Die palliative Hormontherapie des Mammakarzinoms

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    17-Aug-2016

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Therapiekonzepte beim operablen Heft 2 / 1991, 23. Jahrgang 76Mammakarzinom ACAAus der Klinischen Abteilung ftir Onkologie der Universit~,ttsklinik for lnnere Medizin I (Vorstand: Prof. Dr. d. Kiihbi')c'k), WienDie palliative H0rm0ntherapie des Mammakarzin0msG. S tegerSchliisselwgrter: Marnmakarzinom - Key-words." Breast cancer - endocrineHormontherapie - Palliativtherapie. therapy - palliative treatment.Das Mammakarzinom z~ihlt zu den hormonabh~ngigen malignen Tumo-ren. Ablative Verfahren in der Palliativtherapie wie Ovarektomie, Adre-nalektomie und Hypophysektomie sind heute weitgehend verlassen undwerden nut mehr bei ausgew~ihlten Patienten zur Anwendung gebracht.Die Erkenntnisse der modernen Onkologie der letzten beiden Jahrzehntebrachten die M0glichkeit der medikament6sen Beeinflussung diesesMalignoms durch Anti6strogene, Gestagene, Aromataseinhibitoren undGonadotropin-Releasing-Hormone-(Gn RH-)Agonisten. In diesem Artikelwerden die Grundlagen, die M6glichkeiten und die nach derzeitigemWissensstand g~ingigsten Therapiemodalit~iten der palliativen Hormon-therapie des Mammakarzinoms im Uberblick diskutiert.Hormonal Treatment o fAdvanced Breast C a n c e rSummary: Breast cancer is one of thehormone depending malignancies. Sur-gical therapies like oophorectomy, adre-nalectomy and hypophysectomy are ra-rely indicated today and should be re-stricted to carefully selected patients.The growing knowledge on endocrineregulation of breast cancer during thepast two decades led to the possibility toinfluence this malignant tumor withdrugs like antiestrogens, progestins, aro-matase inhibitors and gonadotropin-re-leasing-hormone (GnRH) analoga. Inthis review principles, possibilities andtherapy modalities of the endocrinetreatment of metastasized breast cancerare discussed.EinleitungDas Mammakarzinom z~ihlt zu denhormonabh~ingigen Tumoren. Bereitsgegen Ende des vorigen Jahrhurldertswurde dies erkannt und yon Schinzinger(22) und Beatson (1) Remissionen derMetastasen nach Ovarektomie beschrie-ben. Durch die Entwicklung des Hor-Korrespondenzanschrift: Dr. G. Steger, Uni-versit~itsklinik ftirInnere MedizinI, Abteilungttir Onkologie, W~ihringer GOrtel 18-20,A- 1090 Wien.monrezeptorenkonzeptes durch Jensen(12), das auf der Beobachtung der Ku-mulation von Steroidhorrnonen in ihrenZielorganen dutch Bindung an zellspe-zifische Proteine, sogenannte "Rezepto-ren", basiert, und der daraufhin nachge-wiesenen Abh~ingigkeit des EHolgs ei-ner endokrirlen Therapie vom Vorhan-densein und der Zahl dieser Rezeptoren,konnte die Horrnontherapie des Mam-makarzinoms in den letzterl 20 Jahrenauf eine rationale Grundlage gestelltwerden.Waren anffinglich haupts~ichlich abla-tive Verfahren wie die chirurgische Ent-femung oder die strahlentherapeutischeZerst6rung der Ovarien, die Adrenalek-tomie und Hypophysektomie in Ver-wendung, so stellen heute die medika-ment6sen Therapieverfahren mit Anti-6strogenen, Gestagenen, Aromatase-hemmern und LHRH-Agonisten in derMehrzahl der Patientinnen die Therapieder Wahl dar.Im folgenden sollen nun die Grund-lagen und der derzeitige Stand der pal-liativen Hormontherapie des Mamma-karzinoms im Oberblick skizziert wer-den.HormonrezeptorkonzeptIm wesentlichen