• November 2012 KLINIKINFO Klinikum Saarbrücken | Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes Ein Unternehmen der Landeshauptstadt Saarbrücken 2 Editorial Grußworte Bonding und Stillen: Basis für eine dauerhafte, einzigartige Beziehung 3 Zweiter Welt-Frühgeborenentag 4 Dem Krebs davonleben: Interview mit Annette Rexrodt von Fircks 5 Der „Nocebo-Effekt“ Hochaufl ösender Ultraschall 6 Wundnetz Saar gegründet Gefäß-Sportgruppe beim TUS St. Arnual 7 Notfall Herzinfarkt 8 Augenheilkunde: Neue Entwicklungen 9 Wenn die Schulter schmerzt 10 Hilfe bei Kieferfehlstellungen Handchirurgie: Christian Müller erhält Zusatz bezeichnung 11 Harnrefl ux-Erkrankung bei Kindern 12 Schnelle Hilfe bei Schlaganfall 13 Spontane Blutungen im Kopf Minimal-invasive Chirurgie Kompetenzzentrum 14 Ehrenamtliche im Klinikum – Organist verabschiedet – Grüne Damen 15 Aus der Pfl ege: – Weiterbildung Intensivpflege – Pflegestudie: „Lagerung in Neutralstellung“ 16 Kliniküberblick InhaltKLINIKUM SAARBRÜCKEN Ein Team, ein Ziel: Ihre Gesundheit www.klinikum-saarbruecken.de
  • Das Klinikum tut was für den Komfort seiner Patienten Am 10. Tag der offenen Tür des Klinikums haben sich viele Bürge- rinnen und Bürger vor Ort von der Lei- stungsfähigkeit unseres städtischen Klinikums überzeugen können. Sie nutzten den Tag, um einmal hinter die Kulissen des Krankenhauses zu blik- ken. Besonders beliebt waren dabei die Führungen in den OP, der baulich und organisatorisch einer der modernsten im Südwesten ist. Aber auch der neue Linearbeschleuniger, das Brust- zentrum, das Herzkatheterlabor, die Intensivstation und viele andere Bereiche präsentierten sich der interessierten Öffentlichkeit. Neben der fachlichen Kompetenz wird auch der Komfort für die Patienten immer wichtiger. Dank der Bemühungen der letzten Jahre ist der größte Anteil der Zimmer im Klinikum – mehr als 80 Prozent – in- zwischen zu Zwei-Bett-Zimmern mit Dusche und WC um- gebaut. Wir wollen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger in ihrem kommunalen Krankenhaus rundum gut versorgt sind. Und wir wollen, dass sie sich dort trotz der Erkrankung wohl fühlen können. In dieser Beilage können Sie viel über das Klinikum und seine Fachabteilungen, die Behandlungsmöglichkei- ten und über die Menschen, die dahinter stehen, erfahren. Unter jedem Artikel steht eine Telefonnummer. Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie an. Ihre Charlotte Britz, Oberbürgermeisterin der Stadt Saarbrücken Wahlarbeitszeiten stoßen bundesweit auf Interesse Das Klinikum Saarbrücken ist mit seinen rund 2000 Beschäftig- ten ein attraktiver Arbeitgeber: Als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland hat das Klinikum bereits vor mehr als zehn Jahren flexible Ar- beitszeitmodelle mit elektronischer Dienstplanung und Zeiterfassung für alle Berufsgruppen eingeführt. Das Klinikum setzt seit Jahren auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine betriebsinterne Servicestelle „Familie und Beruf“ berät in allen Fragen rund um die El- ternzeit und den Wiedereinstieg nach der Familienpause. Junge Eltern werden bei der Suche nach Kinderbetreu- ungsangeboten unterstützt. Diese und andere Maßnah- men unterstützen und entlasten die Beschäftigten, wenn es um ihre Familie geht. Ganz aktuell wurde jetzt die Wahlarbeitszeit einge- führt: MitarbeiterInnen können in Phasen erhöhter au- ßerberuflicher Beanspruchung ohne Angabe von Grün- den ihre tarifliche Arbeitszeit auf 80 Prozent verringern. Die Vergütung wird entsprechend angepasst. Eine Rück- kehr zu der früheren Arbeitszeit ist jederzeit möglich. Mit dem Thema „Wahlarbeitszeit“ ist das Klinikum Saarbrücken wieder einmal Taktgeber in der Branche. Dementsprechend stieß dieses Thema bundesweit auf großes Interesse. Auch auf diesem Gebiet können wir stolz auf unser Klinikum sein. Ihr Harald Schindel, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Saarbrücken Liebe Leserin, lieber Leser der Saarbrücker Zeitung! Die Krankenhäuser stehen seit Jahren unter einem enormen Ko- stendruck. Die Ausgaben für Energie, Medizintechnik, Medikamente und vor allem für Personal steigen konti- nuierlich. Während der Gesetzgeber den Krankenhäusern noch zusätzli- che Sparopfer auferlegt, verzeichnen Gesundheitsfonds und Kassen Milli- ardenüberschüsse. Das kann nicht so weitergehen. Als kommunales Haus der Maxi- malversorgung versorgt das Klini- kum Saarbrücken im Jahr fast 27 000 stationäre und rund 80 000 ambulante Patientinnen und Pati- enten. In die Zentrale Notaufnahme kommen mehr als 36.000 Patienten jedes Jahr ungeplant und erhalten rund um die Uhr eine umfassende Notfallversorgung mit Ärzten aus den verschiedensten Fachgebieten. Dank des großen Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter sind die Patienten bei uns weiterhin gut aufgehoben und die Menschlichkeit bleibt nicht auf der Strecke. Damit das so bleibt, müs- sen Krankenhäuser das Geld bekom- men, das sie für eine gute Patienten- versorgung und für eine tarifgerech- te Bezahlung ihrer Beschäftigten brauchen. Wir im Klinikum wollen Ihnen und Ihren Angehörigen wei- terhin alle Hilfe bieten, die Sie im Krankheitsfall brauchen. Dafür set- zen wir uns ein und dafür werden wir immer ein Stückchen besser. Mit dieser Beilage möchten wir Sie umfassend über Neues und In- teressantes informieren. Über Rückmeldungen freuen wir uns sehr. Schreiben Sie an unsere Abtei- lung für Presse-und Öffentlich- keitsarbeit (presse@klinikum-saar- bruecken.de) oder an mich: ([email protected]). Ihre Dr. Susann Breßlein, Geschäfts führerin des Klinikums Saarbrücken KLINIKINFO 2 GRUSSWORTE EDITORIAL Dr. Susann Breßlein, Geschäftsführerin E ltern sind bei uns zu jeder Tages- und Nachtzeit willkommen.“ So schreibt die Kinder-Intensivstation in der Schwangerschaftsbroschüre des Perinatalzentrums des Klinikums Saar- brücken (perinatal = rund um die Ge- burt). Und: „Wir unterstützen Sie dabei, eine Familie zu werden.“ Die Station betreut die Frühgebore- nen und kranken Neugeborenen des Klinikums Saarbrücken und der Ge- burtsstationen anderer Krankenhäu- ser aus dem Saarland. Schon lange wird in dieser Station das so genannte „Känguruhen“ praktiziert. Dabei wird das Baby auf den nackten Oberkörper der Mutter oder des Vaters gelegt, mit einer warmen Decke zugedeckt und erfährt so die Nähe, die Körperwär- me und den Herzschlag der Eltern. Frühgeborene, die regelmäßig kängu- ruhen, gedeihen besser: Sie wachsen schneller, sind ruhiger und zufriedener, schlafen besser und zeigen eine besse- re Herzfrequenz. Und das gilt nicht nur für Frühgebo- rene, sondern für alle Neugeborenen. Wie wichtig Körperkontakt für die emotionale und auch kognitive Ent- wicklung von Babys ist, ist inzwischen reichlich erforscht. Bonding fördert emotionale und intellektuelle Fähigkeiten Das englische Wort „Bonding“ ist in viele Sprachen übernommen worden. Im Deutschen kann es wohl am ehes- ten mit „Verbundenheit“ übersetzt werden. So weiß Eva Vogelgesang, Stationsleiterin der Kinder-Intensiv- Station: „Mit „Bonding“ ist die innere Gefühlsverbindung gemeint, die Eltern zu ihrem Baby entwickeln. Die Mutter, der Vater „verlieben“ sich regelrecht in ihr Kind. Dieses Verlieben ist die Basis für eine dauerhafte, einzigartige Be- ziehung.“ Wie sich zwei Menschen ineinander verlieben, ist uns allen vertraut: Blick- und Körperkontakt, Streicheln, Schmu- sen, intensives Sprechen, sich von an- deren zurückziehen. Für Mutter, Kind und Vater läuft diese Phase sehr ähn- lich ab. Sie brauchen viel Kontakt und Perinatalzentrum Klinikum Saarbrücken Bonding und Stillen – Basis für eine dauerhafte, einzigartige Beziehung Das Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Saarbrücken ist die einzige Geburtskli- nik weit und breit, die primäres Bonding und die Betreuung durch vier speziell ausgebildete Still- und Laktationsberaterinnen in allen Bereichen der Frauen- und Kinderklinik anbietet Entscheidend für das frühe Bonding: Die erste Zeit nach der Geburt www.klinikum-saarbruecken.de
  • Zeit miteinander, damit das, was biolo- gisch und evolutionär vorgesehen ist, von statten gehen kann: Der Oxytocin- und Prolactinspiegel ist bei der Mutter in der ersten Stunde nach der Geburt ganz besonders hoch. Das Hormon Oxytocin, das „Liebeshormon“, versetzt sie in die Lage, sich in ihren Säugling so richtig zu verlieben. Genauso stei- gen beim Kind diese beiden Hormone im Blut an und sorgen dafür, dass es sich beruhigt, besser einschlafen kann, die Schmerzen nachlassen, die Darm- tätigkeit sich einspielt und dabei die Bindung zur Mutter hergestellt wird. Neugeborene werden auf den Bauch der Mutter gelegt Sibylle Hartung, leitende Hebamme des Klinikums, erklärt: „Aus diesem Grund werden bei uns im Kreißsaal alle Neugeborenen erst mal auf den Bauch der Mutter gelegt und finden dann meist schon alleine den Weg zur Brust und zum ersten Stillen.“ Selbst bei den kranken Babys und Frühgebo- renen wird der möglichst ungestörte Körperkontakt - sofern es medizinisch vertretbar ist - gefördert. Das Bin- dungsverhalten, von dem das Stillen ein ganz wichtiger Teil sein kann, soll durch die Klinikroutine möglichst we- nig unterbrochen werden. Die Liebe zum Kind und die Verbun- denheit mit den Eltern ist eine wich- tige Voraussetzung für die Sicherheit und das gesunde Gedeihen des Kindes. Doch nicht in allen Situationen und bei allen Müttern stellt sich diese Liebe au- tomatisch und sofort nach der Geburt ein. Die innere Bindung, die Eltern zu ihrem Kind entwickeln, ist ein Prozess, der durch viele Einflüsse und Erfah- rungen geprägt wird und auch ge- stört werden kann. Die erste Zeit nach der Entbindung (vor allem die ersten zwei bis sechs Stunden) ist eine sehr sensible Phase. Eltern, die die Bondingphase mit ih- rem Baby nach der Geburt ungestört erleben können, fühlen sich kompe- tenter und sind es auch. Sie sind acht- samer und selbstbewusster im Um- gang mit dem Baby. Mutter und Vater sind glücklicher und zufriedener, der Blickkontakt mit dem Baby ist länger, Berührungen sind häufiger. Es gibt auch weniger Probleme beim Stillen, da das Kind auf die Brust geprägt ist. Eva Vogelgesang macht allen, die diese Erfahrung nicht machen konn- ten, Hoffnung: „Wenn es aus irgendei- nem Grund nicht zum frühen Kontakt zwischen Mutter und Kind kommt, so kann auch „nachgebondet“ werden. Allerdings muss Zeit und „Beziehungs- arbeit“ investiert werden und es sollte nach Möglichkeit innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt damit begonnen werden. Wir regen das im Klinikum Saarbrücken an, wenn wir mitbekommen haben, dass das frühe Bonding nicht störungsfrei verlief.“ Übrigens: Auch die Mütter sollten eine längere Zeit nach der Geburt für- sorglich und liebevoll betreut werden. Eine Mutter entwickelt die Fähigkeit zur zärtlichen Fürsorge am besten, wenn sie selbst achtsam und liebevoll betreut wird und man ihr das Gefühl gibt, wie wichtig ihre Aufgabe als Mutter ist. Stillen für die Mutter-Kind-Bindung wichtig Wie wichtig neben dem Bonding auch das Stillen im Zusammenhang mit der frühen Bindung ist, betont die zertifizierte Still- und Laktationsbera- terin Ina Klostermann: „Stillen ist eine Riesenchance, wenn es darum geht, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Der wunderbare Hormoncocktail aus Prolaktin und Oxytocin, der beim Stil- len ausgeschüttet wird, macht eine Mutter empfänglich für die Signale ih- res Kindes – und er hat zur Folge, dass sie sich ganz auf ihr Kind einlässt.“ Stillen ist gesund. So hat keine ande- re Nahrung eine solche Energiedichte wie die Muttermilch. Gestillte Kinder sind besser gegen Krankheiten und Al- lergien gewappnet. Sogar gegen Über- gewicht sind gestillte Kinder besser geschützt. Das Risiko, übergewichtig zu werden, sinkt mit jedem Stillmonat um vier Prozent. Und auch für die Müt- ter ist Stillen gesundheitsfördernd. Es senkt langfristig das Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen sowie das Brustkrebs- und Eierstockkrebsrisiko. Kein Wunder, dass die WHO empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen. Das Klinikum Saarbrücken ist die einzige Geburtsklinik weit und breit, die speziell ausgebildete Still- und Lak- tationsberatung in allen Bereichen des Mutter-Kind-Zentrums – im Kreißsaal, auf der Wöchnerinnenstation und in der Kinder-Intensivstation – anbietet. Die ausgebildete Fachkinderkranken- schwester Ina Klostermann hat 2005 ihre Ausbildung als Still- und Laktati- onsberaterin mit dem IBCLC-Examen abgeschlossen. IBCLC steht für „In- ternational Board Certified Lactation Consultant“, ein international aner- kannter Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen. Seither hat sie die Stillberatung im Mutter-Kind- Zentrum und in der Kinderklinik des Klinikums etabliert, intensiviert und ausgebaut. Inzwischen haben zwei weitere Fachkräfte (Kinderkrankenschwester und Hebamme) die Ausbildung ab- solviert, eine vierte ist gerade dabei. Ina Klostermann: „Unsere Aufgabe ist es, Stillprobleme zu erkennen, das Ge- spräch mit den Eltern zu suchen und Lösungen anzubieten.“ Die Fachkräfte werden von den übri- gen KollegInnen bei Fragen zum Stillen hinzugezogen und schlagen entspre- chende Pflegemaßnahmen vor. Außer- dem bilden sie das pflegerische und ärztliche Personal im Bereich Stillen und Laktation ständig weiter. Nach allem verwundert es nicht, dass das Rooming-in in der Mutter- Kind-Station des Klinikum sehr un- terstützt wird. Dies ist sowohl für das Bonding als auch für das Stillen för- derlich. Denn gerade am Anfang muss das Kind oft zum Stillen angelegt wer- den. Den Müttern wird gezeigt, wie sie auch im Liegen bequem stillen kön- nen – auch und besonders nach einer Kaiser schnittentbindung. KLINIKINFO 3 Perinatalzentrum Klinikum Saarbrücken Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Telefon 0681/963-2231 Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Telefon 0681/963-2161 INFO Alle drei sind examinierte Stillberaterinnen, von links: Eva Vogelgesang, Ina Klostermann, Sigrid Reichert-Albrech Zum zweiten Mal lädt das Klini-kum Saarbrücken ins Casino zum Weltfrüh geborenentag ein, und zwar am Samstag, 17. November 2012, um 14.30 Uhr. Bei einem gemütlichen Bei- sammensein können sich betroffene Familien austauschen. Denn es braucht in der Regel länger, die zu frühe Geburt eines Kindes zu verarbeiten. Zu verkraf- ten ist nicht nur der Schreck, wenn die Geburt viel zu früh einsetzt, die wo- chen- und monatelange Sorge, wenn das Kind in der Kinder-Intensivstation betreut wird und man zwischen Alltag und der Klinik hin- und herpendelt. Auch das Leben danach ist für viele Fa- milien noch belastend: Wird das Kind den Anschluss schaffen? Wird es ganz gesund? Zum Weltfrühgeborenentag sind die Familien aller Frühgeborenen, die in den vergangenen fünf Jahren im Klinikum Saarbrücken betreut wurden, eingela- den. Sie können sich auf ein Wiederse- hen mit Ärzten und Krankenschwestern der Kinderintensivstation freuen. Zweiter Welt-Frühgeborenentag im Klinikum Samstag, 17.11.2012, 14.30 Uhr, Casino des Klinikums Saarbrücken Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Kinder- und Jugendmedizin, Telefon 0681/963- 2161 entgegen. TERMIN www.klinikum-saarbruecken.de
  • Zeit miteinander, damit das, was biolo- gisch und evolutionär vorgesehen ist, von statten gehen kann: Der Oxytocin- und Prolactinspiegel ist bei der Mutter in der ersten Stunde nach der Geburt ganz besonders hoch. Das Hormon Oxytocin, das „Liebeshormon“, versetzt sie in die Lage, sich in ihren Säugling so richtig zu verlieben. Genauso stei- gen beim Kind diese beiden Hormone im Blut an und sorgen dafür, dass es sich beruhigt, besser einschlafen kann, die Schmerzen nachlassen, die Darm- tätigkeit sich einspielt und dabei die Bindung zur Mutter hergestellt wird. Neugeborene werden auf den Bauch der Mutter gelegt Sibylle Hartung, leitende Hebamme des Klinikums, erklärt: „Aus diesem Grund werden bei uns im Kreißsaal alle Neugeborenen erst mal auf den Bauch der Mutter gelegt und finden dann meist schon alleine den Weg zur Brust und zum ersten Stillen.“ Selbst bei den kranken Babys und Frühgebo- renen wird der möglichst ungestörte Körperkontakt - sofern es medizinisch vertretbar ist - gefördert. Das Bin- dungsverhalten, von dem das Stillen ein ganz wichtiger Teil sein kann, soll durch die Klinikroutine möglichst we- nig unterbrochen werden. Die Liebe zum Kind und die Verbun- denheit mit den Eltern ist eine wich- tige Voraussetzung für die Sicherheit und das gesunde Gedeihen des Kindes. Doch nicht in allen Situationen und bei allen Müttern stellt sich diese Liebe au- tomatisch und sofort nach der Geburt ein. Die innere Bindung, die Eltern zu ihrem Kind entwickeln, ist ein Prozess, der durch viele Einflüsse und Erfah- rungen geprägt wird und auch ge- stört werden kann. Die erste Zeit nach der Entbindung (vor allem die ersten zwei bis sechs Stunden) ist eine sehr sensible Phase. Eltern, die die Bondingphase mit ih- rem Baby nach der Geburt ungestört erleben können, fühlen sich kompe- tenter und sind es auch. Sie sind acht- samer und selbstbewusster im Um- gang mit dem Baby. Mutter und Vater sind glücklicher und zufriedener, der Blickkontakt mit dem Baby ist länger, Berührungen sind häufiger. Es gibt auch weniger Probleme beim Stillen, da das Kind auf die Brust geprägt ist. Eva Vogelgesang macht allen, die diese Erfahrung nicht machen konn- ten, Hoffnung: „Wenn es aus irgendei- nem Grund nicht zum frühen Kontakt zwischen Mutter und Kind kommt, so kann auch „nachgebondet“ werden. Allerdings muss Zeit und „Beziehungs- arbeit“ investiert werden und es sollte nach Möglichkeit innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt damit begonnen werden. Wir regen das im Klinikum Saarbrücken an, wenn wir mitbekommen haben, dass das frühe Bonding nicht störungsfrei verlief.“ Übrigens: Auch die Mütter sollten eine längere Zeit nach der Geburt für- sorglich und liebevoll betreut werden. Eine Mutter entwickelt die Fähigkeit zur zärtlichen Fürsorge am besten, wenn sie selbst achtsam und liebevoll betreut wird und man ihr das Gefühl gibt, wie wichtig ihre Aufgabe als Mutter ist. Stillen für die Mutter-Kind-Bindung wichtig Wie wichtig neben dem Bonding auch das Stillen im Zusammenhang mit der frühen Bindung ist, betont die zertifizierte Still- und Laktationsbera- terin Ina Klostermann: „Stillen ist eine Riesenchance, wenn es darum geht, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Der wunderbare Hormoncocktail aus Prolaktin und Oxytocin, der beim Stil- len ausgeschüttet wird, macht eine Mutter empfänglich für die Signale ih- res Kindes – und er hat zur Folge, dass sie sich ganz auf ihr Kind einlässt.“ Stillen ist gesund. So hat keine ande- re Nahrung eine solche Energiedichte wie die Muttermilch. Gestillte Kinder sind besser gegen Krankheiten und Al- lergien gewappnet. Sogar gegen Über- gewicht sind gestillte Kinder besser geschützt. Das Risiko, übergewichtig zu werden, sinkt mit jedem Stillmonat um vier Prozent. Und auch für die Müt- ter ist Stillen gesundheitsfördernd. Es senkt langfristig das Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen sowie das Brustkrebs- und Eierstockkrebsrisiko. Kein Wunder, dass die WHO empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen. Das Klinikum Saarbrücken ist die einzige Geburtsklinik weit und breit, die speziell ausgebildete Still- und Lak- tationsberatung in allen Bereichen des Mutter-Kind-Zentrums – im Kreißsaal, auf der Wöchnerinnenstation und in der Kinder-Intensivstation – anbietet. Die ausgebildete Fachkinderkranken- schwester Ina Klostermann hat 2005 ihre Ausbildung als Still- und Laktati- onsberaterin mit dem IBCLC-Examen abgeschlossen. IBCLC steht für „In- ternational Board Certified Lactation Consultant“, ein international aner- kannter Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen. Seither hat sie die Stillberatung im Mutter-Kind- Zentrum und in der Kinderklinik des Klinikums etabliert, intensiviert und ausgebaut. Inzwischen haben zwei weitere Fachkräfte (Kinderkrankenschwester und Hebamme) die Ausbildung ab- solviert, eine vierte ist gerade dabei. Ina Klostermann: „Unsere Aufgabe ist es, Stillprobleme zu erkennen, das Ge- spräch mit den Eltern zu suchen und Lösungen anzubieten.“ Die Fachkräfte werden von den übri- gen KollegInnen bei Fragen zum Stillen hinzugezogen und schlagen entspre- chende Pflegemaßnahmen vor. Außer- dem bilden sie das pflegerische und ärztliche Personal im Bereich Stillen und Laktation ständig weiter. Nach allem verwundert es nicht, dass das Rooming-in in der Mutter- Kind-Station des Klinikum sehr un- terstützt wird. Dies ist sowohl für das Bonding als auch für das Stillen för- derlich. Denn gerade am Anfang muss das Kind oft zum Stillen angelegt wer- den. Den Müttern wird gezeigt, wie sie auch im Liegen bequem stillen kön- nen – auch und besonders nach einer Kaiser schnittentbindung. KLINIKINFO 3 Perinatalzentrum Klinikum Saarbrücken Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Telefon 0681/963-2231 Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Telefon 0681/963-2161 INFO Alle drei sind examinierte Stillberaterinnen, von links: Eva Vogelgesang, Ina Klostermann, Sigrid Reichert-Albrech Zum zweiten Mal lädt das Klini-kum Saarbrücken ins Casino zum Weltfrüh geborenentag ein, und zwar am Samstag, 17. November 2012, um 14.30 Uhr. Bei einem gemütlichen Bei- sammensein können sich betroffene Familien austauschen. Denn es braucht in der Regel länger, die zu frühe Geburt eines Kindes zu verarbeiten. Zu verkraf- ten ist nicht nur der Schreck, wenn die Geburt viel zu früh einsetzt, die wo- chen- und monatelange Sorge, wenn das Kind in der Kinder-Intensivstation betreut wird und man zwischen Alltag und der Klinik hin- und herpendelt. Auch das Leben danach ist für viele Fa- milien noch belastend: Wird das Kind den Anschluss schaffen? Wird es ganz gesund? Zum Weltfrühgeborenentag sind die Familien aller Frühgeborenen, die in den vergangenen fünf Jahren im Klinikum Saarbrücken betreut wurden, eingela- den. Sie können sich auf ein Wiederse- hen mit Ärzten und Krankenschwestern der Kinderintensivstation freuen. Zweiter Welt-Frühgeborenentag im Klinikum Samstag, 17.11.2012, 14.30 Uhr, Casino des Klinikums Saarbrücken Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Kinder- und Jugendmedizin, Telefon 0681/963- 2161 entgegen. TERMIN www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 4 „Leben soll mir gut tun“ Interview mit Annette Rexrodt von Fircks Mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörer waren ins Klinikum Saarbrücken zu der Veranstaltung „Brustkrebs heute“ ge- kommen. Der Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Abdolhamid Huschmand Nia, infor- mierte über unterschiedliche Therapien bei Brustkrebs. Anschließend berichtete Annette Rexrodt von Fircks – sie hat als Betroffene mehrere Bücher geschrieben und eine Stiftung für krebskranke Müt- ter und deren Kinder gegründet – über ihre Strategien, mit der Krebserkran- kung umzugehen. Wir haben Annette Rexrodt von Fircks interviewt. Sie waren selbst vor über 14 Jahren an Krebs erkrankt; nach der Therapie folgten viele Rückschläge. Sie haben ge­ kämpft, etliche Operationen überstan­ den. Bis heute ist der Krebs nicht zurück­ gekehrt. Was ist Ihr „Rezept“? Annette Rexrodt von Fircks: Gegen Ende der ersten Therapie habe ich mein Leben schonungslos auf den Prüfstand gestellt. Ich habe mich ge- fragt: Bin ich zufrieden mit meinem Leben? Tun mir die Menschen gut, mit denen ich zusammen bin? Welche Zie- le habe ich? Wo stehe ich? Vielleicht hat mich ja mein „altes Leben“ vor der Krankheit krank gemacht. Um diese Fragen ehrlich zu beantworten, gehör- te eine große Portion Mut und Selbst- akzeptanz. Unabhängig davon habe ich aber schon zu Beginn und während meiner Erkrankung Achtsamkeit und Fürsorglichkeit gegenüber mir selbst entwickelt. Auch habe ich gelernt, auf meine innere Stimme zu hören. Die be- gleitet mich immer noch liebevoll und kritisch. Und dann weiß ich, dass mir Bewegung gut tut – und eine gesunde Ernährung. Das heißt aber nicht, dass ich asketisch lebe. Leben soll mir gut tun. Ich gönne mir auch regelmäßig kleine Pausen im Laufe des Tages. Nur so kann ich den Alltag mit all seinen Anforderungen gut bewältigen. Woraus haben Sie nach der Diagnose und während der Therapie Ihre Kraft gezogen? Annette Rexrodt von Fircks: Es war der kurze Satz einer mir bekannten Psychologin. Sie sagte: „Entscheiden Sie sich für das Leben.