• interview 10/2013 pro care4 © Springer-Verlag Die Wahrnehmung der Pflege steigt 80 Jahre ÖGKV und viele Pläne für die Zukunft Interview mit Ursula Froher, Präsidentin der ÖKGV Sein 80jähriges Bestehen feierte der Österreichische Gesundheits- und Kran- kenp�egeverband (ÖGKV) heuer – mit einem Festakt im Parlament. Seit 2007 ist Ursula Frohner Präsidentin der Standes- vertretung und hat mit einem engagier- ten Team dem Verband eine sachliche und bestimmte Stimme gegeben. Die Wahrnehmung in Politik und Ö�entlich- keit ist gestiegen, die Kompetenzen auch und Frohner hat noch viel vor. Wie fällt der Blick zurück, wie der Blick in die Zukunft aus? FROHNER: 80 Jahre ist eine lange Zeit. Ich freue mich, dass der Berufsverband so lange besteht. Der ÖGKV hat den Professi- onalisierungsprozess der P�ege in Öster- reich wesentlich mitgestaltet, indem er immer wieder die Fachkompetenz der Ge- sundheits- und Krankenp�egeberufe de�- niert und abgebildet hat. In den vergange- nen Jahren hat er sich zunehmend auch in die politischen Systeme eingebracht. Kon- kret hat der ÖGKV in erster Linie mit den Verantwortlichen des Gesundheits- und Sozialsystems �emen der Entwicklung und Einbindung der Kompetenzen der Ge- sundheits- und Krankenp�ege diskutiert und in der Folge positioniert. Im Namen des ÖGKV bedanke ich mich bei allen Mit- gliedern für ihr Bekenntnis zum ÖGKV als ihre Vertretung in berufspolitischen Fra- gen. Allen ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern der Gremien des ÖGKV danke ich für ihre Beiträge und ihre Unter- stützung für die Entwicklung des ÖGKV. Das gilt es jetzt natürlich noch auszubauen. Viele Projekte wie beispielsweise Fra- gen der Ausbildung, �emen des Gesund- heits- und Krankenp�egegesetzes, wurden mit den Experten und Expertinnen des ÖGKV erarbeitet. Aus der jüngeren Ver- gangenheit ist die Gutachtertätigkeit des Gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenp�ege im Rahmen von Erhö- hungsanträgen zum P�egegeld zu nen- nen. Bei der Evaluierung der Ausbildung für Gesundheits- und Krankenp�ege bil- deten Experten und Expertinnen in den verschiedenen Fokusgruppen ihr Wissen ab. Darüber hinaus beteiligte sich der Be- rufsverband bei den Sachthemen Angehö- rigenschulung, Patientensicherheit und Dokumentationssysteme. Einen essentiellen Beitrag für die künf- tigen Versorgungserfordernisse der Men- schen setzte das „Kompetenzmodell für P�egeberufe in Österreich“. Der ÖGKV, fe- derführend der ÖGKV Landesverband Steiermark, de�nierte mit diesem fünfstu- �gen Kompetenzmodell nach Vorbild des ICN (International Council of Nurses) die grundlegende Weichenstellung für die Errichtung eines österreichischen P�ege- systems. Die Erkenntnisse dieses Papiers sind mit der Evaluierung des Gesund- heits- und Krankenp�egegesetzes eng verknüpft. Dieses Papier wurde auch an andere Entscheidungsträger, wie bei- spielsweise die Arbeiterkammer, kommu- niziert. Durch das Arbeitsübereinkom- men des ÖGKV mit der Arbeiterkammer, dem P�egekonsilium, wird das �ema Kompetenzen der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe auch auf dieser Ebene weiterbearbeitet. Als weitere Ar- beitspakete wurden die �emen Bildung, Personalentwicklung und Arbeitsplatz- qualität de�niert. Strategisch ausgewogen hat der ÖGKV in den vergangenen Jahren verstärkt auch die Zusammenarbeit mit anderen Ge- sundheitsberufen vorangetrieben. Die Ar- beitsplattform mit allen gesetzlich gere- gelten Gesundheitsberufen ist durch die Gesundheitsberufe-Konferenz vollzogen. Gesundheits- und Krankenp�ege wird also heute wesentlich deutlicher von der Politik und den