Rufe nach Hygiene werden laut

  • Published on
    09-Sep-2016

  • View
    217

  • Download
    4

Transcript

Offizielles Organder Vereinigung der Hygiene-Fachkrafte der Bundesrepublik Deutschland e.V. (VHD),des Fachverbandes fur Desinfektoren, Landesverband Hessen e.V., Landesverband Niedersachsen e.V.,.,erGASTEDITORIALHerausgeberPD Dr. med. Frank-Albert PittenDr. Friedrich TilkesProf. Dr. med. Burkhard WilleInstitut fur Krankenhaushygiene undInfektionskontrolle GbRSiemensstrae 18, 35394 GieenGrundungsherausgeberProf. Dr. phil.nat. G. Schmidt-BurbachWetzlaryWissenschaftlicher BeiratPaul C.M. Baartmans, St. GallenDr. Mark Bischoff, Neu-UlmAdelheid Cizek, WienChristian Conrad, SchaffhausenDr. Gerhard Eich, ZurichVeronika Geng, LobbachProf. Dr. Peter Heeg, TubingenProf. Dr. Volker Hingst, ErlangenHans Hirschmann, FeldkirchChristoph Huesmann, NordhornDr. Maria-Theresia Linner, MunchenRolf Prions, BaselReinhard Steffler, ZwickauDipl.-Ing. M. Scherrer, HeidelbergKarl Heinz Stegemann, OsnabruckProf. Dr. Matthias Trautmann, StuttgartDr. Agnes Wechsler-Fordos, WienProf. Dr. Manfred H. Wolff, Witten/HerdeckeRedaktionsassistenzChristiane MombergerInstitut fur Krankenhaushygieneund Infektionskontrolle GbRSiemensstr. 18, 35394 Gieen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V Landesverband Sachsen e.V.,der Deutschsprachigen Interessengruppe dund Spitalhygiene (dibis)Tel.: ++49 (0) 641-9 79 05 20Fax: ++49 (0) 641-9 79 05 34E-mail: Momberger@iki-giessen.deRufe nach Hygiene werdenlaut. . .Als Hygienefachkraft, die uber 20 Jahren in der Krankenhaushygiene arbeitete,erstaunt es mich immer wieder, wie Schlagzeilen die Welt und Meinungsbildung inder Krankenhaushygiene beeinflussen. So gab mir die zuletzt die Aktion uberKrankenhaushygiene bzw. deren Mangel im Zusammenhang mit den totenFruhgeborenen in Bremen zu denken und ich mochte Sie ein wenig an meinenGedanken teilhaben lassen.,,Die toten Babys und die Keime nach dem Bremer Fall ist Krankenhaushygienewieder ein Thema. Sie sollte es bleiben. So stand es in der Frankfurter AllgemeineSonntagszeitung Nr. 44 vom 06.11.2011. ,,Mainz, Siegen, Passau, Bremen in vierKliniken sind seit August 2010 insgesamt zehn Fruhgeborene gestorben, nachdem siesich im Krankenhaus mutmalich oder tatsachlich mit Erregern infiziert hatten. Esgehort zur Realitat auf Fruhgeborenen-Stationen, dass Kinder dort nicht uberleben;vor allem extrem fruh zur Welt gekommene Sauglinge, wenige hundert Grammleicht, schweben von Geburt an in Lebensgefahr. Ebenso ist es trauriger Alltag, dassPatienten in Deutschland an sogenannten Krankenhausinfektionen sterben; selbstvorsichtige Schatzungen gehen von Tausenden Fallen im Jahr aus. Kommt beideszusammen, der Tod von Babys und Keime im Krankenhaus oder der Verdacht darauf,ist die Offentlichkeit bewegt, aufgeruttelt . . .