Morphologie der postembryonalen Bursa Fabricii nach hormoneller Bursektomie

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    01-Oct-2016

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  • Zbl. Vet. Med. A, 20, 23-33 (1973) @ 1973 Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg

    A w dem Veteriniir-Pathologiscben Institut der Justus Liebig-Universitat Giejen

    Direktor: Prof. Dr. E . Weiss

    Morphologie der postembryonalen Bursa Fabricii nach hormoneller Bursektomie') ')

    Von

    G. HOFFMANN-FEZER und R. LADE

    M i t 6 Abbildungen und 2 Tabellen

    (Eingegangen am 6. Dezember 1971)

    Aus zahlreichen Untersuchungen an chirurgisch oder hormonell bursek- tomierten Huhnern ist die Funktion der Bursa Fabricii als Steuerorgan der humoralen Immunitat bekannt (Obersichten bei WARNER u. SZENBERG, 1964; WARNER, 1967; JANKOVIC, 1968). Eine hormonelle Bursektomie ist mit zwei Verfahren durchfuhrbar:

    1. Durch Injektion von Androgenen in Dottersack oder Allantois der Embr yonen,

    2. durch Eintauchen der Bruteier in Testosteronpropionatlosung, wie von GLICK und SADLER (1961) eingefuhrt.

    Bisherige histologische Untersuchungen erfassen vorwiegend Bursen von Hiihnern, die mittels Injektion hormonell bursektomiert worden waren. MEYER, RAO, ASPINALL (1 959) injizieren am 5. Bruttag 19-Nortestosteron. Die untersuchten Embryonen zeigen zunachst stark vakuolisierte Bursaanlagen, spater bildet sich nur ein gewundener, kurzer Gang aus. Eine Bursa entwickelt sich bis zum 21. Bruttag nicht. WARNER und BURNET (1961) erzielen durch Injektion unterschiedlicher Dosen (0,5-2 mg) von Testosteronpropionat in Dottersack oder Allantois - in einer gewissen Abhangigkeit vom Zeitpunkt der Behandlung - unterschiedliche histologische Bilder wiihrend der Embryo- nalentwicklung: Volliges Fehlen der Bursa, Bursagebilde mit einzelnen oder mehreren typischen Follikeln oder mit epithelialen Krypten. Bei einer kleinen Anzahl nach dem Schlupf untersuchter Kiiken (3, 14, 21 und 28 Tage alt) beschreiben sie vollige Atrophie der Follikel, deren epithelialen Ersatz und exzessive Bildung von epithelialen Buchten und Vorsprungen.

    Dagegen sind histologische Untersuchungen der Bursa nach hormoneller Bursektomie mit der Tauchmethode seften. BRUGGEMANN, FRIEDRICH, LOSCH

    I ) Mit Unterstiitzung der Deutschen Fotschungsgemeinschaft und im Rahmen des SFB 47, Gieflen.

    g, Fur technische Mitarbeit danken wir Fraulein U. NEUMANN und Frau A. SCHICK,

    ~ - _.. ~

  • 24 HOFFMANN-FEZER und LADE

    (1 969) beschreiben bei 5 von 18 untersuchten, hormonell bursektomierten Kiiken, die im Alter von 1 Tag, 4 und 8 Wochen getotet worden waren, fol- likelartige Bildungen in bindegewebiger Umgebung.

    Das histologische Bild der Bursa hormonell bursektomierter Huhner erscheint aber besonders im Hinblidr auf die qualitative und quantitative Variabilitat der Immunglobuline (MERKENSCHLAGER, RIEDEL, KIRCHNER, LOSCH, 1966; dort auch Literatur) in verschiedenen postembryonalen Alters- stufen von Interesse.

    Zweck der vorliegenden Untersuchung sol1 daher sein, die Morphologie der Bursa nach dem Schlupf bis zum Alter von 7 Monaten an einer groCeren Zahl von Tieren, die mit verschiederien Testosteronpropionatkonzentrationen hormonell durch Eintauchen bursektorniert worden waren, zu untersuchen.

