Michael Bandt Ralf Schmitt - ? rber, warum ich in einer mittelgroen Firma, in einer mittelinteres-

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    17-Sep-2018

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Michael BandtRalf SchmittIch bin total beliebt, es wei nur keinerDie Hlle, das sind die anderen.Jean-Paul Sartre, Geschlossene GesellschaftDer Misserfolg hat einen Segen,der mir verklrt den trbsten Tag:Er macht uns beliebter bei den Kollegen,als ein Erfolg es je vermag.Oscar BlumenthalIch bin total beliebt, es wei nur keinerEin Survivalguide durch die KollegenhlleMichael BandtRalf Schmitt Orell Fssli Verlag AG, Zrichwww.ofv.chAlle Rechte vorbehaltenDieses Werk ist urheberrechtlich geschtzt. Dadurch begrndete Rechte, insbeson-dere der bersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfltigung auf andern Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Vervielfltigungen des Werkes oder von Teilen des Werkes sind auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulssig. Sie sind grundstzlich vergtungspflichtig.Redaktion: Olaf SchulteLektorat: German NeundorferIllustrationen: Bettina LawrenzUmschlaggestaltung und Motiv: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, ZrichDruck: fgb freiburger graphische betriebe, FreiburgISBN ----Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber http://dnb.d-nb.de abrufbar. 5InhaltVorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7Ein ganz normaler Tag beginnt . . . . . . . . . . . . . . . . 10Teil 1 Typenlehre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13Der Misserfolgsvermeider . . . . . . . . . . . . . . . 14Die korrekte Sybille . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21Mr. Facebook . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31Frau Tarnkappe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42Die Befindlichkeiterin . . . . . . . . . . . . . . . . . 49Der ewige Entertainer . . . . . . . . . . . . . . . . . 58Der Hochgeher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70Die Rcksichtforderin . . . . . . . . . . . . . . . . . 78Die Bored-Identitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86Frulein Jaja-Sofort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91Herr Macht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100Dr. Know . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107Peter Panic . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115Mr. Distance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123Teil 2 Zwischenspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135Teil 3 Die Leitbildtagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139Der ultimative Brokollegenhllen-Test . . . . . . . . 140Auflsung der psychologischen Analyse Ihrer sozio-emotionalen Brohllenkollegen kompetenz . . . 215Nachwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221 7VorwortMein Name ist Michael Schmitt. Man kann sagen, ich arbeite in einer mittelgroen Firma einer mittelinteressanten Branche im mitt-leren Management. Ich wei, Sie durchschauen jetzt schon meine Strategie, ein Buch zu schreiben, das mglichst viele Menschen an-spricht, aber das nehme ich gerne in Kauf.Schlielich mchte ich nicht ein Buch schreiben fr alle blondge-lockten Bckerlehrlinge, die sdwestlich von Passau leben, mit einem camouflagefarbenen Elektroroller zur Arbeit kommen und nebenbe-ruflich in einem illegalen Piercing-Studio in Tschechien arbeiten. Das wren mir zu wenige potenzielle Kufer.Klingt marktorientiert? Mag sein. Dieses Buch ist aber auch eine Liebeserklrung an die Leistungsgesellschaft. Zugegeben, eine bitter-bse