[2].Plotzlich ist die Offentlichkeit aufgeruttelt wozu fuhrt das? Was geht mir dazu sodurch den Kopf 3 tote Fruhgeborene in Mainz sehr tragisch aber auchHochrisikopatienten mit Geburtsgewicht teilweise unter 500 g? Warum kommt es zusolchen Schlagzeilen? Weil die kleinen Babys so su sind? Weil alle Hoffnungen aufden Kindern liegen? Weil Kinder unsere Zukunft sind? Weil es immer harter ist, einKind sterben zu sehen als einen Erwachsenen? Viele Fragen, die mir durch den Kopfgehen und ja es ist tragisch aber daraus dann ein Schlachtfeld auf dem Ruckender Krankenhaushygiene auszubreiten ist das der richtige Weg? Oder galt esgerade mal wieder ein Presseloch zu stopfen da gerade keine Politiker unterBeschuss standen und keine Katastrophen im groen Umfang zu vermelden waren.Dann wird aus einem Problem ganz schnell ein Problemberg aber haben Sie in denSchlagzeilen seit November mal wieder was von den Losungen des Problems gehortoder von den Ergebnissen des Untersuchungsausschusses, der auf politischer Ebeneder Bremer Burgerschaft einberufen wurde? In den Schlagzeilen des Fernsehens oderder Weltpresse sind mir diese Meldungen nicht begegnet. Im Internet habe ich dannim Arzteblatt einen Zwischenbericht gefunden: ,,Bremer Klinikum Mitte gestehtDesinfektionsproblem. Das Robert Koch-Institut hat die Umstande des Tods von dreiFruhchen im Bremer Klinikum Mitte untersucht - doch der Zwischenbericht lasst vieleFragen offen - Infektionsquelle unbekannt, Ubertragungsweg unbekannt - aberimmerhin gilt der Ausbruch von Klebsiellen in der Neonatologie des BremerBeraterlnnen fur InfektionspraventionKlinikums Mitte (KBM), der drei Fruhchen das Leben gekostet hat, als unterbrochen.Das geht aus einem Zwischenbericht des Robert Koch-Institutes hervor. Das RKI gibtinzwischen die Zahl der Kinder, die mit dem Keim in Beruhrung gekommen waren,mit 25 an - bisher waren 23 bekannt geworden. Zudem geht das RKI von neunInfektionen aus. ,,Wir mussen einraumen, dass wir wahrscheinlich einDesinfektionsproblem haben, sagte eine Sprecherin der Unternehmensleitung derKrh.-Hyg. + Inf.verh. 34 Heft 2 (2012): 4950http://www.elsevier.de/khinf 49,,Arzte Zeitung. Die hygienischen Umstande in der Neonatologie ,,sind offenbar nicht so gewesen, wie sie sein sollten[1].Jetzt werden Schuldige gesucht, der Chefarzt der betreffenden Abteilung, der auch der hygieneverantwortliche Arzt derEinrichtung war, wurde gekundigt, zusatzliches Pflegepersonal wurde eingestellt, da Uberlastungsanzeigen der Abteilung vorlagenund der Sachverhalt ist nach wie vor noch nicht geklart. Blinder Aktionismus oder Problemlosungsversuch? Klar war derentlassene Chefarzt Hygieneverantwortlicher aber die Hygiene lasst sich nicht auf eine Person abschieben Jeder der imKrankenhaus oder besser gesagt mit Patienten und in deren Umfeld arbeitet ist zu Hygienemanahmen verpflichtet und somitauch dafur verantwortlich. Diese Kenntnis haben Hygienefachpersonen schon lange festgestellt. Aber kann diese Verantwortungvon allen ubernommen werden? Sind Kenntnisse zur Hygiene ausreichend vorhanden? In allen Berufsgruppen? WelchenStellenwert hat die Pravention von Infektionen und hier vor allem der Krankenhausinfektionen?Schlagzeilen wie der Tod von 3 Fruhgeborenen rutteln einen kurzen Moment wach aber Hygiene ist eine Aktivitat im Alltagund nicht nur mal so eben kurz. Hygienefachpersonen kampfen taglich fur die Hygiene. Dies ist aber nur moglich, wenn dieAusbildung der Hygienefachpersonen gewahrleistet ist, die Stellen ausreichend besetzt und Weisungsbefugnisse bei denHygienefachpersonen angesiedelt sind. Immer nur darauf aufmerksam zu machen und sonst keine Instrumente zur Verbesserungin der Hand