“ Ein Allerwelts-Satz, der aber in die Stille meiner Verzweif- lung treten und seinen Platz finden konnte. „Vielleicht schaffst du es ja“ flüsterte mir ein Gedanke zu. Dieses „Vielleicht schaffst du es ja doch“, woll- te ich häufiger hören und „stellte“ den Gedanken immer lauter, bis das Gefühl der Hoffnung aus jeder meiner Zellen echote. Ich entschied mich für das Le- ben, das ich so sehr liebte, und wurde aktiv. Was kann jeder, der an Krebs erkrankt, selbst gegen diese Krankheit tun? Annette Rexrodt von Fircks: Es hat viele Jahre gedauert, bis ich für mich eine ganz eigene Behandlung entwickelt habe. Zu meiner „Thera- pie“ gehört vor allem ein Enzym- Selen-Lektin-Präparat. Das hilft mir gegen Gelenkschmerzen sowie aus- getrocknete und entzündete Schleim- häute. Aber ich bin der festen Überzeu- gung: Die ausschließliche Einnahme von Medikamenten reicht nicht aus, um ein körperliches und/oder seeli- sches Problem zu beheben. Jeder kann und sollte für sein Wohlergehen Sorge tragen, damit Lebensqualität und Le- bensfreude gestärkt werden. Denn das sind die wahren Katalysatoren für un- sere Gesundheit. Welche Rolle spielen die Angehörigen, Freunde, Kinder? Annette Rexrodt von Fircks: Es ist die Gewissheit, zu wissen, dass man nicht alleine ist. Meine Kinder waren für mich der Antrieb, den Lebensmut nicht zu verlieren. Die Familie war für mich da, hat vor allem ganz praktisch bei der Kinderversorgung geholfen. Aber nicht zu vergessen: Es sind die Menschen, die mich lieb haben, die mich tragen. Vor allem meine Freundin hat mir viel zu- gehört und oft auch mit mir geweint. Brustkrebs trifft oft auch junge Frau­ en mit Kindern. Was raten Sie den Frau­ en, wie sie mit den Kindern über die Dia­ gnose reden sollen? Annette Rexrodt von Fircks: Eine Krebsdiagnose ist für die ganze Fa- milie ein Schock. Kinder spüren meist sehr genau, dass etwas nicht stimmt, dass sich die Eltern plötzlich anders verhalten als sonst. Wenn die Eltern jetzt nicht die Ursache für die Situa- tion erklären, bleibt ein Gefühl tiefer Verunsicherung und Irritation. Gerade kleine Kinder entwickeln oft diffuse Phantasien: Mami geht es schlecht, weil ich ungezogen war - irrationale Schuldgefühle, Ängste, Depressionen bei den Kindern sind eine häufige Fol- ge. Deshalb sollten Eltern versuchen, die Krankheit kindgerecht zu erklären und dabei Worte wählen, die dem Alter angemessen sind. Welche Rolle spielen die Ärzte und Therapeuten bei einer Brustkrebser­ krankung? Annette Rexrodt von Fircks: Sie sind unsere Helfer, die uns Patienten Mut und wieder Geborgenheit im Leben geben. Es ist wichtig, dass sie sich für uns einsetzen und sich um uns sorgen. Wir als Patienten vertrauen dem Arzt. Und deshalb sollten Ärzte auch unbe- dingt um die Macht ihres gesproche- nen Wortes wissen. Häufig kleben wir an ihren Lippen. Wie schon Johann Wolfgang von Goethe sagte, verwun- det das Wort leichter, als es heilt. D ie brusterhaltende Therapie des Brustkrebses gilt heute weltweit als Standard und ist in fast 80 Prozent der Fälle möglich. Die Voraussetzun- gen hierfür sind, dass der Tumor ohne Rückstände entfernt wurde (freie Re- sektionsränder) und dass nach der Operation die Brust strahlenthera- peutisch behandelt wird. Dabei muss der ehemalige Sitz des Tumors, das Tumorbett, zur Sicherheit gesondert bestrahlt werden. Das Bestrahlungs- gebiet wird mit einem Metallklipp markiert. Derzeit wird von dem Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Abdolhamid Husch- mand Nia, und dem Leitenden Arzt des Instituts für Strahlentherapie, Joachim Weis, eine Studie zur Optimierung der Bestrahlungsplanung durchgeführt. An der Studie können Brustkrebspati- entinnen teilnehmen, die brusterhal- tend therapiert werden. Zum Hintergrund: Bei der bisheri- gen Markierung kann der Metallklipp, der das Tumorbett markiert, um meh- rere Zentimeter wandern, weil das umliegende Gewebe sich nach einer Operation verändert. Daher muss das Bestrahlungsvolumen so großzügig gewählt werden, dass dieser Wande- rung Rechnung getragen wird. Chef- arzt Huschmand Nia hat sich überlegt: „Um die Bestrahlung im Tumorbett gezielter durchzuführen und ein klei- neres Volumen bestrahlen zu können, brauchen wir eine sichere Markierung, die im Tumorbett nicht wandert. Da- durch wird die Bestrahlung noch scho- nender für die betroffenen Frauen.“ Die Lösung liegt in einem Metall- klipp, der in einem kleinen Netzgewe- be mit selbstauflösenden Fäden im Tumorbett verankert wird. Das umlie- gende Gewebe wächst in das Netzge- webe hinein und verhindert dadurch die Wanderung des Klipps. Dr. Husch- mand: „Solche Netze werden seit vie- len Jahren bei der kosmetischen Ope- ration der Brust eingesetzt und gelten als sichere und zugelassene Produkte.“ Wichtig erscheint Dr. Huschmand Nia: „Die Studie wird anonym durch- geführt. Für die Patientinnen bedeu- tet die freiwillige Teilnahme an dieser Studie keine zusätzlichen Belastungen oder Nachteile. Das entnommene Ge- webe bleibt vollständig für die Unter- suchung durch die Pathologen erhal- ten. Weder wird die Operationszeit verlängert noch müssen zusätz liche Röntgenaufnahmen für die Studie durchgeführt werden.“ Brustkrebs-Studie zu verbesserter „Tumorbett-Markierung“ Unter dem Titel „Dem Krebs davonleben – was sie selbst tun können“ referierte Annette Rexrodt von Fircks im Casino des Klinikums. Hier im Gespräch mit Dr. Abdolhamid Huschmand Nia, Chefarzt der Frauenklinik Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Telefon 0681/963-2231 Brustkrebs-Hotline: Telefon 0681/963-33 333 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 5 W ir alle wissen, was ein Placebo-Effekt ist: Um die Wirksamkeit eines Medikamentes festzustellen, werden Vergleichsstudien durchge- führt. Eine Gruppe erhält das Medika- ment mit dem echten Wirkstoff, eine zweite erhält – ohne es zu wissen – Ta- bletten ohne Wirkstoff. Bei einer hohen Anzahl der Patienten, die glauben, sie bekämen ein hochwirksames neues Medikament, tritt der so genannte Pla- ceboeffekt ein. Obwohl sie tatsächlich keinen Wirkstoff bekommen haben, zeigen sie eine messbare Besserung ihrer Krankheitssymptome. Noch wenig erforscht Die Ursachen dafür liegen zum einen in der positiven Erwartungs- haltung, zum anderen in neurobio- logischen Vorgängen, die durch diese Erwartungshaltung hervorgerufen werden. Der Nocebo-Effekt funktioniert genau so, nur mit umgekehrten Vorzei- chen. Hier werden durch Erwartungen negative Wirkungen hervorgerufen, ohne dass real etwas passiert ist. So nahm ein depressiver Patient während einer Studie mit Antidepressiva 26 Ta- bletten in Selbstmordabsicht. Obwohl die Tabletten, die er genommen hatte, nachweislich – zum Glück – Placebos waren, bewirkte die Erwartungshal- tung des Patienten, dass sein Körper so reagierte, als hätte er echte Tabletten genommen. Er hatte einen so starken Blutdruckabfall, dass er eine Infusions- behandlung bekommen musste. Der Nocebo-Effekt ist noch wenig erforscht. Man kann aber vermuten, dass dieselben Wirkmechanismen zu- grunde liegen wie beim Placebo-Effekt. Der Internist und Psychosomatiker, Priv. Doz.Dr. Winfried Häuser, erklärt: „Nocebo-Effekte können durch eine Scheinbehandlung und/oder durch Suggestion negativer Erwartungen entstehen.“ Laut Häuser werden Noce- bophänomene oftmals unbeabsichtigt hervorgerufen – zum Beispiel von dem Beipackzettel der Medikamente oder durch unbeabsichtigte negative For- mulierungen bei der ärztlichen Aufklä- rung vor einer Behandlung oder Ver- ordnung. So wurde festgestellt, dass es einen Unterschied in der Befindlichkeit der Patienten machte, ob der Arzt im Patientengespräch die positiven oder die negativen Wirkungen eines Medi- kamentes betonte. In einer Studie zur Untersuchung der Wirkung von Beta- Blockers bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhielt eine Gruppe keine Angaben über Medikament und Nebenwirkungen, eine zweite Grup- pe bekam zwar Informationen über das Medikament, nicht aber über eine mögliche Auswirkung auf eine sexuel- le Störung, die dritte Gruppe erhielt In- formationen zum Medikament und zu einer möglichen sexuellen Dysfunkti- on. Wen wundert‘s? Die dritte Gruppe klagte am meisten über sexuelle Stö- rungen, nämlich mit 32 Prozent. In der mittleren Gruppe waren es 13 Prozent, in der Gruppe der „Unwissenden“ wa- ren es sogar nur acht Prozent. Nebenwirkungen von Medikamenten werden häufiger dann empfunden, wenn der Patient und der Behandler diese Nebenwirkungen erwarten. Nun würde niemand ernsthaft verlangen, dass Ärzte nicht mehr über die Krank- heit, die ein Patient hat, oder über die Nebenwirkungen einer Behandlung aufklären sollten. Schließlich haben Ärzte eine Aufklärungspflicht. „Unter diesem Aspekt“, so Häuser, „ist es aber dringend erforderlich, dass Ärzte und Pfleger sehr bewusst und sorgsam kommunizieren – und zwar sowohl verbal als auch nonverbal. Patienten sind für negative Suggestionen, vor allem in existenziell bedrohlichen Si- tuationen, stark empfänglich. Sie sind anfällig für Missverständnisse durch wortwörtliches Verstehen, doppeldeu- tige Worte und negative Suggestio- nen.“ Bewusste Kommunikation So sollte sich ein Arzt also genau überlegen, ob er zum Patienten sagt: „Wir haben nach Metastasen ge- sucht – der Befund war negativ.“ Das heißt nichts anderes als: wir haben kei- ne Metastasen gefunden. Auch wenn diese Aussage von der Sache her und in der Medizinersprache korrekt – und für den Patienten sogar überaus posi- tiv ist, kann der Arzt nicht ausschlie- ßen, dass der Satz falsch verstanden wird. Auch Aussagen wie: „Sie sind ein Risiko patient“ oder „Sie sollten über- haupt nichts Schweres mehr tragen, sonst sind Sie am Schluss gelähmt“ können nachweislich negative Erwar- tungen und damit eine Verschlimme- rung der Krankheit bewirken. Fazit: „Worte sind das mächtigste Werkzeug, über das ein Arzt verfügt. Worte können allerdings – wie ein zweischneidiges Schwert – sowohl tief verletzen als auch heilen“ (Nobelpreis- träger und Herzforscher Bernard Lown, in: „Die verlorene Kunst des Heilens“). Bei Ultraschalluntersuchungen ist es wie in der Formel 1: Der Erfolg hängt vom Fahrer, respektive dem Untersucher – und vom Auto, also dem Ultraschallgerät, ab. Die Klinik für Innere Medizin I im Klinikum Saarbrücken verfügt seit Juli über das „beste Auto im Feld“. Mit dem neuen High-End Ultra schallgerät kann man Gewebeveränderungen im Bauch- raum nicht nur früher und sicherer erkennen, sondern auch mit Hilfe ei- nes computergestützten Navigations- systems extrem präzise punktieren. Wie bei der Computertomographie (CT) kann man durch die Gabe eines Kontrastmittels Blutgefäße und Blut- versorgung darstellen und damit gut- artige von bösartigen Veränderungen besser unterscheiden. Das Kontrast- mittel ist auch für Patienten geeignet, die auf Röntgen kontrastmittel aller- gisch reagieren oder nierenkrank sind. „Wir können mit dem neuen Gerät auch bei unklaren Gewebeverände- rungen eine Diagnose stellen, die im CT oder im Kernspin nicht differenziert werden können“ erklärt Oberärztin Dr. Sibylle Lehnen. „Die computer- gestützte Navigation erlaubt es, kleins- te Veränderungen sicher zu punktieren und die richtige Diagnose frühzeitig zu stellen.“ Die Medizinische Klinik I des Klini- kums Saarbrücken ist die einzige gas- troenterologische Abteilung im Saar- land, die über diese neue Methode der Navigation für ultraschallgesteuerte Punktionen verfügt. Die Anschaffung erfolgte, um Patienten mit Lebererkran- kungen und mit Tumoren im Bauch- raum in einer Abteilung alle maßgeb- lichen Verfahren der Diagnostik und Therapie in bestmöglicher Qualität zur Verfügung stellen zu können. PD Dr. Winfried Häuser, Leitender Arzt der Psychosomatik in der Inneren Medizin I des Klinikums Saarbrücken Dieses Gerät verbessert die Genauigkeit bei ultraschallgesteuerten Punktionen durch die 3D-Navigation. Somit kann auch in schwierigen Situationen ein sicheres und aussagekräftiges Punktionsergebnis erzielt werden, auf unserem Foto die beiden Oberärzte Dr.Sybille Lehnen und Dr. Klaus Radecke bei einer Untersuchung Nocebo – wenn negative Erwartungen krank machen Mehr Sicherheit durch hochauflösenden Ultraschall Privat-Dozent Dr. Winfried Häuser, Lei- tender Arzt der Psychosomatik in der Inneren Medizin I des Klinikums Saar- brücken, beschäftigt sich mit der Aus- wirkung von Erwartungshaltungen auf die Befindlchkeit von Patientinnen und Patienten. Innere Medizin I Telefon 0681/963-2531 Psychosomatik Telefon 0681/963-2021 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 6 Seit kurzem gibt es auch im Saar-land eine Initiative „Wundnetz Saar“, an der sowohl niedergelassene ÄrztInnen als auch Krankenhaus- ärzte und -pflegekräfte beteiligt sind. Vom Klinikum Saarbrücken ist PD Dr. Thomas Petzold, Chefarzt der Gefäßchirurgie, im Koordinatoren- team. „Ziel des Wundnetzes ist eine therapeutisch und ökonomisch effi- zientere Versorgung von chronischen Wunden, die zu einer verkürzten Heil- dauer führt“, erklärt Petzold. Das Wundnetz Saar strebt eine fach- übergreifende vernetzte Zusammen- arbeit zwischen stationärer und ambulanter Pflege, Arztpraxen und Krankenhäusern an. Angehörige, Physiotherapeuten, Podologen, Or- thopädieschuhmacher und -techniker sollen in das Netz einbezogen werden. Und auch das Know-how von Produkt- herstellern, Homecareunternehmen, Sanitätsfachhandel, Apotheken und Kostenträgern soll mit einfließen. Durch eine kompetente und part- nerschaftliche Zusammenarbeit aller den Patienten behandelnden und be- treuenden Fachbereiche soll der Pati- ent mit chronischen Wunden die opti- male Versorgung erhalten. Außerdem wird die Kompetenz der Mit glieder und der beteiligten Partner durch Schulungen, Workshops und De- monstrationen sowie regelmäßige Fachvorträge gefördert. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung und Definition von Standards zur Wundversorgung . Dabei geht es um Beratung, Anleitung und Schulung von PatientInnen mit chronischen Wunden und deren Angehörigen, die Förderung und Erhaltung der Lebens- qualität von Patienten mit chroni- schen Wunden, die Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Fachverbän- den und -organisationen sowie ande- ren Wund zentren im Bundesgebiet. E s beginnt mit kalten Füßen und einem tauben Gefühl in den Beinen. Bei längeren Spazier- gängen treten krampfähnliche Muskelschmerzen auf. Betroffene blei- ben stehen, bis der Schmerz nachlässt. „Schaufensterkrankheit“ nennt der Volksmund diese Erkrankung. Medi- ziner sprechen von Arteriosklerose in den Beinen oder peripherer Arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Ursache sind Durchblutungsstörungen der Ex- tremitäten als Folge von Verschlüssen oder Stenosen (Verengungen) der die Beine versorgenden Arterien. Die Folge sind starke Schmerzen in den Beinen. Um diese Pein zu vermeiden, bewegen sich die Betroffenen immer weniger. So riskieren sie jedoch, dass sich der Zustand ihrer Gefäße bis hin zu einem Herzinfarkt oder einer Amputation rapide verschlechtert. „Besserung verspricht auch in die- ser Phase noch gezielter Gefäßsport“, weiß Chefarzt PD Dr. Thomas Petzold. Das ist Gehtraining mit eingebauten gymnastischen Übungen unter An- leitung einer ausgebildeten Trainerin. Die Klinik für Gefäßchirurgie und En- dovaskuläre Chirurgie des Klinikums Saarbrücken arbeitet in diesem Bereich eng mit dem TuS St. Arnual zusammen. Einmal wöchentlich, immer montags um 16 Uhr, trainieren Frauen und Männer zwischen 50 und 85 Jahren in der Turnhalle Hohe Wacht 60 Minuten lang unter Anleitung der lizenzierten Fachübungsleiterin Margit Kleber; regel mäßig schauen auch Ärzte des Klinikums vorbei. Und damit niemand überfordert wird, wird vor und nach jeder Übungsstunde der Blutdruck gemessen und nach dem Befinden be- fragt. Alles wird genau dokumentiert. In einem zehnminütigen Aufwärm- training werden Zehen, Füße und Beine beweglich gemacht und durch Herz- Kreislauftraining eine erste verstärkte Durchblutung angeregt. Die Muskula- tur und das Herz-Kreislaufsystem wer- den auf die kommende Belastung vor- bereitet. Mit Bällen, Reifen oder Seilen wird der ganze Körper in die Bewegung einbezogen. Dabei werden Koordinati- on, Beweglichkeit und Kraft geschult. Der Schwerpunkt liegt auf dem Trai- ning der Ausdauer (Gehtraining), abge- stimmt auf die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen. Mit einer Spiel-/Entspan- nungsphase klingt die Stunde aus. Margit Kleber, die seit Jahren als Übungsleiterin im Rehasport arbeitet, erklärt: „Mit diesem Mix an Übun- gen wollen wir erreichen, dass die Beinmuskeln besser mit Sauerstoff versorgt werden, um so langsam die Geh strecken zu erhöhen. Schließlich regt Bewegung den Körper an, auch Umgehungskreisläufe für verengte oder verstopfte Gefäße zu bilden. Au- ßerdem sollen die Koordination, Flexi- bilität, dynamische Kraft und Ausdau- er verbessert werden. Und natürlich macht Sport unter Gleichgesinnten auch mehr Spaß.“ Übrigens: Die Wirkung des gezielten und regelmäßigen Gehtrainings ist wissenschaftlich belegt. Nach drei Monaten intensivem Training können Betroffene schmerzfrei doppelt so weit gehen wie zuvor. Spaziergänge haben diesen Effekt nicht. Hinzu kommt, dass Bewegungsmangel neben Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck einen Risikofaktor für eine pAVK darstellt. Er- fahrungsgemäß bewegt sich jemand nach der Diagnose ohne Anleitung und Gruppe nicht plötzlich mehr als vorher. Damit das Training langfristig Sinn macht, sollten Betroffene auf das Rauchen verzichten und – wenn nötig – Gewicht reduzieren. Wundnetz Saar gegründet Chefarzt der Gefäßchirurgie des Klinikums im Koordinatorenteam Gehtraining hilft Gefäßsport für Menschen mit Schaufensterkrankheit Nähere Informationen zum Gefäßsport gibt es beim TuS St. Arnual, Manfred Breit, 1. Vorsitzender, Telefon 0681-854425 Margit Kleber, Übungsleiterin, Telefon 06893-5575 www.tus-st-arnual.de E-mail: [email protected] Gefäßchirurgie: Telefon 0681/963-2921 INFO Im Koordinatorenteam: der Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, PD Dr. Thomas Petzold Sie hat viel Erfahrung als Übungsleiterin im Gefäß- und Rehasport: Margit Kleber Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie Telefon 0681/963-2921 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 7 Bei Herzinfarkt zählt jede Minute Häufigster Vorbote: Enge in der Brust – Hilfe durch Stents Beim Herzinfarkt zählt jede Minu-te, weiß der Kardiologe. Deshalb sollten auch Laien die Herzdruckmas- sage beherrschen und – wenn vorhan- den – die automatisierten externen Defi brillatoren (AED), die sich oft in öffentlichen Gebäuden befinden, be- dienen können, um damit Leben zu retten. Allerdings sollte die Therapie unbedingt innerhalb von fünf Minu- ten einsetzen und sofort die 112 oder die 19222 (Mobiltelefon: 0681/19222) gewählt werden. Prof. Dr. Görge ist sich sicher: „Wenn es gelingt, das Herz wieder in Takt zu bringen, stehen die Chancen auf ein Überleben gut.“ Die Akutversor- gung nach Gefäßverschlüssen am Herzen habe sich enorm verbessert. „Verschlossene Gefäße können wir im Herzkatheterlabor bei mehr als 95 Prozent aller Behandelten wieder öff- nen. Fast immer bekommt der Patient dann eine Metallstütze eingesetzt, um das Gefäß dauerhaft frei zu halten. Mit diesen Stents erreichen wir eine Verbesserung der Pumpfunktion und eine Verringerung der Sterblichkeit nach dem Herzinfarkt“, sagt der Herz- spezialist. Allerdings rufen die meisten Pati- enten den Notarzt viel zu spät – und verlieren so wertvolle Zeit. Die Gründe dafür kennt der Notfallmediziner. „Ei- nige Patienten verharmlosen die Be- schwerden. Warten, bis sie unerträg- lich werden. Bei Herzschmerzen in der Nacht gehen manche lieber erst am Morgen zu ihrem Hausarzt.“ Zudem seien Infarkte nicht immer mit star- ken Schmerzen verbunden, etwa dann, wenn durch Diabetes feinste Schmerz- rezeptoren in den Geweben um das Herz abgestorben seien. Untypische Symptome würden oft auch als Ma- genbrennen oder Halsweh verkannt. Dabei entwickelt sich ein Herzinfarkt nicht von heute auf morgen. Er ist fast immer das Ergebnis jahrelanger Herz- kranzgefäß-Veränderungen, die unter dem Begriff „koronare Herzkrankheit“ zusammengefasst werden. Typisch für dieses Krankheitsbild sind Veren- gungen der Herzkranzgefäße, hervor- gerufen durch cholesterinhaltige Ab- lagerungen an ihren Wänden. Diese so genannten Plaques verengen den Gefäßinnenraum mit der Zeit immer mehr. So bilden sich Stenosen (Engstel- len), die der Blutstrom nicht mehr un- gehindert passieren kann. Der Betrof- fene spürt diese Verengung allerdings erst, wenn sie mehr als 70 Prozent des Gefäßes umfasst. Es kommt zur Angi- na pectoris oder Herz enge. Sie bereitet in abgeschwächter Form ähnliche Be- schwerden wie ein Herzinfarkt: Brust- schmerzen, Atemnot, Übelkeit. Und ist seine häufigste Vorbotin. Schon beim geringsten Verdacht ist es deshalb an- gemessen, den Notarzt zu rufen. „Dabei soll unbedingt das Wort Herzinfarkt fallen“, sagt der Kardiolo- ge. Wichtig ist es dann, Ruhe zu be- wahren, den Kranken mit erhöhtem Oberkörper zu lagern. „Wer einmal einen Infarkt hatte, bleibt lebenslang anfällig für einen weiteren“, warnt Herzspezialist Prof. Dr. Görge. Daher ist die Vorbeugung vor erneuten Ver- schlüssen lebensnotwendig. Nur der richtige Lebenswandel, gesunde Er- nährung, moderne Medikamente und regelmäßige Kontrolluntersuchungen können die Gefahr für weitere Infarkte minimieren. „Wenn das richtige Ver- halten zwei, drei Wochen lang einge- übt und immer wieder erklärt wird, so ist die Chance hoch, dass die Patienten dies in ihren Alltag übernehmen“, ist sich Prof. Dr. Görge sicher. Im Klinikum Saarbrücken sorgen die Ärzte dafür, dass die Patienten nach einem Herzin- farkt in die Reha-Klinik und danach in eine Herzsportgruppe gehen können. Prof. Dr. Günter Görge hat 2007 im Saarland die erste Chest Pain unit, eine Einheit zur 24-Stunden-Abklärung von Brustschmerzen und Herzinfarkten, gegründet. Seit 2009 ist sie zertifiziert. Unklare Brustschmerzen abklären lassen Das Klinikum Saarbrücken hat 2007 als erstes Krankenhaus im Saarland eine Einheit zur Abklärung von unklaren Brust- schmerzen eingerichtet. Die Brustschmerzeinheit (auch: Chest Pain Unit) ist die Anlaufstelle für alle Patienten mit unkla- ren akuten Brustschmerzen – rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Die Brustschmerzeinheit des Klinikums Saarbrücken ist seit Juli 2009 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert, gerade wurde sie wieder neu zertifiziert. Durch das Zusammenspiel mit den anderen Fachabteilungen des Klinikums können hier auch alle anderen Ursachen (or- thopädische, psychosomatische, Beschwerden der inneren Organe ...) schnell erkannt und behandelt werden. Im Zweifels- fall hilft das superschnelle Herz-CT weiter, das neben dem Herzen auch die Lunge, die Lungengefäße und die Körperschlag- ader abbildet. Notfälle wenden sich an die Rettungs leitstelle unter Telefon 112 oder 19222 (Mobiltelefon: 0681/19222). Leben retten mit dem Mobiltelefon Als Smartphone – Besitzer kennen Sie sicher die kleinen Programme, mit denen Sie die Funktionalität Ih- res Geräts erweitern können. Eine solche App gibt es jetzt auch von der deutschen Herzstiftung für das iPhone. Sie soll Sie beim Erkennen der Symptome eines Herzinfarkts sicherer machen und Ihnen beim Umgang mit Notsituation helfen. Die App (Abkürzung für engl. „Ap- plication“: Anwendung) mit über 20 anschaulichen grafischen Abbil- dungen informiert Laien über die häufigsten Herzinfarkt-Alarmzei- chen und hilft, die infarkttypischen Symptome schnell und richtig zu deuten. Auch stellt die App die über- lebenswichtige Herzdruckmassage dar und gibt dazu in kurzen Sätzen konkrete Handlungsanweisungen. Das Besondere an der Anwendung ist, dass sie den direkten Notruf 112 ermöglicht und so keine lebens- rettende Zeit verloren geht. Die Herznotfall-App ist auch für ande- re Smartphone-Systeme (Android) geplant. Die Herznotfall-App für das iPhone steht kostenlos zum Download bereit unter:http://itunes.apple.com/de/ app/herzstiftung-app/id540338564 Herzsport auf Überweisung Der ehemalige Chefarzt der Kardio- logie des Klinikums Saarbrücken, Prof. Dr. Klaus Zwirner, betreut in Saarbrücken in Zusammenarbeit mit dem Behinderten- und Reha- bilitations-Sportverband e.V. Herz- sportgruppen. Sie finden montags, mittwochs und freitags um 17 Uhr, mittwochs und freitags auch um 18 Uhr in der Turnhalle des Gymna- siums am Schloss, Talstraße, 66119 Saarbrücken, statt. Die Gruppen werden nach den Kriterien Diagnose, Alter und Gesundheitszustand (Fit- ness) eingeteilt. Interessierte sollten eine ärzt- liche Verordnung für den Reha- bilitationssport in Herzgruppen mitbringen; außerdem eine Kopie des letzten Krankenhausberichtes mit Befunden. Anmeldung und Information: Jola Bauer, Innere Medizin II des Klinikums Saarbrücken, Telefon 0681/963-32571 REHA PRÄVENTION Weitere Infos unter Telefon 0681/963-2434 Brustschmerzeinheit/ Herzinfarktzentrum Telefon 0681/963-1919 INFO In Deutschland erleiden täglich 800 Menschen einen Herzinfarkt, für ein Fünftel ist der Herzinfarkt tödlich. Zum Herz- infarkt kommt es, wenn das Herz kein Blut mehr pumpt, weil ein Blutgerinnsel die Herzkranzarterie verstopft und dem Organ den Sauerstoff raubt, erklärt der Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Saarbrücken, Prof. Dr. Günter Görge, der auch Ärztlicher Leiter des bodengebundenen Notarztstandortes auf dem Winterberg ist. www.klinikum-saarbruecken.de
