• MISSIO N 2.0 M ISSION 2.0 16. Januar 2011 ISSN 1436-607X Wichtige Aufgabe n Wie sich die EmK-Gemeinde Elllerbek vor Ort einbringt. Seite 10 Gute Vorsätze n Was unsere Gemeinden im Jahr 2011 beflügeln kann. Seite 11 Drängende Frage n Warum die Politik nach dem Beginn des Lebens fragt. Seite 20 Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 2 / 2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche Evangelisation im 21. Jahrhundert
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 ::: Editorial2 kurz gesagt So ErrEichEn SiE unS: Redaktion »unterwegs« Telefon 069 242521-150 E-Mail: [email protected] Aboservice: 0711 83000-0 TI TE LI LL u S Tr a TI O N : CL a u S a r N O Ld unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 BEStürzt hAt DiE BiSchöFin der Evangelisch-methodis- tischen Kirche, Rosemarie Wenner, auf den Mord an 21 koptischen Christen in Ägypten in der Silvester- nacht reagiert. In einem Beileidsschreiben an den Bischof der koptischen Christen in Deutschland, Anba Damian, versicherte sie den Gläubigen der Kop- tischen Kirche ihr Mit- gefühl. In vielen Gemeinden der Evangelisch-methodis- tischen Kirche in Deutsch- land ist in den Gottesdiens- ten am 2. Januar der Ver- storbenen gedacht worden. Anton SchultE iSt tot. Der Evangelist und Gründer des Missionswerkes »Neues Leben« starb nach kur- zer Krankheit am 26. Dezem- ber im Alter von 85 Jahren. Seit den frühen 1950er Jahren gehörte Anton Schulte zu den bekanntesten Evangelis- ten Deutschlands. So war er der erste deutsche Evan- gelist, dessen Rundfunksen- dungen ab Dezember 1953 wöchentlich über Radio Monte Carlo ausgestrahlt wurden. Zudem gehörte er 1959 zu den Mitgründern des Evangeliums-Rund- funks (ERF) in Wetzlar. Er verfasste zahlreiche Traktate und Bücher und gründete 1956 die Zeitschrift »Neues Leben«, die heute als christ- liches Ratgebermagazin erscheint. Am GottESBEzuG in DEr VErFASSunG will FDP- Generalsekretär Christian Lindner nicht rütteln. Der darin enthaltene »Ausdruck der Demut« bleibe unabhän- gig vom persönlichen Glauben eine Mahnung, sagte der Liberale in einem Interview mit der »Zeit«. Allerdings müsse über das deutsche Staatskirchenrecht diskutiert werden. »Denkt man das konsequent, dann könnte der Staat irgendwann bei Musli- men ein Pendant zur Kir- chensteuer einziehen.« Im Oktober hatte Lindner er- klärt, das Christentum sei »nicht die deutsche Staatsreli- gion, sondern ein persönli- ches Bekenntnis der Bürger.« SchArFE KritiK An FrEiKirch- lichEn GEmEinDEn übt der evangelische Theologiepro- fessor Reinhold Bernhardt (Basel). Sie verhielten sich teilweise »sektenhaft« und betrieben einen »Missbrauch der Bibel«, sagte er in einem Interview mit der Badischen Zeitung über die Freikirchen in der Region Basel und Lör- rach. Besonders kritisierte er das dortige Bibelverständnis: »Man blendet aus, dass zwi- schen der biblischen Überlie- ferung und heute 2.000 Jahre liegen.« ihrE KritiK Am DEutSchEn AFGhAniStAn-EinSAtz haben evangelische Bischöfe zum Jahreswechsel bekräf- tigt. »Es ist nicht besser geworden in Afghanistan, und niemand vermag zu sagen, wie es gut werden kann«, sagte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl in der Dresdner Frauen- kirche am Neujahrstag. kie / pm / epd / idea Dürfen im Reagenzglas befruchtete mensch- liche Eizellen auf genetische Defekte und Krankheiten untersucht und in letzter Kon- sequenz getötet werden? Egal, wie die Ant- wort lautet: Schon die Diskussion darüber erregt viele Gemüter (siehe Seite 20). Und schon jetzt ist klar, dass diese Untersuchung, die »Präimplantationsdiagnostik« (PiD) ein großes Thema in diesem Halbjahr sein wird. Denn es geht um nicht weniger als die Frage, wann genau menschliches Leben be- ginnt: Mit der Befruchtung der Eizelle? Mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmut- ter? Eine PiD-Freigabe ruft schon jetzt viele Proteste hervor. Vor Selektion warnen etwa Behindertenverbände und davor, dass der Druck auf Eltern, bitteschön für ein gesun- des Kind zu sorgen, wächst. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Aber es lohnt sich, die Fakten genauer anzuschauen. Macht eine Freigabe der PiD den Weg wirk- lich frei für »Design-Menschen«? Eine künstliche Befruchtung ist keine Sache, die man mal eben so nebenbei erledigt. Sie steht in der Regel am Ende eines jahrelangen Leidenswegs, auf dem ein Paar versucht hat, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekom- men. Wenn nichts mehr funktioniert, ruhen alle Hoffnungen auf der künstlichen Be- fruchtung. Aber auch dieses Verfahren ist belastend – denn es ist nicht sicher, dass der Kinderwunsch damit erfüllt wird. So wichtig die PiD-Diskussion ist: Wir sollten nicht vergessen, dass vorgeburtliche Untersuchungen oft schon jetzt einen gro- ßen Druck auf Eltern ausüben. Denn wenn ein Defekt am Embryo festgestellt wird, steht immer die Frage der Abtreibung im Raum – sogar bis kurz vor der Geburt. Hier braucht es auch eine gesellschaftliche Diskussion, damit aus den medizinischen Möglichkeiten keine stille Selektion wird. Ihr Volker Kiemle
  • kurz gesagt unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 3 Es sind zuallererst Gerüche, die das Wort »Evan-gelisation« in mir wachruft: feuchtes Gras, feuchte Zeltplanen, dazu der Geruch vieler Menschen, die den Weg ins »Zelt« gefunden hatten. Freudig gespannt waren sie, denn die Zeltmission brachte Abwechslung in den eher beschaulichen Alltag der Kleinstadt. In meiner Erinnerung hat es oft geregnet, wenn das »Zelt« bei uns war. Das stimmt wahrscheinlich nicht ganz. Denn da sind auch die Bilder strahlender Som- mertage, wenn ich zu den Kinderstunden ins Zelt durfte und mich danach unter die Mitarbeiter ge- mischt habe. Das waren interessante Frauen und Männer, die schon viel herumgekommen waren und etwas von der großen weiten Welt in die Provinz brachten. Sie konnten gut Musik machen und tolle Geschichten erzählen. Am meisten hat mich beein- druckt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie von ih- rem Glauben berichteten. Das fahrende Evangelistenvolk Beeindruckt haben mich auch die starken Männer, die beim Zeltaufbau Hand angelegt haben. Da gab es für einen kleinen Jungen viel zu schauen – fast wie beim Zirkus, der auch alle paar Jahre hierher kam, oder beim alljährlichen Rummel. Natürlich war das Zelt anders, aber um die Bevölkerung zu erreichen, brauchte es auch Einladeaktionen auf den Straßen, Werbeplakate und ein großes Zelt als sichtbares Zeichen. Und wie der Zirkus war das fahrende Evangelistenvolk manchen Bürgern nicht ganz geheuer. So kenne ich Menschen, die als Kinder nie zu Zelt-Veranstaltungen durften. Die Eltern dachten wohl, die Kleinen könnten in die Fänge einer obskuren Sekte gelangen. Doch bei den Zeltveranstaltungen, die ich erlebt ha- be, ging es immer sehr bodenständig zu. Nicht Show- Prediger, wie man sie aus dem amerikanischen Fernse- hen kennt, standen auf der Bühne, sondern nüchterne Wortverkünder. In der Botschaft aber waren sie nicht weniger deutlich: Es ging immer um ewiges Leben oder ewige Verdammnis. Schließlich war es das erklärte Ziel der Veranstaltung, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Ein wenig Show war natürlich immer mit dabei – aber in sehr geringer Dosis. Später stand ich selbst auf der Bühne. Als Chorsän- ger tourte ich durch Süddeutschland und lernte die Choreografie der Evangelisation kennen: die mitrei- ßende Musik, die aufwühlende Predigt, die von zarten Keyboardklängen begleitete Aufforderung, »nach vor- ne« zu kommen. Einmal wurde der Prediger ziemlich nervös, als der Keyboarder seinen Einsatz verpasste. Es gab harsche Worte, die so gar nicht zum Ton der Predigt passen wollten. Aber auch begnadete Evange- listen sind nur Menschen, das war mir schnell klar. Und dass eine gut gemachte Evangelisationsveranstal- tung immer Gefahr läuft, Menschen zu manipulieren. »no-Go-Area« kirchlichen lebens Nicht zuletzt deshalb habe ich bis heute eine gewisse Scheu vor Evangelisationsveranstaltungen. Natürlich sind meine Erfahrungen nicht repräsentativ. Aber ich treffe immer Menschen aus unserer Kirche, die ähn- liche Erfahrungen gemacht haben. Evangelisation, das ist für viele immer noch eine »No-Go-Area« des kirchlichen Lebens. Zu oft haben sie sich gefragt, ob das, was da vorne passiert, eigentlich von Herzen kommt oder eher einer »Wir müssen mal wieder mis- sionieren«-Routine entsprungen ist. Deshalb ist es gut, dass Evangelisationen heute vielfältiger sind als vor 40 Jahren. Dabei ist auch die Einsicht wieder gewachsen, dass die eigentliche Evan- gelisation im Alltag stattfindet. So betont es Pastor Christhard Elle (siehe Seite 4) aus Bremerhaven: Evan- gelisation ist dann, wenn »andere Menschen entde- cken, was wir haben, und das auch haben wollen«. Wo sie das entdecken, ist nicht entscheidend. Keyboardmusik zur Bekehrung Das »Zelt« war in vielen Gemeinden jahrelang ein fester jährlicher Programmpunkt. Viele Menschen aus unserer Kirche haben an diese Veranstaltungen prägende Erinnerungen. Auch Redaktionsleiter Volker Kiemle hat zurückgeblickt. Zeltveran­ staltungen waren über Jahrzehnte der klassische Ort für große Evangelisa­ tionen. FO tO : A lB R Ec h t A R n O lD
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 4 Missionarisch sein kommt aus der Freude am Glauben Eine »Entdeckungsreise zur eigenen Spiritualität« verspricht das »Forum E«, das vom 3. bis 5. Februar in Braunfels stattfindet. Veranstalter ist das Evangelisationswerk unserer Kirche. Volker Kiemle hat deshalb Evangelisationssekretär Pastor christhard Elle, der das »Forum E« organisiert, über den Zusammenhang zwischen Evangelisation und Spiritualität befragt. »Spiritualität« – das klingt nach Zurückgezogenheit und stillem Kämmerlein. Was hat »Spiritualität« mit Evangelisation zu tun? chriSthArD EllE: Viel! Wir führen in Norddeutsch- land derzeit in fast allen EmK-Gemeinden das Pro- gramm »Natürliche Gemeindeentwicklung« (NGE) durch. Dabei werden acht verschiedene Bereiche abge- fragt – bevollmächtigende Leitung, gabenorientierte Mitarbeiterschaft, leidenschaftliche Spiritualität, zweckmäßige Strukturen, inspirierender Gottesdienst, ganzheitliche Kleingruppen, bedürfnis- orientierte Kleingruppen und liebevolle Beziehungen. Dabei ist erstaunlich, dass bei ganz vielen Gemeinden Spiritualität der ab- solut schwächste Bereich ist. Woran liegt das? chriSthArD EllE: Wenn Gemeinde- mitglieder schon lange miteinander unterwegs sind, wird vieles zur Routine. Und viele spüren diese Lee- re. Ich werde als Sekretär für Ge- meindeaufbau inzwischen oft von Ge- meinden eingeladen, um über Spiritualität zu reden. Dabei versuche ich, den Menschen erst einmal wieder einen Zugang zu ihrer Spiritualität zu ver- schaffen. Was genau ist Spiritualität? chriSthArD EllE: Mein persönliches geistliches Leben, mein Leben mit Gott und die Kommunikation zwischen Gott und mir – das alles ist Spiritualität. Häufig können die Leute mit alther- gebrachten Formen nicht mehr so gut umgehen – etwa mit der »stillen Zeit« am Morgen oder der Gebetsgemeinschaft in der Gemeinde – und denken dann, sie seien keine richtigen Christen. Sie ziehen sich oft zurück und meinen, sie hätten einfach keine Ader, um Gott zu be- gegnen. Dabei brauchen sie einfach nur andere Formen. Zum Beispiel? chriSthArD EllE: Die Formen sind so verschieden wie die Menschen! Manche entdecken die stille Zeit am Morgen wieder und möchten diese Viertelstunde nie mehr missen. Andere brauchen gemeinsame Stilleerleb- nisse oder Rituale wie Segnungen, Tauferinnerungen und Salbungen. Das sind für mich starke Handlungen, die aber in vielen Gemeinden nach meiner Erfahrung eher abgefeiert als erlebt werden – auch wenn wir Pastoren sie immer ganz inhaltsreich vordenken. Wie groß ist die Gefahr, dass man bei der Entdeckung der eigenen Spiritualität den missionarischen Impuls vergisst? chriSthArD EllE: Gering. Ich merke, dass die Leute deswegen so wenig von ihren Gemeinden erzählen, weil es für sie selbst eher Last oder Routine geworden ist. Dass sie denken »Das braucht mein Freund oder Nachbar auch« – das ist eher selten. Umgekehrt gilt: Wo mein eigenes Herz, wo meine Seele aufblüht, da erübrigt sich die Aufforderung zur Evangelisation. Wer etwas Großes erlebt, erzählt es weiter. So erlebe ich, dass Leute, die in einer neuen Lebendigkeit Gott entdecken, in einer großen Selbstverständlichkeit an Orten von ihrem Glauben erzählen, wo sie das von sich selbst nie gedacht hätten. Spiritualität ist derzeit in Mode. Muss die EmK dabei mitmachen? chriSthArD EllE: Sicher, Spiritualität ist ein Trend. Aber deswegen dürfen wir uns als Kirche dem nicht ver- schließen! Es sind so viele Menschen auf der Suche nach spirituellen Er- fahrungen, und bei uns bekommen sie das, was sie suchen. Insofern können wir diese »Mode« nutzen. Ohnehin ist Spiritualität in- nerhalb unseres Lebens als Christen nicht nur eine Mode, sondern ein Grundbaustein. Es gibt kein christliches Leben ohne Spiritualität! FO tO : PR iV At »Wo meine Seele aufblüht, da erübrigt sich die Aufforderung zur Evangelisation.« Christhard Elle
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 5 Was ist methodistische Spiritualität? chriSthArD EllE: Die Verbindung von Herz und Hand! Wo wir etwas Großes im Herzen erleben, lassen wir schnell daraus Taten folgen – etwa in den Liebestaten der Diakonie. Die pietistische Zurück- gezogenheit ist ein Teil des christlichen Daseins, aber nie ihr Zweck. Doch wo es die nicht gibt, ist der geist- liche Akku ganz schnell am Ende. Und ich erlebe viele Christen in Gemeinden, die ganz schön am Ende sind. Die den Glauben nicht in Frage stellen, aber die so dringend wieder selbst neue Kraft brauchen. Es gibt Gemeinden, die ergehen sich in Innerlichkeit, und es gibt Gemeinden, die nur nach außen wirken – beides funktioniert nicht auf Dauer. Das zusammen- zubringen, das ist für mich typisch methodistisch. Was unterscheidet eine Evangelisation heute von einer Evangelisation vor 30 oder 40 Jahren? chriSthArD EllE: Einmal im Jahr Evangelisation und das war’s dann – das funktioniert nicht mehr, und wahr- scheinlich war das auch nie so gedacht. Die Menschen um uns herum sind nicht anders als wir, und sie lassen sich von einer einmaligen Aktion nicht mehr locken, ein ganz neues Leben anzufangen. Wenn man Ver- anstaltungsevangelisation macht, dann ist das immer eingebunden in ein Gesamtkonzept von »Glauben leben«. Sonst wirkt es absolut aufgesetzt. Die eigentliche Evangelisation findet im Alltag statt, indem andere Menschen entdecken, was wir haben, und das auch haben wollen. Das ist zudem urchristlich – die ersten Ge- meinden wuchsen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Angenommen, Ihre Gemeinde hätte Geld übrig: Würden Sie das Gemeindehaus renovieren oder das Geld in evangelistische Aktionen stecken? chriSthArD EllE: Ich bin gerade dabei, unser Ge- meindehaus zu verkaufen und einen Raum zu mieten. Ich glaube, dass unsere Kirchen und Gemeindehäuser oft zu viel von unseren Kräften verzehren. Und zwar nicht nur Geld, sondern auch die ehrenamtlichen Kräfte. Es gibt Gemeinden, die bauen eigentlich nur. Die Gemeinde in Bremerhaven gehört zu den kleinsten in unserer Konferenz, und wir merken, dass wir unsere Kräfte nicht für ein Gemeindehaus verwenden wollen, sondern dafür, die Liebe Gottes weiter- zugeben. Ich würde immer das Geld in Aktionen ste- cken – aber nicht in einmalige, sondern in dauerhafte. Etwa in einen Mittagstisch für Bedürftige. Oder für spirituelle Programme. Aber das alles braucht doch einen Ort? chriSthArD EllE: Ja, aber man muss zuerst wissen, was man machen will, und dann nach den Räumen schauen. Meistens braucht man viel, viel weniger Raum, als wir in unseren großen Gemeindehäusern haben. Für das Geld, das der Unterhalt kostet, kann man vielleicht jemand einstellen. Das sind alles Investitionen, die sich für eine Gemeinde auf Dauer auszahlen. Wie kann die EmK missionarischer werden? chriSthArD EllE: Ich glaube, dass ein Schlüssel die Spiritualität ist. Wenn wir selber entdecken, was für einen großen Schatz wir dadurch haben, dass wir glauben dürfen, werden wir fast automatisch missio- narischer. Und wenn wir von den äußeren Dingen wie Immobilien und Strukturen hinkommen zu der Frage, was wir eigentlich brauchen für unsere Arbeit. Wir sind oft so immobil geworden durch unsere Immobilien. Da waren unsere Ahnen viel flexibler: Wenn sie eine Arbeit begonnen haben, mieteten sie eben einen Raum und wenn es in dem einen Stadtteil nicht mehr ging, dann konnten sie relativ schnell wechseln. Wir sitzen mit den meisten Gemeinden immer noch da, wo es vor 100 Jahren genau richtig war, dass wir da sind. Das mag in kleinen Orten nicht so wichtig sein, in den Städten ist es anders. Wo müssen wir Gemeinden gründen? chriSthArD EllE: In den Städten entstanden Ge- meinden oft in Zuzugsgebieten und boten den Menschen eine Heimat. Heute sind die Stadtteile, in denen Menschen heimatlos und ohne Halt sind, oft woanders. Dort müssten wir hin. www.evangelisationswerk.deFO tO : Sx c. h u / l u M ix 20 0 4 Der Schlüssel zu einer missionarischen Kirche ist die lebendige Spiritualität ihrer einzelnen Mitglieder.