wird die Therapie-entscheidung ob und, wenn ja, welcheForm der endokrirlen Manipulation indi-ziert ist, heute aufgrund des Hormonre-zeptorstatus, bestehend aus Ostrogenre-zeptor-(ER-) und Progesteronrezeptor-(PR-)Befund unter Berticksichtigungder klinischen Parameter Menopausen-status, Metastasenlokalisation und Dau-er des rezidivfreien Intervalls geffillt.Mittels biochemischer Methodik oderimmunhistochemischer Verfahren ge-lingt praktisch aus allenTumorgewebeninklusive Ergi.issen der Rezeptornach-weis. Die Bestimmung der Hormonre-zeptoren irn Prim~irtumor mu6 heute alsConditio sine qua non gesehen werden,und obwohl der Hormonrezeptorstatusder Metastasen meist mit jenem des Pri-m~irtumors korreliert, sollte, wann im-mer m6glich, auch in metastatischemTumorgewebe der Rezeptorstatus erho-ben werden, da dieser nicht nur die Wahlder adjuvanten Therapie, sondern auchder palliativen Therapie beeinflugt.In Tabelle 1 ist das Ansprechen aufHormontherapie in Abh/ingigkeit vomER/PR-Status des Tumors dargestellt.Obwohl im unselektioniertem Kranken-gut mit unbekanntem Rezeptorbefundetwa 30% der Patienten auf endokrineTherapie ansprechen, sind bei Kollekti-yen, die ausschlieglich aus Patienten mitER+-Befunden bestehen, Remissionsra-ten yon 55 bis 65% zu erwarten (Tab. 3).Dardber hinaus konnteeindeutiggezeigtwerden, daf3 die Remissionsrate yon derMenge des nachgewiesenen ER abh/ingt(Tab. 2). Patientinnen, deren Tumorensowohl for den ER wie auch for den PRTab. 1, Responsrate at( endokrine The-rapie in Abhiingigkeit yore Ostrogenre-zeptor-(ER-) und Progesteron-rezeptor-(PR-)Status (modifiziert nachClark {201).ER/PR-Sta~us Responsrate (%)ER-/PR- 9ER+/PR- 32ER-/PR+ 45ER+/PR+ 71Therapiekonzepte beim operablenMammakarzinom ACA Heft 2 / 1991,23. Jahrgang 77Tab. 2. Re.g~mtsrule at{/ emh)krme The-rapie in ,4htlOngivkeit yon der Hi;he desOstr(,,em'ezet~tors (ER; tmodifiziert,uch McGuire [711.ER Responsrate(fmol/mg) (%)i00 81einen positiven Befund zeigen, habendie h6chsten Remissionsraten. ER+/PR--Tumoren zeigen in etwa 30% Anspre-chen auf Horrnontherapie, und bei ER-/PR--Tumoren ist bei weniger als 10%der Patienten ein positiver Therapieef-fekt zu erwarten, wobei ein Rezeptorge-halt yon < 10 fmol/mg Protein als nega-tiv gewertet werden mul3.Die geringe Anzahl yon Brusttumorenmit der Konstellation ER-/PR+ dfifftesich aus der Tatsache erklLiren, dab einemaligne Zelle nur bei funktionstfichti-gem ER in der Lage ist,einen PR zu pro-duzieren bzw. zu exprimieren, so dabdieser Befund oft mit methodischerFalsch-NegativitLit erklLirt wird (15). Ei-ne weitere Erkkirungsm6glichkeit, war-um Tumoren mit richtig-negativem ER-Befund fallweise auf endokrine Thera-pie ansprechen, wLi,re der kfirzlich gelun-gene Nachweis der Sekretion yonWachstumsfaktoren wie TransformingGrowth Factor (TGF) durch Mamma-karzinomzellen.In 6strogensensitiven Zellinienscheint die Sekretion von TGF durchOstrogene kontrolliert und dutch den ERmediiert zu sein, wohingegen in 6stro-genunabh:,ingigen Tumorzellinien dieSekretion von TGF hormonunabhLingigerfolgt. Diese Wachstumsfaktoren k6nn-ten fiber einen autokrinen Mechanismussich selbst oder fiber parakrine Stimula-tion benachbarte Zellen in ihremWachs-Tab. 3. Responsrate a u f endokrine Therapiemodalitdtenin Abh&Tgigkeit vom Ostrogenrezeptor-(ER-)Stauts (* =pdimenopausale Patientinnen, + = postmenopausale Pa-tientinnen ) (modifiziert nach Henderson [28]).PatientengruppeT h e r a p i e unselektiert ER+ ER-(Responsrate in %)O v a r e k t o m i e * 33 62Adrenalektomie" 32 46Hypophysektomie* 36Tamoxifen* 32 54G e s t a g e n e~ 31 49Aminogluthetimid" 31 54GnRH-Agonisten* 35 53turn beeinflussen, so dab theoretisch dieM6glichkeit besteht, dab tiber die Regu-lation yon z. B. TGF dutch Ostrogene,6strogenunabh~ngige Zellen eben falls inihrern Wachstum beeinfluBt werden(18).Klinische Entscheidungspara-meter (Menopausenstatus, rezi-divfreies Intervall, Metastasen-iokalisation)Tumoren von Patientinnen in der Post-menopause exprimieren in einem hOhe-rem Prozentsatz Hormonrezeptoren alssolche von Patientinnen in der Pr~i- oderPerimenopause. Auch korreliert die An-zahl der Rezeptoren mit steigendem Le-bensalter. Da nun der Erfolg einer endo-krinen Therapie eng mit dem Rezeptor-status zusammenh~tngt, steigt die Wahr-scheinlichkeit des Ansprechens auf en-dokrine Manipulation in der Postmeno-pause (> 5 Jahre nach Sistieren der Men-struation). 60 bis 70% dieser Patientin-hen kOnnen mit Hormontherapie in teil-weise langanhaltende Remissionen ge-bracht werden (19).Der kleinere Teil der Patientinnen mithormonrezeptorpositiven Tumoren inder Pr~menopause (15 bis 30%) kann ineinem Prozentsatz yon 30 bis 40% yonablativen Veffahren (chirurgisch, medi-kamentOs, strahlentherapeutisch) profi-tieren. Diese 3 Modalit~ten sind alsgleichwertig bezfiglich Remissionsra-ten, bei allerdings unterschiedlicher Ne-benwirkungsrate, zu betrachten. Patien-tinnen in der Pr~i- und Postmenopausemit ER-/PR--Befund sollten allerdingsprimfir mit systemischer Chemotherapiebehandelt werden. Lediglich bei alten,polimorbiden Patientinnen, bzw. bei be-stehenden Kontraindikationen zur zyto-statischen Therapie, scheint ein Thera-pieversuch mit einem AntiOstrogen trotznegativem Rezeptorbe-fund gerechtfertigt.Die Dauer des rezidiv-freien Intervalls korre-liert ebenfalls mit derWahrscheinlichkeit desAnsprechens auf Hor-montherapie. Byar et al.(5) konnten in einer pro-6lo spektiv randomisiertenStudie, in der die Patien-98 tinnen nach der Dauer6 des rezidivfreien Inter-11 valls (>< 10 Monate)stratifiziert wurden, zeigen, dab in derGruppe mit kurzem lntervalt lediglich25% ansprachen, in der Gruppe mit fiber10 Monaten zwischen Prim~roperationund Auftreten der Metastasierung aberin 60% Remissionen induziert werdenkonnten.Patientinnen mit einem Metastasie-rungsmuster, das einer niedrigen Risiko-gruppe zugeordnet werden kann. profi-tieren ebenfalls eher yon einer hom~o-nellen Behandlung als solche mit hohemRisiko. Unter "low-risk" wird haupt-s~ichlich das Vorhandensein yon reinerWeichteilmetastasierung (Haut.Lymphknoten), einer solit~iren Lungen-metastase, reiner Knochenmetastasie-rung oder eine Kombination dieser Me-tastasenlokalisationen verstanden. Pa-tientinnen mit reiner, multifokaler Vis-zeralmetastasierung, multiplen Lungen-metastasen oder Himmetastasen sind ei-ner hormonellen Manipulation wenigerzugLinglich.Endokrine Therapiemodalit/itenAblative VerfahrenWie eingangs erw~hnt, sind heute dieoperative oder strahlentherapeutischeOvarektomie zugunsten der medika-ment/Ssen Beeinflussung der Ostrogen-aktivit~it weitgehend verlassen. Ledig-lich bei prfimenopausalen Frauen mithormonrezeptorpositiven Tumoren kanndie Ovarektomie tiberlegt werden, wo-bei dutch den Nachweis des Anspre-chens auf kurzfristige