    Material und Methodik Insgesamt 166 Bruteier wurden ; m i 3. Bruttag in der von MERKENSCHLA-

    GER, RIEDEL, KIRCHNER, LOSCH (1966) angegebenen Weise hormonell bursek- tomiere). 70 Eier wurden mit 1,2 O/o, 96 Eier rnit 3 O / o bzw. rnit 4 O/o alkoho- lischer Testosteronpropionatlosung behandelt. Das Schlupfergebnis lag zwischen 33 und 70 O / o (vgl. LADE, 1971). Von jeder Konzentrationsgruppe wurden jeweils 2-4 Tiere im Alter von 1, 4, 8 und 11 Tagen, 2, 3, 4, 6, 8, 10 Wochen und 3 , 4 , 5 , 6 und 7 Monaten getotet.

    Die Bursen bzw. Gewebe im Bereich der Einmiindung von Rektum und Ureteren in die Kloake wurden unmittelbar nach der Totung entnommen und nach der von BURKHARDT (1966) angegebenen Methode in gepufferter Schaffer- scher Losung fixiert, in Methanol entwassert und in Methacrylat eingebettet. 3 ycm dicke Schnitte wurden nach Giemsa in der Modifikation von BURKHARDT (1966) und mit Methylgriin-Thionin nach ROQUE, JAFAREY, COULTER (1965) gefarbt. Von den Praparaten, die bei der histologischen Untersuchung keine Bursabildung zeigten, wurden in mindestens zwei weiteren Ebenen Schnitte angefertigt.

    Ergebnisse In 24 der untersuchten Praparate (9 bei den mit 1,20/0, 15 bei den rnit

    3 O / o bzw. 4 O/o Hormonkonzentration bursektomierten Tieren) sind in ver- schiedenen Ebenen keine Bursastrukturen nachzuweisen. Bei diesen Tieren ist stets eine besonders starke Dilatation des Rektums zu beobachten. In dem Bezirk zwischen Rektum und Kloake, Ureteren und medialen Teilen der Mm. coccygei, in dem bei den ubrigen Tieren Bursabildungen liegen, finden sich Fettgewebe und lockeres Bindegewebe, gelegentlich auch glatte Muskulatur.

    Bei 66 der 90 histologisch untersuchten Bursaregionen sind untershied- liche Bursabildungen zu beobachten. Die gefundenen Bursen weichen morpho- logisch voneinander ab. Da sich keine Abhangigkeit der Erscheinungsform vom Alter der Tiere feststellen lafit, werden im folgenden 5 verschiedene Typen beschrieben, ihr Vorkommen ist TabeHe 1 und 2 zu entnehmen. Tiere, die rnit 3 und 4 O / o Testosteronpropionatkonzentrationen behandelt worden waren, werden in Tabelle2 zusammengefafit, da in Haufigkeit und Typ der Bursa- vorkommen kaum Diff erenzen auftreten.

    TYP 1 Die Bursen dieses Typs entsprechen vollkommen den Organen im Reife-

    bzw. friihen Involutionsstadium von Kontrolltieren (Morphologie von Kon-

    ') Fur die Durchflhrung der hormonellen Bursektomie danken wir Herrn Dr. U. LOSCH, Institut fur Tierphysiologie der Universitat Miinchen.

    -

  • Morphologie der postembryonalen Bursa Fabricii 25

    5 Monatc

    6 Monate

    7 Monate

    trollbursen, vgl. HOFFMANN-FEZER und LADE, 1972). Sie sind im Alter von 30 Tagen bis zu 5 Monate zu beobachten bei 5 mit 1,2 O/o und bei 3 rnit 3 O/o Testosteronpropionat behandelten Tieren.

    1 9 . 1 . 9 2

    2 6 1 9 .

