Der Kmpfer mit der Maske

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    04-Jan-2017

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  • Atlan - Der Held vonArkon

    Nr. 207

    Der Kmpfer mit derMaske

    Wer ist der Mann, der den Imperatortten will - Freund oder Feind?

    von Peter Terrid

    In einer Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht, steht es mit demGroen Imperium der Arkoniden nicht zum Besten, denn es mu sich sowohl ue-rer als auch innerer Feinde erwehren.

    Die ueren Feinde sind die Maahks, deren Raumflotten den Streitkrften des Im-periums durch berraschende Schlge schwere Verluste zufgen. Die inneren Fein-de Arkons sind Habgier und Korruption der Herrschenden, die allen voran Impera-tor Orbanaschol III. nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und das Gemein-wohl vllig auer acht lassen. Gegen diese inneren Feinde des Imperiums ist der jun-ge Atlan, der rechtmige Thronerbe und Kristallprinz von Arkon, der eine stetigwachsende Schar von verschworenen Helfern um sich sammeln konnte, bereitsmehrmals erfolgreich vorgegangen.

    Gegenwrtig ist Atlan jedoch nicht in der Lage, den Untergrundkampf gegen denUsurpator und Brudermrder Orbanaschol persnlich weiterzufhren, denn durch dieEinwirkung einer Geheimwaffe der Maahks gelangte er erneut in den Mikrokosmos.

    Whrend Ischtar, die Goldene Gttin, inzwischen nach Mitteln und Wegen sucht,Atlan wieder zurckzuholen, ist Ra, Ischtars Begleiter und Atlans Kampfgefhrte, un-geduldig geworden.

    Der Barbar hat sich dem Con-Treh Bei Etir Baj angeschlossen und ist mittlerweilenach Arkon II gelangt, wo er zur Sensation der Arena wird. Einer seiner Gegner istDER KAMPFER MIT DER MASKE

  • Die Hautpersonen des Romans:Ra - Der Barbar wird zum Arenakmpfer.Bei Etir Baj - Der Con-Treh wagt sich nach Arkon.Orbanaschol III. - Der Imperator beliebt zu scherzen.Gabdraman Schwati und Alpertur - Zwei Hndler und Verbindungsleute der Con-Treh.Robal und Efrem - Zwei Gladiatoren.

    Um ihn herum tobte die Menge, das Pu-blikum war begeistert. Sitzkissen flogendurch die Luft und landeten im blutgetrnk-ten Sand der Arena. Wildfremde Menschenfielen sich in die Arme, glcklich darber,da ihre Wetten gewonnen waren. Er hattees tatschlich geschafft.

    Der Barbar stand ber seinem Gegner, dieSchwertspitze gegen den Hals des Mannesgedrckt. Ras Hand begann zu zittern, seineLippen bewegten sich. Niemand konnte h-ren, was er fassungslos murmelte:

    Atlan!Ra starrte auf das Gesicht des geschlage-

    nen Gegners, im Bruchteil einer Sekundewanderten seine Gedanken zurck, bis zu je-nem Augenblick, an dem er auf dem Plane-ten der Con-Treh aus seiner Betubung er-wacht war

    1.

    Sein Kopf schien zu drhnen wie einegroe Trommel. Ra sthnte halblaut auf,whrend sich die farbigen Wirbel vor seinenAugen langsam zu einem Bild verdichteten.Schmerzhaft kehrte das Bewutsein in Razurck.

    Der Mann erinnerte sich: er hatte zusam-men mit dem Con-Treh Bei Etir Baj ver-sucht, die legendenumsponnene Halle derErinnerung zu erreichen. Seit zweihundertJahren war dies keinem Menschen mehr ge-lungen, zumindest war keiner nach Magin-tor, der Hauptstadt des Volkes der Con-Treh, zurckgekehrt, um ber das Schicksalder Vorgnger zu berichten. Vor Ra lagendie Reste jener Bestie, die zweihundert Jahrelang die Halle besetzt gehalten hatte.

    Das Ergothal war tot, daran gab es keinenZweifel. Die rtselvolle Verbindung diesesWesens mit dem Vulkan in der Nhe warabgerissen, als Ra das Kugelschiff rck-sichtslos gestartet hatte, ohne sich darum zukmmern, wie wenig flugtauglich das alteSchiff war. Das Ergothal hatte die Verbin-dung zum Vulkan verloren und war gestor-ben. Lange hatte sich das halbwracke Schiffnicht in der Luft halten knnen, es war aufdie Insel zurckgestrzt, und bei dem Auf-prall hatte Ra das Bewutsein verloren.

    Wo ist Etir Baj! murmelte Ra und rich-tete sich langsam auf. Am linken Oberarmwar die Haut aufgeplatzt, und Blut lief andem Arm herunter, aber Ra kmmerte sichnicht um die Verletzung. Noch halb benom-men von dem Aufprall wankte er durch denRaum, in dem wie durch ein Wunder nochein paar Lichter brannten. In einem Winkelentdeckte er Etir Baj. Ra beugte sich zu sei-nem Freund hinunter und legte das Ohr anseine Brust. Das Herz des Con-Treh schlugkrftig. Es konnte nicht lange dauern, bisauch Etir Baj wieder erwachen wrde.

    Ra schleppte sich durch den Raum. Ir-gendwo in dem Durcheinander mute einhalbzerfetzter Raumanzug liegen. Am Gr-tel hing, daran konnte sich Ra erinnern, einDosimeter. Erleichtert seufzte Ra auf, als erdas Gert endlich eingeschaltet hatte. DieReaktoren des alten Schiffes waren nichtzerschellt, das Dosimeter zeigte keine un-normalen Strahlungswerte an.

    Ein erster Lichtblick! murmelte derBarbar. Bis an die Knchel stand er in derhellen Flssigkeit, die aus den zerschlagenenErgothal-Eiern gelaufen war. Noch immerlagen die Eier zu Tausenden im Schiff her-um. Sie waren uerst widerstandskrftig,nur wenige waren beim Absturz des Schiffes

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  • zersprungen.Ra kehrte zu Etir Baj zurck. Dieser er-

    wachte gerade und betastete seinen schmer-zenden Kopf.

    Es sieht so aus, murmelte er sthnend,als htten wir es geschafft!

    Das Ergothal ist tot! besttigte Ra.Aber ihr werdet ziemlich viel Zeit brau-chen, bis ihr die Halle der Erinnerung wie-der fr das Publikum freigeben knnt. DasSchiff liegt ziemlich schief!

    Nebenschlich! meinte Etir Baj undwinkte ab. Er stand auf. Wie sieht es aus?fragte er dann. Was kann man mit demSchiff noch anfangen?

    Mit viel Mhe kann man es wieder eini-germaen gerade aufstellen, antwortete Ra.Aber abheben, das wird der Kasten niewieder.

    Hauptsache, die Halle ist noch verwen-dungsfhig! antwortete Etir Baj nachdenk-lich. Was machen wir mit den Eiern? Ichhtte normalerweise vorgeschlagen, sie ein-fach in den Vulkan zu werfen, aber ich be-frchte, da wir auf diese Weise nur neueErgothals zum Leben erwecken.

    Fttern wir die Seechsen damit! schlugRa vor. Vielleicht sterben sie an den Eiern,dann htten wir zwei Probleme mit einemSchlag erledigt!

    *

    Ra holte aus und lie das Schwert herun-tersausen. Scheinbar ohne Widerstand glittdie Klinge durch das Seil. Pfeifend saustendie Eier davon, etwa fnfhundert Meter vonder Kste entfernt schlugen sie klatschendauf dem Wasser ein. Es war den Mnnern zuriskant erschienen, die Eier einfach berBord zu werfen. Also hatten sie eine riesigeSchleuder gebaut, mit der sie bis zu fnfzigder Eier gleichzeitig verschieen konnten.Drauen auf dem Meer hatten die Fchsenbald entdeckt, da sie ohne AnstrengungFutter finden konnten. Mit ihren gewaltigenKiefern brachten sie es zuwege, selbst dieharten Schalen der Ergothaleier zu knacken.

    Der Inhalt der Eier schien ihnen zuschmecken, das bewies das Getmmel vordem Strand. Die Echsen kmpften um jedesEi und vergaen darber, die beiden Mnneran der Schleuder zu behelligen.

    Das waren die letzten! stellte Ru festund wischte sich den Schwei aus der Stirn.Was nun?

    Eltir Baj lchelte geheimnisvoll.Ich werde dir die Halle der Erinnerung

    zeigen! versprach er. Ich habe das Con-Treh-Than um Erlaubnis gefragt, und sie ha-ben es gestattet!

    Langsam! unterbrach Ra. Wie willstdu mit den Mnnern gesprochen haben? Siesitzen Tausende von Kilometern entfernt inMagintor!

    Ich habe ber Normalfunk mit ihnen ge-sprochen! verriet Etir Baj. Sie sind schonauf dem Weg hierher!

    Ra war erstaunt. Die Con-Treh waren sounglaublich auf ihre Sicherheit bedacht, dasie die beiden Mnner nicht einmal mitStrahlwaffen ausgerstet hatten, obwohl sieber solche Waffen verfgten. Da Etir Bajes trotz der Ortungsgefahr gewagt hatte, eineFunkverbindung nach Magintor herzustel-len, war ein wahrhaft auergewhnlicherVorgang.

    Langsam gingen die Mnner vom Strandzurck zu dem alten Kolonistentransporter.Ra hatte es noch einmal gewagt, die Trieb-werke anlaufen zu lassen und es tatschlichgeschafft, das alte Schiff so zu bewegen, daes wieder einigermaen waagerecht lag.Dann hatte er die meisten der Reaktoren undAggregate ausgeschaltet. Nur ein kleiner Re-aktor lief noch und produzierte den wenigenArbeitsstrom fr die Einrichtungen der Hal-le.

    Die Rume rings um die Zentrale desSchiffes hatte Bei Etir Baj allein von Eiernbefreit und gereinigt. Ra hatte vermutet, dadies die wichtigsten Rume waren, dort lagder Schlssel zu dem Geheimnis der Con-Treh. Ras Verdacht besttigte sich, als EtirBaj ihn in einen groen Raum fhrte, deraus der Zusammenlegung dreier benachbar-

    4 Peter Terrid

  • ter Rume entstanden war. Der groedmmrige Saal war vollgestopft mit B-chern, Filmen und Bildern. Ra sah Reliefsan den Wnden und mehrere Arbeitspultemit Lesegerten fr Mikrofilme.

    Bei Etir Baj machte eine weitausholendeGeste, mit der er den ganzen Raum um-schlo.

    Das ist unsere Geschichte, die Geschich-te der Con-Treh! sagte er, und es klang bit-ter. Sieh sie dir an!

    Langsam trat Ra nher, betrachtete dieBilder. Er berflog die Titel der einzelnenLesespulen und Bandaufzeichnungen. Dannsetzte er sich an eines der Pulte und begannzu lesen

    *

    Wer wohl? sagte der Mann bitter.Natrlich ein Con-Treh!

    Der Flottenkommandant prete die Lip-pen zusammen. Die Arkonflotte hatte wiederein Schiff verloren, mitten im Frieden. Eswar einfach explodiert, mitten im Flug. Esgab keinerlei Hinweise, die die Katastropheerklrt htten.

    Ich halte, mit Verlaub, diese ganze Con-Treh-Hysterie fr albern! sagte der jungeSair Tenguin; die Abzeichen an seinerSchulter wiesen ihn als Adjutanten des Ad-mirals aus. Die Geschichten, die sich dieMnner erzhlen, sind nichts weiter als La-trinengeschwtz.

    Sie sind mit einer Con-Treh verheiratet,nicht wahr? fragte der Kurier beilufig.Tenguin lief rot an.

    Ja, das stimmt! besttigte er.Allerdings kann ich mir nicht vorstellen,was dies damit zu tun hat, da man bei jederPanne sofort einen Con-Treh verdchtigt.Was haben diese Leute eigentlich verbro-chen, da man sie derartig verabscheut?

    Das wissen Sie so gut wie ich! erklrteder Kurier. Die Con-Treh sind eine groe,alte Familie. Es gibt, glaube ich, mehr alszehntausend Con-Treh auf Arkon!

    Ich sehe da keinen Zusammenhang!

    warf Tenguin ein.Diese ganze Familie besteht aus Arkoni-

    den, die hinter der Entwicklung zurckge-blieben sind, erklrte der Kurier. Alle Ar-koniden haben sich fortentwickelt und sindschon von ihrem ueren her als Herren desImperiums zu erkennen. Die von Ihnen sogeschtzten Con-Treh sind auf einer primiti-veren Entwicklungsstufe einfach stehenge-blieben. Sie haben dunkle Haare und sehrabsonderlich gefrbte Augen!

    Mag sein, da die Con-Treh nicht ausse-hen wie jene Arkoniden, die Sie als normalbezeichnen! rumte Tenguin ein. Aber dashat mit den Vorwrfen nicht viel zu tun, dieallenthalben gegen die Con-Treh erhobenwerden!

    Verstehen Sie das nicht? fuhr der Kuri-er fort. Diese Wesen sind nicht nur krper-lich zurckgeblieben, sie stehen auch geistigauf einer niederen Stufe. Es ist doch allge-mein bekannt, da die Con-Treh mit denRaumgeistern in Verbindung stehen und ihreWidersacher verhexen!

    Sair Tenguin schttelte fassungslos denKopf.

    Glauben Sie an Raumgeister? fragte erden Kurier.

    Selbstverstndlich nicht! erklrte derMann sofort. Ich bin schlielich ein aufge-klrter Arkonide.

    Dann sind die Con-Treh also gefhr-lich, fuhr Tenguin mit tzendem Spott fort,weil sie mit Geistern in Verbindung stehen,die es berhaupt nicht gibt. Merken Sie ei-gentlich nicht, was fr ein sinnloses ZeugSie zusammenschwtzen?

    Der Kurier zog die Brauen zusammen, of-fenbar pate ihm der Tonfall nicht, in demSair Tenguin sprach. Der Admiral sah denAugenblick gekommen, um einzugreifen.

    Es steht fest, da die ARKEX detoniertist! meinte er. Und verantwortlich fr dieMaschinen war ein Angehriger der Familieder Con-Treh. Halten wir einfach diese Tat-sachen fest. Mehr will ich dazu einstweilennicht sagen, Berichten Sie weiter, was machtdas Programm zur nderung der Umlauf-

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  • bahn?Wir haben gute Fortschritte zu verzeich-

    nen! berichtete der Kurier. Die groenGeneratoren sind bereits aufgebaut, die vier-te Flotte, die die Bahnnderung berwachensoll, hat ihre Standorte bezogen. Das Experi-ment kann theoretisch sofort gestartet wer-den!

    Das freut mich! erklrte der Admiral.Sie knnen sich zurckziehen!

    Der Kurier salutierte und verlie denRaum, nicht ohne Tenguin mit einem ab-schtzigen Blick bedacht zu haben.

    Lassen Sie sich von diesem arrogantenLaffen nicht einschchtern! meinte der Ad-mirai. Er ist jung und vorlaut, das wird sichgeben!

    Ich wei, sagte Tenguin halblaut.Aber mich strt der Aussiedlungsplan. Washaben die Con-Treh getan, da man sie aus-weisen will!

    Der Admiral trat zu dem jungen Mannund legte ihm die Hand auf die Schulter.

    Das mssen Sie verstehen, Tenguin!sagte er freundlich. Ich bin zwar auch nichtfr diesen Plan, aber ich kann mir vorstellen,wie er entstanden ist. Wir haben die letztenKriege schnell gewonnen, wir Arkonidensind die Herren dieses Sternhaufens. Viel-leicht haben die Zeitungen sogar recht, wennsie behaupten, es gbe in der Galaxis keinbedeutenderes Volk als die Arkoniden!

    Und jetzt sehen Sie sich die Brger an,Sie sind einfach grenwahnsinnig gewor-den, und in diesem Wahn werden sie vomImperator noch bestrkt. Er ist auf den Ge-danken gekommen!

    Tenguin warf einen Blick auf das Bild ander Wand, das seine Erhabenheit GonozalIII. zeigte.

    Er hatte den Einfall, das Arkonsystemmsse jedem Besucher schon beim Anflugklarmachen, da er den Lebensraum der fh-renden Rasse des Universums betrete! sag-te der Admiral. Das ist Grenwahn inVollendung, aber leider die Meinung derMehrheit der Arkoniden. Daher GonozalsPlan, die Planeten zwei und vier des Sy-

    stems auf die gleiche Umlaufbahn zu brin-gen wie Arkon selbst. Ein solches Drei-Planeten-System wre einmalig in der Gala-xis, mithin genau der richtige Aufenthaltsortfr ein in der Galaxis einmaliges Volk. Undin einem solchen perfekten Volk sind dieCon-Treh Strfaktoren. Sie zeigen deutlich,da wir Arkoniden frher einmal genausoausgesehen haben wie die Kolonialvlker,die aus uns hervorgegangen sind.

    Und deshalb mssen die Con-Treh aus-wandern! stellte Tenguin erbittert fest. Siesind reinbltige Arkoniden wie wir, aber siesehen ein wenig anders aus. Aus rein stheti-schen Grnden wird ein Teil des Volkes ein-fach vertrieben!

    Ich wei, da diese Manahme unge-recht ist! erklrte der Admiral und begannin dem Raum auf und ab zu laufen. Aberglauben Sie mir, Tenguin, diese Lsung istvielleicht die beste. Seit vier Jahren luft dieKampagne gegen die Con-Treh, in der derFamilie Sabotage, Verrat und Unfhigkeitvorgeworfen wird. Eigentlich sollte dieserPressewirbel nur die Bevlkerung einstim-men, bis sie der Ausweisung der Con-Trehbeipflichtet. Aber die Aktion ist ihren Initia-toren aus den Hnden geglitten, das Publi-kum schreit nach den Schauermrchen berdie Con-Treh!

    Der Admiral blieb vor Tenguin stehenund sah ihn intensiv an.

    Tenguin, sagte er leise. Wenn dieseAussiedlungsaktion nicht bald stattfindet,dann wird man die Con-Treh wie tollwtigeHunde erschlagen. Es ist zu spt, die Ent-wicklung umzukehren. Die Meute hat Blutgeleckt. Noch hlt sie still, aber es gengtjetzt ein kleiner Vorfall, um die Katastropheauszulsen. Ich werde den absurden Berichtnatrlich nicht in der Form weiterleiten. Ichwerde schreiben, da die ARKEX durcheinen technischen Fehler zerstrt wurde!

    Ich danke Ihnen, Admiral! sagte SairTenguin. Wissen Sie zufllig, wann dieCon-Treh Arkon verlassen mssen?

    In einem halben Jahr! sagte der Flotten-kommandeur. Seien Sie unbesorgt, ich

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  • werde persnlich dafr Sorge tragen, da dieUmsiedlung friedlich vonstatten geht. Ichhabe auch schon einen Planeten gefunden.Ich habe ihn Ark'alor getauft!

    Arkons Rettung! wiederholte Tenguin.Ich nehme an, Sie wissen bereits, da ichselbstverstndlich meine Frau begleiten wer-de!

    Ihre Entlassung ist bereits vorgemerkt!meinte der Admiral lchelnd.

    Danke! sagte Tenguin, dann salutierteer und zog sich zurck.

    Regir da Quertamagin, Admiral der Vier-ten Arkonflotte, schttelte resignierend denKopf.

    Hoffentlich geht das gut! murmelte er.

    *

    Ich habe meinen Instinkt, und der hatmich noch nie betrogen! QuertamaginsStimme klang drngend. Mein Instinkt sagtmir, da dieses Experiment scheitern wird.Es wird eine Katastrophe geben!

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie einesolche Katastrophe aussehen sollte! wider-sprach der Imperator. Das Laaha-Systemist vllig unbelebt, wir knnen also unbe-sorgt mit den Planeten und Monden herum-spielen. Auerdem ist die Vierte Flotte inder Nhe. Was soll dort passieren?

    Ich wei es nicht! murmelte Regir daQuertamagin dster. Aber ich spre es. Eswird ein Fehlschlag werden. Aber vielleichtwird er dich von der Wahnsinnsidee abbrin-gen, solche Experimente auch mit ArkonsPlaneten zu veranstalten. Du wirst damit un-ser Volk vernichten; was alle Gegner nichtgeschafft haben, wirst du an einem Tag er-reichen Arkon wird untergehen!

    Du darfst mir glauben, alter Freund, daich an diesem Tage hier in diesem Palast sit-zen werde! versprach Gonozal III. WennArkon stirbt, dann sterbe ich auch. Und duweit, da ich sehr an meinem Leben hnge.Ich werde schon alle Vorsorge treffen, umdas groe Werk gelingen zu lassen!

    Regir da Quertamagin schttelte zwei-

    felnd den Kopf. Nachdenklich fllte er diePokale auf dem flachen Tisch wieder auf. Erstellte den schweren Krug aus Luurs-Metallab, dann sah er auf die Uhr. Vor wenigenMinuten war das groe Experiment angelau-fen, bald wrden die ersten Nachrichtenber Hyperfunk auf Arkon eintreffen. Regirsprte, wie sich sein Herzschlag beschleu-nigte. Er war ein schlachterprobter Kmpfer,der einen untrglichen Instinkt fr drohendeGefahren besa, und dieses Gefhl sagteihm ganz deutlich, da sich im Laaha-Sy-stem eine frchterliche Katastrophe anbahn-te.

    Es galt als unschicklich, am Hofe des Im-perators seine Gefhle zu zeigen, daher kamder Bote mit der Nachrichtentafel gemesse-nen Schrittes nher und bergab nach demZeremoniell den Plastikstreifen an den Im-perator.

    Quertamagin starrte auf das Gesicht sei-nes Freundes, das jh die Farbe wechselte.Der Imperator lie die Hnde sinken undrichtete den Blick auf seinen Freund.

    Du hast dich nicht geirrt! sagte GonozalIII. tonlos. Es hat eine Katastrophe gege-ben!

    Regir da Quertamagin griff nach dem Pla-stikstreifen und berflog den Text. Der ersteTeil des Versuchs war ohne Schwierigkeitenabgelaufen, dann aber war das Krftegefgedes Systems schlagartig zusammengebro-chen. Die Planeten und Monde verlieen ih-re Bahnen und rasten frei durch das All. Indiesem gravitatorischen Chaos hatten dieFlotteneinheiten ihr Heil in der Flucht ge-sucht, aber die hyperstrukturellen Vernde-rungen durch die vernderten Planetenbewe-gungen lieen die Absprungdaten bei denTransitionen falsch werden. Die meistenSchiffe verschwanden im Hyperraum undkehrten nie zurck, andere waren von Trm-mern des zerplatzten Mondes zerfetzt wor-den. Die Katastrophe konnte nicht vollstn-diger sein.

    Du hast nicht mehr viel Zeit! murmelteGonozal III. schwach. Ich kann diese Infor-mation nicht lange zurckhalten, und in ein

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  • paar Stunden wird ganz Arkon wissen, dadas Projekt fehlgeschlagen ist. Bringe dieCon-Treh in Sicherheit, und das schnell!

    Regir da Quertamagin stand auf und sahden Imperator lange an, dann murmelte er:

    Lebe wohl! Ich glaube, wir werden unsnicht mehr sehen!

    Er schttelte die Hand des Imperators, dergeistesabwesend auf einen Punkt in der Luftzu starren schien, dann verlie er schnell denRaum.

    *

    Ra blinzelte mit den Augen, bis er sichwieder an das Dmmerlicht in der Halle ge-whnt hatte. Etir Baj stand neben ihm undknirschte mit den Zhnen.

    Ich werde dir sagen, was danach gesche-hen ist! sagte er undeutlich. Ra sah ihm an,wieviel Energie es den Mann kostete, eini-germaen ruhig zu bleiben. Nur fnftau-send Con-Treh ist damals die Flucht gelun-gen, die anderen wurden niedergemacht!Komm mit!

    Ra stand auf und folgte dem Con-Treh.Vor einem durchsichtigen Plastikblock blie-ben die beiden Mnner stehen. Etir Baj deu-tete auf eine Karte, die von dem Plastikma-terial umhllt wurde.

    Lies das! sagte er. Dann wirst du wis-sen, warum wir Con-Treh die Gonozalsnicht lieben!

    Ra beugte sich vor und las die wenigenZeilen.

    Alle Con-Treh, wo immer sie anzutreffensind, sind gefangenzunehmen und ohne wei-tere Umstnde sofort zu exekutieren. DurchSabotage der Con-Treh ist das groe Pro-jekt fehlgeschlagen und die Vierte Flotte na-hezu vernichtet worden. Die Gesamtheit derCon-Treh ist hiermit zum Tode verurteilt!

    Gegeben im Kristallpalast, im fnfzehn-ten Jahre seiner Regierung, Gonozal III.

    Ra starrte auf das Dokument. Neben dercharakteristischen Unterschrift war der Dau-menabdruck des Imperators zu erkennen,mit dem er Unterschriften von besonderer

    Bedeutung kennzeichnete. Ra hatte zwarkeine Mglichkeit, die Echtheit dieser Un-terschrift zu prfen, aber er konnte sich nichtvorstellen, da es sich um eine Flschunghandelte.

    Verstehst du uns jetzt? fragte Etir Baj.Wir leben auf dieser Welt in Angst, denndieser Befehl gilt noch immer. Seit Jahrtau-senden leben wir auf Ark'alor in Angst undSchrecken, immer in der Gefahr, von denArkoniden entdeckt zu werden. Nur seltenwagt sich ein Con-Treh von Ark'alor weg dann meist, um unsere Dankesschuld abzu-tragen. Mit diesem Schiff hier landete alsletzter Flchtling Regir da Quertamagin,schwerverletzt. Er starb hier. Seit dieser Zeithelfen wir den Quertamagins, wenn wir kn-nen. Ein Gonozal aber !

    Ich kann mir nicht vorstellen, da diesesTodesurteil echt sein soll! meinte Ra.Natrlich, es ist von Gonozal III. unter-schrieben worden, aber wahrscheinlich nichtganz freiwillig!

    Wie meinst du das? fragte Etir Baj ver-blfft.

    Der Imperator wute, erklrte Ra, daes keine Macht gab, die die Con-Treh nochhtte retten knnen. Das Volk wartete nurdarauf, die Con-Treh massakrieren zu dr-fen. Nun stelle dir vor, es wre zu dem Mas-saker gekommen, ohne da der Imperatordiesen Befehl ausgestellt htte. Spter nm-lich htte er jeden Arkoniden, der an der T-tung eines Con-Treh beteiligt gewesen war,vor Gericht stellen und aburteilen mssen.Kannst du dir die Folgen vorstellen? Millio-nen von Arkoniden vor Gericht, wegen ge-meinschaftlicher Verschwrung zum Mord?Es htte einen Brgerkrieg gegeben. Um daszu verhindern, mute Gonozal III. die Lyn-chjustiz seines Volkes in irgendeiner Weiselegalisieren und das hat er mit diesem Be-fehl getan!