anti6strogeneTherapie mit Tamoxifen der therapeuti-sche Benefit besser vorausgesagt wer-den kann als mit der Kenntnis des Re-zeptorenbefundes allein. Allerdingskonnte in 2 prospektiv randomisiertenStudien zwischen anti6strogener Thera-pie mit Tamoxifen und Ovarektomiekein signifikanter Unterschied hinsicht-lich rezidivfreiem Intervall und Oberle-ben nachgewiesen werden (4, 11).Adrenalektomie und Hypophysekto-mie haben ebenso wie die additivenHorrnontherapien mit Ostrogenen undAndrogenen ihre Bedeutung in der mo-demen Onkologie praktisch gfinzlichverloren.Anti6strogeneTamoxifen, ein nichtsteroidales An-ti6strogen, besitzt eine ausgepr~igte Affi-nit~it zum Ostrogenrezeptor und tritt dortin Konkurrenz mit Ostradiol. Die t~igli-Therapiekonzepte beim operablenMammakarzinom ACA Heft 2 / 1991 , 23. Jahrgang 78 iiche Dosis von lmal 20 rag/die oder ver-teilt auf 2 Einzeldosen zu 10 mg ftihrtnach etwa 16 Wochen zu einem Steady-state im Serum der Patienten. HtihereDosen (2mal 40 bis 2real 100 rag/Tag)konnten keinen Vorteil hinsichtlich h6-herer Remissionsraten erbringen, dochmugte eine gr/3gere Toxizit~t dokumen-tiert werden (3, 13, 24). Die Toxizit~ityon Tamoxifen in der Dosierung yon 20bis 40 mg/die ist relativ gering. Nur beietwa 10% der Patienten tritt m~igige H~i-matotoxizit~it oder milde Nausea auf, diejedoch in der Regel keinen Therapieab-bruch bewirken. Bei 1 bis 3% erscheintdas Risiko einer tiefen Becken-Beinve-nenthrombose erh6ht zu sein und in 4 bis5% der Patientinnen mug mit einer the-rapieinduzierten Hyperkalz/imie gerech-net werden (17). Dieses Risiko mug vorallem bei Patienten mit oss~irer Metasta-sierung beachtet werden und stellt eineIndikation zur Therapieunterbrechungdar.Neuere Anti6strogene wie Toremifenund Zindoxifen scheinen bei h6hererToxizit~t keinen Vorteil gegentiber Ta-moxifen zu bringen, lediglich Droloxi-fen dtirfte gr6gere anti0strogene Potenzbei ~ihnlicher, milder Toxizit~it besitzenund wird derzeit in Vergleichsstudienuntersucht (21).Gestagene2 vergleichbare Substanzen,Medroxy-progesteronacetat (MPA) und Mege-strolacetat erscheinen in der palliativenHormontherapie gleich wirksam wie Ta-moxifen, wobei nur ftir postmenopausa-le Patientinnen gesicherte Daten vorlie-gen. Im europ~iischen Raum, wo haupt-s~chlich MPA verwendet wird, hat sichdie hochdosierte Gabe von 500 bis1000 mg/die p.o. ftir 4 his 6 Wochen mitanschliegender Erhaltungstherapie von500 mg/die durchgesetzt.In einer rando-misierten Studie konnte bei einigen Sub-gruppen (Knochenmetastasen, Alter> 60 Jahre, keine vorangegangene Che-motherapie) ein Vorteil gegentiber einerniedrigeren Dosiemng gefunden werden(6). Amerikanische Autoren fordern,meist unter dem Hinweis auf den nichtunbetr~chtlichen Kostenfaktor, aller-dings weitere Studien zur Best~itigungbevor diese Dosierung allgemein emp-fohlen werden kann (9). Die Gleichwer-tigkeit der oralen Verabreichungsformgegentiberder intramuskulfiren ist meistunbestritten.Die Nebenwirkungen von MPA beste-hen in Fltissigkeitsretention und damitverbundener Gewichtszunahme in 20bis 50% der Patienten, Schmierblutun-gen w~ihrend oder nach Absetzen vonMPA bei 5 bis 10% und "Flushes" beietwa 10%. Die bei 20 bis 40% der Pa-tienten beschriebene positive Beeinflus-sung der Befindlichkeit ist oft eine ange-nehme Begleiterscheinung. Thrombem-bolische Erkrankungen oder ein erh6h-tes kardiovaskul~es Risiko stellen