wissenswert Februar 2013 - Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

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Hinter den Kulissen der Forschung - Dem Effekt der Rezession auf der Spur - Korruption: ein altes Phnomen - Natrlicher Schutz - TV-Serien boomen - Httinger Brekzie - Kultur- und Wildpflanzensamen - Schutzanstrich: Neue Brandschutzlacke - Auf der Suche nach neuen Therapien

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  • EinblickDamit der Uni-Betrieb luft, braucht es Helfer hinter den Kulissen von Forschung und Lehre.

    Seite 4

    www.uibk.ac.atBeilage zur Tiroler Tageszeitung

    Februar 2013 sterreichische Post AG, Info.Mail Entgelt bezahlt

    M a g a z i n d e r L e o p o l d - F r a n z e n s - U n i v e r s i t t I n n s b r u c k

    ArbeitsmarktInnsbrucker Forscher untersuchen die Folgen von wirtschaftlichen Schwankungen.

    Seite 6

    Saatgut im Qualitts-Check Seite 16

  • Dienstag, 12. Februar 2013 3

    wissenswert Magazin der Leopold-Franzens-Univers i tt Innsbruck 12. Februar 2013

    Herausgeber und Medieninhaber: Univers i tt Innsbruck; Herstel ler : Intergraphik Ges. m. b. H. ; Sonderpubl ikat ionen, Leitung: Frank Tschoner; Redakt ionel le Koordinat ion: Eva Fessler , Chr ista Hofer ; Redakt ion: Michaela Darmann, Matthias Domanig, Eva Fessler , Chr ist ian Flatz, Nina Hausmeister , Chr ista Hofer , Susanne E. Rck, Uwe Steger, Chr ist i -na Vogt; Covergestaltung: Stephanie Brej la, Cathar ina Wal l i , Fotos Ti te lseite: PantherStock, Abraham Siedler ; Fotos Seite 3: PantherStock, Gerhard Siegl .

    Anschr i f t fr a l le : 6020 Innsbruck, Brunecker Strae 3, Postfach 578, Tel . 53 54-0, Bei lagen-Fax 53 54-3797.

    I m p r e s s u m

    e d i t o r i a l

    Univ.-Prof. Dr. Tilmann MrkRektor der Universitt Innsbruck

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    Liebe Leserin, lieber Leser!

    Neues Wissen, neue Ideen und neue Antworten auf die Fragen der Zeit bilden die wichtigste Basis fr die zuknftigen Entwicklungen unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Im Wesentlichen entstehen diese Grund-stoffe an den Unis, Hochschulen und Forschungsein-richtungen im Rahmen der Forschung und der for-schungsgeleiteten Lehre. Einen kleinen Ausschnitt davon finden Sie auf den folgenden Seiten.Neben diesem intellektuellen Treibstoff fr die Wei-terentwicklung unserer Gesellschaft im Allgemeinen und unserer Region im Besonderen bringen Bildungs-einrichtungen auch einen Standortvorteil und eine sehr hohe Wertschpfung. Allein die Uni Innsbruck mit ihren knapp 30.000 Studierenden und ber 4500 MitarbeiterInnen generiert eine Wertschpfung von ber einer Milliarde Euro pro Jahr fr den Groraum Innsbruck. Diese ergibt sich aus den Ausgaben fr Per-sonal, Investitionen und Gebrauchsgter, den Ausga-ben der Studierenden und der Wertschpfung aus der Bauttigkeit rund um die Campi unserer Uni. Daraus entsteht auch eine Verantwortung der Universitt ge-genber ihrem Standort, eine Verantwortung, die wir bei unseren Planungen bercksichtigen. Konkrete Bei-spiele dafr sind die Weiterentwicklung unserer ehe-maligen Baufakultt zu einer Fakultt fr Technische Wissenschaften, was auch den regionalen Unterneh-men zugutekommen wird, oder die immer engere Kooperation mit den anderen Tiroler Hochschulen, um die Sichtbarkeit und auch Wettbewerbsfhigkeit des Forschungs- und Bildungsstandortes Tirol zu erhhen.

    F E B R U A R 2 0 1 3

    4 Hinter den Kul i ssen der Forschung Ein B l i ck au f j ene Unive r s i t t smi t a rbe i te r, d ie Fo r schung und Lehre mg l i ch machen .

    6 Dem Ef fek t der Rezess ion auf der Spur I s t e ine W i r t s chaf t sk r i se be r wunden , e rho l t s i ch de r A rbe i t smark t n i ch t au tomat i s ch .

    8 Korrupt ion : e in a l tes Phnomen Bes tech l i chke i t , A mt smissb rauch , K l iente l i smus , a l l e s ke ine Phnomene de r Moderne.

    10 Natr l icher Schut z I nnsb rucke r Fo r sche r unte r suchen d ie UV- Bes t nd igke i t a lp ine r A lgenar ten .

    12 T V-Ser ien boomen Die Vormacht s te l lung de r USA und ih r E in f lus s au f Fo rmate im europ is chen Raum.

    14 Ht t inger Brekzie Obwohl man in Innsb ruck und se ine r Umgebung o f t au f d ie ses Baumate r ia l t r i f f t , i s t e s kaum bekannt .

    16 Kultur- und Wildpf lanzensamen P f lanzenwissenschaf t le r Innen unte r suchen den E in f lus s des K l imawande ls au f Saatgut .

    18 Schut zanstr ich Neue Brandschut z lacke knnten den Baus to f f Ho lz noch a t t rak t i ve r machen .

    20 Auf der Suche nach neuen Therapien Fo r sche r wo l len jene Ner venze l l en ident i f i z ie ren , d ie A ngs t und D rogenabhng igke i t r ege ln .

    i n h a l t

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    An der Uni lehren und lernen nicht nur Wissen-schaftlerInnen und Studie-rende: Damit der Betrieb Uni luft, braucht es eine Vielzahl an Berufgruppen, die meist im Hintergrund bleiben.

    Mit 1700 Grad zischt die Flam-me aus dem Brenner. Dahinter sitzt Gnter Brandt und dreht vor-sichtig und gleichmig ein Stck Glas, bis es die Form angenom-men hat, die es soll. Man muss

    Sie kmmern sich um Glasapparaturen, bereiten chemische Experimente vor oder sorgen fr das Keimen seltener Pflanzen jene Uni-Mitarbeite -rinnen und -Mitarbeiter, die Forschung und Lehre oft erst mglich machen.

    Hinter den Kulissen von Forschung und Lehre

    das Material stndig in Bewegung halten, sonst fliet es davon wie Honig, beschreibt der Glasbl-ser. Seit 1973 ist er an der Uni-versitt Innsbruck ttig, fertigt Apparaturen fr die Chemischen Institute und repariert auch so manchen Glasbruch. Wie etwa ei-nen glsernen Rhrstab, den zwei Studierende vorbeibringen. Vor-sichtiges Drehen in der Flamme und schon sind die beiden Teile wieder zusammengefgt.

    Spezielle ApparaturenDas Material Glas begleitet

    Brandt von Kindesbeinen an.

    In seinem Reich hngen Bilder, eines davon zeigt ihn als Dreijh-rigen natrlich beim Glasbear-beiten. Sein Vater hatte den Beruf bereits ausgebt. Brandt selbst hat studiert, knstlerisch mit Glas gearbeitet, ein Geschft in Pradl betrieben und eben an der Uni gearbeitet. Zehn Institute grei-fen auf seine Arbeit zurck, die uerst vielfltig ist und mitun-ter auch zum Tfteln veranlasst. Wird eine spezielle Apparatur bentigt, kann dies von der Pla-nung, Entwicklung und Umset-zung schon mehrere Wochen dauern, schildert er. Im ersten

    Stock des Instituts zeigt er dann eine der Apparaturen, die er ge-macht hat: Ein Gewirr von mitei-nander verbundenen Glasrohren, zwei Reihen hintereinander, zieht sich da die Wand entlang. Da steht man dann mitunter schon mit dem Schweigert auf der Leiter und fgt die Teile zusam-men, schmunzelt er. Seine Ar-beit ist aber nicht nur schweitrei-bend, sondern bisweilen auch ge-fhrlich. Jedes Gert, das zu ihm gebracht wird, muss daher un-bedingt gereinigt werden. Reste von Chemikalien knnen verhee-rende Folgen haben, wenn die

    Gnter Brandt in seiner Glasblserwerkstatt im Centrum fr Chemie und Biomedizin der Universitt Innsbruck. Dort entwickelt er Apparaturen oder repariert Glasgerte.

    Herstellung von Flssigsauerstoff. Gasfrmiger Sauerstoff wird durch die Glasspirale geleitet, die in fls-sigen Stickstoff getaucht ist.

    Das Edelwei, die wohl bekannteste Alpenpflanze.

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    Apparatur in der Flamme bearbei-tet wird.

    ber 300 Experimente Sicherheit ist auch ein Aspekt,

    der die Arbeit von Abraham Sied-ler begleitet. Er ist Chemielabo-rant am Institut fr Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie und bereitet die Expe-rimente vor, die whrend der Vorlesungen gezeigt werden. Da zischt und leuchtet es nicht nur, da kann es auch ganz schn laut werden, wenn Substanzen explo-sionsartig miteinander reagieren. Siedler hat seine Lehre zum Che-mielaboranten direkt an der Uni-versitt gemacht und sich dann fr die Stelle beworben, die er jetzt schon vier Jahre innehat. Ge-meinsam mit Univ.-Prof. Hubert Huppertz bespricht er die Vor-lesungen, erfhrt, welche Expe-rimente dafr bentigt werden. Diese bereitet Siedler dann in sei-nem Labor vor. Er kmmert sich um die Chemikalien und die Ge-rte, die dafr bentigt werden, und um ihren Aufbau im Vorle-sungssaal. Mitunter braucht das Zeit etwa wenn die Substanzen erst bestellt werden mssen. Die Zahl der Experimente hngt nicht nur vom Lehrstoff ab, der in der

    Vorlesung gezeigt wird: Wir ha-ben auch ,Showvorlesungen, in denen den Studienanfngern oft bis zu 25 Experimente gezeigt werden. Da braucht die Vorbe-reitung natrlich Zeit, erlutert Siedler. Manchmal ist aber auch das Gegenteil der Fall. Etwa, wenn er Flssigsauerstoff (-183 C) her-stellen soll. Dann muss es schnell gehen, da der Sauerstoff sonst sofort wieder verdampfen wr-de. Der gasfrmige Sauerstoff wird bei dem Experiment durch eine Glasspirale geleitet, die in flssigen Stickstoff (-196 C) ge-taucht ist. Dadurch beginnt der Sauerstoff zu kondensieren, wech-selt also vom gasfrmigen in den flssigen Zustand, was im Expe-riment an der hellblauen Flssig-keit erkennbar ist. ber 300 Ex-perimente beherrscht Siedler, die er auch protokolliert. Inzwischen ist ein Fundus an Beschreibungen vorhanden, aus denen ein Buch entsteht.

    Zwei Jahre Keimzeit uerste Sorgfalt und insbe-

    sondere Geduld sind gefragt, wenn Peter Daniel Schlorhaufer am Botanischen Garten der Uni-versitt Innsbruck seiner Arbeit nachgeht. Er kmmert sich vor

    allem um die Gebirgspflanzen und ist Leiter des Alpengartens am Patscherkofel. Was die Arbeit des Grtners so herausfordernd macht, liegt quasi in der Natur der Sache. Die Gebirgspflanzen, die wir zchten, werden direkt aus Samen gezogen, die wiede-rum vom Naturstandort stam-men sei es in den Alpen oder in sonstigen Hochgebirgslagen der Welt, erlutert Schlorhaufer. Fr die Forschung werden nmlich unverflschte Originalpflanzen bentigt. Die von den Wissen-schaftlern gesammelten Samen kommen dann zu Schlorhaufer, der sich um die Aufzucht km-mert. Um keine Vermischungen zu haben, mssen alle Samen-proben exakt etikettiert sein. Fr das Heranziehen wird dann jedes Samenkorn in einen eigenen Topf zum Kultivieren gesetzt, schildert er das Prozedere. Dann ist Geduld gefragt. Bis zu zwei Jahre kann es dauern, bis man einen Samen zum Keimen bringt.