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 6 Wie viele Ladegeräte haben Sie zuhause? – Eins fürs schnurlose Telefon, eins für den Laptop, die Kamera, das Handy, die elek- trische Zahnbürste … Es läppert sich zusammen. Wir haben inzwischen immer mehr mobile elektrische Geräte, mit denen wir überall, wo es uns beliebt, telefonieren oder arbeiten können. Aber das funk- tioniert eben nur, solange der Akku auch geladen ist. So wie ein geladener Akku die Voraussetzung für schnurloses Telefonieren ist, so ist ein geladenes Herz die Voraussetzung für einen missionarischen Lebens- stil. Und hier kommt die Spiritualität ins Spiel: Sie ist im Bild gesprochen das Ladegerät für unser Herz. Sie führt uns in den Raum, wo wir Gott begegnen. Und die Be- gegnung mit Gott ist es schließlich, die unser Herz »auflädt«. Denn in der Begegnung mit Gott erfahren wir, was es heißt, geliebt zu sein, dass wir in seinen Augen unendlich wertvoll und wichtig sind, dass nie- mand unseren Platz in seinem Herzen einnehmen kann. Genau diese Erfahrung ist die Voraussetzung für einen missionarischen Lebensstil. Nur wenn ich selbst entdecke, wie sehr Gott mich liebt, kann ich anderen Menschen helfen, dasselbe zu entdecken. Henri Nou- wen nennt das den Dienst der Evangelisation: Men- schen helfen, ihr Erwähltsein von Gott zu er- kennen. nur die persönliche Erfahrung zählt Meine persönlichen Erfahrungen mit Gott können einzig und allein die Triebfeder sein, anderen Menschen die Liebe Gottes nahezubringen. Kein noch so toller Gottesdienst, kein noch so brillanter Vortrag, keine noch so geniale Straßenaktion kann das ersetzen. Sie bleiben leer und wirkungslos, wenn sich darin nicht die eigenen Erfahrungen der Liebe Gottes widerspiegeln. Darum ist die alles entscheidende Fra- ge: Wie bekomme ich mein Herz an die Stromquelle? Wo ist mein Raum, in dem ich Gott begegnen kann, wo ich seine Stimme vernehmen kann, wo ich Gottes Nähe ganz deutlich spüre und sie mich mit Kraft, Zuversicht und Liebe füllt? Mir hilft hier eine Stille-Übung sehr: sich ein paar Minuten Zeit nehmen, die Augen schlie- ßen und sich seinem Rufnamen zuwenden, in die Stille lauschen und sich bewusst machen: Gott kennt meinen Namen! Er ruft mich gerne bei meinem Namen. Es gibt viele Räume und Wege der Spiritualität. Nicht jeder Weg entspricht meiner Persönlichkeit. Das ist wie beim Essen: Wir haben unsere unterschiedli- chen Vorlieben. Essen tun wir alle, weil unser Körper Nahrung braucht. So braucht auch unser Herz Nah- rung. Der eine wird satt, wenn er Lobpreislieder sin- gen kann, die andere braucht Tage in der Stille, dem Nächsten geht das Herz auf, wenn er theologische Aufsätze liest. Wichtig ist vor allem, dass wir unseren persönlichen Weg kennen und auf diesem Weg unser Herz nähren. Sonst ist der Akku irgendwann leer. In Jesaja 40,31 heißt es: »Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zu- sammen.« Ein dauerhaft gefüllter Akku ist uns verhei- ßen, wenn wir unser Vertrauen auf Gott setzen. Und was stärkt unser Vertrauen? Wenn wir Gottes Stimme hören, die uns liebevoll bei unserem Namen nennt, die uns sagt, wie wertvoll wir sind, und die uns Mut macht und uns sagt, wo es langgeht. In einem Lied heißt es: »Aus deinem Mund höre ich das schönste Liebeslied, an deinem Ohr darf ich sagen, was die Seele fühlt, an deiner Hand kann ich fallen und du fängst mich auf, an deinem Tisch wird mein Hunger gestillt« (Thea Eichholz-Müller). – Wann haben Sie zu- letzt dieses Liebeslied Gottes für sich gehört? Ich bin sicher, wenn Sie es hören, dann brauchen Sie sich gar nicht mehr groß Gedanken machen, wie ihr Lebens- stil missionarischer werden kann. Er wird es! Darum suchen Sie immer wie- der Ihre Ladestation auf und lassen Sie Gott zu Ihrem Herzen sprechen. Damit der Akku voll bleibt Missionarisch sollen christen sein – aber wie funktioniert das? So wie ein geladener Akku die Voraussetzung für schnurloses telefonieren ist, so ist ein geladenes herz die Voraussetzung für einen missionarischen lebensstil, sagt Pastorin Maren herrendörfer. MAREn hERREnDöRFER ist Pastorin im Bezirk Osnabrück. FO tO : VO lK ER K iE M lE
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 7FOt O : YO R K Sc h ö n Das Volk Israel war im 8. Jahrhundert vor Christus in einem schlechten spirituellen Zu-stand: Die Menschen feierten zwar ihre Gottesdienste und religiösen Feste, und von außen sah alles gut aus. Aber in Wirklichkeit war Israels Spiritualität oberflächlich und leer. Beeindruckende Zeremonien, exakte Liturgien und peinlich genaue Opfer-Riten waren eigentlich sinnlos, weil sie auf den Alltag keinen Einfluss hatten. Vielleicht wird die damalige geistliche Lage Israels am besten mit den Worten Jesajas zusammengefasst: »Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir« (Jesaja 29,13). Gegen diesen Widerspruch haben Propheten wie Jesaja und Micha gepredigt. Für Micha verbindet wahre Spiritualität Glauben und Handeln. Sie verbindet den Sabbat mit den Wochentagen – den Gottesdienst mit dem Dienst für Gott. Sie ist so- wohl passiv als auch aktiv, sie ist Sammlung und Sen- dung. Micha weiß die Antwort schon, als er das Volk Israel fragt: Was will Gott? Will er einjährige Rinder als Opfer haben oder Tausende von Schafböcken und ganze Ströme von Olivenöl? Nein, antwortet Micha: »Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott« (Micha 6,8). Das ist der rechte Gottesdienst, das ist wahre Spiri- tualität, die aus einer Frömmigkeit für Leib und Seele, die aus Glauben und Handeln besteht. Drei konkrete Elemente der Spiritualität finden wir in diesem Vers. Gottes Wort halten Das heißt zuallererst ganz schlicht und einfach, dass wir die Bibel lesen! Wir planen unseren Tag so, dass wir Zeit fürs Bibellesen haben. In der Stille öffnen wir uns Gott und meditieren über sein Wort. Wir lassen es auf uns und in uns wirken, und wir halten sein Wort, so wie man ein Versprechen hält. Dadurch merken wir auch, dass wir selbst gehalten werden, dass Gottes Wort eine wichtige, erbauende, lebensbejahende Stelle in unserem Leben hat. liebe üben Liebe ist der Kern unseres Glaubens, weil Gott die Liebe ist. Deswegen wird Liebe immer das Herz wahrer Spiritualität sein. Jesus fasst die mosaischen Gesetze so zusammen: »Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt, und von allen deinen Kräften. Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst« (Markus 12,30). Der Apostel Paulus formuliert es an einer anderen Stelle so: »Wenn ich sogar mit Engel- zungen reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie eine dröhnende Pauke oder ein lärmendes Tamburin« (1. Korinther 13). Demütig sein vor deinem Gott Wir Menschen tendieren sehr oft zur Selbstgerechtig- keit. Wir finden Fehler schnell in unserem Mit- menschen, aber nicht so schnell bei uns selber. Wir sind schnell dabei, andere zu kritisieren, sie zu beur- teilen oder verurteilen. Wir stecken Leute gern in Schubladen, und es ist immer einfacher, den »Splitter in deines Bruders Auge zu sehen und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge« (Matthäus 7,3). Unsere Ich-Bezogenheit und Selbstgerechtigkeit offen- baren sich oft, wenn wir andersdenkenden Menschen begegnen. Demütig vor Gott sein heißt aber auch gnädig zu sein, großzügig zu sein! Demütig vor Gott zu leben, heißt eine Bereitschaft, das Beste in anderen zu suchen. Wer die Vergebung und die Gnade Gottes persönlich erlebt hat, geht anders mit Menschen um. Er begegnet ihnen mit Toleranz und mit Geduld. Er ist freundlich und gutwillig. Glauben und handeln Wort auf den Weg ::: 7 BARRY SlOAn D.Min. ist Pastor im Bezirk chemnitz­Erlöserkirche / Flöha und Sekretär für missionarischen Gemeindeaufbau. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6,8
  • Das sind wir: Ein Wahrzeichen des Ortes ist die Friedenskirche mit ihrem gut sicht- baren Glockenturm. Jeden Sonntag ist gut zu hören, dass die Ge- meinde hier den Gottesdienst feiert. Ellerbek ist ein wohl- habender Ort. Das Motto des Ortes heißt »Insel des Glücks«. Soziale Spannungen sind zu- mindest nicht sichtbar. Wir sehen aber, dass sich manche Lebenskrise und Not im Verborgenen abspielt. Wir wollen nicht »wie auf einer Insel« leben, sondern offen sein für die Menschen um uns. Die Gemeindemitglieder wohnen nur zum Teil in Ellerbek. Einige kommen aus Nachbarorten, andere wohnen in den westlichen Stadt- teilen Hamburgs. Heute gehören zur Gemeinde 50 Mitglieder und fast ebenso viele Kirchenangehörige. In Hohenlockstedt bei Itzehoe, gut 60 Kilometer entfernt, wird regelmäßig Hauskreis gehalten. Wenige Ge- meindemitglieder wohnen hier. Ihre Familien sind in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aus dem Erz- gebirge nach Hohen- lockstedt gezogen. Ursprünglich wurden sie von der Gemeinde in Lü- beck betreut. Jetzt gehören sie schon lange zum Bezirk Ellerbek. Da kommen wir her: Die Gemeinde ist durch Flücht- linge entstanden. Nach dem Krieg kamen viele Familien nach Schleswig-Holstein. In Ellerbek sammelte sich eine kleine Ge- meinde. Schon in ihrer alten Hei- mat gehörten diese Geschwister zu unserer Kirche. Die Gemeinde ent- wickelte sich gut. So wurde 1960 die Friedenskirche eingeweiht. Im Mai 2010 wurde mit einem großen Fest das Jubiläum »50 Jahre Friedenskirche« gefeiert. Das machen wir: Die Gemeinde in der Friedenskirche ist eine kleine, aber sehr lebendige Gemeinde mit vielen Gruppen. Chor Wichtige Aufgabe vor Ort Mehr als 260 Bezirke gibt es in der Evangelisch­methodistischen Kirche in Deutschland. Alle haben ihre eigene Prägung. um diese Vielfalt zu zeigen, stellen sich in »unterwegs« regelmäßig EmK­Bezirke vor. in dieser Ausgabe geht es nach Ellerbek. und Posaunenchor gestalten jeden Sonntag den Gottesdienst mit. Zur Kindergruppe »coole kids« kommen Kinder aus der Gemeinde und aus dem Ort. Auch unsere Jugendlichen treffen sich regelmäßig. Mit dem Nachmittagstreff haben wir ein An- gebot vor allem für die Älteren. Mit der evangelisch-lutherischen Ge- meinde im Ort gibt es eine schöne ökumenische Zusammenarbeit. Das Erntedankfest feiern wir gemeinsam auf einem Bauernhof in unserer Nähe. Das haben wir vor: Wir sind mit der Gemeinde auf einem Weg, um unseren missio- narischen Auftrag wieder mehr in den Blick zu nehmen. »Gott erleben, unseren Glauben leben und Leben miteinander teilen« ist dabei unser Ziel. Wir laden Menschen zum Glauben an Christus ein. Wir freuen uns, wenn sie ihren Glauben mit uns in der Gemeinde leben. Es gibt noch viel zu tun. Wir sind zuversichtlich, dass Gott die Gemeinde weiter mit seinem Segen beschenkt. Und wir sind überzeugt, dass unsere kleine Gemeinde für die Menschen unseres Ortes eine wichtige Auf- gabe hat. Andreas Fellenberg n Zur Gemeinde Ellerbek gehören 50 Kirchenmitglieder und fast ebenso viele Kirchenangehörige. n Ellerbek ist ein Ort mit etwa 5.000 Einwohnern direkt vor den toren hamburgs. im Grünen wohnen und doch das An­ gebot der Millionenstadt ganz nahe – das gefällt den Men­ schen an Ellerbek. Das Bild des Ortes ist geprägt von den häusern der Familien. Aber auch ältere Menschen leben gerne im Ort. Wenige Bauernhöfe und einige Baumschulen gibt es hier. BEzirK EllErBEK Die Gemeinde in Ellerbek ist klein, aber sehr leben­ dig. Wie hier beim Zusam­ mensein nach der Kinder­ weihnachtsfeier 2010. ::: Gemeindeporträt10