Liebeserklrung aber doch eine Liebeserklrung. Ich glaube, das nennt man Stockholm-Syndrom, wenn man anfngt, das zu lieben, was einen kaputt macht.Auf den ersten Blick haben Sie vielleicht den Eindruck, Bcher wie dieses gbe es schon wie Sand am Meer, aber das hier ist anders. Im Gegensatz zum Wettbewerb verzichte ich gnzlich auf wissen-schaftliches Herunterbeten von Umfrageergebnissen, Statisti-ken und dergleichen. Statistiken und Umfragen kann man flschen, das wahre Leben nicht. Ich habe mein BWL-Diplom zwar nur mit Ach und Krach bestanden, aber ich stehe beruflich bestens da. Und vor allem: Ich habe wirklich etwas zu sagen ber das wahre Berufsle-ben. Ich bin selber mittendrin und gehe auch dahin, wos wehtut. Und da, wo ich bin, tuts oft weh! Sie lesen dieses Buch, Sie werden mein Zeuge.8Betrachten wir einmal die Gruppe unserer Kollegen als eine Zwangsgemeinschaft. Frher hat dieser Gruppenzwang dazu ge-fhrt, dass ich mich regelmig wahnsinnig ber meine Kollegen gergert habe das hat mich nicht weitergebracht. Dann hat mir ein Coach erklrt, dass sich andere Menschen nie ndern, sondern dass man sich selbst ndern msse. Also habe ich mein Konzept gendert: Jetzt schreibe ich ein Buch darber.Ein Buch ber meine Kollegen, die ich wohl in diesem Leben nicht mehr in der Lage sein werde zu lieben. Eine Typologie der Kollegen, die in unserer unmittelbaren Umgebung arbeiten und uns daran hindern, ungestrt unsere Aufgaben zu erfllen. Ein Buch da-rber, warum ich in einer mittelgroen Firma, in einer mittelinteres-santen Branche, nur im mittleren Management arbeite. Ein Buch ber meine Nein-Kollegen.Die Definition eines Nein-Kollegen: ein Kollege, der zur Tr he-reinkommt, und man denkt sofort: Nein! Kollegen also, die, ohne es zu merken, den Betrieb aufhalten, positive Entwicklungen blockie-ren, miese Leistungen abliefern, schlechte Stimmung verbreiten, ab-sichtlich kein Deodorant verwenden oder einfach nur nerven.ber den oder die wir, schon wenn er oder sie den Raum betritt, sofort denken: O Gott, nicht der oder die! Dann schalten wir unser unverbindlichstes Lcheln an, damit der Kollege das nicht bemerkt. Damit uns aber auch nicht ein anderer Kollege, dem wir unvorsich-tigerweise bereits erzhlt haben, wie sehr uns dieser Kollege nervt, nachsagen knnte, wir seien falsch, unaufrichtig oder feige.Also lchelt man so unverbindlich, wie man nur kann, und denkt sich seinen Teil. Und genau diesen Teil schreibe ich in dieses Buch. Denn, wrde ich diesen Teil einfach aussprechen, gbe es in meiner mittelinteressanten Firma Krieg. Aus Grnden des sozialen Friedens also und mich der Hoffnung hingebend, mglichst viele Leser (und vor allem: Kufer!) anzusprechen, schreibe ich ein Buch, das allen Menschen gewidmet ist, die von Nein-Kollegen genauso genervt sind wie ich, und ihnen helfen soll, mit solchen Kollegen besser zu-rechtzukommen. 9Ich stelle die Behauptung auf: JEDER, der auch nur drei Arbeits-kollegen hat, kennt mindestens einen der Typen, die ich in diesem Buch beschreiben werde. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten: bersteigt die kollegiale Sippengre Ihrer Firma die zwanzig, wer-den Sie ALLE Typen wiedererkennen!Nur der Vollstndigkeit halber: Wenn ich bei der Beschreibung der einzelnen Typen von Kollegen spreche, meine ich natrlich damit automatisch auch immer Kolleginnen und umgekehrt. Da will ich ganz gerecht sein und bin ein groer Freund der Gleichstel-lung!Manchmal frage ich mich, warum unsere mittelgroe Firma berhaupt noch auf dem Markt ist, denn niemand, den ich bei uns arbeiten sehe, vollbringt Spitzenleistungen. Vielleicht stimmt es ja doch: Das Ganze ist