Sozialpartnern in seiner Bedeutung für das Gesundheitssystem wahrgenommen …? FROHNER: Wir nehmen einen leichten Perspektivenwechsel wahr. Multiprofessi- onell, multidisziplinär, wird von allen Ge- sundheitsberufen noch immer sehr ein- seitig verstanden. Dies bedeutet, dass die Mediziner darunter noch oft ihre Fachdis- ziplinen abgebildet sehen. Den Begri� Ge- sundheitsberuf – nicht unterteilt in ärztli- che und nichtärztliche Gesundheitsberufe – auch tatsächlich im Sinne von Public Health so zu verankern und zu denken, ist noch ein langer Weg. Es ist festzustellen, dass künftige Weichenstellungen der Ge- sundheitspolitik in Richtung prozessori- entierte Versorgung, also weg von den Re- paraturmaßnahmen geht. Jedenfalls ist zu erkennen, dass Prävention an Bedeutung gewinnt. Der Berufsverband wollte die Registrie- rung, die wurde vom Parlament be- schlossen, aber anders als der ÖGKV und andere Interessensvertretungen der Gesundheitsberufe dies beabsichtigt hatten. Nun haben Salzburg und Wien diesen Verlauf wieder aufgehalten – wozu Registrierung und warum nicht bei der Arbeiterkammer? FROHNER: Die Registrierung ist ein wich- tiges qualitätssicherndes Instrument. Der ÖGKV fordert seit langem die Errichtung einer Berufsliste und bietet seinen Mitglie- dern seit 2009 die freiwillige Registrierung an. Die Führung einer Berufsliste an einer unabhängigen Stelle wie beispielsweise der GÖG/ÖBIG erscheint uns als gangbare Lösung. Da das Gesundheitsberuferegis- tergesetz nun doch nicht in der durch den Nationalrat beschlossenen Form in die Umsetzung kommt, sind darüber hinaus Alternativen auszuloten. Werden mit der Registrierung auch Qualitätsstandards verbunden sein? FROHNER: Das wird ein Folgeschritt sein. Internationale Studien belegen – und hier schließt sich wieder ein �emenkreis – dass die Quali�kation einer Berufsgruppe P ho to : © K ie na st Ursula Froher Präsidentin des ÖKGV
  • interview 10/2013pro care 5© Springer-Verlag entscheidenden Ein�uss und Folgewir- kungen auf die Versorgung der Menschen hat. Wie hoch ist das Bewusstsein in der Be- rufsgruppe, dass eine Mitgliedschaft im Berufsversband sowohl für den Einzel- nen als auch für den Berufsstand und seine berufspolitische Positionierung wichtig ist? FROHNER: Gesundheits- und Kranken- p�egeberufe aller Quali�kationsstufen er- kennen zunehmend, dass eine Mitglied- schaft beim ÖGKV etwas Wichtiges und etwas Richtiges ist. Der Organisationsgrad der Berufsgruppe im internationalen Vergleich ist leider eher gering. Zum 80. Geburtstag des ÖGKV wünsche ich mir daher, dass mehr Angehörige der Gesund- heits- und Krankenp�egeberufe erken- nen, wie wichtig es ist, berufspolitisch or- ganisiert zu sein. Ein starker Berufsverband ist die Basis für weitere politische Veran- kerung und diese wird immer wichtiger. Wie ist die Situation bezüglich der Ein- richtung einer P�egekammer derzeit, die als Verhandlungspartner mit der Po- litik für die Interessen der P�ege auf- tritt? FROHNER: Nach wie vor ganz wichtig ist, dass die Gesundheits- und Krankenp�e- geberufe die �emen der Profession selbst de�nieren und bearbeiten. Dadurch kön- nen Entscheidungen von anderen Ge- sundheitsberufen und politischen Ent- scheidungsträgern nicht übergestülpt werden. Daher muss die Berufsgruppe selbst Strategien und Vorschläge entwi- ckeln. Das muss noch viel mehr ins Be- wusstsein treten. Wir dürfen uns nicht er- warten, dass andere Gesundheitsberufe und Entscheidungsträger uns die Kon- zepte vorschlagen. Sie müssen aus unse- ren Reihen, von Experten der Gesund- heits- und Krankenp�ege kommen. Für die Mitarbeiter der Gesundheits- und