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 11 Gute Vorsätze haben zum Jahreswechsel Kon-junktur. Sollten auch wir uns als Kirche etwas vornehmen für das Jahr 2011? Wie wäre es mit einem geistlichen Fitnessprogramm? Da und dort höre ich, dass durch die Beschäftigung mit dem Buch von Bischof Robert Schnase »Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet« neuer Schwung in das Ge- meindeleben kommt. Die Diskussionen über die fünf Kennzeichen sind anregend. Man entwickelt Ideen, um gastfreundlicher zu sein, die Gottesdienste lebendig zu gestalten, Kleingruppen zu bilden, mehr zu wagen in Sachen Mission und um das Geben als geistliche Dis- ziplin einzuüben. Die »40-Tage-Aktion« empfehle ich gern, Informationen sind unter www.fruchtbare-ge- meinden.net zu finden. Aber bringt dies nachhaltige Veränderungen mit sich? Auch in Gemeinden spielt sich oftmals der alte Trott schnell wieder ein. Wie gelingt es uns, das zu tun, was wir uns vorneh- men? In der methodistischen Bewegung sind zwei Im- pulse bedeutsam, die sich auf den ersten Blick zu wider- sprechen scheinen. John Wesley sprach immer wieder davon, dass uns Gottes Gnade zur Umkehr ruft, recht- fertigt und heiligt. Und Wesley forderte seine Leute auf, den Glauben in der Liebe zur Tat werden zu lassen in einem disziplinierten christlichen Lebensstil. Von Weih- nachten her kommend können wir nachvollziehen, dass diese beiden Aspekte keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören. Gott schenkt sich uns in seiner Gnade, indem er in Jesus Mensch wird. Dieses Geschenk ist an keinerlei Bedingungen ge- knüpft. Wir brauchen Gottes Liebe nur anzunehmen, damit sie sich in uns entfalten kann. Alles, was wir je für Gott und die Menschen tun, ist uns zuvor von Gott gegeben worden. Es geht also schlicht darum, von Gottes Weihnachtsgeschenk zu leben und durch- lässig zu sein für Gottes Gnadengaben. Charles Wes- ley sagte das so: »Mach mich zu deinem Reich bereit! Was du verlangst, das gib: Die Höhe der Vollkom- menheit, die Tiefe schlichter Lieb!« (GB 269,5) Die möglichkeiten nutzen! Weil wir Gottes Liebe im Überfluss geschenkt be- kommen, können wir danach streben, Gutes zu tun. Im Wesleybrevier Ȇber allem die Liebe« steht zum 7. Oktober folgender Ausspruch John Wesleys: »Eine der wichtigsten Regeln des Glaubens heißt: Lass keine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, Gott zu dienen. Da nun Gott für uns unsichtbar ist, sollen wir ihm in unserem Nächsten dienen; und das wird er in der Tat für sich selbst annehmen – als ob er sichtbar vor uns stünde.« Gott dienen heißt, jede sich bietende Möglichkeit zur Nächstenliebe zu nutzen. Eine be- sucht die Kranken in ihrem Bekanntenkreis. Ein anderer hilft Asylsuchenden, zu ihrem Recht zu- kommen. Die Gemeinde in X engagiert sich in der Suchtkrankenhilfe und in Z gibt es Begegnungs- möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen. So geht es ein wenig menschlicher zu in unserer Welt, weil Gott Mensch wurde und weil wir uns von Gottes Bewegung mitreißen lassen. Das ist kein kurz- fristiges Fitnessprogramm, sondern lebenslanges Wachsen in Christi Nachfolge. Rosemarie Wenner Ein guter Vorsatz für 2011 »lass keine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, Gott zu dienen«, schrieb John Wesley den Methodisten ins Stammbuch. Das könnte auch für unsere Gemeinden im neuen Jahr ein guter Vorsatz sein, meint Bischöfin Rosemarie Wenner. FO tO : cl A u S K El ln ER / M ED iE n W ER K D ER E M K unterwegs erlebt ::: 11
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 14 Gemeinden« (emerging churches) werden seit geraumer Zeit aus einigen westlichen Ländern be- richtet, allen voran aus Großbritannien. Gemeinsam ist diesen Ansätzen die Suche nach neuen Formen verbindlichen Christseins, aber auch eine tiefe Unzufriedenheit mit den Kirchen der west- lichen Welt. Sie wollen den christlichen Glauben unter den Bedingungen der Postmoderne neu entdecken und authentisch leben. Dazu gehört, die missionarische Leidenschaft der Christen des ersten Jahrhunderts glaubhaft ins 21. Jahrhundert zu übersetzen und neue, angemessene Ausdrucksformen gemeinschaftlich ge- lebten Glaubens zu finden. Kirche auf zeit Die Ergebnisse sind unterschiedlich: »Fresh ex- pressions of church« umfassen Gemeinden in Bars und Bistros, Schulgebäuden und Einkaufs- und Ge- schäftszentren. Häufig stehen sie in Verbindung mit sozial-diakonischer Arbeit. An die Stelle einer zu Grunde liegenden Komm-Struktur tritt eine Geh-Struktur, die die Menschen dort aufsuchen möchte, wo sie sich ohnehin treffen. Nicht wenige hervorbrechenden Ge- meinden verstehen sich von vorn- herein bewusst als »Kirche auf Zeit«, die sich jetzt formiert, aber nicht auf Dauer hin angelegt ist. Manches, was uns hier an theo- logischen Aussagen und an geleb- ter Praxis begegnet, wird in der »zünftigen Theologie« und in kir- chenleitenden Gremien berechtigte Bedenken hervor- rufen, die ernsthaft diskutiert werden müssen. Ande- res wiederum wird jene, nicht weniger berechtigt, an deren ureigenste Aufgabe erinnern, nämlich die kirch- liche Arbeit der Gegenwart kritisch zu begleiten und konstruktiv weiterzuentwickeln. Es gilt das Bewusst- sein zu entwickeln: Es ist nicht die Kirche Gottes, die eine Mission hat, vielmehr hat ein missionarischer Gott eine Kirche in der Welt. Gemeinde für alle? Nach meiner Einschätzung überwiegen die Vorteile der jungen Aufbrüche, solange sie nicht verabsolutiert und vorschnell zur Herabsetzung des Bestehenden missbraucht werden. Um ein unseliges Gegeneinander von bestehenden und neuen Ausdrucksformen von Kirche zu vermeiden, hilft die in Großbritannien ge- bräuchliche Vorstellung einer »mixed economy«, einer gewollten Vielfalt der Formen unter einem gemein- samen Dach. Die unterschiedlichen Angebote sind dabei kein »notwendiges Übel«, sondern sie bringen die Einsicht zum Ausdruck, dass keine Gemeinde, keine Denomi- nation oder Konfession »alle« Menschen erreichen kann oder muss. Dies ist Entlastung und Ansporn zugleich. Gemeindegründungen und experimentelle Gemeindeformen, die aus sozialen Projekten erwach- sen, können der Kirche vielversprechende Möglich- keiten eröffnen, sich von einem unfruchtbaren, nicht selten auch angstgeleiteten »Kreisen um sich selbst« zu befreien. internationale Gemeinden als chance Meiner Überzeugung nach kommt den international ausgerichteten Gemeinden eine besondere Bedeutung für die zukünftige Mission und Evangelisation zu. Auch in Deutschland, der Schweiz und verstärkt in Österreich wächst die Zahl der Gemeinden, in denen sich fremdsprachige Methodisten unter dem Dach der EmK zu- sammenfinden, entweder in Ge- meinden der jeweiligen mutter- sprachlichen Prägung oder eben international und kulturüber- greifend. Für viele Migrantinnen und Migranten ist die Gemeinde ein Stück Heimat, die sie verloren und im neuen Kontext noch nicht gefunden haben. »Zuwanderer sind ein Geschenk und ein Segen Gottes an die Kirchen«, so ist es im Pro- tokoll der Tagung des Europäischen Rates Methodis- tischer Kirchen (2008) vermerkt. »Schmutzige Fingernägel« Dieses Geschenk wird sich allerdings nur denjenigen Gemeinden erschließen, die sich für Zuwanderer tatsächlich öffnen, die also auch bereit sind, sich den damit verbundenen Problemen zu stellen. Evan- gelisation und Gemeindearbeit können dann nur ganzheitlich geschehen, im Sinne einer »Spiritualität der schmutzigen Fingernägel« (so der Generalsekretär der britischen Methodistenkirche, Martyn Atkins). Die frohe Botschaft von der befreienden Kraft Gottes zeigt sich auch in Gestalt von Kinderbetreuung, Hilfe im Umgang mit den Behörden, im alltäglichen Teilen von Lebensraum und Lebensmöglichkeiten. Beispielhaft soll hier die Gemeinde Peace Church United Methodist Munich (www.peacechurch.de) ge- nannt werden. Angefangen hat es 1984 mit 13 Gottes- dienstbesuchern als Arbeit mit den Familien amerika- nischer Soldaten, die in München stationiert waren. Von Achim härtner ist eine Abhandlung erschienen mit dem titel »Gottes Wirken auf der Spur bleiben. Perspektiven für Mission und Evangelisation im deutschsprachigen Metho­ dismus des 21. Jahrhunderts«, in: theologie für die Praxis 36 (2010), [Festgabe für Dr. Walter Klaiber und Dr. Manfred Marquardt zum 70. Geburtstag], heft 1­2, S. 94­112. zum WEitErlESEn: »Zuwanderer sind ein Geschenk – das sich aber nur den Gemeinden erschließen wird, die sich für Zuwanderer und ihre Probleme wirklich öffnen.«
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 15 AchiM häRtnER ist Professor für für Praktische theolo­ gie an der theologischen hochschule der EmK in Reutlingen. Heute bietet die Peace Church Menschen aus über 25 Nationen eine geistliche Heimat, unter ihnen viele Asylbewerberinnen und -bewerber. Der durch- schnittliche Gottesdienstbesuch liegt bei rund 100 Erwachsenen und Kindern. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Asylbewerbern ge- schieht gemeinsam und zweisprachig mit dem Ge- meindebezirk München-Friedenskirche. Wünschenswert bleibt, dass auch unsere »her- kömmlichen« Gemeinden sich vermehrt für Migran- tinnen und Migranten öffnen. Auch sollten noch weitere internationale Gemeinden entstehen, in de- nen man sich müht, in versöhnter Verschiedenheit und mit missionarischer Ausstrahlung Gemeinde Jesu Christi zu sein – damit die Welt verändert wird. nicht aus uns selbst heraus Natürlich sind regionale und lokale Gegebenheiten zu unterschiedlich, als dass allgemeingültige Prinzipien aufgestellt werden könnten. Die Heraus- forderungen für Evangelisation und Mission sind enorm. Zugleich eröffnet die gesellschaftliche Situation vielfältige neue Möglichkeiten. Ent- scheidend erscheint mir zu sein, dass wir uns in unseren Bemühungen um die Ausbreitung des Evangeliums von der theologischen Perspektive des Reiches Gottes leiten lassen und nicht vorrangig vom sicherlich wünschenswerten Wachstum der ei- genen Kirche. Mission und Evangelisation müssen daher vermehrt als ökumenische Aufgabe begriffen werden – auch über die Ländergrenzen hinweg. Mission und Evangelisation geschehen nicht aus menschlichem Antrieb heraus, sondern haben ihren Ursprung in der Sendung Jesu Christi, der seine Jünger beauftragt und bevollmächtigt: »Gehet in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker …« (Matthäus 28,19). Der Befehl ist umschlossen von den Jesus-Worten »mir ist gegeben alle Gewalt …« (18) und »siehe ich bin bei euch alle Tage …« (20). Diese biblisch fundierte Gewissheit verleiht der evan- gelistisch-missionarischen Arbeit auch in der Gegen- wart das nötige Selbstvertrauen und bewahrt sie zu- gleich vor überhöhten Erwartungen an sich selbst. Die Erfahrung in unserer Kirche bestätigt: Men- schen in die Nachfolge Jesu Christi zu führen, ge- lingt eher den Gemeinden, die eine evangelische Gelassenheit ausstrahlen, als jenen, die in einen geschäftigen Aktionismus verfallen. Sie haben Post Antworten An alle Weiterleiten Markieren An: [email protected] Von: [email protected] Betreff: E-Mail aus Bethanien Chemnitz Ziviler (Un-)Gehorsam Ab diesem Jahr wird die Allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt. Wer wie ich in einer pazifistischen Grundhaltung aufgewachsen ist, den wird dies zunächst freuen. Freilich endet damit zugleich, was zunächst aus zivilem Ungehorsam erwuchs und sich später hin zu einem wichtigen Bestandteil unseres Sozialsystems entwickelt hat: der Zivildienst. Die sich anfangs dafür einsetzten, waren – deutlich mehr noch in der DDR als in der alten Bundesrepublik – zahlreichen Anfeindungen und auch Repressalien ausgesetzt. Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern, wie bei einer Jugendrüstzeit auf Schwarzenshof, an der ich 1981 teilnahm, Informationen sowie eine Unterschriftenliste zum Thema »Sozialer Friedensdienst« kursierten. Die Staatssicherheit war in erstaunlich kurzer Zeit darüber im Bilde. Persönliches Engagement in dieser Sache konnte Konsequenzen für die gesamte Lebensgeschichte nach sich ziehen. Und auch im Westteil Deutschlands war die sogenannte »Gewissensprüfung« ja lange Zeit nicht ganz ohne. Bei meinen Söhnen habe ich das deutlich entspannter erlebt. Mit zunehmender Akzeptanz in der Gesellschaft wurde aus dem Zivildienst eine bedeutsame Form »zivilen Gehorsams«. Junge Männer entdeckten darin eine Aufgabe, in der sie sich für andere nützlich machen konnten. Und Christen verstanden dies nicht selten auch als gute Möglichkeit, den Auftrag zur Nächstenliebe in konzentrierter Weise in die Tat umzusetzen. Noch ist nicht geregelt, wie ein vergleichbarer Dienst sich künftig auf freiwilliger Basis gestalten wird und wie er neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr etabliert werden kann. Sicher aber ist: Gebraucht wird er dringend. Wir in Bethanien Chemnitz wollen nach Kräften auch künftig Menschen die Möglichkeit bieten, sich in unseren Krankenhäusern sozial zu engagieren und sich auf diese Weise in »zivilem Gehorsam« zu üben. Frank Eibisch n Pastor Frank Eibisch ist Theologischer Geschäftsführer der Bethanien Krankenhaus Chemnitz gemeinnützige GmbH. n In dieser rubrik werden künftig die Vertreterinnen und Vertreter von EmK-Werken über aktuelles und Bemerkenswertes aus ihren arbeitsgebieten schreiben.