immer mehr als die Summe der einzelnen Teile. Eins plus eins ist eben oft nicht zwei, sondern drei. Selbst wenn, wie in meiner Firma, einige Nullen dabei sind Egal, wie hart wir arbeiten, von oben kommen in regelmigen Abstnden bedrohlich klingende Wasserstandsmeldungen im Sinne von schlechte Absatzzahlen, schwaches Geschftsjahr oder ein-fach nur Krise. Bankenkrise, Eurokrise, Megakrise oder Krisenkrise.Danach geistert immer fr einige Wochen das Wort Kurzarbeit durch den Flur. Aber wenn man lange genug dabei ist, wei man: Diese Worte gehren zum normalen Management-Wording.Die beruhigende Erkenntnis: Sie kommen aber sie gehen auch wieder.Also entspannt bleiben und weiterarbeiten! So gut es eben geht, trotz aufkommender Hysterie. Wenn ich das Ganze kritisch be-trachte, bin ich mit dieser Haltung, die dafr sorgt, dass ich mich durch solche Drohszenarien von oben nicht mehr extra motivieren lasse, fr meine Vorgesetzten ein solcher Nein-Kollege. Aber auch das ist mir egal, denn dieses Buch handelt ja nicht davon, wie ich, Michael Schmitt, ein Ja-Kollege fr alle anderen werde, sondern da-von, wie ich lerne, dass mich ein Nein-Kollege nicht mehr so leicht aus der Fassung bringt.10Ein ganz normaler Tag beginntLassen Sie mich, bevor ich zu meiner geplanten Beschreibung der verschiedenen Nein-Kollegen komme, einmal den Beginn meines normalen Berufsalltages erlutern, vielleicht finden Sie sich ja ein Stck weit wieder.Ich betrete morgens das Bro, das aus Grnden der maximalen Identifikation berall in Deutschland, oder sagen wir besser im ge-samten deutschsprachigen Raum, liegen knnte, und schicke ein mglichst freundliches Hallo, Moin, Grezi, Servus, Gr Gott oder einfach nur Guten Morgen in jede angrenzende Abteilung. Ge-rade so freundlich, dass niemand denken knnte, ich sei schlecht gelaunt, aber auch genau so zurckhaltend, dass keiner glauben knnte, ich htte es ntig, mich bei ihm beliebt zu machen.Jeden Tag ertappe ich mich dabei, mich ernsthaft zu fragen, ob mir dieser Balanceakt meiner sozialen Firmenpositionierung gelun-gen ist oder nicht. Als erste Tat des Tages hole ich mir einen Kaffee. Mit schlechtem Gewissen zwar, ich habe ja gerade erst begonnen zu arbeiten, aber ich hole ihn mir trotzdem. Ich fhle mich dann im-mer wie ein Musiker, der die Bhne betritt und Applaus bekommt, obwohl er noch keinen Ton gespielt hat. Auf dem Weg zurck, mit der vollen Tasse in der Hand, berlege ich mir, wie ich mich recht-fertigen knnte, sollte mich jemand darauf ansprechen, warum ich, ohne bisher einen Finger krumm gemacht zu haben, schon eine Kaf-feepause ntig htte.Das geht Sie gar nichts an, und: Kmmern Sie sich um Ihren eigenen Kram werden regelmig als Beweis meiner mangelnden Schlagfertigkeit von meinem inneren Zensor abgelehnt. Das sind 11eben die Privilegien des mittleren Managements kommt in die engere Wahl.Zum Schluss bin ich dann froh, dass mich keiner darauf ange-sprochen hat, und stelle die Tasse auf meinen Schreibtisch. Ich bin immer wieder darber erstaunt, wie oft ich den Kaffee zwar geholt und abgestellt, aber vor lauter schlechtem Gewissen keinen Schluck getrunken habe. Na ja, ich war einfach zu beschftigt, beruhige ich mich. Dann fahre ich erst mal meinen Rechner hoch. Da dies eine Zeitlang dauert, schlendere ich rber ins Nachbarbro und checke meinen Beliebtheitsgrad. Ich plaudere, scherze, nehme Anteil, wahre dabei aber immer eine gesunde Distanz. Nach etwa sieben Minu-ten mein Rechner msste inzwischen hochgefahren sein verab-schiede ich mich wieder: Na dann, frohes Schaffen, ich geh erst mal meine Mails checken, rufe ich, einen Tick zu laut. Ich habe mal