    4 1 # I

    2 2 6

    Tabelle 1 Vorkommen yon Bursabildungen bei Tieren, die mit 1,2 O / o Testosteronpropionat

    bursektomiert worden waren I = Involutionsstadium

    TYP 2 Dieser Typ zeichnet sich einmal durch eine geringe Reduzierung der

    GroBe gegenuber Kontrolltieren aus, zum anderen weichen die Bursen von entsprechenden Kontrollbursen durch eine partiell mangelhafte Faltenbildung ab. So kann auf etwa 25-40 O/o des Querschnitts statt weit vorspringender Falten mit dichtem Follikelbesatz eine flache, beetartige Erhebung rnit einzel- nen eingelagerten Follikeln vorkommen. Nur wenige Bursafalten sind vorhan- den. Sie konnen bis dreimal so breit sein wie bei normalen Bursen und sind dicht mit Follikeln besetzt. Solche Bursabildungen kommen nur bei 2 mit 1,2 O / o und 1 mit 3 O/o Testosteronpropionat bursektomierten Tieren vor.

    TYP 3 Bursabildungen diese Art sind haufig. Charakteristisch ist, dai3 die makro-

    skopisch meist nicht eindeutig wahrnehmbaren Bursagebilde nicht frei in die Bauchhohle ragen, sondern im Bindegewebe zwischen der ventral liegenden Kloake bzw. dem meist dilatierten Rektum, den dorsal liegenden medialen

  • 26 HOFFMANN-FEZER und LADE

    1 Tag

    L Tage

    Tabelle 2 Vorkommen von Bursabildungen bei Tieren, die mit 3 O/o und mit 4 O/o Testosteronpropionat

    bursektomiert wurden. I = Involurionsstadiurn, x = keine Bursafollikel in den untersuchten Bezirken

    3 18 13 Id 2 ? 2 # L

    Alter

    8 Tage

    n =

    2 1 I 18 I I d

    Keine Bursa nachweisbar

    1 1 Taae I l l I 1 I Id 2 Wochen

    3 Wochen

    L Wochen

    3 Id 1 T la* 1 s 16 3 ldx

    2 1dx l # 5 Wochen

    6 Wochen

    7 Woc he n 8 Wochen

    10 Wochcn

    2 IdX 12 3 I ? 2 P 2 18 1 # 2 16 Id 3 Id 1 6 Id

    14 Wochen I 1

    Teilen der Mm. coccygei und den lateral gelegenen Ureteren sowie dem Eileiter bzw. den Samenleitern eingebettet sind. Die Bursen sind langs-oval, im Querschnitt rundlich oder oval. Ihr Querdurchmesser erreicht im Alter von 1 Tag etwa 2 mm (bei Kontrolltieren etwa 5 mm), im Alter von 9 Tagen etwa 4 mm (etwa 8 mm) und bis zum Alter von 14 Wochen 5-6 mm (18-20 mm). Ihr Lumen verengt sich kaudal zu einem schmalen Gang. Zum Teil ragen nur wenige rundliche Vorwolbungen oder plumpe bursafaltenahnliche Vorsprunge bevorzugt von dorsal in das Lumen, andere Bursen weisen Spangenbildungen auf, die das Lumen in mehrere Abteilungen trennen. Die Falten oder Spangen weisen ab und zu kryptenartige Vertiefungen auf. Sie sind von Zylinder- epithel bedeckt und enthalten zum Teil keine Follikel, zum Teil sind unter dem Epithel auch einzelne oder zahlreiche Follikel entweder wie in normalen Bur- sen oder mit groi3eren Abstanden angeordnet. 1st die ventrale Bursabegren- zung flach und kommen nur dorsal Falten vor, dann sind auch die Follikel dor- sal bevorzugt vorhanden. Im Gangbereich und an der Einmundung in die Kloake finden sich wie bei Kontrolltieren kaum Follikel. Ein grol3er Teil dieser Bursafollikel weist - im Gegensatz zu Kontrolltieren - bei Tieren, die junger als 2 Wochen sind, keine Rinde auf. Bei alteren Tieren sind rindenlose Follikel selten, fast alle Follikel haben, wie bei Kontrolltieren, eine etwa 4-8 Zell- reihen breite Rinde. Im ubrigen entsprechen die Follikel in Grofle, Aufbau und Zellzusammensetzung Bursafollikeln von normalen Tieren. Insbesondere ist der Gehalt an schwach pyroninophilen Bursalymphozyten in Follikelmark und Follikelrinde nicht gegenuber Kontrollbursen vermindert. Die Propria der Bursa entspricht in den follikelhaltigen Abschnitten der von Normaltieren. In