  • 16unterwegsinfo unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 Am dritten Advent feierten Sonn- tagsschule und Jungschargruppen in Pliezhausen ihren Weihnachts- feier-Gottesdienst. Höhepunkt war die Aufführung des Musicals »Fünf Brote, zwei Fische und viel zu viele Gäste« von Myriam Scharrer (Text) und Schwester Christel Schröder (Musik). Kinder spielten die tragende Rolle bei der Aufführung: Der Chor, den Hilde Schwaiger leitete, bestand überwiegend aus Kindern. Voll Begeisterung trugen die Jungen und Mädchen die Lieder vor. Auch die Solopartien waren mit Kindern besetzt. In den gespielten Szenen übernahm der Chor auch die Rolle der vielen, vielen Menschen. Denn es wurde die Speisung der Fünf- tausend dargestellt, von der Mat- thäus im 14. Kapitel seines Evan- geliums berichtet. Zu Advent und Weihnachten sollte auch einmal ein anderes The- ma behandelt werden als immer wieder die Geburt Jesu – so schön die Geschichte von den Hirten, die zum Stall von Bethlehem kommen, auch ist. Das wurde durch einen Vorspann deutlich gemacht, den die Sonntagsschulmitarbeiter dem Mu- sical voranstellten. Der Bericht des Evangeliums wurde durch eine Rahmenhand- lung ergänzt, in der drei Kinder los- ziehen, um Jesus kennenzulernen. Ihre Mutter gibt ihnen die bekann- ten fünf Brote und zwei Fische als Wegzehrung mit. Für die drei hätte das gereicht, für die fünftausend natürlich nicht. Und schon kommt die allzu menschliche Erwägung ins Spiel: »Sollen wir das wenige abge- ben? Dann haben wir ja selbst nichts mehr!« Zum Glück über- winden sich die Kinder. So kann Jesus zeigen, dass nicht enttäuscht wird, wer ihm vertraut. Am Ende waren alle begeistert. Die Handlung des Musicals war durch fetzige Lieder aufgelockert, immer wieder boten humorvolle Stellen Grund zum Lachen, und der Eifer der jungen Darsteller wirkte herzerfrischend. Und auch Jesus wurde durch Pastor Ulrich Ziegler überzeugend dargestellt. Nicht nur das Musical war zur Weihnachtszeit außergewöhnlich, auch gab es noch etwas Besonde- res: Passend zum Musical wurden vor der Friedenskirche in Pliezhau- sen 300 Forellen geräuchert und ebenso viele frisch gebackene Brote direkt verkauft. Der gesamte Erlös ist für den An- und Umbau der Friedenskirche bestimmt. Asmus Dolan Pliezhausen: Musical zum Advent kurz &bündig DEr zEntrAlE GottESDiEnSt zur »Gebetswoche für die Einheit der Christen« wird am 23. Januar um 16 Uhr im Dom zu Speyer gefeiert. Er steht unter dem Motto der Gebetswoche 2011 »Zusammen glauben, feiern, beten« (nach Apostel- geschichte 2,42). Der Entwurf für den Gottesdienst und die Abende der Gebetswoche wurde vom Jerusalem-Inter- Church-Centre erarbeitet, einem Zusammenschluss von 13 Kirchen in Alt-Jerusalem. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird jedes Jahr vom 18. bis 25. Januar oder zwischen Christi Himmelfahrt und Pfings- ten oder an einem anderen, von Gemeinden selbst gewählten Termin begangen. www.oekumene­ack.de DEr ErStE »EmK-untErnEhmEr- tAG« findet am 29. Januar in Karlsruhe statt. Unter dem Motto »Miteinander – für- einander – Unternehmerisches Handeln im Wertewandel«wird es neben dem Impulsreferat von Dr. Lothar Elsner eine Vielzahl an Workshops und Info-Runden speziell für Selbstständige und freiberuflich Tätige geben. www.emk­unternehmer.de Kinder spielten die tragende Rolle bei der Musical­Aufführung in Pliezhausen. FOtO: PRiVAt
  • 17 Immer mehr Gemeindegliedern fällt es schwer, über ihren Glauben angemessen und gewinnend evangelistisch zu sprechen und Kontakte zu Noch-nicht-Christen zu knüpfen. Genau das ist aber das Hauptziel eines Einsatzes mit dem emk-mobil. deswegen wollen wir die Gemeinden im In- und ausland bei Bedarf durch ein kleines Team darin unterstützen. diese Ehrenamtlichen können von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen im Jahr mit dem Bus bzw. mit einem Begleitwagen mitfahren. Sie erhalten eine kurze Einführung und Schulung, wie mit dem emk-mobil gearbeitet wird und wie ein Glaubens gespräch aussehen könnte. außerdem werden ihnen alle anfallenden Kosten erstattet. Kennen Sie jemand, der an solchen Kurzeinsätzen interessiert wäre und dafür in Frage käme? Sprechen Sie diese Person(en) doch einfach ganz direkt daraufhin an. Oder wäre das sogar etwas für Sie selbst? unsere Kontaktadresse finden Sie auf der nächsten Seite. das Bild rechts zeigt das lokale Team von Tampere bzw. Pirkkala in Finnland, wo Pastor Jan-Markus Jeromaa (links) eine Gemeindegründung sehr erfolg- reich mit dem emk-mobil begonnen hat. auch unsere beiden Ehrenamtlichen Marlies Göhrke (2. von rechts) und uta Jetschke (vorne links) waren fest im Team integriert. und nun: Herzliche Einladung – wir warten auf Sie! Hans-Martin Kienle und Pastor Wilfried Bolay. Wen wir suchen… • Frauen und männer von 18 bis 80 Jahren • physisch und psychisch stabil • kontaktfreudig und/oder technisch begabt Was wir erwarten… • evangelistisch-missionarische motivation • möglichst Englischkenntnisse für Einsätze im Ausland • teamfähigkeit Was wir bieten… • Kost und logis (im Bus, in Gemeinden oder einfachen hotels/Pensionen) • Erstattung der reisekosten • Schulung für missionarische Gesprächsführung und viele positive Glaubenserfahrungen EVANGELISATIONS WERK der Evangelisch-methodistischen Kirche EVANGELISATIONS WERK der Evangelisch-methodistischen Kirche mitarbeiterteam für das emk-mobil: Wer macht mit?
  • Für Zelt 5 »Tschechien« benötigen wir dringend eine weitere Ver- längerung von 10 mal 20 auf 10 mal 25 Meter, also eine »Variante d«. diese kostet knapp 5.000 Euro und soll neben dem Projekt »Fertigbau der neuen Halle« das einzige Projekt 2011 sein. zelt 5 »tschechien«: 10 x 20 m achteck, bis 200 Plätze, bis 175 m2, 1 Vorzelt Bis 31. dezember 2010 haben wir etwa 115.000 Euro zweckgebundene Spenden für den Fertigbau der neuen Halle und die nötigen Schuldentilgungen erhalten. das hat uns sehr bewegt und froh gemacht. Wir möchten allen, die sich am Zustande- kommen dieses hohen Betrages beteiligt haben, noch einmal ganz herzlich danken. Wir sind zuversichtlich, dass wir die restlichen ca. 55 Prozent in diesem Jahr bekommen werden. Bei einem Winter wie diesem von 2010/2011 wird es wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, den Bau fertig zu stellen. danke, wenn Sie uns weiter oder erstmals dabei helfen können. hauptprojekt: Fertigbau der neuen halle Spendenziel: 250.000 € Projekt 2011: Verlängerung zelt 5 »tschechien« Kosten: ca. 5.000 € IMPrESSuM Für dIESE EINHEFTuNG herausgeber: Evangelisationswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche • redaktion: Pastor Wilfried Bolay, Sekretär für Evangelisation Fotos: Evangelisationswerk • Geschäftsstelle: Im Brühl 28–32, 89150 Laichingen, Telefon 07333 50-61/-62, Telefax 07333 21186 Spendenkonto: EmK Zeltmission, Volksbank Laichingen, BLZ 63091300, Konto 8570000 • www.evangelisationswerk.de 250.000 € 115.000 € Spendenbarometer 18 Zum einen sind viele Plätze statt rund eher länglich, zum anderen wird mehr Platz im Zelt gebraucht. die so ge- wonnenen 50 Quadrat- meter bringen etwa 50 weitere Sitzplätze. das wiederum erhöht unse- re Flexibilität und hilft uns, den anforderun- gen der Einsatzorte gerecht zu werden.
  • 19 persönlich SEMinARE Stolpersteine auf dem lebens- weg ::: umgang mit Krisen, EmK Kirchentellinsfurt, 29. Ja­ nuar, 9.30 bis 16 uhr, informa­ tionen unter telefon 07121 601976. münchen :: EmK Erlöserkirche, 29. Januar, 10 uhr, Münchener Chorhappening, Leitung: Holger Würth; 19.30 uhr, Werkstatt- konzert. Information und anmeldung: Helga@ MartiniFamilie.de missionstag der oJK ::: 26. März, 10 bis 13 uhr, Erlöser- kirche Chemnitz (dresdener Straße 111a). Information und anmeldung per E-Mail: [email protected] RunDFunK im internet radio m kompakt: Podcast­ Magazin – engagiert. radio m im Gespräch: Podcast­ Gespräche über den Glauben. radio m themen: Berichte und Reportagen. radio m Andachten: Kostenlos zu abonnieren: www.radio­m.de radio m bei Klassik radio (bundesweit) Andachten »carpe diem«: 24. bis 29.1., kurz nach 6 uhr: mit Anja Kieser; Sonntagsmagazin »Klassik und Kirche«: sonntags, 7–8 uhr: mit Anja Kieser. radio ArEF – sonn­ und feiertags von 10­ 12 uhr. www.aref.de und uKW 92,9 Mhz (Großraum nürnberg) ErF 23.1., 10 uhr, Gottes­ dienst aus der EmK neu­ enhain, mit cornelia trick. 26.1., 21.30 uhr, hilfreiche Wegweisung, mit horst Marquardt. Jeden Donnerstag, 20 uhr, Bilanz, mit horst Marquardt. ErF 1 (Fernsehen) 23.1., 10 uhr, Gottes­ dienst aus der EmK neuenhain, mit cornelia trick. AuFGEnOMMEn Bonlanden ::: am 12. dezember Christian Kaczmarek (27). Echterdingen ::: am 5. dezember Jessica duppel (17), Saskia duppel (20), rainer Köller (28), Nathalie Kroer (19), Simone Lieb (41) und Manuel reutter (16). Edewecht ::: Marc Pape (35), adriane Schmid (30) und renate Wellbrock (60). hamburg-Eimsbüttel ::: am 19. dezember Eusa dos reis Cardoso (30). henstedt-ulzburg ::: am 2. Januar Jorina Kebernick (15) mit Taufe. Karlsruhe ::: am 29. November Juliana J. (39). leer ::: am 3. Oktober Mareike Pohl (28) und dina Willms (28). Sersheim ::: am 28. November Martin Büchner (49), uta Büchner (46), Martina Schleihauf (31) und Tobias Schleihauf (37). Vaihingen/Enz ::: am 12. dezember Gunther Brett (35). WiR GRAtuliEREn Karlsruhe ::: Roland Göhler zum 90. Geburtstag. Pforzheim ::: christel und hermann Klingel zur goldenen hochzeit. hEiMGEGAnGEn Beilstein/Großbottwar ::: Hilde Wien am 15. dezember, 86 Jahre. Berlin-Friedenau ::: Ilse Friedrich am 20. dezember, 85 Jahre. crottendorf ::: Joachim Häberlein am 20. dezember, 81 Jahre. Detmold ::: Fritz Nagel am 5. dezember, 95 Jahre. Dresden-Friedenskirche ::: Herta Eder am 27. November, 100 Jahre. Echterdingen ::: Hans Vitzthum am 30. November, 77 Jahre. Ellefeld ::: Lisbeth dressel am 12. dezember, 88 Jahre; Erich Schönfelder am 25. dezember, 88 Jahre. Esslingen-Berkheim ::: Luise Herdtle am 28. dezember, 101 Jahre. Esslingen-hegensberg ::: ruth Weissinger am 2. Januar, 83 Jahre. Freiburg ::: Lisel Graf am 11. dezember, 90 Jahre. Königswalde ::: Otto Beyer am 3. dezember, 91 Jahre. mössingen ::: Wilhelm Laux am 21. dezember, 77 Jahre. Stuttgart-Wangen ::: Grete Weyh am 21. dezember, 91 Jahre. uhingen ::: Gertrud Steiner am 29. dezember, 85 Jahre. Velbert ::: Ingetraud Voswinkel am 4. dezember, 81 Jahre. Wolfsburg ::: Johannes Winarske am 30. November, 85 Jahre. nAchRuF im hohen Alter von 93 Jahren ist am 2. Dezember 2010 die Pastorenwitwe ida Quast gebo­ rene Kurtz heimgegangen. ida Quast wurde am 3. Dezember 1917 in Kasala geboren. Sie wuchs in einer Familie mit 21 Kindern auf einem Bauern­ hof auf. 1940 heiratete sie in cekow den Pastor der Evangeli­ schen Gemeinschaft Paul Quast. Am Ende des Zweiten Weltkrie­ ges musste sie mit zwei Kin­ dern von dort fliehen. in Grä­ fenhainichen trafen sich ihr Mann und sie und die Kinder wowannwas nach seiner Kriegsverletzung und russischen Gefangenschaft wie­ der. Den Eheleuten Quast wurden dann noch vier weitere Kinder geschenkt. An der Seite ihres Mannes wirkte sie trotz der gro­ ßen Familie danach in den Ge­ meinden Genthin, Dresden (Zi­ onskirche), Magdeburg, Pots­ dam­Babelsberg, Potsdam­Dre­ witz und Kyritz und wieder in Magdeburg bis zum Ruhestand im Jahr 1970 mit. Dort lebte sie mit ihrem Mann bis 1993 und dann in Bonn. nach dem tod des Mannes am 8. Dezember 1995 zog sie zum Sohn Odwin nach leipzig. Dort wurde sie bis zum tod von ihm aufopferungsvoll gepflegt. Am 2. Dezember ging sie ruhig und sanft heim. Die trauerfeier war am 9. Dezember auf dem Südfriedhof in leipzig. Sie wurde von ihrem Sohn Gisel­ her Quast, Domprediger in Mag­ deburg, gehalten. Das losungs­ wort des todestages aus Psalm 89, Vers 2, stand im Mittelpunkt der Ansprache: » ich will singen von der Gnade des herrn ewig­ lich und seine treue verkünden mit meinem Munde für und für«. Für die Evangelisch­methodisti­ sche Kirche sprach Pastor in Ru­ he hans Michalski Dankesworte. Hans Michalski unterwegs info ::: 19
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 24 Wird man zum Unternehmer geboren? Daniela Eberspächer-Roth lacht. »Nein – aber Gott traut einem gerade so viel zu, wie man tragen kann.« Und das war im Falle des Ehe- paars Roth nicht gerade wenig: 1999 standen sie vor der Entscheidung, die Firma Profilmetall in Hirrlingen (bei Rottenburg/Neckar) zu übernehmen. Die Diplom- Betriebswirtin arbeitete schon seit 1990 im Unternehmen, der Diplom-Ingenieur Manfred Roth seit 1992. »Es war ein großes Wagnis, aber die Alternative wäre gewesen, den Betrieb zu schließen«, erzählt Manfred Roth. »Und 35 Mitarbeiter mit ihren Familien kann man nicht einfach im Stich lassen.« Die beiden sahen eine Chance und die Perspektive für das Unternehmen. »Wir haben eine einfache Unter- nehmensphilosophie«, erklärt Daniela Eberspächer- Roth. »Wir bieten Kundennutzen, und wir wollen Freude an den Arbeitsergebnissen haben, dazu gehört auch ein angemessener Gewinn.« Der angemessene Gewinn sei wichtig, weil nachhaltig – kurzfristige Ge- winnmaximierung dagegen nicht. mitarbeiterzahl verdreifacht Heute arbeiten mehr als 100 Menschen an zwei Standorten für Profilmetall. Im vergangenen Jahr – mitten in der Wirtschaftskrise – wurde sogar ein Maschinenbauunternehmen dazugekauft. Neben harter Arbeit steckt auch eine klare Strategie hinter dem Erfolg. »Wir haben uns gefragt, was unsere Stärke ist«, sagt Manfred Roth. »Und darauf haben wir uns konzentriert.« Die Stärke, das sind dünn- wandige, sehr leichte Metallprofile – also gebogenes Blech – mit einer Materialstärke von 0,1 bis 3 Milli- meter. Metallprofile stecken fast überall drin: etwa in Autos, Spielwaren, Haushaltsgeräten, medizinischen Geräten oder Möbeln. Trotz des Erfolgs ist das Unternehmerehepaar auf dem Boden geblieben. Zum Firmenjubiläum luden sie einen Redner ein, der über Dankbarkeit als Grundlage für ein zufriedenes Leben sprach. Und das ist für Daniela Eberspächer-Roth und Manfred Roth nicht nur eine Floskel: Soziales Engagement gehört für sie zum Unternehmertum dazu – etwa für das »Seehaus« in Leonberg, wo straffällige Jugendliche eine Chance bekommen. Das sei aber keine Marketingmaßnahme, betont die Chefin. Vielmehr: »Um sich als Unterneh- men sozial engagieren zu können, ist es eine wichtige Basis, dass die Hausaufgaben im Unternehmen erfolg- reich gemeistert sind.« »Vor Gott und den menschen« Ihre Strategie schätzen nicht nur Kunden und Mit- arbeiter, die Unternehmer haben auch einige Aus- zeichnungen erhalten. Zuletzt erreichten sie den ersten Platz beim »Landespreis für junge Unternehmen« der baden-württembergischen L-Bank. Prämiert werden dabei das Unternehmenskonzept, die Persönlichkeit, Vorbildfunktion und soziale Kompetenz der Unternehmer. »Der Preis ist für uns eine große Aus- zeichnung für den gegangenen Weg«, sagt Daniela Eberspächer-Roth. »Gleichzeitig ist er natürlich mit Erwartungen für die Zukunft verbunden.« Wobei das die beiden nicht umwirft. »Ich bin nicht auf der Welt, um nichts zu tun, sondern um meine Ga- ben einzusetzen«, sagt Manfred Roth. »Wir sehen unser Handeln in der Verantwortung vor Gott und den Men- schen und orientieren uns an christlichen Werten.« Dazu gehören: Vertrauen, Respekt, Ehrlichkeit, Fleiß und Ver- lässlichkeit. »Also Verhalten, welches wir gerne von an- deren erwarten, welches jedoch als Mensch nicht einfach selbst zu leben ist.« Insofern beeinflusse der persönliche Glaube das Unternehmer-Sein – auch wenn es, wie beide betonen, »christliche Unternehmen« nicht gibt. »Man kann ein Unternehmen als Christ führen, das ist aber keine Garantie für Erfolg.« Zuhause sind die 46-jährigen Unternehmer in der EmK-Gemeinde Bodelshausen. »Dort gibt es noch andere Unternehmer«, sagt Manfred Roth. »In dem gesunden Mix von Familien und Alt und Jung fühlen wir uns wohl und verstanden.« Volker Kiemle unternehmer mit klarem Profil Daniela Eberspächer­Roth und Manfred Roth führen ihr unternehmen nach klaren christlichen Werten – und zwar aus Überzeugung und nicht, weil es Mode ist. Dafür haben sie kürzlich den unternehmer­Preis der baden­württembergischen l­Bank erhalten.