in einem Ratgeberbuch fr Fhrungskrfte gelesen, drei Prozent lauter sprechen als notwendig bringt dreiig Prozent mehr Aufmerksam-keit. Interessant, nicht? Wenn ich richtig gut gelaunt bin, rufe ich manchmal auch so etwas wie: Na dann, frohes Schaffen, ich geh erst mal meine Mdels checken uuups, Freudscher Versprecher! Ha-haha. Mit einem Lachen ein Gesprch zu beenden, habe ich in demselben Ratgeber gelesen, das strke die soziale Bindung. Ich la-che auch drei Prozent lauter als notwendig. Solche Weisheiten kann man doch schlielich auch kombinieren, oder nicht?Danach lasse ich erst mal meine Assistentin kommen. Monika knnte es aufgrund ihres einfachen Gemts fast in die Liste der Nein-Kollegen schaffen, aber nur einfach zu sein, gengt nicht. In dem schon oben erwhnten Ratgeber stand auch, dass ein gutes Team, in diesem Fall eine Fuballmannschaft, funktioniert wie Kla-vierspielen: Drei mssen spielen knnen, und die restlichen acht tra-gen das Klavier in die Wohnung. Oder so hnlich. Monika trgt. Sie kommt also nicht auf die Liste. Monika ist so etwas wie die gute Seele der Abteilung und gleichzeitig meine Assistentin. Wobei das Wort Assistentin sehr weit gefasst sein muss. Denn manchmal be-handle ich sie, als wre sie das letzte Glied der Informations- 12Nahrungskette, und manchmal erklrt sie mir, wie man bei einer E-Mail die Signatur einrichtet. Dann fhle ich mich, als sei sie meine Betreuerin, und ich rechne jeden Moment damit, dass sie mir den Speichel vom Mund wischt. Man knnte sagen, wir haben ein sehr ambivalentes Hierarchieverhltnis. In einem zweiten Management-ratgeber habe ich mal gelesen, dass Hierarchie etwas ganz Natrli-ches sei, aber die Kunst sei es, in seinem Hierarchieverstndnis sehr flexibel zu sein.Ein Beispiel: Monika ruft mir von drauen von ihrem Schreib-tisch durch die offene Tr zu: Che-e-f!? Dank des Ratgebers zwinge ich mich, nicht zu antworten: Wenn du etwas von mir willst, dann komm rber, du blde Pute! Nein, ich hebe meine Stimme und susele so s ich kann: Was denn, Monika? Verstehen Sie, was ich damit sagen will? Sie haben immer die Chance. Sein Sie nicht der Sklave Ihrer Position, der Knecht Ihrer Hierarchiestufe! Natrlich htten Sie auch aufstehen, zu ihr gehen und sagen knnen: Meine liebe Monika, ich halte es fr wenig angebracht, per Zuruf mit mir zu kommunizieren. Bequemen Sie sich bitte in Zukunft zu mir, wenn Sie etwas von mir mchten. Aber das htte nichts gendert. Klar, es wre deutlich freundlicher gewesen als der Blde-Pute-Satz und htte auch Ihre Position gestrkt, Ihre Chefrolle ausgebaut, aber Sie wren doch Sklave! Sklave von einem Bild, das Sie sich von sich selbst als Chef gemacht htten.Apropos Chef, ich selbst habe natrlich auch einen, und ich mchte ihm die Ehre zuteil werden lassen, als erster Nein-Kollege in meinem Buch erwhnt zu werden.TEIL 1 Typenlehre14Der Misserfolgsvermeider Siegfried PlechSie kennen wahrscheinlich noch die alten Cowboy-Filme. In denen bekam der Cowboy immer, wenn er ins Gefngnis musste, eine Ei-senkugel inklusive Kette an die Fe geschmiedet, um ihm im Falle einer Flucht das Fortkommen zu erschweren.Und genauso wie diese Eisenkugel den Strfling am Fortkommen hindert, so hindert mein Chef mich am Vorwrtskommen in unserer Firma, denn er ist ein von mir so genannter Misserfolgsvermeider. Ich bin mir sicher, Sie haben in Ihrer Firma auch so eine Bremse, so ei-nen Blockierer, so einen Klotz am Bein jedes geplanten Fortschritts. Das Fatale daran ist, dass diese Blockierer gar nicht sofort als solche zu erkennen sind. Denn sie verklren ihr Bremsen, Erstarren, ihr Nichtstun permanent zur bewussten Strategie