  • In den vergangenen zehn Jahren ha- ben neue Entwicklungen im Bereich der Technologie und der Medikamen- te die Behandlungsmöglichkeiten in der Augenheilkunde grundlegend ver- ändert. Neue Verfahren und Operati- onsmöglichkeiten haben Einzug in die tägliche Routine genommen, die vor Jahren nicht mal vorstellbar waren. Für Krankheitsbilder, die früher nicht heilbar waren, wurden erfolgverspre- chende Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Prof. Dr. Christian Teping, Chefarzt der Augenklinik, stellt Ihnen einige dieser neuen Verfahren vor. Medikamenteninjektion bei feuchter Maculadegeneration Das im höheren Alter sehr häufig vor- kommende Krankheitsbild der feuchten Maculadegeneration führte früher un- weigerlich zur hochgradigen Sehmin- derung oder zur Erblindung; durch die Entwicklung hochaktiver Medikamente lässt sich heutzutage der Krankheitsver- lauf deutlich verzögern oder sogar kom- plett stoppen; dabei wird der Wirkstoff bei wiederholten operativen Medika- menteninjektionen in das Augeninnere eingebracht. In den meisten Fällen kann so eine drohende Erblindung verhin- dert werden. Operative Verfahren bei Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers Auch die operativen Behandlungs- möglichkeiten bei Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers haben sich in den letzten drei Jahren komplett geändert; aus früher durchgeführten sehr umfangreichen und belastenden Operationen sind minimal-invasive Eingriffe – Stichwort: Mikrochirurgie – geworden, die zum einen den Patienten weniger belasten und zum anderen ein rascheres und meist auch besseres Funk- tionsergebnis zur Folge haben. Dank der Weiterentwicklung der Oberflächen- bearbeitung von Metallen konnten die Operationsinstrumente immer mehr verfeinert werden. Aus plumpen, gro- ben und unzuverlässigen Instrumenten wurden hochpräzise und zuverlässige Schneidwerkzeuge. Der Durchmesser der Instrumente wurde ständig kleiner, wodurch auch die Operationsstelle ver- kleinert werden konnte, nahtlos verheilt und die Komplikationsrate sank. Effektivere Behandlung diabetischer Augen erkrankungen Diabetische Netzhaut- und Glaskör- pererkrankungen lassen sich neben der bereits lange bestehenden Laserbe- handlung durch Injektion hochaktiver Medikamente in den Glaskörperraum des Auges effektiver behandeln; insbe- sondere die genau in der Mitte gelege- ne Netzhautschwellung bei der Diabe- teserkrankung war früher gefürchtet. Durch wiederholte Wirkstoffeinsprit- zungen vor die Netzhaut, gegebenen- falls kombiniert mit einer Laserbehand- lung oder auch einer minimalinvasiven Netz hautoperation, lässt sich auch die- ses gefürchtete Krankheitsbild mit gu- ten Chancen heute besser behandeln. Canaloplastik – ein neues Operationsverfahren beim Grünen Star Weniger belastend, patienten- schonend, komplikationsärmer und dabei höchst effektiv sind die neuen Operationsmethoden beim Grünen Star (Glaukom). Neben mehreren laser- chirurgischen und konventionellen Operationsmethoden hat sich insbe- sondere die Schienung und Dehnung des Abflusskanals im Augeninneren mittels eines lasergesteuerten Micro- katheters („Canaloplastik“) bewährt. In den meisten Fällen gelingen mit dieser Operationsmethode eine gute Augen- druckeinstellung und eine Reduktion der notwendigen Tropfenbehandlung. Schnellere und bessere Ergebnisse bei Hornhaut- erkrankungen Auch im Bereich der modernen Chirurgie von Hornhauterkrankungen haben sich aktuel l wesentl i - che Veränderungen ergeben: In etwa 40 Prozent der schweren Hornhauterkrankungen, bei denen bisher eine komplette Hornhaut-Trans- plantation die einzige Operationsmög- lichkeit war, bietet ein neues schonen- deres Verfahren eine deutlich geringere Patientenbelastung und sogar schnelle- re und bessere Behandlungsergebnisse. Bei dem so genannten DMEK-Verfahren („Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik“) wird nicht mehr die gesamte Hornhaut, sondern nur der er- krankte Teil der Hornhautinnenschicht – das so genannte Endothel – ersetzt. Dies ist eine ganz feine zelltragende Schicht an der Rückfläche der Hornhaut. Mit diesem Verfahren tritt im Ver- gleich zum kompletten Hornhaut- ersatz eine sehr viel schnellere Seh- verbesserung ein. Außerdem wird in der Folge auf Grund der fehlenden Nähte eine Hornhautverkrümmung vermieden. Wochen- und monatelange Heilungsverläufe wie bei einer kom- pletten Hornhaut-Transplantation er- geben sich bei diesem Verfahren nicht mehr. Bereits nach wenigen Tagen kommt es zu einer früher nicht mög- lichen Steigerung der Sehleistung. Künstliche Hornhaut bei schwersten Krankheitsfällen Neue Wege gibt es auch bei bis- her hoffnungslosen Fällen von Horn- hauterkrankungen. Menschen, bei denen die Augen nach schwersten Verätzungen oder Verbrennungen, Geschwüren oder Infektionen erkrankt sind, hatten bisher nach vergeblichen Hornhauttransplantationen keine Chance mehr auf die Wiedererlangung ihrer Sehfähigkeit. Dies hat sich nun durch die anspruchsvolle Einpflan- zung der neu entwickelten sogenann- ten Boston-Keratoprothese geändert. Durch die Übertragung dieser künst- lichen Hornhaut (Keratoprothese) können schwerst erkrankte Augen ein verwertbares Sehen zurückgewinnen. Grauer Star: Sonderlinsen gleichen Fehlsichtigkeit aus Für viele Menschen von Interesse sind auch die aktuellen Entwicklungen bei der Operation des Grauen Stars. Durch immer weiter entwickelte Im- plantate lässt sich durch Operation des Grauen Stars nicht nur die störende Eintrübung beseitigen, sondern auch eine bestehende Fehlsichtigkeit wie Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung korrigieren. Dies geschieht mit sogenannten Son- derlinsen, welche im Augeninneren wie eine Kontaktlinse die vorhandenen Sehfehler ausgleichen können. Für den Patienten ergibt sich nach erfolgreicher Staroperation mit diesen Sonderimplantaten eine bessere Seh- leistung ohne Brillenkorrektur als bei der Verwendung von Standard-Im- plantaten. Sogar die Alterssichtigkeit lässt sich durch die entsprechende Wahl der künstlichen Linse sehr gut korrigieren. Sonderlinsen sind aller- dings für den Patienten zuzahlungs- pflichtig – auch wenn ein großer Teil der Kosten von der Krankenkasse erstattet wird. Laser- und linsenchirurgische Verfahren bei Fehlsichtigkeit Moderne Operationsmethoden sind übrigens vielfach auch von Interesse für Patienten, die gar keinen Grauen Star haben, sondern allein unter ihrer starken Fehlsichtigkeit leiden; dies ist z.B. bei hochgradiger Kurz- und Weit- sichtigkeit oder auch störender Alters- sichtigkeit der Fall. Auch für sie stehen inzwischen laser- oder linsenchirur- gische Verfahren zur Verfügung, die die vorhandene Fehlsichtigkeit komplett beseitigen können. Bahnbrechende Neuerungen in der Augenheilkunde Prof. Dr. Christian Teping, Chefarzt der Augenklinik (rechts): „In den letzten Jahren hat sich enorm viel getan – viele heute an gewandte Verfahren und Operationsmöglichkeiten waren vor zehn Jahren nicht mal vorstellbar.“ Augenklinik Telefon 0681/9 63 - 2744 INFO KLINIKINFO 8 www.klinikum-saarbruecken.de
  • D ie Schulter ist das beweglichste Kugelgelenk im menschlichen Körper. Für die Funktion des Schulter- gelenks sind nicht nur die Knochen wichtig, sondern auch Muskeln, Seh- nen und Schleimbeutel. Das Zusam- menspiel zwischen diesen und den am Gelenk beteiligten Knochen ist komplizierter als an den übrigen Ge- lenken des Körpers und in vieler Hin- sicht störanfällig. Oft langer Verlauf Fast jeder Mensch leidet irgend- wann mal in seinem Leben unter unklaren Schmerzen in den Schul- tergelenken. Diese Schmerzen treten meist ohne äußere Ursache auf, kön- nen manchmal von kleinen Bagatell- verletzungen (Prellungen, Zerrungen) eingeleitet werden und haben oft ei- nen sehr langen Verlauf, der über viele Wochen und manchmal Monate geht. Die Schmerzen können dazu führen, dass Bewegungen, die mit der Rück- nahme des Armes verbunden sind, wie z. B. beim Schließen des BHs oder beim Griff in die Gesäßtasche, sehr schmerzhaft und teilweise auch er- heblich eingeschränkt sind. Häufig kommt es auch vor, dass der Nacht- schlaf durch Schmerzen gestört wird, wenn man auf der Schulter liegt. Ursächlich für diese Probleme ist in 90 bis 95 Prozent der Fälle die durch Abnutzung bedingte Veränderung in einer Sehne, die zwischen dem Oberarmkopf und dem knöchernen Dach des Schultergelenkes verläuft. Die Sehne heißt Supraspinatusseh- ne und wird bereits sehr früh (im Al- ter zwischen und 30 und 40 Jahren) von degenerativen Veränderungen heimgesucht. Diese Veränderungen dehnen sich im Lauf der Zeit in der Sehnenstruktur aus, führen zu Verkal- kungen und später zu kleinen Rissen. Prof. Dr. Ulrich Harland, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfall- chirurgie, erklärt: „Die Risse treten in der Regel zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, werden immer größer und können bei der Gruppe der über 80jährigen so groß sein, dass sie zwei bis drei Zentimeter des gesamten Sehnenumfanges ausmachen.“ Ver- änderungen der Sehne gehören so wie viele andere Dinge zum normalen Alterungsprozess. Nicht immer schmerzhaft Dieser Prozess führt allerdings nicht zwangsläufig und in allen Fäl- len zu Schmerzen. Erst durch eine Rei- he ungünstiger Bedingungen kann es im Verlauf dieser Veränderungen zu schmerzhaften Zuständen kom- men. Es ist wichtig zu wissen, dass auch eine Schulter mit ausgeprägten Kalkeinlagerungen in der Sehne gut funktionieren kann, ebenso wie eine Schulter mit Einrissen in der Supra- spinatussehne. „Am ehesten kann man sich das Zusammenspiel der Sehnen und Muskeln am Schultergelenk wie die vielen Fäden bei der Bewegung einer Marionette erklären“, so Harland. „Ein geschickter Spieler wird es auch ver- kraften, wenn einer der Fäden geris- sen ist. Er wird durch Umlernen der Bewegung wieder geschickt mit der Marionette umgehen können. Ähn- lich ist es am Schultergelenk: Durch Krankengymnastik, Beweglichkeits- training und Muskelaufbau kann eine einmal eingetretene Störung in vielen Fällen wieder zur normalen Funktion gebracht werden.“ Bei Rissen, die relativ frisch und noch reparabel sind, besteht die Indi- kation, diese Risse zu reparieren und die Sehne zu nähen. Um hier eine richtige Indikation zu stellen, ist viel Erfahrung in der Schulterchirurgie erforderlich. Für die Diagnose dieses Krankheitsbildes ist eine fachärztli- che Untersuchung erforderlich. Ein Röntgenbild ist notwendig, um aus- zuschließen, dass entzündliche Ver- änderungen, tumoröse Erkrankungen oder arthrotische Veränderungen des Schultergelenkes hinter diesen Pro- blemen stecken. Ein Ultraschall oder eine kernspintomographische Unter- suchung geben Auskunft über den Zustand der beteiligten Weichteil- strukturen, der Sehnen und Muskeln. Manchmal auch Arthrose In den – eher seltenen - Fällen, in de- nen eine vorliegende Arthrose zu ei- ner Einengung des Raumes unterhalb des Schultereckgelenkes führt und die Supraspinatussehne dauerhaft ein- geengt wird, kann es sein, dass sich der Zustand trotz krankengymnasti- scher Behandlung nicht bessert. Auch andere anatomische Veränderungen können zu einer Einengung führen, so dass die Supraspinatussehne dauer- haft Probleme macht und der Zustand nicht ausreichend verbessert werden kann. Dann sind minimal-invasive Operationen sinnvoll, die zu einer Er- weiterung des Raumes unterhalb des Schultergelenks führen. Wenn sehr früh, z. B. durch Unfälle, Risse in der Supraspinatussehne auf- treten und diese Risse sehr groß sind, so kann als Folge am Schultergelenk eine Arthrose entstehen. Arthrosen des Schultergelenkes und sehr gro- ße Risse können zu sehr starken Be- schwerden führen, die nicht nur bei Bewegungen weh tun, sondern auch die Nachtruhe durch Schmerzen dau- erhaft stören. In diesen Fällen besteht die Indikation zur Operation. Allerdings: Wenn alte Sehnenrisse vorliegen und der Riss sehr groß ist, kann diese Sehne nicht mehr genäht werden. Für diese Fälle ist eine so ge- nannte „inverse Schulterprothese“ sinnvoll. Die Prothese heißt Invers (umgekehrt) weil sie die Anordnung der Gelenkpfanne und des Kopfes ver- tauscht. Die Schulter ist ein Gelenk, das auf eine sehr gute Muskelfunktion und ein gutes Zusammenspiel der Mus- keln angewiesen ist. Dies muss be- sonders dann berücksichtigt werden, wenn operative Maßnahmen durch- geführt werden. Prof. Dr. Harland weiß, dass hier ein Quäntchen Geduld und Ausdauer gefordert ist: „In allen Fällen, in denen Operationen durch- geführt werden, sind anschließende krankengymnastische Behandlungen erforderlich, die sich über mehrere Wochen oder Monate erstrecken.“ Wenn die Schulter schmerzt Erkrankungen an der Schulter durch Abnutzung bedingt: meistens ist die Ursache die Supra spinatussehne Die Schulter: Wenn das Zusammenspiel aus Knochen, Sehnen, Muskeln und Schleimbeuteln gestört ist, treten Beschwerden auf Prof. Dr. Ulrich Harland, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie: „Bei der Behandlung von Schultergelenkser- krankungen sind dauerhaftes Training und Geduld gefordert.“ Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie Telefon 0681/963-2896 INFO KLINIKINFO 9 www.klinikum-saarbruecken.de
  • Ein solcher Fehlbiss zeigt sich oft schon im Kindes- und Jugendalter. In der Regel wird dann versucht, die Fehlstellung mit einer kieferorthopädi- schen Behandlung (z.B. Kiefer spange) zu korrigieren. Ist die Fehlstellung aller dings so gravierend, dass an eine operative Korrektur gedacht werden muss, so wird diese in der Regel erst nach dem Abschluss des Wachstums durchgeführt, da erst dann die voll- ständige Ausprägung der Fehlstellung erreicht ist, weiß Prof. Dr. Dr. Josef Dum- bach, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichts chirurgie sowie Plastische Operationen des Klinikums Saarbrücken. Zu hoch, zu tief, zu schmal, zu breit „Es gibt mehrere Formen einer Fehlstellung“, erläutert der leitende Oberarzt Dr. Dr. Herbert Rodemer. Die Experten sprechen von drei Fehler- achsen: Fehlstellungen können ent- weder in der „Transversalen“ (der Kiefer ist zu schmal oder zu breit), der „Sagittalen“ (der Kiefer ist zu weit vorn und oder zu weit hinten) oder der Vertikalen (der Kiefer ist zu hoch oder zu tief angelegt) bestehen. Und das ist nicht nur ein ästheti- sches Problem. Eine falsche Belastung der Zähne könne zu frühzeitigem Ver- lust führen, so Dr. Dr. Herbert Rodemer. Die Fehl- und Überbelastung der Kiefergelenke verursache oft hart- näckige Schmerzen. Die Kosten für die operative Korrektur der Fehlstellung werden von den Krankenkassen über- nommen. Feinchirurgischer Eingriff Wenn eine Operation erforderlich wird, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der Kieferorthopädie und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschir- urgie wichtig. Mit einer kieferortho- pädischen Vorbehandlung werden mit Hilfe herausnehmbarer oder fest- sitzender Spangen zunächst Fehlstel- lungen einzelner Zähne behandelt und die Zähne in eine optimale Posi- tion für die Operation gebracht. Die im Anschluss durchgeführte Fehlstel- lungs-Chirurgie korrigiert mittels seit vielen Jahren erprobter und bewähr- ter OP-Techniken Fehlbisse, indem der Kiefer in jene Position gebracht wird, in der er sich befinden sollte, um spä- ter bestmöglich zubeißen zu können. Hierzu ist eine exakte Planung und Simulation an speziell angefertigten Gipsmodellen und Röntgenbildern erforderlich. Diese Eingriffe erfolgen durch die Mundhöhle ohne die früher üblichen aufwändigen Verdrahtungen. Sichtba- re äußere Hautschnitte sind nicht nötig. Es sind feinchirurgische Eingriffe mit höchster Präzision, die viel Erfahrung des Operateurs erfordern. Diese ge- hören aber heutzutage zur Routine in der modernen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Dr. Dr. Rodemer hat schon zahlreiche solcher Operationen mit Erfolg durchgeführt. Die Eingriffe, die unter Vollnarkose durchgeführt werden, dauern in der Regel zwei bis drei Stunden, der stationäre Aufent- halt in der Klinik vier bis fünf Tage. Hilfe bei Zahnengstellungen Wenn der Kiefer so schmal ist, dass nicht alle Zähne genügend Platz in der Zahnreihe haben, gibt es heute eine Lösung, bei der der Chirurg den Kie- ferorthopäden unterstützten kann: Mittels Distraktionsosteogenese – vergleichbar mit einem Expander – lässt sich heute der Kieferknochen in die Breite dehnen. Dabei wachsen Muskeln, Nerven und Gefäße mit. Den gewonnenen Platz nutzen die Kieferorthopäden aus, um Zähne, die man vorher vielleicht hätte entfernen müssen, perfekt in die Zahnreihe ein- zuordnen. Zähne müssen dann nicht mehr gezogen werden, um Zahneng- stände in den Griff zu bekommen. Die Mund-, Kiefer-, Gesichtschirur- gie macht’s möglich, dass man auch bei Fehlstellungen „wieder kräftig zubeißen kann …“. D ie Unfall-, Hand- und Wiederher-stellungschirurgie des Klinikums Saarbrücken ist seit Jahren als „Hand- chirurgisches Zentrum“ von den Be- rufsgenossenschaften anerkannt. Seit der Übernahme der fachlichen Verant- wortung durch Chefarzt PD Dr. Christof Meyer besteht wieder die volle Weiter- bildungsbefugnis der Ärztekammer, was die Ausnahmestellung in diesem Spezialgebiet unterstreicht. So hat Oberarzt Christian Müller (46) die Wei- terbildung zum Handchirurgen bei der Ärztekammer des Saarlandes bestan- den und darf offiziell diese begehrte Zusatzbezeichnung führen. Er ist seit 1993 als Arzt im Klinikum Saarbrücken tätig, im Jahr 2000 machte er seinen Facharzt als Unfallchirurg, seit 2007 ist er Oberarzt im Zentrum für Orthopä- die und Unfallchirurgie. Er beherrscht spezielle Operationsmethoden ein- schließlich mikrochirurgischer Techni- ken, die es gerade in der Handchirurgie braucht. In diesem Rahmen ist er auch Ausbilder und Referent bei einem der etabliertesten Handchirurgischen Operationskurse in Deutschland am Universitätsklinikum in Gießen. Und nicht nur das: Die Hand- chirurgen des Klinikums Saarbrücken und der Klinik für Handchirurgie Bad Neustadt haben zusammen mit einer Tuttlinger Firma ein neues Implanta- tesystem entwickelt – speziell für die Behandlung von Fingerbrüchen. „Zum Wohle unserer Patienten sind viele un- serer handchirurgischen Erfahrungen eingeflossen und technisch umge- setzt worden“, freut sich Chefarzt PD Dr. Meyer. Hilfe bei Kieferfehlstellungen Enge Zusammenarbeit von Zahnarzt, Kieferorthopäde und Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg nötig Chefarzt Prof. Dr. Dr. Josef Dumbach und Oberarzt Dr. Dr. Herbert Rodemer betonen die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Zahnärzten und Kieferorthopäden bei der Behandlung von Kieferfehlstellungen Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und Plastische Operationen Telefon 0681/9 63 - 23 31 Unfall-, Hand- und Wieder herstellungschirurgie Telefon 06 81/9 63 - 24 81 INFO INFO Unter Kieferfehlstellungen – medizinisch Dysgnathien genannt – leiden Millio- nen Bundesbürger. Schon das Abbeißen eines Stück Brots kann Probleme machen, wenn die Zähne von Ober- und Unterkiefer nicht richtig aufeinander passen. KLINIKINFO 10 Unfallchirurgie bildet Handchirurgen aus Chefarzt PD Dr. Christof Meyer führt das von den Berufsgenossenschaften anerkann- te Handchirurgische Zentrum. Er ist in der Facharzt-Weiterbildung aktiv und ist an der Entwicklung besserer Implantate beteiligt. Oberarzt Christian Müller hat die Weiter- bildung zum Handchirurgen erfolgreich absolviert www.klinikum-saarbruecken.de
  • U rsache ist ein entwicklungs-bedingt verkürzter Harn leiter, wodurch die Harnblase nicht aus- reichend abgedichtet werden kann. Etwa 60 Prozent der Kinder kommen mit einem Reflux auf die Welt, bei den unter 5-jährigen besteht die Störung nur noch bei fünf Prozent. Nur bei ca. einem Prozent der Kinder ist eine operative Behandlung erforderlich. Unerkannt und unbehandelt kann es zu dauerhaften Schädigungen der Niere kommen. Um solche schwer- wiegenden Spätfolgen zu verhindern, sollte eine Refluxerkrankung so früh wie möglich abgeklärt werden. Fieber- hafte Harnwegsinfekte bei Kindern können ein Hinweis sein: 30 bis 40 Pro- zent der Kinder mit Harnwegsinfekten haben einen vesikoureteralen Reflux. Leider wird die Erkrankung oftmals zu spät diagnostiziert. So weisen 20 bis 30 Prozent der Kinder bei der Diagnosestel- lung schon Narben in den Nieren auf. In der Kinderurologie des Klinikums Saarbrücken werden Kinder mit dieser Entwicklungsstörung endoskopisch, das heißt mit der so genannten Schlüs- sellochtechnik, behandelt. Die Urologen im Klinikum arbeiten seit einiger Zeit mit einer neuen Behandlungsmethode, der minimalinvasiven Harnleiterunter- spritzung – eine neue Behandlungs- methode, die aus Schweden kommt und saarlandweit einmalig ist. Schonende Schlüssellochtechnik Bisher behandelte man die betrof- fenen Kinder meist ausschließlich mit Antibiotika gegen die Harnwegs- infekte. Da es sich um eine Entwick- lungsstörung handelt, bildete sich die Refluxerkrankung dann in den meisten Fällen mit der Zeit von alleine zurück. Doch die Antibiotika-Therapie birgt auf Dauer angewendet Risiken und wird von führenden Medizinern mit Skepsis betrachtet. So bemerkt Prof. Dr. Jens Möller, Chefarzt der Kinder klinik: „Bis heute liegen keine Studien über die Folgen einer Langzeitbehandlung mit Antibiotika im Kleinkindalter vor“. Wenn sich die Störung nicht von al- leine zurückbildet, musste bisher ope- riert werden. Dabei wurde der Harnlei- ter neu in die Blase eingepflanzt, um den Reflux in die Niere zu verhindern: Eine offene chirurgische Rekonstruk- tion mit einem operativen Eingriff in Vollnarkose, einem etwa 10-tägigen Aufenthalt in der Klinik war erforder- lich. Der Urologe und Oberarzt Dr. Markus Pflips erklärt die neue minimal-invasi- ve Methode so: „Bei der Refluxunter- spritzung wird ein Gel eingespritzt.“ Dr. Stephan Meessen, Chefarzt der Klinik für Urologie, urologische Onko- logie und Kinderurologie, erklärt: „Für den kleinen Patienten ist die mini- malinvasive Harnleiterunterspritzung weitaus schonender als ein offener chirurgischer Eingriff mit Skalpell. Und die Erfolgsrate der neuen OP-Methode ist beachtlich: In den meisten Fällen wird der Reflux in dem Augenblick, in dem die Harnleitermündung unter- spritzt wird, sofort gestoppt.“ Kinderurologische Konferenz Im Klinikum Saarbrücken arbeiten die Urologen und die Kinderärzte eng zusammen. Die Ärzte beider Kliniken treffen sich regelmäßig zur „kinderurolo gischen Konferenz“. Hier besprechen sie alle aktuellen Fälle: Wie sind die Symptome? Welche diagnos- tischen und therapeutischen Maß- nahmen können ergriffen werden, um dem Kind wirksam zu helfen? Die Urologen bieten mit ihrem speziellen Wissen und ihrer OP-Erfahrung eine optimale Ergänzung zur Erfahrung der Kinderärzte. Dr. Stephan Meessen weiß: „Wir Urologen bringen nicht nur unser Fachwissen ein, sondern auch unsere Technik. Und zwar sowohl im Falle einer Operation als auch bei der Untersuchung. So verfügen wir zum Beispiel über einen urodynamischen Blasenmessplatz zur Diagnose von Entleerungsstörungen der Blase.“ Neue erfolgreiche Therapie der Harnreflux- erkrankung bei Kindern Beachtliche Erfolge in der Kinderurologie mit schonender Refluxunterspritzung KLINIKINFO 11 Sie kümmern sich gemeinsam um kinder- urologische Fragestellungen – von links: Dr. Barbara Franz (betreut im Radiologi- schen Institut die Kinderradiologie), Prof. Dr. Jens Möller, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, stehend: Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Radiologi- schen Instituts, Claas Bartram, Assistenzarzt der Urologie, Dr. Stephan Meessen, Chefarzt der Urologie, Dr. Markus Pflips, Oberarzt der Urologie und Dr. Donald Wurm, Oberarzt der Kinderklinik. Die Refluxerkrankung (medizinisch: „vesikoureteraler Reflux“) ist eine relativ häufig auftretende Entwick- lungsstörung bei Kindern. Der natür- liche Mechanismus, der den Rückfluss des Harns in die Niere verhindert, ist gestört, sodass Urin aus der Blase zu- rück in den Harnleiter oder die Niere gelangen kann. Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Donald Wurm und Dr. Guido Holbeck Telefon 0681/963-2161 oder Urologie (Bereich Kinderurologie) Dr. Markus Pflips und Dr. Claas Bartram Telefon 0681/963-2568 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • Jeden Tag erleiden allein im Saar-land etwa 13 Menschen einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ge- hört inzwischen in Deutschland mit zu den häufigsten Ursachen für Tod oder bleibende Behinderung mit Pflege bedürftigkeit. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Fettstoffwechsel- störungen, Zuckerkrankheit, Rauchen und Herzrhythmusstörungen. Die Ursache ist eine plötzliche Durchblu- tungsstörung im Gehirn durch Ver- engungen, Verstopfungen oder eine Gehirnblutung durch einen Riss oder Platzen der Gehirngefäße. Wenn das Gehirn nicht mehr richtig durchblutet wird, die Sauerstoffzufuhr blockiert ist, kommt es zu einem Schlaganfall. Die Symptome sind vielfältig Je nach betroffenem Hirngefäß können Lähmungen von Gesicht, Arm oder Bein, Sprachstörungen, Seh störungen, Doppelbilder, Schluck- störungen, Verwirrtheit oder gar Bewusstlosigkeit auftreten. Alle diese Symptome haben aber eines gemein- sam: Sie entstehen plötzlich, von einer Sekunde auf die andere. Und dann ist Eile geboten. Denn durch den Sauer- stoffmangel sterben pro Minute etwa zwei Millionen Gehirnzellen. Ist der Schlaganfall durch eine Ge- fäßverstopfung verursacht, so wird man das im Gefäß „verklumpte“ Blut mit einem Medikament versuchen wieder aufzulösen (Lyse). „Die Lyse ist jedoch nur erlaubt, wenn sich vorher eine Blutung als Ursache des Schlag- anfalls ausschließen lässt”, erläutert Prof. Dr. Karl-Heinz Grotemeyer, Chef- arzt der Neurologie des Klinikums Saarbrücken. Dafür ist eine Computer- tomographie vor der Medikation erforderlich. Aber: Die Therapie mit Gerinnungs- hemmer oder Blutverdünnungsmittel kann nur bis zu viereinhalb Stunden nach Beginn eines akuten Schlagan- falles eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Erfolgsquote der Lyse therapie in manchen Fällen gering ist – wenn zum Beispiel die großen Gehirnarterien mit einem Blutgerinnsel verstopft sind, so der Neurologe Prof. Dr. Grotemeyer: „Wenn es nicht gelingt, das Blut- gerinnsel medikamentös aufzulösen, weil es zu groß ist, gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, das Blutgerinnsel direkt, also mechanisch, aus dem Gehirn zu entfernen.