Krankenp�ege ist die Einbindung in die elektronische Gesundheitsakte ELGA möglich? FROHNER: Der ÖGKV ist grundsätzlich für eine sehr transparente Patientenda- tengenerierung. Diese ist auch notwendig für die Umsetzung des gesetzlich veran- kerten P�egeprozesses. Momentan sind diese Zugänge für Gesundheits- und Krankenp�egeberufe lediglich über die stationären Versorgungssysteme möglich. Hier zeichnet sich ein künftiges Problem ab. Will man einen wesentlichen Meilen- stein der Gesundheitsreform umsetzen, nämlich den Akutsektor zurückzunehmen und dafür den ambulanten Sektor stärken, muss man auch dementsprechende Infor- mations- und Dokumentationssysteme zur Verfügung stellen. Beim diesjährigen Forum Alpbach waren sich alle Experten einig, dass Gesundheits- und Kranken- p�egeberufe eine zentrale Rolle in den Versorgungssystemen einnehmen müs- sen, dass man diese Rolle stärken und die Kompetenzen vermehrt nutzen muss. Dann sind aber auch dementsprechende Instrumente wie beispielsweise Zugänge zu Information über Patienten oder P�egebedürftige doch auch möglich zu machen. Noch dazu, wo die Information über beispielsweise �erapieakzeptanz und Verträglichkeit aus der Beurteilung der Gesundheits- und Krankenp�egebe- rufe ja ein wesentlicher Punkt ist. International vorgesehen ist der Zu- gang zur elektronischen Gesundheitsakte nur für registrierte Gesundheitsberufe, weil die Rolle der Nutzer im System nach- vollziehbar sein muss. Diese Rolle ist im extramuralen Bereich beispielsweise in der mobilen Hauskrankenp�ege momen- tan nicht nachvollziehbar. In den skandinavischen und angloame- rikanischen Ländern wird Mitarbeitern des gehobenen Dienstes der Gesund- heits- und Krankenp�ege auch Ver- schreibungskompetenz für p�egebezo- gene Produkte zuerkannt – wieweit sind wir in Österreich? FROHNER: Ich ho�e, dass dieses �ema in der neuen Legislaturperiode der Bun- desregierung aufgegri�en wird. Auch das ist ein wesentlicher Teil der Gesundheits- reform, will man patientennahe am best- point-of-service orientierte Versorgungs- strukturen zur Verfügung stellen. Derzeit ist es so, dass beispielsweise für Verband- material nur die administrative Paraphe des Hausarztes den Zugang zum P�ege- mittel möglich macht. Hier ho�e ich doch, dass sich die Verantwortlichen für eine Entbürokratisierung der Verordnung für „p�egeinduzierte Arzneimittel“ und „P�e- geprodukte“ entschließen. Auf der Agenda des ÖGKV steht dieses �ema auf jeden Fall. Die letzte Reform der abgelaufenen Legislaturperiode betraf die Schulung p�egender Angehöriger betre�end § 15 Tätigkeiten nach GuKG. Die betri�t bei- spielsweise Anleitung zu Tätigkeiten des Einmalkatheterismus bei Kindern mit Anomalien der Harnröhre oder Verabrei- chung von Insulin und vieles mehr. Der Gesetzgeber hat sich hier entschlossen, ei- nen Graubereich zu beseitigen. Beratung ist ja auch eine wesentliche Kompetenz der Gesundheits- und Krankenp�egebe- rufe. Diese Kompetenz des Gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Kranken- p�ege der Beratung und Begleitung führt dazu, dass etwa COPD-Behandlungskon- zepte vom Patienten wesentlich besser in der Praxis angenommen werden. Nur eins ist auch klar: Beratung ist keine Gratisleis- tung. Das ist eine Leistung, die alle Ge- sundheitsberufe honoriert zu bekommen haben. Wie sehen Sie die Akzeptanz der ver- änderten Kompetenzverteilung in der Praxis? FROHNER: Es wird zu einer kompetenzo- rientierten Aufteilung der Tätigkeiten in den Behandlungsprozessen kommen müssen. Es kann nicht sein, dass be- stimmte Versorgungsde�zite immer nur von einer Berufsgruppe ausgeglichen wer- den müssen. Berufsfremde Tätigkeiten müssen endlich ausgelagert und entspre- chenden Berufen, etwa der Einsatz von Büropersonal für Verwaltungstätigkeiten, zugeordnet werden. Dann werden unsere Systeme auch e�zienter und e�ektiver werden und die Versorgungserfordernisse P�egebedürftiger im Akut- und Langzeit- pflegebereich besser geleistet werden können. n SpringerMedizin.at Weitere Informationen unter: www.SpringerMedizin.at/
