Erfahrungen mit einer Software-Package fr die klinische ERA

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    09-Aug-2016

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  • 584 Th. Karnahl und Chr. Z611ner: Software-Package

    M. Berg (Erlangen): Sie haben als eine Art Zielvorstellung zum Schlul3 qualitativ Erregungsmuster und Audiogramm eines Patienten gegenfibergestellt. Ist es denkbar, diese Beziehung auch einmal zu quantifizieren?

    M. Steeker (Hannover), SchluBwort: Selbstverstg.ndlich beeinflul3t die Mittelohriibertragungsfunktion das Ergebnis sehr wesentlich; dies ist aber auch bei der subjektiven Audiometrie der Fall. Wenn wir mit unserern Verfahren die Genauigkeit psychoakustischer Messungen erreichen k/Snnen, w/iren wir durch- aus zufrieden. Problematisch bleiben pathologische Ver/inderungen der Mittelohriibertragungsfunktion (Schalleitungskomponente), die z. Zt. noch nicht exakt met3bar sind. Allerdings ist nur die Minderzahl von Untersuchungen dadurch betroffen, da das Hauptanwendungsgebiet des Verfahrens im Bereich der Innenohrst6rungen liegt.

    M. Berg (Edangen), zum Schlul3wort: Es ist selbstverst/indlich das Ziel, das Signalanalyseverfahren dahingehend weiterzuentwickeln, daf3 an Stelle des Erregungsmusters eine Art ,objektives Audio- gramm" ausgegeben wird. Wir sind z. Zt. dabei, die quantitative Beziehung zwischen neuralem Erre- gungsmuster und audiometrischen Befunden zu untersuchen und zu formulieren.

    68. Th. Karnahl und Chr. Z~illner (Freiburg): Erfahrungen mit einer Software- Package ffir die klinische ERA

    Experiences with a Software-Package for the Clinical ERA

    Summary. The clinical Electric Response Audiometry (ERA) results in a lot of datas to be processed in order to obtain a description of the patient's acoustic system as objectively as possible. Especially the measurement and valuation of the late acoustically evoked potential N 1 is difficult in many cases. The organisa- tion and documentation of the datas, as well as the improvement of the results by an automatic preprocessing of the single EEG-epochs are shown by exam- ples.

    Die klinische Electric Response Audiometry (ERA) stellt den Untersucher vor eine gr6Bere zu verarbeitende Datenmenge, aus der ein m6glichst objektives Bild fiber das akustische System des Patienten gewonnen werden sole Besonders die Messung und Auswertung der spfiten Potentialkomponente N 1 ist in vielen F/illen schwierig. Das neu erarbeitete und routinem~iBig einsetzbare Programmpaket zur off-line-Ver- arbeitung der Daten auf dem Laborrechner PDP 12 besteht aus drei Teilen: a) Uber- nahme tier Daten auf den Reehner und Vorverarbeitung, b) Mitteln und Abspeichern der Ergebnisse mit einem Informationsblock auf Digitalband sowie c) Auswertung der Mittelungsergebnisse mit anschlief3endem Ausdruck. Mit einer erweiterten Arte- fakterkennung und -unterdriickung und anschlieBender Gl~ittung der einzelnen EEG-Abschnitte werden in den meisten F~illen qualitativ und quanfitativ bessere Ergebnisse erzielt. In den F/illen aber, wo Potentiale verformt, verwischt oder ausge- 16scht sind, m/issen zusfitzliche Methoden vor dem Mitteln angewandt werden. An- hand yon Beispielen wird die Organisation und Dokumentation der Daten sowie die Verbesserung der Ergebnisse dutch eine automatische Vorverarbeitung der einzelnen EEG-Abschnitte gezeigt.

  • R. Schunicht und G. Esser: Stapediusreflex-Audiometrie 585

    M. Moser (Erlangen): Da eine ERA-Untersuchung im ,on-line"-Betrieb erfolgen sollte, das beschriebe- ne Programmpaket jedoch nur ,,off line ~' arbeitet, wurde die Frage nach dem angewandten Untersu- chungsablauf gestellt.