    Bei Etir Baj starrte Ra nachdenklich an,dann schttelte er den Kopf.

    Es hrt sich logisch an, was du sagst,erklrte er. Aber ich kann dir einfach nichtglauben! Eine jahrtausendealte Tradition

    8 Peter Terrid

  • wirft man nicht nach fnf Minuten berBord!

    Wenn nicht jetzt, dann spter! brummteRa. Du wirst sehen, Atlan hat mit dem Go-nozal, wie du ihn mir geschildert hast, kei-nerlei hnlichkeit. Wann brigens knnenwir damit rechnen, da das hochverehrteCon-Treh-Than hier eintrifft? So schn eureWelt auch ist, ich mchte trotzdem wiederfort!

    Vielleicht findet sich eine Mglichkeit!meinte Etir Baj lchelnd. Ich habe da einpaar Ideen, die man in die Tat umsetzenknnte!

    2.

    Ra lehnte an der Wand und lchelte ver-gngt. Das ehrwrdige Con-Treh-Than be-nahm sich wie ein Kindergarten auf Reisen.Die alten Mnner des Fnferrats der Con-Treh tanzten frmlich in der Halle der Erin-nerung. Fr die Con-Treh war dieses uralteSchiff heilig, und sie hatten lange wartenmssen, bis sie ihr Heiligtum wieder betre-ten konnten, Etir Baj hatte ein briges getan.Offen und wahrheitsgetreu hatte er von derRckeroberung der Halle berichtet und da-bei Ras Anteil hervorgehoben. Da die Mn-ner des Con-Treh-Than weite Strecken derFlufahrt von Magintor bis zu der Insel imBinnenmeer Abdalor selbst erlebt hatten,konnten sie sich ausrechnen, welche Lei-stungen die beiden Mnner vollbracht hat-ten.

    Sobald sich die Mnner wieder beruhigthatten, wandten sie sich dem vorerst wich-tigsten Thema zu. Ra war von dem Con-Treh-Than zum Tode verurteilt, er sollte al-lerdings begnadigt werden, wenn es ihm ge-lang, die Halle der Erinnerung fr die Con-Treh zurckzugewinnen. Nichts sprach deut-licher fr die Erfllung dieser Bedingung alsder Umstand, da die neuerliche Verhand-lung ber das Geschick des Barbaren ineben dieser Halle stattfand.

    Er hat die geforderten Bedingungen er-fllt! stellte Bei Etir Baj fest. Sein Leben

    ist damit unantastbar. Ich habe Ra mit derGeschichte unseres Volkes vertraut ge-macht, wie ihr es befohlen habt. Dabei hatRa einen vllig neuen Gedankengang ent-wickelt!

    Etir Baj schilderte, wie Ra die Existenzdes Todesurteils zu erklren versucht hatte,und das Con-Treh-Than hrte ihn geduldigan.

    Eine khne These! sagte der Sprecherschlielich. Es gibt aber keine Beweise frdie Richtigkeit seiner Auffassung!

    Auf dieses Thema wollte ich zu sprechenkommen! fuhr Etir Baj fort. Wenn esmglich ist, Beweise fr Ras Hypothese zufinden, dann nur auf Arkon. Ich bitte daherdas Con-Treh-Than um die Erlaubnis, Arkonaufsuchen zu drfen!

    Und ich mchte ihn begleiten! mischtesich Ra sofort ein.

    Er hatte nicht die geringste Lust, den Restseines Lebens auf Ark'alor zu fristen. Viel-leicht war es auch mglich, auf Arkon ir-gend etwas in Erfahrung zu bringen, das frAtlan von Nutzen sein konnte. Seit der Kri-stallprinz gegen seinen verbrecherischenOnkel kmpfte, war vermutlich keiner seinerMitarbeiter so nahe an den Gegner herange-kommen. Und wenn die bervorsichtigenCon-Treh einen Mann nach Arkon schmug-geln konnten, dann mute dieser Schleich-weg auerordentlich gut gesichert sein.

    Wir stimmen dir zu, Bei Etir Baj! sagteder Sprecher am Ende der leise gefhrtenBeratung. Und deinen Freund kannst dumitnehmen. Genau betrachtet, gehen wir eingroes Risiko ein, wenn wir Ra erlauben,nach Arkon zu gehen. Aber wir knnen ein-fach einem Mann nicht mitrauen, der dasgrte Heiligtum unseres Volkes befreit hat.Zieht also nach Arkon. Seid wachsam undvorsichtig!

    Seid wachsam und vorsichtig! wieder-holten die beiden Mnner den traditionellenGru der Con-Treh.

    Ra und Etir Baj zogen sich zurck. AmStrand der Insel herrschte ein geschftigesTreiben. In seiner fast euphorischen Stim-

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  • mung hatte das Con-Treh-Than viele der Si-cherheitsbestimmungen gelockert. Es galtvor allem, eine schnelle Verkehrsverbindungzwischen der Insel und der Hauptstadt Ma-gintor zu schaffen. Sogar Gleiter hatte dieRegierung der Con-Treh bewilligt. Mit ei-nem dieser Fahrzeuge flogen Ra und EtirBaj die Strecke zurck, die sie in endloslang erscheinenden, qualvollen Mrschenzurckgelegt hatten. Nur mit Schauderndachte Etir Baj an das gefhrliche Gloohn,das noch immer irgendwo im Felsen lebteund eine Gefahr fr jeden war, der in seineNhe geriet. Ras berlegungen gingen mehrin die Zukunft. Vielleicht war es mglich,die Con-Treh von ihrem Ha auf alles, wasmit dem Namen Gonozal zu tun hatte, abzu-bringen. Gelang dies, dann hatte Atlan unterUmstnden einige tausend hervorragendeFreunde und Mitkmpfer gefunden. Nach-denklich betrachtete Ra den Mann, der ne-ben ihm in dem Gleiter sa.

    Bei Etir Baj war etwas grer als Ra,nicht ganz so breit in den Schultern wie derBarbar. Seine Haut zeigte einen satten Bron-zeton, die Haare die dunkle Frbung, die ty-pisch war fr die Con-Treh. Ra freute sichdarauf, den Mann Atlan vorstellen zu kn-nen.

    Stunden waren vergangen seit dem Ab-flug von der Insel. In Flugrichtung kamenlangsam die Berge nher. Dort lag in einemgroen Tal, das ein Meteorit frmlich ausdem Gebirge gestanzt hatte, die Stadt Ma-gintor, zum weitaus grten Teil in den Felshineingebaut. Von den Siedlungen der Con-Treh war aus der Luft nichts zu sehen, einweiteres Zeichen ihrer groen Angst vorEntdeckung.

    Etir Baj wandte den Kopf zur Seite undbetrachtete das Gesicht Ras.

    Ich berlege gerade, murmelte er, als erRas fragenden Blick bemerkte, wie wir esanstellen, aus dir einen Arkoniden zu ma-chen. Bei mir ist das relativ einfach, wir sindseit langem darin gebt. Aber ich fragemich, wie unsere Haarfrbemittel auf deinHaar wirken. Vielleicht wirst du kahl davon

    werden!Instinktiv gingen Ras Hnde in die Hhe,

    und in Gedanken stellte er sich das Gelch-ter der Freunde vor, wenn er mit einer Glat-ze nach Kraumon zurckkehrte.

    Nur das nicht! entfuhr es dem Barba-ren.

    Keine Angst! beruhigte ihn Etir Baj.Die Haare wren nicht weiter wichtig, aberich kann nicht abschtzen, ob es mglichsein wird, deine Augen zu frben. Die Ge-fahr, da du dabei erblindest, ist entschiedenzu gro.

    Barbar bleibt Barbar! stellte Ra fest.Ihr werdet mich nicht ummodeln knnen.

    Dann wirst du mich als Diener begleitenmssen! erklrte Etir Baj. Ich werde alsKaufmann nach Arkon reisen! Und du wirstein barbarischer Sklave von irgendeinemKolonialplaneten sein!

    Ra zuckte zusammen. Er war lange ZeitS-klave gewesen, und die Zeit, die er auf demSklavenplaneten Mervgon zugebracht hatte,hatte er noch nicht vergessen.

    Ra schttelte den Gedanken ab. Diesmalwrde er den Sklaven nur spielen, und dieserUnterschied zhlte.

    *

    Es war erstaunlich, wie schnell sich dieAnsichten der Menschen ndern konnten.Noch vor wenigen Wochen htte man Ra inMagintor erschlagen; jetzt drngten sich im-mer wieder Mnner heran, um Ra auf dieSchulter zu klopfen und ihm zu gratulieren.Und Etir Baj stellte im stillen fest, da auchder weibliche Teil der Con-Treh Gefallen andem stmmigen Barbaren gefunden hatte.

    Man gnnte den Mnnern einen Tag derErholung, dann machte sich Etir Baj an dieArbeit.

    Mit Staunen sah Ra zu, wie sich der Con-Treh in einen waschechten Arkoniden ver-wandelte. Ein Bleichmittel frbte die Haaredes Mannes wei, eine andere Chemikalieverlieh den Augen den typischen, albinoti-schen Rotton. Ein weiteres Bleichmittel

    10 Peter Terrid

  • sorgte dafr, da Etir Bajs Krper die Son-nenbrune verlor. Braungebrannte Arkoni-den konnten nur der untersten Schicht derBevlkerung angehren. Arkoniden vonRang hatten bla zu sein, es sei denn, mangehrte zur Flotte, wo sich Sonnenbestrah-lung nicht vermeiden lie. Einem hohenOffzier lie man die Brune durchgehen,doch war es blich, die Haut mit Cremes zubleichen. Nach wenigen Stunden hatte EtirBaj den alabasternen Leib eines vornehmenArkoniden. Nur die gut ausgebildete Musku-latur lie sich so schnell nicht entfernen,aber darauf legte der Con-Treh auch wenigWert.

    Nach einem Tag waren die Vorbereitun-gen abgeschlossen. Zwar wrden noch einpaar Tage vergehen, bis die Narben an EtirBajs Schdel vollstndig verheilt waren,aber den Mann hielt es nicht lnger in Ma-gintor. Die Narben, die von den grausamenPsychoverhren in Krassig geblieben waren,hatte eine kosmetische Operation nahezuverschwinden lassen. Nur die Narben aufdem Brustkorb und auf dem Rcken, eben-falls berreste von Folterungen, waren ge-blieben. Aber nach einer kosmetischen Ope-ration auch dieser Narben htte Etir Bajmindestens eine Woche lnger auf Ark'alorbleiben mssen, und dazu hatte er keineLust.

    Ich heie von nun an Immo Kalee!stellte sich Etir Baj als Arkonide bei Ra vor.Jetzt brauchen wir nur noch einen Namenfr dich!

    Ich bin Ra und werde es bleiben! stellteder Barbar fest. Auf Arkon kennt mich nie-mand, ich habe es nicht ntig, mir einenfalschen Namen zuzulegen!

    Es war ziemlich viel Zeit vergangen, seitRa in die Hnde der Arkoniden gefallen war.Er konnte sich nicht vorstellen, da sich ir-gend jemand noch an ihn erinnerte, zumaldie Personen, mit denen er zu tun gehabthatte, nicht im Arkonsystem lebten, sondernauf weit abgelegenen Kolonialplaneten.

    Einverstanden! meinte Etir Baj. MeineAusrstung ist fertig, wie sieht es bei dir

    aus?Ra hatte die Lederbekleidung anbehalten,

    die er zu Beginn der Expedition auf Ark'alorangezogen hatte. Er trug ein langes Schwertmit einer hervorragenden Klinge im Grtel,dazu einen Dolch und eine Schleuder. ImNacken verborgen war eine weitere, nadel-spitze Klinge, eine mrderische berra-schung fr den, der dieses Versteck nichtkannte. Als Sklave konnte Ra natrlich kei-ne Hochenergiewaffe tragen, wie sie in EtirBajs Gurt steckte.

    Der rohlederne Anzug, den Ra trug, warziemlich eng geschnitten, und einige Vereh-rerinnen von Ra hatten den Anzug mitStickereien verziert. Ra machte den Ein-druck eines erstklassigen Kriegers aus einemJgervolk; niemand hatte vermutet, da erauch mit modernen Waffen sehr gut umzu-gehen verstand.

    Ich bin bereit! erklrte Ra.

    *

    Die Con-Treh hatten den beiden Mnnernein kleines Beiboot zur Verfgung gestellt.Das Schiff war ziemlich alt, aber es erflltenoch seinen Zweck. Den kleinen Laderaumhatte man mit seltenen Fellen, getrocknetenHeilkrutern und anderen Produkten desPlaneten bis an den Rand gefllt. Dies warein weiterer Grund, aus dem heraus man diebeiden Mnner gewhren lie. Ab und zubrauchten die Con-Treh Nachschub an hoch-technisierter Ausrstung. Immer wenn es so-weit war, schickten sie eine Ladung ihrerwunderwirkenden Kruter und der Fellenach Arkon und tauschten sie gegen die G-ter ein, die sie brauchten. Da die Con-Trehsehr sparsame Leute waren, wurden solcheAusflge nur sehr selten unternommen. Ent-sprechend rar waren die Con-Treh-Felle imArkonsystem, und dementsprechend hochder Erls fr jedes einzelne Fell.

    Etir-Baj hatte die lange Liste von Dingen,die auf Ark'alor gebraucht wurden, im Kopf,und er wute auch, wie er diese Dinge vonArkon herschaffen wrde, ohne da man

    Der Kmpfer mit der Maske 11

  • ihm folgen konnte.Ra htte lieber das Beiboot von Ischtars

    Schiff verwendet, weil dieses Schiff von denStrukturtastern offenbar nicht erfat werdenkonnte. Aber die varganischen Konstruktio-nen waren derart auffllig, da man sich so-fort um die beiden Piloten gekmmert htte,wo immer sie auch erschienen wren. Auf-sehen aber war das mit Abstand letzte, wassich die beiden Mnner wnschen konnten.

    Die COTAWBA, wie Etir Baj das Bootgetauft hatte, konnte zur Not von nur einemMann gesteuert werden. Mit kleinen Schif-fen dieser Bauart pflegen abenteuerlustigeMnner den Kugelsternhaufen M-13 zudurchstreifen, auf der Suche nach Abenteu-ern, seltenen Mineralien und anderen Din-gen, die sofern man eine solche Fahrtberlebte auf Arkon hohen Gewinn abwar-fen. Ihrer Bestimmung gem sah die CO-TAWBA ziemlich heruntergekommen aus.Ra traute dem Boot nicht ganz, aber als erbeim Start die gleichmigen Arbeitsge-rusche des Triebwerks hrte, wute er, dasich die Brchigkeit der COTAWBA aufden ueren Anblick beschrnkte.

    Fast einen ganzen Tag hielt sich das klei-ne Boot im Bereich Ark'alors auf. Sorgfltigprfte Etir1 Baj die Messungen der' Struk-turtaster. Als die beiden Mnner sicher seinkonnten, da ihr Sprung aus dem SystemArkalors heraus nicht bemerkt oder gar an-gemessen werden wrde, starteten sie. Dennchsten Sprung be rechnete Etir Baj nachhnlichen Kriterien.

    So dauerte es fast vier Tage, bis die bei-den Mnner endlich ihr Teilziel erreicht hat-ten. In einem stabilen Orbit kreiste das klei-ne Boot um den Planeten Vor'phamor, einenHandelsknotenpunkt des Groen Imperiums.Von seinen Daten her war der Planet uerstdurchschnittlich, hnlich Kraumon oderArk'alor.

    Die Bewohner des Planeten fhlten sichsehr sicher, nach einer beraus flchtigenKontrolle durften Etir Baj und Ra mit ihremBoot auf einem der kleinen Hfen landen.Etir Baj hatte sich fr Cortereal entschieden,

    die zweitgrte der Stdte des Planeten.Und vergi nicht! ermahnte Etir Baj

    seinen Begleiter. Ich heie Immo Kalee.Wenn du dich verplapperst, reit man uns inStcke!

    Keine Sorge! beruhigte Ra den Con-Treh. Ich werde es mir merken!

    Zur Ausrstung des Beiboots gehrte einkleiner Gleiter mit zwei Sitzpltzen und ei-ner gerumigen Ladeflche, speziell ge-schaffen fr die Boote der Prospektoren undPelzjger. Niemand kmmerte sich um diebeiden Mnner, als Ra hinter dem SteuerPlatz nahm und sich Immo Kalee hoheitsvollauf den anderen Platz setzte.

    Halte auf den groen Turm zu! befahlImmo.

    Ra nickte und schob den Beschleuni-gungshebel nach vorne. Langsam, und mitwinselnden Generatoren setzte sich der Glei-ter in Bewegung. Immo Kalee hatte vor demAbflug dafr gesorgt, da das Fahrzeug tat-schlich Spuren starken Gebrauchs aufzu-weisen hatte. Das wichtigste Indiz war dermrderische Gestank, den die Ladeflcheverbreitete.

    Erst am Ausgang des kleinen Landefeldswurden die beiden Mnner angehalten. ZweiEinwohner der Stadt berprften die Papie-re. Selbstverstndlich waren die Unterlagenvon Immo Kalee einwandfrei, immerhin hat-ten die Con-Treh einige Jahrtausende langdas Flschen von Dokumenten ben knnen.

    Und der da? fragte einer der beiden Po-sten und deutete auf Ra. Was ist mit demBurschen? Gehrt er zu dir?

    Immo Kalee zog die Brauen zusammen.Erstens, sagte er langsam und drohend,

    werde ich fr gewhnlich mit Erhabenerangeredet, wie es sich fr einen Arkonidenvon Geblt geziemt! Und zweitens ist dieserMann mein Eigentum. Ich habe vor, ihnamtlich als Sklaven registrieren zu lassen!

    Der Posten zuckte zusammen. Es warnicht ratsam, sich mit einem Arkoniden an-zulegen. Die Herren des Groen Imperiumsverstanden keinen Spa, wenn man sie in ih-rer Ehre krnkte. Das galt auch fr die Ab-

    12 Peter Terrid

  • kmmlinge der Arkoniden auf anderen Pla-neten. Den Bewohner Cortereals erwartetenbetrchtliche Schwierigkeiten, wenn ein Ar-kongeborener sich ber ihn beschwerte.

    Verzeihung, Erhabener! stammelte derPosten. Die Durchfahrt ist frei!

    Immo Kalee gab Ra einen Wink, und derBarbar beschleunigte den Gleiter. Im Vor-beifahren warf Immo dem Posten ein Geld-stck zu, das der Mann grinsend auffing.Korruption war weit verbreitet, besondersauf Welten wie Vor'phamor. Vorsichtig f-delte sich Ra in den dichten Verkehr auf denbreiten Straen ein.

    In Cortereal trafen sich nicht die ganzgroen Hndler, die ganze Konvois mit dergleichen Ladung fllen konnten. Die Stadtwar ein Tummelplatz der Abenteurer, dienach oft jahrelanger Abwesenheit mit erlese-nen Kostbarkeiten zurckkehrten. Entspre-chend bunt und vielgestaltig war das Lebenin der Stadt. Die Behrden sahen zwar nichtgerne, da sich allerlei lichtscheues Gesindelin der Stadt ein Stelldichein gab, aber solan-ge die Zahl der Messerduelle sich in Gren-zen hielt, drckten die Polizisten ein Augezu. Ein besonderes Interesse an dem Lebenund Treiben in Cortereal hatte die PO-GIM,deren Spitzel in vielfltigen Verkleidungendurch die Mrkte und Spelunken zogen, umInformationen zu sammeln. Den wstenMnnern, die sich berufsmig in der Stadttrafen, tat die Geheimpolizei nichts, aber dieInformationen, die die Mnner ausplauder-ten, waren fr die POGIM von Bedeutung.

    Cortereal lag in einem weiten, sanft ge-schwungenen Tal. Die Stadt war gewachsenwie eine Krebszelle, wild und zgellos. Ent-sprechend verwirrend und faszinierend wardas Bild, das sich dem Betrachter bot. Kurz,die Stadt war voller Leben und Bewegung.

    Cortereal hatte etwas mehr als zehntau-send Einwohner, hinzu kamen je nach Ge-schftslage bis zu einhunderttausend Hnd-ler, Prospektoren, Dirnen, Taschendiebe,Spieler, Glcksritter, Vagabunden.

    Die Bewohner der Stadt mochten keineGleiter, daher stellten Immo Kalee und Ra

    ihr Fahrzeug am Stadtrand ab und gingen zuFu weiter. Warum in den Straen Fahrzeu-ge nur in Ausnahmefllen zugelassen waren,begriffen die Mnner sehr schnell. beralltrafen sie auf kleine Gruppen von Men-schen, die singend und lrmend durch dieStraen zogen, in der Rechten eine dickbau-chige Flasche, in der Linken die Hand einesMdchens. Cortereal war eine Stadt derfrhlichen Zecher und der ungehindertenLebenslust. Obwohl sich hier mehr berufs-mige Diebe versammelten als an jedemanderen Platz in der Galaxis, wurde in Cor-tereal weniger gestohlen als im Kristallpa-last.

    Ra fhlte sich in dem wilden Haufen au-erordentlich wohl. Er mochte Menschen,die sich natrlich gaben. Die beiden Mnnerkamen nur langsam voran. Immer wiederboten ihnen wildfremde Gesellen Drinks an,und die Mdchen versuchten ihr Bestes, umdie Mnner von ihren eigentlichen Zielenabzubringen.

    Vorwrts! sagte Immo Kalee und zerrteRa mit sich, der dem dunkelhaarigen Md-chen mit einem Schulterzucken und einerKopfbewegung klarmachte, da er nicht sokonnte, wie er gern gemocht htte. Wir ha-ben allerhand zu besorgen!

    Vor einer buntbemalten Fassade eines al-ten Hauses blieb Immo Kalee stehen. berder Tr hing ein altes, fleckiges Schild. DieAufschrift Zum ehrlichen Wrfel warkaum noch zu lesen, dafr steckten in derhlzernen Tafel vier Messer dicht nebenein-ander. Aus der Tr klang das Gerusch an-einanderschlagen der Glser und der ohren-betubend laute Gesang eines DutzendsMnner, die mangelnde Kunstfertigkeit mitLautstrke wettzumachen suchten.

    Ra brauchte einige Zeit, bis er sich an denDunst und den Rauch im Innern der Tavernegewhnt hatte. In der Luft lag der Geruchnach viel Alkohol und einem vorzglichenBraten. Mdchen liefen zwischen den hl-zernen Bnken und Tischen hin und her, da-mit beschftigt, Wein, Braten und abweh-rende Klapse auszuteilen.

    Der Kmpfer mit der Maske 13

  • Was wollen wir hier? fragte Ra, so lei-se, wie es die Geruschkulisse des Lokalszulie.

    Leute treffen! meinte Immo Kalee. Ichwar zwar noch nie selbst hier, aber andereMnner haben mir von dieser Kneipe er-zhlt. Wer hier verkehrt, gehrt zu den aner-kannten Hndlern der Stadt. Mach dich aufSchwierigkeiten gefat!

    Ra ging voran und schob die Menschenzur Seite, die sich ihm in den Weg stellten.Wtende Rufe wurden laut, die schlagartigverstummten, als sich Immo Kalee auf deneinzigen, noch freien Platz setzte. Der hl-zerne Stuhl war frei, obwohl sich Mnner inder Nhe des Platzes drngten. Immo Kaleewar sich sicher, da dieser Sitz fr einen be-sonders wichtigen Mann freigehalten wurde.

    Schlurfend kam der Wirt nher, einspeckiger Zaliter mit einem verschlagen wir-kenden Gesichtsausdruck.

    Hr, Freundchen! sagte er leise.Dieser Sitz ist fr Gabdraman Schwati re-serviert! Wenn du darauf sitzt, wenn erkommt, wirst du mein Lokal mit den Fenvoran verlassen. Ich gebe dir den guten Ratzu verschwinden, bevor Schwati kommt!

    Dafr ist es zu spt! murmelte eine hei-sere Mnnerstimme. Er kommt gerade her-ein!

    Alle Kpfe wandten sich zur Tr, in dersich die Umrisse eines ungewhnlich groenund breitschultrigen Mannes abzeichneten.Im Nherkommen wurden Einzelheiten desMannes sichtbar.

    Gabdraman Schwati war ein Arkonide.Seine Haut war von der Sonne tief gebrunt,das Kinn wurde von einem langen, weienBart verdeckt. Die Muskulatur des Manneswar, soweit das locker geschnittene Hemdsie erkennen lie, bengstigend gut ent-wickelt. Schwati trug einen breiten ledernenGrtel, dessen Schnalle aus Luurs-Metallbestand. In den Holstern steckte links einImpulsstrahler, rechts einer der wenigenDesintegratoren, die ihren Weg in Privathn-de gefunden hatten. Der Schnitt des Gesichtsverriet eine unbndige Energie, gepaart mit

    hoher Intelligenz.Schwati kam langsam nher und blieb vor

    Immo stehen. Flchtig streifte sein Blick Ra,der neben dem falschen Arkoniden standund die Hnde vor der Brust verschrnkthatte. Eindringlich musterte GabdramanSchwati den frechen Eindringling, dannbeugte er sich langsam nieder und packteden Stuhl an zwei Beinen. Mit ausgestreck-ten Armen hob er Immo in die Hhe undschwenkte ihn langsam zur Seite. Immoschlug die Beine bereinander und lcheltefreundlich.

    Schwati erwiderte das Grinsen, dann lieer den Stuhl los. Zu seiner grenzenlosenberraschung fiel der Mann nicht. Etwasschneller als Schwati schwenkte Ra denStuhl auf seinen ursprnglichen Platz zu-rck, und man konnte dem Barbaren anse-hen, welche Kraft dieses Kunststck kostete.

    Es wurde sehr still in der Taverne zumehrlichen Wrfel, als Ra behutsam den Stuhlan seinem alten Standort wieder absetzte.Schwati achtete nicht mehr auf Immo Kalee,er konzentrierte sich ganz auf Ra.

    Er streckte die rechte Hand nach Ra aus.Der Barbar ergriff die Hand und ging einenSchritt zurck. Mit weit ausgestreckten Hn-den standen sich die Mnner gegenber,dann strafften sich die Armmuskeln. Die F-e scharrten ber den steinigen Boden, alsdie beiden Mnner sich besseren Halt zuverschaffen suchten. Schweitropfen wur-den auf den Stirnen sichtbar, whrend sichdie Spannung im Saal steigerte.

    Zwanzig auf den Barbaren! gellte eineStimme.

    Ich halte fnfzig dagegen! meldete sichein anderer Mann.

    Der Kampf ging in die vierte Minute, alsder Wettumsatz fnfstellige Betrge erreich-te. Immo heizte den Kampf weiter an, als erweitere zehntausend auf Ra setzte, obwohlder Barbar schnaufte und stark schwitzte.Lange konnte er sich gegen den HnenSchwati nicht mehr halten.