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In den vergange- nen Jahren hat er sich zunehmend auch in die politischen Systeme eingebracht. Kon- kret hat der ÖGKV in erster Linie mit den Verantwortlichen des Gesundheits- und Sozialsystems �emen der Entwicklung und Einbindung der Kompetenzen der Ge- sundheits- und Krankenp�ege diskutiert und in der Folge positioniert. Im Namen des ÖGKV bedanke ich mich bei allen Mit- gliedern für ihr Bekenntnis zum ÖGKV als ihre Vertretung in berufspolitischen Fra- gen. Allen ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern der Gremien des ÖGKV danke ich für ihre Beiträge und ihre Unter- stützung für die Entwicklung des ÖGKV. Das gilt es jetzt natürlich noch auszubauen. Viele Projekte wie beispielsweise Fra- gen der Ausbildung, �emen des Gesund- heits- und Krankenp�egegesetzes, wurden mit den Experten und Expertinnen des ÖGKV erarbeitet. Aus der jüngeren Ver- gangenheit ist die Gutachtertätigkeit des Gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenp�ege im Rahmen von Erhö- hungsanträgen zum P�egegeld zu nen- nen. Bei der Evaluierung der Ausbildung für Gesundheits- und Krankenp�ege bil- deten Experten und Expertinnen in den verschiedenen Fokusgruppen ihr Wissen ab. Darüber hinaus beteiligte sich der Be- rufsverband bei den Sachthemen Angehö- rigenschulung, Patientensicherheit und Dokumentationssysteme. Einen essentiellen Beitrag für die künf- tigen Versorgungserfordernisse der Men- schen setzte das „Kompetenzmodell für P�egeberufe in Österreich“. Der ÖGKV, fe- derführend der ÖGKV Landesverband Steiermark, de�nierte mit diesem fünfstu- �gen Kompetenzmodell nach Vorbild des ICN (International Council of Nurses) die grundlegende Weichenstellung für die Errichtung eines österreichischen P�ege- systems. Die Erkenntnisse dieses Papiers sind mit der Evaluierung des Gesund- heits- und Krankenp�egegesetzes eng verknüpft. Dieses Papier wurde auch an andere Entscheidungsträger, wie bei- spielsweise die Arbeiterkammer, kommu- niziert. Durch das Arbeitsübereinkom- men des ÖGKV mit der Arbeiterkammer, dem P�egekonsilium, wird das �ema Kompetenzen der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe auch auf dieser Ebene weiterbearbeitet. Als weitere Ar- beitspakete wurden die �emen Bildung, Personalentwicklung und Arbeitsplatz- qualität de�niert. Strategisch ausgewogen hat der ÖGKV in den vergangenen Jahren verstärkt auch die Zusammenarbeit mit anderen Ge- sundheitsberufen vorangetrieben. Die Ar- beitsplattform mit allen gesetzlich gere- gelten Gesundheitsberufen ist durch die Gesundheitsberufe-Konferenz vollzogen. Gesundheits- und Krankenp�ege wird also heute wesentlich deutlicher von der Politik und den Sozialpartnern in seiner Bedeutung für das Gesundheitssystem wahrgenommen …? FROHNER: Wir nehmen einen leichten Perspektivenwechsel wahr. Multiprofessi- onell, multidisziplinär, wird von allen Ge- sundheitsberufen noch immer sehr ein- seitig verstanden. Dies bedeutet, dass die Mediziner darunter noch oft ihre Fachdis- ziplinen abgebildet sehen. Den Begri� Ge- sundheitsberuf – nicht unterteilt in ärztli- che und nichtärztliche Gesundheitsberufe – auch tatsächlich im Sinne von Public