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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche
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  • MISSIO N 2.0 M ISSION 2.0 16. Januar 2011 ISSN 1436-607X Wichtige Aufgabe n Wie sich die EmK-Gemeinde Elllerbek vor Ort einbringt. Seite 10 Gute Vorsätze n Was unsere Gemeinden im Jahr 2011 beflügeln kann. Seite 11 Drängende Frage n Warum die Politik nach dem Beginn des Lebens fragt. Seite 20 Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 2 / 2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche Evangelisation im 21. Jahrhundert
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 ::: Editorial2 kurz gesagt So ErrEichEn SiE unS: Redaktion »unterwegs« Telefon 069 242521-150 E-Mail: [email protected] Aboservice: 0711 83000-0 TI TE LI LL u S Tr a TI O N : CL a u S a r N O Ld unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 BEStürzt hAt DiE BiSchöFin der Evangelisch-methodis- tischen Kirche, Rosemarie Wenner, auf den Mord an 21 koptischen Christen in Ägypten in der Silvester- nacht reagiert. In einem Beileidsschreiben an den Bischof der koptischen Christen in Deutschland, Anba Damian, versicherte sie den Gläubigen der Kop- tischen Kirche ihr Mit- gefühl. In vielen Gemeinden der Evangelisch-methodis- tischen Kirche in Deutsch- land ist in den Gottesdiens- ten am 2. Januar der Ver- storbenen gedacht worden. Anton SchultE iSt tot. Der Evangelist und Gründer des Missionswerkes »Neues Leben« starb nach kur- zer Krankheit am 26. Dezem- ber im Alter von 85 Jahren. Seit den frühen 1950er Jahren gehörte Anton Schulte zu den bekanntesten Evangelis- ten Deutschlands. So war er der erste deutsche Evan- gelist, dessen Rundfunksen- dungen ab Dezember 1953 wöchentlich über Radio Monte Carlo ausgestrahlt wurden. Zudem gehörte er 1959 zu den Mitgründern des Evangeliums-Rund- funks (ERF) in Wetzlar. Er verfasste zahlreiche Traktate und Bücher und gründete 1956 die Zeitschrift »Neues Leben«, die heute als christ- liches Ratgebermagazin erscheint. Am GottESBEzuG in DEr VErFASSunG will FDP- Generalsekretär Christian Lindner nicht rütteln. Der darin enthaltene »Ausdruck der Demut« bleibe unabhän- gig vom persönlichen Glauben eine Mahnung, sagte der Liberale in einem Interview mit der »Zeit«. Allerdings müsse über das deutsche Staatskirchenrecht diskutiert werden. »Denkt man das konsequent, dann könnte der Staat irgendwann bei Musli- men ein Pendant zur Kir- chensteuer einziehen.« Im Oktober hatte Lindner er- klärt, das Christentum sei »nicht die deutsche Staatsreli- gion, sondern ein persönli- ches Bekenntnis der Bürger.« SchArFE KritiK An FrEiKirch- lichEn GEmEinDEn übt der evangelische Theologiepro- fessor Reinhold Bernhardt (Basel). Sie verhielten sich teilweise »sektenhaft« und betrieben einen »Missbrauch der Bibel«, sagte er in einem Interview mit der Badischen Zeitung über die Freikirchen in der Region Basel und Lör- rach. Besonders kritisierte er das dortige Bibelverständnis: »Man blendet aus, dass zwi- schen der biblischen Überlie- ferung und heute 2.000 Jahre liegen.« ihrE KritiK Am DEutSchEn AFGhAniStAn-EinSAtz haben evangelische Bischöfe zum Jahreswechsel bekräf- tigt. »Es ist nicht besser geworden in Afghanistan, und niemand vermag zu sagen, wie es gut werden kann«, sagte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl in der Dresdner Frauen- kirche am Neujahrstag. kie / pm / epd / idea Dürfen im Reagenzglas befruchtete mensch- liche Eizellen auf genetische Defekte und Krankheiten untersucht und in letzter Kon- sequenz getötet werden? Egal, wie die Ant- wort lautet: Schon die Diskussion darüber erregt viele Gemüter (siehe Seite 20). Und schon jetzt ist klar, dass diese Untersuchung, die »Präimplantationsdiagnostik« (PiD) ein großes Thema in diesem Halbjahr sein wird. Denn es geht um nicht weniger als die Frage, wann genau menschliches Leben be- ginnt: Mit der Befruchtung der Eizelle? Mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmut- ter? Eine PiD-Freigabe ruft schon jetzt viele Proteste hervor. Vor Selektion warnen etwa Behindertenverbände und davor, dass der Druck auf Eltern, bitteschön für ein gesun- des Kind zu sorgen, wächst. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Aber es lohnt sich, die Fakten genauer anzuschauen. Macht eine Freigabe der PiD den Weg wirk- lich frei für »Design-Menschen«? Eine künstliche Befruchtung ist keine Sache, die man mal eben so nebenbei erledigt. Sie steht in der Regel am Ende eines jahrelangen Leidenswegs, auf dem ein Paar versucht hat, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekom- men. Wenn nichts mehr funktioniert, ruhen alle Hoffnungen auf der künstlichen Be- fruchtung. Aber auch dieses Verfahren ist belastend – denn es ist nicht sicher, dass der Kinderwunsch damit erfüllt wird. So wichtig die PiD-Diskussion ist: Wir sollten nicht vergessen, dass vorgeburtliche Untersuchungen oft schon jetzt einen gro- ßen Druck auf Eltern ausüben. Denn wenn ein Defekt am Embryo festgestellt wird, steht immer die Frage der Abtreibung im Raum – sogar bis kurz vor der Geburt. Hier braucht es auch eine gesellschaftliche Diskussion, damit aus den medizinischen Möglichkeiten keine stille Selektion wird. Ihr Volker Kiemle
  • kurz gesagt unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 3 Es sind zuallererst Gerüche, die das Wort »Evan-gelisation« in mir wachruft: feuchtes Gras, feuchte Zeltplanen, dazu der Geruch vieler Menschen, die den Weg ins »Zelt« gefunden hatten. Freudig gespannt waren sie, denn die Zeltmission brachte Abwechslung in den eher beschaulichen Alltag der Kleinstadt. In meiner Erinnerung hat es oft geregnet, wenn das »Zelt« bei uns war. Das stimmt wahrscheinlich nicht ganz. Denn da sind auch die Bilder strahlender Som- mertage, wenn ich zu den Kinderstunden ins Zelt durfte und mich danach unter die Mitarbeiter ge- mischt habe. Das waren interessante Frauen und Männer, die schon viel herumgekommen waren und etwas von der großen weiten Welt in die Provinz brachten. Sie konnten gut Musik machen und tolle Geschichten erzählen. Am meisten hat mich beein- druckt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie von ih- rem Glauben berichteten. Das fahrende Evangelistenvolk Beeindruckt haben mich auch die starken Männer, die beim Zeltaufbau Hand angelegt haben. Da gab es für einen kleinen Jungen viel zu schauen – fast wie beim Zirkus, der auch alle paar Jahre hierher kam, oder beim alljährlichen Rummel. Natürlich war das Zelt anders, aber um die Bevölkerung zu erreichen, brauchte es auch Einladeaktionen auf den Straßen, Werbeplakate und ein großes Zelt als sichtbares Zeichen. Und wie der Zirkus war das fahrende Evangelistenvolk manchen Bürgern nicht ganz geheuer. So kenne ich Menschen, die als Kinder nie zu Zelt-Veranstaltungen durften. Die Eltern dachten wohl, die Kleinen könnten in die Fänge einer obskuren Sekte gelangen. Doch bei den Zeltveranstaltungen, die ich erlebt ha- be, ging es immer sehr bodenständig zu. Nicht Show- Prediger, wie man sie aus dem amerikanischen Fernse- hen kennt, standen auf der Bühne, sondern nüchterne Wortverkünder. In der Botschaft aber waren sie nicht weniger deutlich: Es ging immer um ewiges Leben oder ewige Verdammnis. Schließlich war es das erklärte Ziel der Veranstaltung, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Ein wenig Show war natürlich immer mit dabei – aber in sehr geringer Dosis. Später stand ich selbst auf der Bühne. Als Chorsän- ger tourte ich durch Süddeutschland und lernte die Choreografie der Evangelisation kennen: die mitrei- ßende Musik, die aufwühlende Predigt, die von zarten Keyboardklängen begleitete Aufforderung, »nach vor- ne« zu kommen. Einmal wurde der Prediger ziemlich nervös, als der Keyboarder seinen Einsatz verpasste. Es gab harsche Worte, die so gar nicht zum Ton der Predigt passen wollten. Aber auch begnadete Evange- listen sind nur Menschen, das war mir schnell klar. Und dass eine gut gemachte Evangelisationsveranstal- tung immer Gefahr läuft, Menschen zu manipulieren. »no-Go-Area« kirchlichen lebens Nicht zuletzt deshalb habe ich bis heute eine gewisse Scheu vor Evangelisationsveranstaltungen. Natürlich sind meine Erfahrungen nicht repräsentativ. Aber ich treffe immer Menschen aus unserer Kirche, die ähn- liche Erfahrungen gemacht haben. Evangelisation, das ist für viele immer noch eine »No-Go-Area« des kirchlichen Lebens. Zu oft haben sie sich gefragt, ob das, was da vorne passiert, eigentlich von Herzen kommt oder eher einer »Wir müssen mal wieder mis- sionieren«-Routine entsprungen ist. Deshalb ist es gut, dass Evangelisationen heute vielfältiger sind als vor 40 Jahren. Dabei ist auch die Einsicht wieder gewachsen, dass die eigentliche Evan- gelisation im Alltag stattfindet. So betont es Pastor Christhard Elle (siehe Seite 4) aus Bremerhaven: Evan- gelisation ist dann, wenn »andere Menschen entde- cken, was wir haben, und das auch haben wollen«. Wo sie das entdecken, ist nicht entscheidend. Keyboardmusik zur Bekehrung Das »Zelt« war in vielen Gemeinden jahrelang ein fester jährlicher Programmpunkt. Viele Menschen aus unserer Kirche haben an diese Veranstaltungen prägende Erinnerungen. Auch Redaktionsleiter Volker Kiemle hat zurückgeblickt. Zeltveran­ staltungen waren über Jahrzehnte der klassische Ort für große Evangelisa­ tionen. FO tO : A lB R Ec h t A R n O lD
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 4 Missionarisch sein kommt aus der Freude am Glauben Eine »Entdeckungsreise zur eigenen Spiritualität« verspricht das »Forum E«, das vom 3. bis 5. Februar in Braunfels stattfindet. Veranstalter ist das Evangelisationswerk unserer Kirche. Volker Kiemle hat deshalb Evangelisationssekretär Pastor christhard Elle, der das »Forum E« organisiert, über den Zusammenhang zwischen Evangelisation und Spiritualität befragt. »Spiritualität« – das klingt nach Zurückgezogenheit und stillem Kämmerlein. Was hat »Spiritualität« mit Evangelisation zu tun? chriSthArD EllE: Viel! Wir führen in Norddeutsch- land derzeit in fast allen EmK-Gemeinden das Pro- gramm »Natürliche Gemeindeentwicklung« (NGE) durch. Dabei werden acht verschiedene Bereiche abge- fragt – bevollmächtigende Leitung, gabenorientierte Mitarbeiterschaft, leidenschaftliche Spiritualität, zweckmäßige Strukturen, inspirierender Gottesdienst, ganzheitliche Kleingruppen, bedürfnis- orientierte Kleingruppen und liebevolle Beziehungen. Dabei ist erstaunlich, dass bei ganz vielen Gemeinden Spiritualität der ab- solut schwächste Bereich ist. Woran liegt das? chriSthArD EllE: Wenn Gemeinde- mitglieder schon lange miteinander unterwegs sind, wird vieles zur Routine. Und viele spüren diese Lee- re. Ich werde als Sekretär für Ge- meindeaufbau inzwischen oft von Ge- meinden eingeladen, um über Spiritualität zu reden. Dabei versuche ich, den Menschen erst einmal wieder einen Zugang zu ihrer Spiritualität zu ver- schaffen. Was genau ist Spiritualität? chriSthArD EllE: Mein persönliches geistliches Leben, mein Leben mit Gott und die Kommunikation zwischen Gott und mir – das alles ist Spiritualität. Häufig können die Leute mit alther- gebrachten Formen nicht mehr so gut umgehen – etwa mit der »stillen Zeit« am Morgen oder der Gebetsgemeinschaft in der Gemeinde – und denken dann, sie seien keine richtigen Christen. Sie ziehen sich oft zurück und meinen, sie hätten einfach keine Ader, um Gott zu be- gegnen. Dabei brauchen sie einfach nur andere Formen. Zum Beispiel? chriSthArD EllE: Die Formen sind so verschieden wie die Menschen! Manche entdecken die stille Zeit am Morgen wieder und möchten diese Viertelstunde nie mehr missen. Andere brauchen gemeinsame Stilleerleb- nisse oder Rituale wie Segnungen, Tauferinnerungen und Salbungen. Das sind für mich starke Handlungen, die aber in vielen Gemeinden nach meiner Erfahrung eher abgefeiert als erlebt werden – auch wenn wir Pastoren sie immer ganz inhaltsreich vordenken. Wie groß ist die Gefahr, dass man bei der Entdeckung der eigenen Spiritualität den missionarischen Impuls vergisst? chriSthArD EllE: Gering. Ich merke, dass die Leute deswegen so wenig von ihren Gemeinden erzählen, weil es für sie selbst eher Last oder Routine geworden ist. Dass sie denken »Das braucht mein Freund oder Nachbar auch« – das ist eher selten. Umgekehrt gilt: Wo mein eigenes Herz, wo meine Seele aufblüht, da erübrigt sich die Aufforderung zur Evangelisation. Wer etwas Großes erlebt, erzählt es weiter. So erlebe ich, dass Leute, die in einer neuen Lebendigkeit Gott entdecken, in einer großen Selbstverständlichkeit an Orten von ihrem Glauben erzählen, wo sie das von sich selbst nie gedacht hätten. Spiritualität ist derzeit in Mode. Muss die EmK dabei mitmachen? chriSthArD EllE: Sicher, Spiritualität ist ein Trend. Aber deswegen dürfen wir uns als Kirche dem nicht ver- schließen! Es sind so viele Menschen auf der Suche nach spirituellen Er- fahrungen, und bei uns bekommen sie das, was sie suchen. Insofern können wir diese »Mode« nutzen. Ohnehin ist Spiritualität in- nerhalb unseres Lebens als Christen nicht nur eine Mode, sondern ein Grundbaustein. Es gibt kein christliches Leben ohne Spiritualität! FO tO : PR iV At »Wo meine Seele aufblüht, da erübrigt sich die Aufforderung zur Evangelisation.« Christhard Elle
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 5 Was ist methodistische Spiritualität? chriSthArD EllE: Die Verbindung von Herz und Hand! Wo wir etwas Großes im Herzen erleben, lassen wir schnell daraus Taten folgen – etwa in den Liebestaten der Diakonie. Die pietistische Zurück- gezogenheit ist ein Teil des christlichen Daseins, aber nie ihr Zweck. Doch wo es die nicht gibt, ist der geist- liche Akku ganz schnell am Ende. Und ich erlebe viele Christen in Gemeinden, die ganz schön am Ende sind. Die den Glauben nicht in Frage stellen, aber die so dringend wieder selbst neue Kraft brauchen. Es gibt Gemeinden, die ergehen sich in Innerlichkeit, und es gibt Gemeinden, die nur nach außen wirken – beides funktioniert nicht auf Dauer. Das zusammen- zubringen, das ist für mich typisch methodistisch. Was unterscheidet eine Evangelisation heute von einer Evangelisation vor 30 oder 40 Jahren? chriSthArD EllE: Einmal im Jahr Evangelisation und das war’s dann – das funktioniert nicht mehr, und wahr- scheinlich war das auch nie so gedacht. Die Menschen um uns herum sind nicht anders als wir, und sie lassen sich von einer einmaligen Aktion nicht mehr locken, ein ganz neues Leben anzufangen. Wenn man Ver- anstaltungsevangelisation macht, dann ist das immer eingebunden in ein Gesamtkonzept von »Glauben leben«. Sonst wirkt es absolut aufgesetzt. Die eigentliche Evangelisation findet im Alltag statt, indem andere Menschen entdecken, was wir haben, und das auch haben wollen. Das ist zudem urchristlich – die ersten Ge- meinden wuchsen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Angenommen, Ihre Gemeinde hätte Geld übrig: Würden Sie das Gemeindehaus renovieren oder das Geld in evangelistische Aktionen stecken? chriSthArD EllE: Ich bin gerade dabei, unser Ge- meindehaus zu verkaufen und einen Raum zu mieten. Ich glaube, dass unsere Kirchen und Gemeindehäuser oft zu viel von unseren Kräften verzehren. Und zwar nicht nur Geld, sondern auch die ehrenamtlichen Kräfte. Es gibt Gemeinden, die bauen eigentlich nur. Die Gemeinde in Bremerhaven gehört zu den kleinsten in unserer Konferenz, und wir merken, dass wir unsere Kräfte nicht für ein Gemeindehaus verwenden wollen, sondern dafür, die Liebe Gottes weiter- zugeben. Ich würde immer das Geld in Aktionen ste- cken – aber nicht in einmalige, sondern in dauerhafte. Etwa in einen Mittagstisch für Bedürftige. Oder für spirituelle Programme. Aber das alles braucht doch einen Ort? chriSthArD EllE: Ja, aber man muss zuerst wissen, was man machen will, und dann nach den Räumen schauen. Meistens braucht man viel, viel weniger Raum, als wir in unseren großen Gemeindehäusern haben. Für das Geld, das der Unterhalt kostet, kann man vielleicht jemand einstellen. Das sind alles Investitionen, die sich für eine Gemeinde auf Dauer auszahlen. Wie kann die EmK missionarischer werden? chriSthArD EllE: Ich glaube, dass ein Schlüssel die Spiritualität ist. Wenn wir selber entdecken, was für einen großen Schatz wir dadurch haben, dass wir glauben dürfen, werden wir fast automatisch missio- narischer. Und wenn wir von den äußeren Dingen wie Immobilien und Strukturen hinkommen zu der Frage, was wir eigentlich brauchen für unsere Arbeit. Wir sind oft so immobil geworden durch unsere Immobilien. Da waren unsere Ahnen viel flexibler: Wenn sie eine Arbeit begonnen haben, mieteten sie eben einen Raum und wenn es in dem einen Stadtteil nicht mehr ging, dann konnten sie relativ schnell wechseln. Wir sitzen mit den meisten Gemeinden immer noch da, wo es vor 100 Jahren genau richtig war, dass wir da sind. Das mag in kleinen Orten nicht so wichtig sein, in den Städten ist es anders. Wo müssen wir Gemeinden gründen? chriSthArD EllE: In den Städten entstanden Ge- meinden oft in Zuzugsgebieten und boten den Menschen eine Heimat. Heute sind die Stadtteile, in denen Menschen heimatlos und ohne Halt sind, oft woanders. Dort müssten wir hin. www.evangelisationswerk.deFO tO : Sx c. h u / l u M ix 20 0 4 Der Schlüssel zu einer missionarischen Kirche ist die lebendige Spiritualität ihrer einzelnen Mitglieder.