    Dann griff der falsche Arkonide in die Ta-sche und holte einen kleinen, dunkel gefrb-

    14 Peter Terrid

  • ten Gegenstand hervor, den er scheinbarachtlos Schwati zuwarf. Der Mann erkanntenoch im Flug, was ihm zugeworfen wurdeund schnappte danach. Im gleichen Augen-blick wurde er von Ra zur Seite gewirbeltund fiel, doch es gelang ihm, den Gegen-stand zu fangen, bevor er auf den Bodenprallte.

    Die Menschen im Lokal waren vor ber-raschung sprachlos, whrend Immo schnellseinen Gewinn einstrich. Ra massierte mitschmerzverzerrtem Gesicht den Krampf imrechten Arm.

    Eine Sekunde lnger, sthnte er, undich htte dort gelegen!

    Gabdraman Schwati stand langsam auf.Mit einer Handbewegung machte er sicheinen Platz unmittelbar neben Immo Kaleefrei. Fasziniert betrachtete der Mann denGegenstand.

    Ein Portrt Bolarcs I. in einen schwarzenDiamanten geschnitten! staunte Schwati.Mann, wie bist du an diese Kostbarkeit ge-kommen?

    Mein Geheimnis! meinte Immo l-chelnd. Interesse?

    Langsam! wehrte Schwati ab; er winkteden Wirt heran. Zwei kleine Krge vomBesten fr meinen Freund und mich, undeinen besonders groen fr den Barbaren. Erhat ihn sich verdient!

    Er grinste Ra an und schlug ihm auf dieSchulter. Kurze Zeit spter erschien der Wirtund brachte die drei Krge. Ra gab denWein sofort an andere weiter; seit er aufdem Sklavenplaneten Mervgon einen frch-terlichen Rausch mit einem noch entsetzli-cheren Kater ausgekostet hatte, frchtete erden Alkohol. Die umherstehenden Mnnerwaren von dieser Geste sehr erfreut, undnach kurzer Zeit nahm das Gelage seinenFortgang.

    La mich nachrechnen! murmelteSchwati. Von diesem Gemmen gibt es nursehr wenige. Zwei liegen in der privatenSammlung Orbanaschols. Er lebe hoch, abernicht allzu lange!

    Es lebe seine Erhabenheit! schrie ein

    Mann und imitierte die unnatrliche Sprech-weise des Imperators. Brllendes Gelchterwar die Antwort. An jedem anderen Ort w-re dieser Spott fr den Sprecher das sichereTodesurteil gewesen, aber an die freienHndler von Vor'phamor wagte sich nie-mand heran. Sie lieferten die Daten fr neueKolonialweiten, sie brachten die Spezereienvon Welten heran, die kein Flottenkomman-do zu betreten wagte, sie lieferten die Steine,die es sonst nirgendwo in der Galaxis zukaufen gab. Die olghsche Seide, die man beiHofe trug, konnte nur ber Vor'phamor be-zogen werden. Der Imperator, der dieseQuelle verstopft htte, wre von einer Pa-lastrevolution innerhalb von Stunden wegge-fegt gewesen.

    Ein weiteres Exemplar gehrt den Zol-trals, und das letzte liegt in den Safes derQuertamagins! beendete Schwati seineAufzhlung. Sprich, Halunke, wo hast dudas Stck besorgt?

    Immo Kalee grinste, als er die bezeich-nende Pause zwischen den letzten beidenWorten hrte.

    Ein solches Stck kann man nicht steh-len! erklrte er ruhig. Man kann es auchnicht flschen. Nur eine neue, echte Ausga-be ist von Wert, nur sie kann man verkau-fen!

    An die POGIM! stellte Schwati fest.Sie werden dich erwischen, und wenn duihnen den Stein freiwillig berlt, lassensie dich vielleicht am Leben.

    Ich wei! gab Immo Kalee zurck.Darum suche ich auch einen Partner, einenMann, der soviel Einflu auf Arkon hat, daauch die POGIM ihm nicht so ohne weiteresans Leder kann!

    Besten Dank fr das Kompliment,meinte Schwati grinsend. Einverstanden,ich mache das Geschft. Was willst du frden Stein haben?

    Zweierlei! gab Immo Kalee bekannt.Ich habe hier erstens eine Liste von Din-gen, die ich kaufen will. brigens habe ichnoch eine Ladung von betrchtlichem Wertzu verkaufen.

    Der Kmpfer mit der Maske 15

  • Darber reden wir spter, warf Schwatiein. Was ist Nummer zwei? Wo ist derPferdefu?

    Du wirst Ra und mich nach Arkon brin-gen! antwortete Immo gelassen.

    Schwati schttelte sofort den Kopf.Ausgeschlossen! sagte er spontan. Das

    ist sogar mir zu hei. Ich bin gewi keinFeigling, aber auch noch lange kein Selbst-mrder. Weit du, wie scharf alle Wegenach Arkon bewacht werden?

    Sicher wei ich das, meinte lmmo l-chelnd. Eben darum komme ich zu dir.Wenn es einer schaffen kann, dann du!

    Ha, ha! machte Schwati suerlich. Frdiese zweifelhafte Ehre bedanke ich mich.Tut mir leid, ber Geld knnen wir verhan-deln, ber mehr nicht!

    Dann nicht! meinte Immo und stecktedie Gemme in die Tasche zurck. Schade,es htte sich fr dich gelohnt. GabdramanSchwati entdeckt die fnfte Bolarc-Gemme!Eine bessere Werbung fr dein Geschftkann ich mir kaum vorstellen!

    Schwati rieb sich nachdenklich das Kinn.Meine PRON-KER-MKLON startet in

    zwei Tagen! murmelte der Hndler nach-denklich. Die Mnner auf den Wachschif-fen kennen mich, und bei den beiden letztenEinflgen bin ich nur sehr oberflchlichkontrolliert worden!

    Bei Etir Baj verzog keine Miene, obwohler jetzt wute, da Schwati auf den Handeleingehen wrde. Htte der Hndler geahnt,da sich auf Ark'alor noch weitere sechs derseltenen Gemmen befanden, wre er ImmoKalee vermutlich an die Kehle gesprungen.

    Eine Person! meinte Schwati nachdenk-lich. Du kannst mitfliegen, aber der Barbarmu hierbleiben. Und wie du auf meinSchiff kommst und dich dort versteckst, istausschlielich deine Sache. Wie heit du ei-gentlich?

    Immo Kalee! stellte sich der Con-Trehvor.

    Den Namen kenne ich doch? rtselteder Hndler. Hat dein Vater nicht auchschon hier gehandelt?

    Mein Onkel! erklrte Immo wahrheits-getreu. Aber ich bestehe darauf, da Ramich begleitet. Ich brauche einen Diener!

    Schwati schttelte den Kopf.Kommt nicht in Frage! erklrte er fest.

    Es ist schwierig genug, einen Mann zu ver-stecken. Wenn die POGIM-Mnner auch nureinigermaen grndlich kontrollieren, landetdie ganze Mannschaft im Konverter oder aufeinem Strafplaneten. Da hilft uns dann auchdie Bolarc-Gemme wenig!

    Immo Kalee brachte das Schmuckstckwieder zum Vorschein und spielte scheinbarnachlssig damit. Der Diamant glitzerte imLicht, und Schwati brachte es nicht fertig,den Blick von dieser Kostbarkeit zu wenden.Er wute, da die Dinge, die auf der langenListe standen, bei weitem nicht den Betragerreichten, den Schwati fr die Gemme er-zielen konnte. Es konnte das Geschft seinesLebens werden, darber war sich der Hnd-ler klar. Allein die Tatsache, da er dasStck herbeigeschafft hatte, wrde seinenNamen berhmt machen. GabdramanSchwati stand vor der Chance, zum Han-delsherrn aufzusteigen. Er konnte sich viel-leicht auf Arkon I niederlassen, wo zwar dieSchmiergelder zehnmal so hoch waren wieanderswo, aber auch die Gewinne ein paarZehnerpotenzen ber dem blichen lagen.

    Krone oder Konverter! murmelte derMann. Gelingt der Coup, habe ich ausge-sorgt, schlgt er fehl, dann ist das mein En-de!

    So oder so, meinte Kalee grinsend.Deine Sorgen bist du in jedem Fall los!Oder hast du Angst?

    Gabdraman Schwati richtete sich auf undsah Immo Kalee verweisend an.

    Ein Schwati kennt keine Angst! be-hauptete er. Aber ich mu an meine Mann-schaft denken, schlielich gehen die Mnnerdas gleiche Risiko ein wie ich!

    Und wir beide auch! meinte Immofreundlich. Glaubst du, ich wrde dich dar-um bitten, wenn ich nicht davon berzeugtwre, da es funktioniert?

    Gib her! sagte Schwati schlielich. Ich

    16 Peter Terrid

  • mache das Geschft. Zum Teufel mit demLeben, wenn es sich nicht lohnt!

    Er winkte dem Wirt zu, der eilfertig einenneuen Krug Wein anschleppte; hastig scht-tete der Hndler ein groes Glas der dunklenFlssigkeit in sich hinein.

    Ich habe deinen Onkel gekannt, Immo!murmelte er. Das war ein Mann. Und einHndler, wie es keinen zweiten im Imperi-um gab. Du scheinst ihm nachgeraten zusein. Was willst du eigentlich auf Arkon?

    Handeln! meinte Immo freundlich. Ichhabe ein hbsches, kleines Sternensystementdeckt, an dem Orbanaschol vielleicht In-teresse hat. Ich will es ihm verkaufen!

    Ein Sternensystem? fragte Schwati ver-wundert. Eine Sonne mit bewohnbaren Pla-neten?

    Richtig! meinte Immo grinsend. Ichkann dir sogar die Koordinaten nennen!

    Schwati berlegte eine Sekunde lang, biser die Daten verstanden hatte, dann beganner drhnend zu lachen.

    Diese Koordinaten kannte jedes Schul-kind. Es war die galaktische Position Ar-kons.

    Gabdraman Schwati fand den Scherz her-vorragend und lachte dementsprechend lan-ge und laut.

    3.

    Es kann losgehen! stellte Ra fest. DieLadung ist verstaut und gesichert!

    Immo Kalee nickte zufrieden.Vor den berchtigten Bewohnern Cortere-

    als hatte Immo Kalee keine Angst, von ih-nen wrde keiner versuchen, sich der La-dung zu bemchtigen. Nur von der Polizeidrohte Gefahr. Wie in vielen autoritren Re-gierungssystemen hatte auch hier nicht ein-mal die Polizei die Mglichkeit, ihre berech-tigten Ansprche gegen die Obrigkeit durch-zusetzen. Die Mnner waren unterbezahlt,zudem hinkte die Lhnung Monate zurck.Die Beamten waren fast dazu gezwungen,ihren Lebensunterhalt durch andere Weisezu bestreiten, durch Erpressung, willkrliche

    Beschlagnahme, manchmal durch offenenDiebstahl. Immo hatte das Gercht durch-sickern lassen, sein Boot sei gegen Ein-bruchsversuche mit ein paar Bomben gesi-chert; das wrde voraussichtlich ausreichen,um unerwnschte Besucher fernzuhalten.

    Gabdraman Schwati hatte Wort gehaltenund pnktlich und prompt geliefert. Die Wa-ren waren einwandfrei. In zwei Flgen hat-ten die beiden Mnner die Waren zu einemkleinen Asteroiden geschafft; von dort wr-de ein weiteres Boot der Con-Treh die La-dungen abholen und nach Ark'alor verfrach-ten.

    Es war bereits dunkel, als die beidenMnner das Boot verlieen. ber der Stadthing der kleine Mond des Planeten, der gera-de genug Sonnenlicht zurckwarf, um dieStraen erkennbar zu machen. Immo Kaleehatte einen Mietgleiter bestellt, der die bei-den Mnner am Kontrollturm auflas und indie Stadt brachte. Am Stadtrand stiegen dieMnner aus.

    Nach Einbruch der Dmmerung verwan-delte sich Cortereal in ein einziges, riesigesVergngungsviertel; aus den Husern drangder Geruch nach schwerem Wein, wrzigemBraten und atemberaubenden Parfms. Nie-mand achtete auf die beiden Mnner, diezielstrebig durch das Gewimmel marschier-ten.

    Das groe Landefeld, auf dem die be-rhmten Hndler ihre Schiffe landeten, lagauf der anderen Seite des Tales. Die Hgel-kette schirmte die Stadt vor dem Lrm derTriebwerke weitgehend ab, dennoch warendie startenden Schiffe gut zu sehen, wenn siein den nchtlichen Himmel hochstiegen, be-gleitet von guten Wnschen und einem krf-tigen Schluck auf das Wohl der Abfliegen-den.

    Die beiden Mnner verzichteten darauf,am Ausgang der Stadt ein zweites Fahrzeugzu mieten, sondern schlichen sich auf Sei-tenwegen langsam an das Landefeld heran.Zwei Hindernisse galt es zu berwinden,zum einen die Polizei, die auerhalb derUmzunung wachte, zum anderen die Pri-

    Der Kmpfer mit der Maske 17

  • vatpolizei der Hndler, die innerhalb derUmzunung ein wachsames Auge auf diePolizei hatte.

    Den Sperriegel der Polizei zu durchbre-chen, machte den Mnnern keine Schwierig-keiten. Gefhrlich wurde es erst, als sie denZaun erreichten. Immo Kalee sah auf seineUhr.

    Noch drei Minuten! flsterte er.Gabdramans Mnner waren noch damit

    beschftigt, den Papierkrieg mit den Beam-ten im Kontrollturm auszufechten, und derHndler hatte versprochen, zu einem be-stimmten Zeitpunkt eine Keilerei zu veran-lassen, in deren Verlauf die Hochspannungfr hchstens zwei Minuten abgeschaltetwerden wrde. Gelang ihm das nicht, dannblieb den beiden Mnnern nur der eineTrost, da der Strom ihre Krper so schnellverkohlen wrde, da sie ihren Tod nichteinmal wahrnehmen wrden.

    Auf dem Rcken trugen die beiden Mn-ner zwei Beutel, angefllt mit seltenen Stei-nen und anderen Gtern, die den Vorzug ge-ringer Gre mit hchstmglichem Wertverbanden. Immo Kalee war sich klar dar-ber, da er auf Arkon nur etwas erreichenkonnte, wenn er mit gengend Bargeld ver-sorgt war. Zum Glck waren die Con-Trehreich an Gegenstnden, die auf den Arkon-planeten zu Hchstpreisen als Antiquittengehandelt wurden. In diesem Punkt machtesich die Tatsache, da die Con-Treh um etli-che Jahrhunderte hinter dem Standard Ar-kons zurckgeblieben waren, bezahlt.

    Jetzt! flsterte Immo Kalee, der sorg-fltig seine Uhr beobachtet hatte. Viel Zeithatten die Mnner nicht, aber sie wartetenein paar Sekunden, um die Umzunung zutesten. Ras Messer, gegen das Metallge-flecht geworfen, lste keine Funkenkaskadeaus. Rasch nahm der Barbar die Waffe wie-der an sich und sprang dann in die Hhe.Immo Kalee half ihm, den Zaun zu berwin-den. Als beide Mnner auf der anderen Seiteder Umzunung angekommen waren, war-fen sie sich sofort in das hohe dichte Gras,das den Rand des Landefelds bedeckte.

    Wo steht die PRON-KER-MKLON?flsterte Ra.

    Auf der anderen Seite des Feldes! gabImmo Kalee ebenso leise zurck. ZumGlck ist heute eine Nacht, in der nicht sehrviele Schiffe starten wollen!

    Das Landefeld einfach zu durchwandern,erschien den Mnnern zu gefhrlich, sie be-wegten sich am Rande des Feldes entlang.Immer wieder muten sie sich im Gras ver-stecken, wenn die Privatwachen der Hndlerdie Umzunung abschritten und nach Ein-dringlingen suchten. Sehr aufmerksam wa-ren die Wachen nicht, wie Ra kopfscht-telnd feststellte. Allerdings mute er einru-men, da diese Mnner mehr elektronischeoder positronische Alarmsysteme gewohntwaren. Ihnen fehlte der Instinkt, der Ra oderEtir Baj sehr schnell die Anwesenheit einesUnbekannten verraten htte.

    Die beiden Mnner brauchten nicht vielZeit, bis sie das Schiff des Hndlers erreichthatten. Die PRON-KER-MKLON war in dertypischen Art der Arkonidenschiffe gebaut;die Kugelzelle war 300 Meter im Durchmes-ser fr ein Frachtschiff eine ansehnlicheGre. Immo Kalee hatte sich den richtigenMann ausgesucht, Gabdraman Schwati wartatschlich ein Hndler von Bedeutung.

    Wie abgesprochen stand die untere Pol-schleuse noch offen. Ra und Immo Kaleezauderten nicht lange, sondern schlichensich schnell an Bord. Sehr bald hatten sieauch die beiden Kisten gefunden, in denensie sich verstecken sollten. Im Innern derBehlter gab es Wasser und Lebensmittel,fr den allergrten Notfall sogar einenhalbwegs brauchbaren Raumanzug mit ge-fllten Tanks. Immo Kalee hatte sich diesausbedungen. Er wute, da die Besatzun-gen von Handelsschiffen es mit der Grnd-lichkeit nicht sehr genau nahmen. Es kamimmer wieder vor, da die Luft aus dengroen Laderumen entwich. Den Mnnernmachte dies nichts aus; zwischen Laderaumund den brigen Rumen an Bord gab es si-chere Schotte, aber fr blinde Passagierekonnte dieser Leichtsinn zu einer tdlichen

    18 Peter Terrid

  • berraschung werden.Rasch verschwanden die beiden Mnner

    in ihren Verstecken. Es vergingen einigeMinuten, dann wurden Stimmen hrbar.Nicht zu verkennen war das Organ desHndlers, der sich offenbar mit seinem Er-sten Offizier unterhielt, Schade um die bei-den! sagte er bedauernd. Ich kann mirnicht vorstellen, da sie es in den dreiig Se-kunden geschafft haben. Zu dumm, da wirden Strom nicht lnger ausschalten konn-ten!

    Die Wachen waren ohnedies schon mi-trauisch genug! antwortete der Offizier.Jedenfalls werden wir jetzt keine Schwie-rigkeiten bei der Einreise nach Arkon ha-ben!

    Gabdraman Schwati kicherte.Schlielich zahle ich auch genug, um

    nicht belstigt zu werden! meinte er. Los,starten wir! Ich mchte bei Tagesanbruchauf Arkon landen.

    Immo Kalee knirschte leise mit den Zh-nen, als er hrte, wie sich die beiden Mnnerentfernten. Htte er gewut, da die Zeit-spanne zur berwindung des Zaunes so kurzsein wrde, htte er diesen Versuch nichtunternommen.

    Egal! murmelte er im Selbstgesprch.Immerhin haben wir es geschafft!

    *

    Er nannte sich Alpertur und war auf demPlaneten Zalit geboren, der sich als vierteWelt um die rote Riesensonne Voga beweg-te. Das Voga-System war eines der allerer-sten Systeme gewesen, das von Arkonidenangeflogen worden war. Ihre Nachkommen,die Zaliter, galten als besonders bndnistreu.Etwas anderes blieb ihnen auch nicht brig,immerhin betrug die Distanz zwischen Ar-kon und ZaJit nur etwas mehr als drei Licht-jahre.

    Alpertur konnte, abgesehen von seinembetrchtlichen Leibesumfang, als typischerZaliter gelten. Er war hochgewachsen, hatteeine rotbraune Haut und die charakteristi-

    schen, kupferfarbenen Zaliterhaare. Alperturwar noch relativ jung, und er htte als attrak-tiver Mann gelten knnen, wre nicht seinausgeprgter Speckbauch gewesen und derwenig anheimelnde Blick seiner dunklenAugen. Schon der erste Eindruck verriet,da Alpertur keine Mittel und Wege scheu-te, seine Interessen durchzusetzen. Er wregefhrlich gewesen, htten sein Ehrgeiz undseine Geldgier nicht durch eine ausgeprgteFeigheit einen Dmpfer erfahren. An Skru-pellosigkeit htte er jederzeit mit Orbana-schol wetteifern knnen.

    Ra warf nur einen Blick auf den Mann,dann hatte er genug gesehen. Alperturs Hauswar mit einem Aufwand geschmckt wor-den, wie ihn bestenfalls noch der Zarlt vonZalit htte berbieten knnen. KostbarsteSteine formten das Mosaik des Bodens,Wnde und Boden waren mit edelstemRauchwerk bedeckt, die Trgriffe bestandenaus Luurs-Metall, das ansonsten nur zuSchmuck verarbeitet wurde.

    Mit diesem Kerl willst du Geschfte ma-chen? murmelte Ra in das Ohr von ImmoKalee. Er wrde seine leibliche Mutter ver-kaufen, wenn er Aussichten htte, dafrGeld zu bekommen!

    Mag sein! gab Immo flsternd zurck.Aber er kann uns ntzlich sein, und das al-lein zhlt!

    Alpertur war zweifelsohne kein angeneh-mer Geschftspartner. Als Zaliter, die vonden Arkoniden stets mit gewisser Hochmutbehandelt wurden, hatte er sich etwas Be-sonderes einfallen lassen, um sein angegrif-fenes Selbstvertrauen wieder aufzurichten.Als Mtressen und weibliches Dienstperso-nal hielt er sich ausschlielich junge, rein-rassige Arkonidinnen, meist Strafgefangeneoder nahe Verwandte von Arkoniden, die ergeschftlich fest im Griff hatte und nach Be-lieben erpressen konnte.

    Ihr wollt mich sprechen, Erhabener!suselte der feiste Zaliter, als er Immo Kaleenhertreten sah.

    Die beiden Mnner hatten sich nach derLandung schnellstens abgesetzt, so schnell,

    Der Kmpfer mit der Maske 19

  • da Gabdraman Schwati vermutlich nie er-fahren wrde, da er tatschlich zwei blindePassagiere befrdert hatte.

    Mein Name ist Immo Kalee! stellte sichder Con-Treh vor. Sagt Euch der Name et-was?

    Alpertur zog die Stirn in Falten und dach-te nach. Mit zusammengezogenen Brauenmusterte er den Con-Treh.

    Ich erinnere mich! sagte er dann z-gernd. Was kann ich fr Euch tun?

    Wir brauchen Papiere, stellte Immofest. Zwei vollstndige Stze, und zwarechte falsche Papiere!

    Echte falsche Papiere waren Dokumente,deren Daten abgesichert waren und einernormalen berprfung standhielten. Wennein Beamter beim positronischen Registernachfragte, durfte es nicht geschehen, daImmo Kalees Ausweisnummer zu einemPersonalpapier gehrte, das eigentlich voneiner alten Frau verwendet wurde.

    Das wird eine Kleinigkeit kosten, Freun-de! meinte Alpertur grinsend.

    Wir zahlen wie blich! konterte ImmoKalee. Und gegen die blichen Sicherhei-ten!

    Alpertur lchelte suerlich, und Ra be-griff, da die Con-Treh den Mann irgendwiein der Hand hatten. Da sie den Zaliter den-noch fr seine Dienste gut bezahlten, ent-sprach ihrem ausgeprgten Sinn fr doppelteund dreifache Sicherungen.

    Und was soll aus dem Burschen wer-den? wollte Alpertur wissen. Als Arkoni-den kann man ihn kaum bezeichnen!

    Fr Ra brauche ich einen Dienstkon-trakt! erklrte Immo Kalee. Er ist meinSklave! Kannst du die Dokumente besor-gen?

    Alpertur grinste selbstzufrieden undmachte eine Handbewegung, die in der ge-samten Galaxis verstanden worden wre.

    Ich biete zwei Miniaturen von Octal,dem Blinden! sagte Immo Kalee freund-lich. Das drfte wohl gengen!

    Alperturs Unterkiefer sank herunter, er-regt sprang er von dem fellbelegten Lager

    auf. Der Becher fiel ihm aus der Hand, undder dunkle Wein versickerte in den Fellen.

    Machst du Witze? fragte er fassungslos.Seit zweihundert Jahren ist kein Bild vonOctal mehr auf dem Markt gewesen!

    Um so hher wird der Wert sein! stellteImmo fest und brachte die beiden Bilderzum Vorschein. Sieh sie dir an!

    Mit zitternden Hnden nahm der Zaliterdie beiden Elfenbeinminiaturen an. VonKunst verstand er etwas, denn er prfte dieBilder lange und grndlich. Als er wiederaufsah, grinste er sehr zufrieden.

    Dafr tue ich alles fr euch, Freunde!meinte er. Wo wollt ihr wohnen? Bei mir?Ich habe gengend Raum, bequeme Bettenund freundliche Mdchen!

    Immo Kalee betrachtete sekundenlang diejunge Arkonidin, die vor dem Zaliter knieteund ihm einen neuen Becher anbot. DerMann war Immo zuwider, aber es gab trifti-ge Grnde fr sein Angebot.

    Ich nehme an! sagte er schlielich. Ichbrauche zwei Rume, die nebeneinander lie-gen. Ich will meinen Sklaven jederzeit ummich haben!

    Selbstverstndlich! erklrte Alpertur.Steh auf. Das goldene Zimmer fr ImmoKalee, das rote fr seinen Barbaren!

    Das Mdchen stand rasch auf, Ra grinstesie mit seinen weien Zhnen an. Er-schrocken wich das Mdchen einen Schrittzurck, dann erwiderte sie das Lcheln. Im-mo Kalee schttelte verweisend den Kopf.

    Was wollt ihr auf Arkon? fragte Alper-tur. Handeln?

    Wir wissen es noch nicht genau! ant-wortete Immo wahrheitsgem. Als ersteswerden wir Kontakte brauchen. Ist fr dienchste Zeit ein Fest geplant, bei dem maneinflureiche Leute kennenlernen knnte?

    Alpertur zeigte ein selbstgeflliges Grin-sen.

    Ein Fest? fragte er. Freunde, es wirddas Fest geben. In den nchsten Wochen fin-det das alljhrige Zalitertreffen von Arkonstatt. Alles, was Rang und Geld hat, wirdsich dort treffen, auch fhrende Mnner vom

    20 Peter Terrid

  • Hofe. Wahrscheinlich wird sich sogar seineErhabenheit selbst einfinden!

    Orbanaschol? fragte Immo. Was hatder Imperator bei einem zalitischen Hndler-fest zu suchen?

    Diplomatie! erklrte der Zaliter. Nachdem Desaster bei Trantagossa werden einigeKolonialvlker aufsssig. Der Imperator willdeutlich machen, wie freundlich er gegen-ber den treuen Vasallen ist. Und wir Zalitersind ihm ja treu ergeben!

    Der Spott in den letzten Worten war nichtzu berhren.

    Ist es sicher, da Orbanaschol kommenwird? fragte Immo weiter.