Health so zu verankern und zu denken, ist noch ein langer Weg. Es ist festzustellen, dass künftige Weichenstellungen der Ge- sundheitspolitik in Richtung prozessori- entierte Versorgung, also weg von den Re- paraturmaßnahmen geht. Jedenfalls ist zu erkennen, dass Prävention an Bedeutung gewinnt. Der Berufsverband wollte die Registrie- rung, die wurde vom Parlament be- schlossen, aber anders als der ÖGKV und andere Interessensvertretungen der Gesundheitsberufe dies beabsichtigt hatten. Nun haben Salzburg und Wien diesen Verlauf wieder aufgehalten – wozu Registrierung und warum nicht bei der Arbeiterkammer? FROHNER: Die Registrierung ist ein wich- tiges qualitätssicherndes Instrument. Der ÖGKV fordert seit langem die Errichtung einer Berufsliste und bietet seinen Mitglie- dern seit 2009 die freiwillige Registrierung an. Die Führung einer Berufsliste an einer unabhängigen Stelle wie beispielsweise der GÖG/ÖBIG erscheint uns als gangbare Lösung. Da das Gesundheitsberuferegis- tergesetz nun doch nicht in der durch den Nationalrat beschlossenen Form in die Umsetzung kommt, sind darüber hinaus Alternativen auszuloten. Werden mit der Registrierung auch Qualitätsstandards verbunden sein? FROHNER: Das wird ein Folgeschritt sein. Internationale Studien belegen – und hier schließt sich wieder ein �emenkreis – dass die Quali�kation einer Berufsgruppe P ho to : © K ie na st Ursula Froher Präsidentin des ÖKGV
  • interview 10/2013pro care 5© Springer-Verlag entscheidenden Ein�uss und Folgewir- kungen auf die Versorgung der Menschen hat. Wie hoch ist das Bewusstsein in der Be- rufsgruppe, dass eine Mitgliedschaft im Berufsversband sowohl für den Einzel- nen als auch für den Berufsstand und seine berufspolitische Positionierung wichtig ist? FROHNER: Gesundheits- und Kranken- p�egeberufe aller Quali�kationsstufen er- kennen zunehmend, dass eine Mitglied- schaft beim ÖGKV etwas Wichtiges und etwas Richtiges ist. Der Organisationsgrad der Berufsgruppe im internationalen Vergleich ist leider eher gering. Zum 80. Geburtstag des ÖGKV wünsche ich mir daher, dass mehr Angehörige der Gesund- heits- und Krankenp�egeberufe erken- nen, wie wichtig es ist, berufspolitisch or- ganisiert zu sein. Ein starker Berufsverband ist die Basis für weitere politische Veran- kerung und diese wird immer wichtiger. Wie ist die Situation bezüglich der Ein- richtung einer P�egekammer derzeit, die als Verhandlungspartner mit der Po- litik für die Interessen der P�ege auf- tritt? FROHNER: Nach wie vor ganz wichtig ist, dass die Gesundheits- und Krankenp�e- geberufe die �emen der Profession selbst de�nieren und bearbeiten. Dadurch kön- nen Entscheidungen von anderen Ge- sundheitsberufen und politischen Ent- scheidungsträgern nicht übergestülpt werden. Daher muss die Berufsgruppe selbst Strategien und Vorschläge entwi- ckeln. Das muss noch viel mehr ins Be- wusstsein treten. Wir dürfen uns nicht er- warten, dass andere Gesundheitsberufe und Entscheidungsträger uns die Kon- zepte vorschlagen. Sie müssen aus unse- ren Reihen, von Experten der Gesund- heits- und Krankenp�ege kommen. Für die Mitarbeiter der Gesundheits- und Krankenp�ege ist die Einbindung in die elektronische Gesundheitsakte ELGA möglich? FROHNER: Der ÖGKV ist grundsätzlich für eine sehr transparente Patientenda- tengenerierung. Diese ist auch notwendig für die Umsetzung des gesetzlich veran- kerten P�egeprozesses. Momentan sind diese Zugänge für Gesundheits- und Krankenp�egeberufe lediglich über die stationären Versorgungssysteme möglich. Hier zeichnet sich ein künftiges Problem ab. Will man einen wesentlichen Meilen- stein der