der Vorsicht, des Weitblicks und ihrer Erfahrung.Lassen Sie mich dies genauer ausfhren und dafr etwas ausho-len. Gehen wir mal davon aus, dass man die Menschen in zwei Gruppen einteilen kann. Da sind auf der einen Seite die Erfolgssu-cher und auf der anderen die sogenannten Misserfolgsvermeider. Die Erfolgssucher suchen, wie der Name schon sagt, den Erfolg. Ich hoffe, lieber Leser, wir beide zhlen uns zu dieser Gruppe und ich muss diesen Typus hier nicht weiter beschreiben.Die anderen, die zur zweiten Hlfte der Menschheit gehren, vermei-den den Misserfolg. Das sind Menschen wie mein Bereichsleiter, der Herr Plech. Herr Siegfried Plech sagt andauernd so Stze wie: Ich will ja nicht, dass es am Ende heit, der Herr Plech wre Oder: Ich will ja nicht, dass die andern denken, ich sei Und damit am Ende nie-mand ber den Herrn Plech etwas Negatives sagen kann, macht er pro- 15phylaktisch erst mal das, was jeden Fehler vermeidet, nmlich: nichts! Herr Plech wei immer schon im Voraus, wie ein Projekt ausgeht, nm-lich: schlecht! Seine grundstzliche Weltsicht lautet: Die Welt steckt voller Gefahren, und ich werde meine Firma davor bewahren.Jetzt ist es in meinem Fall aber auch noch so, dass unser Misser-folgsvermeider auch noch mein direkter Vorgesetzter ist. Das heit, es passiert regelmig Folgendes: Ich liege nachts wach, weil ich mit einem Projekt, sagen wir im Bereich ffentlichkeitsarbeit, nicht zu-frieden bin. Ich wlze mich im Bett herum, grble, zermartere mir das Hirn, was man besser machen, wie man die Auenwirkung un-serer Firma verbessern knnte es sollen dabei aber keine zustzli-chen Kosten entstehen. Pltzlich ein Blitz, eine Idee trifft mich, ich bin auf einmal hellwach, schiee aus dem Bett und schreibe meine Idee nieder, damit sie nicht verloren geht. Am nchsten Tag laufe ich, frisch geduscht, frisch rasiert, mit perfekter Frisur und messerscharf gebgeltem Hemd, ich will nicht sagen glckstrunken, nennen wir es einfach einmal zuversichtlich mit meiner neuen Idee zu meinem Chef, um ihm davon zu berichten.Seine Tr steht offen. Unser Vorstand ist ein Fan der ODP der Open Door Policy Ich sage zu mir selbst: Schmitty du bist ein Erfolgssucher, nutze deine Chance carpe diem Hallo Chef, htten Sie mal ein Sekndchen Zeit, frage ich in frhlichem Tonfall, ich denke, ich hab da was Schnes. Ich bin mir sicher, das wird Ihnen gefallen.Na, da bin ich ja mal gespannt.Drfen Sie sein, Chef, drfen Sie. Also, ich hab mir da was ganz Tolles berlegt palaver palaver palaver Kosten spa-ren blablabla Selbstkostenpreis schwafel schwafel Sy-nergieeffekte blablabla zwei Fliegen mit einer Klappe Win-win-Situation, wenn nicht Win-win-win-Situation Ist das nicht toll?!Ich bin also fertig mit meinen Ausfhrungen. Sehe ihn erwar-tungsvoll an. Und er nickt auch so mit dem Kopf, als htte er ein konkretes Ja vor dem geistigen Auge, aber 16Sie ahnen, was kommt Erst einmal nichts. Dann, gefhlte zehn Minuten spter, atmet er bedeutungsschwanger einmal tief ein und wieder aus, um endlich in der tiefsten Gelassenheit und frei von jeglicher Erregtheit ob meiner tollen Idee etwa Folgendes zu referie-ren: Lieber Herr Schmitt, Ihren Optimismus mchte ich haben. Da wei ich schon, wo die Reise hingeht. Und ich will Ihre Eupho-rie auch gar nicht bremsen , aber Ach wirklich?!, denke ich. Oh, wie ich dieses aber hasse.Es ist DAS Wort fr den Misserfolgsvermeider, das Wort seines Lebens.Sie erkennen einen klassischen Misserfolgsvermeider an der Fre-quenz seiner Abers Einfache Formel zum Mitschreiben: Anzahl der Abers geteilt durch Netto-Arbeitsstunden grer eins ist gleich Misserfolgsvermeider.Die Wrter fr