    Offiziell ist noch nichts bekannt, mein-te Alpertur, aber ich habe schlielich meinebesonderen Quellen. Du kannst sicher sein,da Orbanaschol einen groen Auftritt ha-ben wird!

    Immo Kalee lchelte zufrieden.Ich habe eine Idee! meinte Alpertur

    pltzlich. Dein Barbar sieht ziemlich gutaus. Kann er kmpfen?

    Es gab ein leises Knacken, als das Wurf-messer einen Daumenbreit neben Alpertursrechter Hand in das Holz des Sessels ein-schlug. Ra grinste den erbleichenden Alper-tur an, dann holte er sich die Waffe zurck.

    Recht beeindruckend! murmelte derZaliter. Allerdings mchte ich bitten, mei-ne Fragen knftig nur mndlich zu beant-worten. Immo Kalee, wenn Ra gewillt ist, anden Kmpfen teilzunehmen, und wenn er esschafft, den ersten Preis zu erringen, dannwre es mglich, da Orbanaschol mit demBesitzer des Mannes reden will. Ist das einAngebot?

    Was fr Kmpfe? fragte Ra.Ganz harmlos! gab Alpertur zurck.

    Mnner gegeneinander, Mnner gegen wil-de Tiere, gegen Roboter das bliche. Na-trlich wird die Hlfte der Mnner diesenTag nicht berleben!

    Ra wandte sich zu Immo Kalee und grin-ste den Mann an.

    Genau deswegen sind wir doch gekom-men! stellte Ra fest. Ich mache mit!

    Einverstanden! erklrte schlielichauch Immo Kalee. Dies drfte die besteLsung sein. Ich hoffe, da du es schaffenwirst, Ra. Ich wrde dich nur ungern verlie-ren!

    Ra schttelte den Kopf und lchelte ge-ringschtzig.

    Was ein rechter Barbar ist, behaupteteer, der frchtet sich weder vor Mnnernnoch vor Tieren!

    Es hngt ganz davon ab, wie diese Mn-ner beschaffen sind! meinte Alpertur. Duknntest berraschungen erleben, Ra!

    4.

    Berichte noch einmal!Sarn Lartog sthnte auf. Seit vier Tagen

    wurde er fast ohne Pause verhrt, immerwieder hatte er seine Geschichte erzhlenmssen.

    Erhabener! stammelte der Mann. Ichhabe Euch bereits alles erzhlt, was ichwei. Mehr kann ich nicht sagen!

    Berichte noch einmal! wurde er aufge-fordert. Von Anfang an, und lasse keinenoch so winzige Kleinigkeit aus! Beginne!

    Sarn Lartog sa gefesselt auf dem Stuhl.Er war mde, erschpft, man hatte ihmnichts zu essen gegeben, und er sprte einenpeinigenden Durst. Mit krchzender Stimmenahm er seinen Bericht wieder auf.

    Sarn Lartog hatte zur Besatzung derKARRETON gehrt, die von Atlan und sei-nen Freunden gekapert worden war. UnterSarn Lartogs Fhrung hatte die Besatzungversucht, das Schiff zurckzuerobern, dabeiwar die KARRETON so beschdigt worden,da man sie nur mit Mhe und viel Glckauf einer dwelt hatte landen knnen. Wh-rend die Mnner um Atlan damit beschftigtgewesen waren, das Schiff zu reparieren,hatte Lartog einen zweiten, verzweifeltenVersuch unternommen, das Schiff wiederunter seine Gewalt zu bringen. Vor allemdem Barbaren Ra war es zu verdanken ge-wesen, da auch dieser Versuch scheiterte.Whrend Atlan und seine Freunde den ver-

    Der Kmpfer mit der Maske 21

  • zweifelten Versuch wagten, das Schiff ohnebrauchbaren Kartentank zu starten, warendie Mnner der KARRETON auf dem Pla-neten zurckgeblieben. Ein Funkgert hatteman ihnen zurckgelassen, aber bis LartogsHilferuf aufgefangen wurde, waren alleMnner bis auf ihn den mrderischen Bedin-gungen der dwelt erlegen.

    Erzhle mir mehr ber Atlan! forderteder Mann seinen Gefangenen auf. Ist erwirklich der Sohn des verstorbenen Impera-tors?

    Sarn Lartog nickte schwach.Er hatte keine Chance gehabt. Man hatte

    ihn aufgelesen, seinen ersten Bericht ange-hrt und ihn dann gefesselt. Sarn Lartogwute nicht einmal genau, wo er sich be-fand. Er konnte nur durch das Fenster erken-nen, da das Haus, in dem er gefangengehal-ten wurde, in der Nhe des Kristallpalastsstand. Der Besitzer mute zur absolutenFhrungsschicht des Imperiums gehren.Den Mann selbst hatte Lartog nicht zu Ge-sicht bekommen, denn er hielt sich stets imRcken des Gefangenen auf. Nur seineStimme war zu hren, eine leise, sanfteStimme, an der nur das sehr hart ausgespro-chene R auffiel.

    Beschreibe mir den Barbaren! fordertediese Stimme auf.

    Sarn Lartog gab sich alle Mhe, aber seinWortschatz reichte nicht aus, den Barbarenso zu beschreiben, da man ihn nur anhanddieser Beschreibung aus einer Gruppe hn-lich aussehender Mnner htte herauspickenknnen.

    Ich kann nicht mehr! krchzte Lartogschlielich; er sackte in sich zusammen.Ich brauche Wasser!

    Er sprte eine harte Faust in seinemNacken. Man ri ihn in die Hhe undschnallte ihn noch fester an den Sessel.Dann sprte der junge Mann, wie sich etwasHartes auf seinen Schdel herabsenkte.

    Als Lartog begriff, was man mit ihm vor-hatte, war es bereits zu spt. Die Hypnohau-be begann zu arbeiten. Systematisch durch-kmmte sie das Hirn des Mannes, sammelte

    alles, was an Informationen darin enthaltenwar. Auf einem Bildschirm waren Szenen zuerkennen. Deutlich konnte der Betrachter dieGesichter von Ra, Atlan und ihren Freundenausmachen.

    Dann lste sich das Bild pltzlich auf, ei-ne Welle farbiger Schleier zog sich ber denSchirm, dann wurde das Bild vllig dunkel.

    Nehmt ihn! sagte der Mann. Ihr wit,was ihr zu tun habt!

    Whrend die Mnner den Leichnam desjungen Mannes losschnallten und aus demRaum schafften, ging der Mann zum Fensterund starrte zum Kristallpalast hinber.

    Ich darf jetzt keinen Fehler machen,murmelte der Mann langsam. Nur wenn ichmeine Plne mit Bedacht und grter Sorg-falt durchfhre, werde ich Erfolg haben!

    Er sah auf den Palast des Imperators undlchelte.

    *

    Wir haben der Stadt sogar einen Namengegeben! erklrte Alpertur. Sie heit Se-gor, obwohl sie nur fr ein paar Tage Be-stand haben wird. Nach dem groen Festwird man sie abreien!

    Ein betrchtlicher Aufwand! murmelteImmo Kalee.

    Aber notwendig! meinte Alpertur. Wirmssen dem Imperium zeigen, da es unsZalitern sehr gut geht unter arkonidischerHerrschaft. Wie gut es uns tatschlich geht,werden wir Hndler natrlich nicht verraten die Steuern sind ohnedies schon hoch ge-nug!

    Segor war eine Stadt aus Zelten und Trag-lufthallen. Es verstand sich, da die einzel-nen Gebude prachtvoll geschmckt waren.Ob die glitzernde Pracht echt war, konnteman nur bei nherem Zusehen feststellen. Inder Mitte des gewaltigen Areals war dasgroe Stadion erbaut worden. Fast eine hal-be Million Zuschauer fate das riesige Oval,selbstverstndlich gab es fr jeden Besuchereinen vollklimatisierten Sitzplatz. Immo Ka-lee betrachtete den Bau mit einem leisen

    22 Peter Terrid

  • Schauder. Was hier innerhalb weniger Tagean Geld verbraucht wurde, htte Ark'alorreich gemacht. Aber auf den Arkon-Planetengalten andere Mastbe als auf den Koloni-alwelten. Auf Arkon konnte ein zalitischerHndler sich schmcken wie ein Diamant-vogel; es war erlaubt, damit niemand auf Ar-kon rmlich aussehen konnte. Auf Zalitselbst, htte der Zarlt sich betrchtlicheSchwierigkeiten eingehandelt, htte er ver-sucht, an Prachtentfaltung mit einem durch-schnittlichen Arkoniden zu wetteifern.

    Kommt mit, forderte Alpertur die bei-den Mnner auf. Ich zeige euch das Trai-ningslager!

    Ra grinste zufrieden.Es war warm auf Arkon II, wesentlich

    wrmer als auf Ras Heimatwelt, aber derBarbar vertrug Hitze entschieden besser alsKlte. Getreu seiner Rolle als Sklave undKmpfer trug er nur einen ledernen Lenden-schurz, der, um das Vermgen des Besitzerszu betonen, ppig mit Halbedelsteinen be-setzt war. An der Hfte trug Ra ein langesSchwert und einen nadelspitzen Dolch, bei-de mit edelsteinbesetzten Griffen. Seindunkles Haar wurde von einem schmalen le-dernen Band um die Stirn gehalten; auf dasBand hatte eines der Mdchen von AlperturRas Namen eingestickt. Das Material dazuwar aus einem seltenen Schwingquarz ge-wonnen worden, der selbst bei Tageslichtdeutlich erkennbar pulsierte. Immo Kaleehatte alles getan, um seinen Begleiter propa-gandistisch aufzuwerten, und an den interes-sierten Gesichtern der Umstehenden konnteer erkennen, da ihm dies auch vorzglichgelungen war.

    Alpertur lchelte wohlgefllig, als er be-merkte, da Ra zum allgemeinen Gesprchs-gegenstand aufgestiegen war. Jeder Erfolgdes Barbaren war auch fr ihn von Vorteil,abgesehen von den betrchtlichen Summen,die der Zaliter durch hohe Wetteinstze aufRa zu gewinnen gedachte. Alpertur handeltenebenbei mit Kampfsklaven, und sein Anse-hen wrde betrchtlich steigen, wenn Ra er-folgreich war. Immerhin nahm Alpertur den

    Ruhm fr sich in Anspruch, den Barbarenfr die Arena entdeckt zu haben.

    Das Trainingslager befand sich auf derWindschattenseite des Stadions. Den Grundfr diese Manahme entdeckten die Mnnerim Nherkommen. ber dem hermetisch ab-geriegelten Bezirk lag der Geruch vonSchwei und den Ausdnstungen zahlrei-cher Tiere. Es verstand sich von selbst, daman nicht wagte, die empfindsame Nase sei-ner Erhabenheit mit solchen Gerchen zubelstigen.

    Die schwerbewaffneten Wachen am Ein-gang des Lagers lieen Alpertur nach kurzerKontrolle durch. Die Mnner kannten denZaliter.

    Dein Mann, Alpertur? fragte eine derWachen und deutete auf Ra. Taugt derMann etwas?

    Ich wrde nicht auf ihn setzen! meinteAlpertur lchelnd.

    Der Posten grinste verstndnisvoll zurck.Natrlich nicht! meinte er spttisch.

    Das wrde deine Quoten mindern. BestenDank fr den Tip!

    Immo Kalee war als Arkonide von allenKontrollen befreit, ungehindert betraten dieMnner das Trainingslager.

    Ra nutzte die Zeit, um sich seine mutma-lichen Kontrahenten nher anzusehen. Erhatte sich zuvor in Alperturs Haus anhandvon Nachrichten und Lesespulen informiert,und er mute feststellen, da sich in demLager alles tummelte, was Rang und Namenhatte. Es waren Mnner darunter, die seitmehr als zehn Jahren kmpften, oftmals ver-wundet worden waren, aber noch niemalseinen Kampf verloren hatten. Es gab wendi-ge Zaliter unter den Kmpfern, zyklopischeNaats vom fnften Planeten des Arkonsy-stems, auch etliche Bewohner Arkons, diemit sich nichts Besseres anzufangen wuten,als ihr Glck in der Arena zu erproben. Vorallem diese Arkoniden waren ausgezeichne-te Kmpfer, da sie ohne den Druck kmpf-ten, den die anderen Mnner ertragen mu-ten. Sie riskierten ihr Leben nur dann, wennsie sich freiwillig zum Kampf mit wilden

    Der Kmpfer mit der Maske 23

  • Tieren stellten.Ra machte ein verblfftes Gesicht, als er

    feststellte, da es sogar weibliche Arena-kmpfer gab. Er hoffte, da er nicht gegeneine der Frauen anzutreten hatte.

    Leiter des Lagers war ein hagerer Zaliter,der auf den Namen Carox hrte. Sein nack-ter Oberkrper war von Narben berst, undein Schwerthieb hatte ihn ein Auge und diehalbe Nase gekostet. Ra kannte den Mannaus seinen Bchern, er war frher ein ge-frchteter Mann gewesen, der mehr Mnnerim Sand sterbend zurckgelassen hatte alsirgendeiner. Carox bedachte Ra mit einemabschtzenden Blick, dann wandte er sichAlpertur zu.

    Wollt Ihr den Mann kmpfen lassen?erkundigte er sich. Carox konnte nur nochheiser flstern, seit ihm ein Handkanten-schlag den Kehlkopf zertrmmert hatte. AlsAlpertur mit einem Nicken besttigte, fuhrCarox fort:

    Hat er schon einmal in einer Arena ge-standen?

    Alpertur verneinte.Ra sah den frchterlichen Fausthieb erst

    in der letzten Sekunde; hastig sprang er zurSeite, und instinktiv griff er zu. Ein Hft-wurf legte Carox in den Sand. Der Trainerrollte geschickt ab und stand schnell wiederauf den Beinen.

    Seine Reflexe scheinen gut zu sein!meinte Carox. Aber ich habe meine Zwei-fel, ob er die Vorrunden berstehen wird. Erscheint zu intelligent zu sein, um ein guterKmpfer sein zu knnen!

    berla das mir! knurrte Ra. Noch ha-be ich jeden Gegner geschlagen!

    Das war zwar betrchtlich bertrieben,aber Ra wute, da die bevorstehendenKmpfe unter anderem auch auf dem Feldangewandter Psychologie ausgefochten wur-den. Es war wichtig, sich vom Gegner nichtbeeindrucken zu lassen, und unter Umstn-den gewann Ra einen betrchtlichen Vorteildurch die Tatsache, da man ihn als Auf-schneider einschtzte, der mit dem Mundmehr zuwege brachte als mit dem Schwert.

    Fehleinschtzungen dieser Art wurden leichtzum Bumerang.

    Einverstanden! krchzte Carox schlie-lich, nachdem er lange nachgedacht hatte.Ich nehme den Mann. Aber er bekommteinstweilen keinen Hauptkampf. Ich kann esmir nicht leisten, ihn gegen einen gutenMann zu stellen. Das Publikum mag esnicht, wenn einer seinen Gegner schon inden ersten Minuten von den Beinen bringt!

    Wie wre es mit Tieren! erkundigtesich Immo Kalee.

    Schade um den Barbaren! gab Caroxzurck, Ihr wit vielleicht nicht, Erhabener,da es bei Tierkmpfen keinen Pardon gibt.Entweder siegt der Mann, oder die Bestiereit ihn in Stcke. Eine ehrenvolle Nieder-lage gibt es da nicht!

    Immo wandte sich zu Ra um.Wir knnen es uns noch anders berle-

    gen! meinte er nachdenklich.Es ist deine Entscheidung, Ra!Ra registrierte das Verblffen des Trai-

    ners, der nicht begreifen wollte, wie ein Ar-konide derart freundlich mit seinem Sklavensprechen konnte. Der Barbar grinste vercht-lich.

    Es gibt keinen anderen Weg! meinteRa. Wir mssen es wagen. Vielleicht hel-fen mir ein paar Tricks weiter!

    Im stillen dachte Ra an Corpkor und seineTiere. Natrlich verfgte Ra nicht annherndber die Mglichkeiten des Tierbndigers,mit Bestien in ein nahezu freundschaftlichesVerhltnis zu treten, aber er hatte doch eini-ges von seinem Freund gelernt, vor allemdie Fhigkeit, Handlungen der Tiere voraus-zuahnen, aus winzigen Bewegungen dienchsten Aktionen abzuleiten und entspre-chend zu reagieren.

    Dann komm mit! erklrte Carox. Esist dein Wille und dein Leben. Du muteswissen!

    Ra verabschiedete sich von Immo Kaleeund Alpertur. Whrend die beiden Mnnerdie entsprechenden Vertrge unterschrieben,lie Ra sich ein Quartier im Trainingslagerzuweisen.

    24 Peter Terrid

  • *

    Ra mute das kleine, allerdings klimati-sierte Zelt mit einem Arkoniden und zweiZalitern teilen. Der Arkonide war nochziemlich jung. Geld schien er genug zu ha-ben, wie seine schmuckberladene Rstungbewies. Was ihn in die Arena getrieben hat-te, konnte Ra schon nach kurzer Zeit heraus-finden.

    Liebeskummer war das mit Abstand letzteMotiv, das Ra in eine solche Lage httebringen knnen. Wenn einer schon den Todaus Liebesgrnden suchte, dann nach RasGeschmack nicht auf Raten. Die linke Handhatte der junge Mann schon eingebt, undnach menschlichem Ermessen wrde ihn ei-nes Tages ein Gegner vollends zum Krppelschlagen. Ra zuckte mit den Schultern, dannwandte er sich den Zalitern zu.

    Robal und Efrem waren hartgesotteneProfis. Nach dem Gesetz gehrte die Hlftedes Gewinnes dem Kmpfer, mochte erSklave sein oder nicht. Die beiden Mnnerhatten mit ihren Herren einen Vertrag, dersie zu fnfzig Arenakmpfen verpflichtete.berlebten sie das Schlachten, dann warensie frei und durften mit ihrem Gewinn zu-rckkehren. Verloren sie, blieb nur die Ge-winnsumme fr die Angehrigen.

    Wir haben noch Glck gehabt! meinteRobal suerlich grinsend. Wir drfen unse-re Gewinne tatschlich behalten. Viele Her-ren lassen ihre Sklaven nur dann antreten,wenn die Sklaven dazu Gebhren zahlen.Viele Sklaven berleben ihre Kontraktezwar, sind aber anschlieend verkrppeltund haben leere Taschen. Wenn wir berle-ben, dann sind wir auf Zalit gemachte Leu-te!

    Und wie oft mt ihr noch in die Are-na? wollte Ra wissen.

    Dreiigmal! erklrte Efrem seufzend.Vielleicht bekommen wir dich zum Geg-ner, dann wird es etwas leichter!

    Ra verzog das Gesicht zu einem Lcheln,die Ehrlichkeit der beiden Sklaven war ver-

    blffend.Und was versprecht ihr euch davon?

    fragte er weiter.Efrem erklrte es ihm:Es gilt als nicht sehr anstndig, einen

    Neuling gleich zu tten, aber fr uns ist esein gewonnener Kampf. Wenn einer von unsgegen dich antreten mte, dann brauchte erdich nicht zu tten, um weiterzukommen!

    Und was geschieht, wenn ich gewinne?interessierte sich Ra.

    Robal machte ein finsteres Gesicht.Das wre das Ende. Das Publikum for-

    dert dann meist das Leben des Unterlege-nen! Ich hoffe nicht, da du das willst!

    Jetzt erst erkannte Ra, da man ihn grnd-lich veralbert hatte. Die beiden Zaliter tatenalles, um eventuelle Gegner schon vor demTreffen aus dem seelischen Gleichgewichtzu bringen. Ra empfand ein gewisses Be-dauern, aber er hatte nicht die geringsteLust, sich von den beiden einwickeln zu las-sen. Ras Plan konnte nur dann aufgehen,wenn es ihm gelang, den Ehrenpreis zu ge-winnen, der das war inzwischen offiziellbesttigt worden von Orbanaschol III. per-snlich bergeben werden sollte.

    Ra stellte sich an den Eingang des Zeltesund musterte das Treiben im Lager. Auf ei-nem freien Platz bten zwei Mnner denSchwertkampf. Ra sah interessiert zu. Diebeiden Gegner waren gut, sehr gut sogar.Wenn Ra auf einen von ihnen traf, stand ihmallerhand bevor. Einen Trumpf aber besader Barbar, und er war fest entschlossen, ihnvoll auszuspielen. Ra verfgte ber einemeisterhafte Krperbeherrschung. Vor allemkonnte er einen Bewegungsablauf, den erbei einem anderen sah, sehr schnell und oh-ne langes Training wiederholen. Sprngeund Hiebe, die andere Mnner monatelanghtten ben mssen, vermochte Ra sofortnachzuvollziehen. Daher studierte Ra dieMnner sehr genau, und nach einigen Minu-ten wute er, wie er mit jedem der beidenKmpfer fertig werden konnte.

    Im Hintergrund schritt ein Mann durchdie Menge. Der Haarfarbe nach ein Arkoni-

    Der Kmpfer mit der Maske 25

  • de. Mehr als die Haare vermochte Ra nichtzu erkennen. Der Mann trug eine Maske, diedas Gesicht vollstndig bedeckte. Die Maskeaus einem leichten, feinen Gewebe war aufhnliche Weise bestickt wie Ras Stirnband.Allerdings bildeten die Stickereien auf derMaske ein verwirrendes System von Linienund Schlingen, abstrakten Figuren und Bil-dern. Ein faszinierender Anblick, dachte Ra,und im gleichen Augenblick erkannte erauch den Zweck der Tarnung. Es wrdeschwierig sein, sich auf etwas anderes zukonzentrieren als die Maske, wenn man ge-gen diesen Mann anzutreten hatte und inder Arena konnte jede unaufmerksame Se-kunde den Tod bringen.

    Efrem trat zu Ra und sah sofort, wem dieAufmerksamkeit des Barbaren galt.

    Auch ein Neuling! erklrte der Zaliter.Ich habe ihn beim ben gesehen, er fhrteine teuflisch geschickte Klinge!

    Weit du mehr ber ihn? wollte Rawissen. Wie sieht er ohne Maske aus?

    Efrem machte ein geheimnisvolles Ge-sicht.

    Er legt die Maske nie ab! erklrte er.Einer hat versucht, ihm das Ding in derNacht abzuziehen, aber der Mann liegt jetztin der Krankenabteilung. Vielleicht kommter durch!

    Ra legte den Kopf auf die Seite und sahEfrem an. War dies ein neuer Versuch ihneinzuschchtern?

    Efrem grinste leicht.Keine Sorge! meinte der Zaliter. Auch

    dieser Mann ist zu schlagen. Es haben schoneinige versucht, sich mit solchen Maskera-den in den Vordergrund zu spielen, aber dashat nur dann einen Sinn, wenn es ihm ge-lingt, bis zum Endkampf vorzustoen. Wirder vorher besiegt, nimmt man ihm solcheMtzchen bel und was das heit, kannstdu dir ausrechnen!

    Der Weg des Maskierten fhrte am Zeltder Mnner vorbei. Der Mann wrdigte Raund Efrem keines Blickes, sondern schrittachtlos an ihnen vorbei.

    Dem mchte ich in der Arena begeg-

    nen! murmelte Efrem und ballte die Fuste.Wahrscheinlich ist es einer dieser verfluch-ten Arkoniden, die aus purer Langeweile indie Arena gehen. Oft genug schaffen sie es,einem erprobten Kmpfer den Weg in dieFreiheit zu verlegen. Ich hasse diese Bur-schen. Wenn du verlierst, tten sie dich ohneZgern, aber wenn du siegst, mut du immerwarten, ob das Publikum auf deiner Seite ist.Und meistens steht es auf der Seite des Ar-koniden!

    Diesmal versuchte Efrem keine Tu-schung, der Tonfall seiner Stimme war ein-deutig. Ra wandte den Kopf nach hinten undbetrachtete den einhndigen Arkoniden, derEfrems Bemerkung sicher gehrt habenmute. Der junge Mann hockte teilnahmslosauf seinem schmalen Bett und starrte insLeere. Efrem folgte Ras Blick, grinste undmachte eine Handbewegung, die unverkenn-bar war. Die Zaliter hielten ihren Zeltgenos-sen fr nicht zurechnungsfhig.

    Wenn du auf ihn triffst, murmelteEfrem, sieh dich vor. In der Arena ist er an-ders. Ich habe schon einige gute Kmpfergegen ihn verlieren sehen. Er ttet ohneRcksicht!

    Wieviele Mnner kmpfen berhaupt inden nchsten Tagen? wollte Ra wissen.

    Efrem begann zu rechnen.Wenn man alle Tierkmpfe und andere

    Zweikmpfe mit in die Rechnung aufnimmt,werden schtzungsweise dreihundert Kmp-fe stattfinden. Die Sieger kommen jeweilseine Runde weiter!

    Ra schluckte. Allmhlich begann er zuahnen, auf was er sich eingelassen hatte.

    5.

    Sind meine Befehle ausgefhrt wor-den? fragte der Mann.

    Wie Ihr es befohlen habt, Erhabener!erklrte der Diener sofort. Wir haben an je-de Einzelheit gedacht. Es ist nichts verges-sen worden!

    Gut so! murmelte der Mann. Teil einsdes Planes ist also bereits Wirklichkeit ge-

    26 Peter Terrid

  • worden!Er wandte dem Diener den Rcken zu,

    sein Blick hing am Kristallpalast.Ist unser Mann auf Arkon II informiert?

    fragte er langsam. Kennt er seine Aufga-be?

    Ganz genau! lautete die Antwort.Du weit, es darf nicht der kleinste Teil

    des Planes fehlschlagen! fuhr der Mannfort. Nur wenn ein Rdchen ins anderegreift, wenn alle Mitspieler, auch die, dievon ihrer Rolle gar nichts wissen, genau sohandeln, wie ich es vorausberechnet habe,wird der groe Plan gelingen. Der Leichnamdes Leutnants ist nach Arkon II gebrachtworden?

    Er wird in den nchsten zwei Stundenaufgefunden werden! wurde ihm geantwor-tet. Die Leiche wurde entsprechend EurenAnweisungen vorbereitet!

    Sehr gut! murmelte der Mann. Dannwollen wir aufbrechen. Es ziemt sich nicht,nach dem Imperator einzutreffen!

    *

    Die Arena bildete ein groes Oval, dasmit feinkrnigem Sand bedeckt war. Mehrals zehn Meter stieg die uere Umrandungempor, dann erst begannen die Sitzreihen frdas Publikum. Die Zaliter hatten Vorsorgegetroffen, da nicht etwa eine wilde Bestiezu den Zuschauern gelangen konnte. DerTod eines Arkoniden auf den Tribnen wrefr die Vereinigung der zalitischen Hndlereine Katastrophe ersten Ranges gewesen.