einerelative Kontraindikation zur Gestagen-therapie dar.AromataseinhibitorenAminogluthetimid (AG) ist der einzi-ge derzeit in der Klinik gebr~iuchlicheVertreter dieser Substanzgruppe. Zielder Therapie mit AG ist es, die Ostro-genproduktion der Nebennierenrinde beider postmenopausalen Frau zu reduzie-ren bzw. auszuschalten. Die Wirksam-keit dieser sogenannten Aromatasehem-mer beruht haupts~ichlich auf einem Ab-fall des Serum6strogenspiegels beigleichzeitigem Anstieg der E)strogen-vorstufen durch Hemmung bestimmterSchltisselenzyme wie 21-Hydroxylaseund/oder der 11-Hydroxylase und derAromatase in der Nebennierenrinde.Unter der Annahme, dab auch die Se-rumkortisolspiegel unter dieser Therapieabfallen, wurde eine gleichzeitige Korti-solsubstitution empfohlen. Gebr~iuchli-che Therapieregime bestehen in 4mal250 mg AG/die und 2mal 20 mg Hydro-kortison/die mit einschleichender Dosie-rung beider Substanzen innerhalb der 1.Behandlungswoche.Untersuchungen yon Taylor (23) zeig-ten, daf3 der Hauptort der AG-Wirkungin einer durch Erh6hung der Vorstufennicht zu kompensierenden Blockierungder Aromatase einerseits und anderer-seits in e iner dutch Erh6hung der Vor-stufen kompensierten Hemmung der 11-beta-Hydroxylase liegt. Durch diese Er-kenntnisse wurden yon HSffken (10)Studien zur niedrigdosierten (2mal250 mg AG/die) Therapie ohne Korti-sonsubstitution durchgeftihrt. In diesenStudien konnte die gleiche Effektivit~itdieses Regimes ohne Nachweis des Ab-falls des Serumkortisolspiegels nachge-wiesen werden (Abb. 1).Diese Form der medikament6senAdrenalektomie ohne absolute Notwen-digkeit d e r Kortisolsubstitution ist inden Ergebnissen der chirurgischengleichwertig. Nebenwirkungen bestehenbei etwa 20% in einem meist symptom-losen, makulopapul~sem Exanthem, dasin der Regel ohne Therapieunterbre-chung abklingt, und Lethargie. H~mato-logische Toxizit~it im Sinne e i n e r - beieinigen Patienten lebensbedrohenden -Thrombo- und Leukopenie ist bei I0 bis12% der behandelten Patienten zu er-warren, weswegen regelm~igige Blut-bildkontrollen erforderlich sind.LHRH-Analoge (GnRH-Agonisten)Die medikamentOse Kastration mitGnRH-Analogen beruht auf der Aus-schaltung d e r gonadalen Ostrogenpro-duktion durch Verminderung der gona-dotropen Hormone LH und FSH durch"downregulation" der GnRH-Rezepto-ten in der Hypophyse (Abb. 2). Dieseneue therapeutische Konzept wurde mitChotestero[20.22Oesmo~sePregneno[on 30 ol Oehydro~na~ Progesteron { * - | ]117-ill PREG 3Po! Oehlrdroge~ ~ 1 21Hi, drozybsefOHEA1N/iN-11 . 110 Kdm=yle~e CS18 Hrdto=yl~ 18-0H CS 'Oeizykorhkosteron ,L 1is Oeh~r~ene~21 gplrozyiose ALdosteron~ln P H~oqlase] 11 Oesozykortiso(30 010 ,hyde .g , t A"dr te"di"ll =I re'toster" J# ~ iAbb. 1. Verdnderungen der Zwischen-und Endprodukte tier Steroidbiosynthese unterAminogluthetimidohne Kortisolsubstitution (nach HSfJTTherapiekonzepte b e i m o p e r a b l e nM a m m a k a r z i n o m ACA: iHeft 2 / 1991, 23. Jahrgang 79 j~'.. LHRH CRF )IAooN,s,ENI Q__),HiOvA QIANDROGENEi.1< IE lc , IIIC)STROGENE ..,e.- - - - ..-/G E S T A G E N EH Y P O / H A L A , ~ U SHYPOPHYSEA C T HN E B E N -NIEREKORTIKOSTEROIDEAbb. 