    Einen besonderen Arbeitsplatz hat Schlorhaufer mit dem Alpen-garten am Patscherkofel. Dieser natrlich angelegte Garten an und in der Waldgrenze dient nicht nur als Schaugarten fr die ffentlich-keit, sondern auch Forschungs-

    zwecken. Denn nicht jede Pflanze kann im Tal herangezogen und gesetzt werden. Gebirgspflanzen brauchen die entsprechenden B-den und die Hhe, um wachsen zu knnen. Wobei es hier schon wieder enger wird: Die Folgen der Klimavernderungen sind ge-rade in Hochlagen rasch erkenn-bar. Da wird es so mancher Pflan-ze inzwischen schon zu hei, be-richtet Schlorhaufer.

    Am Institut fr Botanik werden auch Lehrlinge ausgebildet. Flori-an Kofler ist einer von vier Lehrlin-gen, er hat seine Grtnerlehre im November abgeschlossen. Was ihm an der Ausbildung und am Betrieb Uni gefallen hat, ist die Vielfalt: Von den Gebirgspflan-zen ber mediterrane bis hin zu tropischen Pflanzen gibt es in un-serem Arbeitsbereich alles. Man lernt so viele verschiedene As-pekte kennen, kann berall rein-schnuppern, ist Kofler begeistert. Auf einen Lieblingsbereich ange-sprochen tut er sich daher auch schwer. Vielleicht am ehesten noch die Goldkugelkakteen. Es ist wirklich faszinierend, unter wel-chen klimatischen Bedingungen sie wachsen und dabei ber 100 Jahre alt werden knnen.

    christa.hofer@tt.com

    Abraham Siedler in seinem Labor, in dem er die Experimente fr die Vorle-sungen vorbereitet.

    Peter Daniel Schlorhaufer (rechts) und Florian Kofler in einem der Gewchs-huser des Botanischen Gartens. Fotos: Hofer, Siedler, PantherStock

  • Dienstag, 12. Februar 2013 6

    Konjunkturprognosen sind nicht Johann Scharlers Sache. Er blickt vielmehr hinter die Kulissen von wirtschaftlichen Schwan-kungen und auf die damit verbundenen Folgen.

    In einer aktuellen Arbeit beschf-tigen Sie sich mit so genannten job less recoveries also warum der Arbeitsmarkt auch in konjunk-turellen Aufschwungphasen fr ln-gere Zeit angespannt bleibt. Was steckt dahinter?

    Johann Scharler: Es handelt sich dabei um ein Muster, das wir

    nach vielen Rezessionen beobach-ten knnen. Allerdings erkennen wir ein hnliches Muster auch dann, wenn Aufschwungphasen zu Ende gehen. Der Arbeitsmarkt bleibt noch lnger im grnen Bereich, auch wenn viele ande-re Indikatoren bereits eher nach unten zeigen. Statistisch gesehen

    ist es der Normalfall, dass der Ar-beitsmarkt dem wirtschaftlichen Aufschwung ein bisschen hinter-herhinkt. Tatschlich handelt es sich dabei nur um eine zeitliche Verzgerung.

    Und warum kommt es zu dieser zeitlichen Verzgerung?

    Scharler: Arbeitskrfte sind ein

    Ist eine Wirtschaftskrise berwunden und die Umstze sowie die Gewinne stei-gen wieder, so erwartet man auch eine Erholung am Arbeitsmarkt. Warum das nicht automatisch so sein muss, wei der Innsbrucker konom Johann Scharler.

    Der reinigende Effekt von Rezessionen

    Dass konomische Aktivitt langfristig schwankt, kann ber viele Zeitperioden und Wirtschaftssysteme hinweg beobachtet werden. Foto: PantherStock

  • Dienstag, 12. Februar 2013 7

    Produktionsfaktor, mit dem der Output produziert wird. Wenn nun in der Aufschwungphase pltzlich wieder mehr produziert wird, wrde man doch anneh-men, dass man auch mehr Ar-beitskrfte dafr braucht. Genau das ist aber nicht der Fall. Es ist ganz einfach so, dass es Unter-nehmen schaffen, mit relativ kon-stantem Arbeitsinput teilweise sogar mit sinkendem den Out-put zu erhhen.

    Durch Kurzarbeit oder durch Verlagerung in andere Mrkte?

    Scharler: Zum Beispiel durch Outsourcing. Allerdings ist das eine recht moderne Entwicklung. Das hat es vor einigen Jahren noch nicht so stark gegeben und jobless recoveries beobachten wir schon sehr lange. Outsour-cing spielt jetzt sicher eine Rolle, ist aber keine allgemeine Erkl-rung. Generell gesagt, schaffen es Unternehmen, in einer Auf-schwungphase produktiver zu werden. Sie knnen mit weni-ger oder gleichbleibenden Inputs mehr produzieren.

    Gibt es dafr Erklrungsmo- delle?

    Scharler: Eine Erklrung hat damit zu tun, welche Ttig-keiten in einem Unternehmen von wem ausgefhrt werden. So kann man beobachten, dass in Rezessionsphasen Jobs verloren gehen und zwar sehr konzent- riert im Bereich der mittelqua-lifizierten Ttigkeiten. Was also in Rezessionen brig bleibt, sind die ganz niedrig und ganz hoch qualifizierten Jobs. Die Jobs, die ein mittleres Qualifikationsniveau haben und vor allem mit Routi-nettigkeiten zu tun haben, ge-hen verloren. Ganz einfach des-halb, weil sie leichter eingespart werden knnen. Das ist genau-so eine produktivittssteigernde Manahme, die sich darin aus-drckt, dass zwar der Output ge-steigert wird, man aber weniger Arbeitsinput dafr braucht.

    Insofern fhren Rezessionen also zu einem Produktivittswachstum?

    Scharler: Ja, aber diese Idee ist nicht ganz neu. Sie geht auf den sterreichischen konomen Joseph Schumpeter zurck, der bereits in den 30er-Jahren ber den reinigenden Effekt von Rezes-sionen gesprochen hat. Das heit, dass Ineffizienzen aufgedeckt und die Produktionsfaktoren whrend und nach einer Rezessionspha-se effizienter eingesetzt werden.

    Und genau diese Idee greifen wir in gewisser Weise wieder auf.

    Rezessionen haben also auch positive Effekte?

    Scharler: Ich wrde nicht sa-gen, dass es kurzfristig unein-geschrnkt positive Effekte sind. Wir sehen aber, dass dabei die Produktivitt steigt. Ob man das nun gut oder schlecht fin-det, sei dahingestellt. Jedenfalls sieht man in dieser Arbeit und das knnte man als positiven Ef-fekt betrachten , dass durch die hhere Produktivitt der Ab-schwung abgemildert wird. Und als Kehrseite von dieser Medaille kann man beobachten, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt zwar verzgert einsetzt, der Ab-schwung aber auch hier etwas weniger stark ausgeprgt ist.

    Mit Vorsicht zu genieenAls Makrokonom suchen Sie

    auch nach Mglichkeiten, negati-ve Konsequenzen von Konjunktur-schwankungen abzufedern. Welche stehen dafr zur Verfgung?

    Scharler: Wenn man besser versteht, wie verschiedene Din-ge laufen, dann hat man einfach ein besseres Rstzeug, um daraus wirtschaftspolitische Empfeh-lungen abzuleiten. In erster Linie geht es aber um das Verstndnis, wie es zu solchen Wirtschafts-schwankungen kommt.

    Die Wirtschaft soll sich 2013

    leicht erholen, whrend die Arbeits-losenquote leicht steigen soll. Wie sind solche Konjunkturprognosen zu bewerten?

    Scharler: Ich denke nicht, dass es die Aufgabe irgendeiner Wis-senschaft ist, die Zukunft vorher-zusagen. Ich glaube, solche Prog- nosen sind mit Vorsicht zu genie-en.

    Und doch haben Konjunkturprog- nosen wiederum Auswirkungen auf die Wirtschaft?

    Scharler: Ja, das stimmt. Ich denke, dass diese Prog- nosen in vielerlei Hinsicht zu ernst genommen werden. Einerseits hngt das mit der Art und Wei-se zusammen, wie diese Prog- nosen prsentiert werden in den Medien und auch von den Institutionen, die diese Vorher-sagen verffentlichen. Ande-rerseits wird das aber auch da-von beeinflusst, wie diese Prog- nosen aufgenommen werden nmlich als etwas, das in Stein gemeielt ist. Und das ist sicher nicht der Fall. Im Grunde verhlt es sich hnlich wie mit den Ra-tingagenturen, die in letzter Zeit sehr in Kritik geraten sind. Mei-ner Meinung nach zu Recht. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Ratings, hnlich wie Progno-sen, Meinungen sind. Und mit Meinungen kann man eben auch falsch liegen.

    michaela.darmann@tt.com

    Statistisch gesehen hinkt der Arbeitsmarkt Auf- und Abschwngen immer ein wenig hinterher. Fotos: PantherStock, Scharler

    Experte fr KonjunkturJ ohann Scharler hat in Wien Volkswirtschaftslehre studiert. Nach dem Doktoratsstudium im kanadischen Vancouver kehrte er nach Wien zurck und arbeitete hier mehrere Jahre in der volkswirtschaftlichen Abtei-lung der Oesterreichischen Na-tionalbank. 2007 wurde er As-sistent an der Universitt Linz, wo er bis zu seiner Berufung an die Universitt Innsbruck ttig war. Eine Gastprofessur fhrte ihn in dieser Zeit auch an die Universitt Zrich. Seit Februar 2012 ist Scharler Pro-fessor fr Wirtschaftstheorie mit dem Schwerpunkt Empirische Makrokonomik an der Uni Innsbruck.

    zur perSon

    JohAnn SchArler

  • Dienstag, 12. Februar 2013 8

    Korruptionsskandale gab es bereits vor ber drei-hundert Jahren: 1680 etwa wurde der kaiserliche Hof-kammerprsident deswe-gen entlassen. Niels Grne forscht zu Korruptionsvor-stellungen in der Frhen Neuzeit.

    1,970.000 Gulden Rckzahlung, Verbannung und Verlust aller mter: So lautete das Urteil gegen Georg Ludwig Graf von Sinzendorf 1680. Die Vorwrfe: Vernachlssigung der Amtspflichten, Bereicherung, Betrug, Korruption, Erpressung und Diebstahl. Das Beispiel von Sinzendorf zeigt, dass Korruption keineswegs eine Erfindung der Moderne

    Bestechlichkeit , Amtsmissbrauch und Klientelismus : alles keine Phnomene der Moderne. Ein Historiker der Uni Innsbruck beschftigt sich mit Korrup-tion in der Frhen Neuzeit .

    Korruption: Ein alter Stein des Anstoes

    Korruption ist derzeit wieder in aller Munde dabei ist sie keineswegs ein modernes Phnomen. Foto: PantherStock

    ist ganz im Gegenteil, schon in antiken Erzhlungen finden sich Hinweise auf die Brandmarkung korrupten Handelns, auch die Bibel bietet zahlreiche Beispiele dafr, erlutert Dr. Niels Grne. Der Historiker befasst sich mit Korruptionsdebatten ab dem 16. Jahrhundert in Territorien des Heiligen Rmischen Reichs und in England. Anders, als man lange glaubte, wichen die damaligen Vorstellungen von Korruption im Kern gar nicht so weit von heutigen Auffassungen ab.