    Die besten Pltze waren durch einen deut-lich erkennbaren Energieschirm von den an-deren Sitzen abgetrennt worden. Noch wardie private Loge des Imperators leer. Da Or-banaschol III. die Erffnungsfeier vollstn-dig erleben wollte, mute der Veranstalterwarten, bis der Imperator eingetroffen war.Im Publikum wagte niemand zu murren, zuoffensichtlich war die Zahl der POGIM-Mnner unter den Zuschauern.

    Unter den groen Tribnen lagen die Ru-me, in denen die Kmpfer vor ihren Einst-

    zen warteten. In den engen Rumen herrsch-te eine Spannung, die nicht mehr zu berbie-ten war. Keiner der Kmpfer wute, gegenwen oder was er anzutreten hatte. Wehedem, der die undankbare Aufgabe hatte, denersten Kampf zu bestreiten. Wehe ihm,wenn er schlecht war, und wehe dem Nach-folger, wenn der erste Kampf hervorragendausgefallen war. Glck hatten die Mnner,die als letzte in der ersten Runde starteten.Sie konnten, falls sie ihren Kampf gewan-nen, ihre zuknftigen Gegner studieren.

    Noch waren die Mnner unbewaffnet.Der Ablauf des Programms lag fest. Nach

    der feierlichen Begrung des Imperatorswurde der erste Kmpfer aufgerufen undvorgestellt. Dann erst wurde ihm seine Auf-gabe genannt. Er durfte zurckkehren undsich in der Waffenkammer ausrsten, dannerst begann der eigentliche Kampf. Wer her-ausgerufen wurde, das bestimmten die Aus-richter oder der Zufall. Es gab Paarungen,nach denen das Publikum fieberte; sie bilde-ten die ersten Hhepunkte des blutigenSpektakels.

    Ra konnte sicher sein, da seine Aufgabeausgelost worden war. Noch war er nieman-dem bekannt. Efrem und Robal, die sich inden langen Jahren der Kmpfe angefreundethatten, wurden vielleicht gegeneinander ge-setzt das Publikum mochte es, wennFreunde sich gegenseitig an die Kehlenmuten.

    Noch marschierte auf dem Sand eine Mu-sikkapelle auf und ab und versuchte, das Pu-blikum bei Laune zu halten. Ra sah auf diegroe Stadionuhr, Orbanaschol III. hattesich um mehr als eine Stunde versptet.

    Ruhig bleiben! meinte Efrem. Fr ge-whnlich lt der Imperator seine Unterta-nen zwei Stunden und lnger warten.

    Schmetternde Trompetenste verknde-ten, da sich der Imperator zu seiner Logebegab. Offenbar wollte Orbanaschol auchdurch diese kurze Wartezeit seine besondereHuld ffentlich zeigen.

    Ziemlich mig, der Beifall! murmelteRobal. Offenbar hat der Imperator an Be-

    Der Kmpfer mit der Maske 27

  • liebtheit verloren!Kein Wunder, mischte sich Efrem ein.

    Nach dieser typischen Con-Treh-Schlappebei Trantagossa!

    Ra zuckte zusammen. Jetzt endlich wuteer, wo er das Wort Con-Treh schon einmalgehrt hatte. Der geflgelte Ausdruck vonder Con-Treh-Schlappe war frher sehr ver-breitet gewesen, jetzt wurde der Ausdrucknur noch sehr selten verwendet, meist vonLeuten, die nicht die leiseste Ahnung hatten,was der Ausdruck eigentlich besagen sollte.Immerhin, vllig in Vergessenheit geratenwaren die Con-Treh demnach noch nicht.

    Efrem grinste breit, als die Lautsprecherdie ersten Kmpfer in die Arena riefen. Frden ersten Kampf war der Maskierte ausge-whlt worden. Er wurde vom Publikumziemlich khl aufgenommen, wahrscheinlichhielten die Zuschauer nicht viel von der auf-flligen Maskerade. Sein Gegner war ein be-sonders grogewachsener Naat, der auf ei-nem Flottenschiff unangenehm aufgefallenund deshalb zu Arenakmpfen verurteiltworden war. Fasziniert betrachtete Ra dieGestalt des Zyklopen. Mehr als drei Metergro war der Naat, er stand auf ziemlichkurzen Beinen, besa aber berlange Arme,vor denen man sich zu hten hatte. Naatslebten auf einem Planeten, der eine Schwer-kraft von 2,8 Gravitationseinheiten aufzu-weisen hatte. Entsprechend ausgebildet wardie Muskulatur dieser Kolosse mit derbraunschwarzen, lederartigen Haut. DerLautsprecher gab bekannt, da sich beideKmpfer nach Belieben mit Hieb-, Stich-und Wurfwaffen versehen konnten.

    Es vergingen nur wenige Minuten, dannstanden die Gegner wieder auf dem Sand.Der Naat hatte sich fr ein Schwert entschie-den, zustzlich hatte er sich mit einem Bn-del von Speeren ausgerstet. Der Maskiertetrug nur ein Schwert und eine mit Stachelngespickte Keule.

    Der Naat ist nicht Dumm wollte Efrem sagen, aber er

    kam nicht dazu, den Satz zu beenden. Gera-de noch rechtzeitig konnte er sich zur Seite

    werfen. Genau an der Stelle, an der er ge-standen hatte, bohrte sich der erste Speer desNaat in das Holz der Umfassungsmauer. DerMaskierte hatte sich ebenfalls nur mit einemtollkhnen Satz in Sicherheit bringen kn-nen. Die Klinge des Speeres war mindestensfnf Handbreiten lang, und sie war vollstn-dig im Holz verschwunden. Besser konnteman den Vorteil der hohen Schwerkraftkaum demonstrieren.

    Der Naat blieb an seinem Platz stehen undverschickte einen Speer nach dem anderen.Ums Haar htte er den Maskierten getroffen,die Waffe zischte scharf an der Schlfe desMannes vorbei. Die Maske verrutschte, undsofort griff der Mann in die Hhe, um siewieder zu befestigen. Mit einer derartigenWahnsinnshandlung hatte der Naat nicht ge-rechnet; sein nchster Speer bohrte sich weitentfernt vom Ziel in den Sand.

    Jetzt begann das Publikum Aufmerksam-keit zu zeigen. Da die Maske solche Risi-ken einging, nur um ihre Identitt nicht zuverraten, machte den Kampf spannend. Str-misch feuerte das Publikum den Naat an, derimmer wieder seine Speere schleuderte.Aber die hohe Wurfgeschwindigkeit und dieKraft des Naat machte der Maskierte mit un-glaublicher Behendigkeit zunichte. Erstrengte sich nur an, die fehlgegangenen Ge-schosse des Naat mit seinem Schwert zu zer-stren; er verzichtete darauf, nun seinerseitsden Naat mit Wurfgeschossen einzudecken.

    Der letzte Speer des dreiugigen Naat zer-splitterte unter einem Schwerthieb des Mas-kierten, der jetzt energisch dem Naat zu Lei-be rckte. Der Kampf war nach kurzer Zeitentschieden, gegen seinen flinken, bewegli-chen Gegner hatte der schwerfllige Kolokeine Chance. Nach kurzer Zeit lag er reglosim Sand, whrend das Publikum den erstenSieger des Tages feierte.

    Der nchste Kmpfer war Efrem, der ge-gen einen der Veranstalter antreten mute,jenen Mann, der es zugelassen hatte, da derNaat Speere bekommen hatte. Bei seinerWurfkraft wre es dem Naat leicht mglichgewesen, sein Gescho zielsicher bis zu Or-

    28 Peter Terrid

  • banaschol III. zu schleudern. Fr diesenFehler bte der Zaliter mit dem Tode.Efrem gab ihm nicht eine Sekunde lang eineChance zur Gegenwehr. Auch Robal freutesich, als Efrem in die Rume unter den Tri-bnen zurckkehrte.

    Er ist tot! stellte Efrem fest und grinsteerleichtert. Und damit ist unser Kontrakthinfllig. Das war nmlich unser Besitzer!

    Ra schluckte, dann sah er ein, da er dieseMnner nicht mit normalen Mastben mes-sen durfte; seit Jahren trugen sie ihre Hautzu Markte, und es war nur zu begreiflich,da sie sich ber den Tod ihres Peinigersfreuten.

    Dann wurde Ra aufgerufen. Whrend derBarbar langsam auf den freien Platz schritt,sah er, da die Zugnge zu den Rumen un-ter den Tribnen abgeriegelt wurden.Schwere Metallplatten schoben sich in dieHhe. Ra fragte sich besorgt, was das zu be-deuten hatte.

    Die Antwort bekam er wenig spter. Manhatte ihn fr einem Kampf mit einem Seeun-geheuer vorgesehen.

    Ra schluckte nervs. Zwar konnte er rechtgut schwimmen, aber als Freund grererWasseransammlungen konnte man ihnschwerlich bezeichnen. Einen blerenStreich htte man dem Barbaren kaum spie-len knnen. Ra ging zurck, und sobald sichdas Tor wieder hinter ihm geschlossen hatte,begannen groe Pumpen das Oval der Arenamit Wasser zu fllen.

    *

    Kein schlechter Einfall! meinte Orba-naschol und grinste zufrieden,Wasserkmpfe habe ich schon immer gerngesehen. Was meinst du dazu?

    Sein Blick suchte die Augen eines seinerNachbarn.

    Ich bin sicher, da man dieses Arrange-ment eigens zu Eurem Vergngen geschaf-fen hat! meinte der Angesprochene; er gabsich Mhe, die harte Aussprache des R et-was zu dmpfen.

    Ich will nur hoffen, gab Orbanascholzurck, da der grte Teil des Kampfesnicht unter Wasser stattfindet!

    Auch dies wurde den Genu nicht tr-ben, erklrte der Nachbar ihm, Seht dieProjektionsflchen, Erhabener! Man wirddas Unterwassergeschehen mit Kameras ver-folgen und auf den Flchen berlebensgroabbilden. Keine Einzelheit des Kampfeswird uns entgehen!

    Orbanaschol nickte zufrieden, dann wand-te er sich einem anderen Mann auf seinerEhrentribne zu. Sein erster Gesprchspart-ner winkte schnell einen Bediensteten heran.

    Hast du den Barbaren gesehen? fragteer leise. Erkennst du ihn windet?

    Ja, Herr! erwiderte der Mann sofort.Es mu jener Barbar sein, von dem Lartoggesprochen hat. Vielleicht ist der Kristall-prinz nun auch in der Nhe!

    Auf jeden Fall mu der Barbar sorgfltigbeobachtet werden! lautete der Befehl.Sieh zu, da man ihn nicht aus den Augenlt. Er tritt als Sklave hier auf, also stelltseinen Besitzer fest, die Vorbesitzer, und vorallem ermittelt, wie er es geschafft hat, nachArkon zu kommen!

    Der Dienstbote nickte kurz, dann zog ersich zurck.

    Was meint Ihr? erkundigte sich Orba-naschol bei ihm. Ob der kleine BarbarChancen hat, gegen einen Viermuler vonTor'phylth?

    Das wird von der Klugheit des Mannesabhngen, Eure Erhabenheit! lautete dieAntwort. Ich habe schon Mnner gesehen,die einen Viermuler bezwungen haben,aber dies geschieht nur selten!

    Nun, auf jeden Fall werden wir einen un-terhaltsamen Kampf erleben! freute sichder Imperator. Dieser Barbar gefllt mir. Ersieht so herrlich urtmlich aus. Wit Ihr,von welcher Welt dieses Geschpfstammt?

    Leider nein! wurde ihm geantwortet.Vielleicht wurden seine Eltern in einenStrahlungsunfall verwickelt und zeugten da-her diese Mutation! Ihr wit, da die Kmp-

    Der Kmpfer mit der Maske 29

  • fer gerne ihre Vergangenheit in geheimnis-volles Dunkel hllen, um sich interessant zumachen!

    Ja, ja! murmelte Orbanaschol und be-dachte den Sprecher mit einem nachdenkli-chen Blick. Wessen Vergangenheit hat kei-ne dunklen Flecken, auer der des Impera-tors!

    Ihr sagt es, Eure Erhabenheit! erklrteder Sprecher. Seht, der Kampf beginnt!

    *

    Du hast Pech, mein Freund! meinteEfrem und starrte auf die Wasserflche hin-ab.

    Er stand neben Ra auf einer kleinen Platt-form, die knapp zwanzig Meter ber demWasserspiegel lag. Das Wasser war ann-hernd zwei Meter tief, klar und durchsichtig.Deutlich war der Leib des Viermulers vonTor'phylth zu erkennen.

    Der Viermuler war ein amphibisches Le-bewesen, das allerdings vorzugsweise aufdem Land lebte. Im Wasser bewegte er sichnicht ganz so geschickt wie an Land. Derlange, tonnenfrmige Krper ruhte auf vierkurzen Beinen, deren Zehen jeweils achtan jeder Extremitt durch Schwimmhuteverbunden waren. Ra erkannte auf der einenSeite einen langen, mit bsartigen Dornengespickten Schwanz, auf der anderen Seitedie vier Kpfe, die der Bestie den Namengegeben hatten. An langen, biegsamenHlsen saen die Kpfe. Die Hlse warenfast so lang wie das ganze Tier, die Kpfeungefhr so gro wie Ras Brustkorb. Ge-mchlich schwamm der Viermuler in demWasser umher, der aufgestellte blaue Kammauf dem grngeschuppten Rcken verriet,da die Bestie Hunger hatte.

    Hast du schon einmal gegen einen Vier-muler gekmpft? erkundigte sich Ra be-eindruckt.

    Bisher nicht! erklrte Efrem und scht-telte sich. Und ich wnsche mir auch kei-nen Kampf dieser Art. Ich habe zwei Mn-ner gesehen, als sie gegen einen Viermuler

    kmpften beide sind dabei gestorben.Los, Ra! forderte der Trainer den Bar-

    baren auf. Die Menge wartet schon aufdich! Oder willst du deine Ausrstung nochergnzen?

    Ich htte gerne noch ein Stck Brot! er-klrte Ra freundlich.

    Der Trainer sah ihn fassungslos an, scht-telte den Kopf und murmelte:

    Das ist das Verrckteste, das ich je erlebthabe. Aber du bekommst dein Brot!

    Die kurze Zeit, die zum Heranschaffendes Brotes bentigt wurde, nutzte Ra, umaus einem Holzpfeiler, der aus dekorativenGrnden statt eines Stahltrgers verwendetwurde, einen schmalen Span zu schlagen.Das Holz war fest und zh, es hatte genaudie Eigenschaften, die sich Ra wnschenkonnte. Sobald der Trainer mit dem Brot er-schien, bog Ra den Span zusammen undsteckte die beiden Enden in das Brot. Er-leichtert atmete er auf, als er feststellte, dadas Brot die Spannung des gebogenen Spa-nes ertrug.

    Bis spter, Freunde! meinte Ra, danntrat er auf den Rand der Plattform.

    Er wurde vom Gebrll der Menge emp-fangen, die schon ungeduldig geworden war.Trotz der deutlich hrbaren Pfiffe nahm Rasich noch die Zeit, auf die Knie zu sinkenund beschwrende Gesten auszufhren, sodeutlich, da jedermann sie gut erkennenkonnte. Das Publikum wurde still und lieden Kmpfer gewhren. Da der Barbar ir-gend etwas einem unbekannten Gtzen op-ferte, strte niemanden. Erst als der Vier-muler die Opfergabe respektlos verschlangund Ra erschreckt aufsprang, wurde das Pu-blikum wieder lauter. Ra machte zweiSchritte, er wollte sich offenbar vor demKampf drcken. Das Publikum begann zupfeifen, whrend der Trainer auf Ra zugingund ihn langsam auf den Rand der Plattformzudrckte. Angesichts von so viel Feigheitbegann die Menge vor Wut zu toben. In demgellenden Pfeifen des Publikums brachte esder Trainer schlielich fertig, Ra ber denRand der Plattform zu strzen. Der Barbar

    30 Peter Terrid

  • berschlug sich mehrmals und landeteschlielich im Wasser.

    Der Viermuler griff sofort an. Wie einePeitschenschnur bewegte sich einer derHlse und brachte das Maul an die Stelle, ander Ra eingetaucht war. Das Knacken derzuschnappenden Kiefer war deutlich zu h-ren.

    Das Maul schnappte ins Leere. Raschstreckte der Viermuler smtliche Kpfe ausdem Wasser und begann nach seinem Opferzu suchen.

    *

    Ra hatte gewut, da ein Sturz aus solcherHhe ihn sofort bis auf den Grund desBeckens bringen wrde, und sobald er denSand unter seinen Fen sprte, stie er sichmit aller Kraft wieder ab. Er ahnte, da dieBestie sofort an der Einschlagstelle nachihm suchen wrde, und nach dieser Einsichtbewegte er sich unter Wasser.

    Das Wasser enthielt keine Salze, daherkonnte Ra die Augen ffnen und gut sehen.Er sah die schemenhafte Bewegung desgroen Krpers, den Aufprall des groenSchdels, der dort das Wasser aufpeitschte,wo Ra sich noch vor Sekunden befundenhatte. Unmittelbar neben dem gewaltigenRumpf der Bestie tauchte Ra wieder auf.

    Niemand sah ihn in den ersten Sekunden,und darauf hatte Ra gerechnet. Aus den Re-aktionen der Zuschauer htte der ViermulerRas Standort ablesen knnen, und Ra konntenicht wissen, wie intelligent die Bestie war.

    Ra nutzte die kurze Zeitspanne, die ihmblieb, um das schrfgeschliffene Messer ausdem Grtel zu ziehen und sich zwischen dieZhne zu klemmen. Keinen Augenblick zufrh tauchte er wieder. Einer der Kpfe hatteihn gesehen und kam mit der Geschwindig-keit eines Geschosses nher. Als sich dasmit nadelspitzen Zhnen besetzte Maul wie-der schlo, hatte Ra die andere Seite desLeibes erreicht. Wieder tauchte er fr kurzeZeit auf, schnappte nach Luft und griffschnell nach dem Messer. Er wute, wo er

    zu treffen hatte, und die Klinge bohrte sichtief in das Hinterbein des Viermulers.

    Die Bestie von Tor'phylth schrifeschmerzerfllt auf, die Zuschauer bertntenden Schrei mit ihrem Applaus. Endlich hat-ten die Mnner hinter den Kameras den Bar-baren erfat und konnten der Menge einengenaueren Eindruck vom Ablauf des Kamp-fes verschaffen.

    Der Viermuler sah nur eine Mglichkeit,sich des Widersachers zu erwehren, erschlug mit dem Schwanz nach dem Peiniger.Als die Stacheln heransausten, war Ra schonwieder unter Wasser, und der Viermulerjagte sich die natrlichen Dolche in den ei-genen Leib.

    Der Schmerz verwirrte das Tier. Aufge-regt pendelten die groen Kpfe an den lan-gen Hlsen ber dem Wasser und hieltennach Ra Ausschau.

    Ra merkte, da seine Taktik erfolgreichwar. Er wute, da er nur eine einzige Mg-lichkeit hatte, den mrderischen Kiefern zuentgehen. Um sich um sich selbst zu drehen,brauchte der Viermuler viel Platz. Solangees Ra gelang, im Innenraum dieses Wende-kreises zu bleiben, war er einigermaen si-cher. Der Trick bestand darin, das Tier dazuzu zwingen, sich auf einer krzeren Streckeals der eigenen Krperlnge zu drehen. Ge-lang ihm das nicht, so wa Ra halbwegs si-cher. Und bei einem erfolgreichen Versuchwrde sich der Viermuler selbst das Rck-grat brechen.

    Wieder tauchte Ra unter dem ungefgenLeib der Bestie weg, diesmal um den Bruch-teil einer Sekunde zu spt. Zwar schnapptendie Kiefer zusammen, ohne Ras Fleisch da-zwischen zu spren, aber die Vorwrtsbewe-gung des Schdels lie den Kopf hart gegenRas Brust prallen. Der Schlag trieb die Luftaus Ras Lungen, er schlug um sich und ver-suchte, auf der anderen Seite des Krpersder Bestie in die Hhe zu kommen. Diesmalhatte er nicht gengend Zeit, um in Ruheauftauchen zu knnen. Wenn der Viermulernicht schon die Bewegungen des Mannesgesprt hatte, so wurde er sptestens von

    Der Kmpfer mit der Maske 31

  • dem Schrei, mit dem Ra wieder Atemschpfte, auf den Mann aufmerksam ge-macht. Fast gleichzeitig stieen zwei Kpfeauf Ra herab.

    Ra versuchte sich abzuducken und hiebgleichzeitig mit dem Messer um sich. Er hat-te Glck, die Klinge bohrte sich in einenHals, und unwillkrlich zuckten die beidenHlse wieder zurck. Ra holte noch einmalLuft, dann tauchte er wieder. Bereits nachwenigen Sekunden erschien sein dunklesHaar wieder ber dem Wasserspiegel.

    Der Viermuler hatte sich auf Ras Taktikeingestellt, das war nicht zu bersehen. Allevier Kpfe lauerten zustobereit auf einerSeite des Krpers, warteten auf das Opferund pendelten leise. Ra hatte damit gerech-net und war an der gleichen Stelle wiederaufgetaucht, an der er auch getaucht war.Die kurze Zeitspanne, die Ra blieb, ntzte erzu einem wuchtigen Hieb mit dem Messeraus. Die scharfe Klinge durchtrennte ohneMhe den schlanken Hals des Viermulers,ein Blutstrahl spritzte hervor, und der abge-trennte Kopf versank schnappend im aufge-whlten Wasser.

    Enttuscht mute Ra feststellen, da derOrganismus des Viermulers auf solcheVerletzungen eingestellt war. Wenige Se-kunden nach dem Abtrennen des Kopfesschlo sich die groe Schlagader, die vomKrper zu dem Kopf gefhrt hatte. Vermut-lich wrde das Tier nur wenige Stundenbrauchen, bis sich die Wunde vollstndiggeschlossen hatte. In einem Monat spte-stens wrde die Bestie wieder ber vier gie-rig zuschnappende Muler verfgen.

    Verdammt! knurrte Ra. Wie ist die-sem Biest beizukommen?

    Wieder tauchte er, und als er auftauchte,lhmte er mit einem raschen Schnitt daszweite Hinterbein des Viermulers. Jetzt wardas Tier in seiner Bewegungsfreiheit erheb-lich eingeschrnkt, ungefhrlich war es abernoch lange nicht, das bewies der Schwanz,dessen Dornen Ra nur knapp verfehlten.

    Jetzt hatte Ra eine ziemlich gute Positionerreicht. Er hielt sich an den gelhmten Hin-

    terbeinen fest und hielt den Kopf dicht ander Wasseroberflche. Die nach hinten ge-streckten Hlse des Tieres reichten nichtganz bis an Ra heran, und der langeSchwanz war nicht beweglich genug, um Raerreichen zu knnen.

    Das Publikum war von dem Kampf begei-stert. Sitzkissen flogen auf das Wasser, aberRa konnte sich ausrechnen, da er diese Be-geisterung nicht mehr lange wrde auslsenknnen. An einem Remis waren die Zu-schauer nicht interessiert. Entweder starb derViermuler, oder aber Ra mute sein Lebenverlieren wenn er nicht bald den Kampf zuseinen Gunsten beendete, wrden die Arena-wachen auftreten und dafr sorgen, da derKampf spannender wurde.

    Ra brachte mit einer kraftvollen Bein-schere den Oberkrper in die Hhe und legtesich flach auf den Rcken des Tieres. Sofortwurde er von den verbliebenen drei Kpfenangegriffen. Einen der Kpfe konnte Ra aneinem Auge verwunden, bevor er wieder insWasser zurckglitt.

    Langsam wurde Ra mde, der Kampf for-derte viel Kraft und sehr viel Luft. Ras Atemging stoweise, er sprte das Hmmern sei-nes Herzens.

    Noch whrend der Mann an einer neuenTaktik in Gedanken arbeitete, nderte sichdie Szenerie. Aus allen drei Kpfen schrieder Viermuler, sein Krper begann unkon-trolliert zu zucken.

    Endlich! sthnte Ra auf. Es hat langegenug gedauert!

    Er wute genau, warum die Bestie zu to-ben begann und ihn vllig vergessen hatte.Die Magensfte des Viermulers hatten dasBrot, das er zu Beginn des Kampfes gierigverschlungen hatte, so sehr aufgelst, dadie Masse den gespannten Span nicht mehrzusammenhalten konnte. Das Holz schnelltein seine ursprngliche Form zurck und ridabei klaffende Wunden in die Magenhutedes Viermulers.

    Ra wute, da er den Kampf gewonnenhatte, aber er durfte natrlich nicht verraten,mit welchem Trick er die Auseinanderset-

    32 Peter Terrid

  • zung zu seinen Gunsten entschieden hatte.Daher schwamm er schnell wieder auf dentobenden Viermuler zu. Wild peitschten dielangen Hlse das Wasser auf. Vorsichtig n-herte sich Ra der Bestie, dann schwang ersich mit einem gewaltigen Ruck auf denRcken des Viermulers. Die Bestie wurdevon den Schmerzen in ihrem Inneren derartgeqult, da sie den Mann nicht wahrzuneh-men schien. Ra hatte leichtes Spiel, in weni-ger als einer Minute hatte er die drei restli-chen Hlse durchtrennt, dann konnte er ohneallzu groe Schwierigkeiten nach dem ach-ten Rckenwirbel des Tieres suchen. Dortlag der Nervenknoten eingebettet, der bei ei-ner Verletzung den sofortigen Tod des Tie-res herbeifhrte. Normalerweise wurde die-ser Fleck von dem Viermuler erbittert ver-teidigt, aber jetzt mute sich Ra nur des un-gezielt schlagenden Schwanzes erwehren,whrend er nach dem Nerv suchte.

    Ein Stich gengte, um den Viermuler aufder Stelle zu tten. Noch einmal peitschteder Schwanz ins Wasser, dann erschlaffteder mchtige Krper. Ra stie einen Trium-phschrei aus, der vom tobenden Applaus desPublikums beantwortet wurde.

    Langsam und erschpft lie sich Ra vondem Krper gleiten und schwamm auf denRand des Arenabeckens zu. Er atmete tiefund ruhig, aber er war vorsichtig genug, denKadaver nicht aus den Augen zu lassen. Rahatte lngst gelernt, da man bei fremdarti-gen Lebewesen sehr vorsichtig sein mute.

    Da ihn sein Instinkt nicht getrogen hatte,zeigte sich wenige Augenblicke spter. DerKrper des Viermulers begann mit groerSchnelligkeit zu schrumpfen. Immer kleinerwurde der gewaltige Leib, und nach weni-gen Augenblicken war er vollstndig ver-schwunden.

    Unmglich! murmelte Ra. Das ist vl-lig ausgeschlossen! Ein Krper kann dochnicht einfach verschwinden!

