“Forensische Architektur” versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan

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    25-Nov-2015

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  • 29/3/2014 âForensische Architekturâ versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan https://netzpolitik.org/2013/forensische-architektur-versucht-die-digitale-rekonstruktion-toedlicher-drohnenangriffe-in-pakistan/ 1/3 Home Ãber uns Kontakt Podcast Netzpolitik TV Facebook Youtube Twitter RSS âForensische Architekturâ zu einem Angriff in Miranshah, Pakistan âForensische Architekturâ versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan Von Matthias Monroy | Veröffentlicht: 05.12.2013 um 17:51h | 1 Antwort Ein Team internationaler ExpertInnen um die Goldsmiths University (London) analysiert derzeit sogenannte âgezielte Tötungenâ von Zivilpersonen durch US- Drohnen in Pakistan. Das Verfahren nennt sich âforensische Architekturâ. Hintergrund sind unter anderem Untersuchungen von Ben Emmerson, dem UN-Berichterstatter für âCounter- Terrorism and Human Rightsâ in Pakistan. Die Regierung in Islamabad hatte die Einstellung aller Drohnenangriffe der US-Armee verlangt â allerdings vergeblich. Emerson erstellt nun einen Bericht über Rechtsstandards für Einsätze von Drohnen. Ein Zwischenbericht liegt bereits vor. Auch Amnesty International hatte im Oktober zu Drohnenangriffen in der Provinz Waziristan Stellung genommen. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert, dass die Bevölkerung in ständiger Angst leben muss. Die Untersuchungen mittels âforensischer Architekturâ unterstützen auch Aktivitäten in Deutschland: In einem der drei untersuchten Fälle wurde mit Bünyamin E. ein deutscher Staatsangehöriger 2010 von einer Rakete getötet (insgesamt sind in Pakistan bereits mindestens drei Deutsche getötet worden). Die Bundesanwaltschaft musste sich eingeschalten, weil die Exekution nach deutschem Recht womöglich eine Straftat darstellt. Im Sommer wurden die Ermittlungen aber eingestellt. Auch das in Berlin ansässige European Centre for Constitutional Rights (ECCHR) ist deshalb an der Untersuchung der Goldsmiths University beteiligt. Juristen des Zentrums hatten in einer gutachterliche Stellungnahme die Einstellungsverfügung des Generalbundesanwalts heftig kritisiert. Krieg in Afghanistan rechtfertigt Tötungen im Nachbarland? Im Kern geht es um die Frage, ob die Getöteten einer âorganisierten bewaffneten Gruppeâ angehörten. Der Generalbundesanwalt hatte dies bejaht. Gezielte Angriffe gegen solche Personen seien daher kein Kriegsverbrechen nach dem Völkerstrafgesetzbuch. MaÃgeblich ist auch, ob die âgezielten Tötungenâ im Rahmen eines bewaffneten Konflikts zwischen mehreren Parteien vorgenommen wurden. Zwar liegt in Pakistan keine derartige Situation vor, jedoch würde der Konflikt aus Afghanistan laut der Einstellungsverfügung nach Waziristan herüberreichen. Gleichzeitig seien die tatverdächtigen Mitarbeiter des amerikanischen Auslandsgeheimdiensts Central Intelligence Agency (CIA) als Teil der amerikanischen Streitkräfte anzusehen. Diese genössen Immunität vor einer Strafverfolgung, wenn die zuvor dargelegten Vorschriften des humanitären Völkerrechts eingehalten worden seien. Das ECCHR kritisiert, dass nicht dargelegt wurde welcher Gruppe Bünyamin E. angehört haben soll. Die Angriffe würden häufig gegen Völkerrecht und Menschenrechte verstoÃen. Europäische Regierungen unterstützten die USA demnach durch den Austausch von Informationen. Im Projekt âGeheimer Kriegâ hatten Journalisten der Süddeutschen Zeitung und des NDR unter anderem dargelegt, wie derartige Angriffe über Anlagen in Deutschland gesteuert werden. Deutsche Geheimdienste geben Mobilfunkdaten an US-Partner heraus, die beim Lokalisieren der Zielpersonen helfen. Um etwaige Klagen gegen die USA oder ihre Verbündeten zu untermauern, hat sich die Goldsmiths University in London drei Fälle vorgenommen und rekonstruiert die Tatorte. Diese werden umständlich untersucht und schlieÃlich in einem 3D-Modell dargestellt. In zwei Fällen müssen sich die WissenschaftlerInnen dabei auf Aussagen von Dabeigewesenen verlassen. Hierzu gehört etwa die Schwägerin von Bünyamin E. Drei Fälle mit unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen Fall 1, Datta Khel, 17. März 2011 (Video) Suchen Suchen Suchtext eingeben Ãber uns netzpolitik.org ist ein Blog und eine politische Plattform für Freiheit und Offenheit im digitalen Zeitalter. Blog abonnieren netzpolitik.org Blog Feed Spenden netzpolitik.org produziert eine Reihe kostenloser Inhalte. Eine Spende erhält das Projekt am Leben und ermöglicht uns einen Ausbau der Redaktion. Unser Bank-Konto (ohne Gebühren) Inhaber: netzpolitik.org e. V. 