Eg_nr1 Bruno Taut Keim Farben

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    01-Dec-2015

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color and architecture communication with space

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<ul><li><p>erha</p><p>lten </p><p>&amp; g</p><p>esta</p><p>lten</p><p>Nr </p><p>1KEIMFARBEN</p><p>Farbe als Gestaltungs- </p><p>mittel im Schaffen von </p><p>Bruno Taut</p></li><li><p>erha</p><p>lten </p><p>&amp; g</p><p>esta</p><p>lten</p><p>2</p><p>2</p><p>3</p><p>4</p><p>6</p><p>10</p><p>12</p><p>14</p><p>Er war einer der produktivsten </p><p>Siedlungsbauer der Zwischen-</p><p>kriegszeit. Unter seiner </p><p>Leitung entstanden zahlreiche, </p><p>vornehmlich genossenschaft-</p><p>liche, Wohnanlagen in Berlin </p><p>und Magdeburg. Bruno Taut </p><p>gab dem grostdtischen </p><p>Siedlungsbau wichtige refor-</p><p>merische Impulse und stellte </p><p>die soziale Verantwortung </p><p>des Architekten in das Zen-</p><p>trum seines Schaffens. Taut </p><p>beschritt damals einen Weg </p><p>zwischen der Avantgarde und </p><p>dem konservativen Bauen. </p><p>Nicht der von den Vertretern </p><p>der Moderne propagierte, </p><p>aber letztlich Utopie bleibende </p><p>neue Mensch war das Ma </p><p>Tauts, sondern der einfache </p><p>Stadtbewohner mit seinen </p><p>alltglichen Bedrfnissen. Taut </p><p>versuchte, den Menschen, die </p><p>wenige Jahre zuvor noch in </p><p>schrecklichen Mietskasernen </p><p>hausten, ein ansprechendes, </p><p>menschenwrdiges und funkti-</p><p>onales Wohnumfeld zu geben, </p><p>oder, in eigenen Worten: () </p><p>Wohnungsbauten, die keine </p><p>Knstlerlaune darstellen, son-</p><p>dern ehrliche und gesunde </p><p>Erscheinungen, klare Hllen </p><p>ihres Inhalts sind. Und Bruno </p><p>Heiterkeit und LebensfreudeBruno Tauts farbige Architektur</p><p>Brenne, der mit seinem </p><p>Kollegen Helge Pitz 1977 </p><p>die Wiederherstellung der </p><p>Siedlung Onkel Toms Htte </p><p>in Berlin-Zehlendorf initiierte. </p><p>Mittlerweile hat Winfried </p><p>Brenne nicht nur ein umfas-</p><p>sendes Archiv von Quellen </p><p>und Befunden angelegt, </p><p>sondern auch zahlreiche Sanie-</p><p>rungen geleitet. Zunchst im </p><p>Westen Berlins, dann nach </p><p>der Wende schwerpunktm-</p><p>ig im Osten der Stadt und in </p><p>Magdeburg.</p><p>Stets dabei: Keimsche Mi- </p><p>neralfarben fr eine material-, </p><p>denkmal- und farbgerechte </p><p>Sanierung. Diese Ausgabe </p><p>von erhalten &amp; gestalten </p><p>widmet sich ganz den Far-</p><p>ben Bruno Tauts, prsentiert </p><p>herausragende Objekte aus </p><p>Berlin und stellt den Taut-</p><p>Experten Winfried Brenne vor.</p><p>Bruno Tauts farbige Architektur</p><p>Bruno Taut:</p><p>Meister des </p><p>farbigen</p><p>Bauens</p><p>Hohe Qualitt und tragbare </p><p>Kosten: Wohnanlage Paul-</p><p>Heyse-Strae</p><p>Die Gartenstadt Falkenberg</p><p>Das Wohn-</p><p>haus von </p><p>Bruno Taut</p><p>Wohnblock an der Trierer Strae</p><p>Interview </p><p>mit Winfried </p><p>Brenne</p><p>15 Bruno Tauts Bauten in Berlin</p><p>16 KEIMFARBEN</p><p>Taut war auch ein politischer </p><p>Architekt: Sein Streben galt </p><p>einer neuen Volkskultur, </p><p>einer egalitren Gesellschaft, </p><p>geprgt von Lebensfreude und </p><p>Heiterkeit.