    H. Leitner (Malnz): Ist es mit Hilfe Ihres Programms m6glich, Antwortkomplexe automatisch zu erkennen oder markieren Sie die Latenzbereiche manueU?

    Th. Karnahl (Freiburg), SchluBwort: Da wir neben dem Laborrechner PDP 12 noch eine Anlage mit einem Mittelungsrechner zur Verffigung haben, wird das hier beschriebene Verfahren nicht bei jedem Patienten eingesetzt. Nur in den Fg.llen, wo untersehiedliche Ergebnisse keine eindeutige Interpretation erlauben, kann die Ableitungsserie im off-line-Verfahren bearbeitet werden. Eine on-line-Verarbeitung ist wegen der beschr~inkten Memory-Kapazit/it und der relativ langsamen Speicherm6glichkeit des Digitalban~les sowie wegen des Umfangs der vorgesehenen Mal3nahmen zur Vorverarbeitung der ein- zelnen EEG-Abschnitte nur bedingt reizsynchron m6glich. Da Kinder bei uns in der Regel auf beiden Seiten bei mehreren Frequenzen im fiberschwelligen Bereich untersucht werden, kfnnen bei der Bestim- mung der Schwelle im off-line-Verfahren in einer anderen Ableitungsserie die entsprechenden Messun- gen wiederholt bzw. ergg.nzt werden. Die Auswertung, die inzwisehen vereinfacht und verbessert wurde, wird zur Zeit noch manuell am Rechner durchgef/ihrt. Durch die Vorverarbeitung sind die Ergebnisse aber f'tir eine automafische Auswertung aufberejtet.

    69. R. Schunieht und G. Esser (Diisseldort): Vergleich von Stapediusreflex-Audio- mettle- und ERA-Befunden bel neuralen bzw. zentralen H/~rst~rungen

    A Comparison of Stapedius-Reflex-Audiometry and ERA Findings in Neural or Central Hearing Disorders

    Summary. Both stapedius-reflex-audiometry and the ERA work well in the diag- nosing of central hearing disorders. A comparative study of the findings from these two methods, using extensive case material, shows in which respects these methods are concurrent or complementary.

    In der Kinderaudiologie haben sog. objektive Mel3verfahren einen besonderen Rang. Bei uns haben sich in dieser Hinsicht die Stapediusreflex-Audiometrie und die ERA (Rindenpotentiale) bew/ihrt. Neben der H6rschwellenbestimmung eignen sich beide Verfahren auch zur Abkl/irung neuraler bzw. zentraler H6rst6rungen. Uber die dazu erforderlichen Modifizierungen der Mel3verfahren haben wir in der Vergangenheit berichtet. Uns stellte sich die Frage, inwieweit beide Methoden konkurrieren bzw. sich erg~inzen. Dazu bestimmten wir die Stapediusreflex-Audiometrie-und ERA- Kennzahlen, die das Ausmal3 der H~Srstorung charakterisieren, yon 100 Patienten im Alter yon 4,0-15,3 Jahren, Durchschnittsalter 9,6 Jahre. Bei diesen Patienten wurde trotz normaler HSrschwelle psychologischerseits bzw. phoniatrischerseits die

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    Funktionsf~ihigkeit des Geh/Srs in Frage gestellt bzw. kinder~irztlicherseits ihre Uber- priifung gewiinscht. Der Vergleich der Stapediusreflex- mit den ERA-Kennzahlen dieses Kollektivs ergab sowohl hinsichtlich der Mittelwerte beider Ohren, als auch hinsichtlich der Differenz der Kennzahlen beider Ohren, dab beide Mel3verfahren unabh/ingig sind und ihre Befunde nicht miteinander korrelieren. Dieses Ergebnis steht in Einklang mit den physiologischen Vorstellungen, wonach beide Methoden verschiedene Abschnitte der H6rbahn (Innenohr, Stamm- und Mittelhirn bzw. aku- stisches Projektionsfeld und zugeh6rige Assoziationsfelder) erfassen. Teilt man die