“ Sechs Stunden Zeit „Das Zauberwort heißt Thrombek- tomie “, erklärt Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Instituts für Radio- logie. Dieses Verfahren nutzt kleinste Katheter mit einem Durchmesser von weniger als 0,9 Millimetern. Von den Patienten, die einen Schlaganfall auf- grund einer verschlossenen großen Hirnarterie haben, können so etwa 90 Prozent erfolgreich behandelt wer- den. Und es hat noch einen weiteren Vorteil: Das Zeitfenster für die Behand- lung ist länger offen. Dieses Verfahren kann noch nach sechs Stunden erfolg- reich angewendet werden. Nach dem Eingriff sind die betroffenen Patienten im wahrsten Sinne des Wortes „mit dem Schrecken davon gekommen“, denn sie sind oft schnell wieder relativ beschwerdefrei. „Selbst große Gerinnsel mit voll- ständigem Verschluss auch größerer Hirnarterien können mit Hilfe dieser Mikrokathetertechnik entfernt wer- den“, so der Neuroradiologe. Im Klini- kum Saarbrücken konnten in den letz- ten Monaten schon 30 Patientinnen und Patienten mit diesem Verfahren erfolgreich behandelt werden. Bisher wird dieses Verfahren, auch wenn es seit einiger Zeit offiziell zu- gelassen ist, nur in wenigen Kliniken in Deutschland angeboten. Bei aller Euphorie – im Magazin „Spiegel“ wur- de schon von einer „neuen Ära in der Therapie des Schlaganfalls“ gespro- chen – muss dennoch ermahnt wer- den, bei den beschriebenen Sympto- men schnell in die Klinik zu kommen. Denn für die meisten Schlaganfälle (85 bis 90 Prozent) gilt weiterhin das Zeitfenster von viereinhalb Stunden. „Time is brain – Zeit ist Hirn“. Je früher der Patient nach Beginn der Symptome ins Krankenhaus kommt, umso größer ist die Aussicht auf eine Wiedereröff- nung der Gefäße. Ziel ist es, möglichst optimale Be dingungen für die Hirn- durchblutung zu schaffen und dem Patienten das höchstmögliche Maß an Lebens qualität zurückzugeben. Schnelle Hilfe bei Schlaganfall Thrombektomie ist ein neuartiges Verfahren, um Blutgerinnsel im Gehirn zu entfernen Institut für Radiologie Telefon 0681/963-2351 Klinik für Neurologie Telefon 0681/963-2451 INFO „Stroke Unit“ – Schlaganfalleinheit Seit 1996 verfügt die Neurologie des Klinikums Saarbrücken über eine Schlag anfall-Spezialstation (Stroke Unit) mit derzeit zehn Betten zur inten siven Schlag- anfallbehandlung. Auf der Stroke Unit werden die Patienten rund um die Uhr durch ein spezialisier- tes multi disziplinäres Team be- treut– bestehend aus Ärzten, Pfle- gepersonal, Physiotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeitern. Die Station ist nach den Kriterien der Deutschen Schlaganfall- Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe als Überregionale Stroke Unit zertifi- ziert. Überregionale Stroke Units bezeichnen die höchste technische, medizinische und pflegerische Stufe im bundesweiten Schlag- anfall-Versorgungskonzept. INFO Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt der Radiologie des Klinikums Saarbrücken: „Bei Gefäßverschlüssen in den großen Hirnarterien können wir jetzt mit dem Mikrokatheter das Blutgerinnsel entfernen.“ Prof. Dr. Karl-Heinz Grotemeyer, Chefarzt der Neurologie, eröffnete 1996 die erste Stroke Unit im Saarland. „Je früher ein Schlaganfallpatient in die Klinik kommt, desto besser können wir ihm helfen.“ KLINIKINFO 12 Die Radiologen Chefarzt Prof. Dr. Elmar Spüntrup und Oberärztin Dr. Marisa Ziegler entfernen mit kleinsten Kathetern Blutgerinnsel im Gehirn. Auf den Monitoren können sie ihr Arbeitsfeld kontrollieren. www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 13 Immer öfter werden „große Schnitte“ vermieden Die Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie verfügt als einzige im Saarland über das Gütesiegel „Kompetenzzentrum für minimal-invasive Chirurgie“ Die Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie des Klini- kums Saarbrücken wurde 2010 als erste und bisher einzige Abteilung im Saarland als Kompetenzzentrum für minimal-invasive Chirurgie zer- tifiziert. Sie bekam das Zertifikat von der Deutschen Gesellschaft für Allge- mein- und Viszeralchirurgie, die bei Krankheitsbildern, die minimal-in- vasiv behandelt werden können, die Qualitätsstandards festlegt. Erfüllt eine chirurgische Abteilung diese Anforderungen, die auf wissen- schaftlichen Vorgaben und klinischer Erfahrung beruhen, ist sichergestellt, dass die Abteilung bei der Schlüssel- lochchirurgie auf einem außerge- wöhnlich hohen Niveau arbeitet. Ein erfahrener Chirurg schaute bei der Zertifizierung den Saarbrückern bei der Arbeit „auf die Finger“ und bewer- tete die Eingriffe. Damit ist das Gütesiegel für die Pa- tienten ein wichtiges Kriterium zur Bewertung einer Klinik. Die minimal- invasive Chirurgie, auch Schlüssel- loch-Chirurgie genannt, ist der Über- begriff für eine Operationstechnik, bei der Eingriffe mit speziellen Ins- trumenten vorgenommen werden. Bei dieser schonenden Technik, die im Klinikum Saarbrücken in mehreren Abteilungen bereits seit den 1980er Jahren praktiziert wird, werden große „Schnitte“ vermieden. Manchmal sind nur zwei Millimeter lange Schnitte nötig, durch die das Operationsbe- steck und die winzige Kamera in den Körper geführt werden. Eine minimal- invasive Operation ist für den Pati- enten sehr schonend. Die Genesung setzt schneller ein. Lange Kranken- hausaufenthalte können vermieden werden. Längst gilt nicht mehr die alte Chirurgenweisheit: „Große Chi- rurgen, große Schnitte“. So werden im Klinikum Saarbrü- cken die meisten Gallenblasen-, Blind- darm,- Leistenbruch-, Lungen- und Dickdarmoperationen mittels dieser modernen Schlüssellochchirurgie durchgeführt, teilweise mit nur noch einem im Bauchnabel versteckten Schnitt. Aber auch in den anderen operativen Abteilungen des Klini- kums bestehen schon seit langem Erfahrungen mit der Schlüsselloch- chirurgie. Minimal-invasive Operati- onstechniken gibt es im Bereich der Augenklinik, der Frauenklinik, der Ge- fäßchirurgie, die Kinderchirurgie, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, der Neurochirurgie, der Orthopädie und Unfallchirurgie und der Urologie. Viele minimal-invasive Eingriffe wer- den auch unter Röntgenkontrolle in Zusammenarbeit mit den Radiologen vorgenommen – zum Beispiel beim Herzkatheter und bei Eingriffen an Gefäßen, auch an Hirngefäßen. Plötzliche extrem starke Kopfschmer-zen, Übelkeit und Erbrechen, Gleich- gewichtsverlust, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen, Seh- oder Sprachstörungen – bei diesen Symp- tomen sollte umgehend der Notdienst gerufen werden. Denn sie weisen auf ein akutes Ereignis im Kopfbereich hin, das schnell diagnostiziert und behan- delt werden muss. Egal, ob es sich um einen Schlaganfall oder eine Blutung im Kopf handelt – in jedem Fall ist Eile geboten, denn beides ist ein lebensbe- drohlicher Notfall. Und: Je früher das Problem erkannt wird, umso besser sind die Chancen, ohne bleibende Ein- schränkungen der Lebensqualität zu gesunden. Das Gehirn und die es umgebenden Hirnhäute liegen auf engstem Raum und sind von der starren Schädelde- cke umgeben. Treten Schädigungen an den Gefäßen auf, die zu Blutungen führen, so ist hiervon entweder das Gehirn selbst oder der innere oder äußere Nervenwasserraum betroffen. Die Blutung übt Druck auf das Nach- bargewebe aus, da das Blut nirgend- wo abfließen kann – die Folge sind die oben beschriebenen Symptome. Daher muss schnellstens für Entlastung des Hirndrucks gesorgt werden. Es gibt viele Ursachen für Gehirnblutungen Die Chefärztin der Neurochirurgie, Prof. Dr. Cornelia Cedzich, erklärt: „Die häufigste Ursache für Hirnblutungen stellt ein ungenügend eingestellter oder unbekannter Bluthochdruck dar. Aber es gibt auch andere Ursachen für Hirnblutungen, zum Beispiel Hirntu- more oder Gefäßanomalien wie z.B. Aneurysmen. Einem Aneurysma liegt eine meist angeborene Schwäche der Gefäßwand zugrunde, die im Lauf der Zeit zu einer Gefäßaussackung führt. Oft wird ein Aneurysma erst erkannt, wenn die Gefäßwand reißt – eine Hirnblutung ist die Folge. Häufig führt ein Aneurys- ma zu einer Blutung in den mit Hirn- wasser gefüllten Bereich zwischen Gehirnhäuten und Hirn. Man spricht hier von einer „Subarachnoidalblu- tung“. Ein plötzlicher, extrem starker Kopfschmerz ist ein Hinweis auf solch eine Blutung. „Die aneurysmatische Blutung stellt einen absoluten Notfall dar“, so die Neurochirurgin Prof. Dr. Cedzich. Bei Blutungen im Kopf kann schnel- les gemeinsames Handeln - von der Diagnose bis hin zur Therapie - Leben retten. Vor allem die Neuroradiologen sind hier zusammen mit den Neuro- chirurgen gefordert und je nach Fra- gestellung auch die Neurologen. Prof. Dr. Cedzich: „Solche Krankheitsbilder können nur in modern ausgestatteten Zentren, die rund um die Uhr über alle diese Abteilungen und Diagnosemög- lichkeiten verfügen, optimal betreut werden. Im Klinikum Saarbrücken ste- hen dafür erfahrene Spezialisten an jedem Tag rund um die Uhr zur Verfü- gung.“ Von der Aufnahme im Krankenhaus bis zur endgültigen Versorgung muss alles schnell und reibungslos Hand in Hand laufen. Von der Einlieferung bis zur Behandlung dauert es im Klinikum Saarbrücken in der Regel 30 Minuten. Die Wege sind kurz, die Abläufe und die Teams aufeinander eingespielt. „Nur so kann eine exzellente Versor- gung unserer Patienten stattfinden“, erklärt die Neurochirurgin Prof. Dr. Cornelia Cedzich. Wird eine Hirnblutung in der Com- putertomographie festgestellt, wird im Anschluss umgehend eine direkte Gefäßdarstellung durchgeführt. Noch während dieser Untersuchung ent- scheidet der Neurochirurg gemeinsam mit dem Neuroradiologen, wie es mit dem Patienten weiter geht. Erfolgreiche Behandlungsmethoden Je nach Lage und Ausdehnung der Hirnblutung wird entschieden, ob konservativ oder operativ behandelt wird. Bei der konservativen (medika- mentösen) Therapie ist das Ziel, eine Gerinnungsstörung zu beheben und damit die Blutungsausdehnung und ein Ansteigen des Hirndrucks zu stop- pen. Liegt ein Aneurysma vor, so muss es möglichst rasch ausgeschaltet wer- den. Hierfür gibt es zwei erfolgreiche Therapieverfahren: Beim so genann- ten „Clippen“ wird ein Clip aus Titan auf das Aneurysma gesetzt und es so ausgeschaltet. Beim sogenannten „Coilen“ werden kleine Platinspiralen in das Aneurysma eingebracht und da- durch verschlossen. Unabhängig davon, welche Ursache eine Blutung im Kopf hat und welche Therapie erforderlich ist: Im Klinikum Saarbrücken sind alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten vorhanden. Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie Telefon 06 81/9 63 - 24 41 INFO Neurochirurgie Telefon 0681/963-2941 INFO Spontane Blutungen im Kopfbereich – der absolute Notfall Bei Blutungen im Kopf arbeiten Neurochirurgen, Neurologen und Neuro- radiologen im Team „Die häufigste Ursache für Hirnblutungen stellt ein ungenügend eingestellter oder unbekannter Bluthochdruck dar“, weiß die Chefärztin der Neurochirurgie, Prof. Dr. Cornelia Cedzich www.klinikum-saarbruecken.de
  • Im Rahmen eines katholischen Got-tesdienstes in der Kapelle des Klini- kums Saarbrücken wurde Ende Sep- tember der Organist Helmut Speicher verabschiedet. Der 89-Jährige gebürti- ge Friedrichsthaler hatte die vergange- nen zehn Jahre die Tasten der Orgel in der Kapelle des Klinikums Saarbrücken bedient. Fast jeden Samstag und Sonn- tag - manchmal auch an zusätzlichen besonderen Gottesdiensten - erfreute er die katholische Gemeinde auf dem Winterberg mit seinen Orgelklängen. Die Liebe zur Musik kennt keine Alters- grenze, aber, so Helmut Speicher: „Die Konzentration lässt nach“. So muss sich die Klinikgemeinde jetzt eine neue Lösung überlegen. Der Pastoralreferent Werner Knapp ist überzeugt: „Helmut Speicher hinter- lässt bei uns eine große Lücke.“ Helmut Speicher war sein Leben lang sowohl mit der Musik als auch mit der katholischen Kirche eng verbunden. Er stammt aus einer katholischen Fa- milie - sein Onkel war Oberer bei den Franziskanern. An der Musikhochschu- le des Saarlandes legte Speicher sein staatlich anerkanntes Musiklehrerexa- men ab. Später ließ er das kirchenmu- sikalische Organistenexamen und die „Missio“ in Trier folgen. Lange Zeit war er Organist und Chorleiter in der ka- tholischen Kirchengemeinde St. Josef (Burbach). Später unterrichtete er zwei Jahre lang am Willy-Graf-Gymnasium und zwölf Jahre am Gymnasium am Schloss Musik. In dieser Zeit kompo- nierte er Messen, die er zusammen mit seinem Chor in Saarlouis-Fraulautern uraufführte. „Die Uraufführung wurde sogar im Radio übertragen“, erinnert er sich. „In Fraulautern hatte ich mei- nen besten Chor“, erzählt er strahlend. „Damals hatten wir viele Konzerte.“ Nach dieser Zeit zog es ihn wieder zu- rück in die St.-Josefs-Gemeinde, wo er bis zu seinem Ruhestand als Organist arbeitete. Der Ruhestand war und ist bei Hel- mut Speicher bis heute eher ein Unru- hestand: Er gab Unterricht für Privat- schüler im Orgel- und Klavierspiel und er half in mehreren Gemeinden aus, wenn es am Organisten fehlte, spiel- te auch viel bei Trauerfeiern. Als vor zehn Jahren das Telefon klingelte und er gefragt wurde, ob er die Orgel in der Kapelle des Klinikums spielen wol- le, war Helmut Speicher fast 80, aber durch seine Leidenschaft zur Musik immer noch aktiv. Seine Antwort war damals: „Ich schaue mir mal die Orgel an, bevor ich ja sage.“ Und dann sagte er zu – und spielte bis heute nicht nur auf dem Winterberg, sondern zeitwei- se auch auf dem Sonnenberg. Danach befragt, was ihm die Musik bedeute, sagt er ganz einfach: „Musik ist mein Leben“. Und das wird auch so bleiben. E lfriede Schäfer, 82 Jahre alt, ist seit der Gründung dabei. Seit 33 Jah- ren kommt sie regelmäßig dienstags, zeitweise war sie sogar zweimal wö- chentlich für die Patientinnen und Pa- tienten im fünften Stock da. „Ich war damals Ende 40. Meine Söhne waren fast erwachsen. Da habe ich in der Zei- tung gelesen, dass Frauen – eben Grü- ne Damen – für einen Besuchsdienst im Krankenhaus gesucht werden. Und dieses Ehrenamt hat mich interes- siert“, erinnert sich die agile Seniorin. Kranke Menschen zu unterstützen, das konnte sie sich gut vorstellen. Damals haben die Grünen Damen die Patienten zu Therapien begleitet, zum Beispiel in die Strahlentherapie oder in die Physikalische Therapie, erledigten viele Besorgungen für die Patienten. Die Patienten blieben oft mehrere Wochen im Krankenhaus. Heute haben sich die Aufgaben ge- ändert. „Wir führen mehr Gespräche, geben mehr Zuwendung“, sagt El- friede Schäfer. Und Pflegedirektorin Sonja Hilzensauer ergänzt: „Die Grü- nen Damen und Herren machen das Krankenhaus menschlicher.“ Dabei ist die Begegnung mit Hilfs- bedürftigen keineswegs eine eindi- mensionale Angelegenheit. Auch die Grünen Damen und Herren werden durch ihr Ehrenamt „beschenkt“: durch Dankbarkeit der Patienten und Ange- hörigen, durch Fortbildungen und Möglichkeiten der Qualifizierung - und nicht zuletzt durch das Gefühl, ihre Zeit in eine sinnvolle und eigenver- antwortliche Tätigkeit zu investieren. Elfriede Schäfer denkt noch nicht ans Aufhören. „So lange es die Gesundheit erlaubt, will ich weiter für die Patien- ten da sein“, spricht’s und dreht sich um und geht leichtfüßig die Treppe hoch … Musik ist sein Leben Organist Helmut Speicher hört mit 89 Jahren auf / Spielte zehn Jahre die Orgel in der Kapelle des Klinikums Saarbrücken Sie schenkt Zeit und Zuwendung Elfriede Schäfer ist seit 33 Jahren bei den Grünen Damen des Klinikums KLINIKINFO 14 Kurz vor dem 90. Geburtstag nimmt der Organist Helmut Speicher Abschied vom Ehrenamt auf dem Winterberg Mit ihrem hellgrünen Kittel oder Poloshirt sind die 36 ehrenamtlichen Helferin- nen und Helfer im Klinikum Saarbrücken gleich zu identifizieren. Die Grünen Damen und Herren sind montags bis samstags zwischen 9 und 12 Uhr im Ein- satz – und sind längst eine Institution auf dem Winterberg. Sie sind eine Einrich- tung der ökumenischen Krankenhaushilfe und werden von den evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorgern begleitet. Elfriede Schäfer, 82 Jahre alt, ist seit der Gründung dabei. www.klinikum-saarbruecken.de Grüne Damen und Herren Mo - Sa, 9 - 12 Uhr Telefon 06 81/9 63 - 27 37 INFO
  • Pflegestudie im Klinikum Der Erfolg verschiedener Lagerungstechniken bei schwer kranken Patienten wurde gemessen Zum wiederholten Mal nimmt das Klinikum Saarbrücken an ei- ner Pflegestudie teil. Bei der jetzigen Studie geht es um die Lagerung von schwer kranken Menschen in den Fachbereichen der Neurologie, Geri- atrie, Palliativ- und Intensivmedizin. Menschen, die nicht nur bettlägerig sind, sondern sich auch im Bett nicht mehr selbständig bewegen können. Pflegedirektorin Sonja Hilzensauer weiß aus Erfahrung: „Patienten, die so stark betroffen sind, müssen von den Pflegekräften regelmäßig bewegt wer- den, damit sie keine Druckgeschwüre entwickeln und damit ihre Mobilität erhalten bleibt.“ Hintergrund der Studie ist das von der Physiotherapeutin Heidrun Pickenbrock entwickelte Konzept „Lagerung in Neu- tralstellung“. Sie hatte festgestellt, dass Patienten weniger steif werden, wenn zum Beispiel Kopf, Oberkörper oder Beine mit Steppdecken oder Kissen so stabilisiert werden, dass sich die Unter- lage dem Körper anpasst. So wird in den aktiven Phasen die Eigenbewegung des Patienten gefördert. In den Ruhephasen kann er leichter entspannen. Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck besserten sich Patienten, die so gelagert wurden, la- gen bequemer, kamen besser zur Ruhe, entwickelten weniger Druckgeschwü- re, blieben beweglicher, und nicht nur das: Die Lagerungstechnik hatte tat- sächlich einen günstigen Einfluss auf die Vitalparameter wie Herzfrequenz, Atmung, Blutdruck und Schwitzen. Heidrun Pickenbrock ließ ihre Idee pa- tentieren und gründete den gemein- nützigen Verein LiN®-Arge e. V. zur Ver- breitung des Konzeptes. Um die Wirksamkeit des Konzeptes wissenschaftlich zu untermauern, führt der Verein nun eine bundesweite Studie mit 200 Patienten mit zentral- neurologischen Erkrankungen durch. Dabei soll untersucht werden, ob die Lagerungsart Einfluss auf die Beweg- lichkeit, Vitalparameter und Bequem- lichkeit der Patienten hat. Auch das Kli- nikum Saarbrücken hat unter Leitung von Krankenschwester Anne-Kathrin Brach-Hame von Station 94 mit fünf Patienten an dieser Studie teilgenom- men. Die Patienten wurden für zwei Stun- den gelagert – zwei konventionell, drei in Neutralstellung. Vorher und nach- her wurden Puls, Blutdruck, Atemfre- quenz und Beweglichkeit von Beinen und Schulter gemessen. Das Ergebnis: Die Vitalfunktionen aller Teilnehmer unterschieden sich nicht – ob sie nun konventionell oder in LiN®-Stellung gelagert waren. Aber: Diejenigen Pa- tienten, die in LiN®-Stellung waren, hatten danach eine deutlich bessere Beweglichkeit - sogar zwischen 20 und 30 Grad. Diese Ergebnisse überzeugten An- ne-Kathrin Brach-Hame. Sie lässt sich im Moment zur LiN®-Trainerin weiter qualifizieren. „Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungen gerne an an- dere Pflegekräfte weitergeben.“ Daher bietet sie im Rahmen der Fort- und Weiterbildung des Klinikums regelmä- ßig Kurse in Sachen Lagern in Neutral- stellung an. Anne-Kathrin Brach-Hame, Krankenschwester von Station 94, ist überzeugt von der Lagerungs- technik und gibt ihre Erfahrungen an andere Gesundheits- und Krankenpflegekräfte weiter. Anne-Kathrin Brach-Hame E-Mail: [email protected] INFO Sie sind hoch qualifiziert und auf dem Arbeitsmarkt sehr gesucht. Im OP bereiten sie Patienten auf die Narkose vor, assistieren unter ärztli- cher Aufsicht bei Narkosen, pflegen auf der Intensivstation schwer kranke Menschen, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall oder nach großen operativen Eingriffen oder schwersten Unfällen. Kurz: Sie haben umfassende Kenntnisse in der Intensivpflege und versorgen ihre Pa- tienten auf höchstem fachlichen pfle- gerischen Niveau. Erfolgreiche Inten- sivmedizin geht nicht mehr ohne eine angemessene Zahl an Fachpflegern. Im Klinikum Saarbrücken werden die Schwestern und Pfleger der saar- ländischen Krankenhäuser zu Fach- pfleger/innen für Intensivpflege und Anästhesie weitergebildet. Dies ge- schieht unter der Leitung von Georg Lindemann, Stationsleiter der opera- tiven interdisziplinären Intensivsta- tion des Klinikums Saarbrücken, der seit 30 Jahren auf der Intensivstation arbeitet. Die Fachweiterbildung dau- ert zwei Jahre und wird in der Regel berufsbegleitend durchgeführt. Die Weiterbildung umfasst 720 Stun- den theoretischen und praktischen Unterricht sowie berufspraktische Anteile. Die Anforderungen sind hoch: „Die zweijährige Weiterbildung und einige Jahre Berufserfahrung sind gute Vo- raussetzungen, um auf einer Inten- sivstation kompetent und qualifiziert schwerkranke Menschen pflegen zu können“, meint Georg Lindemann. Denn „die Intensivpflege ist ein stark spezialisierter Bereich, die ein hohes Maß an fachlicher und menschlicher Kompetenz erfordert.“ Der Anteil dieser Fachpfleger/in- nen ist auf den Intensivstationen des Klinikums Saarbrücken überdurch- schnittlich hoch. Daran hat die von Georg Lindemann geleitete Ausbil- dung großen Anteil. Intensivpflege braucht hochqualifiziertes Personal Klinikum Saarbrücken bietet Weiterbildung für Intensiv- und Anästhesiekrankenpflege an Georg Lindemann Leiter der Weiterbildung Telefon 0681/963-2783 INFO KLINIKINFO 15 Georg Lindemann ist Stationsleiter der Intensivstation 43 www.klinikum-saarbruecken.de
  • Zentren: Zentrale Notaufnahme (06 81) 9 63 - 19 19 Untersuchungs- und Behandlungszentrum (06 81) 9 63 - 25 25 Schmerztherapie (06 81) 9 63 - 25 25 Brustzentrum (06 81) 9 63 - 22 31 Brustkrebs-Hotline: (0681) 96 3 - 33 333 Onkologisches Zentrum Saarbrücken (0681) 9 63 - 28 36 Perinatalzentrum Level 1 (06 81) 9 63 - 22 31 oder - 21 61 Prostatazentrum (06 81) 9 63 - 27 57 Zertifiziertes Gefäßzentrum (06 81) 9 63 - 29 21 Zentrum für Handchirurgie (06 81) 9 63 - 24 81 Zertifizierte Brustschmerzeinheit / Herzinfarktzentrum (06 81) 9 63 - 19 19 Zertifiziertes Überregionales Traumazentrum (06 81) 9 63 - 24 81 Die Kliniken im Überblick: Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie (06 81) 9 63 - 24 41 Chefarzt Prof. Dr. Joachim Limmer [email protected] Anästhesiologie und operative Intensivmedizin (06 81) 9 63 - 26 48 Chefarzt PD Dr. Konrad Schwarzkopf [email protected] Augenklinik (06 81) 9 63 - 27 44 Chefarzt Prof. Dr. Christian Teping [email protected] Frauenheilkunde und Geburtsklinik (06 81) 9 63 - 22 31 Chefarzt Dr. Abdolhamid Huschmand Nia [email protected] Gefäß- u. Endovaskuläre Chirurgie (06 81) 9 63 - 29 21 Chefarzt PD Dr. Thomas Petzold [email protected] Kinder- und Jugendmedizin / Neonatologie (06 81) 9 63 - 21 61 Chefarzt Prof. Dr. Jens Möller [email protected] Kinderchirurgie (06 81) 9 63 - 25 25 Oberärztin Dr. Petra Ullmann [email protected] Innere Medizin I Gastroenterologie, Hepatologie, Stoff- wechsel- und Infektionskrankheiten mit dem Schwerpunkt Psychosomatik (06 81) 9 63 - 25 31 Chefarzt Prof. Dr. Daniel Grandt dgrandt@@klinikum-saarbruecken.de Psychosomatik (06 81) 9 63 - 20 21 Ärztl. Leiter PD Dr. Winfried Häuser [email protected] Innere Medizin II Herz- und Lungenkrankheiten, Inten- sivmedizin und Angiologie mit dem Funktionsbereich Nephrologie (06 81) 9 63 - 24 34 Chefarzt Prof. Dr. Günter Görge [email protected] Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, Plastische Operationen (06 81) 9 63 - 23 31 Chefarzt Prof. Dr. Dr. Josef Dumbach [email protected] Neurochirurgie (06 81) 9 63 - 29 41 Chefärztin Prof. Dr. Cornelia Cedzich [email protected] Neurologie mit überregionaler zertifizierter Stroke Unit (06 81) 9 63 - 24 51 Chefarzt Prof. Dr. Karl-Heinz Grotemeyer [email protected] Orthopädie und Unfallchirurgie (06 81) 9 63 - 28 96 Klinikdirektor Prof. Dr. Ulrich Harland [email protected] Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (06 81) 9 63 - 24 81 Chefarzt PD Dr. Christof Meyer [email protected] Urologie, urologische Onkologie und Kinderurologie (06 81) 9 63 - 25 68 Chefarzt Dr. Stephan Meessen [email protected] Institute und weitere Einrichtungen Radiologie (06 81) 9 63 - 23 51 Chefarzt Prof. Dr. Elmar Spüntrup [email protected] Strahlentherapie (06 81) 9 63 - 28 37 Ärztl. Leiter Joachim Weis [email protected] Pathologie (06 81) 9 63 - 25 27 Chefärztin Dr. Rosemarie Weimann [email protected] Bioscientia - Institut für medizinische Diagnostik, Labor Saarbrücken (0681) 883791 - 40 [email protected] REMAKS - Rechtsmedizin am Klinikum (0681) 9 63 - 29 13 info@rechtsmedizin-klinikum- saarbruecken.de Funktionsbereich Hämatologie/Onkologie, Onkologische Gemeinschaftspraxis Dr. Georg Jacobs, Prof. Dr. Heiner Daus und Priv. Doz. Dr. Rudolf Schmits (0681) 9 63 - 28 36 [email protected] KONTAKT Herausgeber: Klinikum Saarbrücken gGmbH Winterberg 1 66119 Saarbrücken Verantwortlich: Dr. Susann Breßlein, Geschäftsführerin Redaktion/Beiträge: Irmtraut Müller-Hippchen, Angela Schuberth-Ziehmer Fotos: Iris Maurer, Klinikum Saarbrücken, Ralf Krein Layout: augentrick, Vera Spreuer IMPRESSUM Wichtige Telefonnummern und Ansprechpartner KLINIKUBERBLICKUBERBLICKUBERBLICK Klinikum Saarbrücken gGmbH | www.klinikum-saarbruecken.de | [email protected] Zentrale: (06 81) 9 63 - 0 Geschäftsführerin: Dr. Susann Breßlein, (06 81) 9 63 - 10 01 [email protected] Ärztlicher Direktor Dr. Christian Braun M. A. [email protected] (06 81) 9 63 - 21 01 Pflegedirektorin: Sonja Hilzensauer, (06 81) 9 63 - 21 12 [email protected]
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Klinikum Saarbrücken