zu haben ist nicht Ziel fuhrend!Ein weiterer Punkt der in dem oben erwahnten Artikel steht ,,Ebenso ist es trauriger Alltag, dass Patienten in Deutschland ansogenannten Krankenhausinfektionen sterben; selbst vorsichtige Schatzungen gehen von Tausenden Fallen im Jahr aus [2]. NachAngaben von Gastmeier et al. (2010) treten in deutschen Krankenhausern ca. 400 000 - 600 000 nosokomiale Infektionen proJahr auf. Es ist davon auszugehen, dass ca. 80 000 bis 180 000 nosokomiale Infektionen jahrlich in Deutschland vermeidbar sind.iene zu sorgen und wie oft stoencher Job aber trotzdem notwendig.Die Krankenhaushygienefachpersonen kampfen oft auf einsamem Posten. Sie erhalten meist wenig Anerkennung und Dank furIhre Arbeit da aus den Anweisungen der Hygienefachpersonen oft Mehrarbeit fur andere Berufsgruppen resultiert. Die Tatigkeitist finanziell nicht wirklich attraktiv wenn man die Verantwortlichkeit und den Verdienst gegenuberstellt. Hygienefachpersonenhoren kein Dankeschon von Seiten der Patienten oder Angehorigen wenn wieder mal eine Infektion verhindert werden konnte.Das Dankeschon der guten Behandlung geht an die am Bett arbeitenden Personen den Arzt, die Pflege, die Therapeuten dieHygienefachpersonen gehort nicht zu diesem Kreis. Also mussen die Hygienefachpersonen sich selbst motivieren, immer wiederdie gleichen Manahmen predigen, sehen wo Sie Ihre Unterstutzung erhalten, Lob und Anerkennung aus eigenen Ressourcenschopfen da Sie von extern oft fehlen. Somit sei an dieser Stelle einfach mal ein groes Lob und Danke an alleHygienefachpersonen ausgesprochen:Danke fur Arbeit im Kampf gegen Infektionen jeglicher Art. Danke, dass es Euch Hygieneverantwortlichen gibt undIhr fur die Patienten, wenn auch nicht in vorderster Front einfach da seid und fur deren Wohlergehen kampft. Diesverbunden mit den Wunschen, dass auch in Zukunft Kraft fur weitere Kampfe und Auseinandersetzungen vorhandensein mogen und auch im eigenen Betrieb ab und an eine Anerkennung ausgesprochen wird.Veronika GengHygienefachkraft, GesundheitswissenschaftlerinLiteratur[1] C. Beneker, Arzte Zeitung (02.12.2011).[2] Fritzen, F. (2011) Die toten Babys und die Keime Nach dem Bremer Fall ist Krankenhausygiene wieder ein Thema. Sie sollte es bleiben. FrankfurterAllgemeine Zeitung Nr. 44 vom 06.11.2011.[3] P. Gastmeier, F. Brunkhorst, M. Schrappe, W. Kern, C. Geffers, Wie viele nosokomiale Infektionen sind vermeidbar? Dtsch med Wochenschr 2010135 (3) (2010) 9193.50 Krh.-Hyg. + Inf.verh. 34 Heft 2 (2012): 4950http://www.elsevier.de/khinfskandaltrachtigen Schlagzeilen gibt?Die Krankenhaushygienefachpersonen bemuhen sich tagein tagaus in den Kliniken fur HygSie auf Widerstande, Unverstandnis und kampfen gegen Berge von Ablehnung. Kein einfaDie Anzahl der Todesfalle wegen vermeidbarer nosokomialer Infektionen durfte jahrlich nach weitgehend ubereinstimmendenErgebnissen der beiden verwendeten Studien zwischen 1500 bis 4500 liegen [3] wobei klar erwahnt wird, dass es sich dabei umSchatzungen handelt. Jetzt stehen also 3 tote Babys im Vergleich zu 1500-4500 Toten die jedes Jahr wahrscheinlich an denFolgen von Krankenhausinfektionen sterben aber haben Sie daruber schon mal so ausfuhrliche Berichte gehort wenn es keine

Recommended

View more >