern Hessen und Baden-Wurttemberg (WAGNER u. ENDERS-RUCKLE, 1966). Zu gleichlautenden Befunden kommen WAGNER und KOSTERS (1965) und WOERNLE und Mitarbeiter (1971). Auch EISENGARTEN (1972), der mit dem Parainfluenza-2-Stamm Stuttgart 2" Hiihnerse- ren aus dem Bezirk Jena untersuchte, fand mittels HAH-Test eine ebenfalls hohe Durch- seuchungsrate bei Jung- und Legehennen. Alle Untersucher sehen HAH-Titer von 1 : 8 und hoher als spezifisch, d. h. beweisend fur eine vorausgegangene Parainfluenza-2- Virusinfektion an. Ubereinstimmend wird von allen zitierten Autoren betont, dai3 weder nach spontaner noch nach experimenteller Infektion von Huhnern verschiedenen Alters Krankheitssym- ptome beobachtet werden konnten; auch experimentell infizierte Putenkiiken erkrankten nicht. Demzufolge liegt die Bedeutung des Parainfluenza-2-Virus nicht in dessen Virulenz fur Huhn und Pute. Das spontane Vorkommen des Virus im embryonierten Hiihnerei kann zu Fehldeutungen im virologisch arbeitenden Labor, das Hiihnerembryonen als Substrat fur Virusisolierungen verwendet, AnlaB geben. Auch Impfstoffe fur den Veteri- nar- und Humanbereich konnen spontan vorhandenes Parainfluenza-2-Virus als Kontami- nate enthalten (WAGNER u. ENDERS-RUCKLE, 1966; WAGNER u. KOSTERS, 1965; WOERNLE u. Mitarb., 1971; EISENGARTEN, 1972). In den letzten Jahren sind keine Berichte iiber das Vorkommen von Parainfluenza-2- Virus in Huhnerpopulationen bekannt geworden. Weil das Virus jedoch auch weiterhin als mogliche Kontaminante von Embryo- und Zellkulturen sowie daraus hergestellten Biolo- gika angesehen werden darf, sol1 nachfolgend iiber serologische Erhebungen zum derzeiti- gen Infektionsstatus von Legehybrid-Elterntieren berichtet werden. Material und Methoden Parainfluenza-2- Virus Ein Parainfluenza-2-Virus (Stamm Giefien) wurde uns dankenswerterweise von Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. R. R o n , Institut fur Virologie, Justus-Liebig-Universitat Giefien, in Form infektioser Allantoisfliissigkeit iiberlassen. Das Virus wurde durch zwei Passagen via Amnionhohle in 7 Tage alten VALO-Embryonen (Fa. Lohmann, Cuxhaven) vermehrt. Drei bis fiinf Tage p. i. wurden die Eifliissigkeiten geerntet; wahrend dieses Zeitraums wurde keine erhohte Embryomortalitat beobach- tet. Die gewonnene Eifliissigkeit wurde durch niedertouriges Zentrifugieren geklart und auf Anwe- senheit aerob bzw. anaerob wachsender Bakterien mit negativem Ergebnis gepriift. Die Hamaggluti- nationstiter mit einprozentigen Hiihnererythrozyten lagen zwischen 2' und 28. Ein Teil der inokulier- ten Embryonen enthielt keine hamagglutinierende Aktivitat. Der Infektiositatstiter im embryonierten 7tagigen SPF-Hiihnerei liegt nach Amnionbeimpfung bei 8.3 log,, EIDSo mlk'. Das Virus verursacht auch bei Infektion mit hoher Infektionsmultiziplitat weder Embryoveranderungen noch Embryotod. Eine elektronenmikroskopische Untersuchung negativ kontrastierter Praparationen ergab Partikel mit einer Morphologie, wie sie fur Paramyxoviren typisch sind. Antiserum-herst ellung Etwa 6 Wochen alten Hiihnerkiiken (Rasse Araucana) wurde aus der Fliigelvene Blut entnom- men. Anschliefiend erhielten 5 Kiiken je 0,5 ml mit 9.O1oglO EID,, des Parainfluenza-2-Stammes Giefien intravenos injiziert. Nach 3 Wochen erfolgte die zweite Blutentnahme und eine Boosterung der zwischenzeitlich gebildeten Antikorper durch eine zweite intravenose Injektion von 9.0 log,, EID5, desselben Virus. Zwei Wochen nach dieser Injektion wurden die Tiere zur Serumgewinnung entblutet. Am Versuchsende wurde versucht, aus homogenisierten Organproben Parainfluenza-2- Virus zu isolieren.
  • Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Huhn 199 Hamaggbtinationshemmungstest Die Ausfuhrung des Hamagglutinationshemmungs-(HAH)-Tests erfolgte im Mikrotitersystem mit hitzeinaktivierten Seren, auf vier hamagglutinierende Einheiten eingestelltem Parainfluenza-2- Virus (Stamm Giegen) und einer 1 %igen Hiihnererythrozytensuspension. Alle Reaktionen erfolgten bei Zimmertemperatur. Bei jedem Test wurden mitgefuhrt: Erythrozyten-Kontrolle, HA-Titer- Kontrolle sowie positives und negatives Hiihnerserum. Titer von log, = 5 und hoher werden als Hinweis auf spezifische Antikorper gegen das Parainfluenza-2-Virus angesehen. Feldseren Untersucht wurden insgesamt 49 Stichproben mit insgesamt 1421 Seren, die in den Jahren 1984 bis 1986 gewonnen wurden. Alle Seren stammen von mannlichen eintagigen Huhnern, die in der Hessischen Landesanstalt fur Leistungspriifungen in der Tierzucht in Neu-Ulrichstein erbrutet wurden. Wed als gegeben unterstellt werden kann, dai3 die maternalen Antikorpertiter der Eintagskii- ken - in Analogie zu denen bei der Newcastle-Krankheit - denen der weiblichen Elterntiere entsprechen, wurden anstelle der Zuchthennen die Hahnchenseren untersucht. Die in Neu-Ulrich- stein erbriiteten und dann eingestallren weiblichen Kuken reprasentieren alle zur Zeit in der Bundesre- publik Deutschland gehaltenen weii3en und braunen Legehybridherkunfte. Alle 1421 Seren wurden bis zur Untersuchung tiefgefroren gelagert. Kurz vor Durchfuhrung der HAH-Teste wurden die Seren 1 : 4 bzw. 1 : 8 in physiologischer Kochsalzlosung verdiinnt und fur 30 Minuten bei 56 "C erhitzt. Ergebnisse Antiserum-Herstellung Die sechs Wochen alten Kuken blieben nach intravenoser Injektion von 1 0 9 ~ EIDSO/ Tier des Parainfluenza-2-Virus wahrend einer dreiwochigen Beobachtungszeit klinisch gesund. Auch die Zweitinjektion der gleichen Virusmenge beeinfluhe das klinische Verhalten der Tiere nicht. Derngegenuber fuhrte die Erstinjektion zur humoralen Antikor- perbildung, die durch die Zweitinjektion noch gesteigert werden konnte (Tab. 1). Zwolf Tage nach der Boosterinjektion konnte mittels Amnionbeimpfung aus Gehirn, Trachea, Lunge, Leber, Niere, Milz, Hoden, periphere Leukozyten sowie Enddarrn 7 Tage alter Hiihnerembryonen kein Parainfluenza-2-Virus isoliert werden. Serologische Untersuchungen Jeweils im Marz der Jahre 1984, 1985 und 1986 wurden stichprobenartig Seren von eintagigen Legehybridhahnchen auf Antikorper gegen Parainfluenza-2-Virus im H A H - Test untersucht (Tab. 2). Der weitaus uberwiegende Teil der Seren besai3 HAH-T' iter von log, S 4. Lediglich in drei Stichproben fanden sich vereinzelte Seren rnit einem Titer von logz = 5 und logz = 6. Tabelle 1. Antikorperbildung in Huhnerkuken nach intravenoser Injektion von Parainfluenza-(PI)2- Virus ( 109-0 EID,, je Tier) Kuken Tag 0 1. Injektion mit Tag 21 2. Injektion mit Tag 32 Nr. PI-2- PI-2-Virus (log,,) PI-2- PI-2-Virus (log,,,) PI-2- HAH-Titer HAH-Titer HAH-Titer ~~~ ~ 1 < 3 9.0 4 9.0 > 9 2 < 3 9.0 4 9.0 6 3 < 3 9.0 8 9.0 8 4 < 3 9.0 < 2 9.0 7 5 3 9.0 7 9.0 > 9
  • 200 ZEYDANLI et al. Tabelle 2. Ergebnisse der HAH-Teste rnit Parainfluenza-2-Virus (Stamm GieRen) und Seren aus Eintagskuken verschiedener Legehybridherkiinfte aus den Jahren 1984 bis 1986 Jahrgang Monat der Zahl der Seren Zahl der Seren mit Serumgewinnung Stichproben Parainfluenza-2-HAH-Titer (log,) s3 s 4 5 6 7 1984 Marz 25 585 585 1985 Marz 12 273 273 1986 Marz 10 468 387 79 2 1986 Marz 1 48 11 25 9 3 0 1986 Marz 1 48 14 20 13 1 0 Diskussion In Ubereinstimrnung rnit den Untersuchungsergebnissen fruherer Untersucher (WAGNER u. ENDERS-RUCKLE, 1966; WAGNER u. KOSTERS, 1965; EISENGARTEN, 1972) gelang es nicht, durch intravenose Injektion hoher Virusmengen (loglo = 9.0 EIDs0 je Tier) klinische Symptorne beirn Huhnerkuken auszulosen. Auch bei 3 4 Wochen alten SPF- Huhnerkuken konnten nach intranasaler und intrarnuskularer Injektion von hochtitrigem Parainfluenza-2-Virus