2. Schema der hypophysdren Steuerung der Ovarien und der Nebennierenrinde(in der Postmenopause werden Ostrogene durch Aromatisierung aus androgenenVorstufen der Nebennierenrinde gebildet) (nach Becher [2]).Substanzen wie Leuprolide, Buserelinund Goserelin (16, 25), die in Form yonNasensprays, t~iglicher Subkutaninjek-tion und auch bereits in einer "Slow-re-lease"-Depotform zur subkutanen Im-plantation atle 4 Wochen zur Verfiigungstehen, untersucht. GnRH-Agonistenbewirken bei pr~imenopausalen Patien-tinnen mit hormonrezeptorpositiven Tu-moren eine reversible Pseudomenopau-se. Die erzielbaren Remissionsraten vondurchschnittlich 38% sind bei prinzipiel-ler Reversibilit~it mit denen der chirurgi-schen Ovarektomie vergleichbar, ohne dieRisiken der perioperativen Morbididiitund Mortalit~it eingehen zu miJssen (21).Bevor diese Therapieform fiir dieseSubgruppe der Mammakarzinompatien-tinnen allerdings als Standardtherapieempfohlen werden daft, mtissen nochdie Ergebnisse randomisierter Studienabgewartet werden. Nebenwirkungensind m~iBig und bestehen haupts/~chlichin einem Postmenopausensyndrom, dasjedoch - wie bereits erw~ihnt - nach Ab-setzen der Therapie reversibel ist.nen getestet worden. Nur vereinzelt -und selten reproduzierbar- konntedabeiein signifikanter Vorteil hinsichtlich Re-missionsrate, Remissionsdauer und Ein-flug auf das Uberleben gezeigt werden.Die Autoren des GroBteils dieser Stu-dien kommen zu dem Schlug, dab dieKombination endokriner Therapiefor-men keinen Vorteil gegentiber der se-quentiellen Monotherapie bringt. Da dar-fiber hinaus das Ansprechen auf voran-gegangene Hormontherapie ein Pr~idik-tor for die Wahrscheinlichkeit ftir neuer-liches Ansprechen unter einer "Second-line"- oder "Third-line"-Hormonthera-pie ist, besteht durch die Kombinationdieser Substanzen sogar der Nachteil, zufrtih alle potentiell wirksamen und imVergleich mit zytostatischer Chemothe-rapie nebenwirkungsarmen Hormonthe-rapeutika verwendet zu haben.Die Kombination von endokrin akti-yen Substanzen mit Polychemotherapieerbringt ebenfalls keine signifikantenVorteile und birgt ebenfalls die Gefahrin sich, weniger Remissionen im indivi-duellen Patienten induzieren zu k6nnen.KombinationstherapiePraktisch alle genannten Therapie-magnahmen sind in einer Vielzahl vonStudien in verschiedenen Kombinatio-Therapie des Mammakarzinoms beimMannDie Therapie des Mammakarzinomsbeim Mann unterscheidet sich grund-s~itzlich nicht von der der Frau. BeiMSnnem sind die Tumoren allerdings zueinem h6heren Prozentsatz hormonre-zeptorpositiv, so dab sich aus der darausfolgenden hfiufigeren Beeinflugbarkeitdurch Hormontherapie eine bessere Pro-gnose hinsichtlich Therapieerfolg unddamit verbundener besserer Lebensqua-lit~it ableiten l~iBt. Die beidseitige Or-chiektomie wird nach Einftihrung desTamoxifens praktisch nicht mehr durch-gefiihrt.T h e r a p i e p l a n u n gIn Zusammenschau der erw~hnten Da-ten und Fakten k/3nnen nun folgende the-rapeutische Richtlinien ftir die palliativeHormontherapie des Mammakarzinomsftir die einzelnen Subgruppen zusam-mengefagt werden:Pr/imenopausale Patientinnen mithormonrezeptorpositiven Tumoren(ER+/PR+, ER+/PR-, ER-/PR+):Ersttherapie:Tamoxifenoder Ovarektomie (nach vorangegan-generTestung auf Respons mit Tamo-xifen)oder LHRH-Analoga(Die Einbringung solcher Patientinnen inprospektiv randomisierte Studien zumNachweis der Uberlegenheit einer derTherapieformen ist zu fordern.)Zweittherapie:~i nach Tamoxifen: Ovarektomie (lowrisk), zytostatische Chemotherapie(high risk)nach Ovarektomie: zytostatischeChemotherapie~1 nach LHRH-Analoga: ungekl~tDrittherapie: zytostatische