</p><p>Wie kein anderer Architekt </p><p>seiner Zeit nutzte Taut die </p><p>Farbe als identittsstiftendes </p><p>und belebendes Medium </p><p> und auch als Mittel, sich </p><p>gegenber dem brgerlichen </p><p>Bauen abzugrenzen, das sich </p><p>geradezu vor der Farbe frch-</p><p>tete. Da alles seine Farbe </p><p>hat, muss auch alles, was </p><p>Menschen tun, farbig gestaltet </p><p>sein, so Bruno Taut. Sorgte </p><p>er schon mit seinem Aufruf </p><p>zum farbigen Bauen des </p><p>Jahres 1920 fr Wirbel, so </p><p>tat er es noch viel mehr mit </p><p>seinen von starken Farben und </p><p>Kontrasten geprgten Bauten, </p><p>die er allesamt mit Keimschen </p><p>Mineralfarben realisierte.</p><p>Inzwischen wird das bauliche </p><p>Erbe Bruno Tauts systema-</p><p>tisch aufgearbeitet eine </p><p>zentrale Person ist Winfried </p><p>IMPRESSUM erhalten &amp; gestalten</p><p>Herausgeber: KEIMFARBEN GmbH &amp; Co. KG, </p><p>Keimstrae 16, 86420 Diedorf, www.keimfarben.de</p><p>Verlag und Redaktion: mk Fachverlag fr Kundenmagazine,</p><p>M. Kieling e.K., Johannes-Haag-Str. 3, 86153 Augsburg,</p><p>Freie Mitarbeit: Gabriele Betz</p><p>Bildnachweise:</p><p>mk, KEIMFARBEN, Brenne Architekten, Grfe + Unzer </p></li><li><p>erha</p><p>lten </p><p>&amp; g</p><p>esta</p><p>lten</p><p>3</p><p>Ziel war immer die genossenschaftlich organisierte Siedlung, eine sozialistische Lebensform, </p><p>frei von jeglichen Herrschaftsansprchen. Dieser Grundgedanke wurde zum eigentlichen </p><p>stilbildenden Faktor in seinem Werk.</p><p>Taut, der als radikaler Knstler galt, wurde 1921 mit Hilfe der Linksparteien zum Stadtbaurat </p><p>von Magdeburg gewhlt. Sein zweieinhalbjhriges Wirken dort ist vor allem mit seinem </p><p>Propagandafeldzug fr Farbe im Stadtbild verbunden, eine Vorstufe zu seinem spteren </p><p>Umgang mit der Farbe im Berliner Siedlungsbau.</p><p>1924 erhielt Taut zusammen mit Martin Wagner den Auftrag fr eine ausgedehnte Wohnanlage </p><p>in Berlin-Britz. Die Hufeisensiedlung, die ihren Namen von der hufeisenfrmig angelegten </p><p>Umbauung einer Senke erhielt, wurde die erste Grosiedlung Berlins. Ihrer Konzeption lag ein </p><p>progressives, demokratisches Gesellschaftsmodell zu Grunde.</p><p>Mit der Zehlendorfer Waldsiedlung Onkel Toms Htte verwirklichte Taut seine zweite, </p><p>im Endzustand 2.200 Wohnungen umfassende Growohnanlage. Gleichzeitig markiert die </p><p>Waldsiedlung mit ihrer expressiven Farbgebung den Hhepunkt der Architekturfarbigkeit im </p><p>Siedlungsbau der 20er Jahre.</p><p>Das zunehmend reaktionre </p><p>politische Klima vertrieb Taut </p><p>aus Deutschland. Er siedelte </p><p>1932 zunchst in die Sowjet-</p><p>union ber, ein Jahr spter </p><p>emigrierte er nach Japan. </p><p>Doch die Zeitumstnde verhin-</p><p>derten eine freie Ttigkeit als </p><p>Architekt. 1936 geht Taut, </p><p>mageblich von Martin </p><p>Wagner untersttzt, in die </p><p>Trkei, die sich damals in </p><p>der Absicht, das Land zu </p><p>modernisieren, aktiv um euro-</p><p>pische Architekten bemhte. </p><p>Als Leiter der Bauabteilung </p><p>im Unterrichtsministerium </p><p>verwirklichte er neben </p><p>mehreren Schulbauten auch </p><p>den Universittsneubau der </p><p>Literaturfakultt. Bruno Taut </p><p>starb 1938 in seinem Haus </p><p>am Bosporus.</p><p>Soziale Verantwortung und die Reform </p><p>des stdtischen Wohnens kennzeichnen </p><p>Bruno Tauts Schaffen.</p><p>Bruno Julius Florian Taut, am 4. Mai 1880 in Knigsberg </p><p>geboren, absolvierte nach dem Abitur eine Maurerlehre und </p><p>besuchte die Lehrveranstaltungen der Knigsberger Bau-</p><p>gewerksschule. Bei Theodor Fischer, einem fhrenden Archi-</p><p>tekten der Sddeutschen Schule, genoss er zwischen 1904 </p><p>und 1908 in Stuttgart eine Ausbildung, die ihn in vieler </p><p>Hinsicht prgte. Besonders Fischers Bestrebungen, unter Be-</p><p>rcksichtigung lokaler Traditionen identifikationsstiftende, den </p><p>Historismus berwindende Bauten zu schaffen, verfestig-ten </p><p>sich bei Taut zu einem Prinzip seines Schaffens.