    Er berlegte fieberhaft, dann hatte er be-griffen, warum bisher nur selten ein Zwei-kampf mit einem Viermuler zugunsten desMannes ausgegangen war, und dann auch

    nur, wenn der Kampf auf trockenem Bodenstattgefunden hatte.

    Natrlich war der Krper des Viermulersnicht vllig verschwunden; selbst wenn er inseine chemischen Bestandteile zerfallen w-re, htte es eine Trbung des Wassers gebenmssen. Ra kam zu der Erkenntnis, da sichder angeblich tote Viermuler verwandelthatte. Am Ende dieser Metamorphose muteein Wesen stehen, das so konstruiert war,da sein Krper im klaren Wasser nicht zuerkennen war.

    Nervs begann Ra nach dem Endproduktder Verwandlung Ausschau zu halten. Voll-stndig lichtdurchlssig konnte der Krperdes neuen Wesen nicht sein, dann htte ervllig aus Wasser bestehen mssen. Aberwahrscheinlich lagen die Lichtbrechungsin-dizes so nahe beieinander, da man den Kr-per nur mit hochwertigen Meinstrumentenwahrgenommen htte. Ra sprte einen leisenAnflug von Angst; gegen einen nahezu un-sichtbaren Gegner ankmpfen zu mssen,war eine beinahe unlsbare Aufgabe.

    Dann kam Ra ein Gedanke, eine Wahn-sinnsidee, aber vielleicht die einzige Mg-lichkeit, das Problem zu lsen.

    *

    Erregt sprang Orbanaschol von seinemSitz auf.

    Was macht der Barbar da? rief er,Will er sich drcken?

    Ich glaube nicht, da er feige ist! er-klrte sein Nachbar. Der Mann ist ge-schickt und wagemutig!

    Auf den groen Projektionsflachen wardeutlich zu sehen, wie Ra mit dem Messerseine Handgelenke bearbeitete. Blut strmtein das Wasser.

    *

    Ra wute, da er jetzt gegen die Zeitkmpfte. Zwar hatte er nur eine der dicht un-ter der Haut gelegenen Venen angestochen,aber dennoch wrde er ziemlich viel Blut

    Der Kmpfer mit der Maske 33

  • verlieren.Die Verletzung war schmerzhaft, und Ra

    prete die Kiefer zusammen, um nicht auf-zusthnen. Immerhin zeichnete sich sehrschnell ab, da sein verzweifelter Trickfunktionierte. Das Wasser rings um Ra ver-frbte sich. Wenn der geheimnisvolle Kr-per einen Angriff versuchte, wrde er sicht-bar sein. Langsam zog sich Ra zurck, inRichtung des Tores, durch das man ihn ein-lassen wrde, wenn dieser Kampf beendetwar. Auf einer Plattform ber der ffnungstanden mehrere Mnner. Ra erkannte Efremund den Trainer, daneben einige Mnner,deren Abzeichen bewiesen, da sie als Ret-tungsmannschaft vorgesehen waren. Manwrde ihn also nicht einfach verbluten las-sen.

    Ra seufzte erleichtert auf, als er das Torerreicht hatte, obwohl er wute, da man ihneinstweilen nicht hereinlassen wrde. Erstmute der Gegner besiegt werden, der ausder Metamorphose des Viermulers hervor-gegangen war.

    Ra brauchte nicht lange zu warten. Pltz-lich tauchte im blutgefrbten Wasser um ihnein Krper auf. Das Tier war armdick, sehrlang und nur dort zu sehen, wo sich seintransparenter Krper vom blutigen Wasserunterschied. Sofort hackte Ra mit dem Mes-ser nach dem Gegner. Ein heftiger Schmerzzuckte durch das unverletzte Handgelenk,als die Klinge an der zhen Haut abprallte.

    Drft ihr das Wasser so weit ablassen,da ich stehen kann? rief Ra in die Hhe.

    Carox' Stimme antwortete ihm:Das wurde bereits eingeleitet, Ra. Bald

    wirst du Boden spren knnen!Ra atmete erleichtert auf, aber er sprte

    auch, da ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Instetem Strom flo das Blut aus der verletz-ten Vene, es war nur eine Frage der Zeit, bisRa das Bewutsein verlieren wrde. Viel-leicht wrde man ihm helfen, aber bis dasPublikum entschieden hatte, ob er tapfer ge-nug gekmpft hatte, um verschont zu wer-den, konnte er bereits ertrunken oder vondem Glaswurm erdrosselt sein.

    Ra sprte den glatten Krper des Wurmesan seinem Bein, das er schnell zurckzog. Erkonnte sehen, da der Wasserspiegel kon-stant sank, und wenig spter fhlte er den fe-sten Sand unter seinen Fen.

    In diesem Augenblick griff der Barbar zu.Mit beiden Hnden packte er den Leib desGlaswurms, von dem er nicht wute, wielang er war. Mit aller Kraft zerrte Ra dasTier in die Hhe, aber im gleichen Augen-blick, in dem ein Teil des Krpers ber dieWasseroberflche geriet, schien sich das Ge-wicht des Wurmes verdoppelt zu haben. Rasthnte vor Anstrengung, aber er ruckte undzerrte weiter.

    Sobald der Krper des Wurmes mit derLuft in Berhrung kam, wurde er hart undsichtbar. Wasser wurde aufgewhlt, als sichder Wurm dagegen wehrte, aber Ra hattejetzt einen festen Stand und kmpfte ent-schlossen weiter.

    Sein Atem ging immer schneller, derBlutverlust machte sich zusehends deutli-cher bemerkbar. Stck fr Stck brachte Radas Tier an die Oberflche, im stillen hof-fend, da er in der richtigen Richtung arbei-tete. Wenn er als erstes das Ende des Wur-mes zum Vorschein brachte, blieb ihmwahrscheinlich keine Zeit und vor allem kei-ne Kraft mehr, nach dem Kopf des Tieres zusuchen.

    Ra stie einen triumphierenden Schreiaus, als er sprte, da der Krper des Tiereserstarrte. Ra hatte den Kopf des Glaswurmserreicht, der sich nur durch zwei kaum er-kennbare Fhler und eine Speiseffnungvom restlichen Krper unterschied.

    Ra sah noch, wie auf die rote Flche desWassers ein Regen bunter Sitzkissen nieder-ging, dann verschwand die Welt vor seinenAugen. Den Schrei, den die Menge ausstie,als er langsam versank, nahm er nicht mehrwahr.

    6.

    Lebt der Barbar noch? wollte der Impe-rator wissen.

    34 Peter Terrid

  • Wenn Orbanaschol sich erregte, wurdeseine Stimme besonders unangenehm, aberniemand in seiner Nhe wagte es, auch nureine Miene zu verziehen.

    Er lebt noch, Eure Erhabenheit! wurdeihm gemeldet. Der Blutverlust wird zurZeit durch eine Transfusion behoben. In ei-ner Stunde wird der Mann wieder an denKmpfen teilnehmen knnen!

    Sehr gut! lobte Orbanaschol. Ich bingespannt auf die nchsten Kmpfe!

    Um die Loge des Imperators flammte derSchutzschirm auf, stark genug, um selbstdem Beschu eines Kreuzers standhalten zuknnen. Erst nach dem Aufbau der Ener-gieglocke wurden die Kampfrobots in dieArena gelassen, um die Reste des Glas-wurms zu vernichten. Nach wenigen Augen-blicken war das Tier verdampft, zurckblieb eine rotglhende Flche kochendenSandes. Bald wrde sie wieder erkalten undspiegelglatt werden, eine heimtckische Fal-le fr jeden weiteren Kmpfer, der dummgenug war, sich von seinem Gegner auf die-sen Fleck locken zu lassen. Auf Befehl desImperators wurde, sobald der geschmolzeneSand halbwegs ausgekhlt war, frischerSand ber die Stelle gestreut.

    Solche Scherze steigern die Spannung!meinte Orbanaschol grinsend.

    Der Humor Eurer Erhabenheit ist dasEntzcken der Galaxis! erklrte einer sei-ner Begleiter; es war der Versorgungsmei-ster Grothmyn, der sich mit solchen Redenbei Orbanaschol einschmeicheln wollte.

    Erst als der Schutzschirm wieder abge-baut worden war, nherte sich ein Mann derLoge Orbanaschols. Er trug keine Uniform,aber der Imperator erkannte den Mann sofortund winkte ihn heran.

    Sprich, Klertonh! forderte ihn der Im-perator auf. Hat die POGIM endlich einenErfolg zu melden?

    Das Gesicht des Mannes zuckte leise, ihmwar anzusehen, da er berzeugt war, einenglanzvollen Auftritt vor sich zu haben.

    Kennt Ihr einen Mann namens Sarn Lar-tog? fragte der Mann.

    Orbanaschol schttelte nach kurzemNachdenken den Kopf.

    Was ist mit dem Mann!Lartog gehrte zur Besatzung der KAR-

    RETON unter Kommandant Grahn Tionte,erklrte Klertonh. Das Schiff ist seit gerau-mer Zeit berfllig!

    Meine Haare, meine Haare! ffte Orba-naschol den Kommandanten des Schiffesnach. Um der Galaxis willen, bringt mirmein Haarwasser! Ich nehme an, da dieserTionte gemeint ist. Ein unertrglicher Men-sch. Rede weiter!

    Lartog wurde gefunden! setzte Kler-tonh seinen Bericht fort. Man fand ihn aufArkon II, und er war tot! Wie er dorthin ge-kommen ist, konnten wir nicht herausfin-den!

    Orbanaschol stutzte.Was wurde aus dem Rest der Besat-

    zung? fragte er. Wie konnte der Manndurch die Kontrollen schlpfen?

    Beide Fragen knnen wir einstweilennicht beantworten! gestand der Mann derPOGIM. Aber wir haben den Leichnam desMannes genau untersucht. Sein Kopf ist vl-lig zerquetscht, man konnte ihn nur anhandseiner Kennmarke identifizieren. Und dannfanden wir noch etwas ein Datenband! Essteckte unter einem Nagel des rechten Fu-es. Auf diesem Band steht eine hochinter-essante Geschichte!

    Orbanaschol warf einen Seitenblick aufdas Geschehen in der Arena, wo sich zweiMnner einen erbitterten Kampf mit bloenFusten lieferten. Da dabei nur wenig Blutflo, konzentrierte sich der Imperator wiederauf Klertonhs Bericht.

    Die Mnner, die das Schiff kaperten,erzhlte der Mann gerade, wurden von ei-nem Mann angefhrt, der sich Atlan nann-te!

    Kletonh machte an dieser Stelle eine dra-matische Pause, und er wute genau warum.Orbanaschol schrak zusammen, sein Blickwurde unstet.

    Mit hrbarer Erregung fragte er:Sind diese Angaben sicher? Gibt es kei-

    Der Kmpfer mit der Maske 35

  • nen Zweifel?Keinen! besttigte Klertonh selbstsi-

    cher. Die Unterlagen sagen einwandfreiaus, da es sich bei dem Raumpiraten um je-nen Mann handelt, der sich als Kristallprinzausgibt!

    Obwohl der Mann genau wute, da esden Kristallprinzen gab und es sich nicht umeinen Hochstapler handelte, whlte er dieseFormulierung.

    Wir haben bei dem Toten noch etwas ge-funden, erklrte er. Ein przises Hirn-schwingungsdiagramm!

    Orbanaschol fate den Mann schrfer insAuge, sein Gesicht rtete sich. Leise fragteder Imperator:

    Doch nicht etwa !Von Atlan! besttigte Klertonh trium-

    phierend. Offenbar wollte Lartog dieseswichtige Dokument zur nchsten POGIM-Stel-le bringen, als er ermordet wurde!

    Ein Hirnschwingungsdiagramm von die-sem Hochverrter! murmelte Orbanaschol,seine Zge vernderten sich zu einem bsar-tigen Grinsen. Gebt das Diagramm weiter,an alle POGIM-Stellen, jede Wacheinheitder Flotte. Endlich haben wir ein Mittel, denVerrter zu finden!

    Man wird ihn in jeder beliebigen Maskeentdecken und festnehmen knnen! stellteKlertonh zufrieden fest. Eine Gefahr frdas Leben Eurer Erhabenheit besteht folg-lich nicht mehr. Atlan wird keine Chancehaben, unentdeckt in Eure Nhe gelangen zuknnen!

    Orbanaschol III. legte sich in seinem Sitzzurck und grinste selbstzufrieden. Es warihm anzusehen, wie sehr er sich ber dieseNachricht freute.

    Eine Frage noch, bevor ich Euch entlas-se, Klertonh, meinte der Imperator. Werhat Lartog gettet? Gibt es Hinweise auf denoder die Tter?

    Klertonh zuckte mit den Schultern.Wir haben so gut wie keine Anhalts-

    punkte! gestand er. Die Tter sind zwei-felsfrei im Bekanntenkreis oder unter denHelfershelfern des falschen Kristallprinzen

    zu suchen. Einige Mitarbeiter wagen sogarzu behaupten, da sich Atlan im Arkon-Sy-stem aufhlt!

    Orbanaschol richtete sich in seinem Sitzsteil auf.

    Atlan im Arkon-System? keuchte er er-schrocken. Habt Ihr die Sicherheitsma-nahmenverstrkt?

    Selbstverstndlich! erklrte der Mannvon der POGIM. Eure Erhabenheit werdenschrfstens bewacht! Euer Leben ist nicht inGefahr! Erleichtert sank Orbanaschol zu-rck.

    Grothmyn! befahl er, und Sekundenspter stand der Versorgungsmeister nebenseinem Herrn. Sorgt dafr, da dieserMann der Bedeutung seiner Nachrichten ge-m entlohnt wird!

    Zu Klertonh gewandt, fuhr er fort:Ich danke Euch, Eure Informationen wa-

    ren sehr wertvoll! Ich wnsche, da berallnach diesem Verbrecher gefahndet wird. Ihrknnt Euch entfernen!

    Klertonh salutierte, dann zog er sich zu-sammen mit Grothmyn zurck. Der Versor-gungsmeister musterte nachdenklich denPOGIM-Mann. Wie tief wrde Grothmyn indie Truhen des Imperators greifen mssen,um den Mann auf seine ganz persnlicheSeite ziehen zu knnen? Innerlich grinsteder Versorgungsmeister bei dem Gedanken,da es Orbanaschol selbst war, der ihn mitsolchen Befehlen in die Lage setzte, seineprivaten Interessen zu verfolgen. Vielleichtwar es doch mglich, den Platz in der Nhedes Thrones mit dem darauf zu tauschen.Grothmyn hatte weitreichende Plne, er hat-te Zeit und dank Orbanaschols gelegentli-cher Grozgigkeit auch Geld; die ntigeSkrupellosigkeit besa Grothmyn seit lan-gem.

    Orbanaschol sah den beiden Mnnernnach; er lchelte zufrieden, dann wandte ersich wieder den Kmpfen zu. Vielleicht wares besser, berlegte er sich, Atlan nicht kur-zerhand hinzurichten, sondern durch ausge-suchte Gegner in der Arena allmhlich zuTode zu schinden. Fhige Leute fr diesen

    36 Peter Terrid

  • Zweck gab es genug; beispielsweise der ge-heimnisvolle Maskentrger, der in diesemAugenblick seinen dritten Kampf bestritt.

    *

    Es war nicht das erste Mal, da Ra ziem-lich viel Blut verloren hatte, aber bisher hat-te er sich noch nie so schnell davon erholt.Man hatte ihm Blut transfusioniert, dann dieWunden mit einem heilaktiven Plasmafilmbesprht. Nach erstaunlich kurzer Zeit fhlteder Barbar sich frisch und ausgeruht, bereit,sofort wieder in die Arena zu gehen. Erstand neben einigen anderen Kmpfern amRande des Kampfplatzes und verfolgte denKampf des Maskierten mit einem zweitenMann. Der Gegner war mit einem Wurfseilund einer schweren Keule bewaffnet, derMaskierte benutzte einen langen, biegsamenDegen.

    Seine Haltung ist nicht schlecht! kom-mentierte Carox den Kampf. Ich habe aller-dings Zweifel, ob sein Handgelenk lange sogeschmeidig bleiben wird.

    Der Mann mit der Keule verfgte zweifel-los ber betrchtliche Erfahrung im Arena-kampf, er war schnell und wendig, und dieAusbildung seiner Muskeln lie vermuten,da er nur einen einzigen Hieb gebrauchthtte, um seinem Widersacher den Schdelzu zertrmmern so wie er es im erstenKampf mit einem defekten Kampf robot ge-macht hatte.

    Der Maskierte versuchte, seine krperli-che Unterlegenheit durch Raffinesse undEinfallsreichtum wettzumachen. Immer wie-der blitzte die Klinge seines Degens imLicht der Sonne, aber der Keulentrger ver-mochte den Attacken jedesmal knapp zu ent-gehen. Einzig Ra erkannte, da der Maskier-te mit seinem Gegner spielte, da der Mannmit der Keule nicht die geringste Aussichthatte, den Kampf zu gewinnen. Offenbarwollte der Maskierte Eindruck schinden,einen spannenden Kampf vortuschen, umdas Publikum bei Laune zu halten. berdiesmute er befrchten, da man ihm fast un-

    lsbare Aufgaben servierte, wenn er seineGegner zu schnell und leicht besiegte.

    Einem Nahkampf wich der Maskierte ge-schmeidig aus, dann aber beging er den Feh-ler, sich zu weit von dem Keulentrger zuentfernen. Nur Sekunden vergingen, bis derMann sein Seil geschwungen und nach demMaskierten geworfen hatte. Am vorderenEnde des Seiles waren drei Kugeln befestigt,die sich um die Beine des Gegners bewegenund ihn zu Boden reien sollten. Begleitetvon einem Aufschrei des Publikums kam derMaskierte tatschlich zu Fall, aber er sprangblitzschnell wieder auf die Fe, packte dasSeil und zog daran. Er wute, warum er beiseinem Degenhieben stets den Kopf desKeulentrgers verfehlt hatte; statt dessenhatte er, ohne da das Publikum es wahrge-nommen hatte, das ber die Schulter gelegteSeil des Keulentrgers getroffen. Das Seilwar ausgefranst, und als der Keulentrgersich gegen den Zug stemmte, ri es.

    Ra grinste anerkennend. Schnell befreitesich der Maskierte, und wenig spter war erdamit beschftigt, das Seil nach dem Keu-lentrger zu werfen. Danach dauerte derKampf nur noch kurze Zeit. Der Mann mitder Keule strzte, und Sekundenbruchteilespter fhlte er die Spitze des Degens an sei-nem Hals. Dem Publikum hatte der Kampfgefallen; es schonte das Leben des Keulen-trgers.

    Hinkend schritt der Besiegte an Ra vor-bei, dahinter folgte der Maskierte. Ra er-kannte, da dieser Kampf den Mann ange-strengt hatte. Vllig unbesiegbar war er mitSicherheit nicht, aber er war ausdauernd undzh. Ein hervorragender Kmpfer, das mu-te auch Ra zugeben.

    Langsam zeichnete sich ab, wie der Restdes Turniers verlaufen sollte. Offenbar wargeplant, als Hhepunkt einen Endkampf mitdem Maskierten zu liefern. Fraglich war nur,wer der Gegner des Mannes sein wrde. Un-bersehbar fr die Kmpfer war, da dieVeranstalter fr den Maskierten nur nochvergleichsweise leichte Gegner auswhlten,damit der Geheimnisvolle in jedem Fall den

    Der Kmpfer mit der Maske 37

  • Endkampf erreichte.Das wird hllisch schwer! murmelte

    Efrem in Ras Ohr. Wer im Endkampf seinGegner ist, mu ihn unbedingt besiegen undihm die Maske abnehmen. Das Publikumwird niemals zulassen, da er mit der Maskeden Platz verlt; der Besiegte hat keineGnade zu erwarten!

    Auch dieser Mann ist zu schlagen!keuchte Ra. Der Kampf gegen eine Raubkat-ze war anstrengend und gefhrlich gewesen,aber Ra hatte schlielich gesiegt, ohne beider Auseinandersetzung verletzt worden zusein.

    Das Publikum wurde leiser, um hren zuknnen, wie die nchsten Paarungen aussa-hen. Der Maskierte hatte ein Gefecht mitStrahlwaffen auszutragen. Allerdings warendie Thermostrahler so eingestellt, da sie beiTreffern nur leichte Verbrennungen hervor-riefen, die nicht unmittelbar tdlich waren.Der Maskierte mute zwei Treffer ein-stecken, bis er es geschafft hatte, den Strah-ler so zu beschdigen, wie er es wollte. Fas-sungsloses Entsetzen malte sich auf dem Ge-sicht seines Gegners ab, als dieser sah, dader Maskierte ihm die Waffe unmittelbar vordie Fe warf. Bevor der Mann zur Seitespringen konnte, detonierte das Magazin derWaffe und ri den Mann von den Beinen;schwerverletzt wurde der Mann aus der Are-na getragen.

    Ein Satan! flsterte Efrem. DieserMann kommt geradewegs aus der Hlle! Eswird besser fr dich sein, wenn du dir eineehrenhafte Niederlage einhandelst. Die Mas-ke wird dich tten, glaube mir!

    Ra schttelte den Kopf, mehr konnte ernicht sagen, da er auf den Kampfplatz geru-fen wurde. Der Lautsprecher gab seinenGegner bekannt. Ra erstarrte frmlich; seinnchster Gegner war eine Frau.

    *

    Ra hatte mit einem Gegner gerechnet, dernur bei nherer Untersuchung als Frau zu er-kennen war, aber er sah sich mit einer ber-

    raschung konfrontiert, die grer kaumdenkbar war. Eine kleine, fast zierliche Ge-stalt nherte sich dem Mittelpunkt der Are-na. Langes, weies Haar wehte im Wind,und das Gesicht der Frau war von der Sonnemit einem satten Bronzeton versehen wor-den.

    Ra schluckte nervs.Natrlich war diese Frau nicht Ischtar, die

    hnlichkeit beschrnkte sich auf wenigeuerlichkeiten, aber sie reichte aus, um Raunsicher zu machen. Ra war in einer Kulturgrogeworden, in der den Mnnern die herr-schende Rolle zugefallen war. Einer Frau,die ihm die Kehle durchschneiden wollte,war Ra noch nicht begegnet. Ra hatte dieFrau nicht kmpfen gesehen, bei ihren Auf-tritten hatte er sich jeweils von seinemKampf ausgeruht. Aber Ra konnte sich aus-rechnen, da er keinen leichten Stand habenwrde. Der Sieger aus diesem Treffen wrdegegen den Maskentrger antreten mssen; sodicht vor dem Finale trafen normalerweisekeine Anfnger mehr aufeinander.

    Langsam kam die Frau nher. Sie trug eineng anliegendes Gewand aus geschmeidi-gem Leder, das ihre Figur betonte. Ra be-gann sich zu fragen, was ein so attraktivesWeib ausgerechnet auf dem blutgetrnktenBoden dieser Arena zu suchen hatte. Da erdie junge Frau nicht unterschtzen durfte,merkte Ra Sekunden spter. Im letzten Au-genblick konnte er dem fast ansatzlos ge-schleuderten Messer ausweichen und sichzur Seite werfen. Die Klinge aus Arkonstahlpfiff an seinem Ohr vorbei und blieb zitterndim Geblk am Rand der Arena stecken.

    Ischtar, hilf! murmelte Ra verzweifelt.In seinem Grtel steckte ebenfalls eine

    stattliche Sammlung hervorragend ausbalan-cierter Wurfmesser, aber Ra scheute sich,diese Waffe sofort einzusetzen. Die Frauzeigte weit weniger Hemmungen; wiedermachte Ra einen Satz, um nicht getroffen zuwerden, und in dem Augenblick, in dem seinBein den Boden wieder berhrte, warf ersich noch einmal nach vorne. Dieser Sprungwar seine Rettung, denn das nchste Ge-

    38 Peter Terrid

  • scho der Frau bohrte sich genau dort in denSand, wo Ras erster Sprung geendet hatte.

    Ra begann zu begreifen, da diese Fraueine zu allem entschlossene, eiskalte Kmp-ferin war, die ihre Chancen rcksichtslosnutzte. Sie wrde keine Sekunde zgern,ihm eines der Messer in den Krper zu ja-gen.

    Ra wich zurck, bis er hinter sich die Um-randung der Arena sprte. Er nahm eines derMesser zur Hand und spielte mit der Klinge.Auch die Frau wich einen Schritt zurck.Endlos lang schienen die Sekunden zu sein,die Ra brauchte, um das erste von der Fraugeworfene Messer zu erreichen. Er wute,was er riskierte, als er die Klinge aus demHolz zog. Regungslos blieb er fr einenHerzschlag stehen. Die Frau hatte mit einemAusweichmanver gerechnet, daher verfehl-te auch dieser Wurf den Krper des Barba-ren. Rasch nahm Ra auch dieses Messer ansich. Ohne sich umzusehen, warf er die bei-den Messer der Frau ber die Schulter hin-weg; er war sicher, da man sie auf der an-deren Seite der Umgrenzung auf fangenwrde.

    Jeder der beiden Gegner war mit zehn sol-chen Wurfmessern ausgestattet; vier ihrerGeschosse hatte die Frau verwendet, davonwaren zwei fr den Rest des Kampfes ver-schwunden. Zwei weitere Messer stecktenim Sand; Ra hatte noch nicht geworfen, reinrechnerisch war er im Vorteil.

    Es war bengstigend still in der groenArena, die Besucher starrten gefesselt vorSpannung auf das Geschehen auf demKampfplatz.

    Ra zgerte nur eine Sekunde, dann be-gann er zu laufen. Mit weiten Sprngen eilteer ber den sandigen Boden, und sofort holtedie Frau zum Wurf aus. Sie zielte genau,dann schleuderte sie mit aller Kraft die ge-fhrliche Waffe nach Ra.

    Der Barbar sah die Bewegung aus denAugenwinkeln heraus und lie sich mittenim Lauf zur Seite fallen; er schlug hart aufund rollte ab. Im Eifer des Gefechtes hatte ervergessen, da Orbanaschols Roboter diesen

    Fleck zu einer spiegelglatten Flche zusam-mengeschmolzen hatten. Ra ruderte mit denArmen und Beinen, aber er konnte seineRutschbewegung nicht stoppen. Ein Messerprallte eine Handbreit neben seinem rechtenArm auf den Boden, eine Funkenkaskadesprhte auf, und Ra fhlte, wie ihm die Klin-ge den Arm aufri. Tief war die Wundenicht, auch nicht sehr schmerzhaft, aber siewrde Ra beim Zielen empfindlich behin-dern.

    Endlich stoppte die unfreiwillige Bewe-gung. Ra berschlug sich noch einmal, kamauf die Fe und warf sich sofort wiedervorwrts. Die Frau rannte auf ihn zu, undnoch im Laufen schleuderte sie das nchsteMesser nach ihm. Ra sah in ihrem verzerrtenGesicht, da sie zu verzweifeln begann. Siehatte noch zwei Messer zur Verfgung undmit acht anderen Messern nicht mehr er-reicht als eine harmlose Fleischwunde. Zu-dem bewegte sich der Barbar so, da er zwi-schen ihr und den von ihr verworfenen Mes-sern stand.