    KorruptionsaffreGraf von Sinzendorf stand im

    17. Jahrhundert im Zentrum einer Korruptionsaffre in Wien. 1656 war er Prsident der Hofkammer und damit Leiter der obersten Finanzbehrde unter Kaiser Leo

  • Dienstag, 12. Februar 2013 9

    Die Malerei von 1498 von Gerard David stellt eine antike Erzhlung dar: Der persische Knig Kambyses lie einen seiner Richter namens Sisamnes zur Strafe fr Bestechlichkeit schinden. Mit der Haut wurde der Richterstuhl be-spannt, auf dem anschlieend Sisamnes Sohn als Nachfolger sitzen musste. Hier wird Sisamnes abgefhrt. Fotos: Groeningemuseum Brgge/Gerard David; Eva Fessler

    N iels Grne (geboren 1972 in Wickede/Ruhr) ist seit Herbst 2012 Univer-sittsassistent fr Geschichte der Neuzeit am Institut fr Geschichtswissenschaften und Europische Ethnologie. Von 1993 bis 2002 studierte er Geschichte, Wirtschaftswis-senschaften und Germanistik an den Universitten Biele-feld und Exeter, die Promo-tion folgte 2009 in Bielefeld. Zwischen 2008 und 2012 war Grne wissenschaftlicher Mit-arbeiter im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ge-frderten SFB-Projekt Politi-sche Korruption in der Frhen Neuzeit. Sein wissenschaft-liches Interesse gilt unter an-derem der politischen Sozi-al- und Kulturgeschichte der Frhen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts, der historischen Korruptionsforschung, der Geschichte lndlicher Gesell-schaften und der Mikro- und Regionalgeschichte.

    zur person

    nils grne

    pold I. geworden. Schon bald hagelte es Beschwerden, Sin-zendorf verlange fr Dienstleis- tungen Geldzuwendungen oder Geschenke. An Sinzendorf lsst sich ein klassischer Konflikt in dieser Zeit beobachten: jener zwischen dem sozialen Stand und damit einhergehenden Privi-legien und den formalen Pflich-ten eines hohen Beamten, stellt Niels Grne fest. Sinzendorf wur-de lange von Leopold I. gedeckt, sein politisches Gewicht und sein gesellschaftlicher Rang schtzten ihn vor Verfolgung. Dazu kommt, dass Geschenke an Amtstrger durchaus blich waren, um das brokratische Verfahren zu be-schleunigen. Erst 1680 hatte ei-ne Sinzendorf-feindliche Gruppe am Hof den Kaiser so weit, dass ihm der Prozess gemacht und er

    verurteilt wurde. Der Fall Sin-zendorf illustriert, worauf es in der historischen Korruptionsfor-schung letztlich ankommt: der sich wandelnden Bedeutung ob-rigkeitlicher Normen gegenber konkurrierenden sozialen Erwar-tungen, zum Beispiel Patronage, nachzuspren. Denn unser heu-tiges Bild vom Staat als neutralem Hter des Gemeinwohls ist ja erst das Produkt solcher Entwick-lungen, betont Niels Grne.

    Kritisches BewusstseinSchon einige Jahrzehnte zuvor

    existierte ein Bewusstsein fr die Diskrepanz zwischen offiziellen Normen und dem tatschlichen Verhalten von Funktionstrgern. Ein anonymes Memorandum von 1611, das reformorientierten Krei-sen im Kurfrstenkollegium zuge-schrieben wird, mutet erstaunlich modern an: Ungengende Bezah-lung von Amtstrgern habe Be-stechlichkeit befrdert. Als Gegen-manahmen schlug der Verfasser unter anderem vor, mter knftig nicht nach dem persnlichen Ein-fluss Einzelner und dem sozialen Stand der knftigen Amtstrger zu besetzen, sondern ausschlie-lich deren Befhigung als Kriteri-um zu nehmen.

    Aber nicht nur hochrangige Adelige, sondern auch Brger und Bauern waren sich der ne-gativen Auswirkungen von Kor-ruption durchaus bewusst. Was wir hufig beobachten knnen, sind Beschwerden ber einzelne Amtstrger aus der Bevlkerung etwa in Form von Bittschriften an den jeweiligen Landesherrn, sagt Niels Grne. Der einzelne Be-amte hatte in der Frhen Neuzeit einen wesentlich greren Spiel-raum fr seine Entscheidungen als ein Amtstrger heute. Auch das Geschenkewesen war deut-lich ausgeprgter. Geschenke an Amtstrger waren durchaus blich und wurden auch nicht immer als Bestechung aufgefasst, sondern als selbstverstndlich, unterstreicht Niels Grne. Be-sonders die so genannten Spor-teln, Geld, das die Untertanen fr Diensthandlungen zu entrich-ten hatten, sind hier zu nennen. Im Gegensatz etwa zu heutigen Gerichtsgebhren wurden Spor-teln oftmals vollstndig den je-weiligen Beamten berlassen. Durch das breite Ermessen und die direkte Bezahlung fr einen Verwaltungsakt war die Grauzo-

    ne fr korruptes Verhalten in der Frhen Neuzeit ungleich grer.

    Neutrale UrteilsfindungNiels Grne hat unter ande-

    rem fr das Herzogtum Wrt- temberg auch die rechtliche La-ge und die gesetzliche Behand-lung von Korruption untersucht. In der Rechtsprechung ging es in erster Linie darum, eine neu-trale Urteilsfindung zu gewhr-leisten und dadurch die staatli-che Autoritt zu strken, erklrt der Historiker. Die wrttember-gische Landesordnung von 1536 etwa untersagte Richtern und Amtsleuten, Beschuldigte umb gunst, gab, oder geschenk wil-len zu verschonen oder sie milder zu beurteilen, wenn sie inen gefreundt oder anhengig waren. Im Laufe der Jahre wur-de die Gesetzgebung schlielich immer konkreter und nahm auch tatschliche Gesetzesverste als Grundlage fr neue Rechts-normen.

    hnliche Erfahrungen mit Kor-

    ruption gab es in England, wenn-gleich die Personengruppe, die bestochen wurde, von der in den deutschen Staaten abwich. Bestochen wurden in der Regel Akteure mit institutionellem Ein-fluss, in England waren das zum Beispiel Angehrige des Parla-ments, in Deutschland eher die Rte der Frsten, meint Niels Grne. Die frhere Demokratisie-rung Grobritanniens hatte auch zur Folge, dass Korruptionsskan-dale schneller weite Kreise ziehen konnten: Eher als in Deutschland und sterreich entstanden eine ffentliche Sphre und eine von der Obrigkeit unabhngige Me-dienlandschaft. England war Deutschland da rund hundert Jahre voraus. Das Parlament war ebenfalls ein Forum fr Korrup-tionskritik, das es in der Form in Deutschland zu dieser Zeit kaum gab. Da wie dort begann sich aber langsam ein strkeres Ge-fhl fr unrechtmiges Handeln durchzusetzen. stefan.hohenwarter@uibk.ac.at

  • Dienstag, 12. Februar 2013 10

    In einem Forschungspro-jekt am Innsbrucker Insti-tut fr Pharmazie wird die UV-Bestndigkeit alpiner Algenarten untersucht, um mgliche Naturstoffe fr den Hautschutz zu finden.

    Alpine Algen haben sich an die extremen Lebensbedingun- gen in den Bergen bestens ange-passt. Sie sind so genannte Extre-mophile, also Organismen, die bei groen Temperaturschwan-

    Starke UV-Strahlenbelastung stellt fr Organismen aus hochalpinen Lebensrumen kein Problem dar. Pharmazeuten der Uni Innsbruck sehen darin ein groes Potenzial fr die Wirkstoffsuche.

    Sonnenschutz aus der Natur

    kungen, geringem Wasservor-kommen und hoher UVA- und UVB-Strahlenbelastung ber-leben knnen. Vor allem die durch die hohe UV-Strahlung ausgelsten Vernderungen in den Algen sind fr uns interes-sant, erklrt assoz. Prof. Dr. Markus Ganzera vom Institut fr Pharmazie der Uni Innsbruck. Im Hochgebirge ist die Belas- tung mit UVA und UVB extrem hoch. Da diese Strahlung fr Zel-len generell schdlich ist, mssen die Algen Strategien entwickelt

    haben, um sich zu schtzen. In einem vom sterreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) unter-sttzten Projekt will Ganzera ge-meinsam mit seinem Team he-rausfinden, welche Inhaltsstoffe dieser Algenarten fr deren UV-Resistenz verantwortlich sind.

    Ungewhnliches ProjektNormalerweise beschftigt sich

    Markus Ganzera mit der Natur-stoffanalytik und Naturstoffiso-lierung aus Heilpflanzen. Der etwas ungewhnliche Untersu-

    chungsgegenstand Alge ergab sich durch unseren Projektmitar-beiter Dr. Daniel Remias, der vom Institut fr Botanik zur Pharmazie wechselte. Er wies uns erst auf die UV-Bestndigkeit alpiner Algen hin, beschreibt Ganzera, der in diesen Schutzmechanismen Wirk-stoff-Potenzial sowohl fr kosme-tische Hautschutzprodukte als auch fr Arzneimittel sieht: Ein Sonnenbrand ist sehr vereinfacht eine entzndliche Reaktion der Hautzellen auf die schdigend wirkende UV-Strahlung. Die Me-

  • Dienstag, 12. Februar 2013 11

    Die Algen mssen von den Wissenschaftlern vor den Tests erst kultiviert wer-den. Fotos: PantherStock; Markus Ganzera

    M arkus Ganzera, gebo-ren 1967 in Salzburg, absolvierte ein Pharmaziestu-dium an der Uni Innsbruck, das er 1997 mit dem Dok-torat beendete. 2006 habili-tierte er sich in Innsbruck im Fach Pharmakognosie. Nach diversen Forschungsaufent-halten und Lehrauftrgen in den USA und in der Trkei sowie einer Beschftigung als Universittsassistent an der Uni Innsbruck wurde Ganzera 2012 zum assoziierten Profes-sor am Institut fr Pharmazie bestellt.

    zur person

    markus ganzera

    Die Grnalge Hormidiospora verrucosa wird im Rahmen des Forschungs-projektes auf Substanzen mit UV-schtzender Wirkung untersucht.

    taboliten, die von den Algen zum Schutz produziert werden, wirken also sehr wahrscheinlich entzn-dungshemmend, wodurch sich neben dem Sonnenschutz auch viele andere Einsatzgebiete erff-nen, so der Pharmazeut, der aber betont, dass seine Arbeit Grundla-genforschung ist, die erst die Basis fr derartige Produkte liefern soll: Zuerst geht es darum, herauszu-finden, um welche Inhaltsstoffe es sich handelt und gezielt zu un-tersuchen, wie diese wirken. Um diesen Inhaltsstoffen auf die Spur zu kommen, entschieden sich die Wissenschaftler, 20 alpine Algen-arten nher zu untersuchen. Sie whlten dazu hochalpine Blau-, Grn- und Gelbgrnalgen aus, die zwar taxonomisch identifiziert wurden, ber die aber Informati-onen zu ihren Inhaltsstoffen, ihrer Bioaktivitt oder ihren Schutzme-chanismen gegen uere Um-welteinflsse fehlen. Damit mit reinen Proben gearbeitet wer-den kann, wurde das Ausgangs-material nicht selbst gesammelt, sondern von speziellen Stamm-banken bezogen. Die Arbeit mit den Algen stellte uns dabei vor ungewohnte Probleme, die wir von unseren Studien mit hheren Pflanzen nicht kennen, erlutert der Pharmazeut. Die Mengen, die von den Stammbanken zur Verf-gung gestellt werden, sind sehr klein. Um ausreichend Material fr weitere Untersuchungen zu haben, mussten die Wissenschaft-ler die Algen erst kultivieren. Es hat einige Zeit in Anspruch ge-nommen, bis wir das passende Nhrmedium und die optimalen

    Lichtverhltnisse fr jede Art ge-funden haben, erklrt Markus Ganzera die Schwierigkeit dieses Prozesses. Untersttzt wird er da-bei von seiner Projektmitarbeite-rin, Apothekerin Anja Hartmann, die das Wachstum der Algen tg-lich berprft und optimiert.