</p><p>Nach Berlin zurckgekehrt, wo er zuvor bereits im Atelier des </p><p>Architekten Bruno Mhring gearbeitet hatte, erffnete er </p><p>1908 sein eigenes Bro. Auf waches Interesse stie bei ihm </p><p>die zeitgenssische Stdtebaureformdiskussion, die sich vor </p><p>allem an den zunchst ungebremsten Wucherungen der Ber-</p><p>liner Mietskasernengrtel entzndet hatte. Tauts Hochbauent-</p><p>wrfe jener Jahre, Mietshuser in Charlottenburg und im Tiergartenviertel (heute zerstrt), sind </p><p>aber noch Kompromisse der Versuch einer Reform mit konservativen, weil von wilhelminischem </p><p>Reprsentationsgeist geprgten Mitteln. 1913 begann Taut mit der Arbeit fr zwei Gartenstdte, </p><p>die Kolonie Reform in Magdeburg und Falkenberg in Berlin-Grnau.</p><p>Schlagzeilen machte Taut in jener Schaffensperiode jedoch mit vllig anderen Projekten: </p><p>Ausstellungspavillons fr verschiedene Industriebranchen. Der bekannteste Bau, das im </p><p>Auftrag der deutschen Glasindustrie erstellte Glashaus, war 1914 auf der Klner Werk-</p><p>bundausstellung zu sehen. Der kleine Pavillon, berwlbt von einer Kuppel mit doppelter </p><p>Verglasung, die nach innen farbige Prismen und nach auen Spiegelglas zeigte, sollte nach dem </p><p>Stahl nun das Glas als Baumaterial der Zukunft publik machen.</p><p>Leidenschaftlich nahm Taut, der den Ersten Weltkrieg zutiefst abgelehnt hatte, mit Aktionen und </p><p>Publikationen an den geistig-kulturellen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit teil. Aus dem </p><p>Bewusstsein seiner sozialen Verantwortung heraus versuchte er, den Auftrag der Gesellschaft an </p><p>den Architekten neu zu formulieren. Ausgangspunkt seiner Schriften, sei es Alpine Architek-</p><p>tur (1919) oder Die Stadtkrone (1919), war ausnahmslos der unhaltbare Status quo der </p><p>Stdte, die hygienischen Missstnde, die sozialen Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Stadt. </p><p>Bruno Taut Meister des farbigen Bauens</p><p>Nur die unteren Schichten haben noch eine hnliche Naivitt </p><p>und Unbefangenheit behalten </p><p>wie das Kind. Das Brgertum </p><p>hingegen ist zu verbildet und </p><p>verknstelt.</p></li><li><p>erha</p><p>lten </p><p>&amp; g</p><p>esta</p><p>lten</p><p>4</p><p>Hohe Qualitt und tragbare Kosten</p><p>Auch die Wohnanlage an der Paul-Heyse-Strae im Berliner </p><p>Stadtteil Prenzlauer Berg zeigt diese differenzierte, bewegte </p><p>Fassadenausformung. So sind Treppenhauszonen zurck-</p><p>gesetzt und von schwungvollen, plastisch herausgearbeiteten </p><p>Balkonen begleitet. Diese Dreidimensionalitt kontrastiert stark </p><p>mit den flchigen Fassadenzonen der sich anschlieenden </p><p>Gebudeteile. Zustzlich betont Taut diese Bereiche farbig: </p><p>Whrend die Fassaden und die Auenflchen der Balkone wei </p><p>sind, hlt er die Rckwnde der Balkone in tiefem Blau, das </p><p>sich zum Treppenhaus hinberzieht und nach oben in die blaue </p><p>Drempelzone bergeht. Der vertikale Streifen mit den Treppen-</p><p>hausfenstern trgt einen rotbraunen Anstrich, die Fenster selbst </p><p>sind in der bekannten Manier farbiger Sprossen akzentuiert.