    I I ? I 1 4 Monate I 3 1 Id I I 2 9 I 5 Monate

    6 Monate

    7 Monate

    3 Id Id I ? 1 Id

    3 3 6

  • Morphologie der postembryonalen Bursa Fabricii 27 Bereichen ohne Follikel kann eine dichte Infiltration vorwiegend mit Lymphozyten, einzelnen hetero- philen Granulozyten und Bursa- lymphozyten auftreten. Im Gegen- satz zu Kontrollbursen ist im Lu- men haufig Darminhalt zu beob- achten. Typ 3 ist bei 12 mit 1,2 O / o und bei 4 mit 3 bzw. 4 O / o Testo- steronpropionat bursektomierten Tieren vorhanden.

    Abb. 1. S&ematis&e Obersicht iiber das makroskopisme Bild der verschiedenen Bursatypen. Auf3er bei b handelt es sich urn etwa 2 Wochen alte Tiere; a = Typ 1 , b = T y p 2 (12 Wochen), c = Typ3, d = Typ 4, e = Typ 5, weif3 = Lumen, punk- tiert = Bursagewebe, schraffiert = binde-

    gewebige Umgebung

    a

    d

    b e - 1 cm

    TYP 4 Diese ebenfalls haufige Form unterscheidet sich von Typ 3 vor allem durch

    das Fehlen deutlicher Bursafalten und Vorspriinge, so daf3 ein gangartiges, im kranialen Teil oft erweitertes, von einer nur schwach gefaltelten Wand begrenztes Lumen zu beobachten ist. Wahrend bei einigen mit 3 bzw. 4 O / o Testosteronpropionat behandelten Tieren die Bursabildungen in allen unter- suchten Gebieten ohne Follikel sind (in Tabelle 2 mit x bezeichnet), finden sich beim groi3eren Teil derartiger Bursen unter dem Epithel einzelne, selten dicht beieinander liegende typische Bursafollikel, zum Teil auch kleine Follikel ohne Rinde, die im Anschnitt groi3e Ahnlichkeit rnit den sogenannten Keimzentren der Milz und Zakaltonsillen haben. Der Markteil der Follikel steht oft in der gesamten Breite mit dem Epithel in Verbindung, gelegentlich im Bereich kryp- tenartiger Einsenkungen. Propria und Lumen verhalten sich wie bei Typ 3. Derartige Bursabildungen kommen bei 12 mit 1,2 O / o und bei 6 mit 3 O / o Testo- steronpropionat behandelten Tieren vor. Bei einem 4 und einem 6 Monate alten Tier sind die Bursabildungen (Typ 3 und 4) in Involution zu beoabchten: Neben erhaltenen typischen Bursafollikeln sind einige nekrotische Follikel und einzelne von kubischem Epithel ausgekleidete Zysten mit PAS-positivem Inhalt zu beobachten. Diese Prozesse entsprechen dem Ablauf der Involution bei Kontrolltieren.

    TYP fi Bursen dieser Art gleichen histologisch vollig den Reliktstadien der Bursa

    nach der Involution, sind also rundliche, fibrotische Bezirke, in die Bundel glatter Muskulatur einstrahlen und die kleine muskelstarke Gefaf3e und sehr vereinzelt Bursafollikel oder Ansammlungen von Lymphozyten enthalten. Sie kommen einmal bei 14 Tieren (7 mit 1,2 O / o , 7 mit 3 bzw. 4 O / o Testosteron-

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    propionat bursektomierten) im Alter von 4-7 Monaten vor. Zum anderen sind derartige Reliktformen bei 5 der mit hoherer Hormonkonzentration behandelten Tiere im Alter von 1 Tag bis 7 Wochen zu beobachten.