    Positiver StartNachdem ausreichend Material

    vorhanden war, konnten aus den Algen Extrakte fr weitere Tests gewonnen werden. Diese wurden von den Projektpartnern Prof. Flo-rian berall, Dr. Johanna Gostner und MSc. Kathrin Becker von der Sektion fr Medizinische Bioche-mie der Medizinischen Universitt

    Innsbruck durchgefhrt. Das ge-meinsame Gebude, das wir uns seit Kurzem mit der Medizinischen Universitt teilen, bietet ein opti-males Set-Up fr unser Projekt, zeigt sich Ganzera begeistert. Die ersten Tests, die auf antioxi-dative also entzndungshem-mende Eigenschaften der Algen abzielten, ergaben drei besonders aktive Arten. Drei Algenarten zeigten im Bereich der antioxida-tiven Eigenschaften eine beson-ders hohe Bioaktivitt und wur-den fr weitere Untersuchungen ausgewhlt, betont Markus Ganzera. Auch wenn die ersten

    Tests bereits erfolgsversprechend waren, ist noch viel zu tun. Bei komplexen Mischungen wie Al-genextrakten ist es schwierig, he-rauszufinden, welcher Inhaltsstoff fr die Wirkung ausschlaggebend ist. Weitere verfeinerte Testver-fahren vor allem auch Tests an menschlichen Hautzellen sind nun notwendig, erklrt der Phar-mazeut. Auch wenn eine Probe eine berdurchschnittliche Bioak-tivitt in manchen Tests aufweist, sagt dies nichts darber aus, wie sie in den Zellen reagiert. Da fr die weiteren Untersuchungen aber mehr Ausgangsmaterial be-ntigt wird, muss zuerst die Pro-duktion der drei ausgewhlten Al-genarten hochgefahren werden. Fr die Untersuchungen werden die Algenextrakte dann bioaktivi-ttsgeleitet aufgetrennt da aber schon die Mengen des Ausgangs-materials sehr klein sind, stellt uns dieses Verfahren auch in Bezug auf die dafr gewhlten Metho-den vor eine Herausforderung, so Ganzera.

    Neben der Identifizierung des fr die UV-Bestndigkeit der Al-gen verantwortlichen Inhalts-stoffes sollen Sonnensimulati-onsstudien zeigen, wie viel und wie lange UV-Strahlung ben- tigt wird, damit die Algen diesen UV-Schutz vermehrt bilden. Un-tersuchungen dazu werden am Helmholtz-Institut in Mnchen durchgefhrt, da in den dort vorhandenen Klimakammern Be-dingungen wie Temperatur und Licht genau simuliert werden knnen. Neben einem Naturstoff mit interessanten pharmakolo-

    Drei algenarten zeigen im Bereich der antioxidativen eigenschaften eine beson-ders hohe Bioaktivitt. Markus Ganzera

    gischen Eigenschaften verspricht sich Markus Ganzera von dem Projekt auch wichtige Ergebnisse zu den verschiedenen Schutzme-chanismen gegen hohe UV-Bela-stung. Unsere Studie verbindet auf einzigartige Weise relevante kologische Fragestellungen mit phytochemischen, analytischen und pharmakologischen As-pekten, so Ganzera.

    susanne.e.roeck@uibk.ac.at

  • Dienstag, 12. Februar 2013 12

    Das Format der Fernsehserie boomt : Als zeitgenssische Plattform beschftigt es sich mit Fragestellungen der Gegenwart . Im Feuilleton liest man, dass die DVD-Box lngst zum Roman der Gegenwart avanciert ist .

    Der Roman unserer Zeit

    Ein Bild prgt die Gesellschaft: Als Vorlage dieser Montage (im Original ohne Fernseher) diente das Gemlde mit dem Titel Whistlers Mother des ameri-kanischen Knstlers James Abbott McNeill Whistler von 1871. Foto: PantherStock

    Aufgrund der Vormacht-stellung der USA am Markt der TV-Serien stellen sich Forschende der Uni Inns-bruck die Frage nach der regionalen Aneignung an-gloamerikanischer Formate im europischen Raum.

    Sich mit einem guten Buch auf die Couch zu legen, in der er-zhlten Geschichte zu versinken und Stunden im Zeitraffer verge-hen zu lassen, war gestern. Heu-te verbringt man einen gemt-lichen Abend vor dem Fernseher, gibt sich den einzelnen, endlos wirkenden Episoden von Serien hin und sieht die Zeit frmlich

    zerflieen, ganz im Sinne Dals. Im Feuilleton kann man heu-te berall lesen, dass die Serien den Roman abgelst haben, sagt Sabine Schrader vom Insti-tut fr Romanistik. Uns geht es aber nicht um eine Konkurrenz von Literatur und Fernsehen, sondern darum, auch auf po-pulrkulturelle Phnomene wie

    Fernsehserien hinzuweisen. Das Serielle ist darber hinaus auch der Literatur zu eigen, insbeson-dere dem Feuilletonroman des 19. Jahrhunderts. Gemeint ist da-mit der Fortsetzungsabdruck von unterhaltsamen und spannenden Romanen, Erzhlungen und No-vellen in Folgen. Im Feuilleton-roman ist bereits das Muster der

  • Dienstag, 12. Februar 2013 13

    Fernsehserie vorgegeben: Eine Dramaturgie kurzer Spannungs-bgen, der Cliffhanger, also der offen gehaltene Ausgang am En-de der Episode, und das Aufgrei-fen zeitgenssischer Themen ge-sellschaftlicher Relevanz, erklrt Schrader die Struktur der Serie. Die Romanistik ist vor allem im deutschsprachigen, aber auch im italienischen Raum sehr stark am literarischen Kanon orientiert. Wir wollen diesen Kanon erweitern und versuchen, anhand unserer Forschung populrkulturelle The-men hinzuzuziehen. Aktuell ist dies bei uns vor allem der Bereich Film und Fernsehen, schildert Schrader. Daher steht derzeit die Fernsehserie im Forschungsinte-resse der beiden RomanistInnen Sabine Schrader und Daniel Wink-ler von der Universitt Innsbruck und erweist sich als spannendes Forschungsgebiet.

    Fernsehserien sind heutzutage qualitativ extrem hochwertig ge-staltet, basieren auf guten Dreh-bchern und weisen eine sthetik auf, die mitunter stark an das Ki-no erinnert. Der Feuilletonroman wurde geschrieben, um Nachrich-ten zu verkaufen. Heute wird die Serie gedreht, um Werbung zu verkaufen. Je erfolgreicher eine Se-rie ist, desto besser kann man die Werbung verkaufen. Dementspre-chend sind die Serien auch sehr aufwndig und gut gemacht, stellt die Romanistin fest.

    Der Boom des Formats Fern-sehserie fhrt unter Umstnden auch zu einem ZuschauerInnen-rckgang im Kino. Daniel Wink-ler fhrt den Erfolg der Serien auf eine Verschiebung der Medien-industrie zurck, frher war die Fernsehserie im Gegensatz zum Kinofilm eher ein Produkt zwei-ter Klasse und heute ist es genau umgekehrt. Bei den Serien wirken meist viele gute Filmleute und gu-te DrehbuchautorInnen mit. Es ist der Bereich, der letztlich ko-nomisch interessanter ist, weil

    S abine Schrader: Studium der Romanistik und Geschichte an den Unis Gttingen, Vene-dig und Kln. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universit-ten Leipzig und Dresden, paral-lel dazu langjhrige freie Mitar-beiterin fr die Deutsche Welle (TV) in Kln und Organisatorin zahlreicher Filmreihen mit std-tischen Programmkinos. Seit 2009 Professorin fr italienische Literatur- und Kulturwissen-schaft an der Uni Innsbruck.

    D aniel Winkler: Studium der Romanistik, Kompa-ratistik und Geschichte in Aix-en-Provence, Paris und Wien. Forschungsschwerpunkte sind italienische, franzsische und kanadische Literatur- und Me-dienwissenschaft des 18. bis 20. Jahrhunderts. Habilitati-onsprojekt zur italienischen Theaterliteratur der Aufkl-rung. Assistent am Institut fr Romanistik der Universitt Innsbruck.

    zu den personen

    das Kino stark im Umbruch ist.Es gibt drei Arten, wie Fernseh-

    serien entstehen knnen: Es wer-den entweder US-amerikanische Serien als Gesamtes gekauft oder es werden lediglich Formate, also Ideen zu Serien, gekauft, die dann lokal angepasst werden, oder es werden berhaupt eigene Produk-tionen entwickelt. Die Serie Tat-ort ist ein gutes Beispiel fr eine eigene Produktion, die aber inner-halb von drei unterschiedlichen Nationen funktioniert. Es gibt den Wiener oder den Klner Tatort, in dem jeweils eine spezifische Form von Humor und auf einer Meta-ebene eine Auseinandersetzung mit den einzelnen Regionen ent-halten ist. Der Regionalismus, wie ihn der Tatort aufweist, ist eher ein deutschsprachiges Phnomen und wrde in Frankreich nicht funktionieren. Dort wre die na-tionale Referenz viel wichtiger, wei Winkler.

    TV glokalIm Fokus des Projektes TV glo-

    kal liegt demnach die Fragestel-lung, wie Fernsehserien Bausteine einer regionalen Identitt liefern bzw. abbilden knnen. Das Ele-ment der Identifikation ist dabei sehr wichtig und nicht zu unter-schtzen. Es geht darum, mitlei-den und Geschichten wiederer-kennen zu knnen. Die Serie muss dabei eine mglichst groe Grup-pe ansprechen. Wir konnten bis-her beobachten, dass das Lokale zumindest zu einem bestimmten Teil vorhanden sein muss, damit es zu einer Identifikation kommen kann, erlutert die Kulturwissen-schaftlerin. Natrlich ist dieser Aspekt relativ zu sehen, da auch Serien ohne ein identittsstif-tendes lokales Element funktionie-

    ren knnen, wie zum Beispiel die Fernsehserie Golden Girls, fgt Winkler hinzu. TV glokal deshalb, weil wir dem Ansatz der Globalitt den der Glokalitt, also der Wech-selwirkung von globalen und lo-kalen Formaten, entgegenset-zen, sagt Schrader und ergnzt, dass der Begriff der Glokalisie-rung eigentlich aus dem Bereich der Wirtschaft stammt. Natrlich gibt es eine hegemoniale, kapi-talistische Ordnung, gleichzeitig aber muss man seine Produkte lo-kal anpassen, um sie verkaufen zu knnen. Das Unternehmen Ikea muss im arabischen Raum mit einer anderen Familienwerbung auftreten, als dies in Skandinavien der Fall ist.

    Obwohl das Mediensystem der USA hegemonial ist, kann es trotzdem eine Aneignung dieser angloamerikanischen Formate geben. Die italienische Serie Bo-ris ist beispielsweise eine Persi-flage auf Seifenopern, weil diese mit ihrer bestimmten Gestik und Theatralik natrlich ganz stark US-amerikanisch markiert wer-den. Boris ist ein Goldfisch, der den Regisseur inspirieren soll, Ge-schichten zu schreiben. Es geht in der Serie um die schwachen Drehbcher, die Selbstberscht-zung der Stars und Sternchen, die mitspielen, und um die Einbin-dung von Gaststars, die in vielen Serien auftauchen. Es ist eine Par-odie auf die gesamte Industrie der Seifenopern. Die Parodie scheint mir so eine glokale Form zu sein, eine regionale Aneignung, sagt Schrader.

    Internationale TagungIm Rahmen ihres Forschungs-

    projektes TV glokal. Europische Fernsehserien im Kontext wer-den die beiden Forschenden der regionalen Aneignung angloame-rikanischer Serienformate in Euro-pa nachgehen. In diesem Rahmen findet vom 17. bis 19. April eine gleichnamige internationale Ta-gung an der Uni Innsbruck statt. Die Tagung steht allen Interessier-ten offen.

    nina.hausmeister@uibk.ac.at

    Im Feuilletonroman ist bereits das Muster der Fern-sehserie vorgegeben: eine dramaturgie kurzer span-nungsbgen, der Cliffhanger und das Aufgreifen zeitge-nssischer Themen. Sabine Schrader

    Forschende der Uni Innsbruck interessiert, was und wie in den Fernsehserien erzhlt wird. Foto: PantherStock

  • Dienstag, 12. Februar 2013 14

    Man sieht sie an fast jeder Hauswand: Wer durch die Innsbrucker und Haller Alt-stadt spaziert, kommt an der Httinger Brekzie nicht vorbei.

    Ein weitgehend unbeachtetes Dasein fristet der graubraun bis rtlich wirkende grobe Stein. Sein Name ist kaum bekannt und doch ist er allgegenwrtig. Vom Mittel-gebirge bis nach Schwaz wurde

    Die Httinger Brekzie ist wenig bekannt . Diese Tatsache ist umso verwunderlicher, weil man in der Tiroler Landeshauptstadt und ihrer Umgebung an jeder Ecke auf sie trif f t .