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  • 29/3/2014 âForensische Architekturâ versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan https://netzpolitik.org/2013/forensische-architektur-versucht-die-digitale-rekonstruktion-toedlicher-drohnenangriffe-in-pakistan/ 2/3 2 « How-To Analyze Everyone â Teil Ia: Basics der Handyortung SPD geht mit BKA gegen politischen Telefonstreich vor » Im ersten Fall geht es um einen Angriff auf eine sogenannte âTribal Jirgaâ im März 2011. Gemeint ist eine traditionelle, politische Versammlung an einer Busstation. Die Teilnehmenden hatten sich in dem Moment über die Situation einer nahegelegenen Chrom-Mine ausgetauscht. Die Attacke hinterlieà 43 Tote. Weil keine Gebäude getroffen wurden, musste die Untersuchung unter anderem Satellitenaufnahmen zuhilfe nehmen. Fall 2, Mir Ali, 20. Oktober 2010 (Video) Der zweite Fall dreht sich um einen Angriff vom Oktober 2010 auf ein Haus in Mir Ali. Fünf Menschen waren dabei tödlich getroffen worden. Dabei kam auch Bünyamin E. ums Leben. Seine Schwägerin, aber auch ihr Mann und deren zweijähriges Kind überlebten den Beschuss. Die Frau stellte sich als Zeugin zur Verfügung. Ihre Aufgabe im Rahmen der âforensischen Architekturâ bestand nun darin, das angegriffene Haus zu rekonstruieren um den Standort der Drohne nachvollziehen zu können. Dadurch durchlebte sie den Angriff ein zweites Mal, was laut den WissenschaftlerInnen auch half, das traumatisierte Gedächtnis zugänglich zu machen. Fall 3, Miranshah, 31. März 2012 (Video) In der dritten Untersuchung konnten die WissenschaftlerInnen schlieÃlich auf Kameraaufnahmen zurückgreifen. Die Attacke fand im März 2012 in der Stadt Miranshah statt, offensichtlich wurden mehrere Raketen eingesetzt. Vier Personen wurden getötet. Kurz nach dem Angriff aufgenommene Bilder wurden damals heimlich auÃer Landes gebracht und später im US-Fernsehen gesendet. Mit der âforensischen Architekturâ konnte der Luftschlag dadurch präzise rekonstruiert werden. Im Zuge der Untersuchung wurden beispielsweise alle Einschusslöcher dokumentiert und dadurch der Einschusswinkel festgestellt werden. Ãberall dort, wo keine Schrapnelle in den Wänden steckten und stattdessen Silhouetten erkennbar waren, befanden sich vermutlich die Getöteten. Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte. This entry was posted in Allgemein and tagged digitale Forensik, drohnen, ECCHR, Forensische Architektur, pakistan, UN, Waziristan. Bookmark the permalink. Kommentieren or leave a trackback: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Matthias Monroy, Netzpolitik.org. Ein Trackback Von Drohnen: Die Rekonstruktion von Morden | Die AnStifter on 6. Dezember 2013 at 10:09 [â¦] Klagen gegen Drohnenangriffe mit Fakten zu untermauern. Hierzu gehören sehr detaillierte Rekonstruktionen der Tatverläufe durch die Goldsmiths University in London, die 3-D-Modelle der Angriffe erstellt und hierdurch Rückschlüsse auf Zeiten, Orte und Opfer [â¦] Einen Kommentar hinterlassen Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert Zeichne mit und versprich deine Stimme für digitale Grundrechte in der Europawahl: Name E-mail Land Versprich zu wählen schickt mir Kampagnen Updates Datenschutzerklärung Buch: Die Digitale Gesellschaft Kategorien Allgemein Aus der Reihe Blogs Campaigning creative commons Datenjournalismus Datenschutz Deutschland Digital Rights Digitalkultur e-Democracy EU Events Freie Netze Freie Software Informationsfreiheit Informationstechnologie Jugendschutz? Menschenrechte Musik im Netz Netzneutralität Netzpolitik Netzpolitik-App Netzpolitik-Podcast netzpolitikTV Offene Standards Open Education opendata Ãsterreich Patente Podcast Schweiz Ãberwachung UN Urheberrecht Zensur Links Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Chaos Computer Club Creative Commons Deutschland Digitale Gesellschaft e. V. European Digital Rights Free Software Foundation Europe
  • 29/3/2014 âForensische Architekturâ versucht die digitale Rekonstruktion tödlicher Drohnenangriffe in Pakistan https://netzpolitik.org/2013/forensische-architektur-versucht-die-digitale-rekonstruktion-toedlicher-drohnenangriffe-in-pakistan/ 3/3 Die von uns verfassten Inhalte stehen, soweit nicht anders vermerkt, unter der Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 3.0. Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann. Name * E-Mail * Website Kommentar Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden Absenden Logbuch:Netzpolitik net-politics.eu newthinking.de re:publica

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