</p><p>Mit der blauen Drempelzone und der dunkelgrau gefassten </p><p>Dachuntersicht reduziert Taut die Hhe der vier- bis fnf-</p><p>geschossigen Anlage optisch ohne die Bedeutung des </p><p>Dachbereichs zu negieren. Klinker an den Brstungen der </p><p>Balkone und den Gesimsen der Fenster kontrastieren stark mit </p><p>der weien Putzflche; Fensterleibungen fat Taut gelb ein.</p><p>Die Wohnanlage aus insgesamt 122 Einheiten besteht mehr-</p><p>heitlich aus Zwei-Zimmer-Wohnungen mit einfachen Grund-</p><p>rissen, Balkonen und Kammern. Mit der Anlage weicht Taut </p><p>von der blichen Blockrandbebauung ab und whlt einen </p><p>H-frmigen Grundriss. Zwischen den beiden Flgeln entlang </p><p>der Paul-Heyse-Strae und der Heinz-Bartsch-Strae legt Taut </p><p>den Querflgel, setzt ihn allerdings von der Flucht der Frsten-</p><p>berg-Strae deutlich zurck. So entsteht hier ein gerumiger, </p><p>abgesenkter und begrnter Hof ein deutlicher Qualittsge-</p><p>winn fr die Bewohner. Auf der anderen Seite des Querflgels </p><p>ergibt sich anschlieend an die bestehende Bebauung ein </p><p>kleiner Innenhof mit Balkonen. Zur besseren Belichtung der </p><p>Bruno Tauts Wohnanlage erhlt den Bauherrenpreis ber 70 Jahre nach der </p><p>Erbauung. Einfacher und kostenbewusster Wohnungsbau war schon zu Tauts Zeiten </p><p>die oberste Magabe. Whrend dieses Kriterium in vielen Fllen monotone Gebudefronten </p><p>hervorbrachte, widmete sich Taut mit Akribie der Dynamisierung, der Individualisierung </p><p>und Gliederung der Mauermassen. So sind die ausgeprgte Rhythmisierung der Fenster-</p><p>ffnungen, die Anordnung der Loggien, Erker und Balkone neben der Farbe </p><p>charakteristisch fr Tauts Bauten.</p><p>unten liegenden Balkone lsst Taut Bden und Brstungen </p><p>mit Glasbausteinen ausfhren exemplarisch hat man dies </p><p>heute an einer Balkonreihe wiederhergestellt. Die Hfe stehen </p><p>fr Intimitt und Kontakt, fr Natur in der Stadt, fr eine gute </p><p>Durchlftung und Belichtung der Wohnungen.</p><p>1926 bis 1927 erbaut, hinterlieen die Jahrzehnte ihre Spuren: </p><p>Die Anlage befand sich in einem ziemlich maroden Zustand, </p><p>so Winfried Brenne. Im Rahmen der Sanierung mussten unter </p><p>anderem stark vernderte Bereiche wie Balkonberdachungen </p><p>oder Badfenster rckgebaut werden dafr konnten beispiels-</p><p>weise die alten Kastenfenster weitgehend erhalten werden. </p><p>Wesentlicher Bestandteil der Sanierung war die Wieder- </p><p>herstellung der ursprnglichen Farbigkeit, die Grundlage </p><p>dafr liefert ein umfassender denkmalpflegerischer Befund fr </p><p>Fassaden und Treppenhuser. Gerade dort entfaltet sich eine </p><p>berraschend groe Farbenvielfalt. Bis zu zehn, mitunter stark </p><p>gesttigte Farben verleihen den Treppenaufgngen individuelle </p><p>Anmutungen. Sockel, Decken, Handlufe, Beistriche zwischen </p><p>Sockel und Wandflchen alle Zonen und Elemente tragen </p><p>unterschiedliche Tne, wobei diese Polychromie stets in einem </p><p>harmonischen Gesamtbild mndet. Analog zu den Fassaden </p><p>stellte man whrend der Sanierung in den Jahren 1995 bis 1997 </p><p>auch die Aufgnge originalgetreu wieder her eine Heraus-</p><p>forderung fr Planer und Ausfhrende.</p><p>Doch die Mhen haben sich gelohnt. So erhielt der Prenzlauer </p><p>Berg ein weiteres Taut-Ensemble in seiner Ursprnglichkeit </p><p>zurck und die Eigentmergesellschaft GSW den Bauherren-</p><p>preis 1999/2000. Ausgelobt vom Bund Deutscher Architekten, </p><p>dem Deutschen Stdtetag und dem Bundesverband deutscher </p><p>Wohnungsunternehmer, prmierte die Jury unter 477 Einrei-</p><p>chungen aus ganz Deutschland gerade zehn Objekte, deren </p><p>Modernisierung dem Anspruch Hohe Qualitt Tragbare </p><p>Kosten gengen. Eine erfreuliche Sache, widerspricht diese </p><p>Auszeichnung doch all jenen Zeitgenossen, die originalgetreue </p><p>Wiederherstellungen rigoros als finanziell unwgbare Abenteuer </p><p>brandmarken.