    Der Stein, aus dem die Stadt erbaut ist

    Interdisziplinres Projekt

    D ie Forschungen zur Httin-ger Brekzie betrieben die Wissenschaftler in einem inter-disziplinren Projekt. Nach Pro-jektabschluss gaben sie gemein-sam mit weiteren Forschern das Buch Die Httinger Brekzie Ein Tiroler Werkstein heraus.

    Der ehemalige Sprrsche Steinbruch auf der Hungerburg: Im frhen 20. Jahrhundert diente er als knstlich angelegter See und sollte die tou-ristische Erschlieung beschleunigen. Der Erste Weltkrieg verzgerte diese Entwicklung jedoch. Foto: Gerhard Siegl

    die Httinger Brekzie bis ins 20. Jahrhundert vielfach verbaut. Oh-ne sie trte der Inn heute hufig ber die Ufer und Wahrzeichen wie der Innsbrucker Dom oder die Triumphpforte shen deutlich anders aus.

    Rote und weie BrekzieGrund genug fr Wissenschaft-

    ler der Uni Innsbruck, den Geolo-gen Michael Unterwurzacher und den Historiker Gerhard Siegl, die Spuren der Brekzie genauer zu

    verfolgen. In mehreren Steinbr-chen im Bereich der Hungerburg wurde der Baustein ber einige Jahrhunderte gebrochen. Das Ge-stein lsst sich in rote und weie Brekzie unterteilen. Bis auf eine Ausnahme wurde ausschlielich die qualitativ hherwertige rote Brekzie zum Bau verwendet. Acht Steinbrche sind heute noch be-kannt, ein neunter befand sich weiter stlich beim Mhlauer Graben. Hier wurde einst die wei-e Brekzie, der Baustein fr die

  • Dienstag, 12. Februar 2013 15

    vor wenigen Jahren abgerissene Rauch-Mhle, gebrochen. Auf-grund ihrer geringeren Festigkeit und groer Hohlrume ist die wei-e Brekzie als Baumaterial wenig geeignet und ihre Verwendung ist als Sonderfall zu betrachten.

    Viele SpurenBei genauer Betrachtung fin-

    den sich auf der Hungerburg noch heute zahlreiche Spuren des Ab-baus der Brekzie. Rund eine Mil-lion Kubikmeter Gestein wurden dort nach Schtzung der Wissen-schaftler durch die Jahrhunderte abgebaut. Gut zu erkennen sind die Brekzienwnde eines ehema-ligen Steinbruchs, der heute als

    Parkplatz fr einen Supermarkt dient. Auch der beliebte Kletter-garten war einst Teil des bedeu-tendsten Abbaugebiets, des gro-en Mayrschen Steinbruchs. Die einzelnen Steinbnke sind noch immer gut zu erkennen.

    Als sehr markante Formation zeigt bis heute der Sprrsche Steinbruch. Er zieht sich entlang der Gramartstrae, oberhalb des Bildungshauses Seehof. Hier wurden geschtzte 84.000 Ku-bikmeter Stein auf einer Flche von 3000 Quadratmetern abge-baut. Der Abbau wurde um 1900 eingestellt. Ab 1912 diente der

    Steinbruch als knstlich geschaf-fener Badesee mit Ausflugslokal und Aussichtsturm. Die Brder Schwrzler versuchten mit dieser Attraktion, den Hungerburg-Tou-rismus anzukurbeln, ein Unterfan-gen, mit dem sie ihrer Zeit eini-ge Jahre voraus waren. Der See wurde einige Jahre spter wieder trockengelegt und der groe tou-ristische Durchbruch erfolgte erst viel spter.

    Markante BautenDie Httinger Brekzie ist in der

    Landeshauptstadt omniprsent. Ob Stadtturm, Triumphpforte, Dom zu St. Jakob oder zahlreiche Huser der Altstadt: berall wur-de die Brekzie verbaut. Zuletzt wurde sie zur Innverbauung in den 1980er-Jahren verwendet. Um das ntige Material zu ge-winnen, reaktivierte man aber keinen Steinbruch mehr, sondern bediente sich der noch herumlie-genden Blcke.

    Guter BausteinDer Geologe Michael Unter-

    wurzacher fhrt die hufige Ver-wendung auf die guten Eigen-schaften des Steins zurck: Da es sich um ein Sedimentgestein handelt, das einst unter Oberfl-chenbedingungen gebildet wur-de, ist es auch heute noch unter Oberflchenbedingungen stabil. Auerdem war die Httinger Brekzie leicht abbaubar, witte-rungsbestndig und lag sozusa-gen vor der Haustr. Heute set-zen dem Stein Umwelteinflsse wie Abgase stark zu und an vie-len Stellen ist eine Restaurierung

    notwendig. Da erweist es sich als hilfreich, dass die Httinger Brek-zie bei Abbrucharbeiten an Hu-sern mit Bedacht herausgelst und zu Restaurierungszwecken verwendet wird.

    Abbau ab dem MittelalterDie Geschichte des Abbaus

    reicht bis tief ins Mittelalter zu-rck. Erstmals erwhnt wurde das Gestein im Jahr 1357, als der damalige Landesherr den Abbau bewilligte. Dann verlieren sich ihre Spuren in den schriftlichen Quellen. Whrend der Abbau von Salzen und Metallen wie

    Silber und Kupfer exzellent do-kumentiert wurde, findet der weniger wertvolle Baustein nur selten historische Erwhnung. So geben Quellen nur vereinzelt Hinweise zum Bruch des Brekzi-engesteins.

    Interdisziplinrer AnsatzMit ihren Forschungen bringen

    Gerhard Siegl und Michael Unter-wurzacher nun Licht ins Dunkel. Ihr interdisziplinrer Ansatz, der Geologie, Ethnologie, Geschichte und Steinrestaurierung verbindet, steht im Zentrum der ersten Mo-nographie zur Httinger Brekzie seit knapp 100 Jahren.

    christina.vogt@tt.com

    Nicht nur in Innsbruck wurde die Brekzie verwendet: Das Bild ganz links zeigt den Eingang einer Kapelle nahe der Stephansbrcke in Unterberg (Gemeinde Schnberg). Die weiteren Bilder zeigen zwei Portale und einen Erdbebenpfeiler in der Innsbrucker Altstadt. Fotos: Gerhard Siegl

    Historiker und GeologeD er Historiker Gerhard Siegl ist wissenschaftli-cher Mitarbeiter am Bereich fr Europische Ethnologie. Er forscht im Bereich der Wirt-schafts- und Sozialgeschichte mit dem Schwerpunkt Agrar-geschichte, Geschichte der sozialen Sicherheit und Ge-schichte der Landschaft. Der Geologe, Mineraloge und Jurist Michael Unterwurz-acher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut fr Archologien in Innsbruck so-wie am Fachbereich fr Geo-logie und Geographie der Universitt Salzburg. Er leite-te bisher zahlreiche vielfach interdisziplinre Forschungs-projekte. Er ist Autor wissen-schaftlicher und populrwis-senschaftlicher Publikationen und Mitherausgeber von ArchoPLUS.

    zU DEN PErSoNEN

    GErhArD SIEGl (I.) UND MIchAEl UNtErwUrzAchEr

    Vermutlich gab es einst zwanzig bis dreiig Stein-brche, in denen die Brekzie abgebaut wurde. Gerhard Siegl

    Die httinger Brekzie inter-pretiert man heute berwie-gend als verfestigten Mur- und hangschutt. Michael Unterwurzacher

  • Dienstag, 12. Februar 2013 16

    Riesige Mengen an Saatgut werden jhrlich durch die Folgen des Klimawandels unbrauchbar. Ein wesent-licher Faktor fr die vermin-derte Samenqualitt ist der Einfluss von Umweltstress auf die Mutterpflanze. Aber auch durch ungns- tige Lagerung entstehen groe Schden.

    Jedes noch so kleine Samen-korn hat ein Eigenleben. Wie lan-ge es lagerfhig ist, ob es keimt, wann es keimt und wie krftig der Spross der nchsten Jung-pflanze wird, hngt von jenen Informationen ab, die ihm die Mutterpflanze mitgibt. Es arbei-tet auch, nachdem es von der Mutterpflanze abgeworfen wur-de, weiter. Aus diesem Grund ha-ben die Umweltbedingungen, de-nen die Mutterpflanze ausgesetzt ist, ebenso wie die Lagerbedin-gungen groen Einfluss auf Qua-littsmerkmale wie Langlebigkeit, Dormanz (siehe weiter unten), Keimfhigkeit und Triebkraft. Die- se sind fr Saatgutindustrie und Landwirtschaft von essenzieller wirtschaftlicher Bedeutung: Allein durch den Temperaturanstieg entstanden laut Schtzungen von Experten zwischen 1981 und 2002 weltweit jhrlich Schden in der Hhe von 5 Milliarden Dol-lar durch Ernteverluste bei den Hauptgetreidesorten.

    Letztendlich ist die Saatgutqua-litt ein wesentlicher Faktor fr die Ernhrungssicherheit und im Fall von Wildpflanzen fr die Erhaltung der Biodiversitt. Die

    Unter der Federfhrung von I lse Kranner vom Institut fr Botanik erforschen europische Pflanzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, wie sich Klimawandel und Lagerung auf die Qualitt von Kultur- und Wildpflanzensamen auswirken.

    Wie gut ist unser Saatgut?

    Das EU-Projekt EcoSeed widmet sich der kostbaren Ressource Saatgut. Foto: PantherStock

  • Dienstag, 12. Februar 2013 17

    Wenn die Mutterpflanze unter Umweltstress leidet, hat dies Auswirkungen auf die Samenqualitt. Fotos: PantherStock, Ilse Kranner

    l lse Kranner habilitierte sich 2002 an der Universitt Graz im Rahmen eines APART-Sti-pendiums der sterreichischen Akademie der Wissenschaften mit Postdoc-Erfahrung in den USA, Indien, Sdafrika, Slo-wenien und Japan. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie im eng-lischen Staatsdienst an den Royal Botanic Gardens Kew in London und ist mit dieser Institution nach wie vor als Honorary Research Associate verbunden. Seit Mrz 2012 ist sie Universittsprofessorin fr Pflanzenphysiologie an der Universitt Innsbruck.

    zur person

    ilse kranner

    Daten und Fakten zu EcoSeed

    D as Projekt Impacts of En-vironmental Conditions on Seed Quality mit dem Kurzna-men EcoSeed wird durch das 7. EU-Rahmenprogramm fr For-schung und Entwicklung finan-ziert. Das Frdervolumen betrgt knapp 3 Millionen Euro. Neben der Universitt Innsbruck sind folgende Institutionen beteiligt: Royal Botanic Gardens Kew (Grobritannien), Leibniz-Insti-

    tut fr Pflanzengenetik und Kul-turpflanzenforschung (Deutsch-land), Universit Pierre et Marie Curie (Frankreich), Max-Planck-Institut fr Pflanzenzchtungs-forschung (Deutschland), Warwick University (Grobri-tannien), Institut National de la Recherche Agronomique (Frankreich), University of Leeds (Grobritannien), Universidad de Salamanca (Spanien), Com-missariat lnergie atomique et aux nergies alternatives (Frank-reich), Limagrain Europe (Frank-reich).

    Qualitt von Saatgut wird durch hochkomplexe biochemische, bio- physikalische und molekulare Me-chanismen in der Mutterpflanze und im Samen bestimmt, die wir noch kaum verstehen, erklrt Il-se Kranner, Universittsprofesso-rin am Institut fr Botanik der Uni Innsbruck, die das EU-Projekt Eco-Seed leitet und gemeinsam mit zehn weiteren europischen For-schungspartnern durchfhrt.