    Abb. 2. Querschnitt durch die Bursagegend, Bursa T y p 3 ; 1,2 " / o Testosteronpropionatkonzen- tration, 9 Tage; Giemsa, etwa 18 x. b = Bursalumen, k = Kloake, u = Ureter, c = medialer

    Teil des M. coccygeus Abb. 3. Uberwiegend rindenlose Follikel in einer Bursa des Typs 3; 1,2 " l o Testosteronpro-

    pionatkonzentration, 5 Tage; Giemsa, 140 x

    Dilikussion Insgesamt sind Bursabildungen bei Tieren, die mit einer 1,2 "/o Hormon-

    konzentration behandelt worden waren, haufiger (bei 40 von 49) als bei den

  • Morphologie der postembryonalen Bursa Fabricii 29

    rnit hoherer Hormonkonzentration bursektomierten (bei 26 von 41) nachzu- weisen. Auch scheint von der Testosteronpropionatkonzentration der Aus- pfagungsgrad der Bursa abhangig zu sein. So sind Strukturen, die eine gewisse Ahnlichkeit mit einer normalen Bursa haben - wie zum Beispiel Typ 3 - bei Anwendung 1,2 O/o Hormonkonzentration insgesamt haufiger ausgebildet als

    Abb. 4. Langsschnitt durch eine Bursa des Typs 4, dorsal zwei Follikel, im Lumen Darminhalt; 1,2 O/o Testosteronpropionatkonzentration, 3 Wochen; Giemsa, etwa 18 x

    Abb. 5. Q u e r d n i t t durch eine Bursa des Typs 4 mit zwei kleinen, dorsal gelegenen Follikeln (f); 1,2 O/II Testosteronpropionatkonzentration, 5 Tage; Giemsa, etwa 22 x

    Abb. 6. Bursa des Typs 5, weitgehend identisch mit einem Reliktstadium einer Kontrollbursa, 3 "/o Testosteronpropionatkonzentration, 2 Wochen; Giemsa, etwa 22 x

  • HOFFMANN-FEZER und LADE 30

    bei den mit hoherer Konzentration bursektomierten. Zwischen den rnit 3 O / o und den mit 4 O / o Testosteronpropionatkonzentration behandelten Tieren ist kein klarer Unterschied zu bemerken.

    Diese Abhangigkeit von der Hormonkonzentration ist aber nur bei kollektivem Vergleich zwischen den ganzen Konzentrationsgruppen festzustel- len. Innerhalb aller Gruppen variiert die Bursaausbildung von morphologisch vollig (Typ 1) oder nahezu (Typ 2) normal ausgebildeten Bursen iiber weniger oder hochgradig veranderte Bursaan1;agen bis zum Fehlen von Bursastrukturen. Diese starke individuelle Variation bei gleichstarker Beeinflussung entspricht etwa den Befunden von WARNER und BURNET (1961) bei Embryonen nach Testosteronpropionat-Injektion. Eine vollige Atrophie der Follikel und deren Ersatz durch zahlreiche epitheliale Krypten, wie von WARNER und BURNET (1961) nach dem Schlupf beobachtet, ist dagegen bei unseren Tieren nicht aus- gepragt.

    Die besonders bei den mit 1,2 O / O Testosteronpropionatkonzentration bursektomierten Tieren relativ haufigen Typen 3 und 4 lassen eine deutliche Bursaahnlichkeit in ihrem Bau und in der Struktur der Bursafollikel erkennen. Typ 4 gleicht den von BRUGGEMANN, FRIEDRICH und LOSCH (1969) beschriebe- nen Bursabildungen. Die fast nur ben unter 14 Tage alten Tieren zu beobach- tende mangelhaft ausgebildete oder fehlende Rinde der Follikel lai3t unter anderem eine bevorzugte Hemmung der Lymphopoese in der Rinde vermuten. D a bei alteren Tieren durchweg groi3e Follikel rnit deutlicher Rinde auftreten, ist eine mit zunehmendem Alter erfolgende Erholung bzw. verspatete Neubil- dung von Bursagewebe denkbar. Auth der hohere Anteil von Bursabildungen bei iiber 6 Wochen alten Tieren (siehe Tabelle 1 und 2) kann dafiir sprechen. Es lafit sich aber nicht ausschlieflen, dai3 dieser Effekt zufallig durch unbewui3te Auswahl der jeweils schwachsten Tiere zur Totung vorgetauscht wird.