Erfolgssucher hingegen sind JA, UND ? JA, Herr Schmitt, Ihre Idee ist super, UND Sie knnen sie gleich dem Vorstand vorstellen.Aus der Leserperspektive betrachtet: JA, Herr Schmitt, Ihr Buch ist super, UND ich werde es allen meinen Kollegen schenken.Doch nun wieder zurck zur Realitt: Aber, Herr Schmitt, ich glaube, Sie sind da ein klein wenig zu blauugig. Also, ich an Ihrer Stelle wre da skeptisch. Stellen Sie sich das blo nicht zu leicht vor! Glauben Sie denn allen Ernstes, ich htte so etwas hnliches nicht schon lngst ausprobiert?! Also ganz ehrlich, ich will ja nicht, dass es am Ende heit, ich htte Sie vorher nicht gewarnt. Da sind ja schne Einzelheiten mit dabei, aber Ihr Plan wird insgesamt nicht funktio-nieren. Am besten, Sie schlafen noch mal eine Nacht darber. Da sind mir viel zu viele ungeklrte Faktoren im Spiel. Aber ich denke, wir warten das erst mal ab und schauen, wie sich das Ganze weiter-entwickelt. Das luft uns ja nicht weg. Am besten, Sie bringen Ihre Idee zunchst mal zu Papier, da klrt sich dann hufig schon das meiste. Aber schauen Sie mal, Herr Schmitt, wenn man so was nicht richtig angeht und nicht im Vorfeld alles richtig bedenkt, dann geht da ganz schnell mal was schief. Sie wollen doch nicht, dass Ihre tolle 17Idee und dass an dieser Idee was dran ist, das spre ich , dass Ihre tolle Idee, blo weil man da zu unbedarft rangegangen ist, an ein paar Kleinigkeiten scheitert. Nein, nein, nein, Ihren jugendlichen berschwang in allen Ehren, aber ich will nicht, dass es am Ende heit, ich htte einen meiner besten Mnner sehenden Auges ins offene Messer laufen lassen. Das sehen Sie doch ein, Herr Schmitt, nicht wahr?NEEEEEEIIIIIIIIINNN das sehe ich nicht ein, verdammt noch-mal!!!!!!!!!! Sage ich natrlich nicht. Kein Wunder, denn das wrde ich ja auch nicht sagen, sondern schreien. Ich wrde es brllen, dass die Scheiben klirren. Stattdessen sage ich so was hnliches wie: Herr Plech, dank Ihrer Erfahrung und Ihrer Weitsicht haben Sie bestimmt recht, wenn ich so eine Idee habe, dann gehen manchmal die Pferde mit mir durch. Da verfgen Sie natrlich ber viel mehr Kompetenz als ich. Danke fr Ihr offenes und ehrliches Feedback und Ihre kollegiale Einschtzung. Ich denke gerne noch mal drber nach und melde mich dann wieder bei Ihnen. Danke, dass Sie sich so viel Zeit fr mich genommen haben.Aber Herr Schmitt, das ist doch selbstverstndlich, dafr sind Fhrungskrfte da, antwortet Plech jovial und fhrt fort: Dass wir dem Nachwuchs mit Rat und Tat zur Seite stehen. Danach gehe ich in mein Bro, schliee die Tr trotz ODP hinter mir zu, heute ist: LKIKMAMIBJMRVNMP: Liebe Kollegen, ihr knnt mich alle mal, ich brauche jetzt meine Ruhe, verdammt noch mal-Policy. Ich beie in die Tischplatte und zhle bis . Denn wrde ich das nicht machen, wrde ich mein Bro verwsten oder mir eine Ka-laschnikow kaufen und damit meinen Chef in einen Schweizer Kse verwandeln!18Wie Sie schon festgestellt haben, ist dieses Buch kein klassischer Ratge-ber, aber eben doch ein Ratgeber. Letzten Endes will man ja mit dem, was man schreibt, die Welt ein bisschen besser machen. Deswegen folgt jeweils an dieser Stelle, also direkt unter jeder Typenbeschreibung in einem grauen Kasten wie diesem, eine Art Verhaltensregel, ein Rat-schlag fr den Umgang mit dem vorher beschriebenen Kollegentypus. Allerdings mit einer klitzekleinen Einschrnkung: Sie als Leser knnen diese Verhaltensregeln anwenden, ich hingegen werde das in so gut wie allen Fllen nicht tun. Meine Berufsumgebung durch konstruktives Verhalten zu verndern und ihnen in ihrer Entwicklung behil2ich zu sein, ist mir o3en gesagt zu mhsam. Dazu fehlen