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 6 Wie viele Ladegeräte haben Sie zuhause? – Eins fürs schnurlose Telefon, eins für den Laptop, die Kamera, das Handy, die elek- trische Zahnbürste … Es läppert sich zusammen. Wir haben inzwischen immer mehr mobile elektrische Geräte, mit denen wir überall, wo es uns beliebt, telefonieren oder arbeiten können. Aber das funk- tioniert eben nur, solange der Akku auch geladen ist. So wie ein geladener Akku die Voraussetzung für schnurloses Telefonieren ist, so ist ein geladenes Herz die Voraussetzung für einen missionarischen Lebens- stil. Und hier kommt die Spiritualität ins Spiel: Sie ist im Bild gesprochen das Ladegerät für unser Herz. Sie führt uns in den Raum, wo wir Gott begegnen. Und die Be- gegnung mit Gott ist es schließlich, die unser Herz »auflädt«. Denn in der Begegnung mit Gott erfahren wir, was es heißt, geliebt zu sein, dass wir in seinen Augen unendlich wertvoll und wichtig sind, dass nie- mand unseren Platz in seinem Herzen einnehmen kann. Genau diese Erfahrung ist die Voraussetzung für einen missionarischen Lebensstil. Nur wenn ich selbst entdecke, wie sehr Gott mich liebt, kann ich anderen Menschen helfen, dasselbe zu entdecken. Henri Nou- wen nennt das den Dienst der Evangelisation: Men- schen helfen, ihr Erwähltsein von Gott zu er- kennen. nur die persönliche Erfahrung zählt Meine persönlichen Erfahrungen mit Gott können einzig und allein die Triebfeder sein, anderen Menschen die Liebe Gottes nahezubringen. Kein noch so toller Gottesdienst, kein noch so brillanter Vortrag, keine noch so geniale Straßenaktion kann das ersetzen. Sie bleiben leer und wirkungslos, wenn sich darin nicht die eigenen Erfahrungen der Liebe Gottes widerspiegeln. Darum ist die alles entscheidende Fra- ge: Wie bekomme ich mein Herz an die Stromquelle? Wo ist mein Raum, in dem ich Gott begegnen kann, wo ich seine Stimme vernehmen kann, wo ich Gottes Nähe ganz deutlich spüre und sie mich mit Kraft, Zuversicht und Liebe füllt? Mir hilft hier eine Stille-Übung sehr: sich ein paar Minuten Zeit nehmen, die Augen schlie- ßen und sich seinem Rufnamen zuwenden, in die Stille lauschen und sich bewusst machen: Gott kennt meinen Namen! Er ruft mich gerne bei meinem Namen. Es gibt viele Räume und Wege der Spiritualität. Nicht jeder Weg entspricht meiner Persönlichkeit. Das ist wie beim Essen: Wir haben unsere unterschiedli- chen Vorlieben. Essen tun wir alle, weil unser Körper Nahrung braucht. So braucht auch unser Herz Nah- rung. Der eine wird satt, wenn er Lobpreislieder sin- gen kann, die andere braucht Tage in der Stille, dem Nächsten geht das Herz auf, wenn er theologische Aufsätze liest. Wichtig ist vor allem, dass wir unseren persönlichen Weg kennen und auf diesem Weg unser Herz nähren. Sonst ist der Akku irgendwann leer. In Jesaja 40,31 heißt es: »Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zu- sammen.« Ein dauerhaft gefüllter Akku ist uns verhei- ßen, wenn wir unser Vertrauen auf Gott setzen. Und was stärkt unser Vertrauen? Wenn wir Gottes Stimme hören, die uns liebevoll bei unserem Namen nennt, die uns sagt, wie wertvoll wir sind, und die uns Mut macht und uns sagt, wo es langgeht. In einem Lied heißt es: »Aus deinem Mund höre ich das schönste Liebeslied, an deinem Ohr darf ich sagen, was die Seele fühlt, an deiner Hand kann ich fallen und du fängst mich auf, an deinem Tisch wird mein Hunger gestillt« (Thea Eichholz-Müller). – Wann haben Sie zu- letzt dieses Liebeslied Gottes für sich gehört? Ich bin sicher, wenn Sie es hören, dann brauchen Sie sich gar nicht mehr groß Gedanken machen, wie ihr Lebens- stil missionarischer werden kann. Er wird es! Darum suchen Sie immer wie- der Ihre Ladestation auf und lassen Sie Gott zu Ihrem Herzen sprechen. Damit der Akku voll bleibt Missionarisch sollen christen sein – aber wie funktioniert das? So wie ein geladener Akku die Voraussetzung für schnurloses telefonieren ist, so ist ein geladenes herz die Voraussetzung für einen missionarischen lebensstil, sagt Pastorin Maren herrendörfer. MAREn hERREnDöRFER ist Pastorin im Bezirk Osnabrück. FO tO : VO lK ER K iE M lE
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 7FOt O : YO R K Sc h ö n Das Volk Israel war im 8. Jahrhundert vor Christus in einem schlechten spirituellen Zu-stand: Die Menschen feierten zwar ihre Gottesdienste und religiösen Feste, und von außen sah alles gut aus. Aber in Wirklichkeit war Israels Spiritualität oberflächlich und leer. Beeindruckende Zeremonien, exakte Liturgien und peinlich genaue Opfer-Riten waren eigentlich sinnlos, weil sie auf den Alltag keinen Einfluss hatten. Vielleicht wird die damalige geistliche Lage Israels am besten mit den Worten Jesajas zusammengefasst: »Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir« (Jesaja 29,13). Gegen diesen Widerspruch haben Propheten wie Jesaja und Micha gepredigt. Für Micha verbindet wahre Spiritualität Glauben und Handeln. Sie verbindet den Sabbat mit den Wochentagen – den Gottesdienst mit dem Dienst für Gott. Sie ist so- wohl passiv als auch aktiv, sie ist Sammlung und Sen- dung. Micha weiß die Antwort schon, als er das Volk Israel fragt: Was will Gott? Will er einjährige Rinder als Opfer haben oder Tausende von Schafböcken und ganze Ströme von Olivenöl? Nein, antwortet Micha: »Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott« (Micha 6,8). Das ist der rechte Gottesdienst, das ist wahre Spiri- tualität, die aus einer Frömmigkeit für Leib und Seele, die aus Glauben und Handeln besteht. Drei konkrete Elemente der Spiritualität finden wir in diesem Vers. Gottes Wort halten Das heißt zuallererst ganz schlicht und einfach, dass wir die Bibel lesen! Wir planen unseren Tag so, dass wir Zeit fürs Bibellesen haben. In der Stille öffnen wir uns Gott und meditieren über sein Wort. Wir lassen es auf uns und in uns wirken, und wir halten sein Wort, so wie man ein Versprechen hält. Dadurch merken wir auch, dass wir selbst gehalten werden, dass Gottes Wort eine wichtige, erbauende, lebensbejahende Stelle in unserem Leben hat. liebe üben Liebe ist der Kern unseres Glaubens, weil Gott die Liebe ist. Deswegen wird Liebe immer das Herz wahrer Spiritualität sein. Jesus fasst die mosaischen Gesetze so zusammen: »Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt, und von allen deinen Kräften. Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst« (Markus 12,30). Der Apostel Paulus formuliert es an einer anderen Stelle so: »Wenn ich sogar mit Engel- zungen reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie eine dröhnende Pauke oder ein lärmendes Tamburin« (1. Korinther 13). Demütig sein vor deinem Gott Wir Menschen tendieren sehr oft zur Selbstgerechtig- keit. Wir finden Fehler schnell in unserem Mit- menschen, aber nicht so schnell bei uns selber. Wir sind schnell dabei, andere zu kritisieren, sie zu beur- teilen oder verurteilen. Wir stecken Leute gern in Schubladen, und es ist immer einfacher, den »Splitter in deines Bruders Auge zu sehen und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge« (Matthäus 7,3). Unsere Ich-Bezogenheit und Selbstgerechtigkeit offen- baren sich oft, wenn wir andersdenkenden Menschen begegnen. Demütig vor Gott sein heißt aber auch gnädig zu sein, großzügig zu sein! Demütig vor Gott zu leben, heißt eine Bereitschaft, das Beste in anderen zu suchen. Wer die Vergebung und die Gnade Gottes persönlich erlebt hat, geht anders mit Menschen um. Er begegnet ihnen mit Toleranz und mit Geduld. Er ist freundlich und gutwillig. Glauben und handeln Wort auf den Weg ::: 7 BARRY SlOAn D.Min. ist Pastor im Bezirk chemnitz­Erlöserkirche / Flöha und Sekretär für missionarischen Gemeindeaufbau. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6,8
  • Das sind wir: Ein Wahrzeichen des Ortes ist die Friedenskirche mit ihrem gut sicht- baren Glockenturm. Jeden Sonntag ist gut zu hören, dass die Ge- meinde hier den Gottesdienst feiert. Ellerbek ist ein wohl- habender Ort. Das Motto des Ortes heißt »Insel des Glücks«. Soziale Spannungen sind zu- mindest nicht sichtbar. Wir sehen aber, dass sich manche Lebenskrise und Not im Verborgenen abspielt. Wir wollen nicht »wie auf einer Insel« leben, sondern offen sein für die Menschen um uns. Die Gemeindemitglieder wohnen nur zum Teil in Ellerbek. Einige kommen aus Nachbarorten, andere wohnen in den westlichen Stadt- teilen Hamburgs. Heute gehören zur Gemeinde 50 Mitglieder und fast ebenso viele Kirchenangehörige. In Hohenlockstedt bei Itzehoe, gut 60 Kilometer entfernt, wird regelmäßig Hauskreis gehalten. Wenige Ge- meindemitglieder wohnen hier. Ihre Familien sind in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aus dem Erz- gebirge nach Hohen- lockstedt gezogen. Ursprünglich wurden sie von der Gemeinde in Lü- beck betreut. Jetzt gehören sie schon lange zum Bezirk Ellerbek. Da kommen wir her: Die Gemeinde ist durch Flücht- linge entstanden. Nach dem Krieg kamen viele Familien nach Schleswig-Holstein. In Ellerbek sammelte sich eine kleine Ge- meinde. Schon in ihrer alten Hei- mat gehörten diese Geschwister zu unserer Kirche. Die Gemeinde ent- wickelte sich gut. So wurde 1960 die Friedenskirche eingeweiht. Im Mai 2010 wurde mit einem großen Fest das Jubiläum »50 Jahre Friedenskirche« gefeiert. Das machen wir: Die Gemeinde in der Friedenskirche ist eine kleine, aber sehr lebendige Gemeinde mit vielen Gruppen. Chor Wichtige Aufgabe vor Ort Mehr als 260 Bezirke gibt es in der Evangelisch­methodistischen Kirche in Deutschland. Alle haben ihre eigene Prägung. um diese Vielfalt zu zeigen, stellen sich in »unterwegs« regelmäßig EmK­Bezirke vor. in dieser Ausgabe geht es nach Ellerbek. und Posaunenchor gestalten jeden Sonntag den Gottesdienst mit. Zur Kindergruppe »coole kids« kommen Kinder aus der Gemeinde und aus dem Ort. Auch unsere Jugendlichen treffen sich regelmäßig. Mit dem Nachmittagstreff haben wir ein An- gebot vor allem für die Älteren. Mit der evangelisch-lutherischen Ge- meinde im Ort gibt es eine schöne ökumenische Zusammenarbeit. Das Erntedankfest feiern wir gemeinsam auf einem Bauernhof in unserer Nähe. Das haben wir vor: Wir sind mit der Gemeinde auf einem Weg, um unseren missio- narischen Auftrag wieder mehr in den Blick zu nehmen. »Gott erleben, unseren Glauben leben und Leben miteinander teilen« ist dabei unser Ziel. Wir laden Menschen zum Glauben an Christus ein. Wir freuen uns, wenn sie ihren Glauben mit uns in der Gemeinde leben. Es gibt noch viel zu tun. Wir sind zuversichtlich, dass Gott die Gemeinde weiter mit seinem Segen beschenkt. Und wir sind überzeugt, dass unsere kleine Gemeinde für die Menschen unseres Ortes eine wichtige Auf- gabe hat. Andreas Fellenberg n Zur Gemeinde Ellerbek gehören 50 Kirchenmitglieder und fast ebenso viele Kirchenangehörige. n Ellerbek ist ein Ort mit etwa 5.000 Einwohnern direkt vor den toren hamburgs. im Grünen wohnen und doch das An­ gebot der Millionenstadt ganz nahe – das gefällt den Men­ schen an Ellerbek. Das Bild des Ortes ist geprägt von den häusern der Familien. Aber auch ältere Menschen leben gerne im Ort. Wenige Bauernhöfe und einige Baumschulen gibt es hier. BEzirK EllErBEK Die Gemeinde in Ellerbek ist klein, aber sehr leben­ dig. Wie hier beim Zusam­ mensein nach der Kinder­ weihnachtsfeier 2010. ::: Gemeindeporträt10