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  • November 2012 KLINIKINFO Klinikum Saarbrücken | Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes Ein Unternehmen der Landeshauptstadt Saarbrücken 2 Editorial Grußworte Bonding und Stillen: Basis für eine dauerhafte, einzigartige Beziehung 3 Zweiter Welt-Frühgeborenentag 4 Dem Krebs davonleben: Interview mit Annette Rexrodt von Fircks 5 Der „Nocebo-Effekt“ Hochaufl ösender Ultraschall 6 Wundnetz Saar gegründet Gefäß-Sportgruppe beim TUS St. Arnual 7 Notfall Herzinfarkt 8 Augenheilkunde: Neue Entwicklungen 9 Wenn die Schulter schmerzt 10 Hilfe bei Kieferfehlstellungen Handchirurgie: Christian Müller erhält Zusatz bezeichnung 11 Harnrefl ux-Erkrankung bei Kindern 12 Schnelle Hilfe bei Schlaganfall 13 Spontane Blutungen im Kopf Minimal-invasive Chirurgie Kompetenzzentrum 14 Ehrenamtliche im Klinikum – Organist verabschiedet – Grüne Damen 15 Aus der Pfl ege: – Weiterbildung Intensivpflege – Pflegestudie: „Lagerung in Neutralstellung“ 16 Kliniküberblick InhaltKLINIKUM SAARBRÜCKEN Ein Team, ein Ziel: Ihre Gesundheit www.klinikum-saarbruecken.de
  • Das Klinikum tut was für den Komfort seiner Patienten Am 10. Tag der offenen Tür des Klinikums haben sich viele Bürge- rinnen und Bürger vor Ort von der Lei- stungsfähigkeit unseres städtischen Klinikums überzeugen können. Sie nutzten den Tag, um einmal hinter die Kulissen des Krankenhauses zu blik- ken. Besonders beliebt waren dabei die Führungen in den OP, der baulich und organisatorisch einer der modernsten im Südwesten ist. Aber auch der neue Linearbeschleuniger, das Brust- zentrum, das Herzkatheterlabor, die Intensivstation und viele andere Bereiche präsentierten sich der interessierten Öffentlichkeit. Neben der fachlichen Kompetenz wird auch der Komfort für die Patienten immer wichtiger. Dank der Bemühungen der letzten Jahre ist der größte Anteil der Zimmer im Klinikum – mehr als 80 Prozent – in- zwischen zu Zwei-Bett-Zimmern mit Dusche und WC um- gebaut. Wir wollen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger in ihrem kommunalen Krankenhaus rundum gut versorgt sind. Und wir wollen, dass sie sich dort trotz der Erkrankung wohl fühlen können. In dieser Beilage können Sie viel über das Klinikum und seine Fachabteilungen, die Behandlungsmöglichkei- ten und über die Menschen, die dahinter stehen, erfahren. Unter jedem Artikel steht eine Telefonnummer. Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie an. Ihre Charlotte Britz, Oberbürgermeisterin der Stadt Saarbrücken Wahlarbeitszeiten stoßen bundesweit auf Interesse Das Klinikum Saarbrücken ist mit seinen rund 2000 Beschäftig- ten ein attraktiver Arbeitgeber: Als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland hat das Klinikum bereits vor mehr als zehn Jahren flexible Ar- beitszeitmodelle mit elektronischer Dienstplanung und Zeiterfassung für alle Berufsgruppen eingeführt. Das Klinikum setzt seit Jahren auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine betriebsinterne Servicestelle „Familie und Beruf“ berät in allen Fragen rund um die El- ternzeit und den Wiedereinstieg nach der Familienpause. Junge Eltern werden bei der Suche nach Kinderbetreu- ungsangeboten unterstützt. Diese und andere Maßnah- men unterstützen und entlasten die Beschäftigten, wenn es um ihre Familie geht. Ganz aktuell wurde jetzt die Wahlarbeitszeit einge- führt: MitarbeiterInnen können in Phasen erhöhter au- ßerberuflicher Beanspruchung ohne Angabe von Grün- den ihre tarifliche Arbeitszeit auf 80 Prozent verringern. Die Vergütung wird entsprechend angepasst. Eine Rück- kehr zu der früheren Arbeitszeit ist jederzeit möglich. Mit dem Thema „Wahlarbeitszeit“ ist das Klinikum Saarbrücken wieder einmal Taktgeber in der Branche. Dementsprechend stieß dieses Thema bundesweit auf großes Interesse. Auch auf diesem Gebiet können wir stolz auf unser Klinikum sein. Ihr Harald Schindel, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Saarbrücken Liebe Leserin, lieber Leser der Saarbrücker Zeitung! Die Krankenhäuser stehen seit Jahren unter einem enormen Ko- stendruck. Die Ausgaben für Energie, Medizintechnik, Medikamente und vor allem für Personal steigen konti- nuierlich. Während der Gesetzgeber den Krankenhäusern noch zusätzli- che Sparopfer auferlegt, verzeichnen Gesundheitsfonds und Kassen Milli- ardenüberschüsse. Das kann nicht so weitergehen. Als kommunales Haus der Maxi- malversorgung versorgt das Klini- kum Saarbrücken im Jahr fast 27 000 stationäre und rund 80 000 ambulante Patientinnen und Pati- enten. In die Zentrale Notaufnahme kommen mehr als 36.000 Patienten jedes Jahr ungeplant und erhalten rund um die Uhr eine umfassende Notfallversorgung mit Ärzten aus den verschiedensten Fachgebieten. Dank des großen Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter sind die Patienten bei uns weiterhin gut aufgehoben und die Menschlichkeit bleibt nicht auf der Strecke. Damit das so bleibt, müs- sen Krankenhäuser das Geld bekom- men, das sie für eine gute Patienten- versorgung und für eine tarifgerech- te Bezahlung ihrer Beschäftigten brauchen. Wir im Klinikum wollen Ihnen und Ihren Angehörigen wei- terhin alle Hilfe bieten, die Sie im Krankheitsfall brauchen. Dafür set- zen wir uns ein und dafür werden wir immer ein Stückchen besser. Mit dieser Beilage möchten wir Sie umfassend über Neues und In- teressantes informieren. Über Rückmeldungen freuen wir uns sehr. Schreiben Sie an unsere Abtei- lung für Presse-und Öffentlich- keitsarbeit (presse@klinikum-saar- bruecken.de) oder an mich: ([email protected]). Ihre Dr. Susann Breßlein, Geschäfts führerin des Klinikums Saarbrücken KLINIKINFO 2 GRUSSWORTE EDITORIAL Dr. Susann Breßlein, Geschäftsführerin E ltern sind bei uns zu jeder Tages- und Nachtzeit willkommen.“ So schreibt die Kinder-Intensivstation in der Schwangerschaftsbroschüre des Perinatalzentrums des Klinikums Saar- brücken (perinatal = rund um die Ge- burt). Und: „Wir unterstützen Sie dabei, eine Familie zu werden.“ Die Station betreut die Frühgebore- nen und kranken Neugeborenen des Klinikums Saarbrücken und der Ge- burtsstationen anderer Krankenhäu- ser aus dem Saarland. Schon lange wird in dieser Station das so genannte „Känguruhen“ praktiziert. Dabei wird das Baby auf den nackten Oberkörper der Mutter oder des Vaters gelegt, mit einer warmen Decke zugedeckt und erfährt so die Nähe, die Körperwär- me und den Herzschlag der Eltern. Frühgeborene, die regelmäßig kängu- ruhen, gedeihen besser: Sie wachsen schneller, sind ruhiger und zufriedener, schlafen besser und zeigen eine besse- re Herzfrequenz. Und das gilt nicht nur für Frühgebo- rene, sondern für alle Neugeborenen. Wie wichtig Körperkontakt für die emotionale und auch kognitive Ent- wicklung von Babys ist, ist inzwischen reichlich erforscht. Bonding fördert emotionale und intellektuelle Fähigkeiten Das englische Wort „Bonding“ ist in viele Sprachen übernommen worden. Im Deutschen kann es wohl am ehes- ten mit „Verbundenheit“ übersetzt werden. So weiß Eva Vogelgesang, Stationsleiterin der Kinder-Intensiv- Station: „Mit „Bonding“ ist die innere Gefühlsverbindung gemeint, die Eltern zu ihrem Baby entwickeln. Die Mutter, der Vater „verlieben“ sich regelrecht in ihr Kind. Dieses Verlieben ist die Basis für eine dauerhafte, einzigartige Be- ziehung.“ Wie sich zwei Menschen ineinander verlieben, ist uns allen vertraut: Blick- und Körperkontakt, Streicheln, Schmu- sen, intensives Sprechen, sich von an- deren zurückziehen. Für Mutter, Kind und Vater läuft diese Phase sehr ähn- lich ab. Sie brauchen viel Kontakt und Perinatalzentrum Klinikum Saarbrücken Bonding und Stillen – Basis für eine dauerhafte, einzigartige Beziehung Das Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Saarbrücken ist die einzige Geburtskli- nik weit und breit, die primäres Bonding und die Betreuung durch vier speziell ausgebildete Still- und Laktationsberaterinnen in allen Bereichen der Frauen- und Kinderklinik anbietet Entscheidend für das frühe Bonding: Die erste Zeit nach der Geburt www.klinikum-saarbruecken.de
  • Zeit miteinander, damit das, was biolo- gisch und evolutionär vorgesehen ist, von statten gehen kann: Der Oxytocin- und Prolactinspiegel ist bei der Mutter in der ersten Stunde nach der Geburt ganz besonders hoch. Das Hormon Oxytocin, das „Liebeshormon“, versetzt sie in die Lage, sich in ihren Säugling so richtig zu verlieben. Genauso stei- gen beim Kind diese beiden Hormone im Blut an und sorgen dafür, dass es sich beruhigt, besser einschlafen kann, die Schmerzen nachlassen, die Darm- tätigkeit sich einspielt und dabei die Bindung zur Mutter hergestellt wird. Neugeborene werden auf den Bauch der Mutter gelegt Sibylle Hartung, leitende Hebamme des Klinikums, erklärt: „Aus diesem Grund werden bei uns im Kreißsaal alle Neugeborenen erst mal auf den Bauch der Mutter gelegt und finden dann meist schon alleine den Weg zur Brust und zum ersten Stillen.“ Selbst bei den kranken Babys und Frühgebo- renen wird der möglichst ungestörte Körperkontakt - sofern es medizinisch vertretbar ist - gefördert. Das Bin- dungsverhalten, von dem das Stillen ein ganz wichtiger Teil sein kann, soll durch die Klinikroutine möglichst we- nig unterbrochen werden. Die Liebe zum Kind und die Verbun- denheit mit den Eltern ist eine wich- tige Voraussetzung für die Sicherheit und das gesunde Gedeihen des Kindes. Doch nicht in allen Situationen und bei allen Müttern stellt sich diese Liebe au- tomatisch und sofort nach der Geburt ein. Die innere Bindung, die Eltern zu ihrem Kind entwickeln, ist ein Prozess, der durch viele Einflüsse und Erfah- rungen geprägt wird und auch ge- stört werden kann. Die erste Zeit nach der Entbindung (vor allem die ersten zwei bis sechs Stunden) ist eine sehr sensible Phase. Eltern, die die Bondingphase mit ih- rem Baby nach der Geburt ungestört erleben können, fühlen sich kompe- tenter und sind es auch. Sie sind acht- samer und selbstbewusster im Um- gang mit dem Baby. Mutter und Vater sind glücklicher und zufriedener, der Blickkontakt mit dem Baby ist länger, Berührungen sind häufiger. Es gibt auch weniger Probleme beim Stillen, da das Kind auf die Brust geprägt ist. Eva Vogelgesang macht allen, die diese Erfahrung nicht machen konn- ten, Hoffnung: „Wenn es aus irgendei- nem Grund nicht zum frühen Kontakt zwischen Mutter und Kind kommt, so kann auch „nachgebondet“ werden. Allerdings muss Zeit und „Beziehungs- arbeit“ investiert werden und es sollte nach Möglichkeit innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt damit begonnen werden. Wir regen das im Klinikum Saarbrücken an, wenn wir mitbekommen haben, dass das frühe Bonding nicht störungsfrei verlief.“ Übrigens: Auch die Mütter sollten eine längere Zeit nach der Geburt für- sorglich und liebevoll betreut werden. Eine Mutter entwickelt die Fähigkeit zur zärtlichen Fürsorge am besten, wenn sie selbst achtsam und liebevoll betreut wird und man ihr das Gefühl gibt, wie wichtig ihre Aufgabe als Mutter ist. Stillen für die Mutter-Kind-Bindung wichtig Wie wichtig neben dem Bonding auch das Stillen im Zusammenhang mit der frühen Bindung ist, betont die zertifizierte Still- und Laktationsbera- terin Ina Klostermann: „Stillen ist eine Riesenchance, wenn es darum geht, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Der wunderbare Hormoncocktail aus Prolaktin und Oxytocin, der beim Stil- len ausgeschüttet wird, macht eine Mutter empfänglich für die Signale ih- res Kindes – und er hat zur Folge, dass sie sich ganz auf ihr Kind einlässt.“ Stillen ist gesund. So hat keine ande- re Nahrung eine solche Energiedichte wie die Muttermilch. Gestillte Kinder sind besser gegen Krankheiten und Al- lergien gewappnet. Sogar gegen Über- gewicht sind gestillte Kinder besser geschützt. Das Risiko, übergewichtig zu werden, sinkt mit jedem Stillmonat um vier Prozent. Und auch für die Müt- ter ist Stillen gesundheitsfördernd. Es senkt langfristig das Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen sowie das Brustkrebs- und Eierstockkrebsrisiko. Kein Wunder, dass die WHO empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen. Das Klinikum Saarbrücken ist die einzige Geburtsklinik weit und breit, die speziell ausgebildete Still- und Lak- tationsberatung in allen Bereichen des Mutter-Kind-Zentrums – im Kreißsaal, auf der Wöchnerinnenstation und in der Kinder-Intensivstation – anbietet. Die ausgebildete Fachkinderkranken- schwester Ina Klostermann hat 2005 ihre Ausbildung als Still- und Laktati- onsberaterin mit dem IBCLC-Examen abgeschlossen. IBCLC steht für „In- ternational Board Certified Lactation Consultant“, ein international aner- kannter Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen. Seither hat sie die Stillberatung im Mutter-Kind- Zentrum und in der Kinderklinik des Klinikums etabliert, intensiviert und ausgebaut. Inzwischen haben zwei weitere Fachkräfte (Kinderkrankenschwester und Hebamme) die Ausbildung ab- solviert, eine vierte ist gerade dabei. Ina Klostermann: „Unsere Aufgabe ist es, Stillprobleme zu erkennen, das Ge- spräch mit den Eltern zu suchen und Lösungen anzubieten.“ Die Fachkräfte werden von den übri- gen KollegInnen bei Fragen zum Stillen hinzugezogen und schlagen entspre- chende Pflegemaßnahmen vor. Außer- dem bilden sie das pflegerische und ärztliche Personal im Bereich Stillen und Laktation ständig weiter. Nach allem verwundert es nicht, dass das Rooming-in in der Mutter- Kind-Station des Klinikum sehr un- terstützt wird. Dies ist sowohl für das Bonding als auch für das Stillen för- derlich. Denn gerade am Anfang muss das Kind oft zum Stillen angelegt wer- den. Den Müttern wird gezeigt, wie sie auch im Liegen bequem stillen kön- nen – auch und besonders nach einer Kaiser schnittentbindung. KLINIKINFO 3 Perinatalzentrum Klinikum Saarbrücken Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Telefon 0681/963-2231 Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Telefon 0681/963-2161 INFO Alle drei sind examinierte Stillberaterinnen, von links: Eva Vogelgesang, Ina Klostermann, Sigrid Reichert-Albrech Zum zweiten Mal lädt das Klini-kum Saarbrücken ins Casino zum Weltfrüh geborenentag ein, und zwar am Samstag, 17. November 2012, um 14.30 Uhr. Bei einem gemütlichen Bei- sammensein können sich betroffene Familien austauschen. Denn es braucht in der Regel länger, die zu frühe Geburt eines Kindes zu verarbeiten. Zu verkraf- ten ist nicht nur der Schreck, wenn die Geburt viel zu früh einsetzt, die wo- chen- und monatelange Sorge, wenn das Kind in der Kinder-Intensivstation betreut wird und man zwischen Alltag und der Klinik hin- und herpendelt. Auch das Leben danach ist für viele Fa- milien noch belastend: Wird das Kind den Anschluss schaffen? Wird es ganz gesund? Zum Weltfrühgeborenentag sind die Familien aller Frühgeborenen, die in den vergangenen fünf Jahren im Klinikum Saarbrücken betreut wurden, eingela- den. Sie können sich auf ein Wiederse- hen mit Ärzten und Krankenschwestern der Kinderintensivstation freuen. Zweiter Welt-Frühgeborenentag im Klinikum Samstag, 17.11.2012, 14.30 Uhr, Casino des Klinikums Saarbrücken Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Kinder- und Jugendmedizin, Telefon 0681/963- 2161 entgegen. TERMIN www.klinikum-saarbruecken.de
  • Zeit miteinander, damit das, was biolo- gisch und evolutionär vorgesehen ist, von statten gehen kann: Der Oxytocin- und Prolactinspiegel ist bei der Mutter in der ersten Stunde nach der Geburt ganz besonders hoch. Das Hormon Oxytocin, das „Liebeshormon“, versetzt sie in die Lage, sich in ihren Säugling so richtig zu verlieben. Genauso stei- gen beim Kind diese beiden Hormone im Blut an und sorgen dafür, dass es sich beruhigt, besser einschlafen kann, die Schmerzen nachlassen, die Darm- tätigkeit sich einspielt und dabei die Bindung zur Mutter hergestellt wird. Neugeborene werden auf den Bauch der Mutter gelegt Sibylle Hartung, leitende Hebamme des Klinikums, erklärt: „Aus diesem Grund werden bei uns im Kreißsaal alle Neugeborenen erst mal auf den Bauch der Mutter gelegt und finden dann meist schon alleine den Weg zur Brust und zum ersten Stillen.“ Selbst bei den kranken Babys und Frühgebo- renen wird der möglichst ungestörte Körperkontakt - sofern es medizinisch vertretbar ist - gefördert. Das Bin- dungsverhalten, von dem das Stillen ein ganz wichtiger Teil sein kann, soll durch die Klinikroutine möglichst we- nig unterbrochen werden. Die Liebe zum Kind und die Verbun- denheit mit den Eltern ist eine wich- tige Voraussetzung für die Sicherheit und das gesunde Gedeihen des Kindes. Doch nicht in allen Situationen und bei allen Müttern stellt sich diese Liebe au- tomatisch und sofort nach der Geburt ein. Die innere Bindung, die Eltern zu ihrem Kind entwickeln, ist ein Prozess, der durch viele Einflüsse und Erfah- rungen geprägt wird und auch ge- stört werden kann. Die erste Zeit nach der Entbindung (vor allem die ersten zwei bis sechs Stunden) ist eine sehr sensible Phase. Eltern, die die Bondingphase mit ih- rem Baby nach der Geburt ungestört erleben können, fühlen sich kompe- tenter und sind es auch. Sie sind acht- samer und selbstbewusster im Um- gang mit dem Baby. Mutter und Vater sind glücklicher und zufriedener, der Blickkontakt mit dem Baby ist länger, Berührungen sind häufiger. Es gibt auch weniger Probleme beim Stillen, da das Kind auf die Brust geprägt ist. Eva Vogelgesang macht allen, die diese Erfahrung nicht machen konn- ten, Hoffnung: „Wenn es aus irgendei- nem Grund nicht zum frühen Kontakt zwischen Mutter und Kind kommt, so kann auch „nachgebondet“ werden. Allerdings muss Zeit und „Beziehungs- arbeit“ investiert werden und es sollte nach Möglichkeit innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt damit begonnen werden. Wir regen das im Klinikum Saarbrücken an, wenn wir mitbekommen haben, dass das frühe Bonding nicht störungsfrei verlief.“ Übrigens: Auch die Mütter sollten eine längere Zeit nach der Geburt für- sorglich und liebevoll betreut werden. Eine Mutter entwickelt die Fähigkeit zur zärtlichen Fürsorge am besten, wenn sie selbst achtsam und liebevoll betreut wird und man ihr das Gefühl gibt, wie wichtig ihre Aufgabe als Mutter ist. Stillen für die Mutter-Kind-Bindung wichtig Wie wichtig neben dem Bonding auch das Stillen im Zusammenhang mit der frühen Bindung ist, betont die zertifizierte Still- und Laktationsbera- terin Ina Klostermann: „Stillen ist eine Riesenchance, wenn es darum geht, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Der wunderbare Hormoncocktail aus Prolaktin und Oxytocin, der beim Stil- len ausgeschüttet wird, macht eine Mutter empfänglich für die Signale ih- res Kindes – und er hat zur Folge, dass sie sich ganz auf ihr Kind einlässt.“ Stillen ist gesund. So hat keine ande- re Nahrung eine solche Energiedichte wie die Muttermilch. Gestillte Kinder sind besser gegen Krankheiten und Al- lergien gewappnet. Sogar gegen Über- gewicht sind gestillte Kinder besser geschützt. Das Risiko, übergewichtig zu werden, sinkt mit jedem Stillmonat um vier Prozent. Und auch für die Müt- ter ist Stillen gesundheitsfördernd. Es senkt langfristig das Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen sowie das Brustkrebs- und Eierstockkrebsrisiko. Kein Wunder, dass die WHO empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen. Das Klinikum Saarbrücken ist die einzige Geburtsklinik weit und breit, die speziell ausgebildete Still- und Lak- tationsberatung in allen Bereichen des Mutter-Kind-Zentrums – im Kreißsaal, auf der Wöchnerinnenstation und in der Kinder-Intensivstation – anbietet. Die ausgebildete Fachkinderkranken- schwester Ina Klostermann hat 2005 ihre Ausbildung als Still- und Laktati- onsberaterin mit dem IBCLC-Examen abgeschlossen. IBCLC steht für „In- ternational Board Certified Lactation Consultant“, ein international aner- kannter Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen. Seither hat sie die Stillberatung im Mutter-Kind- Zentrum und in der Kinderklinik des Klinikums etabliert, intensiviert und ausgebaut. Inzwischen haben zwei weitere Fachkräfte (Kinderkrankenschwester und Hebamme) die Ausbildung ab- solviert, eine vierte ist gerade dabei. Ina Klostermann: „Unsere Aufgabe ist es, Stillprobleme zu erkennen, das Ge- spräch mit den Eltern zu suchen und Lösungen anzubieten.“ Die Fachkräfte werden von den übri- gen KollegInnen bei Fragen zum Stillen hinzugezogen und schlagen entspre- chende Pflegemaßnahmen vor. Außer- dem bilden sie das pflegerische und ärztliche Personal im Bereich Stillen und Laktation ständig weiter. Nach allem verwundert es nicht, dass das Rooming-in in der Mutter- Kind-Station des Klinikum sehr un- terstützt wird. Dies ist sowohl für das Bonding als auch für das Stillen för- derlich. Denn gerade am Anfang muss das Kind oft zum Stillen angelegt wer- den. Den Müttern wird gezeigt, wie sie auch im Liegen bequem stillen kön- nen – auch und besonders nach einer Kaiser schnittentbindung. KLINIKINFO 3 Perinatalzentrum Klinikum Saarbrücken Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Telefon 0681/963-2231 Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Telefon 0681/963-2161 INFO Alle drei sind examinierte Stillberaterinnen, von links: Eva Vogelgesang, Ina Klostermann, Sigrid Reichert-Albrech Zum zweiten Mal lädt das Klini-kum Saarbrücken ins Casino zum Weltfrüh geborenentag ein, und zwar am Samstag, 17. November 2012, um 14.30 Uhr. Bei einem gemütlichen Bei- sammensein können sich betroffene Familien austauschen. Denn es braucht in der Regel länger, die zu frühe Geburt eines Kindes zu verarbeiten. Zu verkraf- ten ist nicht nur der Schreck, wenn die Geburt viel zu früh einsetzt, die wo- chen- und monatelange Sorge, wenn das Kind in der Kinder-Intensivstation betreut wird und man zwischen Alltag und der Klinik hin- und herpendelt. Auch das Leben danach ist für viele Fa- milien noch belastend: Wird das Kind den Anschluss schaffen? Wird es ganz gesund? Zum Weltfrühgeborenentag sind die Familien aller Frühgeborenen, die in den vergangenen fünf Jahren im Klinikum Saarbrücken betreut wurden, eingela- den. Sie können sich auf ein Wiederse- hen mit Ärzten und Krankenschwestern der Kinderintensivstation freuen. Zweiter Welt-Frühgeborenentag im Klinikum Samstag, 17.11.2012, 14.30 Uhr, Casino des Klinikums Saarbrücken Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Kinder- und Jugendmedizin, Telefon 0681/963- 2161 entgegen. TERMIN www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 4 „Leben soll mir gut tun“ Interview mit Annette Rexrodt von Fircks Mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörer waren ins Klinikum Saarbrücken zu der Veranstaltung „Brustkrebs heute“ ge- kommen. Der Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Abdolhamid Huschmand Nia, infor- mierte über unterschiedliche Therapien bei Brustkrebs. Anschließend berichtete Annette Rexrodt von Fircks – sie hat als Betroffene mehrere Bücher geschrieben und eine Stiftung für krebskranke Müt- ter und deren Kinder gegründet – über ihre Strategien, mit der Krebserkran- kung umzugehen. Wir haben Annette Rexrodt von Fircks interviewt. Sie waren selbst vor über 14 Jahren an Krebs erkrankt; nach der Therapie folgten viele Rückschläge. Sie haben ge­ kämpft, etliche Operationen überstan­ den. Bis heute ist der Krebs nicht zurück­ gekehrt. Was ist Ihr „Rezept“? Annette Rexrodt von Fircks: Gegen Ende der ersten Therapie habe ich mein Leben schonungslos auf den Prüfstand gestellt. Ich habe mich ge- fragt: Bin ich zufrieden mit meinem Leben? Tun mir die Menschen gut, mit denen ich zusammen bin? Welche Zie- le habe ich? Wo stehe ich? Vielleicht hat mich ja mein „altes Leben“ vor der Krankheit krank gemacht. Um diese Fragen ehrlich zu beantworten, gehör- te eine große Portion Mut und Selbst- akzeptanz. Unabhängig davon habe ich aber schon zu Beginn und während meiner Erkrankung Achtsamkeit und Fürsorglichkeit gegenüber mir selbst entwickelt. Auch habe ich gelernt, auf meine innere Stimme zu hören. Die be- gleitet mich immer noch liebevoll und kritisch. Und dann weiß ich, dass mir Bewegung gut tut – und eine gesunde Ernährung. Das heißt aber nicht, dass ich asketisch lebe. Leben soll mir gut tun. Ich gönne mir auch regelmäßig kleine Pausen im Laufe des Tages. Nur so kann ich den Alltag mit all seinen Anforderungen gut bewältigen. Woraus haben Sie nach der Diagnose und während der Therapie Ihre Kraft gezogen? Annette Rexrodt von Fircks: Es war der kurze Satz einer mir bekannten Psychologin. Sie sagte: „Entscheiden Sie sich für das Leben.