    SchicksalsfaktorenVier reprsentative Kultur- und

    Wildpflanzen Gerste, Sonnen-blume, Kohl und Schotenkresse untersuchen die Forscherinnen und Forscher im Rahmen von EcoSeed. Im ersten Schritt wird geklrt, welche Folgen Tempera-turanstieg und Trockenheit wh-rend der Samenentwicklung auf die Mutterpflanze haben. Be-kannte Auswirkungen sind bei-spielsweise, dass Samen frhzeitig abgeworfen werden, missgebil-det sind oder dass die Smlinge an Triebkraft verlieren. Wir fragen nach den genauen Ursachen, so Kranner. hnlich verhlt es sich mit Qualittsvernderungen, die bei der Lagerung von Saatgut durch den Einfluss von Tempera-tur, Feuchtigkeit oder Sauerstoff-

    einwirkung auftreten. Die Saat-gutindustrie und insbesondere Naturschutzprojekte, die sich der Erhaltung von pflanzlicher Vielfalt widmen, stehen vor der Heraus-forderung, Samen lngerfristig zu lagern. Die Verluste sind der-zeit hoch. Erst wenn wir verste-hen, was in den Samen vorgeht, knnen wir die Lagerung verbes-sern, gibt die Wissenschaftlerin zu bedenken. Ein wichtiger As-pekt im Rahmen von EcoSeed ist schlielich die Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse auf die Erhaltung der Biodiversitt in Form von Wildpflanzensamen.

    Wie komplex die Vorgnge in Samen sind, illustriert Ilse Kran-ner am Beispiel der Dormanz. Dormanz ist die Unfhigkeit eines Samens, trotz optimaler Umwelt-bedingungen zu keimen. In un-seren Klimazonen kann ein Same im Herbst von der Mutterpflanze abgeworfen werden, keimt aber nicht, auch wenn alle Rahmenbe-dingungen wie Temperatur und Bodenfeuchtigkeit stimmen. Er be-ntigt ein paar Wochen Klte, be-vor er keimen kann. Dann ,wei er, dass Frhling ist, erklrt die Wissenschaftlerin. Diese wichtige Eigenschaft wird wie auch die anderen untersuchten Saatgutei-genschaften ber den gesam-ten Lebenszyklus von Pflanzen, beginnend mit der Samenent-wicklung ber die Lagerung und Keimung bis hin zur Etablierung der nchsten Pflanzengeneration, von pflanzlichen Hormonen und Signalstoffen gesteuert.

    Signal- und BotenstoffeEine besondere Rolle kommt

    dabei molekularen Schaltstellen, so genannten Signalling Hubs zu, die das weitere Schicksal des Samens bestimmen, z. B. ob er abstirbt, dormant wird oder keimt. Eine fein abgestimmte Balance aus Signal- und Botenstoffen ist hier fr die Informationsweiterga-be zustndig, schildert Kranner. Unser Konsortium verwendet die modernsten Analysetechniken, u. a. die so genannten ,Omik-Verfahren wie Transkriptomik, Proteomik und Metabolomik: Wir knnen beobachten, wie sich Ge-ne verndern, wie sich dies auf die Produktion von Proteinen aus-wirkt und welche Stoffwechsel-substanzen produziert werden, beschreibt die Pflanzenphysiolo-gin. Neben konkreten Lsungen fr Lagerungsprobleme sollen

    sich aus ihrer Arbeit auch neue Marker fr die Qualittskontrolle von Saatgut ergeben. Das Know-how und die Infrastrukturen aller Partner sind fr den Erfolg von EcoSeed ausschlaggebend. So verfgt zum Beispiel die Univer-sitt Warwick in Grobritannien ber spezielle Klimakammern, in denen die Temperatur graduell abgestuft ist eine wichtige Vo-raussetzung, um untersuchen zu knnen, welche Auswirkungen der durch Klimawandel bedingte Temperaturanstieg auf Kohlsor-ten hat. Im Zentrum des Projektes stehen zwei groe Genbanken: die Millennium Seed Bank der Royal Botanic Gardens (Kew), weltweit die grte Genbank

    fr Wildpflanzen, und das Leib-niz-Institut fr Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben, die grte Genbank fr Kulturpflanzensamen in der EU, fr die EcoSeed unverzicht-bare Forschungsgrundlagen bei-stellen wird, um die Lagerfhig-keit von Kultur- und Wildpflanzen zu verbessern. EcoSeed vereint die Aspekte Ernhrungssicherheit und Umweltschutz und bringt hochkartige Experten aus ganz Europa zusammen, z. B. Prof. Ko-ornneef vom Max Planck Institut fr Pflanzenzchtungsforschung in Kln und Prof. Foyer von der Universitt Leeds, sagt Ilse Kran-ner.

    eva.fessler@uibk.ac.at

  • Dienstag, 12. Februar 2013 18

    Zwar gibt es auf dem Markt schon Brandschutzlacke. Die neuen Schutzanstriche aus Tirol sollen aber trans-parent und umweltfreund-lich sein und darber hinaus den natrlichen Charakter des Holzes erhalten.

    Schutzlacke sollen Holz als Baustoff auch fr den Brandfall fit machen. Daran arbeiten Chemiker, Materialwissenschaftler und Holzbau-Experten der Universitt Innsbruck gemeinsam mit Tiroler Unternehmen.

    Neuer Lack soll Holz bei Brnden schtzen

    Neue Brandschutzlacke knnten den Baustoff Holz noch attraktiver machen. Wissenschaftler der Universitt Innsbruck arbeiten gemeinsam mit Tiroler Unternehmen an umweltfreundlichen und optisch ansprechenden Schutzanstrichen. Foto: PantherStock

    Holz wird seit Jahrtausenden zum Bauen verwendet und er-freut sich gerade in der Alpenregi-on auch heute wieder groer Be-liebtheit. Immer strengere Brand-schutznormen erschweren jedoch den Einsatz dieses natrlichen, nachwachsenden Baustoffs in der Konstruktion von Gebuden. Denn Statiker mssen garantie-

    ren, dass ein Bauwerk auch im Brandfall nicht innerhalb kurzer Zeit in sich zusammenfllt. Ziegel und Beton bieten dafr ideale Ei-genschaften. Sie widerstehen der enormen Hitze bei Brnden ber lange Zeit, whrend unbehan-deltes Holz bereits nach kurzer Zeit an Masse und damit Stabili-tt verliert. Die Verwendung von

    Holz als Baustoff ist deshalb in vie-len Bereichen gesetzlich limitiert. Dem wollen Tiroler Forscher nun mit neuen Schutzanstrichen be-gegnen und so der Holzwirtschaft weitere Einsatzmglichkeiten er-ffnen. Der Trend geht in Rich-tung nachhaltige Stadtentwick-lung, sagt Holzbau-Professor Michael Flach: Daher sind mehr-

  • Dienstag, 12. Februar 2013 19

    Ein am Arbeitsbereich Holzbau entwickeltes Messgert ermglicht den Innsbrucker Forschern um Prof. Roman Lack-ner vom Arbeitsbereich Materialtechnologie (im Bild), das Abbrennen von unterschiedlichen Hlzern sehr genau zu studieren. Die Ergebnisse flieen auch in das Simulationstool ein, mit dem spter Bauingenieure den sicheren Einsatz von Holz in Gebuden planen werden knnen. Fotos: Standortagentur Tirol, Uni Innsbruck

    D er Bauingenieur Markus Pfennig forscht am Insti-tut fr Konstruktion und Ma-terialwissenschaften, Arbeits-bereich Materialtechnologie, der Fakultt fr Technische Wissenschaften der Universi-tt Innsbruck. Pfennig entwi-ckelt am Computer das Simu-lationswerkzeug, mit dem die Auswirkungen eines Brandes auf Holzbauteile detailliert nachgeahmt werden knnen. Auch der Einfluss von Brand-schutzlacken lsst sich in dem Programm simulieren.

    zur person

    markus pfennig

    Kooperation Uni, Land und Wirtschaft

    U ntersttzt wird das Vorha-ben der Wissenschaftler vom Land Tirol. Das regionale Frderprogramm K-Regio der Standortagentur Tirol stellt Mit-tel fr mehrjhrige Kooperati-onen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zur Verfgung, die zu Produkt- und Verfahrens-innovationen fhren und aus denen sich eine konomische

    Wertschpfung fr Tirol erwar-ten lsst. Neben dem Institut fr Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie (Univ.-Prof. Herwig Schottenberger) und den Arbeitsbereichen fr Materialtechnologie (Univ.-Prof. Roman Lackner) und Holzbau (Univ.-Prof. Michael Flach) an der Universitt Innsbruck sind die Tiroler Unternehmen Adler-Werk Lackfabrik, Binderholz und der Softwareentwickler Pfennig aus Nassereith an dem Projekt beteiligt.

    stckige Holzbauten im Kommen und Brandschutz wird somit zum immer wichtigeren Thema.

    Holz mit Firewall Wir arbeiten mit der so ge-

    nannten Intumeszenz im Brand-fall bauen verschiedene Stoffe im Lack eine Art Firewall, nmlich einen Kohlenstoffschaum, auf. Dieser schtzt das Holz vor dem Wrmeeintrag der Flamme und verhindert, dass es Brennstoff an die Flamme liefert, beschreibt Chemiker Mag. Robert Salchner das Brandschutzprinzip. Mit dem auch in Holzleimen verwendeten Melamin gbe es eine ideale Sub-stanz doch sie ist wei, unge-eignet fr einen durchsichtigen Lack. Salchner: Wir verfolgen derzeit zwei Strategien. Einer-seits die bestehenden Systeme so zu modifizieren, dass sie im Lack klar sind, andererseits suchen wir neue Komponenten.

    Whrend der Chemiker ge-meinsam mit Adler Lacke nach der idealen Kombination von Brandschutzmittel und Lack sucht, arbeitet Dipl.-Ing. Markus Pfennig vom Arbeitsbereich Materialtech-nologie am Computer an einem Simulationsmodell fr den Brand-fall. Er programmiert das Re-chenmodell fr unterschiedliche Holzarten von der Eiche bis zur Lrche. Mit dem Programm kann er dann den Temperaturverlauf im Holz simulieren und so den mglichen Schaden bei Brnden beurteilen. Die verschiedenen Bestandteile des Holzes zerfallen bei Temperaturbelastung unter-schiedlich schnell, erklrt Markus Pfennig. Aus der Kombination der drei wichtigsten Bestand-teile errechne ich im Modell die Geschwindigkeit des Massenver-

    lustes. So kann Pfennig fr jede Holzart angeben, wie rasch ein Feuer dessen Tragkraft zerstrt.

    Pfennigs Programm wird in Zukunft auch unterschiedliche Brandschutzanstriche simulieren. Am Ende will Markus Pfennig das Programm in eine kommer-zielle Statiksoftware integrieren. So knnen die Forschungsergeb-nisse durch seinen Vater, Ing. El-mar Pfennig, rund 1200 Kunden in der Baubranche zur Verfgung gestellt werden. Damit haben Statiker die Mglichkeit, neben der Holz-Brandbemessung nach Eurocode die Holzbemessung al-ternativ fr den Brandfall bei der Verwendung von Brandschutzla-

    cken durchzufhren, sagt Mar-kus Pfennig. In Kombination mit einem umweltfreundlichen, op-tisch ansprechenden und funktio-nalen Lack wird dies den Baustoff Holz im Konkurrenzkampf mit an-deren Baustoffen noch attraktiver machen und neue Einsatzgebiete ermglichen.

    Versuche im LaborBis Pfennig sein Programm

    weitergeben kann, mssen frei-lich noch viele Versuche durchge-fhrt werden. Denn seine Berech-nungen sollen mglichst nahe an der Realitt liegen. Dazu hat Dipl.-Ing. Josef Kgl vom Arbeitsbereich Holzbau ein Kegelkalorimeter ge-baut, an dem sich mit Hilfe von Sensoren die Temperaturentwick-lung im Holz sehr genau bestim-men lsst. Mit diesem Messgert knnen nun der Entzndungs-zeitpunkt und der Massenverlust von Holz exakt gemessen und mit der Simulation verglichen wer-den. Wir knnen mit dem Ofen aber auch die potenziellen Brand-schutzbeschichtungen testen, sagt Markus Pfennig. Die Ergeb-nisse flieen dann wieder in sein Simulationsprogramm ein. Ne-ben dieser Software werden wis-senschaftliche Erkenntnisse und hoffentlich neue Brandschutzla-cke das Ergebnis dieser fcher-bergreifenden Zusammenarbeit

    von Naturwissenschaftlern, Bau-ingenieuren und Praktikern sein.

    christian.flatz@uibk.ac.at

  • Dienstag, 12. Februar 2013 20

    Um neue Anstze fr die Therapie von Kokainab-hngigkeit zu finden, wol-len Nicolas Singewald und Gerald Zernig jene Nerven-zellengruppen im Gehirn identifizieren, die fr einen strkeren Hang zu Drogen, aber auch fr krankhafte Angst verantwortlich sind.