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 11 Gute Vorsätze haben zum Jahreswechsel Kon-junktur. Sollten auch wir uns als Kirche etwas vornehmen für das Jahr 2011? Wie wäre es mit einem geistlichen Fitnessprogramm? Da und dort höre ich, dass durch die Beschäftigung mit dem Buch von Bischof Robert Schnase »Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet« neuer Schwung in das Ge- meindeleben kommt. Die Diskussionen über die fünf Kennzeichen sind anregend. Man entwickelt Ideen, um gastfreundlicher zu sein, die Gottesdienste lebendig zu gestalten, Kleingruppen zu bilden, mehr zu wagen in Sachen Mission und um das Geben als geistliche Dis- ziplin einzuüben. Die »40-Tage-Aktion« empfehle ich gern, Informationen sind unter www.fruchtbare-ge- meinden.net zu finden. Aber bringt dies nachhaltige Veränderungen mit sich? Auch in Gemeinden spielt sich oftmals der alte Trott schnell wieder ein. Wie gelingt es uns, das zu tun, was wir uns vorneh- men? In der methodistischen Bewegung sind zwei Im- pulse bedeutsam, die sich auf den ersten Blick zu wider- sprechen scheinen. John Wesley sprach immer wieder davon, dass uns Gottes Gnade zur Umkehr ruft, recht- fertigt und heiligt. Und Wesley forderte seine Leute auf, den Glauben in der Liebe zur Tat werden zu lassen in einem disziplinierten christlichen Lebensstil. Von Weih- nachten her kommend können wir nachvollziehen, dass diese beiden Aspekte keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören. Gott schenkt sich uns in seiner Gnade, indem er in Jesus Mensch wird. Dieses Geschenk ist an keinerlei Bedingungen ge- knüpft. Wir brauchen Gottes Liebe nur anzunehmen, damit sie sich in uns entfalten kann. Alles, was wir je für Gott und die Menschen tun, ist uns zuvor von Gott gegeben worden. Es geht also schlicht darum, von Gottes Weihnachtsgeschenk zu leben und durch- lässig zu sein für Gottes Gnadengaben. Charles Wes- ley sagte das so: »Mach mich zu deinem Reich bereit! Was du verlangst, das gib: Die Höhe der Vollkom- menheit, die Tiefe schlichter Lieb!« (GB 269,5) Die möglichkeiten nutzen! Weil wir Gottes Liebe im Überfluss geschenkt be- kommen, können wir danach streben, Gutes zu tun. Im Wesleybrevier Ȇber allem die Liebe« steht zum 7. Oktober folgender Ausspruch John Wesleys: »Eine der wichtigsten Regeln des Glaubens heißt: Lass keine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, Gott zu dienen. Da nun Gott für uns unsichtbar ist, sollen wir ihm in unserem Nächsten dienen; und das wird er in der Tat für sich selbst annehmen – als ob er sichtbar vor uns stünde.« Gott dienen heißt, jede sich bietende Möglichkeit zur Nächstenliebe zu nutzen. Eine be- sucht die Kranken in ihrem Bekanntenkreis. Ein anderer hilft Asylsuchenden, zu ihrem Recht zu- kommen. Die Gemeinde in X engagiert sich in der Suchtkrankenhilfe und in Z gibt es Begegnungs- möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen. So geht es ein wenig menschlicher zu in unserer Welt, weil Gott Mensch wurde und weil wir uns von Gottes Bewegung mitreißen lassen. Das ist kein kurz- fristiges Fitnessprogramm, sondern lebenslanges Wachsen in Christi Nachfolge. Rosemarie Wenner Ein guter Vorsatz für 2011 »lass keine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, Gott zu dienen«, schrieb John Wesley den Methodisten ins Stammbuch. Das könnte auch für unsere Gemeinden im neuen Jahr ein guter Vorsatz sein, meint Bischöfin Rosemarie Wenner. FO tO : cl A u S K El ln ER / M ED iE n W ER K D ER E M K unterwegs erlebt ::: 11
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 14 Gemeinden« (emerging churches) werden seit geraumer Zeit aus einigen westlichen Ländern be- richtet, allen voran aus Großbritannien. Gemeinsam ist diesen Ansätzen die Suche nach neuen Formen verbindlichen Christseins, aber auch eine tiefe Unzufriedenheit mit den Kirchen der west- lichen Welt. Sie wollen den christlichen Glauben unter den Bedingungen der Postmoderne neu entdecken und authentisch leben. Dazu gehört, die missionarische Leidenschaft der Christen des ersten Jahrhunderts glaubhaft ins 21. Jahrhundert zu übersetzen und neue, angemessene Ausdrucksformen gemeinschaftlich ge- lebten Glaubens zu finden. Kirche auf zeit Die Ergebnisse sind unterschiedlich: »Fresh ex- pressions of church« umfassen Gemeinden in Bars und Bistros, Schulgebäuden und Einkaufs- und Ge- schäftszentren. Häufig stehen sie in Verbindung mit sozial-diakonischer Arbeit. An die Stelle einer zu Grunde liegenden Komm-Struktur tritt eine Geh-Struktur, die die Menschen dort aufsuchen möchte, wo sie sich ohnehin treffen. Nicht wenige hervorbrechenden Ge- meinden verstehen sich von vorn- herein bewusst als »Kirche auf Zeit«, die sich jetzt formiert, aber nicht auf Dauer hin angelegt ist. Manches, was uns hier an theo- logischen Aussagen und an geleb- ter Praxis begegnet, wird in der »zünftigen Theologie« und in kir- chenleitenden Gremien berechtigte Bedenken hervor- rufen, die ernsthaft diskutiert werden müssen. Ande- res wiederum wird jene, nicht weniger berechtigt, an deren ureigenste Aufgabe erinnern, nämlich die kirch- liche Arbeit der Gegenwart kritisch zu begleiten und konstruktiv weiterzuentwickeln. Es gilt das Bewusst- sein zu entwickeln: Es ist nicht die Kirche Gottes, die eine Mission hat, vielmehr hat ein missionarischer Gott eine Kirche in der Welt. Gemeinde für alle? Nach meiner Einschätzung überwiegen die Vorteile der jungen Aufbrüche, solange sie nicht verabsolutiert und vorschnell zur Herabsetzung des Bestehenden missbraucht werden. Um ein unseliges Gegeneinander von bestehenden und neuen Ausdrucksformen von Kirche zu vermeiden, hilft die in Großbritannien ge- bräuchliche Vorstellung einer »mixed economy«, einer gewollten Vielfalt der Formen unter einem gemein- samen Dach. Die unterschiedlichen Angebote sind dabei kein »notwendiges Übel«, sondern sie bringen die Einsicht zum Ausdruck, dass keine Gemeinde, keine Denomi- nation oder Konfession »alle« Menschen erreichen kann oder muss. Dies ist Entlastung und Ansporn zugleich. Gemeindegründungen und experimentelle Gemeindeformen, die aus sozialen Projekten erwach- sen, können der Kirche vielversprechende Möglich- keiten eröffnen, sich von einem unfruchtbaren, nicht selten auch angstgeleiteten »Kreisen um sich selbst« zu befreien. internationale Gemeinden als chance Meiner Überzeugung nach kommt den international ausgerichteten Gemeinden eine besondere Bedeutung für die zukünftige Mission und Evangelisation zu. Auch in Deutschland, der Schweiz und verstärkt in Österreich wächst die Zahl der Gemeinden, in denen sich fremdsprachige Methodisten unter dem Dach der EmK zu- sammenfinden, entweder in Ge- meinden der jeweiligen mutter- sprachlichen Prägung oder eben international und kulturüber- greifend. Für viele Migrantinnen und Migranten ist die Gemeinde ein Stück Heimat, die sie verloren und im neuen Kontext noch nicht gefunden haben. »Zuwanderer sind ein Geschenk und ein Segen Gottes an die Kirchen«, so ist es im Pro- tokoll der Tagung des Europäischen Rates Methodis- tischer Kirchen (2008) vermerkt. »Schmutzige Fingernägel« Dieses Geschenk wird sich allerdings nur denjenigen Gemeinden erschließen, die sich für Zuwanderer tatsächlich öffnen, die also auch bereit sind, sich den damit verbundenen Problemen zu stellen. Evan- gelisation und Gemeindearbeit können dann nur ganzheitlich geschehen, im Sinne einer »Spiritualität der schmutzigen Fingernägel« (so der Generalsekretär der britischen Methodistenkirche, Martyn Atkins). Die frohe Botschaft von der befreienden Kraft Gottes zeigt sich auch in Gestalt von Kinderbetreuung, Hilfe im Umgang mit den Behörden, im alltäglichen Teilen von Lebensraum und Lebensmöglichkeiten. Beispielhaft soll hier die Gemeinde Peace Church United Methodist Munich (www.peacechurch.de) ge- nannt werden. Angefangen hat es 1984 mit 13 Gottes- dienstbesuchern als Arbeit mit den Familien amerika- nischer Soldaten, die in München stationiert waren. Von Achim härtner ist eine Abhandlung erschienen mit dem titel »Gottes Wirken auf der Spur bleiben. Perspektiven für Mission und Evangelisation im deutschsprachigen Metho­ dismus des 21. Jahrhunderts«, in: theologie für die Praxis 36 (2010), [Festgabe für Dr. Walter Klaiber und Dr. Manfred Marquardt zum 70. Geburtstag], heft 1­2, S. 94­112. zum WEitErlESEn: »Zuwanderer sind ein Geschenk – das sich aber nur den Gemeinden erschließen wird, die sich für Zuwanderer und ihre Probleme wirklich öffnen.«
  • unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 mission 2.0 ::: 15 AchiM häRtnER ist Professor für für Praktische theolo­ gie an der theologischen hochschule der EmK in Reutlingen. Heute bietet die Peace Church Menschen aus über 25 Nationen eine geistliche Heimat, unter ihnen viele Asylbewerberinnen und -bewerber. Der durch- schnittliche Gottesdienstbesuch liegt bei rund 100 Erwachsenen und Kindern. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Asylbewerbern ge- schieht gemeinsam und zweisprachig mit dem Ge- meindebezirk München-Friedenskirche. Wünschenswert bleibt, dass auch unsere »her- kömmlichen« Gemeinden sich vermehrt für Migran- tinnen und Migranten öffnen. Auch sollten noch weitere internationale Gemeinden entstehen, in de- nen man sich müht, in versöhnter Verschiedenheit und mit missionarischer Ausstrahlung Gemeinde Jesu Christi zu sein – damit die Welt verändert wird. nicht aus uns selbst heraus Natürlich sind regionale und lokale Gegebenheiten zu unterschiedlich, als dass allgemeingültige Prinzipien aufgestellt werden könnten. Die Heraus- forderungen für Evangelisation und Mission sind enorm. Zugleich eröffnet die gesellschaftliche Situation vielfältige neue Möglichkeiten. Ent- scheidend erscheint mir zu sein, dass wir uns in unseren Bemühungen um die Ausbreitung des Evangeliums von der theologischen Perspektive des Reiches Gottes leiten lassen und nicht vorrangig vom sicherlich wünschenswerten Wachstum der ei- genen Kirche. Mission und Evangelisation müssen daher vermehrt als ökumenische Aufgabe begriffen werden – auch über die Ländergrenzen hinweg. Mission und Evangelisation geschehen nicht aus menschlichem Antrieb heraus, sondern haben ihren Ursprung in der Sendung Jesu Christi, der seine Jünger beauftragt und bevollmächtigt: »Gehet in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker …« (Matthäus 28,19). Der Befehl ist umschlossen von den Jesus-Worten »mir ist gegeben alle Gewalt …« (18) und »siehe ich bin bei euch alle Tage …« (20). Diese biblisch fundierte Gewissheit verleiht der evan- gelistisch-missionarischen Arbeit auch in der Gegen- wart das nötige Selbstvertrauen und bewahrt sie zu- gleich vor überhöhten Erwartungen an sich selbst. Die Erfahrung in unserer Kirche bestätigt: Men- schen in die Nachfolge Jesu Christi zu führen, ge- lingt eher den Gemeinden, die eine evangelische Gelassenheit ausstrahlen, als jenen, die in einen geschäftigen Aktionismus verfallen. Sie haben Post Antworten An alle Weiterleiten Markieren An: [email protected] Von: [email protected] Betreff: E-Mail aus Bethanien Chemnitz Ziviler (Un-)Gehorsam Ab diesem Jahr wird die Allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt. Wer wie ich in einer pazifistischen Grundhaltung aufgewachsen ist, den wird dies zunächst freuen. Freilich endet damit zugleich, was zunächst aus zivilem Ungehorsam erwuchs und sich später hin zu einem wichtigen Bestandteil unseres Sozialsystems entwickelt hat: der Zivildienst. Die sich anfangs dafür einsetzten, waren – deutlich mehr noch in der DDR als in der alten Bundesrepublik – zahlreichen Anfeindungen und auch Repressalien ausgesetzt. Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern, wie bei einer Jugendrüstzeit auf Schwarzenshof, an der ich 1981 teilnahm, Informationen sowie eine Unterschriftenliste zum Thema »Sozialer Friedensdienst« kursierten. Die Staatssicherheit war in erstaunlich kurzer Zeit darüber im Bilde. Persönliches Engagement in dieser Sache konnte Konsequenzen für die gesamte Lebensgeschichte nach sich ziehen. Und auch im Westteil Deutschlands war die sogenannte »Gewissensprüfung« ja lange Zeit nicht ganz ohne. Bei meinen Söhnen habe ich das deutlich entspannter erlebt. Mit zunehmender Akzeptanz in der Gesellschaft wurde aus dem Zivildienst eine bedeutsame Form »zivilen Gehorsams«. Junge Männer entdeckten darin eine Aufgabe, in der sie sich für andere nützlich machen konnten. Und Christen verstanden dies nicht selten auch als gute Möglichkeit, den Auftrag zur Nächstenliebe in konzentrierter Weise in die Tat umzusetzen. Noch ist nicht geregelt, wie ein vergleichbarer Dienst sich künftig auf freiwilliger Basis gestalten wird und wie er neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr etabliert werden kann. Sicher aber ist: Gebraucht wird er dringend. Wir in Bethanien Chemnitz wollen nach Kräften auch künftig Menschen die Möglichkeit bieten, sich in unseren Krankenhäusern sozial zu engagieren und sich auf diese Weise in »zivilem Gehorsam« zu üben. Frank Eibisch n Pastor Frank Eibisch ist Theologischer Geschäftsführer der Bethanien Krankenhaus Chemnitz gemeinnützige GmbH. n In dieser rubrik werden künftig die Vertreterinnen und Vertreter von EmK-Werken über aktuelles und Bemerkenswertes aus ihren arbeitsgebieten schreiben.