“ Ein Allerwelts-Satz, der aber in die Stille meiner Verzweif- lung treten und seinen Platz finden konnte. „Vielleicht schaffst du es ja“ flüsterte mir ein Gedanke zu. Dieses „Vielleicht schaffst du es ja doch“, woll- te ich häufiger hören und „stellte“ den Gedanken immer lauter, bis das Gefühl der Hoffnung aus jeder meiner Zellen echote. Ich entschied mich für das Le- ben, das ich so sehr liebte, und wurde aktiv. Was kann jeder, der an Krebs erkrankt, selbst gegen diese Krankheit tun? Annette Rexrodt von Fircks: Es hat viele Jahre gedauert, bis ich für mich eine ganz eigene Behandlung entwickelt habe. Zu meiner „Thera- pie“ gehört vor allem ein Enzym- Selen-Lektin-Präparat. Das hilft mir gegen Gelenkschmerzen sowie aus- getrocknete und entzündete Schleim- häute. Aber ich bin der festen Überzeu- gung: Die ausschließliche Einnahme von Medikamenten reicht nicht aus, um ein körperliches und/oder seeli- sches Problem zu beheben. Jeder kann und sollte für sein Wohlergehen Sorge tragen, damit Lebensqualität und Le- bensfreude gestärkt werden. Denn das sind die wahren Katalysatoren für un- sere Gesundheit. Welche Rolle spielen die Angehörigen, Freunde, Kinder? Annette Rexrodt von Fircks: Es ist die Gewissheit, zu wissen, dass man nicht alleine ist. Meine Kinder waren für mich der Antrieb, den Lebensmut nicht zu verlieren. Die Familie war für mich da, hat vor allem ganz praktisch bei der Kinderversorgung geholfen. Aber nicht zu vergessen: Es sind die Menschen, die mich lieb haben, die mich tragen. Vor allem meine Freundin hat mir viel zu- gehört und oft auch mit mir geweint. Brustkrebs trifft oft auch junge Frau­ en mit Kindern. Was raten Sie den Frau­ en, wie sie mit den Kindern über die Dia­ gnose reden sollen? Annette Rexrodt von Fircks: Eine Krebsdiagnose ist für die ganze Fa- milie ein Schock. Kinder spüren meist sehr genau, dass etwas nicht stimmt, dass sich die Eltern plötzlich anders verhalten als sonst. Wenn die Eltern jetzt nicht die Ursache für die Situa- tion erklären, bleibt ein Gefühl tiefer Verunsicherung und Irritation. Gerade kleine Kinder entwickeln oft diffuse Phantasien: Mami geht es schlecht, weil ich ungezogen war - irrationale Schuldgefühle, Ängste, Depressionen bei den Kindern sind eine häufige Fol- ge. Deshalb sollten Eltern versuchen, die Krankheit kindgerecht zu erklären und dabei Worte wählen, die dem Alter angemessen sind. Welche Rolle spielen die Ärzte und Therapeuten bei einer Brustkrebser­ krankung? Annette Rexrodt von Fircks: Sie sind unsere Helfer, die uns Patienten Mut und wieder Geborgenheit im Leben geben. Es ist wichtig, dass sie sich für uns einsetzen und sich um uns sorgen. Wir als Patienten vertrauen dem Arzt. Und deshalb sollten Ärzte auch unbe- dingt um die Macht ihres gesproche- nen Wortes wissen. Häufig kleben wir an ihren Lippen. Wie schon Johann Wolfgang von Goethe sagte, verwun- det das Wort leichter, als es heilt. D ie brusterhaltende Therapie des Brustkrebses gilt heute weltweit als Standard und ist in fast 80 Prozent der Fälle möglich. Die Voraussetzun- gen hierfür sind, dass der Tumor ohne Rückstände entfernt wurde (freie Re- sektionsränder) und dass nach der Operation die Brust strahlenthera- peutisch behandelt wird. Dabei muss der ehemalige Sitz des Tumors, das Tumorbett, zur Sicherheit gesondert bestrahlt werden. Das Bestrahlungs- gebiet wird mit einem Metallklipp markiert. Derzeit wird von dem Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Abdolhamid Husch- mand Nia, und dem Leitenden Arzt des Instituts für Strahlentherapie, Joachim Weis, eine Studie zur Optimierung der Bestrahlungsplanung durchgeführt. An der Studie können Brustkrebspati- entinnen teilnehmen, die brusterhal- tend therapiert werden. Zum Hintergrund: Bei der bisheri- gen Markierung kann der Metallklipp, der das Tumorbett markiert, um meh- rere Zentimeter wandern, weil das umliegende Gewebe sich nach einer Operation verändert. Daher muss das Bestrahlungsvolumen so großzügig gewählt werden, dass dieser Wande- rung Rechnung getragen wird. Chef- arzt Huschmand Nia hat sich überlegt: „Um die Bestrahlung im Tumorbett gezielter durchzuführen und ein klei- neres Volumen bestrahlen zu können, brauchen wir eine sichere Markierung, die im Tumorbett nicht wandert. Da- durch wird die Bestrahlung noch scho- nender für die betroffenen Frauen.“ Die Lösung liegt in einem Metall- klipp, der in einem kleinen Netzgewe- be mit selbstauflösenden Fäden im Tumorbett verankert wird. Das umlie- gende Gewebe wächst in das Netzge- webe hinein und verhindert dadurch die Wanderung des Klipps. Dr. Husch- mand: „Solche Netze werden seit vie- len Jahren bei der kosmetischen Ope- ration der Brust eingesetzt und gelten als sichere und zugelassene Produkte.“ Wichtig erscheint Dr. Huschmand Nia: „Die Studie wird anonym durch- geführt. Für die Patientinnen bedeu- tet die freiwillige Teilnahme an dieser Studie keine zusätzlichen Belastungen oder Nachteile. Das entnommene Ge- webe bleibt vollständig für die Unter- suchung durch die Pathologen erhal- ten. Weder wird die Operationszeit verlängert noch müssen zusätz liche Röntgenaufnahmen für die Studie durchgeführt werden.“ Brustkrebs-Studie zu verbesserter „Tumorbett-Markierung“ Unter dem Titel „Dem Krebs davonleben – was sie selbst tun können“ referierte Annette Rexrodt von Fircks im Casino des Klinikums. Hier im Gespräch mit Dr. Abdolhamid Huschmand Nia, Chefarzt der Frauenklinik Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Telefon 0681/963-2231 Brustkrebs-Hotline: Telefon 0681/963-33 333 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 5 W ir alle wissen, was ein Placebo-Effekt ist: Um die Wirksamkeit eines Medikamentes festzustellen, werden Vergleichsstudien durchge- führt. Eine Gruppe erhält das Medika- ment mit dem echten Wirkstoff, eine zweite erhält – ohne es zu wissen – Ta- bletten ohne Wirkstoff. Bei einer hohen Anzahl der Patienten, die glauben, sie bekämen ein hochwirksames neues Medikament, tritt der so genannte Pla- ceboeffekt ein. Obwohl sie tatsächlich keinen Wirkstoff bekommen haben, zeigen sie eine messbare Besserung ihrer Krankheitssymptome. Noch wenig erforscht Die Ursachen dafür liegen zum einen in der positiven Erwartungs- haltung, zum anderen in neurobio- logischen Vorgängen, die durch diese Erwartungshaltung hervorgerufen werden. Der Nocebo-Effekt funktioniert genau so, nur mit umgekehrten Vorzei- chen. Hier werden durch Erwartungen negative Wirkungen hervorgerufen, ohne dass real etwas passiert ist. So nahm ein depressiver Patient während einer Studie mit Antidepressiva 26 Ta- bletten in Selbstmordabsicht. Obwohl die Tabletten, die er genommen hatte, nachweislich – zum Glück – Placebos waren, bewirkte die Erwartungshal- tung des Patienten, dass sein Körper so reagierte, als hätte er echte Tabletten genommen. Er hatte einen so starken Blutdruckabfall, dass er eine Infusions- behandlung bekommen musste. Der Nocebo-Effekt ist noch wenig erforscht. Man kann aber vermuten, dass dieselben Wirkmechanismen zu- grunde liegen wie beim Placebo-Effekt. Der Internist und Psychosomatiker, Priv. Doz.Dr. Winfried Häuser, erklärt: „Nocebo-Effekte können durch eine Scheinbehandlung und/oder durch Suggestion negativer Erwartungen entstehen.“ Laut Häuser werden Noce- bophänomene oftmals unbeabsichtigt hervorgerufen – zum Beispiel von dem Beipackzettel der Medikamente oder durch unbeabsichtigte negative For- mulierungen bei der ärztlichen Aufklä- rung vor einer Behandlung oder Ver- ordnung. So wurde festgestellt, dass es einen Unterschied in der Befindlichkeit der Patienten machte, ob der Arzt im Patientengespräch die positiven oder die negativen Wirkungen eines Medi- kamentes betonte. In einer Studie zur Untersuchung der Wirkung von Beta- Blockers bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhielt eine Gruppe keine Angaben über Medikament und Nebenwirkungen, eine zweite Grup- pe bekam zwar Informationen über das Medikament, nicht aber über eine mögliche Auswirkung auf eine sexuel- le Störung, die dritte Gruppe erhielt In- formationen zum Medikament und zu einer möglichen sexuellen Dysfunkti- on. Wen wundert‘s? Die dritte Gruppe klagte am meisten über sexuelle Stö- rungen, nämlich mit 32 Prozent. In der mittleren Gruppe waren es 13 Prozent, in der Gruppe der „Unwissenden“ wa- ren es sogar nur acht Prozent. Nebenwirkungen von Medikamenten werden häufiger dann empfunden, wenn der Patient und der Behandler diese Nebenwirkungen erwarten. Nun würde niemand ernsthaft verlangen, dass Ärzte nicht mehr über die Krank- heit, die ein Patient hat, oder über die Nebenwirkungen einer Behandlung aufklären sollten. Schließlich haben Ärzte eine Aufklärungspflicht. „Unter diesem Aspekt“, so Häuser, „ist es aber dringend erforderlich, dass Ärzte und Pfleger sehr bewusst und sorgsam kommunizieren – und zwar sowohl verbal als auch nonverbal. Patienten sind für negative Suggestionen, vor allem in existenziell bedrohlichen Si- tuationen, stark empfänglich. Sie sind anfällig für Missverständnisse durch wortwörtliches Verstehen, doppeldeu- tige Worte und negative Suggestio- nen.“ Bewusste Kommunikation So sollte sich ein Arzt also genau überlegen, ob er zum Patienten sagt: „Wir haben nach Metastasen ge- sucht – der Befund war negativ.“ Das heißt nichts anderes als: wir haben kei- ne Metastasen gefunden. Auch wenn diese Aussage von der Sache her und in der Medizinersprache korrekt – und für den Patienten sogar überaus posi- tiv ist, kann der Arzt nicht ausschlie- ßen, dass der Satz falsch verstanden wird. Auch Aussagen wie: „Sie sind ein Risiko patient“ oder „Sie sollten über- haupt nichts Schweres mehr tragen, sonst sind Sie am Schluss gelähmt“ können nachweislich negative Erwar- tungen und damit eine Verschlimme- rung der Krankheit bewirken. Fazit: „Worte sind das mächtigste Werkzeug, über das ein Arzt verfügt. Worte können allerdings – wie ein zweischneidiges Schwert – sowohl tief verletzen als auch heilen“ (Nobelpreis- träger und Herzforscher Bernard Lown, in: „Die verlorene Kunst des Heilens“). Bei Ultraschalluntersuchungen ist es wie in der Formel 1: Der Erfolg hängt vom Fahrer, respektive dem Untersucher – und vom Auto, also dem Ultraschallgerät, ab. Die Klinik für Innere Medizin I im Klinikum Saarbrücken verfügt seit Juli über das „beste Auto im Feld“. Mit dem neuen High-End Ultra schallgerät kann man Gewebeveränderungen im Bauch- raum nicht nur früher und sicherer erkennen, sondern auch mit Hilfe ei- nes computergestützten Navigations- systems extrem präzise punktieren. Wie bei der Computertomographie (CT) kann man durch die Gabe eines Kontrastmittels Blutgefäße und Blut- versorgung darstellen und damit gut- artige von bösartigen Veränderungen besser unterscheiden. Das Kontrast- mittel ist auch für Patienten geeignet, die auf Röntgen kontrastmittel aller- gisch reagieren oder nierenkrank sind. „Wir können mit dem neuen Gerät auch bei unklaren Gewebeverände- rungen eine Diagnose stellen, die im CT oder im Kernspin nicht differenziert werden können“ erklärt Oberärztin Dr. Sibylle Lehnen. „Die computer- gestützte Navigation erlaubt es, kleins- te Veränderungen sicher zu punktieren und die richtige Diagnose frühzeitig zu stellen.“ Die Medizinische Klinik I des Klini- kums Saarbrücken ist die einzige gas- troenterologische Abteilung im Saar- land, die über diese neue Methode der Navigation für ultraschallgesteuerte Punktionen verfügt. Die Anschaffung erfolgte, um Patienten mit Lebererkran- kungen und mit Tumoren im Bauch- raum in einer Abteilung alle maßgeb- lichen Verfahren der Diagnostik und Therapie in bestmöglicher Qualität zur Verfügung stellen zu können. PD Dr. Winfried Häuser, Leitender Arzt der Psychosomatik in der Inneren Medizin I des Klinikums Saarbrücken Dieses Gerät verbessert die Genauigkeit bei ultraschallgesteuerten Punktionen durch die 3D-Navigation. Somit kann auch in schwierigen Situationen ein sicheres und aussagekräftiges Punktionsergebnis erzielt werden, auf unserem Foto die beiden Oberärzte Dr.Sybille Lehnen und Dr. Klaus Radecke bei einer Untersuchung Nocebo – wenn negative Erwartungen krank machen Mehr Sicherheit durch hochauflösenden Ultraschall Privat-Dozent Dr. Winfried Häuser, Lei- tender Arzt der Psychosomatik in der Inneren Medizin I des Klinikums Saar- brücken, beschäftigt sich mit der Aus- wirkung von Erwartungshaltungen auf die Befindlchkeit von Patientinnen und Patienten. Innere Medizin I Telefon 0681/963-2531 Psychosomatik Telefon 0681/963-2021 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 6 Seit kurzem gibt es auch im Saar-land eine Initiative „Wundnetz Saar“, an der sowohl niedergelassene ÄrztInnen als auch Krankenhaus- ärzte und -pflegekräfte beteiligt sind. Vom Klinikum Saarbrücken ist PD Dr. Thomas Petzold, Chefarzt der Gefäßchirurgie, im Koordinatoren- team. „Ziel des Wundnetzes ist eine therapeutisch und ökonomisch effi- zientere Versorgung von chronischen Wunden, die zu einer verkürzten Heil- dauer führt“, erklärt Petzold. Das Wundnetz Saar strebt eine fach- übergreifende vernetzte Zusammen- arbeit zwischen stationärer und ambulanter Pflege, Arztpraxen und Krankenhäusern an. Angehörige, Physiotherapeuten, Podologen, Or- thopädieschuhmacher und -techniker sollen in das Netz einbezogen werden. Und auch das Know-how von Produkt- herstellern, Homecareunternehmen, Sanitätsfachhandel, Apotheken und Kostenträgern soll mit einfließen. Durch eine kompetente und part- nerschaftliche Zusammenarbeit aller den Patienten behandelnden und be- treuenden Fachbereiche soll der Pati- ent mit chronischen Wunden die opti- male Versorgung erhalten. Außerdem wird die Kompetenz der Mit glieder und der beteiligten Partner durch Schulungen, Workshops und De- monstrationen sowie regelmäßige Fachvorträge gefördert. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung und Definition von Standards zur Wundversorgung . Dabei geht es um Beratung, Anleitung und Schulung von PatientInnen mit chronischen Wunden und deren Angehörigen, die Förderung und Erhaltung der Lebens- qualität von Patienten mit chroni- schen Wunden, die Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Fachverbän- den und -organisationen sowie ande- ren Wund zentren im Bundesgebiet. E s beginnt mit kalten Füßen und einem tauben Gefühl in den Beinen. Bei längeren Spazier- gängen treten krampfähnliche Muskelschmerzen auf. Betroffene blei- ben stehen, bis der Schmerz nachlässt. „Schaufensterkrankheit“ nennt der Volksmund diese Erkrankung. Medi- ziner sprechen von Arteriosklerose in den Beinen oder peripherer Arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Ursache sind Durchblutungsstörungen der Ex- tremitäten als Folge von Verschlüssen oder Stenosen (Verengungen) der die Beine versorgenden Arterien. Die Folge sind starke Schmerzen in den Beinen. Um diese Pein zu vermeiden, bewegen sich die Betroffenen immer weniger. So riskieren sie jedoch, dass sich der Zustand ihrer Gefäße bis hin zu einem Herzinfarkt oder einer Amputation rapide verschlechtert. „Besserung verspricht auch in die- ser Phase noch gezielter Gefäßsport“, weiß Chefarzt PD Dr. Thomas Petzold. Das ist Gehtraining mit eingebauten gymnastischen Übungen unter An- leitung einer ausgebildeten Trainerin. Die Klinik für Gefäßchirurgie und En- dovaskuläre Chirurgie des Klinikums Saarbrücken arbeitet in diesem Bereich eng mit dem TuS St. Arnual zusammen. Einmal wöchentlich, immer montags um 16 Uhr, trainieren Frauen und Männer zwischen 50 und 85 Jahren in der Turnhalle Hohe Wacht 60 Minuten lang unter Anleitung der lizenzierten Fachübungsleiterin Margit Kleber; regel mäßig schauen auch Ärzte des Klinikums vorbei. Und damit niemand überfordert wird, wird vor und nach jeder Übungsstunde der Blutdruck gemessen und nach dem Befinden be- fragt. Alles wird genau dokumentiert. In einem zehnminütigen Aufwärm- training werden Zehen, Füße und Beine beweglich gemacht und durch Herz- Kreislauftraining eine erste verstärkte Durchblutung angeregt. Die Muskula- tur und das Herz-Kreislaufsystem wer- den auf die kommende Belastung vor- bereitet. Mit Bällen, Reifen oder Seilen wird der ganze Körper in die Bewegung einbezogen. Dabei werden Koordinati- on, Beweglichkeit und Kraft geschult. Der Schwerpunkt liegt auf dem Trai- ning der Ausdauer (Gehtraining), abge- stimmt auf die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen. Mit einer Spiel-/Entspan- nungsphase klingt die Stunde aus. Margit Kleber, die seit Jahren als Übungsleiterin im Rehasport arbeitet, erklärt: „Mit diesem Mix an Übun- gen wollen wir erreichen, dass die Beinmuskeln besser mit Sauerstoff versorgt werden, um so langsam die Geh strecken zu erhöhen. Schließlich regt Bewegung den Körper an, auch Umgehungskreisläufe für verengte oder verstopfte Gefäße zu bilden. Au- ßerdem sollen die Koordination, Flexi- bilität, dynamische Kraft und Ausdau- er verbessert werden. Und natürlich macht Sport unter Gleichgesinnten auch mehr Spaß.“ Übrigens: Die Wirkung des gezielten und regelmäßigen Gehtrainings ist wissenschaftlich belegt. Nach drei Monaten intensivem Training können Betroffene schmerzfrei doppelt so weit gehen wie zuvor. Spaziergänge haben diesen Effekt nicht. Hinzu kommt, dass Bewegungsmangel neben Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck einen Risikofaktor für eine pAVK darstellt. Er- fahrungsgemäß bewegt sich jemand nach der Diagnose ohne Anleitung und Gruppe nicht plötzlich mehr als vorher. Damit das Training langfristig Sinn macht, sollten Betroffene auf das Rauchen verzichten und – wenn nötig – Gewicht reduzieren. Wundnetz Saar gegründet Chefarzt der Gefäßchirurgie des Klinikums im Koordinatorenteam Gehtraining hilft Gefäßsport für Menschen mit Schaufensterkrankheit Nähere Informationen zum Gefäßsport gibt es beim TuS St. Arnual, Manfred Breit, 1. Vorsitzender, Telefon 0681-854425 Margit Kleber, Übungsleiterin, Telefon 06893-5575 www.tus-st-arnual.de E-mail: [email protected] Gefäßchirurgie: Telefon 0681/963-2921 INFO Im Koordinatorenteam: der Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, PD Dr. Thomas Petzold Sie hat viel Erfahrung als Übungsleiterin im Gefäß- und Rehasport: Margit Kleber Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie Telefon 0681/963-2921 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 7 Bei Herzinfarkt zählt jede Minute Häufigster Vorbote: Enge in der Brust – Hilfe durch Stents Beim Herzinfarkt zählt jede Minu-te, weiß der Kardiologe. Deshalb sollten auch Laien die Herzdruckmas- sage beherrschen und – wenn vorhan- den – die automatisierten externen Defi brillatoren (AED), die sich oft in öffentlichen Gebäuden befinden, be- dienen können, um damit Leben zu retten. Allerdings sollte die Therapie unbedingt innerhalb von fünf Minu- ten einsetzen und sofort die 112 oder die 19222 (Mobiltelefon: 0681/19222) gewählt werden. Prof. Dr. Görge ist sich sicher: „Wenn es gelingt, das Herz wieder in Takt zu bringen, stehen die Chancen auf ein Überleben gut.“ Die Akutversor- gung nach Gefäßverschlüssen am Herzen habe sich enorm verbessert. „Verschlossene Gefäße können wir im Herzkatheterlabor bei mehr als 95 Prozent aller Behandelten wieder öff- nen. Fast immer bekommt der Patient dann eine Metallstütze eingesetzt, um das Gefäß dauerhaft frei zu halten. Mit diesen Stents erreichen wir eine Verbesserung der Pumpfunktion und eine Verringerung der Sterblichkeit nach dem Herzinfarkt“, sagt der Herz- spezialist. Allerdings rufen die meisten Pati- enten den Notarzt viel zu spät – und verlieren so wertvolle Zeit. Die Gründe dafür kennt der Notfallmediziner. „Ei- nige Patienten verharmlosen die Be- schwerden. Warten, bis sie unerträg- lich werden. Bei Herzschmerzen in der Nacht gehen manche lieber erst am Morgen zu ihrem Hausarzt.“ Zudem seien Infarkte nicht immer mit star- ken Schmerzen verbunden, etwa dann, wenn durch Diabetes feinste Schmerz- rezeptoren in den Geweben um das Herz abgestorben seien. Untypische Symptome würden oft auch als Ma- genbrennen oder Halsweh verkannt. Dabei entwickelt sich ein Herzinfarkt nicht von heute auf morgen. Er ist fast immer das Ergebnis jahrelanger Herz- kranzgefäß-Veränderungen, die unter dem Begriff „koronare Herzkrankheit“ zusammengefasst werden. Typisch für dieses Krankheitsbild sind Veren- gungen der Herzkranzgefäße, hervor- gerufen durch cholesterinhaltige Ab- lagerungen an ihren Wänden. Diese so genannten Plaques verengen den Gefäßinnenraum mit der Zeit immer mehr. So bilden sich Stenosen (Engstel- len), die der Blutstrom nicht mehr un- gehindert passieren kann. Der Betrof- fene spürt diese Verengung allerdings erst, wenn sie mehr als 70 Prozent des Gefäßes umfasst. Es kommt zur Angi- na pectoris oder Herz enge. Sie bereitet in abgeschwächter Form ähnliche Be- schwerden wie ein Herzinfarkt: Brust- schmerzen, Atemnot, Übelkeit. Und ist seine häufigste Vorbotin. Schon beim geringsten Verdacht ist es deshalb an- gemessen, den Notarzt zu rufen. „Dabei soll unbedingt das Wort Herzinfarkt fallen“, sagt der Kardiolo- ge. Wichtig ist es dann, Ruhe zu be- wahren, den Kranken mit erhöhtem Oberkörper zu lagern. „Wer einmal einen Infarkt hatte, bleibt lebenslang anfällig für einen weiteren“, warnt Herzspezialist Prof. Dr. Görge. Daher ist die Vorbeugung vor erneuten Ver- schlüssen lebensnotwendig. Nur der richtige Lebenswandel, gesunde Er- nährung, moderne Medikamente und regelmäßige Kontrolluntersuchungen können die Gefahr für weitere Infarkte minimieren. „Wenn das richtige Ver- halten zwei, drei Wochen lang einge- übt und immer wieder erklärt wird, so ist die Chance hoch, dass die Patienten dies in ihren Alltag übernehmen“, ist sich Prof. Dr. Görge sicher. Im Klinikum Saarbrücken sorgen die Ärzte dafür, dass die Patienten nach einem Herzin- farkt in die Reha-Klinik und danach in eine Herzsportgruppe gehen können. Prof. Dr. Günter Görge hat 2007 im Saarland die erste Chest Pain unit, eine Einheit zur 24-Stunden-Abklärung von Brustschmerzen und Herzinfarkten, gegründet. Seit 2009 ist sie zertifiziert. Unklare Brustschmerzen abklären lassen Das Klinikum Saarbrücken hat 2007 als erstes Krankenhaus im Saarland eine Einheit zur Abklärung von unklaren Brust- schmerzen eingerichtet. Die Brustschmerzeinheit (auch: Chest Pain Unit) ist die Anlaufstelle für alle Patienten mit unkla- ren akuten Brustschmerzen – rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Die Brustschmerzeinheit des Klinikums Saarbrücken ist seit Juli 2009 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert, gerade wurde sie wieder neu zertifiziert. Durch das Zusammenspiel mit den anderen Fachabteilungen des Klinikums können hier auch alle anderen Ursachen (or- thopädische, psychosomatische, Beschwerden der inneren Organe ...) schnell erkannt und behandelt werden. Im Zweifels- fall hilft das superschnelle Herz-CT weiter, das neben dem Herzen auch die Lunge, die Lungengefäße und die Körperschlag- ader abbildet. Notfälle wenden sich an die Rettungs leitstelle unter Telefon 112 oder 19222 (Mobiltelefon: 0681/19222). Leben retten mit dem Mobiltelefon Als Smartphone – Besitzer kennen Sie sicher die kleinen Programme, mit denen Sie die Funktionalität Ih- res Geräts erweitern können. Eine solche App gibt es jetzt auch von der deutschen Herzstiftung für das iPhone. Sie soll Sie beim Erkennen der Symptome eines Herzinfarkts sicherer machen und Ihnen beim Umgang mit Notsituation helfen. Die App (Abkürzung für engl. „Ap- plication“: Anwendung) mit über 20 anschaulichen grafischen Abbil- dungen informiert Laien über die häufigsten Herzinfarkt-Alarmzei- chen und hilft, die infarkttypischen Symptome schnell und richtig zu deuten. Auch stellt die App die über- lebenswichtige Herzdruckmassage dar und gibt dazu in kurzen Sätzen konkrete Handlungsanweisungen. Das Besondere an der Anwendung ist, dass sie den direkten Notruf 112 ermöglicht und so keine lebens- rettende Zeit verloren geht. Die Herznotfall-App ist auch für ande- re Smartphone-Systeme (Android) geplant. Die Herznotfall-App für das iPhone steht kostenlos zum Download bereit unter:http://itunes.apple.com/de/ app/herzstiftung-app/id540338564 Herzsport auf Überweisung Der ehemalige Chefarzt der Kardio- logie des Klinikums Saarbrücken, Prof. Dr. Klaus Zwirner, betreut in Saarbrücken in Zusammenarbeit mit dem Behinderten- und Reha- bilitations-Sportverband e.V. Herz- sportgruppen. Sie finden montags, mittwochs und freitags um 17 Uhr, mittwochs und freitags auch um 18 Uhr in der Turnhalle des Gymna- siums am Schloss, Talstraße, 66119 Saarbrücken, statt. Die Gruppen werden nach den Kriterien Diagnose, Alter und Gesundheitszustand (Fit- ness) eingeteilt. Interessierte sollten eine ärzt- liche Verordnung für den Reha- bilitationssport in Herzgruppen mitbringen; außerdem eine Kopie des letzten Krankenhausberichtes mit Befunden. Anmeldung und Information: Jola Bauer, Innere Medizin II des Klinikums Saarbrücken, Telefon 0681/963-32571 REHA PRÄVENTION Weitere Infos unter Telefon 0681/963-2434 Brustschmerzeinheit/ Herzinfarktzentrum Telefon 0681/963-1919 INFO In Deutschland erleiden täglich 800 Menschen einen Herzinfarkt, für ein Fünftel ist der Herzinfarkt tödlich. Zum Herz- infarkt kommt es, wenn das Herz kein Blut mehr pumpt, weil ein Blutgerinnsel die Herzkranzarterie verstopft und dem Organ den Sauerstoff raubt, erklärt der Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Saarbrücken, Prof. Dr. Günter Görge, der auch Ärztlicher Leiter des bodengebundenen Notarztstandortes auf dem Winterberg ist. www.klinikum-saarbruecken.de