    Aus dem Vorliegen von Reliktstadien kann auf einen vorausgegangenen Ablauf von Involutionsvorgangen geschlossen werden, da die beobachteten Strukturen so typisch sind, dai3 ihre Entstehung aus anderem als Bursagewebe sehr unwahrscheinlich ist. Der groi3te Anteil von Reliktstadien findet sich bei iiber 4 Monate alten Tieren, also in einem ahnlichen Alter wie bei Kontroll- tieren. Es ist nicht zu entscheiden, ob diese Relikstadien auf das friihere Beste- hen einer normalen (Typ 1) oder veriinderten (Typ 2 oder 3, eventuell auch 4) Bursa zuriidrzufiihren sind. Erstaunlich ist das Vorkommen typischer Relikt- stadien bei jiingeren Tieren, die alle mit 3 bzw. 4 O l o Testosteronpropionat bursektomiert worden waren (siehe Tabelle 2). Als Erklarung bietet sich eine - in der Art vielleicht den initialeni Veranderungen beim Involutionsbeginn vergleichbare - Beeinflussung der Bursaanlage durch die Hormonbehandlung an, die verfriiht, zum Teil auch schon embryonal, zum Ablaufen von Involu- tionsprozessen fiihrt.

    Die beobachtete Vielfalt der Bursabildungen bei hormoneller Bursektomie stimmt mit den variablen Immunglobulinwerten (BRUGGEMANN, FRIEDRICH und LOSCH, 1969) iiberein. Wieweit individuelle Obereinstimmung zwischen der Bursamorphologie und den Immunglobulinspiegeln besteht, wird derzeit untersucht. Auch ware noch zu priifen, ob Zusammenhange bestehen zwischen einer moglicherweise einige Zeit nach dem Schlupf einsetzenden Regeneration der Bursafollikel und einer etwa ab der 5 . Woche beobachteten erhohten Ig- M-Bildung bzw. den bei einem Teil bursektomierter Tiere beobachteten ver- spatet (mit 2-4 Monaten), aber in etwa normalen Mengen produzierten Immunoglobulinen (MERKENSCHLAG ER, RIEDEL, KIRCHNER, LOCH, 1966; BRUGGEMANN, FRIEDRICH, LOSCH, 1969).

  • Morphologie der postembryonalen Bursa Fabricii

    Zusammenfassung Die Bursabezirke von 49 am 3. Bruttag rnit 1,2 O/o und 41 mit 3 O/o bzw.

    4 O/o Testosteronpropionat hormone11 durch Eintauchen der Eier bursektomier- ten Huhner wurden im Alter von 1 Tag bis 7 Monaten histologisch untersucht. Bei 24 Tieren ist kein Bursagewebe nachweisbar. Die beobachteten Bursabil- dungen treten in 5 Typen auf. Typ 1 und Typ 2 entsprechen vollig bzw. nahe- zu den Bursen von Kontrolltieren. Die Typen 3 und 4 sind gegenuber Kon- trollbursen stark in der Groi3e reduziert, Bursafalten sind nur undeutlich aus- gebildet oder fehlen. Bursafollikel kommen in unterschiedlicher Menge, bei jungeren Tieren haufig ohne Rinde, bei uber 2 Wochen alten Huhnern mit gut ausgebildeter Rinde vor. Bei kollektivem Vergleich zwischen den Gruppen sind bei 1,2 O/o Hormonkonzentration mehr und Lesser diff erenzierte Bursabildun- gen vorhanden als bei hoherer Konzentration. Trotzdem ist innerhalb beider Gruppen eine weite Variation von Fehlen der Bursa bis zu morphologisch nor- maler Bursa zu beobachten. Bei alteren Tieren laat sich ein hoherer Anted von Bursabildungen nachweisen. Es wird diskutiert, ob nach dem Schlupf eventuell eine Erholung der Bursa eintritt.