    Herzrasen, beschleunigter Atem, kalter Schwei und wei-tere Symptome, ausgelst durch Reize, die gesunde Menschen berhaupt nicht aus der Ruhe bringen, machen das Leben von Menschen mit Angststrungen unterschiedlichster Art zur Qual. In Europa litten vergangenes Jahr 18 Prozent der Bevlkerung an Angststrungen, zu denen u. a. Phobien, Panikerkrankungen oder Posttraumatische Belastungsst-rungen zhlen. Krankhafte Angst ist aber nicht nur ein groes ge-sundheitspolitisches und gesell-schaftliches Problem, sie erhht auch das Risiko, drogenabhngig zu werden.

    Krankhafte Angst ist einerseits genetisch bedingt, andererseits spielen immer auch Umweltfak-toren wie traumatische Erlebnisse eine Rolle. Aus neurobiologischer Sicht liegt eine Fehlsteuerung von verschiedenen Neurotrans-mittern, Botenstoffen, die fr die Weitergabe von Informationen zwischen Nervenzellen verant-wortlich sind, vor. Vor allem durch bildgebende Verfahren wei man, dass bei Menschen, die unter Angst leiden, bestimmte Hirnareale anders aktiviert wer-

    Immer mehr Europer leiden an Angsterkrankungen. ngstliche Menschen greifen wahrscheinlicher zu Drogen, Entzug verschlimmert wiederum die Angst . Ein Teufelskreis, den Forscher von Universitt und Medizinischer Universitt mit vereinten Krften durchbrechen wollen.

    Wo die Angst wohnt und das Kokain wirkt

    Angst lsst Menschen eher zu Drogen greifen. Nach dem Drogenrausch beziehungsweise beim Entzug verschlimmert sich aber wiederum die Angst. Symbolfoto: istockphoto.com

  • Dienstag, 12. Februar 2013 21

    A o. Univ.-Prof. Nicolas Singe-wald leitet die Forschungs-gruppe Neuropharmakologie im Fachbereich Pharmakologie und Toxikologie. Einer seiner Arbeits-schwerpunkte liegt in der Ent-wicklung angstlsender Medika-mente.

    A o. Univ.-Prof. Gerald Zer-nig leitet an der Abteilung fr Experimentelle Psychiatrie das Suchtforschungsteam und arbeitet darber hinaus als Psy-chotherapeut mit Drogenpati-enten.

    zu den Personen

    nicolas singewald. Foto: SPIN

    Gerald zernig. Foto: Zernig

    den als bei Gesunden, erklrt ao. Univ.-Prof. Nicolas Singewald vom Institut fr Pharmazie der Uni Innsbruck. Er erforscht schon seit vielen Jahren erfolgreich Angst-mechanismen und ist mageb-lich in den von Univ.-Prof. Jrg Striessnig koordinierten groen Spezialforschungsbereich des s-terreichischen Wissenschaftsfonds (FWF F44) eingebunden, in dem Zellsignalwege im Zusammen-hang mit Strungen des Zentral-nervensystems untersucht wer-den. Obwohl die Amygdala als Kerngebiet des Gehirns, wo emo-tionale Empfindungen verarbeitet werden, eine wichtige Output-Station fr Angst ist, gibt es im Gehirn nicht ein Angstzentrum, sondern ein ganzes Netzwerk von Arealen spielt zusammen, erklrt Singewald. Der Neuropharmako-loge ist ber das universittsber-greifende neurowissenschaftliche Doktoratsprogramm SPIN mit ao. Univ.-Prof. Gerald Zernig in Kontakt gekommen, der sich an der Abteilung fr Experimentel-le Psychiatrie der Medizinischen Universitt mit neuen Therapie-mglichkeiten fr Drogenabhn-gige beschftigt. In den neu-ronalen Netzwerken, die Stress, Angst, andere Emotionen und eben das Abhngigkeitsverhalten prozessieren, gibt es groe ber-lappungen. Deshalb ist es so inte-ressant, unsere Expertise in einem Forschungsvorhaben zu verei-nen, so Singewald ber die Koo-peration mit seinem Kollegen von

    der Medizinischen Uni. Bei der Therapie von Abhngigkeitser-krankungen gibt es noch extrem viel Verbesserungspotenzial. Die einzige medikamentse Behand-lungsmethode, die erfolgreich ist, ist der Einsatz von Ersatzdro-gen. Von Psychotherapie knnen Abhngige zwar profitieren, aus vielen Gesprchen wei ich aber, dass Abhngige eine immense Angst vor sozialer Interaktion ha-ben, schildert Zernig, der selbst als Psychotherapeut ttig ist.

    Kartierung des GehirnsDas Problem bei der pharma-

    kologischen Behandlung liegt laut Zernig darin, dass man zwar wei, welche Gehirnregionen be-troffen sind, die verantwortlichen Nervenzellengruppen aber noch nicht identifiziert sind. Mit im-munhistochemischen und mole- kularbiologischen Methoden wol-len Zernig und Singewald die Funktionen jener Gehirnbereiche, die bei Angst und Drogenabhn-gigkeit involviert sind, bis in die letzte Nervenzelle kartieren, was als funktionelles Mapping bezeich-net wird. Mglich ist dies anhand eines vom Max-Planck-Institut fr Psychiatrie (Mnchen) entwi-ckelten und etablierten Mausmo-dells, das auf der Zchtung von hoch-, normal- und wenig ngst-lichen Musestmmen basiert. Unsere Vision ist es, exakt jene Neuronenensembles zu finden, die beraktiviert sind, und dann gezielt einzugreifen und diese auf

    ein normales Ma zu bringen, um so Drogen weniger attraktiv zu machen. Das ist fr die Drogen-entwhnung und fr die Rck-fallprophylaxe ganz wesentlich, sagt Zernig.

    Anderes SuchtverhaltenBei Angstpatienten sind in be-

    stimmten Gehirnregionen neuro-nale Vernderungen feststellbar, die eine sptere Drogenabhngig-keit wahrscheinlicher machen. Die-selben Regionen sind dann auch von der Sucht betroffen. Das konn-ten auch die Innsbrucker Forscher im Zusammenhang mit Angst und Kokain zeigen. Aus unseren For-

    schungen wissen wir aber auch, dass neuronale Vernderungen im Gehirn zumindest teilweise wie-der rckgngig gemacht werden knnen. Welche spezifischeren pharmakologischen und verhal-tenstherapeutischen Anstze dazu knftig sinnvoll eingesetzt werden knnen, wollen wir untersuchen, beschreibt Singewald die weiteren Ziele des Forschungsvorhabens, an dem auch die Nachwuchswis-senschaftlerinnen Dr. Simone Sar-tori (Uni) und Constanze Barwitz (Medizin-Uni) mageblich betei-ligt sind. Im Fokus stehen dabei insbesondere zwei Bereiche des Gehirns, die sowohl bei Angster-krankungen als auch bei Drogen-abhngigkeit durch neuronale Vernderungen betroffen sind: der Nucleus Accumbens und der Prfrontale Cortex. Whrend man den Nucleus Accumbens extrem vereinfacht als Belohnungszent- rum bezeichnen kann, ist der Prfrontale Cortex fr Verhaltens- und Reaktionskontrolle und damit auch fr den Belohnungsaufschub zustndig. Der Konsum von Koka-in verhindert die Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin und bewirkt eine er-hhte Konzentration dieser Boten-stoffe im Belohnungssystem, das damit geflutet wird. Irgendwann sind die Botenstoffspeicher jedoch geleert, das System braucht eine Pause. Dann treten u. a. extreme Angstzustnde auf. Diesen Teu-felskreis wollen wir durchbrechen. Der Weg dorthin fhrt ber das funktionelle Mapping, so die Ex- perten. eva.fessler@uibk.ac.at

    Ein Haus, gemeinsame Forschung und Lehre

    S eit der Erffnung des Cent- rums fr Chemie und Biome-dizin (CCB) im Mai 2012 haben die beiden Innsbrucker Universi-tten einen hochmodernen ge-meinsamen Standort. Auf 35.000 Quadratmetern sind die Fachbe-reiche Chemie, Pharmazie und Biomedizin untergebracht. Ins-gesamt lehren, lernen und for-schen rund 1300 Studierende und ber 500 Forschende im CCB. Rumliche und inhaltliche Nachbarschaft bieten der Zusam-menarbeit hervorragende Rah-menbedingungen. Die vorge-stellte Kooperation ist eines von zahlreichen zukunftsweisenden Gemeinschaftsvorhaben. das CCB ist ein hochmoderner Life-science-standort. Foto: Uni Innsbruck

  • Dienstag, 12. Februar 2013 22

    Zum vierten Mal fand die zweiwchige Winter School on Federalism and Governance als Gemein-schaftsprojekt der Uni Inns- bruck und der EURAC Bo-zen statt.

    Heuer beschftigten sich die Nachwuchswissenschaftler mit Fragen des Grundrechtsschutzes in Bundesstaaten. Enthalten die Verfassungen von Gliedstaaten zustzliche Grundrechte? Und verfgen diese Gliedstaaten ber eigene Verfassungsgerichte, vor denen Grundrechtsverletzungen eingeklagt werden knnen? Das sind Fragen, die im Rahmen der diesjhrigen Winter School be-antwortet wurden, erklrt Prof. Anna Gamper vom Institut fr ffentliches Recht, Staats- und Verwaltungslehre, die gemein-sam mit Prof. Francesco Palermo von der EURAC Bozen und Prof. Gnther Pallaver vom Institut fr Politikwissenschaft fr die Orga-nisation verantwortlich zeichnete. Es galt auch zu klren, ob das Vorhandensein von Fderalismus an sich grundrechtsfreundlich ist,

    weil zum Beispiel mit einer weit-gehenden territorialen Autonomie zwangslufig politische Grund-rechte wie die Wahlen zu eigenen Gliedstaatsparlamenten verbun-den sind.

    Die Referenten kamen von allen Kontinenten, darunter eine der profiliertesten vergleichenden Ver-fassungsrechtlerinnen weltweit, Prof. Cheryl Saunders von der Uni Melbourne. Die rund 30 sehr gut qualifizierten Teilnehmerinnen und

    Teilnehmer wurden aus ber 400 Bewerbungen ausgewhlt. Nach dem einwchigen Programm in Innsbruck wechselten die Teilneh-mer fr eine weitere Woche an die EURAC in Bozen.

    Auf der bewhrten Zusam-menarbeit im Rahmen der Winter School aufbauend wurde an der Uni Innsbruck krzlich ein neues Forschungszentrum zum The-ma Fderalismus in Politik und Recht gegrndet.

    Fderalismus und Grundrechte

    Die Organisatoren Gnther Pallaver, Gerhard Mangott, Vizerektorin Sabine Schindler, Anna Gamper, Dekan Bernhard Eccher und Francesco Palermo (von links). Foto: Uni Innsbruck

    Schon zum elften Mal wurden im Dezember Frdermittel des Ti-roler Wissenschaftsfonds an For-scherinnen und Forscher an den Tiroler Hochschulen verliehen. Aufgrund der vielen Antrge und der begrenzten Budgetmittel wurden nur die exzellentesten An-trge bewilligt, hielt Vizerektorin Sabine Schindler im Rahmen des Festaktes fest. 30 von 79 Antr-gen an der Universitt Innsbruck hatten Erfolg, davon kamen 27 von Nachwuchswissenschaftlern. Knapp 305.000 Euro werden da-fr ausgezahlt. Der Fonds geht auf eine Initiative des Landes Tirol zurck.

    Frderung des Landes Tirol

    Preistrgerin Daniela Feistmantl mit TWF-Geschftsfhrer Franz Jene- wein. Foto: Uni Innsbruck

    Das Institut fr Fachdidaktik, Bereich Didaktik der Sprachen, feierte am 12. Dezember des Vorjahres ein Jubilum: Vor zehn Jahren wurde IMoF, das Innsbru-cker Modell der Fremdsprachen-didaktik, mit dem Europasiegel fr innovative Sprachenprojekte ausgezeichnet.