  • In den vergangenen zehn Jahren ha- ben neue Entwicklungen im Bereich der Technologie und der Medikamen- te die Behandlungsmöglichkeiten in der Augenheilkunde grundlegend ver- ändert. Neue Verfahren und Operati- onsmöglichkeiten haben Einzug in die tägliche Routine genommen, die vor Jahren nicht mal vorstellbar waren. Für Krankheitsbilder, die früher nicht heilbar waren, wurden erfolgverspre- chende Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Prof. Dr. Christian Teping, Chefarzt der Augenklinik, stellt Ihnen einige dieser neuen Verfahren vor. Medikamenteninjektion bei feuchter Maculadegeneration Das im höheren Alter sehr häufig vor- kommende Krankheitsbild der feuchten Maculadegeneration führte früher un- weigerlich zur hochgradigen Sehmin- derung oder zur Erblindung; durch die Entwicklung hochaktiver Medikamente lässt sich heutzutage der Krankheitsver- lauf deutlich verzögern oder sogar kom- plett stoppen; dabei wird der Wirkstoff bei wiederholten operativen Medika- menteninjektionen in das Augeninnere eingebracht. In den meisten Fällen kann so eine drohende Erblindung verhin- dert werden. Operative Verfahren bei Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers Auch die operativen Behandlungs- möglichkeiten bei Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers haben sich in den letzten drei Jahren komplett geändert; aus früher durchgeführten sehr umfangreichen und belastenden Operationen sind minimal-invasive Eingriffe – Stichwort: Mikrochirurgie – geworden, die zum einen den Patienten weniger belasten und zum anderen ein rascheres und meist auch besseres Funk- tionsergebnis zur Folge haben. Dank der Weiterentwicklung der Oberflächen- bearbeitung von Metallen konnten die Operationsinstrumente immer mehr verfeinert werden. Aus plumpen, gro- ben und unzuverlässigen Instrumenten wurden hochpräzise und zuverlässige Schneidwerkzeuge. Der Durchmesser der Instrumente wurde ständig kleiner, wodurch auch die Operationsstelle ver- kleinert werden konnte, nahtlos verheilt und die Komplikationsrate sank. Effektivere Behandlung diabetischer Augen erkrankungen Diabetische Netzhaut- und Glaskör- pererkrankungen lassen sich neben der bereits lange bestehenden Laserbe- handlung durch Injektion hochaktiver Medikamente in den Glaskörperraum des Auges effektiver behandeln; insbe- sondere die genau in der Mitte gelege- ne Netzhautschwellung bei der Diabe- teserkrankung war früher gefürchtet. Durch wiederholte Wirkstoffeinsprit- zungen vor die Netzhaut, gegebenen- falls kombiniert mit einer Laserbehand- lung oder auch einer minimalinvasiven Netz hautoperation, lässt sich auch die- ses gefürchtete Krankheitsbild mit gu- ten Chancen heute besser behandeln. Canaloplastik – ein neues Operationsverfahren beim Grünen Star Weniger belastend, patienten- schonend, komplikationsärmer und dabei höchst effektiv sind die neuen Operationsmethoden beim Grünen Star (Glaukom). Neben mehreren laser- chirurgischen und konventionellen Operationsmethoden hat sich insbe- sondere die Schienung und Dehnung des Abflusskanals im Augeninneren mittels eines lasergesteuerten Micro- katheters („Canaloplastik“) bewährt. In den meisten Fällen gelingen mit dieser Operationsmethode eine gute Augen- druckeinstellung und eine Reduktion der notwendigen Tropfenbehandlung. Schnellere und bessere Ergebnisse bei Hornhaut- erkrankungen Auch im Bereich der modernen Chirurgie von Hornhauterkrankungen haben sich aktuel l wesentl i - che Veränderungen ergeben: In etwa 40 Prozent der schweren Hornhauterkrankungen, bei denen bisher eine komplette Hornhaut-Trans- plantation die einzige Operationsmög- lichkeit war, bietet ein neues schonen- deres Verfahren eine deutlich geringere Patientenbelastung und sogar schnelle- re und bessere Behandlungsergebnisse. Bei dem so genannten DMEK-Verfahren („Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik“) wird nicht mehr die gesamte Hornhaut, sondern nur der er- krankte Teil der Hornhautinnenschicht – das so genannte Endothel – ersetzt. Dies ist eine ganz feine zelltragende Schicht an der Rückfläche der Hornhaut. Mit diesem Verfahren tritt im Ver- gleich zum kompletten Hornhaut- ersatz eine sehr viel schnellere Seh- verbesserung ein. Außerdem wird in der Folge auf Grund der fehlenden Nähte eine Hornhautverkrümmung vermieden. Wochen- und monatelange Heilungsverläufe wie bei einer kom- pletten Hornhaut-Transplantation er- geben sich bei diesem Verfahren nicht mehr. Bereits nach wenigen Tagen kommt es zu einer früher nicht mög- lichen Steigerung der Sehleistung. Künstliche Hornhaut bei schwersten Krankheitsfällen Neue Wege gibt es auch bei bis- her hoffnungslosen Fällen von Horn- hauterkrankungen. Menschen, bei denen die Augen nach schwersten Verätzungen oder Verbrennungen, Geschwüren oder Infektionen erkrankt sind, hatten bisher nach vergeblichen Hornhauttransplantationen keine Chance mehr auf die Wiedererlangung ihrer Sehfähigkeit. Dies hat sich nun durch die anspruchsvolle Einpflan- zung der neu entwickelten sogenann- ten Boston-Keratoprothese geändert. Durch die Übertragung dieser künst- lichen Hornhaut (Keratoprothese) können schwerst erkrankte Augen ein verwertbares Sehen zurückgewinnen. Grauer Star: Sonderlinsen gleichen Fehlsichtigkeit aus Für viele Menschen von Interesse sind auch die aktuellen Entwicklungen bei der Operation des Grauen Stars. Durch immer weiter entwickelte Im- plantate lässt sich durch Operation des Grauen Stars nicht nur die störende Eintrübung beseitigen, sondern auch eine bestehende Fehlsichtigkeit wie Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung korrigieren. Dies geschieht mit sogenannten Son- derlinsen, welche im Augeninneren wie eine Kontaktlinse die vorhandenen Sehfehler ausgleichen können. Für den Patienten ergibt sich nach erfolgreicher Staroperation mit diesen Sonderimplantaten eine bessere Seh- leistung ohne Brillenkorrektur als bei der Verwendung von Standard-Im- plantaten. Sogar die Alterssichtigkeit lässt sich durch die entsprechende Wahl der künstlichen Linse sehr gut korrigieren. Sonderlinsen sind aller- dings für den Patienten zuzahlungs- pflichtig – auch wenn ein großer Teil der Kosten von der Krankenkasse erstattet wird. Laser- und linsenchirurgische Verfahren bei Fehlsichtigkeit Moderne Operationsmethoden sind übrigens vielfach auch von Interesse für Patienten, die gar keinen Grauen Star haben, sondern allein unter ihrer starken Fehlsichtigkeit leiden; dies ist z.B. bei hochgradiger Kurz- und Weit- sichtigkeit oder auch störender Alters- sichtigkeit der Fall. Auch für sie stehen inzwischen laser- oder linsenchirur- gische Verfahren zur Verfügung, die die vorhandene Fehlsichtigkeit komplett beseitigen können. Bahnbrechende Neuerungen in der Augenheilkunde Prof. Dr. Christian Teping, Chefarzt der Augenklinik (rechts): „In den letzten Jahren hat sich enorm viel getan – viele heute an gewandte Verfahren und Operationsmöglichkeiten waren vor zehn Jahren nicht mal vorstellbar.“ Augenklinik Telefon 0681/9 63 - 2744 INFO KLINIKINFO 8 www.klinikum-saarbruecken.de
  • D ie Schulter ist das beweglichste Kugelgelenk im menschlichen Körper. Für die Funktion des Schulter- gelenks sind nicht nur die Knochen wichtig, sondern auch Muskeln, Seh- nen und Schleimbeutel. Das Zusam- menspiel zwischen diesen und den am Gelenk beteiligten Knochen ist komplizierter als an den übrigen Ge- lenken des Körpers und in vieler Hin- sicht störanfällig. Oft langer Verlauf Fast jeder Mensch leidet irgend- wann mal in seinem Leben unter unklaren Schmerzen in den Schul- tergelenken. Diese Schmerzen treten meist ohne äußere Ursache auf, kön- nen manchmal von kleinen Bagatell- verletzungen (Prellungen, Zerrungen) eingeleitet werden und haben oft ei- nen sehr langen Verlauf, der über viele Wochen und manchmal Monate geht. Die Schmerzen können dazu führen, dass Bewegungen, die mit der Rück- nahme des Armes verbunden sind, wie z. B. beim Schließen des BHs oder beim Griff in die Gesäßtasche, sehr schmerzhaft und teilweise auch er- heblich eingeschränkt sind. Häufig kommt es auch vor, dass der Nacht- schlaf durch Schmerzen gestört wird, wenn man auf der Schulter liegt. Ursächlich für diese Probleme ist in 90 bis 95 Prozent der Fälle die durch Abnutzung bedingte Veränderung in einer Sehne, die zwischen dem Oberarmkopf und dem knöchernen Dach des Schultergelenkes verläuft. Die Sehne heißt Supraspinatusseh- ne und wird bereits sehr früh (im Al- ter zwischen und 30 und 40 Jahren) von degenerativen Veränderungen heimgesucht. Diese Veränderungen dehnen sich im Lauf der Zeit in der Sehnenstruktur aus, führen zu Verkal- kungen und später zu kleinen Rissen. Prof. Dr. Ulrich Harland, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfall- chirurgie, erklärt: „Die Risse treten in der Regel zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, werden immer größer und können bei der Gruppe der über 80jährigen so groß sein, dass sie zwei bis drei Zentimeter des gesamten Sehnenumfanges ausmachen.“ Ver- änderungen der Sehne gehören so wie viele andere Dinge zum normalen Alterungsprozess. Nicht immer schmerzhaft Dieser Prozess führt allerdings nicht zwangsläufig und in allen Fäl- len zu Schmerzen. Erst durch eine Rei- he ungünstiger Bedingungen kann es im Verlauf dieser Veränderungen zu schmerzhaften Zuständen kom- men. Es ist wichtig zu wissen, dass auch eine Schulter mit ausgeprägten Kalkeinlagerungen in der Sehne gut funktionieren kann, ebenso wie eine Schulter mit Einrissen in der Supra- spinatussehne. „Am ehesten kann man sich das Zusammenspiel der Sehnen und Muskeln am Schultergelenk wie die vielen Fäden bei der Bewegung einer Marionette erklären“, so Harland. „Ein geschickter Spieler wird es auch ver- kraften, wenn einer der Fäden geris- sen ist. Er wird durch Umlernen der Bewegung wieder geschickt mit der Marionette umgehen können. Ähn- lich ist es am Schultergelenk: Durch Krankengymnastik, Beweglichkeits- training und Muskelaufbau kann eine einmal eingetretene Störung in vielen Fällen wieder zur normalen Funktion gebracht werden.“ Bei Rissen, die relativ frisch und noch reparabel sind, besteht die Indi- kation, diese Risse zu reparieren und die Sehne zu nähen. Um hier eine richtige Indikation zu stellen, ist viel Erfahrung in der Schulterchirurgie erforderlich. Für die Diagnose dieses Krankheitsbildes ist eine fachärztli- che Untersuchung erforderlich. Ein Röntgenbild ist notwendig, um aus- zuschließen, dass entzündliche Ver- änderungen, tumoröse Erkrankungen oder arthrotische Veränderungen des Schultergelenkes hinter diesen Pro- blemen stecken. Ein Ultraschall oder eine kernspintomographische Unter- suchung geben Auskunft über den Zustand der beteiligten Weichteil- strukturen, der Sehnen und Muskeln. Manchmal auch Arthrose In den – eher seltenen - Fällen, in de- nen eine vorliegende Arthrose zu ei- ner Einengung des Raumes unterhalb des Schultereckgelenkes führt und die Supraspinatussehne dauerhaft ein- geengt wird, kann es sein, dass sich der Zustand trotz krankengymnasti- scher Behandlung nicht bessert. Auch andere anatomische Veränderungen können zu einer Einengung führen, so dass die Supraspinatussehne dauer- haft Probleme macht und der Zustand nicht ausreichend verbessert werden kann. Dann sind minimal-invasive Operationen sinnvoll, die zu einer Er- weiterung des Raumes unterhalb des Schultergelenks führen. Wenn sehr früh, z. B. durch Unfälle, Risse in der Supraspinatussehne auf- treten und diese Risse sehr groß sind, so kann als Folge am Schultergelenk eine Arthrose entstehen. Arthrosen des Schultergelenkes und sehr gro- ße Risse können zu sehr starken Be- schwerden führen, die nicht nur bei Bewegungen weh tun, sondern auch die Nachtruhe durch Schmerzen dau- erhaft stören. In diesen Fällen besteht die Indikation zur Operation. Allerdings: Wenn alte Sehnenrisse vorliegen und der Riss sehr groß ist, kann diese Sehne nicht mehr genäht werden. Für diese Fälle ist eine so ge- nannte „inverse Schulterprothese“ sinnvoll. Die Prothese heißt Invers (umgekehrt) weil sie die Anordnung der Gelenkpfanne und des Kopfes ver- tauscht. Die Schulter ist ein Gelenk, das auf eine sehr gute Muskelfunktion und ein gutes Zusammenspiel der Mus- keln angewiesen ist. Dies muss be- sonders dann berücksichtigt werden, wenn operative Maßnahmen durch- geführt werden. Prof. Dr. Harland weiß, dass hier ein Quäntchen Geduld und Ausdauer gefordert ist: „In allen Fällen, in denen Operationen durch- geführt werden, sind anschließende krankengymnastische Behandlungen erforderlich, die sich über mehrere Wochen oder Monate erstrecken.“ Wenn die Schulter schmerzt Erkrankungen an der Schulter durch Abnutzung bedingt: meistens ist die Ursache die Supra spinatussehne Die Schulter: Wenn das Zusammenspiel aus Knochen, Sehnen, Muskeln und Schleimbeuteln gestört ist, treten Beschwerden auf Prof. Dr. Ulrich Harland, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie: „Bei der Behandlung von Schultergelenkser- krankungen sind dauerhaftes Training und Geduld gefordert.“ Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie Telefon 0681/963-2896 INFO KLINIKINFO 9 www.klinikum-saarbruecken.de
  • Ein solcher Fehlbiss zeigt sich oft schon im Kindes- und Jugendalter. In der Regel wird dann versucht, die Fehlstellung mit einer kieferorthopädi- schen Behandlung (z.B. Kiefer spange) zu korrigieren. Ist die Fehlstellung aller dings so gravierend, dass an eine operative Korrektur gedacht werden muss, so wird diese in der Regel erst nach dem Abschluss des Wachstums durchgeführt, da erst dann die voll- ständige Ausprägung der Fehlstellung erreicht ist, weiß Prof. Dr. Dr. Josef Dum- bach, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichts chirurgie sowie Plastische Operationen des Klinikums Saarbrücken. Zu hoch, zu tief, zu schmal, zu breit „Es gibt mehrere Formen einer Fehlstellung“, erläutert der leitende Oberarzt Dr. Dr. Herbert Rodemer. Die Experten sprechen von drei Fehler- achsen: Fehlstellungen können ent- weder in der „Transversalen“ (der Kiefer ist zu schmal oder zu breit), der „Sagittalen“ (der Kiefer ist zu weit vorn und oder zu weit hinten) oder der Vertikalen (der Kiefer ist zu hoch oder zu tief angelegt) bestehen. Und das ist nicht nur ein ästheti- sches Problem. Eine falsche Belastung der Zähne könne zu frühzeitigem Ver- lust führen, so Dr. Dr. Herbert Rodemer. Die Fehl- und Überbelastung der Kiefergelenke verursache oft hart- näckige Schmerzen. Die Kosten für die operative Korrektur der Fehlstellung werden von den Krankenkassen über- nommen. Feinchirurgischer Eingriff Wenn eine Operation erforderlich wird, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der Kieferorthopädie und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschir- urgie wichtig. Mit einer kieferortho- pädischen Vorbehandlung werden mit Hilfe herausnehmbarer oder fest- sitzender Spangen zunächst Fehlstel- lungen einzelner Zähne behandelt und die Zähne in eine optimale Posi- tion für die Operation gebracht. Die im Anschluss durchgeführte Fehlstel- lungs-Chirurgie korrigiert mittels seit vielen Jahren erprobter und bewähr- ter OP-Techniken Fehlbisse, indem der Kiefer in jene Position gebracht wird, in der er sich befinden sollte, um spä- ter bestmöglich zubeißen zu können. Hierzu ist eine exakte Planung und Simulation an speziell angefertigten Gipsmodellen und Röntgenbildern erforderlich. Diese Eingriffe erfolgen durch die Mundhöhle ohne die früher üblichen aufwändigen Verdrahtungen. Sichtba- re äußere Hautschnitte sind nicht nötig. Es sind feinchirurgische Eingriffe mit höchster Präzision, die viel Erfahrung des Operateurs erfordern. Diese ge- hören aber heutzutage zur Routine in der modernen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Dr. Dr. Rodemer hat schon zahlreiche solcher Operationen mit Erfolg durchgeführt. Die Eingriffe, die unter Vollnarkose durchgeführt werden, dauern in der Regel zwei bis drei Stunden, der stationäre Aufent- halt in der Klinik vier bis fünf Tage. Hilfe bei Zahnengstellungen Wenn der Kiefer so schmal ist, dass nicht alle Zähne genügend Platz in der Zahnreihe haben, gibt es heute eine Lösung, bei der der Chirurg den Kie- ferorthopäden unterstützten kann: Mittels Distraktionsosteogenese – vergleichbar mit einem Expander – lässt sich heute der Kieferknochen in die Breite dehnen. Dabei wachsen Muskeln, Nerven und Gefäße mit. Den gewonnenen Platz nutzen die Kieferorthopäden aus, um Zähne, die man vorher vielleicht hätte entfernen müssen, perfekt in die Zahnreihe ein- zuordnen. Zähne müssen dann nicht mehr gezogen werden, um Zahneng- stände in den Griff zu bekommen. Die Mund-, Kiefer-, Gesichtschirur- gie macht’s möglich, dass man auch bei Fehlstellungen „wieder kräftig zubeißen kann …“. D ie Unfall-, Hand- und Wiederher-stellungschirurgie des Klinikums Saarbrücken ist seit Jahren als „Hand- chirurgisches Zentrum“ von den Be- rufsgenossenschaften anerkannt. Seit der Übernahme der fachlichen Verant- wortung durch Chefarzt PD Dr. Christof Meyer besteht wieder die volle Weiter- bildungsbefugnis der Ärztekammer, was die Ausnahmestellung in diesem Spezialgebiet unterstreicht. So hat Oberarzt Christian Müller (46) die Wei- terbildung zum Handchirurgen bei der Ärztekammer des Saarlandes bestan- den und darf offiziell diese begehrte Zusatzbezeichnung führen. Er ist seit 1993 als Arzt im Klinikum Saarbrücken tätig, im Jahr 2000 machte er seinen Facharzt als Unfallchirurg, seit 2007 ist er Oberarzt im Zentrum für Orthopä- die und Unfallchirurgie. Er beherrscht spezielle Operationsmethoden ein- schließlich mikrochirurgischer Techni- ken, die es gerade in der Handchirurgie braucht. In diesem Rahmen ist er auch Ausbilder und Referent bei einem der etabliertesten Handchirurgischen Operationskurse in Deutschland am Universitätsklinikum in Gießen. Und nicht nur das: Die Hand- chirurgen des Klinikums Saarbrücken und der Klinik für Handchirurgie Bad Neustadt haben zusammen mit einer Tuttlinger Firma ein neues Implanta- tesystem entwickelt – speziell für die Behandlung von Fingerbrüchen. „Zum Wohle unserer Patienten sind viele un- serer handchirurgischen Erfahrungen eingeflossen und technisch umge- setzt worden“, freut sich Chefarzt PD Dr. Meyer. Hilfe bei Kieferfehlstellungen Enge Zusammenarbeit von Zahnarzt, Kieferorthopäde und Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg nötig Chefarzt Prof. Dr. Dr. Josef Dumbach und Oberarzt Dr. Dr. Herbert Rodemer betonen die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Zahnärzten und Kieferorthopäden bei der Behandlung von Kieferfehlstellungen Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und Plastische Operationen Telefon 0681/9 63 - 23 31 Unfall-, Hand- und Wieder herstellungschirurgie Telefon 06 81/9 63 - 24 81 INFO INFO Unter Kieferfehlstellungen – medizinisch Dysgnathien genannt – leiden Millio- nen Bundesbürger. Schon das Abbeißen eines Stück Brots kann Probleme machen, wenn die Zähne von Ober- und Unterkiefer nicht richtig aufeinander passen. KLINIKINFO 10 Unfallchirurgie bildet Handchirurgen aus Chefarzt PD Dr. Christof Meyer führt das von den Berufsgenossenschaften anerkann- te Handchirurgische Zentrum. Er ist in der Facharzt-Weiterbildung aktiv und ist an der Entwicklung besserer Implantate beteiligt. Oberarzt Christian Müller hat die Weiter- bildung zum Handchirurgen erfolgreich absolviert www.klinikum-saarbruecken.de
  • U rsache ist ein entwicklungs-bedingt verkürzter Harn leiter, wodurch die Harnblase nicht aus- reichend abgedichtet werden kann. Etwa 60 Prozent der Kinder kommen mit einem Reflux auf die Welt, bei den unter 5-jährigen besteht die Störung nur noch bei fünf Prozent. Nur bei ca. einem Prozent der Kinder ist eine operative Behandlung erforderlich. Unerkannt und unbehandelt kann es zu dauerhaften Schädigungen der Niere kommen. Um solche schwer- wiegenden Spätfolgen zu verhindern, sollte eine Refluxerkrankung so früh wie möglich abgeklärt werden. Fieber- hafte Harnwegsinfekte bei Kindern können ein Hinweis sein: 30 bis 40 Pro- zent der Kinder mit Harnwegsinfekten haben einen vesikoureteralen Reflux. Leider wird die Erkrankung oftmals zu spät diagnostiziert. So weisen 20 bis 30 Prozent der Kinder bei der Diagnosestel- lung schon Narben in den Nieren auf. In der Kinderurologie des Klinikums Saarbrücken werden Kinder mit dieser Entwicklungsstörung endoskopisch, das heißt mit der so genannten Schlüs- sellochtechnik, behandelt. Die Urologen im Klinikum arbeiten seit einiger Zeit mit einer neuen Behandlungsmethode, der minimalinvasiven Harnleiterunter- spritzung – eine neue Behandlungs- methode, die aus Schweden kommt und saarlandweit einmalig ist. Schonende Schlüssellochtechnik Bisher behandelte man die betrof- fenen Kinder meist ausschließlich mit Antibiotika gegen die Harnwegs- infekte. Da es sich um eine Entwick- lungsstörung handelt, bildete sich die Refluxerkrankung dann in den meisten Fällen mit der Zeit von alleine zurück. Doch die Antibiotika-Therapie birgt auf Dauer angewendet Risiken und wird von führenden Medizinern mit Skepsis betrachtet. So bemerkt Prof. Dr. Jens Möller, Chefarzt der Kinder klinik: „Bis heute liegen keine Studien über die Folgen einer Langzeitbehandlung mit Antibiotika im Kleinkindalter vor“. Wenn sich die Störung nicht von al- leine zurückbildet, musste bisher ope- riert werden. Dabei wurde der Harnlei- ter neu in die Blase eingepflanzt, um den Reflux in die Niere zu verhindern: Eine offene chirurgische Rekonstruk- tion mit einem operativen Eingriff in Vollnarkose, einem etwa 10-tägigen Aufenthalt in der Klinik war erforder- lich. Der Urologe und Oberarzt Dr. Markus Pflips erklärt die neue minimal-invasi- ve Methode so: „Bei der Refluxunter- spritzung wird ein Gel eingespritzt.“ Dr. Stephan Meessen, Chefarzt der Klinik für Urologie, urologische Onko- logie und Kinderurologie, erklärt: „Für den kleinen Patienten ist die mini- malinvasive Harnleiterunterspritzung weitaus schonender als ein offener chirurgischer Eingriff mit Skalpell. Und die Erfolgsrate der neuen OP-Methode ist beachtlich: In den meisten Fällen wird der Reflux in dem Augenblick, in dem die Harnleitermündung unter- spritzt wird, sofort gestoppt.“ Kinderurologische Konferenz Im Klinikum Saarbrücken arbeiten die Urologen und die Kinderärzte eng zusammen. Die Ärzte beider Kliniken treffen sich regelmäßig zur „kinderurolo gischen Konferenz“. Hier besprechen sie alle aktuellen Fälle: Wie sind die Symptome? Welche diagnos- tischen und therapeutischen Maß- nahmen können ergriffen werden, um dem Kind wirksam zu helfen? Die Urologen bieten mit ihrem speziellen Wissen und ihrer OP-Erfahrung eine optimale Ergänzung zur Erfahrung der Kinderärzte. Dr. Stephan Meessen weiß: „Wir Urologen bringen nicht nur unser Fachwissen ein, sondern auch unsere Technik. Und zwar sowohl im Falle einer Operation als auch bei der Untersuchung. So verfügen wir zum Beispiel über einen urodynamischen Blasenmessplatz zur Diagnose von Entleerungsstörungen der Blase.“ Neue erfolgreiche Therapie der Harnreflux- erkrankung bei Kindern Beachtliche Erfolge in der Kinderurologie mit schonender Refluxunterspritzung KLINIKINFO 11 Sie kümmern sich gemeinsam um kinder- urologische Fragestellungen – von links: Dr. Barbara Franz (betreut im Radiologi- schen Institut die Kinderradiologie), Prof. Dr. Jens Möller, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, stehend: Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Radiologi- schen Instituts, Claas Bartram, Assistenzarzt der Urologie, Dr. Stephan Meessen, Chefarzt der Urologie, Dr. Markus Pflips, Oberarzt der Urologie und Dr. Donald Wurm, Oberarzt der Kinderklinik. Die Refluxerkrankung (medizinisch: „vesikoureteraler Reflux“) ist eine relativ häufig auftretende Entwick- lungsstörung bei Kindern. Der natür- liche Mechanismus, der den Rückfluss des Harns in die Niere verhindert, ist gestört, sodass Urin aus der Blase zu- rück in den Harnleiter oder die Niere gelangen kann. Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Donald Wurm und Dr. Guido Holbeck Telefon 0681/963-2161 oder Urologie (Bereich Kinderurologie) Dr. Markus Pflips und Dr. Claas Bartram Telefon 0681/963-2568 INFO www.klinikum-saarbruecken.de