Chemothe-rapiePr/imenopausale Patientinnen mithormonrezeptornegativen Tumoren(ER-/PR-)keine endokrine Therapie, sondern aus-schlieBlich ZytostatikaPostmenopausale Patientinnen undMiinner mit hormonrezeptorpositivenTumoren (ER+/PR+, ER+/PR-, ER-/PR+)Ersttherapie: TamoxifenWh op eko te operob,en Heft 2 / 1991, 23. Jahrgang 80Mammakorzinom ACAZ w e i t t h e r a p i e : Medroxyprogesteron-a c e t a t oder Aminogluthe t imidDrittherapie: Aminogluthe t imid oderMedroxyprogesteronacetatVierttherapie: zytostat ische C h e m o t h e -r a p i ePostmenopausale Patientinnen undM/inner mit h o r m o n r e z e p t o r n e g a t i -ven T u m o r e n {ER-/PR-)Ersttherapie: zytostatische Chemothe-rapieS c h l u g f o l g e r u n g e nDie HormonabhS.ngigkeit des Mam-makarzinoms, das Erkennen des Rezep-torenprinzips, und die Entwicklung meh-rer Methoden der Hemmung der Ostro-genwirkung als Wachstumsfaktor amTumor haben die palliative Therapie desMammakarzinoms in den letzten Jahrenver~ndert. Chimrgische Verfahren k6n-nen mehr und mehr verlassen werdenund durch medikament6se Therapien er-setzt werden. Erwfihnt sei allerdings dasvor allem die Ovarektomie und Adrena-lektomie bei einigen Patienten auch nachAussch6pfen aller konservativen M6g-lichkeiten bei einigen Patienten erstaun-liche Ergebnisse erzielen k6nnen.iKongreBankfindigung I!Tagungspr~isident:Prof. Dr, K. KemingerTagungssekret/ire:Pr im. Doz. Dr. D. Depisch undOA Dr: F. KoberTagungsort:Schlog Esterh4zy und KongregzentrumHotel Burgenland, A-7000 Eisenstadt,Schubertpla tz 1.Wissenschaftliches KongreBsekretariat:Priv atkranke nans talt ,,C onfratem itat",J 9Skodagasse 3_, A-1080 Wien ,Tel. 0222/40 l 14, Telefax: 0222/40 1 14-28,Kongrellsekretariat und Reisebiiro:KooperationMondial Congress- Blaguss,Faulmanngasse 4, A- ! 040 Wien ,Tel. 0222/58 804-0, Telefax: 0222/587 12 68.D u r c h d i e s e te i l s ausgepr / , ig te Hor-monabh~ingigkei t der hormonrezeptor-posi t iven M a m m a k a r z i n o m e ist es inden letzten J a h r e n gelungen Pat ientenmi t metastasiertem M a m m a k a r z i n o moft m e h r m a l s in gu te Remiss ionen zubringen, b e v o r d i e mi t m e i s t gr6BererToxiz i t~ i t verbundene, systemische Che-motherapie eingesetzt w e r d e n mug .Wenn auch das absolu te 0 b e r l e b e nkaum verl~tngert w e r d e n k a n n , so ffihrtdies zweifeltos zu e i n e r posi t iven B e e i n -flussung zumindest der Lebensqual i t / i td i e s e r nach wie vor unheilbaren Patien-ten . Vor a l l e m Patienten mi t K n o c h e n -metastasen profitieren hS, ufig v o n d e rm e i s t ausgeprS.gten analgetischen Folge-w i r k u n g der Remiss ionen.D u r c h d i e Entwicklung n e u e r e r Sub-s t a n z e n der einzelnen Wirkprinzipien istin der nfichsten Zeit mi t k e i n e r wesent l i -chen Steigerung der Remissionsratenoder e i n e r signifikanten LebensverlS.n-g e r u n g der am metastasierten M a m m a -k a r z i n o m erkrankten Pat ienten zu r e c h -nen. Untersuchungen w e i t e r e r Faktorenwie TGF und a n d e r e r Wachstumsfakto-ren oder Zytokine und das Erkerlnenw e i t e r e r Regelkreise k 6 n n t e n aber in dern~.heren Z u k u n f t d i e therapeutische Pa-le t t e f i i r das M a m m a k a r z i n o m e r w e i -tern.L i t e r a t u r([) Beatson GT: On the treatment of inoperablecases of carcinoma of the breast. 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