Gesundheitsreform umsetzen, nämlich den Akutsektor zurückzunehmen und dafür den ambulanten Sektor stärken, muss man auch dementsprechende Infor- mations- und Dokumentationssysteme zur Verfügung stellen. Beim diesjährigen Forum Alpbach waren sich alle Experten einig, dass Gesundheits- und Kranken- p�egeberufe eine zentrale Rolle in den Versorgungssystemen einnehmen müs- sen, dass man diese Rolle stärken und die Kompetenzen vermehrt nutzen muss. Dann sind aber auch dementsprechende Instrumente wie beispielsweise Zugänge zu Information über Patienten oder P�egebedürftige doch auch möglich zu machen. Noch dazu, wo die Information über beispielsweise �erapieakzeptanz und Verträglichkeit aus der Beurteilung der Gesundheits- und Krankenp�egebe- rufe ja ein wesentlicher Punkt ist. International vorgesehen ist der Zu- gang zur elektronischen Gesundheitsakte nur für registrierte Gesundheitsberufe, weil die Rolle der Nutzer im System nach- vollziehbar sein muss. Diese Rolle ist im extramuralen Bereich beispielsweise in der mobilen Hauskrankenp�ege momen- tan nicht nachvollziehbar. In den skandinavischen und angloame- rikanischen Ländern wird Mitarbeitern des gehobenen Dienstes der Gesund- heits- und Krankenp�ege auch Ver- schreibungskompetenz für p�egebezo- gene Produkte zuerkannt – wieweit sind wir in Österreich? FROHNER: Ich ho�e, dass dieses �ema in der neuen Legislaturperiode der Bun- desregierung aufgegri�en wird. Auch das ist ein wesentlicher Teil der Gesundheits- reform, will man patientennahe am best- point-of-service orientierte Versorgungs- strukturen zur Verfügung stellen. Derzeit ist es so, dass beispielsweise für Verband- material nur die administrative Paraphe des Hausarztes den Zugang zum P�ege- mittel möglich macht. Hier ho�e ich doch, dass sich die Verantwortlichen für eine Entbürokratisierung der Verordnung für „p�egeinduzierte Arzneimittel“ und „P�e- geprodukte“ entschließen. Auf der Agenda des ÖGKV steht dieses �ema auf jeden Fall. Die letzte Reform der abgelaufenen Legislaturperiode betraf die Schulung p�egender Angehöriger betre�end § 15 Tätigkeiten nach GuKG. Die betri�t bei- spielsweise Anleitung zu Tätigkeiten des Einmalkatheterismus bei Kindern mit Anomalien der Harnröhre oder Verabrei- chung von Insulin und vieles mehr. Der Gesetzgeber hat sich hier entschlossen, ei- nen Graubereich zu beseitigen. Beratung ist ja auch eine wesentliche Kompetenz der Gesundheits- und Krankenp�egebe- rufe. Diese Kompetenz des Gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Kranken- p�ege der Beratung und Begleitung führt dazu, dass etwa COPD-Behandlungskon- zepte vom Patienten wesentlich besser in der Praxis angenommen werden. Nur eins ist auch klar: Beratung ist keine Gratisleis- tung. Das ist eine Leistung, die alle Ge- sundheitsberufe honoriert zu bekommen haben. Wie sehen Sie die Akzeptanz der ver- änderten Kompetenzverteilung in der Praxis? FROHNER: Es wird zu einer kompetenzo- rientierten Aufteilung der Tätigkeiten in den Behandlungsprozessen kommen müssen. Es kann nicht sein, dass be- stimmte Versorgungsde�zite immer nur von einer Berufsgruppe ausgeglichen wer- den müssen. Berufsfremde Tätigkeiten müssen endlich ausgelagert und entspre- chenden Berufen, etwa der Einsatz von Büropersonal für Verwaltungstätigkeiten, zugeordnet werden. Dann werden unsere Systeme auch e�zienter und e�ektiver werden und die Versorgungserfordernisse P�egebedürftiger im Akut- und Langzeit- pflegebereich besser geleistet werden können. n SpringerMedizin.at Weitere Informationen unter: www.SpringerMedizin.at/
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