    Ra grinste zufrieden.Er blutete nun aus zwei Wunden, denn

    das letzte Messer der Frau hatte ihn am Beingestreift. Sein Plan war vollstndig aufge-gangen, die Frau war nun waffenlos. Unwill-krlich drehte sich Ra um; er wollte feststel-len, wo das letzte Messer eingeschlagen war.

    Hinter ihm gab es eine kleine ffnung inder Umrandung, sie wurde vom Wartungs-meister benutzt, der feststellen mute, wieweit die Kmpfe gediehen waren. Das Mes-ser der Frau steckte in der Brust des Man-nes, der fast zeitlupenhaft langsam zur Seitekippte. Was er im Fallen berhrt hatte,konnte Ra nicht sehen, aber der Aufschreides Publikums zeigte ihm, da etwas Unvor-hergesehenes eingetreten war.

    Ra drehte sich auf dem Absatz herum.In der gegenberliegenden Arenawand

    klaffte eine metergroe ffnung, aus dersich langsam vier Krper in die Arena scho-ben.

    Springlwen! sthnte Ra auf.Eine der Bestien war als Gegner schon le-

    Der Kmpfer mit der Maske 39

  • bensgefhrlich, noch nie hatte man zwei derTiere zusammen auf einen Mann gehetzt. Rawinkte der Frau zu, die mitweiem Gesichtmitten in der Arena stand.

    Hierher! rief Ra. Ich werde dir hel-fen!

    Die Tiere schoben sich langsam vorwrtsund gerieten in den Bereich, der von dengroen Scheinwerfern ausgeleuchtet wurde.Die Dmmerung war ber der Zeltstadt an-gebrochen; noch vor Mitternacht sollten dieKmpfe ein Ende finden.

    Es sah so aus, als sollte der Maskierte sei-ne Trophe ohne Kampf gewinnen knnen.

    *

    Kein Eingreifen! schrie Orbanaschol.Lat die beiden mit den Bestien allein!

    Der Zeremonienmeister katzbuckelte,dann gab er den Befehl des Imperators andie Mnner hinter den Bedienungsautomati-ken weiter. Es wre leicht gewesen, die Be-stien mit Traktorstrahlen wieder einzufangenund den beiden bedrngten Kmpfern zuhelfen, aber der Wille des Imperators ver-hinderte eine solche Hilfe. Die Lautsprechergaben den Befehl Orbanaschols an das Pu-blikum weiter.

    Der Imperator machte ein verdrielichesGesicht, als unter den Zuschauern pltzlicheine beklemmende Stille entstand. Es warnicht zu bersehen, man war mit diesem Be-fehl berhaupt nicht einverstanden, aber dieMenge wagte auch nicht, ihren Unmut lautzu uern. So lag ber der Arena eine Stille,die an den Nerven zerrte, besonders an de-nen des Imperators, dem die Bedeutung die-ses Schweigens nicht verborgen gebliebenwar. Der Vorfall wre in einigen Stundenvergessen gewesen, htte Orbanaschol seineAnordnung schnell zurckgenommen, aberes entsprach dem Charakter dieses Mannes,Hrte und Entschlukraft gerade da zu zei-gen, wo sie unangebracht waren.

    Mimutig sah sich Orbanaschol um, aberkeiner seiner Begleiter achtete auf ihn. AllePersonen in der Loge des Imperators starrten

    wie gebannt in die Arena.

    *

    Ra warf der Frau eines seiner Messer zu;geschickt fing die junge Frau die Waffe auf.Sie lchelte Ra zu.

    Jetzt kannst du wirklich zeigen, wie gutdu zu werfen verstehst! knurrte Ra.

    Besorgt betrachtete er die Gegner.Springlwen waren an den gewaltig aus-

    gebildeten Hinterbeinen sofort zu erkennen.Die vorderen Extremitten waren weit weni-ger gut ausgebildet. Die groen Muskeln derHinterbeine lieen das Tier Stze machen,denen kein Mensch folgen konnte. ZwanzigMeter Weite und mehr waren keine Selten-heit, und in der Hhe erreichten Springl-wen bis zu acht Meter. Springend bewegtensich die Tiere auch rckwrts, mit der Ge-schwindigkeit eines Gleiters. Ein langer,muskulser Schwanz diente den Springl-wen, die meist auf den Hinterbeinen ruhten,als Sttze und Stabilisator im Flug.

    Wir mssen uns an die Wand drcken!murmelte die Frau. Das ist unsere einzigeChance!

    Das von schwrzlich gefrbten Zhnenstarrende Maul eines Springlwen ging weitber die Reichweite der kleinen Vorderbeinehinaus. Daher war es fr die Tiere nicht soeinfach, an ihre Gegner heranzuschleichen.Kamen sie langsam nher, konnte die Beuteleicht fliehen; versuchten die Springlweneinen Angriff mit weiten Stzen, wie sie ihnin freier Wildbahn vortrugen, dann liefen sieGefahr, sich an der Umrandung die Schdeleinzuschlagen.

    Durch die Arena klang das Fauchen derTiere, sonst war nichts zu hren.

    Leise scharrten die Tiere im Sand, beug-ten ihre Beute, whrend sich Ra und dieFrau langsam am Rand der Arena entlangbewegten.

    Wir sollten uns trennen! murmelte Ra.Vielleicht haben wir dann bessere Chan-cen!

    Er griff in den Grtel, holte vier Messer

    40 Peter Terrid

  • heraus und gab sie an die Frau weiter. Sie l-chelte ihm dankbar zu, dann entfernte siesich. Die Springlwen waren hungrig, abersie lieen sich Zeit. Sie schienen zu wissen,da die Beute ihnen nicht entkommen konn-te.

    Die Springlwen trennten sich, zwei folg-ten Ra, die anderen beiden rckten langsamder Frau nher.

    Endlich sah der Barbar eine Mglichkeitzum Angriff. Er zielte sorgfltig und gut,dann warf er das erste Messer einem der An-greifer entgegen. Der Wurf traf przise insZiel. Das Tier brllte schmerzerfllt auf undkippte schnell zur Seite.

    Ra wute, da er von vorne niemals andas Herz eines Springlwen herankommenkonnte. Dafr waren die Klingen der Messerzu kurz. Statt dessen hatte er auf denSchwanz gezielt und auch getroffen.

    Einer der Springlwen hatte ein groesStck seines Schwanzes, eingebt, und oh-ne dieses Stck vermochte er sich nicht aufden Beinen zu halten. Nur mhsam gelanges dem verwundeten Tier, sich aufzurichten,aber immer wieder knickten die schwachenVorderbeine unter dem Gewicht des massi-gen Krpers zusammen.

    Nummer eins! knurrte Ra zufrieden.Auf den Rngen blieb es weiterhin still;

    die Zuschauer wuten, da die Gefahr nochlange nicht ausgestanden war.

    Wenige Augenblicke spter brllte einzweiter Lwe schmerzerfllt auf; die jungeFrau hatte Ras Taktik nachgeahmt. Minutenvergingen, dann waren drei der vierSpringlwen nahezu kampfunfhig.

    Jetzt konnte es Ra wagen, die Deckungdurch die Arenaumrandung zu verlassen. Erbewegte sich langsam auf einen derSpringlwen zu, der immer wieder versuch-te, sich vorwrts zu bewegen. Das Tier fandkeine Mglichkeit, sich dagegen zu wehren,da Ra sich in seinen Rcken schlich; weni-ge Augenblicke spter knickten die Beinedes Tieres vollends weg. Ras Messer hattedas Herz des Springlwen getroffen.

    Die verwundeten Tiere schienen zu be-

    greifen, was ihnen bevorstand; wild schlu-gen sie um sich, aber Ra lie sich nicht ab-schrecken. Nacheinander ttete er die beidenanderen verletzten Tiere. Er hockte noch aufdem Rcken des dritten Springlwen, als ervon einem pltzlichen Aufschrei der Mengeberrascht wurde.

    Ra fuhr herum.Die junge Frau war fr einen winzigen

    Augenblick unaufmerksam gewesen, undsofort war der unverletzte vierte Springlweber sie hergefallen. Ra sah das schmutzig-braune Fell des Tieres, darunter den gln-zenden Lack des Lederanzugs, den die Frautrug. Ohne sich zu besinnen, rannte Ra los,schwang sich in den Nacken des Lwen undstie mit aller Kraft zu. Das Tier brllte,peitschte mit dem Schwanz. Ra wurde ge-troffen und heruntergeworfen. Eine Hinter-pranke streckte sich nach ihm aus, aber dannberlief den Krper des Tieres ein Zittern.Noch einmal zuckte der Schwanz, dannkippte der Springlwe tot zur Seite. Ra km-merte sich um die Frau; sie hatte zwei Rip-pen gebrochen und war bewutlos. Sie wr-de am Endkampf nicht teilnehmen knnen.

    Aber es stand nun fest, wer der Gegnerdes Maskierten sein wrde.

    Das Publikum jubelte dem Barbaren zu;der Unmut ber die Entscheidung des Impe-rators war in Vergessenheit geraten. Orbana-schol rkelte sich in seinem Sitz und lcheltezufrieden.

    Er freute sich auf den Endkampf, der nacheiner kurzen Pause beginnen wrde. In derArena wurden derweilen die Tierkadaveraufgelesen und fortgeschafft, auch die Wurf-messer wurden eingesammelt.

    Orbanaschol winkte seinen Zeremonien-meister heran und flsterte dem Mann etwasins Ohr. Der Mann beeilte sich, den Befehlseines Herren weiterzuleiten.

    7.

    Immo Kalee machte ein sorgenvolles Ge-sicht, whrend Alpertur sich die Hnde rieb.Der Zaliter hatte trotz seines betrchtlichen

    Der Kmpfer mit der Maske 41

  • Geizes erhebliche Summen auf Ra verwettetund rechnete sich nun seinen Gewinn aus.Wenn der Barbar es tatschlich schaffte,auch den letzten Kampf siegreich zu ber-stehen, hatte der Zaliter sein Vermgen umeinen nicht unerheblichen Teil vermehrt.

    Prachtvoll! freute er sich. Einfachprachtvoll, dieser Barbar. Willst du ihn mirnicht verkaufen?

    Immo Kalee schttelte unwillig mit demKopf. Mehr als einmal in den letzten Stun-den hatte er vermutlich mehr Angst ausge-standen als sein Freund unten in der Arena.Immo Kalee wute, was Ra konnte, aber erwar sich auch klar darber, da der Barbarsehr viel Glck gebraucht hatte, um sein Le-ben zu verteidigen.

    Seine Erhabenheit, Imperator Orbana-schol III. haben befohlen, meldete derLautsprecher. Angesichts der herausragen-den Tapferkeit beider Kontrahenten wird derletzte Kampf nach den Regeln des Haag'thargefhrt!

    Whrend das Publikum diese Nachrichtmit begeistertem Beifall begrte, sah ImmoKalee fragend den Zaliter an.

    Was hat das zu bedeuten? fragte er.Etwas Schlimmes?

    Alpertur schttelte wtend den Kopf.Fr mich vielleicht! knurrte er. Fr

    deinen Barbaren nicht. Das Haag'tharschreibt vor, da die Kmpfer sich nicht t-ten mssen. Der Sieger hat den todbringen-den Schlag oder Stich nur anzudeuten, mehrnicht. Falls er im Verlauf des Kampfes sei-nen Widersacher doch tten sollte, darf esnur unabsichtlich geschehen!

    Dann knnte man den ganzen Kampfgleich ausfallen lassen! meinte Immo Ka-lee.

    Kmpfen mssen die beiden Mnner,erklrte Alpertur. Wenn Ra so dumm ist,seinem Gegner genau in die Klinge zu sprin-gen, hat er Pech gehabt. Aber ein solcherKampf hat noch andere Finessen. Du wirstsie bald zu sehen bekommen!

    Immo Kalee atmete erleichtert auf; er hat-te den Maskierten eingehend studiert, und er

    war sich nicht sicher, ob Ra auch diesenGegner wrde bezwingen knnen.

    *

    Carox drckte Ra das Schwert in dieHand. Der Griff lag gut in der Hand, dieKlinge war lang und schmal, beide Schnei-den waren frisch geschrft.

    Eine gute Waffe! stellte Carox fest.Ich wnsche dir viel Glck!

    Du wirst es brauchen! warf Efrem ein.Dieser Kampf hat seine ganz besonderenTcken!

    Welche? fragte Ra knapp; er war froh,da keiner bemerkt hatte, da er in seinemGrtel noch ein Wurfmesser trug.

    Efrem deutete auf die Umrandung derArena. Zahlreiche kleine ffnungen warenzu erkennen, dahinter glnzte es metallisch.

    Hinter jeder dieser ffnungen verstecktsich eine Teufelei! erklrte Efrem.Entweder ein Paralysator oder ein schwacheingestellter Thermostrahler, vielleicht einProjektor fr Traktorstrahlen, ein Hypno-strahler oder eine Waffe, die dir irgendwel-che Medikamente in die Blutbahn schiet.Jede dieser Waffen wird von einer Positro-nik geschwenkt und abgefeuert!

    Ra schluckte.Hat je ein Kmpfer die Arena wieder

    verlassen? erkundigte er sich vorsichtig.Efrem zeigte ein beruhigendes Lcheln.Alle diese Waffen, setzte er seinen Be-

    richt fort, werden von einem Zufallszahlen-generator gespeist. Niemand kann wissen,was ihn erwartet, ob die Waffe, die auf ihngerichtet ist, abgefeuert wird oder nicht.Eben weil dieser Kampf zu mehr als siebzigProzent ein Glcksspiel ist, gibt es meistenskeine Toten.

    Ein geschickter Zug von Orbanaschol!knurrte Carox. Er will dem Publikum diebeiden Helden des Tages erhalten, damit siesich noch ein paarmal gegenbertreten kn-nen, bis einer den anderen erschlgt. Heutebrauchst du um dein Leben nicht zu bangen,du mut nur aufpassen, da du dem Mas-

    42 Peter Terrid

  • kierten nicht in die Klinge lufst!Ra zuckte mit den Schultern, dann schritt

    er langsam in die Arena. Aus der ffnungeines anderen Tores lste sich die Gestaltdes Maskentrgers. Im Licht der Scheinwer-fer wirkte die Maske besonders eindrucks-voll, Ra versuchte herauszuhren, wie dasPublikum eingestellt war. Es hatte den An-schein, als wrde die knappe Mehrheit derBesucher auf seiner Seite stehen und ihn an-feuern. Langsam kamen sich die beidenMnner nher.

    Ra erkannte in der Rechten des Maskier-ten ein hnliches Schwert, wie er es benutz-te; am Handgelenk der Linken hing an einerunzerreibaren Schnur eine kleine Keule,immerhin gro genug, um einen Mann damitniederschlagen zu knnen.

    Beide Mnner trugen lederne Kleidung,Ra in Rot und der Maskierte in einemdunklen Blauton, dazu einen kreisfrmigenSchild aus massivem Holz, auf das dicke La-gen zhen Leders aufgeklebt waren. Einpaar Dutzend Hiebe konnte ein solcherSchild auffangen, aber lange wrde er kei-nen Schutz bieten.

    Den beiden Mnnern wurde Zeit gegeben,sich eine Zeitlang mit Blicken zu bekmp-fen, da Orbanaschol die Gelegenheit nutzte,um eine sorgfltig vorbereitete Rede zu hal-ten. Im Publikum war es still, obwohl der li-terarisch bewanderte Teil des Publikumsschon nach den ersten Stzen herausgefun-den hatte, da von dieser Rede kein Wortvom Imperator selbst stammte. Die Hand-schrift eines der fhrenden Rhetoriker desImperiums war nicht zu verkennen, abernicht einmal die glnzenden Formulierungendieses Mannes brachten es fertig, das Publi-kum wirklich zu begeistern. Es war nicht zuberhren, da der allgemeine Beifall nachdem Schlu der Rede mehr eine Pflicht-bung als Ausdruck von Begeisterung war.Ein lauter Beckenschlag verkndete demPublikum und den beiden Kmpfern den Be-ginn der Auseinandersetzung.

    Der Maskierte sprang sofort auf Ra zu.Der Barbar duckte sich und fing den

    Schwerthieb mit dem Schild auf. Der Mas-kierte verfgte ber enorme Krperkrfte,das sprte Ra an der Wucht, mit dem dieKlinge auf den Schild traf. Ra konterte so-fort, aber seine Klinge glitt an dem Schwertdes Gegners ab. Funken sprhten, wenn dieKlingen aufeinandertrafen, und ab und zufetzte der Stahl Lederstcke oder Holzsplit-ter von den Schilden.

    Die beiden Mnner kmpften verbissen.Sie waren ziemlich gleichwertig, und viel-

    leicht war der Maskierte im Umgang mitdem Schwert sogar ein wenig geschickter alsRa, aber der Barbar war sich sicher, da erden Kampf gewinnen konnte.

    Er besa einen Vorteil, den der Maskiertenicht auszugleichen vermochte. Ra war ineiner Kultur geboren worden und aufge-wachsen, die tgliche, harte Arbeit erforder-te, wenn man nur das nackte Leben bewah-ren wollte. Nur zum berleben hatte Raschon sehr frh derart hart krperlich arbei-ten mssen, wie es als Trainingsleistungkein noch so fanatischer Mann freiwillig er-bracht htte. Irgendwann im Verlaufe desKampfes wrde sich dieses gnadenlose Trai-ning wider Willen bezahlt machen, dessenwar sich Ra sicher.

    Bevor die Kondition seines Gegners abernachlie, hatte Ra genug zu tun, sich denMaskierten vom Leibe zu halten.

    Es war still in der Arena. Lautsprecherbertrugen das Keuchen der Kmpfer, dasScharren der Fe und das Klirren derSchwerter, wenn sie gegeneinanderprallten.

    Ra machte eine Bewegung zur Seite, umeinem Schlag auszuweichen, der sonst sei-nen Kopf getroffen htte. In diesem Augen-blick feuerten die versteckten Waffen zumersten Mal. Etwas pfiff durch die Luft undlandete knapp zwei Schritte von Ra entferntin dem Sand der Arena. Einer der Injektions-projektoren hatte gefeuert, aber Ra konntenicht wissen, ob es sich bei dem Medika-ment um ein Aufputschmittel handelte, oderetwa um ein Prparat, das einen unertrgli-chen Juckreiz hervorrief. Diese Ungewiheitmachte den Kampf spannend und abwechs-

    Der Kmpfer mit der Maske 43

  • lungsreich, zu einem Vergngen fr die Zu-schauer.

    Der Maskierte war der erste, der von denZahlenspielereien des Zufallszahlengenera-tors betroffen wurde. Der breite Fcher einesParalysatorschusses traf ihn an der linkenHand. Zwar reichte die Strahlkraft desSchusses nicht aus, das Glied vollstndig zulhmen, aber sehr viel konnte der Getroffenemit der Hand einstweilen nicht anfangen.Allerdings wrde die Wirkung in einigenMinuten wieder abklingen.

    Ra wollte die Chance nutzen, er machteeinen Satz auf den Maskierten zu und holtezum Schlag aus. Die Klinge sollte das Hand-gelenk des Waffenarmes treffen, das bei bei-den Kmpfern durch sthlerne Armschienengeschtzt wurde. Htte der Schlag getroffen,htte der Maskierte wahrscheinlich seineWaffe eingebt.

    Ra schrie schmerzerfllt auf und pralltezurck. Ein Thermostrahl hatte ihn voll ander Brust getroffen. Die Haut rtete sichblitzschnell, whrend Ra rasch zur Seitesprang. Er sthnte vor Wut und Schmerz.

    Jetzt hatte er eine entscheidende Schlappeerlitten. Ra wute, da in kurzer Zeit seinBrustkorb mit Brandblasen bedeckt seinwrde. Keine der versteckten Waffen konntetdlich wirken, aber oft reichte ein einzigerTreffer aus, um den Kampf zu entscheiden.

    Der Maskierte sah,da sein Gegner bles-siert war, und er versuchte, dem Kampf jetztein schnelles Ende zu bereiten. Zwar hingder Schildarm schlaff herab, aber der Mannhob das Schwert zum Schlag und drang aufRa ein. Der Barbar wehrte den ersten Hiebab, aber er hatte nicht die Kraft, die Blezu nutzen, die sich der Maskierte gab. Erkonnte nur dem Mann seinen Schild vor dieBrust stoen und ihn abdrngen.

    Der Zufallszahlengenerator hatte noch an-dere berraschungen fr die beiden Gegnerbereit.

    Whrend sich die Mnner in betrchtli-chem Abstand gegenseitig umkreisten, flltesich die Arena wieder mit Wasser. Teilsstrmte das Wasser aus groen Rhren auf

    den Sand, zum Teil wurde es aber auchdurch den feinkrnigen Sand nach oben ge-drckt. Ra wute, was das bedeutete soentstanden Treibsandgebiete. Wer in ein sol-ches Feld geriet, hatte den Kampf verloren aus eigener Kraft wrde er sich nicht befrei-en knnen.

    Minuten vergingen, in denen sich die bei-den Mnner von den Auswirkungen ihrerTreffer erholten. Als der Schmerz derBrandverletzungen allmhlich geringer wur-de, und Ra sich wieder voll einsatzbereitfhlte, standen die beiden Mnner bis an dieHften im Wasser.

    Unter diesen Begleitumstnden wurde derKampf besonders schwierig. Eine Maschine-rie versetzte das Wasser in Schwingungen,und die Kmpfer hatten genug damit zu tun,sich auf den Beinen zu halten. Derjenige,der als erster das Gleichgewicht verlor, hattekaum noch eine Chance, den Kampf zu sei-nen Gunsten zu entscheiden. Davon abgese-hen bestand immer noch die Gefahr, von ei-ner der versteckten Waffen getroffen zuwerden. Ra hatte versucht, die verschiede-nen ffnungen in der Arenaumrandung ab-zuzhlen, er war bis dreiig gekommen, be-vor er die halbe Umrandung abgesucht hatte.

    Die beiden Mnner waren mehrere Metervoneinander entfernt. Zur Zeit war einKampf aussichtslos, die Mnner hatten mehrals genug damit zu tun, sich vor der unbere-chenbaren Positronik in Sicherheit zu brin-gen. Wasserdampf legte sich ber die Arena,als mehrere Thermostrahler gleichzeitig feu-erten und den Wasserspiegel trafen.

    Nur die Zuschauer konnten noch erken-nen, was in der Arena vorging. Infrarotka-meras lieferten das Bild fr die groen Pro-jektionsflchen, auf denen die beiden Akteu-re zu sehen waren.

    Aus dem Gelchter ringsum folgerte Ra,da die Menge sich ber sie amsierte, wh-rend sie damit beschftigt waren, sich gegendie immer hher steigenden Wellen zu weh-ten.

    Verdammte Positronik! knurrte Ra.Tuschten ihn seine Sinne, oder wurde

    44 Peter Terrid

  • das Wasser tatschlich klter? Ra verharrteeinen Augenblick, dann wute er genug. DieWassertemperatur sank rapide, innerhalbweniger Minuten mute sie den Gefrier-punkt erreicht haben. Ra begann vor Kltezu zittern. Er war Wrme gewohnt, zu sei-nem Glck wrde es dem Maskierten nichtbesser ergehen. Arkoniden vertrugen Kltenoch weniger gut als Ra.

    Die Maschine, die die Eisesklte erzeugte,mute sich unter dem Sand der Arena befin-den; dort war die Klte auch am grten. Ramerkte es, als er unter seinen Fen den Bo-den hart werden fhlte.

    Knapp eine Minute lang mute Ha diebeiende Klte ertragen, dann war das ge-samte Wasser in der Arena gefroren. Einegewellte, von Bruchstcken berste Eisfl-che fllte das Oval. Ab und zu stiegenDampffontnen auf, wenn ein Thermostrahlauf die Eisflche traf.

    Ra hatte groe Mhe, auf dem glatten Eisnicht auszurutschen, aber er bewegte sichauf den Maskierten zu, der mit aller Kraftam Griff seines Schwertes zerrte. Die Spitzewar im Eis eingefroren und rhrte sich nichtum Haaresbreite.

    Der Maskierte stie einen Fluch aus, alser Ra kommen sah. Rasch gab er die sinnlo-sen Versuche auf, seine eingefrorene Waffefreizubekommen; er wechselte schnell dieSchildhand und griff nach der Keule.

    Ra verfgte nun ber die weitreichendereWaffe, aber der Maskierte wehrte sich ge-schickt. Ra mute hllisch aufpassen, umnicht von der gefhrlichen Keule getroffenzu werden. Immerhin gelang es ihm, nachund nach immer grere Stcke aus demSchild seines Gegners zu hauen. Ra wollteerreichen, da der Mann nur auf seine Keuleangewiesen war, dann wollte er ihn durchSchlge mit der flachen Klinge gegen Han-doder Fugelenke lhmen und zur Aufgabezwingen. Mehr wollte der Barbar nicht.Zweimal schon hatte sich der Maskierte Bl-en gegeben, die Ra htte ausnutzen knnen,aber in beiden Fllen htte dieses Ausnutzendarin bestanden, dem Mann das Schwert in

    den Unterleib zu jagen. Obwohl Ra sich aus-rechnen konnte, da sein Gegner an seinerStelle keine Sekunde gezgert htte, ver-zichtete er auf solche Mittel.

    Schritt fr Schritt wich der Maskierte zu-rck. Ra begann zu grinsen, denn langsamgewann er die Oberhand in diesem Zwei-kampf.

    Der Atem der beiden Mnner gingschwer, die Zuschauer konnten es an denweien Wolken sehen, die die Klte aus derAtemluft formte. Dennoch froren die Mn-ner nicht, an ihren Krpern lief der Schweiin dicken Tropfen herunter.

    Jetzt habe ich dich! knurrte Ra und hol-te zu einem neuen Hieb aus. Die Klingeprallte auf den Rand des schon arg zugerich-teten Schildes und trennte einen breitenSpan ab. Beim nchsten Schlag dieser Artwrde Ra das Handgelenk des Maskiertentreffen.

    bergangslos begannen die beiden Mn-ner zu lachen. Sie lieen die Waffen fallenund umarmten sich, dann begannen sie aufdem Eis zu tanzen.

    Die Zuschauer auf den Rngen begleite-ten die Szene mit Gelchter. Sie wuten, daein Hypnostrahler die beiden Mnner erfathatte und sie beeinflute. Gespannt wartetendie Zuschauer auf das Nachlassen des hyp-notischen Einflusses. Welcher der beidenMnner wrde sich auf die vernderte Lagerascher einstellen, schneller nach seinenWaffen greifen und vielleicht in diesem win-zigen Augenblick der Verwirrung den ent-scheidenden Treffer anbringen?