  • Jeden Tag erleiden allein im Saar-land etwa 13 Menschen einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ge- hört inzwischen in Deutschland mit zu den häufigsten Ursachen für Tod oder bleibende Behinderung mit Pflege bedürftigkeit. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Fettstoffwechsel- störungen, Zuckerkrankheit, Rauchen und Herzrhythmusstörungen. Die Ursache ist eine plötzliche Durchblu- tungsstörung im Gehirn durch Ver- engungen, Verstopfungen oder eine Gehirnblutung durch einen Riss oder Platzen der Gehirngefäße. Wenn das Gehirn nicht mehr richtig durchblutet wird, die Sauerstoffzufuhr blockiert ist, kommt es zu einem Schlaganfall. Die Symptome sind vielfältig Je nach betroffenem Hirngefäß können Lähmungen von Gesicht, Arm oder Bein, Sprachstörungen, Seh störungen, Doppelbilder, Schluck- störungen, Verwirrtheit oder gar Bewusstlosigkeit auftreten. Alle diese Symptome haben aber eines gemein- sam: Sie entstehen plötzlich, von einer Sekunde auf die andere. Und dann ist Eile geboten. Denn durch den Sauer- stoffmangel sterben pro Minute etwa zwei Millionen Gehirnzellen. Ist der Schlaganfall durch eine Ge- fäßverstopfung verursacht, so wird man das im Gefäß „verklumpte“ Blut mit einem Medikament versuchen wieder aufzulösen (Lyse). „Die Lyse ist jedoch nur erlaubt, wenn sich vorher eine Blutung als Ursache des Schlag- anfalls ausschließen lässt”, erläutert Prof. Dr. Karl-Heinz Grotemeyer, Chef- arzt der Neurologie des Klinikums Saarbrücken. Dafür ist eine Computer- tomographie vor der Medikation erforderlich. Aber: Die Therapie mit Gerinnungs- hemmer oder Blutverdünnungsmittel kann nur bis zu viereinhalb Stunden nach Beginn eines akuten Schlagan- falles eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Erfolgsquote der Lyse therapie in manchen Fällen gering ist – wenn zum Beispiel die großen Gehirnarterien mit einem Blutgerinnsel verstopft sind, so der Neurologe Prof. Dr. Grotemeyer: „Wenn es nicht gelingt, das Blut- gerinnsel medikamentös aufzulösen, weil es zu groß ist, gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, das Blutgerinnsel direkt, also mechanisch, aus dem Gehirn zu entfernen.“ Sechs Stunden Zeit „Das Zauberwort heißt Thrombek- tomie “, erklärt Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt des Instituts für Radio- logie. Dieses Verfahren nutzt kleinste Katheter mit einem Durchmesser von weniger als 0,9 Millimetern. Von den Patienten, die einen Schlaganfall auf- grund einer verschlossenen großen Hirnarterie haben, können so etwa 90 Prozent erfolgreich behandelt wer- den. Und es hat noch einen weiteren Vorteil: Das Zeitfenster für die Behand- lung ist länger offen. Dieses Verfahren kann noch nach sechs Stunden erfolg- reich angewendet werden. Nach dem Eingriff sind die betroffenen Patienten im wahrsten Sinne des Wortes „mit dem Schrecken davon gekommen“, denn sie sind oft schnell wieder relativ beschwerdefrei. „Selbst große Gerinnsel mit voll- ständigem Verschluss auch größerer Hirnarterien können mit Hilfe dieser Mikrokathetertechnik entfernt wer- den“, so der Neuroradiologe. Im Klini- kum Saarbrücken konnten in den letz- ten Monaten schon 30 Patientinnen und Patienten mit diesem Verfahren erfolgreich behandelt werden. Bisher wird dieses Verfahren, auch wenn es seit einiger Zeit offiziell zu- gelassen ist, nur in wenigen Kliniken in Deutschland angeboten. Bei aller Euphorie – im Magazin „Spiegel“ wur- de schon von einer „neuen Ära in der Therapie des Schlaganfalls“ gespro- chen – muss dennoch ermahnt wer- den, bei den beschriebenen Sympto- men schnell in die Klinik zu kommen. Denn für die meisten Schlaganfälle (85 bis 90 Prozent) gilt weiterhin das Zeitfenster von viereinhalb Stunden. „Time is brain – Zeit ist Hirn“. Je früher der Patient nach Beginn der Symptome ins Krankenhaus kommt, umso größer ist die Aussicht auf eine Wiedereröff- nung der Gefäße. Ziel ist es, möglichst optimale Be dingungen für die Hirn- durchblutung zu schaffen und dem Patienten das höchstmögliche Maß an Lebens qualität zurückzugeben. Schnelle Hilfe bei Schlaganfall Thrombektomie ist ein neuartiges Verfahren, um Blutgerinnsel im Gehirn zu entfernen Institut für Radiologie Telefon 0681/963-2351 Klinik für Neurologie Telefon 0681/963-2451 INFO „Stroke Unit“ – Schlaganfalleinheit Seit 1996 verfügt die Neurologie des Klinikums Saarbrücken über eine Schlag anfall-Spezialstation (Stroke Unit) mit derzeit zehn Betten zur inten siven Schlag- anfallbehandlung. Auf der Stroke Unit werden die Patienten rund um die Uhr durch ein spezialisier- tes multi disziplinäres Team be- treut– bestehend aus Ärzten, Pfle- gepersonal, Physiotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeitern. Die Station ist nach den Kriterien der Deutschen Schlaganfall- Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe als Überregionale Stroke Unit zertifi- ziert. Überregionale Stroke Units bezeichnen die höchste technische, medizinische und pflegerische Stufe im bundesweiten Schlag- anfall-Versorgungskonzept. INFO Prof. Dr. Elmar Spüntrup, Chefarzt der Radiologie des Klinikums Saarbrücken: „Bei Gefäßverschlüssen in den großen Hirnarterien können wir jetzt mit dem Mikrokatheter das Blutgerinnsel entfernen.“ Prof. Dr. Karl-Heinz Grotemeyer, Chefarzt der Neurologie, eröffnete 1996 die erste Stroke Unit im Saarland. „Je früher ein Schlaganfallpatient in die Klinik kommt, desto besser können wir ihm helfen.“ KLINIKINFO 12 Die Radiologen Chefarzt Prof. Dr. Elmar Spüntrup und Oberärztin Dr. Marisa Ziegler entfernen mit kleinsten Kathetern Blutgerinnsel im Gehirn. Auf den Monitoren können sie ihr Arbeitsfeld kontrollieren. www.klinikum-saarbruecken.de
  • KLINIKINFO 13 Immer öfter werden „große Schnitte“ vermieden Die Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie verfügt als einzige im Saarland über das Gütesiegel „Kompetenzzentrum für minimal-invasive Chirurgie“ Die Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie des Klini- kums Saarbrücken wurde 2010 als erste und bisher einzige Abteilung im Saarland als Kompetenzzentrum für minimal-invasive Chirurgie zer- tifiziert. Sie bekam das Zertifikat von der Deutschen Gesellschaft für Allge- mein- und Viszeralchirurgie, die bei Krankheitsbildern, die minimal-in- vasiv behandelt werden können, die Qualitätsstandards festlegt. Erfüllt eine chirurgische Abteilung diese Anforderungen, die auf wissen- schaftlichen Vorgaben und klinischer Erfahrung beruhen, ist sichergestellt, dass die Abteilung bei der Schlüssel- lochchirurgie auf einem außerge- wöhnlich hohen Niveau arbeitet. Ein erfahrener Chirurg schaute bei der Zertifizierung den Saarbrückern bei der Arbeit „auf die Finger“ und bewer- tete die Eingriffe. Damit ist das Gütesiegel für die Pa- tienten ein wichtiges Kriterium zur Bewertung einer Klinik. Die minimal- invasive Chirurgie, auch Schlüssel- loch-Chirurgie genannt, ist der Über- begriff für eine Operationstechnik, bei der Eingriffe mit speziellen Ins- trumenten vorgenommen werden. Bei dieser schonenden Technik, die im Klinikum Saarbrücken in mehreren Abteilungen bereits seit den 1980er Jahren praktiziert wird, werden große „Schnitte“ vermieden. Manchmal sind nur zwei Millimeter lange Schnitte nötig, durch die das Operationsbe- steck und die winzige Kamera in den Körper geführt werden. Eine minimal- invasive Operation ist für den Pati- enten sehr schonend. Die Genesung setzt schneller ein. Lange Kranken- hausaufenthalte können vermieden werden. Längst gilt nicht mehr die alte Chirurgenweisheit: „Große Chi- rurgen, große Schnitte“. So werden im Klinikum Saarbrü- cken die meisten Gallenblasen-, Blind- darm,- Leistenbruch-, Lungen- und Dickdarmoperationen mittels dieser modernen Schlüssellochchirurgie durchgeführt, teilweise mit nur noch einem im Bauchnabel versteckten Schnitt. Aber auch in den anderen operativen Abteilungen des Klini- kums bestehen schon seit langem Erfahrungen mit der Schlüsselloch- chirurgie. Minimal-invasive Operati- onstechniken gibt es im Bereich der Augenklinik, der Frauenklinik, der Ge- fäßchirurgie, die Kinderchirurgie, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, der Neurochirurgie, der Orthopädie und Unfallchirurgie und der Urologie. Viele minimal-invasive Eingriffe wer- den auch unter Röntgenkontrolle in Zusammenarbeit mit den Radiologen vorgenommen – zum Beispiel beim Herzkatheter und bei Eingriffen an Gefäßen, auch an Hirngefäßen. Plötzliche extrem starke Kopfschmer-zen, Übelkeit und Erbrechen, Gleich- gewichtsverlust, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen, Seh- oder Sprachstörungen – bei diesen Symp- tomen sollte umgehend der Notdienst gerufen werden. Denn sie weisen auf ein akutes Ereignis im Kopfbereich hin, das schnell diagnostiziert und behan- delt werden muss. Egal, ob es sich um einen Schlaganfall oder eine Blutung im Kopf handelt – in jedem Fall ist Eile geboten, denn beides ist ein lebensbe- drohlicher Notfall. Und: Je früher das Problem erkannt wird, umso besser sind die Chancen, ohne bleibende Ein- schränkungen der Lebensqualität zu gesunden. Das Gehirn und die es umgebenden Hirnhäute liegen auf engstem Raum und sind von der starren Schädelde- cke umgeben. Treten Schädigungen an den Gefäßen auf, die zu Blutungen führen, so ist hiervon entweder das Gehirn selbst oder der innere oder äußere Nervenwasserraum betroffen. Die Blutung übt Druck auf das Nach- bargewebe aus, da das Blut nirgend- wo abfließen kann – die Folge sind die oben beschriebenen Symptome. Daher muss schnellstens für Entlastung des Hirndrucks gesorgt werden. Es gibt viele Ursachen für Gehirnblutungen Die Chefärztin der Neurochirurgie, Prof. Dr. Cornelia Cedzich, erklärt: „Die häufigste Ursache für Hirnblutungen stellt ein ungenügend eingestellter oder unbekannter Bluthochdruck dar. Aber es gibt auch andere Ursachen für Hirnblutungen, zum Beispiel Hirntu- more oder Gefäßanomalien wie z.B. Aneurysmen. Einem Aneurysma liegt eine meist angeborene Schwäche der Gefäßwand zugrunde, die im Lauf der Zeit zu einer Gefäßaussackung führt. Oft wird ein Aneurysma erst erkannt, wenn die Gefäßwand reißt – eine Hirnblutung ist die Folge. Häufig führt ein Aneurys- ma zu einer Blutung in den mit Hirn- wasser gefüllten Bereich zwischen Gehirnhäuten und Hirn. Man spricht hier von einer „Subarachnoidalblu- tung“. Ein plötzlicher, extrem starker Kopfschmerz ist ein Hinweis auf solch eine Blutung. „Die aneurysmatische Blutung stellt einen absoluten Notfall dar“, so die Neurochirurgin Prof. Dr. Cedzich. Bei Blutungen im Kopf kann schnel- les gemeinsames Handeln - von der Diagnose bis hin zur Therapie - Leben retten. Vor allem die Neuroradiologen sind hier zusammen mit den Neuro- chirurgen gefordert und je nach Fra- gestellung auch die Neurologen. Prof. Dr. Cedzich: „Solche Krankheitsbilder können nur in modern ausgestatteten Zentren, die rund um die Uhr über alle diese Abteilungen und Diagnosemög- lichkeiten verfügen, optimal betreut werden. Im Klinikum Saarbrücken ste- hen dafür erfahrene Spezialisten an jedem Tag rund um die Uhr zur Verfü- gung.“ Von der Aufnahme im Krankenhaus bis zur endgültigen Versorgung muss alles schnell und reibungslos Hand in Hand laufen. Von der Einlieferung bis zur Behandlung dauert es im Klinikum Saarbrücken in der Regel 30 Minuten. Die Wege sind kurz, die Abläufe und die Teams aufeinander eingespielt. „Nur so kann eine exzellente Versor- gung unserer Patienten stattfinden“, erklärt die Neurochirurgin Prof. Dr. Cornelia Cedzich. Wird eine Hirnblutung in der Com- putertomographie festgestellt, wird im Anschluss umgehend eine direkte Gefäßdarstellung durchgeführt. Noch während dieser Untersuchung ent- scheidet der Neurochirurg gemeinsam mit dem Neuroradiologen, wie es mit dem Patienten weiter geht. Erfolgreiche Behandlungsmethoden Je nach Lage und Ausdehnung der Hirnblutung wird entschieden, ob konservativ oder operativ behandelt wird. Bei der konservativen (medika- mentösen) Therapie ist das Ziel, eine Gerinnungsstörung zu beheben und damit die Blutungsausdehnung und ein Ansteigen des Hirndrucks zu stop- pen. Liegt ein Aneurysma vor, so muss es möglichst rasch ausgeschaltet wer- den. Hierfür gibt es zwei erfolgreiche Therapieverfahren: Beim so genann- ten „Clippen“ wird ein Clip aus Titan auf das Aneurysma gesetzt und es so ausgeschaltet. Beim sogenannten „Coilen“ werden kleine Platinspiralen in das Aneurysma eingebracht und da- durch verschlossen. Unabhängig davon, welche Ursache eine Blutung im Kopf hat und welche Therapie erforderlich ist: Im Klinikum Saarbrücken sind alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten vorhanden. Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie Telefon 06 81/9 63 - 24 41 INFO Neurochirurgie Telefon 0681/963-2941 INFO Spontane Blutungen im Kopfbereich – der absolute Notfall Bei Blutungen im Kopf arbeiten Neurochirurgen, Neurologen und Neuro- radiologen im Team „Die häufigste Ursache für Hirnblutungen stellt ein ungenügend eingestellter oder unbekannter Bluthochdruck dar“, weiß die Chefärztin der Neurochirurgie, Prof. Dr. Cornelia Cedzich www.klinikum-saarbruecken.de
  • Im Rahmen eines katholischen Got-tesdienstes in der Kapelle des Klini- kums Saarbrücken wurde Ende Sep- tember der Organist Helmut Speicher verabschiedet. Der 89-Jährige gebürti- ge Friedrichsthaler hatte die vergange- nen zehn Jahre die Tasten der Orgel in der Kapelle des Klinikums Saarbrücken bedient. Fast jeden Samstag und Sonn- tag - manchmal auch an zusätzlichen besonderen Gottesdiensten - erfreute er die katholische Gemeinde auf dem Winterberg mit seinen Orgelklängen. Die Liebe zur Musik kennt keine Alters- grenze, aber, so Helmut Speicher: „Die Konzentration lässt nach“. So muss sich die Klinikgemeinde jetzt eine neue Lösung überlegen. Der Pastoralreferent Werner Knapp ist überzeugt: „Helmut Speicher hinter- lässt bei uns eine große Lücke.“ Helmut Speicher war sein Leben lang sowohl mit der Musik als auch mit der katholischen Kirche eng verbunden. Er stammt aus einer katholischen Fa- milie - sein Onkel war Oberer bei den Franziskanern. An der Musikhochschu- le des Saarlandes legte Speicher sein staatlich anerkanntes Musiklehrerexa- men ab. Später ließ er das kirchenmu- sikalische Organistenexamen und die „Missio“ in Trier folgen. Lange Zeit war er Organist und Chorleiter in der ka- tholischen Kirchengemeinde St. Josef (Burbach). Später unterrichtete er zwei Jahre lang am Willy-Graf-Gymnasium und zwölf Jahre am Gymnasium am Schloss Musik. In dieser Zeit kompo- nierte er Messen, die er zusammen mit seinem Chor in Saarlouis-Fraulautern uraufführte. „Die Uraufführung wurde sogar im Radio übertragen“, erinnert er sich. „In Fraulautern hatte ich mei- nen besten Chor“, erzählt er strahlend. „Damals hatten wir viele Konzerte.“ Nach dieser Zeit zog es ihn wieder zu- rück in die St.-Josefs-Gemeinde, wo er bis zu seinem Ruhestand als Organist arbeitete. Der Ruhestand war und ist bei Hel- mut Speicher bis heute eher ein Unru- hestand: Er gab Unterricht für Privat- schüler im Orgel- und Klavierspiel und er half in mehreren Gemeinden aus, wenn es am Organisten fehlte, spiel- te auch viel bei Trauerfeiern. Als vor zehn Jahren das Telefon klingelte und er gefragt wurde, ob er die Orgel in der Kapelle des Klinikums spielen wol- le, war Helmut Speicher fast 80, aber durch seine Leidenschaft zur Musik immer noch aktiv. Seine Antwort war damals: „Ich schaue mir mal die Orgel an, bevor ich ja sage.“ Und dann sagte er zu – und spielte bis heute nicht nur auf dem Winterberg, sondern zeitwei- se auch auf dem Sonnenberg. Danach befragt, was ihm die Musik bedeute, sagt er ganz einfach: „Musik ist mein Leben“. Und das wird auch so bleiben. E lfriede Schäfer, 82 Jahre alt, ist seit der Gründung dabei. Seit 33 Jah- ren kommt sie regelmäßig dienstags, zeitweise war sie sogar zweimal wö- chentlich für die Patientinnen und Pa- tienten im fünften Stock da. „Ich war damals Ende 40. Meine Söhne waren fast erwachsen. Da habe ich in der Zei- tung gelesen, dass Frauen – eben Grü- ne Damen – für einen Besuchsdienst im Krankenhaus gesucht werden. Und dieses Ehrenamt hat mich interes- siert“, erinnert sich die agile Seniorin. Kranke Menschen zu unterstützen, das konnte sie sich gut vorstellen. Damals haben die Grünen Damen die Patienten zu Therapien begleitet, zum Beispiel in die Strahlentherapie oder in die Physikalische Therapie, erledigten viele Besorgungen für die Patienten. Die Patienten blieben oft mehrere Wochen im Krankenhaus. Heute haben sich die Aufgaben ge- ändert. „Wir führen mehr Gespräche, geben mehr Zuwendung“, sagt El- friede Schäfer. Und Pflegedirektorin Sonja Hilzensauer ergänzt: „Die Grü- nen Damen und Herren machen das Krankenhaus menschlicher.“ Dabei ist die Begegnung mit Hilfs- bedürftigen keineswegs eine eindi- mensionale Angelegenheit. Auch die Grünen Damen und Herren werden durch ihr Ehrenamt „beschenkt“: durch Dankbarkeit der Patienten und Ange- hörigen, durch Fortbildungen und Möglichkeiten der Qualifizierung - und nicht zuletzt durch das Gefühl, ihre Zeit in eine sinnvolle und eigenver- antwortliche Tätigkeit zu investieren. Elfriede Schäfer denkt noch nicht ans Aufhören. „So lange es die Gesundheit erlaubt, will ich weiter für die Patien- ten da sein“, spricht’s und dreht sich um und geht leichtfüßig die Treppe hoch … Musik ist sein Leben Organist Helmut Speicher hört mit 89 Jahren auf / Spielte zehn Jahre die Orgel in der Kapelle des Klinikums Saarbrücken Sie schenkt Zeit und Zuwendung Elfriede Schäfer ist seit 33 Jahren bei den Grünen Damen des Klinikums KLINIKINFO 14 Kurz vor dem 90. Geburtstag nimmt der Organist Helmut Speicher Abschied vom Ehrenamt auf dem Winterberg Mit ihrem hellgrünen Kittel oder Poloshirt sind die 36 ehrenamtlichen Helferin- nen und Helfer im Klinikum Saarbrücken gleich zu identifizieren. Die Grünen Damen und Herren sind montags bis samstags zwischen 9 und 12 Uhr im Ein- satz – und sind längst eine Institution auf dem Winterberg. Sie sind eine Einrich- tung der ökumenischen Krankenhaushilfe und werden von den evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorgern begleitet. Elfriede Schäfer, 82 Jahre alt, ist seit der Gründung dabei. www.klinikum-saarbruecken.de Grüne Damen und Herren Mo - Sa, 9 - 12 Uhr Telefon 06 81/9 63 - 27 37 INFO
  • Pflegestudie im Klinikum Der Erfolg verschiedener Lagerungstechniken bei schwer kranken Patienten wurde gemessen Zum wiederholten Mal nimmt das Klinikum Saarbrücken an ei- ner Pflegestudie teil. Bei der jetzigen Studie geht es um die Lagerung von schwer kranken Menschen in den Fachbereichen der Neurologie, Geri- atrie, Palliativ- und Intensivmedizin. Menschen, die nicht nur bettlägerig sind, sondern sich auch im Bett nicht mehr selbständig bewegen können. Pflegedirektorin Sonja Hilzensauer weiß aus Erfahrung: „Patienten, die so stark betroffen sind, müssen von den Pflegekräften regelmäßig bewegt wer- den, damit sie keine Druckgeschwüre entwickeln und damit ihre Mobilität erhalten bleibt.“ Hintergrund der Studie ist das von der Physiotherapeutin Heidrun Pickenbrock entwickelte Konzept „Lagerung in Neu- tralstellung“. Sie hatte festgestellt, dass Patienten weniger steif werden, wenn zum Beispiel Kopf, Oberkörper oder Beine mit Steppdecken oder Kissen so stabilisiert werden, dass sich die Unter- lage dem Körper anpasst. So wird in den aktiven Phasen die Eigenbewegung des Patienten gefördert. In den Ruhephasen kann er leichter entspannen. Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck besserten sich Patienten, die so gelagert wurden, la- gen bequemer, kamen besser zur Ruhe, entwickelten weniger Druckgeschwü- re, blieben beweglicher, und nicht nur das: Die Lagerungstechnik hatte tat- sächlich einen günstigen Einfluss auf die Vitalparameter wie Herzfrequenz, Atmung, Blutdruck und Schwitzen. Heidrun Pickenbrock ließ ihre Idee pa- tentieren und gründete den gemein- nützigen Verein LiN®-Arge e. V. zur Ver- breitung des Konzeptes. Um die Wirksamkeit des Konzeptes wissenschaftlich zu untermauern, führt der Verein nun eine bundesweite Studie mit 200 Patienten mit zentral- neurologischen Erkrankungen durch. Dabei soll untersucht werden, ob die Lagerungsart Einfluss auf die Beweg- lichkeit, Vitalparameter und Bequem- lichkeit der Patienten hat. Auch das Kli- nikum Saarbrücken hat unter Leitung von Krankenschwester Anne-Kathrin Brach-Hame von Station 94 mit fünf Patienten an dieser Studie teilgenom- men. Die Patienten wurden für zwei Stun- den gelagert – zwei konventionell, drei in Neutralstellung. Vorher und nach- her wurden Puls, Blutdruck, Atemfre- quenz und Beweglichkeit von Beinen und Schulter gemessen. Das Ergebnis: Die Vitalfunktionen aller Teilnehmer unterschieden sich nicht – ob sie nun konventionell oder in LiN®-Stellung gelagert waren. Aber: Diejenigen Pa- tienten, die in LiN®-Stellung waren, hatten danach eine deutlich bessere Beweglichkeit - sogar zwischen 20 und 30 Grad. Diese Ergebnisse überzeugten An- ne-Kathrin Brach-Hame. Sie lässt sich im Moment zur LiN®-Trainerin weiter qualifizieren. „Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungen gerne an an- dere Pflegekräfte weitergeben.“ Daher bietet sie im Rahmen der Fort- und Weiterbildung des Klinikums regelmä- ßig Kurse in Sachen Lagern in Neutral- stellung an. Anne-Kathrin Brach-Hame, Krankenschwester von Station 94, ist überzeugt von der Lagerungs- technik und gibt ihre Erfahrungen an andere Gesundheits- und Krankenpflegekräfte weiter. Anne-Kathrin Brach-Hame E-Mail: [email protected] INFO Sie sind hoch qualifiziert und auf dem Arbeitsmarkt sehr gesucht. Im OP bereiten sie Patienten auf die Narkose vor, assistieren unter ärztli- cher Aufsicht bei Narkosen, pflegen auf der Intensivstation schwer kranke Menschen, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall oder nach großen operativen Eingriffen oder schwersten Unfällen. Kurz: Sie haben umfassende Kenntnisse in der Intensivpflege und versorgen ihre Pa- tienten auf höchstem fachlichen pfle- gerischen Niveau. Erfolgreiche Inten- sivmedizin geht nicht mehr ohne eine angemessene Zahl an Fachpflegern. Im Klinikum Saarbrücken werden die Schwestern und Pfleger der saar- ländischen Krankenhäuser zu Fach- pfleger/innen für Intensivpflege und Anästhesie weitergebildet. Dies ge- schieht unter der Leitung von Georg Lindemann, Stationsleiter der opera- tiven interdisziplinären Intensivsta- tion des Klinikums Saarbrücken, der seit 30 Jahren auf der Intensivstation arbeitet. Die Fachweiterbildung dau- ert zwei Jahre und wird in der Regel berufsbegleitend durchgeführt. Die Weiterbildung umfasst 720 Stun- den theoretischen und praktischen Unterricht sowie berufspraktische Anteile. Die Anforderungen sind hoch: „Die zweijährige Weiterbildung und einige Jahre Berufserfahrung sind gute Vo- raussetzungen, um auf einer Inten- sivstation kompetent und qualifiziert schwerkranke Menschen pflegen zu können“, meint Georg Lindemann. Denn „die Intensivpflege ist ein stark spezialisierter Bereich, die ein hohes Maß an fachlicher und menschlicher Kompetenz erfordert.“ Der Anteil dieser Fachpfleger/in- nen ist auf den Intensivstationen des Klinikums Saarbrücken überdurch- schnittlich hoch. Daran hat die von Georg Lindemann geleitete Ausbil- dung großen Anteil. Intensivpflege braucht hochqualifiziertes Personal Klinikum Saarbrücken bietet Weiterbildung für Intensiv- und Anästhesiekrankenpflege an Georg Lindemann Leiter der Weiterbildung Telefon 0681/963-2783 INFO KLINIKINFO 15 Georg Lindemann ist Stationsleiter der Intensivstation 43 www.klinikum-saarbruecken.de
  • Zentren: Zentrale Notaufnahme (06 81) 9 63 - 19 19 Untersuchungs- und Behandlungszentrum (06 81) 9 63 - 25 25 Schmerztherapie (06 81) 9 63 - 25 25 Brustzentrum (06 81) 9 63 - 22 31 Brustkrebs-Hotline: (0681) 96 3 - 33 333 Onkologisches Zentrum Saarbrücken (0681) 9 63 - 28 36 Perinatalzentrum Level 1 (06 81) 9 63 - 22 31 oder - 21 61 Prostatazentrum (06 81) 9 63 - 27 57 Zertifiziertes Gefäßzentrum (06 81) 9 63 - 29 21 Zentrum für Handchirurgie (06 81) 9 63 - 24 81 Zertifizierte Brustschmerzeinheit / Herzinfarktzentrum (06 81) 9 63 - 19 19 Zertifiziertes Überregionales Traumazentrum (06 81) 9 63 - 24 81 Die Kliniken im Überblick: Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie (06 81) 9 63 - 24 41 Chefarzt Prof. Dr. Joachim Limmer [email protected] Anästhesiologie und operative Intensivmedizin (06 81) 9 63 - 26 48 Chefarzt PD Dr. Konrad Schwarzkopf [email protected] Augenklinik (06 81) 9 63 - 27 44 Chefarzt Prof. Dr. Christian Teping [email protected] Frauenheilkunde und Geburtsklinik (06 81) 9 63 - 22 31 Chefarzt Dr. Abdolhamid Huschmand Nia [email protected] Gefäß- u. Endovaskuläre Chirurgie (06 81) 9 63 - 29 21 Chefarzt PD Dr. Thomas Petzold [email protected] Kinder- und Jugendmedizin / Neonatologie (06 81) 9 63 - 21 61 Chefarzt Prof. Dr. Jens Möller [email protected] Kinderchirurgie (06 81) 9 63 - 25 25 Oberärztin Dr. Petra Ullmann [email protected] Innere Medizin I Gastroenterologie, Hepatologie, Stoff- wechsel- und Infektionskrankheiten mit dem Schwerpunkt Psychosomatik (06 81) 9 63 - 25 31 Chefarzt Prof. Dr. Daniel Grandt dgrandt@@klinikum-saarbruecken.de Psychosomatik (06 81) 9 63 - 20 21 Ärztl. Leiter PD Dr. Winfried Häuser [email protected] Innere Medizin II Herz- und Lungenkrankheiten, Inten- sivmedizin und Angiologie mit dem Funktionsbereich Nephrologie (06 81) 9 63 - 24 34 Chefarzt Prof. Dr. Günter Görge [email protected] Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, Plastische Operationen (06 81) 9 63 - 23 31 Chefarzt Prof. Dr. Dr. Josef Dumbach [email protected] Neurochirurgie (06 81) 9 63 - 29 41 Chefärztin Prof. Dr. Cornelia Cedzich [email protected] Neurologie mit überregionaler zertifizierter Stroke Unit (06 81) 9 63 - 24 51 Chefarzt Prof. Dr. Karl-Heinz Grotemeyer [email protected] Orthopädie und Unfallchirurgie (06 81) 9 63 - 28 96 Klinikdirektor Prof. Dr. Ulrich Harland [email protected] Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (06 81) 9 63 - 24 81 Chefarzt PD Dr. Christof Meyer [email protected] Urologie, urologische Onkologie und Kinderurologie (06 81) 9 63 - 25 68 Chefarzt Dr. Stephan Meessen [email protected] Institute und weitere Einrichtungen Radiologie (06 81) 9 63 - 23 51 Chefarzt Prof. Dr. Elmar Spüntrup [email protected] Strahlentherapie (06 81) 9 63 - 28 37 Ärztl. Leiter Joachim Weis [email protected] Pathologie (06 81) 9 63 - 25 27 Chefärztin Dr. Rosemarie Weimann [email protected] Bioscientia - Institut für medizinische Diagnostik, Labor Saarbrücken (0681) 883791 - 40 [email protected] REMAKS - Rechtsmedizin am Klinikum (0681) 9 63 - 29 13 info@rechtsmedizin-klinikum- saarbruecken.de Funktionsbereich Hämatologie/Onkologie, Onkologische Gemeinschaftspraxis Dr. Georg Jacobs, Prof. Dr. Heiner Daus und Priv. Doz. Dr. Rudolf Schmits (0681) 9 63 - 28 36 [email protected] KONTAKT Herausgeber: Klinikum Saarbrücken gGmbH Winterberg 1 66119 Saarbrücken Verantwortlich: Dr. Susann Breßlein, Geschäftsführerin Redaktion/Beiträge: Irmtraut Müller-Hippchen, Angela Schuberth-Ziehmer Fotos: Iris Maurer, Klinikum Saarbrücken, Ralf Krein Layout: augentrick, Vera Spreuer IMPRESSUM Wichtige Telefonnummern und Ansprechpartner KLINIKUBERBLICKUBERBLICKUBERBLICK Klinikum Saarbrücken gGmbH | www.klinikum-saarbruecken.de | [email protected] Zentrale: (06 81) 9 63 - 0 Geschäftsführerin: Dr. Susann Breßlein, (06 81) 9 63 - 10 01 [email protected] Ärztlicher Direktor Dr. Christian Braun M. A. [email protected] (06 81) 9 63 - 21 01 Pflegedirektorin: Sonja Hilzensauer, (06 81) 9 63 - 21 12 [email protected]
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