    Expertinnen und Experten der Institute fr Anglistik, Ro-manistik und Slawistik hatten IMoF im Rahmen der Neuge-staltung der Lehramtsstudien-plne 2000/2001 gemeinsam konzipiert. Es umfasst die Fach-didaktikausbildung aller Fremd-sprachen, Studierenden werden

    fcherbergreifend Konzepte und Theorien vermittelt, die auf alle Sprachen anwendbar sind. So leistet das Innsbrucker Mo-dell der Fremdsprachendidaktik einen Beitrag zum geforderten Professionalisierungsschub in der Lehrerausbildung, wie Insti-tutsleiterin Prof. Barbara Hinger betont.

    Festredner Prof. Werner Dela-noy von der Universitt Klagen-furt erluterte den Dialog als Perspektive in der Sprachendi-daktik. Mehrsprachige Musik-stcke und eine szenische Auf-fhrung lockerten den Festakt auf.

    Jubilum am Institut fr Fachdidaktik

    Jungforscher-Diplom der Kinder-Uni27 Mdchen und Buben zwischen acht und 14 Jahren erhielten am 17. Jn-ner von Rektor Mrk ihr Jungforscher-Diplom. Dafr hatten sie vier oder mehr Kurse der Kinder-Sommer-Uni absolviert. Dieses Fixprogramm der Jun-gen Uni in Kooperation mit dem Innsbrucker Ferienzug fand 2012 bereits zum zehnten Mal statt. Foto: Uni Innsbruck

  • Dienstag, 12. Februar 2013 23

    Im Rahmen des traditionellen Festaktes mit Freunden und Fami-lie verabschiedete sich die Univer-sitt Innsbruck am 13. Dezember von den Universittsprofessoren, die im Laufe des Jahres 2012 emeritierten oder in den Ruhe-stand traten. Rektor Tilman Mrk bedankte sich fr Leistungen und Engagement der scheidenden Kollegen und der diesmal einzigen Kollegin, Prof. Eda Schaur. In sei-ner Ansprache betonte er die Be-deutung dieses Abschiedsritus im akademischen Jahr, eine Gelegen-heit, den vergangenen Lebensab-schnitt mit Stolz Revue passieren zu lassen. Die Abschiedsworte im Namen der Geehrten sprach Prof. Erich Thni. Er uerte den Wunsch, dass die Universitten nach den weitreichenden Vern-derungen vor allem infolge des UG 2002 und des Bologna-Pro-zesses wieder in ruhigere Gews-ser gelenkt wrden.

    Ehrung fr Professoren

    Unter Beteiligung von neun Ins- titutionen aus fnf EU-Lndern ist im November 2012 das Projekt Urban Water Footprint ange-laufen. Innsbruck ist neben Vicen-za und Warschau eine der Stdte, in denen Urban Water Footprint Labs errichtet werden. Die Ermitt-lung des Wasserfuabdrucks im Stdtevergleich soll helfen, den Umgang mit Wasserressourcen zu verbessern und Innovation vor-anzutreiben. Von der Universitt wissenschaftlich begleitet, wer-den dabei die unterschiedlichen Wasserquellen, Verbrauch und Verschmutzung erfasst.

    Innsbruck wird Wasserlabor

    Wasser als Forschungsschwer-punkt. Foto: PantherStock

    Gleich zwei hochdotierte Preise erhielt Peter Zoller, einer von Innsbrucks Elite-Physikern, innerhalb kr-zester Zeit.

    Ende 2012 erhielt Prof. Peter Zoller vom Institut fr Theore-tische Physik gemeinsam mit drei internationalen Kollegen den be-gehrten ERC Synergy Grant des Europischen Forschungsrates; 2 Millionen Euro gehen durch diese Auszeichnung an sein Forschungs-team. Anfang 2013 wurde Zoller gemeinsam mit dem spanischen Physiker Ignacio Cirac der mit 100.000 US-Dollar dotierte Wolf-Preis fr Physik zuerkannt. Einmal mehr besttigt sich durch diese Erfolge unsere herausragende Stel-lung im internationalen Wettbe-werb. Die Preise zeigen, dass sich der Innsbrucker Physikstandort weiterhin im Aufwind befindet, streicht Rektor Tilmann Mrk die Bedeutung der Preise hervor.

    Den Aufbruch in eine neue Di-

    mension der Quantenphysik plant die Gruppe um Peter Zoller in einem groen Kooperationspro-jekt gemeinsam mit einschlgigen und renommierten Partnerinstitu-tionen: dem Max-Planck-Institut fr Quantenoptik in Garching, dem Collge de France in Paris und dem Weizmann-Institut in Is-rael. In ihrem vom Europischen

    Forschungsrat (European Research Council, ERC) bewilligten gemein-samen Projekt wollen die beteilig- ten Physiker mit Hilfe von neuen Technologien zur Kontrolle von ultrakalten Atomen und Mole-klen Quantenmaterie besser verstehen und fr die Quanten-informationsverarbeitung nutzbar machen. Die in diesem Projekt

    untersuchten Vielteilchensysteme sind zum einen vielseitige Model-le fr Festkrper, sollen in Zukunft aber auch neue Verbindungen bis hin zur Hochenergie- und Kern-physik aufdecken. Es ist ein gro-er Erfolg fr die Innsbrucker Phy-sik, in diesem extrem umkmpften Programm gefrdert zu werden, freut sich Zoller.

    Der Wolf-Preis zhlt heute in den Naturwissenschaften zu den angesehensten Wissenschaftsprei-sen weltweit. Peter Zoller und Ignacio Cirac, die eine jahrelange intensive Zusammenarbeit verbin-det, werden mit dem Wolf-Preis fr ihre grundlegenden theoretischen Arbeiten und Pionierleistungen auf den Gebieten der Quanteninfor-mationsverarbeitung, Quantenop-tik und der Physik von Quanten-gasen gewrdigt. Unter anderem stammt von Cirac und Zoller die Idee fr einen Quantencomputer, basierend auf der Wechselwirkung von Lasern mit kalten, in einer elektromagnetischen Falle gespei-cherten Ionen.

    Innsbrucker Physik weiter auf Erfolgskurs

    Der Innsbrucker Physiker Peter Zoller (ganz links) erhielt krzlich zwei hochdotierte internationale Auszeichnungen. Hier im Bild mit den drei weiteren ERC-Synergy-Grant-Preistrgern: Immanuel Bloch, Ehud Altman und Jean Dalibard (von links). Foto: MPQ

    Die Preise zeigen, dass sich die Innsbrucker Physik im Aufwind befindet. Tilmann Mrk

  • 18. Februar, 19 bis 21 UhrDer Mann ist in der Krise?Vortrag von Ines Kappert und Maggie JansenbergerDer Mann ist in der Krise, das 21. Jahrhundert ist das Jahrhun-dert der Frauen. Diese Einscht-zung kursierte in der Massen-unterhaltung bereits vor der Finanzkrise. Die Vortragenden hinterfragen diese vor dem Hin-tergrund gesellschaftlicher und politischer Realitten. Die Veran-staltungsreihe ist eine Koopera-tion des Bros fr Gleichstellung und Gender Studies, AK, VGB und AMS.Ort: Groer Saal der Arbeiter-kammer Tirol, Maximilianstrae 7, 6020 Innsbruck

    9. Mrz, 10 bis 12 UhrAuf den Spuren alter Kulturen: KinderweltMuseumspdagogisches Pro-gramm der Jungen Uni im Rah-men der Schatztruhe. Geeignet fr Kinder von acht bis zwlf Jahren. Thema: Wie lebten die Kinder im alten Griechenland und gypten? Was gab es fr Spielsachen? Wie schaute der Schulalltag aus? Weitere Ver-anstaltungen: http://www.uibk.ac.at/jungeuni. Informationen ber Teilnahme-bedingungen und Anmeldung ber die Volkshochschule: innsbruck@vhs-tirol.at.

    Ort: Archologisches Museum Innsbruck, Universitts-Hauptge-bude, Innrain 52, 3. Stock

    11. Mrz, 19.30 UhrOccupy: Platzbesetzungen und die neuen Dimensionen von ProtestPeter Mrtenbck bespricht entlang von Auszgen aus seinem Buch Occupy Rume des Protests, was sich mit den Besetzungen von Occupy ver-ndert hat und skizziert anhand von jngsten Entwicklungen neue Perspektiven einer globa-len Kultur des Widerstands. Die Veranstaltung wird vom Arbeits-kreis Wissenschaft und Verant-wortlichkeit organisiert. Weitere Veranstaltungen: http://www.uibk.ac.at/wuv/.Ort: Liber Wiederin, Erlerstrae 6, Innsbruck

    19. Mrz 2013, 18 UhrPflanzen als berlebensknst-ler: Drei Grnde, warum man sich fr Pflanzen interessieren sollteAntrittsvorlesung von Ilse Kran-ner, neue Universittsprofessorin fr Pflanzenphysiologie.Ort: Institut fr Botanik, Stern-wartestrae 15

    19. Mrz, 19.30 UhrC. F. Lehmann-Haupt and the Lehmann family secret

    Vortrag und Diskussion mit Christopher Lehmann-Haupt zum Gedenken an den 1938 verstorbenen, hervorragenden Innsbrucker Professor fr Alte Geschichte, Carl Friedrich Lehmann-Haupt, der nicht zuletzt aufgrund seiner jdischen Herkunft beinahe vergessen ist. Der Vortrag seines Enkels bildet den Auftakt zu einer Reihe.Ort: Archologisches Museum im Hauptgebude, Innrain 52/3

    20. Mrz, 19 UhrFilmvorfhrung: Just do it! a tale of modern-day outlawsDie Dokumentation Just do it! erffnet den ZuschauerInnen das Universum des zivilen Ungehor-sams. Zwei Jahre lang begleitete die Regisseurin Emily James britische AktivistInnen bei ihrer Arbeit. Es wird ein lebendiges Bild von Widerstand gezeichnet, das das Publikum bei der Selbst-verantwortlichkeit packt. Die Veranstaltung wir vom Arbeits-kreis Wissenschaft und Verant-wortlichkeit organisiert.Ort: Campus SoWi, Hrsaal 3, Universittsstrae 15, 6020 Innsbruck

    22. Mrz, 10 UhrErffnung des Ernst-von-Glasersfeld-ArchivsSeit Anfang 2012 gehrt zu den Bestnden des Brenner-Archivs

    der umfangreiche Nachlass des Philosophen und Kommunika-tionswissenschaftlers Ernst von Glasersfeld (19172010). Das Archiv wird in Anwesenheit von Minister Karlheinz Tchterle erffnet.Ort: Claudiana, Herzog-Friedrich-Strae 3 (1. Stock), Innsbruck

    22. Mrz, 9 UhrAktuelle Fragen des SkirechtsIm Rahmen des Doktoran-dInnenkollegs Sport und Recht veranstaltet die Rechtswissen-schaftliche Fakultt der Uni-versitt Innsbruck eine Tagung mit mehreren Vortrgen ber aktuelle Fragen des Skirechts. Anmeldung erbeten. Programm im Web: http://www.uibk.ac.at/sportrecht/aktuelles.html. Ort: Aula im Universittshaupt-gebude, Innrain 52, 1. Stock

    28. Mrz, 18 UhrPhilosophisches Caf: Kunst als soziale PraxisPhilosophisches Caf, uni.com und Volkshochschule laden zum Vortrag der Kunsthistorikerin Verena Konrad ein. Infos: http://www.philcafe.info.ms/Ort: Die Bckerei, Dreiheili-genstrae 21a

    Weitere Informationen gibt es im Online-Veranstaltungskalender unter www.uibk.ac.at/events.

    veransta l tungst ipps

    wissenswert1_120213wissenswert2_120213wissenswert3_120213wissenswert4_120213wissenswert5_120213wissenswert6_120213wissenswert7_120213wissenswert8_120213wissenswert9_120213wissenswert10_120213wissenswert11_120213wissenswert12_120213wissenswert13_120213wissenswert14_120213wissenswert15_120213wissenswert16_120213wissenswert17_120213wissenswert18_120213wissenswert19_120213wissenswert20_120213wissenswert21_120213wissenswert22_120213wissenswert23_120213wissenswert24_120213

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