    Schlagartig lie der Einflu des Strahlersnach. Die beiden Mnner lieen sich los, sa-hen sich sekundenlang in die Augen, dannreagierten sie fast gleichzeitig. Der Maskier-te war ein wenig schneller als Ra, aber seineWaffen lagen weiter verstreut. Es vergingennur wenige Augenblicke, dann standen sichdie Mnner wieder bewaffnet gegenber undsetzten den Kampf fort.

    Ra sprte, da er diesen Anstrengungennicht mehr lange gewachsen sein wrde. Eswar sein achter Kampf an diesem Tag, und

    Der Kmpfer mit der Maske 45

  • seit mehr als zwei Stunden bekmpfte er mitaller Kraft und hchster Konzentration denMaskierten, der es zumindest bei seinemletzten Gegner an diesem Tag wesentlicheinfacher gehabt hatte.

    Hinzu kam die stets drohende Gefahr vonden Strahlern, von denen man nicht wissenkonnte, wann sie wohin feuerten. Wofr sichanstrengen, wenn im nchsten Augenblickein positronischer Zufall den Kampf ent-schied?

    Ra sprte den Paralysatorschu sofort.Sein linker Fu knickte weg, und Ra strztezu Boden. Sofort rollte er sich ber dieSchulter ab, und sofort setzte der Maskiertenach. Ra wehrte die Keulenhiebe mit demSchild ab und versuchte gleichzeitig, wiederKontrolle ber den Fu zu bekommen. Ir-gendwie gelang es ihm, den Knchel desMaskierten mit der flachen Klinge zu tref-fen, aber auer einem schmerzlichen Sth-nen zeigte der Mann keine Reaktion. Rarutschte ber das Eis, duckte sich unter denSchild und wartete, da ein Wunder gesch-ah.

    Ich werde dich tten! zischte der Mas-kierte. Niemand soll sich je rhmen kn-nen, mich fast besiegt zu haben!

    Ra hatte alle Konzentration aufzuwenden,um die hageldicht auf ihn einprasselndenHiebe des Mannes abzuwehren. Sein Armdrohte zu erlahmen, whrend sein Fu dieAuswirkungen des Paralysatorschusses all-mhlich strker zu spren bekam. Ra wute,wie schmerzhaft die Auflsung einer sol-chen Erstarrung war, und er verhielt sich de-mentsprechend. Er versuchte, aus der Reich-weite seines Gegners zu kommen, aber derMaskierte lie nicht locker. Ra schlug unge-zielt mit dem Schwert um sich, versuchtewenigstens einen Fu des Mannes zu tref-fen, um sich Luft machen zu knnen.

    Der Maskierte sthnte dumpf auf, danntrat er einen Schritt zur Seite. Ras Klingehatte den Knchel getroffen, zum zweitenMal, und diesmal hatte der Stahl ein Stckder Knochenhaut aufgerissen.

    Ra wute, da solche Verletzungen hl-

    lisch schmerzten, da die Knochenhaut mitNerven frmlich gespickt war. Der Maskier-te verbi den Schmerz sehr schnell, aber diekurze Spanne Zeit, die er brauchte, um sichwieder zu fangen, gengte fr Ra. Der Fulie sich wieder gebrauchen, und Ra richtetesich schnell wieder auf.

    Jetzt war er wieder an der Reihe, seinenGegner Schritt fr Schritt zurckzutreiben.Ra wute, da er sich nicht mehr lange hal-ten konnte, seine Krfte waren bis zum u-ersten angespannt worden. Wenn ihm nichtinnerhalb der nchsten fnf Minuten der ent-scheidende Treffer gelang, wrde er diesenKampf verlieren.

    Ohne sich um die Strahler zu kmmern,rckte Ra dem Maskierten immer nher.Stck fr Stck zerschmetterte er mit wuch-tigen Schwerthieben den Schild. Ra konntenicht sehen, was hinter der Maske vorging,aber an dem Blick des Mannes erkannte er,da der Maskierte Angst bekommen hatte.Ra lie ihn keine Sekunde lang in Ruhe, erkmpfte mit allem, was ihm zur Verfgungstand. Ein Futritt, im Ansatz kaum zu er-kennen, lie den Schild aus der Hand desMannes fallen. Das zerhauene Stck Holzrollte ber das Eis und blieb weit entferntliegen. Der Maskierte versuchte einen Aus-fall, um wieder an den Schild heranzukom-men, aber Ra fhrte einen Hieb durch dieLuft, der den Mann zurckprallen lie.

    Ra grinste, als er den gehetzten Blick sei-nes Gegners sah.

    Der Kampf war entschieden. Ra standmitten in der Arena, und noch besa er seinSchwert und einen leidlich intakten Schild.Der Maskierte wehrte sich verzweifelt mitseiner Keule, aber er hatte jetzt keine Chan-ce mehr.

    Das Publikum tobte vor Begeisterung, ge-nau diesen Ausgang des Kampfes hatte mansich allgemein gewnscht.

    Ra sprang vorwrts und rammte denSchild gegen den Oberkrper des Maskier-ten. Der Mann strauchelte, fiel dann auf denRcken und blieb liegen.

    Ras Schwert zielte auf seinen Hals. Es be-

    46 Peter Terrid

  • durfte nur noch einer kleinen Bewegung, umden Kampf endgltig zu beenden. Rabrauchte nur noch einen tdlichen Hieb an-zudeuten, dann war sein Sieg unanfechtbar.

    Du wirst noch ein wenig warten mssen,mein Freund! keuchte Ra schwer atmend.Erst werde ich herausfinden, wer du bist!

    Zwei Bnder hielten die Maske des Man-nes hinter den Ohren. Ra lie das Schwertzur Seite gehen und zerschnitt das ersteBand. Dann hob er den Rand der Maske anund schlug sie zur Seite.

    *

    Ra erstarrte in der Bewegung, sein Unter-kiefer klappte herunter. Aus weitgeffnetenAugen starrte er auf das Gesicht des Man-nes, den er nach einem langen und hartenZweikampf besiegt hatte.

    Ra kannte diesen Mann, er hatte ihn schonoft gesehen.

    Die Lippen des Barbaren bewegten sich,sie formten lautlos ein Wort:

    Atlan?

    *

    Die linke Hand des Maskierten schnelltenach oben, die Keule traf Ra an der Schlfe.Der Barbar knickte ein, dann kippte er be-wutlos zur Seite. Noch whrend der Barbarfiel, befestigte der Mann erneut seine Mas-ke. Nur fr einen winzigen Augenblick warsein Gesicht zu sehen gewesen, aber dieserAugenblick war nicht lang genug gewesen,um die Kameras eine genaue Aufnahme ma-chen zu lassen. Ruhig befestigte der Mannseine Maske, dann ging er langsam zu denTribnen hinber. Dort wollte er seinenPreis in Empfang nehmen.

    *

    rgerlich! murmelte Orbanaschol.Hchst rgerlich. Ich htte zu gerne ge-wut, wer sich hinter dieser Maske verbirgt.Warum konnte der Barbar nicht aufpassen!

    Jetzt mu ich dem Maskierten den Preisbergeben!

    Dafr knnen wir uns freuen, da dasGeheimnis der Maske bei den HchstenKmpfen vielleicht gelftet wird! meinteeiner seiner Begleiter. Uns stehen alsonoch einige sehr interessante Kmpfe be-vor!

    Mag sein! meinte der Imperator verr-gert. Aber ich ertrage langes Warten nicht.Lat nach der Siegerehrung den Barbarenbefragen. Er hat das Gesicht gesehen, undich verlange, da er mir sagt, wer dieserMaskierte ist. Er scheint den Mann gekanntzu haben, habt ihr das ebenfalls gesehen?

    Es ist so, wie Eure Erhabenheit es sagt!erklrte der Begleiter dienstbeflissen. Esscheint sich um einen Freund oder Verwand-ten des Barbaren zu handeln, anders ltsich die seltsame Reaktion des Barbarenkaum erklren!

    Orbanaschol lchelte zufrieden.Ich werde der einzige Zuschauer sein,

    der bei spteren Kmpfen wei, wer derMaskentrger ist, murmelte er. Es ist nie-mals gut, wenn jemand mehr wei als derImperator!

    Gewi! wurde ihm geantwortet.Keiner ist so kenntnisreich wie Eure Erha-benheit!

    Orbanaschol nahm diese Schmeicheleienselbstgefllig hin, whrend in der Arena dieSiegerehrung vorbereitet wurde.

    Zehn POGIM-Mnner hatten den Mas-kierten umkreist und untersuchten ihn pein-lich genau nach Waffen. Orbanaschol liebteSicherheit ber alles, besonders, wenn es umdie Sicherheit seiner Person ging.

    Einer der Geheimpolizisten gab durch,da man bei dem Mann keinerlei Waffen ge-funden hatte.

    Orbanaschol erhob sich und schritt lang-sam und feierlich zum Rand der Arena. EineSchwebeplattform sollte dort den Sieger an-nhernd in die Hhe des Imperators bringen,um Seiner Erhabenheit die Mhe zu erspa-ren, hinab in die Arena zu steigen. Unterdem Beifall des Publikums stieg die Platt-

    Der Kmpfer mit der Maske 47

  • form langsam in die Hhe.

    *

    Ra schttelte den Kopf.Er konnte vor Schmerz nicht klar sehen,

    die Wirkung des betubenden Hiebes lienur langsam nach. Ra sttzte sich auf dieArme und hob den Kopf. In einiger Entfer-nung sah er den Rcken des Mannes, der ihnbesiegt hatte. Der Maskierte stand auf einerkleinen Plattform, die von Antigravprojekto-ren sanft in die Hhe gehoben wurde.

    Verloren! murmelte Ra. Ich habe ver-loren!

    Er richtete sich weiter auf und kam mh-sam auf die Fe; er war noch so benom-men, da er sich kaum auf den Beinen hal-ten konnte. Wie durch einen matten Schleierhindurch verfolgte er die Ehrung des Sie-gers.

    Orbanaschol trug in der Hand eine groeScheibe aus blauer Keramik. Ra erinnertesich, da man ihm gesagt hatte, die Scheibezeige das Gesicht des Imperators auf derVorderseite und Szenen aus der Kolonialzeitvon Zalit auf der Rckseite. Das Ding warziemlich geschmacklos, aber es erhielt sei-nen Wert durch den Umstand, da es vonSeiner Erhabenheit persnlich berreichtwurde.

    Ra stand jetzt etwas fester. Langsam ginger auf die Ehrentribne zu, er wute selbstnicht, warum er diesen Weg einschlug undsich nicht in die Kabinen der Kmpfer zu-rckzog.

    Der Maskierte nahm die Scheibe in Emp-fang. Er hielt sie in die Hhe, drehte sichherum, damit jeder Zuschauer den Ehren-preis in seinen Hnden sehen konnte.

    Zum ersten Mal, seit er die Arena betretenhatte, zeigte der Maskierte eine emotionaleReaktion. Er sprang von einem Bein aufs an-dere, warf die Scheibe in die Luft und fingsie wieder auf.

    Neben ihm stand Orbanaschol, selbstge-fllig lchelnd. Er bezog das begeisterteSchreien und Rufen des Publikums auf sich.

    Dann senkte sich die Schwebeplattformlangsam wieder dem Boden der Arena ent-gegen.

    Immer noch tanzte der Sieger begeistertauf der Plattform herum und spielte mit derschweren, dicken Scheibe aus Keramik.

    Was dann geschah, ereignete sich im Ver-lauf weniger Sekunden.

    Die Scheibe war zu schwer, der Mannkonnte sie nicht mehr auffangen. Begleitetvon einem erschreckten Aufschrei des Publi-kums fiel die Keramik auf den sthlernenBoden der Plattform und zerbrach.

    Ra sah als einziger, wie sich der Maskier-te bckte und nach etwas griff. Der Barbarhandelte, ohne zu berlegen. Im Bruchteileiner Sekunde lag das Wurfmesser in seinerHand, dann zischte die Klinge durch dieLuft.

    Auf den Projektionsflchen war in Gro-aufnahme zu sehen, wie das Messer imRcken des Maskierten einschlug. So growar die Aufprallwucht des Messers, da sichder Mann ein Stck drehte. Wirkungsloszischte der Feuerstrahl der Waffe in seinerHand in den nachtdunklen Himmel. DerMaskierte knickte in den Knien ein, dannsank er langsam zur Seite.

    Der Mann, der die Schwebeplattformsteuerte, verlor die Nerven und reagiertefalsch. Aus einigen Metern Hhe strzte diePlattform ab. Im Fallen kippte sie leicht zurSeite und prallte hart auf dem Boden derArena auf. Ein kleiner, dunkler Krper flogweit durch die Luft und landete unmittelbarneben Ras Fen. Der Barbar bckte sich,noch immer halb benommen, und hob denGegenstand auf.

    Ich mu weg! murmelte er.Die Geheimpolizisten der POGIM strz-

    ten von allen Seiten auf die Absturzstelle derSchwebeplattform. Auch die berlebendenKmpfer kamen aus ihren Kabinen geeiltund fllten die Arena. Ra wankte langsam inseine Kabine zurck, die Waffe, die er ge-funden hatte, hielt er sorgfltig versteckt.

    Dem Barbaren blieb nicht viel Zeit. Erkonnte sich ausrechnen, da es im Bereich

    48 Peter Terrid

  • des Stadions innerhalb von wenigen Minu-ten von Polizisten wimmeln wrde, die jedesPersonalpapier zehnmal kontrollieren wr-den, bevor sie eine Person durchlieen. Rakonnte an einer so peniblen Kontrolle natur-gem keinen Gefallen finden. Whrendsich andere Arenakmpfer noch neugierig anden Tatort drngten, suchte er schnell dasWeite.

    *

    Dickperliger Angstschwei stand auf demGesicht des Zaliters Alpertur. Er bewegtesich in einer endlos lang erscheinendenSchlange auf den Ausgang des Stadions zu,auf den einzigen Ausgang, den die Polizeifreigegeben hatte. Inzwischen war das ge-samte Gebiet abgeriegelt worden.

    Immo Kalee war wesentlich ruhiger. Erhatte noch sehen knnen, wie Ra unter denTribnen verschwand, bevor er von derMenge davongeschoben worden war. Er alsArkonide hatte von den Polizisten wenig zubefrchten; gefhrlich wurde es erst, wennPrfgerte die Echtheit der Ausweise kon-trollierten. Daher blieb Immo Kalee auchstndig in der Nhe des Zaliters, der ihm dieDokumente geliefert hatte. Sollte es bei derKontrolle Schwierigkeiten geben, dann warImmo fest entschlossen, den Zaliter nichtungeschoren davonkommen zu lassen.

    Ich hoffe fr dich, Alpertur, da die Pa-piere jeder berprfung standhalten wer-den! murmelte der getarnte Con-Treh soleise, da nur der Zaliter die Worte hrenkonnte.

    Alpertur schttelte unwillig den Kopf.Das ist die geringste Sorge! murmelte

    er. Ich frchte, da sich Orbanaschol frdiesen Attentatsversuch an allen auf Arkonlebenden Zalitern rchen wird. Wenn meinHaus durchsucht werden wrde

    Immo Kalee kannte den gierigen Zaliterinzwischen gut genug, um zu wissen, da erseine wohlmanikrten Hnde in alles tauch-te, was Geld brachte, so schmutzig die Sa-chen auch sein mochten. Eine Hausdurchsu-

    chung htte Alpertur mit Sicherheit denKopf gekostet. Die Schlange bewegte sichnur langsam vorwrts. Sehr sorgfltig wur-den die Ausweise berprft, Spezialgerteforschten nach versteckten Waffen. Und alsWaffe sahen die POGIM-Mnner fast allesan, was grer als ein Finger und hrter alsein Haar war. Ab und zu wurden tatschlichwaffenhnliche Gegenstnde gefunden, Ta-schenmesser, altmodische Uhren an langenKetten, die man als Schleuder htte benut-zen knnen. Wer solche Gertschaften mitsich herumschleppte, sah schweren Zeitenentgegen. Ungefhr jeder hundertste Besu-cher wurde aussortiert und von groen Glei-tern abtransportiert. Immo Kalee kannte dieErmittlungsmethoden der POGIM nur vomHrensagen, aber er hatte keine Lust, vondiesen Mnnern peinlich genau befragt zuwerden.

    Nur noch zwei Frauen standen zwischenImmo und der Energiesperre, als der langeZug aufgehalten wurde. An einer zweitenffnung in dem Energiegatter wurden dieArenakmpfer kontrolliert, und zwar we-sentlich hrter als die Besucher. Jeder zehnteMann mute einen der Gleiter besteigen.

    Immo sah, da die Mnner zusehends w-tender wurden; die hochnsigen arkonidi-schen Beamten machten keinen Hehl aus ih-rer berzeugung, da Arenakmpfer eigent-lich allesamt Verbrecher seien, die in einemKonverter wesentlich besser aufgehoben ge-wesen wren.

    In lauten Flchen machten sich die Mn-ner Luft, und als die Polizisten immer nochnicht freundlicher wurden, gab es ein Hand-gemenge. Die zwei Kampfrobots, die diePolizisten zu schtzen hatten, kamen garnicht erst zum Einsatz. Sie waren bereits vonSpezialisten auf dem Gebiet des Robot-Du-ells auer Gefecht gesetzt worden. AndrPogim-Mnner kamen ihren Kollegen zuHilfe, das Chaos vergrerte sich.

    Die Polizisten standen vor einem Dilem-ma. Sie wagten nicht, auf ihre Kollegen zuschieen, denn irgendwo mitten in demHaufen steckte der ranghchste POGIM-Of-

    Der Kmpfer mit der Maske 49

  • fizier der Kegion, und aus naheliegendenGrnden wagte es niemand seiner Unterge-benen, einen Paralysatorschu abzufeuern,der den Offizier htte treffen knnen. DiePolizisten sahen sich gezwungen, die randa-lierenden Arenakmpfer mit reiner Krper-kraft auseinanderzutreiben.

    Es half ihnen nicht viel, da sie Verstr-kung anforderten. Die bereits aussortiertenKmpfer berwltigten ihre Wachen, ver-banden sich mit ihren Kollegen und schlu-gen auf die POGIM-Mnner ein. Gegen dieausgefuchsten Kmpfer hatten die Polizistenkeine reellen Chancen, zumal sich das un-entwirrbare Knuel aus menschlichen Lei-bern langsam auf die Schlange zubewegte,in der auch Immo Kalee stand. Vergeblichversuchte der Mann auszuweichen; ehe ersich's versah, befrderte ihn ein Futritt mit-ten in den Kreis der Kmpfenden.

    Htte er nicht mitten in dem Knuel ge-steckt, so htte sich Immo wahrscheinlichprchtig amsiert. Eine Massenkeilerei zwi-schen mehreren Hundertschaften war auchfr ihn eine seltene Darbietung. Mnnerbrllten, fluchten und sthnten. Dazwischenmischte sich das gellende Kreischen einigerFrauen und Mdchen, die wider Willen indie Auseinandersetzung mit einbezogenworden waren.

    Immo Kalee kmpfte verbissen, und nacheiniger Zeit gelang es ihm, sich wieder frei-zukmpfen.

    Inzwischen hatte sich die Zahl der Kmp-fenden weiter erhht, denn die erwarteteVerstrkung der Polizei war eingetroffen.Da der Raum zwischen den Absperrungenzu klein geworden war, hatte man die Struk-turlcken in dem Energiegatter vergrert.Zu Hunderten strmten die Zuschauer durchdie Lcken, um sowohl der POGIM als auchder Massenprgelei zu entgehen. Immo Ka-lee sah sich nach Alpertur um, aber der Zali-ter war verschwunden. Immo warf nocheinen Blick auf die Kmpfenden, dann zoger es vor, diesen Ort zu verlassen. Niemandhielt ihn auf, als er sich davonmachte.

    *

    Alpertur machte ein sehr erleichtertes Ge-sicht, obwohl sein linkes Auge dunkel um-randet war und ihm zwei Zhne fehlten. Erwar heilfroh, der Keilerei entkommen zusein, bevor die POGIM eine solche ber-macht aufgeboten hatte, wie sie zum Siegber die Arenakmpfer erforderlich war.

    Der Anzug des Zaliters war stark mitge-nommen worden, aber Schden dieser Artlieen sich leicht mit Geld wieder beglei-chen.

    Wir haben Glck gehabt, viel Glck so-gar! stellte Immo Kalee fest. Ums Haarwren wir verhaftet worden, und das httebel ausgehen knnen!

    Die Gefahr ist vorbei! meinte Alpertur.Als ich mich aus dem Staub machte, konn-te ich gerade noch hren, da ein paar Ge-bude in Flammen aufgegangen sind, darun-ter auch das Bro des Trainingslagers. Nie-mand wird mehr herausfinden knnen, werRa ist und woher er kommt! Alle Spuren,die zu uns fhren knnten, sind verwischtworden!

    Stop! unterbrach Ra seinen Redeflu.Ich will die Nachrichten abhren!

    Auf dem Bildschirm an der Wand erschi-en das Zeichen, das eine besonders wichtigeEilmeldung ankndigte. Im Hintergrund warder Kristallpalast zu sehen, wahrscheinlichwurde die Sendung von dort ausgestrahlt.

    Sekunden spter war das Gesicht des er-sten Regierungssprechers zu sehen.

    Ich habe eine besonders wichtige Mittei-lung bekanntzugeben, begann der Mann.

    Anllich des Festes der ZalitischenHndlervereinigung auf Arkon II wurdeheute ein Attentatsversuch auf Seine Erha-benheit, Imperator Orbanaschol III. unter-nommen. Der Versuch schlug fehl!

    Das Bild wechselte und zeigte die Origi-nalaufnahmen aus dem groen Stadion.Deutlich war zu sehen, wie der Maskiertedie Keramikscheibe fallen lie und in denTrmmerstcken eine Strahlwaffe auftauch-

    50 Peter Terrid

  • te. Auerhalb des Bildes schleuderte Ra seinWurfmesser. Die Bilder zeigten, wie dasMesser traf und der Attentter zusammen-brach. Auch die abstrzende Plattform wur-de gezeigt.

    Der Attentter fand noch am Tatort seinegerechte Strafe! fuhr der Sprecher fort.Beim Absturz der Schwebeplattform wurdeder Schdel des Meuchelmrders derart ver-letzt, da eine Identifizierung vorerst un-mglich erschien. Es gelang aber, an demSterbenden noch eine Hirnschwingungsmes-sung vorzunehmen. Das Ergebnis dieserMessung ist eindeutig!

    Der Sprecher machte eine Pause, um dieWirkung der nchsten Stze zu verstrken.

    Bei dem feigen Attentter handelt es sichzweifelsfrei um jenen berchtigten Hochver-rter, Raumpiraten und Hochstapler, der sichAtlan nennt und behauptet, Kristallprinz vonArkon zu sein. Sein verdienter Tod stehtnunmehr fest!

    Ra sah die Verblffung im Gesicht ImmoKalees und grinste leicht.

    Gleichzeitig ergeht ein Aufruf an einender Arenakmpfer! setzte der Sprecher sei-ne Rede fort. Jener Barbar, dessen Messer-wurf das Attentat vereitelte, konnte bishernicht aufgefunden werden. Er wird aufgefor-dert, sich zu melden, um eine hohe Beloh-nung in Empfang zu nehmen!

    Das wrde euch passen! knurrte Ra undschaltete den Empfnger ab.

    Das war Atlan? fragte Immo Kalee ver-blfft. Hattest du mir nicht gesagt, Atlanbefinde sich wahrscheinlich irgendwo imMikrokosmos?

    Selbstverstndlich war dieser Mannnicht Atlan! erklrte Ra. Er sieht dem Kri-stallprinzen ziemlich hnlich, aber mehrauch nicht. Die hnlichkeit ist allerdings sogro, da sogar ich verblfft war, als ich dieMaske herunterzog!

    Du knntest dich irren! wandte Immoein. Seit du dich von Atlan getrennt hast,ist ziemlich viel Zeit verstrichen. Es wredurchaus mglich, da das Schicksal Atlannach Arkon gefhrt hat. Kannst du wirklich

    sicher sein?Was ist sicher auer dem Tod? fragte

    Ra irritiert. Vllig sicher kann ich nichtsein, aber mein Instinkt sagt mir, da dieserMann nie und nimmer Atlan ist!

    Und das Hirnschwingungsdiagramm?warf Alpertur ein. Das ist doch ein Beweis,oder?

    Ra zuckte hilflos mit den Schultern.Ich kann mich nicht erinnern, sagte er

    nachdenklich, da jemals ein solches Dia-gramm in die Hnde seiner Gegner gefallensein soll. Glaubt mir, es war nicht Atlan. Erbewegte sich anders, kmpfte anders ichwerde doch meinen Freund kennen!

    Einen Augenblick lang dachte er daran,da er selbst derjenige war, der Atlan in denMikrokosmos verbannt hatte, von dem esunter Umstnden kein Zurck mehr gab.Dann unterdrckte er diesen Impuls wieder.

    Atlan wrde niemals versuchen, Orbana-schol durch ein Attentat zu beseitigen! er-klrte er. Das entsprche nicht seiner Art.Auerdem

    Er brachte eine Waffe zum Vorschein,und er richtete die Mndung auf Alpertur.Der Zaliter starrte in die Mndung und wur-de bleich.

    Leg die Waffe weg! forderte er Ra auf.So ein Ding kann leicht losgehen, auchwenn man es nicht will!

    Diese Waffe geht nicht einmal los, wennman will! behauptete Ra und zog den Ab-zug durch.

    Ein greller Lichtstrahl zuckte aus derMndung und erleuchtete einen Fleck an derWand.

    Punkt eins! begann Ra. Diese Waffeist ungeladen, sie hat berhaupt kein Maga-zin. Punkt zwei: Das Visier ist so verstelltworden, da man damit so gut wie nichtstreffen kann. Und drittens: die Walle ver-schiet nur ganz gewhnliches Licht, wennauch in hoher Konzentration. Das Ding istein hervorragender Handscheinwerfer, aberkeine Waffe, um einen Imperator zu erschie-en!

    Immo Kalee schttelte fassungslos den

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  • Kopf, whrend Alpertur mit ksigem Ge-sicht auf die Waffe starrte.

    Ra legte die Waffe zur Seite, stand aufund ging unruhig im Raum auf und ab.

    Wir sind nach Arkon gekommen, ber-legte er laut, um Antworten zu finden. Washaben wir jetzt: Fragen, Fragen, nichts alsFragen. Und nicht den Ansatz einer einzigenAntwort!

    Ra verstummte. Er war sich sicher, dader Mann, den er gettet hatte, nicht Atlanwar. Aber schlielich was war schon si-cher ?

    ENDE

    E N D E

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    1.2.3.4.5.6.7.