keine klinischen Symptome beobachtet werden. Sornit darf das hier verwendete Virus als apathogen fur Huhnerkuken angesehen werden. Irn Rahrnen der serologischen Untersuchungen zur derzeitigen Epizootologie des Parainfluenza-2-Virus wurden Seren von eintagigen Hahnchen untersucht. Diese Tiere starnrnen aus Eiern von Elterntierherden, die in verschiedenen Regionen der Bundesrepu- blik Deutschland gehalten werden und in der Hessischen Landesanstalt fur Leistungspru- fungen in der Tierzucht in Neu-Ulrichstein erbrutet werden. Die Stichproben geben sornit einen guten Uberblick iiber derzeitig gehaltene Legehybriden. Das Parainfluenza-2-Virus gehort wie das Virus der Newcastle-Krankheit zurn Genus Newcastle-Disease-Virus der Farnilie Paramyxoviridae (MATTHEWS, 1979). Es darf deshalb als angenornmen werden, dai3 Antikorperbildung und Transfer bei Huhn und Kuken fur das Virus der Newcastle-Krankheit (BORNSTEIN u. Mitarb., 1948) und der Parainfluenza- 2-Virusinfektion identisch sind. Auch bei anderen virusbedingten Infektionen des Huhnes werden Serumantikorper via Dotter an die Nachkornmenschaft weitergegeben. Hieraus folgert, dai3 es sich beim Antikorpertransfer vom Legehuhn auf ihre Kuken um einen allgemein giiltigen Vorgang handelt (SIEGMANN u. Mitarb., 1983). Unter dieser Premisse entsprechen auch die Parainfluenza-2-Antikorpertiter irn Kuken denen im Serum der Zuchthennen und sind sornit reprasentativ fur letztere. Der Grenzbereich fur spezifische Infektiositatstiter liegt - unter Berucksichtigung der Titer der hier verwendeten Huhner- kiiken -fur die Antiserumherstellung zwischen log, = 3 und log2 = 4. Demnach enthalten 46 der 49 untersuchten Stichproben keine Antikorper gegen das Parainfluenza-2-Virus. Lediglich drei Stichproben enthielten Seren mit Titern von log2 = 5 und log2 = 6. Diese Werte belegen, dad auch heutzutage das Parainfluenza-2-Virus beim Huhn immer noch prasent ist. Als Ursachen fur die im Rahrnen dieser Untersuchungsreihe beobachtete relativ geringe Haufigkeit von positiven Reagenten kornrnen zwischenzeitlich erfolgte Verbesse- rungen der Bestandshygiene und des Managements in Betracht. Die negativen Ergebnisse konnten aber auch darauf hinweisen, dai3 Antikorper nur relativ kurze Zeit in nachweisba- rer Menge persistieren, oder dai3 sich durch vertikale Infektion eine Irnrnuntoleranz ausgebildet hat. Zusammenfassung In den Jahren 1984 bis 1986 wurden 49 Stichproben rnit insgesamt 1421 Seren von eintagigen mannlichen Huhnerkuken verschiedener Legehybridlinien gesammelt und im Hamagglutinations- hernmungstest auf Antikorper gegen das Parainfluenza-2-Virus (Starnm GieRen) untersucht. In drei
  • Zum derzeitigen Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Huhn 201 Stichproben aus dem Jahre 1986 wurden Seren mit einem Antikorpertiter von log, t 5 nachgewiesen. Dieser Befund belegt, daB auch heutzutage noch mit dem Vorkommen des Parainfluenza-2-Virus beim Huhn zu rechnen ist. Literatur BORNSTEIN, S., A. RAUTENSTEIN-ARAZI, and Y. SAMBERG, 1952: Some aspects of congenital passive immunity to Newcastle disease in chicks. I. The transfer of hemagglutinin inhibitors from the maternal yolk to the chick. Am. J. Vet. Res. 13, 373-378. EISENGARTEN, H.-J., 1972: Zur Parainfluenza-2-Virusinfektion der Huhner. Mh. Vet.-Med., 27, SIEGMA", O., K.-H. HINZ, E. F. KALETA, J. KOSTERS, H. LUDERS und G. MONREAL, 1983: Kompendium der Geflugelkrankheiten. Verlag M. und H. Schaper Hannover. 4. Aufl. 56-65 , WAGNER, K., und G. ENDERS-RUCKLE 1966: Ein im Huhnerei vorkommendes Parainfluenza-Virus. WAGNER, K., und J. KOSTERS, 1965: Zur Epidemiologie des Parainfluenza-11-Virus der Huhner. WOERNLE, H., A. BRUNNER und M. M. MOSTAFA, 1971: Zum Nachweis der Parainfluenza-2- 548-551. 92-98. Zbl. Vet. Med. B 13, 215-218. Dtsch. Tierarztl. Wschr., 72, 486-488. Virusinfektion des Huhnes. Tierarztl. Umschau, 26, 304-315.
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