  • 16unterwegsinfo unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 Am dritten Advent feierten Sonn- tagsschule und Jungschargruppen in Pliezhausen ihren Weihnachts- feier-Gottesdienst. Höhepunkt war die Aufführung des Musicals »Fünf Brote, zwei Fische und viel zu viele Gäste« von Myriam Scharrer (Text) und Schwester Christel Schröder (Musik). Kinder spielten die tragende Rolle bei der Aufführung: Der Chor, den Hilde Schwaiger leitete, bestand überwiegend aus Kindern. Voll Begeisterung trugen die Jungen und Mädchen die Lieder vor. Auch die Solopartien waren mit Kindern besetzt. In den gespielten Szenen übernahm der Chor auch die Rolle der vielen, vielen Menschen. Denn es wurde die Speisung der Fünf- tausend dargestellt, von der Mat- thäus im 14. Kapitel seines Evan- geliums berichtet. Zu Advent und Weihnachten sollte auch einmal ein anderes The- ma behandelt werden als immer wieder die Geburt Jesu – so schön die Geschichte von den Hirten, die zum Stall von Bethlehem kommen, auch ist. Das wurde durch einen Vorspann deutlich gemacht, den die Sonntagsschulmitarbeiter dem Mu- sical voranstellten. Der Bericht des Evangeliums wurde durch eine Rahmenhand- lung ergänzt, in der drei Kinder los- ziehen, um Jesus kennenzulernen. Ihre Mutter gibt ihnen die bekann- ten fünf Brote und zwei Fische als Wegzehrung mit. Für die drei hätte das gereicht, für die fünftausend natürlich nicht. Und schon kommt die allzu menschliche Erwägung ins Spiel: »Sollen wir das wenige abge- ben? Dann haben wir ja selbst nichts mehr!« Zum Glück über- winden sich die Kinder. So kann Jesus zeigen, dass nicht enttäuscht wird, wer ihm vertraut. Am Ende waren alle begeistert. Die Handlung des Musicals war durch fetzige Lieder aufgelockert, immer wieder boten humorvolle Stellen Grund zum Lachen, und der Eifer der jungen Darsteller wirkte herzerfrischend. Und auch Jesus wurde durch Pastor Ulrich Ziegler überzeugend dargestellt. Nicht nur das Musical war zur Weihnachtszeit außergewöhnlich, auch gab es noch etwas Besonde- res: Passend zum Musical wurden vor der Friedenskirche in Pliezhau- sen 300 Forellen geräuchert und ebenso viele frisch gebackene Brote direkt verkauft. Der gesamte Erlös ist für den An- und Umbau der Friedenskirche bestimmt. Asmus Dolan Pliezhausen: Musical zum Advent kurz &bündig DEr zEntrAlE GottESDiEnSt zur »Gebetswoche für die Einheit der Christen« wird am 23. Januar um 16 Uhr im Dom zu Speyer gefeiert. Er steht unter dem Motto der Gebetswoche 2011 »Zusammen glauben, feiern, beten« (nach Apostel- geschichte 2,42). Der Entwurf für den Gottesdienst und die Abende der Gebetswoche wurde vom Jerusalem-Inter- Church-Centre erarbeitet, einem Zusammenschluss von 13 Kirchen in Alt-Jerusalem. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird jedes Jahr vom 18. bis 25. Januar oder zwischen Christi Himmelfahrt und Pfings- ten oder an einem anderen, von Gemeinden selbst gewählten Termin begangen. www.oekumene­ack.de DEr ErStE »EmK-untErnEhmEr- tAG« findet am 29. Januar in Karlsruhe statt. Unter dem Motto »Miteinander – für- einander – Unternehmerisches Handeln im Wertewandel«wird es neben dem Impulsreferat von Dr. Lothar Elsner eine Vielzahl an Workshops und Info-Runden speziell für Selbstständige und freiberuflich Tätige geben. www.emk­unternehmer.de Kinder spielten die tragende Rolle bei der Musical­Aufführung in Pliezhausen. FOtO: PRiVAt
  • 17 Immer mehr Gemeindegliedern fällt es schwer, über ihren Glauben angemessen und gewinnend evangelistisch zu sprechen und Kontakte zu Noch-nicht-Christen zu knüpfen. Genau das ist aber das Hauptziel eines Einsatzes mit dem emk-mobil. deswegen wollen wir die Gemeinden im In- und ausland bei Bedarf durch ein kleines Team darin unterstützen. diese Ehrenamtlichen können von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen im Jahr mit dem Bus bzw. mit einem Begleitwagen mitfahren. Sie erhalten eine kurze Einführung und Schulung, wie mit dem emk-mobil gearbeitet wird und wie ein Glaubens gespräch aussehen könnte. außerdem werden ihnen alle anfallenden Kosten erstattet. Kennen Sie jemand, der an solchen Kurzeinsätzen interessiert wäre und dafür in Frage käme? Sprechen Sie diese Person(en) doch einfach ganz direkt daraufhin an. Oder wäre das sogar etwas für Sie selbst? unsere Kontaktadresse finden Sie auf der nächsten Seite. das Bild rechts zeigt das lokale Team von Tampere bzw. Pirkkala in Finnland, wo Pastor Jan-Markus Jeromaa (links) eine Gemeindegründung sehr erfolg- reich mit dem emk-mobil begonnen hat. auch unsere beiden Ehrenamtlichen Marlies Göhrke (2. von rechts) und uta Jetschke (vorne links) waren fest im Team integriert. und nun: Herzliche Einladung – wir warten auf Sie! Hans-Martin Kienle und Pastor Wilfried Bolay. Wen wir suchen… • Frauen und männer von 18 bis 80 Jahren • physisch und psychisch stabil • kontaktfreudig und/oder technisch begabt Was wir erwarten… • evangelistisch-missionarische motivation • möglichst Englischkenntnisse für Einsätze im Ausland • teamfähigkeit Was wir bieten… • Kost und logis (im Bus, in Gemeinden oder einfachen hotels/Pensionen) • Erstattung der reisekosten • Schulung für missionarische Gesprächsführung und viele positive Glaubenserfahrungen EVANGELISATIONS WERK der Evangelisch-methodistischen Kirche EVANGELISATIONS WERK der Evangelisch-methodistischen Kirche mitarbeiterteam für das emk-mobil: Wer macht mit?
  • Für Zelt 5 »Tschechien« benötigen wir dringend eine weitere Ver- längerung von 10 mal 20 auf 10 mal 25 Meter, also eine »Variante d«. diese kostet knapp 5.000 Euro und soll neben dem Projekt »Fertigbau der neuen Halle« das einzige Projekt 2011 sein. zelt 5 »tschechien«: 10 x 20 m achteck, bis 200 Plätze, bis 175 m2, 1 Vorzelt Bis 31. dezember 2010 haben wir etwa 115.000 Euro zweckgebundene Spenden für den Fertigbau der neuen Halle und die nötigen Schuldentilgungen erhalten. das hat uns sehr bewegt und froh gemacht. Wir möchten allen, die sich am Zustande- kommen dieses hohen Betrages beteiligt haben, noch einmal ganz herzlich danken. Wir sind zuversichtlich, dass wir die restlichen ca. 55 Prozent in diesem Jahr bekommen werden. Bei einem Winter wie diesem von 2010/2011 wird es wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, den Bau fertig zu stellen. danke, wenn Sie uns weiter oder erstmals dabei helfen können. hauptprojekt: Fertigbau der neuen halle Spendenziel: 250.000 € Projekt 2011: Verlängerung zelt 5 »tschechien« Kosten: ca. 5.000 € IMPrESSuM Für dIESE EINHEFTuNG herausgeber: Evangelisationswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche • redaktion: Pastor Wilfried Bolay, Sekretär für Evangelisation Fotos: Evangelisationswerk • Geschäftsstelle: Im Brühl 28–32, 89150 Laichingen, Telefon 07333 50-61/-62, Telefax 07333 21186 Spendenkonto: EmK Zeltmission, Volksbank Laichingen, BLZ 63091300, Konto 8570000 • www.evangelisationswerk.de 250.000 € 115.000 € Spendenbarometer 18 Zum einen sind viele Plätze statt rund eher länglich, zum anderen wird mehr Platz im Zelt gebraucht. die so ge- wonnenen 50 Quadrat- meter bringen etwa 50 weitere Sitzplätze. das wiederum erhöht unse- re Flexibilität und hilft uns, den anforderun- gen der Einsatzorte gerecht zu werden.
  • 19 persönlich SEMinARE Stolpersteine auf dem lebens- weg ::: umgang mit Krisen, EmK Kirchentellinsfurt, 29. Ja­ nuar, 9.30 bis 16 uhr, informa­ tionen unter telefon 07121 601976. münchen :: EmK Erlöserkirche, 29. Januar, 10 uhr, Münchener Chorhappening, Leitung: Holger Würth; 19.30 uhr, Werkstatt- konzert. Information und anmeldung: Helga@ MartiniFamilie.de missionstag der oJK ::: 26. März, 10 bis 13 uhr, Erlöser- kirche Chemnitz (dresdener Straße 111a). Information und anmeldung per E-Mail: [email protected] RunDFunK im internet radio m kompakt: Podcast­ Magazin – engagiert. radio m im Gespräch: Podcast­ Gespräche über den Glauben. radio m themen: Berichte und Reportagen. radio m Andachten: Kostenlos zu abonnieren: www.radio­m.de radio m bei Klassik radio (bundesweit) Andachten »carpe diem«: 24. bis 29.1., kurz nach 6 uhr: mit Anja Kieser; Sonntagsmagazin »Klassik und Kirche«: sonntags, 7–8 uhr: mit Anja Kieser. radio ArEF – sonn­ und feiertags von 10­ 12 uhr. www.aref.de und uKW 92,9 Mhz (Großraum nürnberg) ErF 23.1., 10 uhr, Gottes­ dienst aus der EmK neu­ enhain, mit cornelia trick. 26.1., 21.30 uhr, hilfreiche Wegweisung, mit horst Marquardt. Jeden Donnerstag, 20 uhr, Bilanz, mit horst Marquardt. ErF 1 (Fernsehen) 23.1., 10 uhr, Gottes­ dienst aus der EmK neuenhain, mit cornelia trick. AuFGEnOMMEn Bonlanden ::: am 12. dezember Christian Kaczmarek (27). Echterdingen ::: am 5. dezember Jessica duppel (17), Saskia duppel (20), rainer Köller (28), Nathalie Kroer (19), Simone Lieb (41) und Manuel reutter (16). Edewecht ::: Marc Pape (35), adriane Schmid (30) und renate Wellbrock (60). hamburg-Eimsbüttel ::: am 19. dezember Eusa dos reis Cardoso (30). henstedt-ulzburg ::: am 2. Januar Jorina Kebernick (15) mit Taufe. Karlsruhe ::: am 29. November Juliana J. (39). leer ::: am 3. Oktober Mareike Pohl (28) und dina Willms (28). Sersheim ::: am 28. November Martin Büchner (49), uta Büchner (46), Martina Schleihauf (31) und Tobias Schleihauf (37). Vaihingen/Enz ::: am 12. dezember Gunther Brett (35). WiR GRAtuliEREn Karlsruhe ::: Roland Göhler zum 90. Geburtstag. Pforzheim ::: christel und hermann Klingel zur goldenen hochzeit. hEiMGEGAnGEn Beilstein/Großbottwar ::: Hilde Wien am 15. dezember, 86 Jahre. Berlin-Friedenau ::: Ilse Friedrich am 20. dezember, 85 Jahre. crottendorf ::: Joachim Häberlein am 20. dezember, 81 Jahre. Detmold ::: Fritz Nagel am 5. dezember, 95 Jahre. Dresden-Friedenskirche ::: Herta Eder am 27. November, 100 Jahre. Echterdingen ::: Hans Vitzthum am 30. November, 77 Jahre. Ellefeld ::: Lisbeth dressel am 12. dezember, 88 Jahre; Erich Schönfelder am 25. dezember, 88 Jahre. Esslingen-Berkheim ::: Luise Herdtle am 28. dezember, 101 Jahre. Esslingen-hegensberg ::: ruth Weissinger am 2. Januar, 83 Jahre. Freiburg ::: Lisel Graf am 11. dezember, 90 Jahre. Königswalde ::: Otto Beyer am 3. dezember, 91 Jahre. mössingen ::: Wilhelm Laux am 21. dezember, 77 Jahre. Stuttgart-Wangen ::: Grete Weyh am 21. dezember, 91 Jahre. uhingen ::: Gertrud Steiner am 29. dezember, 85 Jahre. Velbert ::: Ingetraud Voswinkel am 4. dezember, 81 Jahre. Wolfsburg ::: Johannes Winarske am 30. November, 85 Jahre. nAchRuF im hohen Alter von 93 Jahren ist am 2. Dezember 2010 die Pastorenwitwe ida Quast gebo­ rene Kurtz heimgegangen. ida Quast wurde am 3. Dezember 1917 in Kasala geboren. Sie wuchs in einer Familie mit 21 Kindern auf einem Bauern­ hof auf. 1940 heiratete sie in cekow den Pastor der Evangeli­ schen Gemeinschaft Paul Quast. Am Ende des Zweiten Weltkrie­ ges musste sie mit zwei Kin­ dern von dort fliehen. in Grä­ fenhainichen trafen sich ihr Mann und sie und die Kinder wowannwas nach seiner Kriegsverletzung und russischen Gefangenschaft wie­ der. Den Eheleuten Quast wurden dann noch vier weitere Kinder geschenkt. An der Seite ihres Mannes wirkte sie trotz der gro­ ßen Familie danach in den Ge­ meinden Genthin, Dresden (Zi­ onskirche), Magdeburg, Pots­ dam­Babelsberg, Potsdam­Dre­ witz und Kyritz und wieder in Magdeburg bis zum Ruhestand im Jahr 1970 mit. Dort lebte sie mit ihrem Mann bis 1993 und dann in Bonn. nach dem tod des Mannes am 8. Dezember 1995 zog sie zum Sohn Odwin nach leipzig. Dort wurde sie bis zum tod von ihm aufopferungsvoll gepflegt. Am 2. Dezember ging sie ruhig und sanft heim. Die trauerfeier war am 9. Dezember auf dem Südfriedhof in leipzig. Sie wurde von ihrem Sohn Gisel­ her Quast, Domprediger in Mag­ deburg, gehalten. Das losungs­ wort des todestages aus Psalm 89, Vers 2, stand im Mittelpunkt der Ansprache: » ich will singen von der Gnade des herrn ewig­ lich und seine treue verkünden mit meinem Munde für und für«. Für die Evangelisch­methodisti­ sche Kirche sprach Pastor in Ru­ he hans Michalski Dankesworte. Hans Michalski unterwegs info ::: 19
  • ::: mission 2.0 unterwegs 2/2011 ::: 16. Januar 2011 24 Wird man zum Unternehmer geboren? Daniela Eberspächer-Roth lacht. »Nein – aber Gott traut einem gerade so viel zu, wie man tragen kann.« Und das war im Falle des Ehe- paars Roth nicht gerade wenig: 1999 standen sie vor der Entscheidung, die Firma Profilmetall in Hirrlingen (bei Rottenburg/Neckar) zu übernehmen. Die Diplom- Betriebswirtin arbeitete schon seit 1990 im Unternehmen, der Diplom-Ingenieur Manfred Roth seit 1992. »Es war ein großes Wagnis, aber die Alternative wäre gewesen, den Betrieb zu schließen«, erzählt Manfred Roth. »Und 35 Mitarbeiter mit ihren Familien kann man nicht einfach im Stich lassen.« Die beiden sahen eine Chance und die Perspektive für das Unternehmen. »Wir haben eine einfache Unter- nehmensphilosophie«, erklärt Daniela Eberspächer- Roth. »Wir bieten Kundennutzen, und wir wollen Freude an den Arbeitsergebnissen haben, dazu gehört auch ein angemessener Gewinn.« Der angemessene Gewinn sei wichtig, weil nachhaltig – kurzfristige Ge- winnmaximierung dagegen nicht. mitarbeiterzahl verdreifacht Heute arbeiten mehr als 100 Menschen an zwei Standorten für Profilmetall. Im vergangenen Jahr – mitten in der Wirtschaftskrise – wurde sogar ein Maschinenbauunternehmen dazugekauft. Neben harter Arbeit steckt auch eine klare Strategie hinter dem Erfolg. »Wir haben uns gefragt, was unsere Stärke ist«, sagt Manfred Roth. »Und darauf haben wir uns konzentriert.« Die Stärke, das sind dünn- wandige, sehr leichte Metallprofile – also gebogenes Blech – mit einer Materialstärke von 0,1 bis 3 Milli- meter. Metallprofile stecken fast überall drin: etwa in Autos, Spielwaren, Haushaltsgeräten, medizinischen Geräten oder Möbeln. Trotz des Erfolgs ist das Unternehmerehepaar auf dem Boden geblieben. Zum Firmenjubiläum luden sie einen Redner ein, der über Dankbarkeit als Grundlage für ein zufriedenes Leben sprach. Und das ist für Daniela Eberspächer-Roth und Manfred Roth nicht nur eine Floskel: Soziales Engagement gehört für sie zum Unternehmertum dazu – etwa für das »Seehaus« in Leonberg, wo straffällige Jugendliche eine Chance bekommen. Das sei aber keine Marketingmaßnahme, betont die Chefin. Vielmehr: »Um sich als Unterneh- men sozial engagieren zu können, ist es eine wichtige Basis, dass die Hausaufgaben im Unternehmen erfolg- reich gemeistert sind.« »Vor Gott und den menschen« Ihre Strategie schätzen nicht nur Kunden und Mit- arbeiter, die Unternehmer haben auch einige Aus- zeichnungen erhalten. Zuletzt erreichten sie den ersten Platz beim »Landespreis für junge Unternehmen« der baden-württembergischen L-Bank. Prämiert werden dabei das Unternehmenskonzept, die Persönlichkeit, Vorbildfunktion und soziale Kompetenz der Unternehmer. »Der Preis ist für uns eine große Aus- zeichnung für den gegangenen Weg«, sagt Daniela Eberspächer-Roth. »Gleichzeitig ist er natürlich mit Erwartungen für die Zukunft verbunden.« Wobei das die beiden nicht umwirft. »Ich bin nicht auf der Welt, um nichts zu tun, sondern um meine Ga- ben einzusetzen«, sagt Manfred Roth. »Wir sehen unser Handeln in der Verantwortung vor Gott und den Men- schen und orientieren uns an christlichen Werten.« Dazu gehören: Vertrauen, Respekt, Ehrlichkeit, Fleiß und Ver- lässlichkeit. »Also Verhalten, welches wir gerne von an- deren erwarten, welches jedoch als Mensch nicht einfach selbst zu leben ist.« Insofern beeinflusse der persönliche Glaube das Unternehmer-Sein – auch wenn es, wie beide betonen, »christliche Unternehmen« nicht gibt. »Man kann ein Unternehmen als Christ führen, das ist aber keine Garantie für Erfolg.« Zuhause sind die 46-jährigen Unternehmer in der EmK-Gemeinde Bodelshausen. »Dort gibt es noch andere Unternehmer«, sagt Manfred Roth. »In dem gesunden Mix von Familien und Alt und Jung fühlen wir uns wohl und verstanden.« Volker Kiemle unternehmer mit klarem Profil Daniela Eberspächer­Roth und Manfred Roth führen ihr unternehmen nach klaren christlichen Werten – und zwar aus Überzeugung und nicht, weil es Mode ist. Dafür haben sie kürzlich den unternehmer­Preis der baden­württembergischen l­Bank erhalten.
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