</p><p>Alles, was auf der Welt ist, muss irgendeine Farbe haben. </p><p>Die ganze Natur ist farbig, und selbst </p><p>das Grau des Staubes, des Rues, </p><p>selbst die dsteren melancholischen </p><p>Gegenden haben immer eine </p><p>bestimmte Art von Farbe.</p></li><li><p>erha</p><p>lten </p><p>&amp; g</p><p>esta</p><p>lten</p><p>5</p><p>Gelb eingefasste Fensterleibungen </p><p>und Klinker an den Brstungen </p><p>der Balkone setzen gestalterische </p><p>Akzente.</p><p>Die ausgeprgte </p><p>Rhythmisierung der Fassaden </p><p>mit dem Gestaltungsmittel </p><p>Farbe ist charakteristisch fr </p><p>Bruno Tauts Stil. </p></li><li><p>Soziale Ungleichheit, rcksichtslose Bau- und Bodenspekulation, beengte Wohnverhltnisse, </p><p>hygienische Missstnde, Verelendung der Arbeiterschaft die Liste der Kritikpunkte an den </p><p>Zustnden in den durch die Industrialisierung explosionsartig angewachsenen Stdten wurde </p><p>um die Jahrhundertwende lang und lnger.</p><p>Als Gegenentwurf auf die berfllten und verschmutzten Industriestdte und die sozialen Folgen </p><p>des ungezgelten Kapitalismus begann sich 1899 zuerst in England unter dem Reformer </p><p>Ebenezer Howard die Gartenstadt-Bewegung zu formieren. Howard verfolgte den Gedanken </p><p>einer Synthese zwischen Stadt und Land. Seine Vorstellung einer idealen Siedlungsart sah in </p><p>rumlicher Nhe zu einer Grostadt eine autarke Gartenstadt im Grnen mit Einkaufsmglich-</p><p>keiten, kulturellen und gemeinschaftlichen Einrichtungen vor.</p><p>In Deutschland verfolgte man derartige Ideen mit groer Aufmerksamkeit, 1902 erfolgte die </p><p>Grndung der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft (DGG) in Berlin. Zu Beginn weniger prag-</p><p>matisch als in England, dafr verbunden mit schwrmerischen Bildern des Einklangs zwischen </p><p>Mensch und Natur, stie die Gartenstadt-Idee bei der zeitgenssischen Lebensreformbewegung </p><p>auf starke Resonanz. Die Reform des Wohnens, der Kampf gegen die grnderzeitliche Miets-</p><p>kaserne, sollte mit dem Konzept der genossenschaftlichen Selbstverwaltung und dem kollektiven </p><p>Besitz von Grund und Boden auch in eine ganzheitliche Lebensreform mnden. </p><p>1913 erhielt Bruno Taut von der DGG den Auftrag fr die </p><p>Planung der Gartenvorstadt Falkenberg auf einer Flche </p><p>von 70 Hektar. Taut, der sich schon geraume Zeit mit dem </p><p>Wohnungsbau fr die kleinen Leute auseinandergesetzt hatte, </p><p>bekam hier die Chance, das Problem der Volkswohnung eigen-</p><p>stndig anzugehen. Sein Bebauungsplan sah von der Kleinst-</p><p>wohnung im Mehrfamilienhaus bis zum Reihenhaus mit fnf </p><p>Zimmern ein breites Spektrum verschiedenster Wohnformen </p><p>vor. Absicht war eine soziale Durchmischung, der Architekt ein </p><p>Organisator sozialen Zusammenlebens, das Ziel die klassenlose </p><p>Solidargemeinschaft.</p><p>Als erster Bauabschnitt wurde 1913 der Akazienhof mit </p><p>34 Wohnungen in Reihen- und Einfamilienhusern realisiert. </p><p>Nach Tradition englischer Gartenstdte bildet der Akazienhof </p><p>einen Wohnhof. Die Kleinhuser mit ihren zweckmigen, </p><p>erha</p><p>lten </p><p>&amp; g</p><p>esta</p><p>lten</p><p>6</p><p>In den Au...</p></li></ul>

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