    31

    Summary The morphology of the post-embryonic bursa of Fabricius

    after hormonal bursectomy A histological study was made of the bursal area of 49 chicks between

    1 day and 7 months old which were hormonally bursectomized by dipping the eggs a t the third day of incubation into 1.2 O/o testosterone propionate and 41 chicks in which 3 or 4 O/o of the hormone was used. In 24 of the birds no bursal tissue was detectable. The bursal structures which did appear were classified into five types. Types 1 and 2 corresponded completely or closely with the bursa of control birds. In types 3 and 4 there was marked reduction in size and the bursal folds were indistinctly formed. The bursal follicles occurred in variable number and in younger birds they were often without a cortex, whereas in pullets more than two weeks old the cortex was well developed. In a comparative study of the groups the best developed bursal structures were in those treated with the hormone at 1.2 O/o level, as compared with higher levels. In spite of this, each group contained birds with pictures varying from no bursa to a bursa which was morphologically normal. A higher proportion with a bursa was found in the older birds. The question whether regeneration of the bursa occurs after hatching is discussed.

    RCsumC Morphologie de la bourse de Fabrice post-embryonnaire,

    aprks boursectomie hormonale On examine histologiquement, entre 1 jour et 7 mois, la rkgion de la

    bourse de poulets boursectomisks hormonalement par immersion des oeufs dans du propionate de testosterone au 3kme jour de couvke (49 poulets, avec du propionate de testostkrone 1,2 O/o, 41 avec du propionate de testostkrone 3 O/o). Vingt quatre animaux ne prksentent plus trace de tissu de la bourse. Les formations de bourse observkes appartiennent i 5 types. Les types 1 et 2 correspondent entikrement ou presque aux bourses des animaux tkmoins. Les bourses des types 3 et 4 ont fortement rktrogradk en grandeur, par rapport aux bourses tbmoins, les plis de la bourse ne sont que faiblement dkveloppks ou font dkfaut. Les follicules de la bourse sont presents en quantitk variable, chez les animaux jeunes, souvent sans cortex, chez les

  • 32 HOFFMANW-FEZER und LADE

    poulets de plus de deux semaines, avec un cortex bien dkveloppk. Dans une comparaison collective entre les groupes, on observe des formations de bourse mieux et plus diffkrencikes avec les concentrations hormonales de 1,2 O/o, qu'avec les concentrations plus 6levCes. Malgrk cela, on trouve i I'intCrieur de chaque groupe une large variation, depuis l'absence de bourse jusqu'i des bourses morphologiquement normales. Chez les animaux plus Ages, on peut mettre en kvidence un pourcentage plus klevk de formations de bourses. O n se demande s'il se produirait C-ventuellement, apres Cclosion, une rkgCnk- rescence de la bourse.

    Resumen Morfologia de la bolsa postembrionaria de Fabricio

    tras bursectomia hormonal En edades comprendidas entre un dia y 7 meses se examinaron histol6-

    gicamente las zonas de la bolsa de 49 gallinas bursectomizadas hormonalmente sumergiendo 10s huevos el tercer dia de incubacibn en una solucibn de pro- pionato de testosterona a1 1,2 O/O y 41 en otras a1 3 O/o y 4 O/O. En 24 animales no se pudo identificar tejido bursitil. Las formaciones observadas de bolsas aparecen en 5 tipos. Los tipos 1 y 2 corresponden por completo o bastante a las bolsas de 10s animales testigos. Los tipos 3 y 4 e s t h muy reducidos en tamaiio frente a las bolsas de 10s controles, 10s pliegues solo estin formados de mod0 poco preciso o faltan. En cantidades diversas se encuentran foliculos bursitiles, en 10s animales jbvenes frecuentemente sin corteza, en las gallinas mayores de 2 semanas con corteza bien formada. En la comparacibn colectiva entre 10s grupos, en la concentracibn hormonal a1 1,20/0 estin presentes mls formaciones burdtiles y mejor diferenciadas que con concentracibn mayor. A pesar de esto, dentro de ambos grupos se observa una variaci6n amplia desde la falta de bolsa hasta la misma morfol6gicamente normal. En 10s animales mayores se identifica una arte mis grande de formaciones de bolsas. Se discute si despuCs de la eclosi B n sobreviene eventualmente la recu- peracibn de la bolsa de Fabricio.

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    Anschrift der Verfasser: Dr. Gertrud Hoffmann-Fezer und Dr. Renate Lade, Veterinar- Pathologisches Institut der Justus Liebig-Universitat Gieden, Frankfurter Strade 94. D-6300 Gieden.

    Zbl. Vet. Med., Reihe A, Bd. 20, Heft 1 3

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