mir die Mue, die Lust, die Geduld, die Bereitschaft, die Zeit und damit letztlich das Geld. Sollte ich in meinem nchsten Leben als Millionrssohn geboren wer-den, mache ich alles anders. Versprochen! Dann werde ich mich durch uerste Geduld, wertschtzende Anregungen und konstruktive Kritik hervortun, um damit meine Umgebung zum Besseren zu verndern. In diesem Leben, in dieser Firma, in diesem Bro werde ich das nicht tun. Da knnen diese Vollpfosten von mir aus alle so bleiben, wie sie sind. Und wenn mich irgend so ein Gutmensch fragt, warum ich das so ma-che, sage ich einfach, das sei Toleranz. Ich glaube, dass das sehr oft der Fall ist, wenn Menschen sich als tolerant bezeichnen dass ihnen ei-gentlich alle scheiegal sind. Sollten Sie schon in diesem Leben Millio-nrssohn oder -tochter sein, hier meine dringliche Au3orderung: Befol-gen Sie meine Ratschlge fr den Umgang mit den in diesem Buch beschriebenen Typen von Mitmenschen und zwar sofort! Auerdem kaufen Sie bitte ganz viele Ausgaben meines Buches und laden Sie mich auch zu Privatlesungen in Ihre Villa am Comer See ein, ich komme gern! Bitte achten Sie bei der Auswahl Ihrer Gste darauf, dass entspre-chend viele charmante, gutaussehende, blonde Zuhrerinnen anwe-send sein werden, die im Anschluss an die Lesung gerne von mir sig-niert werden mchten, bzw. deren Bcher, Sie wissen schon.Nun richte ich mich auch wieder an alle Nicht-Millionrsshne und -tchter (hallo Genossen!), hier also der erste Ratschlag, in diesem Fall fr den Umgang mit einem Misserfolgsvermeider: 19Gehen wir von derselben Situation aus wie vorhin, Sie sind also ber Nacht auf eine hervorragende Idee gekommen. Jetzt mssen Sie zu-nchst einmal in die tiefsten Niederungen Ihrer eigenen Existenz hin-absteigen und Ihre (wie Sie wissen: groartige) Idee gedanklich einmal vollkommen in den Staub treten und sich selbst mit so viel Bescheiden-heit und Demut bergieen wie mglich. Dann transferieren Sie sich in einen mglichst depressiven Zustand voller Selbstzweifel und Zger-lichkeit. Stellen Sie sich einfach vor, Ihr Vorgesetzter wre Ihr ber alles respektierter Vater und Sie ein kleines, naives Kind, das den groen weisen Mentor um Rat bittet. Gehen Sie in sein Bro und beginnen Sie mit dem Satz: Lieber Chef, ich bin da wirklich ganz unsicher, ich brau-che Ihren Rat. Dann lassen Sie ihm erst mal Raum, um ihn Stze sagen zu lassen wie: Nun setzen Sie sich erst mal, wir zwei 7nden da schon eine Lsung. Dann antworten Sie: Ach nein, ich befrchte, ich habe da nur Flausen im Kopf Er wird etwas sagen wie: Nur raus mit der Sprache, mein Sohn. Sie: Ich glaube, das hat keinen Sinn, da sind noch so viele Fragen ungeklrt Er: Doch, doch! Sie wieder: Na gut. Also, Verbesserungsvorschlag palaver palaver Kosten palaver Aber ich wei nicht Sparen blablabla Das funktio-niert bestimmt nicht Selbstkostenpreis schwafel schwafel Bin mir aber nicht sicher Synergiee3ekte blablabla Zwei Flie-gen mit einer Klappe Ho3e ich jedenfalls Win-win-Situation, viel-leicht aber auch Lose-lose-Situation Schlecht, oder?!NEEEIN!Ach, Sie meinen, da knnte vielleicht etwas dran sein?JAAA, sehr viel sogar. Da muss man vorsichtig sein, da haben Sie na-trlich recht, ABER ich spre deutlich das Potenzial.Wirklich?Wenn ichs Ihnen doch sage! Wissen Sie was? Wir setzen Ihre Idee um, dann werden Sie schon bald sehen, wie recht ICH habe.Bingo!20Diese Strategie nenne ich die DDSS, die Devote-Durchsetzungs- Stra tegie.Hllenregel : Nehmen Sie die Zweifel des Misserfolgsvermeiders vorweg und erklren Sie ihn stets in Ihrem Anliegen zum Ratgeber und Mentor.

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