Der fiese Teddy läßt die Maske fallen

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    04-Jan-2017

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  • Der fiese Teddy lsst die Maske fallen!

    Eine Kindergeschichte von

    Heiko Halfpaap 2000/2001

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    Kapitel 1 Pia ist ein kleines Mdchen, und die Geschich-te, die ich Euch ber sie erzhlen will, ist noch gar nicht so lange her. Pia war in den Herbstferien bei ihrer Oma auf dem Land. Sie mochte ihre Oma sehr gerne und auch das Haus und den Garten, in dem die Oma wohnt, aber nach einigen Tagen begann sie sich immer zu langweilen. Pia fehlten ihre Freunde aus der Stadt, mit denen sie immer spielte. Natrlich gab es in dem Dorf auch Kinder, aber wer ein kleines Mdchen ist, wei, dass es gar nicht so einfach ist fr ein kleines Mdchen, mit fremden Kindern Freundschaft zu schlieen. Es gab zwei Banden, und alle Kinder gehrten einer der beiden Banden an. In der einen Ban-de war ein rothaariger groer Junge der An-fhrer, der hie Peter. Wenn Peter Pia sah, rief er immer: "da kommt Frau Pipi", und Pia lief weinend weg. Die anderen Kinder lachten alle. Ja, und die zweite Bande bestand nur aus Doofmnnern, und mit denen wollte Pia nichts zu tun haben. In der zweiten Bande war Arne

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    der Chef. Die Kinder in Arnes Bande hatten immer alte Pappkisten auf dem Kopf und schossen unentwegt mit Stcken aufeinander, die ihre Laserkanonen waren. Manchmal be-amten sie sich auch durch den Garten, aber mehr war bei denen nicht los. Pia kletterte oft auf den groen Birnenbaum in Omas Garten und sah dann neidisch zu, wie Peters Bande eine Htte am Feldrand baute und alle Indianer oder Seeruber waren. So verbummelte Pia zwei Tage und dachte schon, es wrden genauso langweilige Ferien wie im Frhling, doch dann kam der Tag, an dem die Oma anfing, die alte Scheune auszu-rumen. "Komm mir doch ein bisschen helfen, Dirn!" sagte die Oma und meinte damit Pia. Lustlos schlenderte Pia zur Scheune und begann, mit der Oma einen alten Sessel auf die Strae zu zerren, wo ihn der Sperrmll morgen frh ab-holen sollte. Das Sofa ging noch schwerer herumzuziehen. Pia machte den Motor von dem groen Treg-ger nach, um mehr Kraft zu haben. Dann ka-men die alten Melkkannen an die Reihe und das Bild mit dem Hirsch drauf und die Ofen-rohre und dann dahinter der alte Teddy....

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    Kapitel 2 Erst dachte Pia, es wre eine verhungerte Kat-ze, so verstaubt und voller Spinnweben war der Teddy. "Puh, was ist denn das fr ein alter Fleder-wisch!" rief die Oma als sie den Teddy sah. "Na den bring man noch raus und dann wasch dir gut die Hnde, Dirn. Ich koche uns schon einmal einen schnen Kakao!" und die Oma marschierte aus der Scheune. Pia stupste vorsichtig den Teddy an, aber es war wirklich keine verhungerte Katze. Dann nahm sie den Teddy an seinem zerlcherten Arm und hielt ihn in die Hhe. Er sah furcht-bar schmutzig und zerzaust aus. An manchen Stellen hatte er gar kein Fell mehr und aus ei-nigen Lchern sah man das Stroh, mit dem er ausgestopft war. Pia drehte ihn hin und her. Sein Gesicht konnte man nur zum Teil erken-nen, ein schwarzes Tuch verdeckte die Schnauze, so dass man nur seine Augen sehen konnte. Pia sah direkt hinein in die Brenau-gen, und der Br sah direkt in Pias Augen und dann war Pia ganz komisch. Du armer Ted-

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    dy! rief sie und strich ihm die Spinnenweben zwischen den Ohren weg. Sie nahm den schmutzigen Teddy und drckte ihn ganz fest an sich, er stank furchtbar. Pia stand allein mit-ten in der Scheune, hielt den Teddy fest und schluchzte, weil der arme Teddy so bel zuge-richtet war. "Wir zwei sind Freunde, und ich pflege dich wieder gesund !" rief Pia und hob das Tuch von Teddys Schnauze, um ihm einen Kuss zu geben, aber unter dem Tuch waren fast nur Lcher und ganz wenig Schnauzenfell, und Pia deckte die Schnauze schnell wieder zu und drckte den Teddy noch fester an sich. "Pia kommst du? Trdel doch nicht so Dirn, es gibt Kuchen und der Kakao wird doch kalt!" rief die Oma aus der Kche. Pia sah entsetzt auf ihren neuen Freund. "Du kannst unmglich mitkommen, Teddy, Oma wrde dich sonst in den Mll werfen", erklrte sie und berlegte. Der Teddy sah ngstlich zu-rck. "Ich wei, ich verstecke dich in dem al-ten Holzstapel und nach dem Kaffeetrinken komme ich dann gleich wieder und hole dich!" beschloss Pia und rannte mit dem Teddy im Arm zu dem Holzsto. Sie schob den Teddy vorsichtig in eine Spalte zwischen den Holz-

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    scheiten und legte ein Brettchen davor, damit ihn niemand sah. "Bis gleich!" rief sie und strich Teddy noch einmal ber den Kopf, dann lief sie zum Haus. Pia war ganz aufgeregt beim Kaffeetrinken. Die Oma erzhlte von ihrer bsen Nachbarin und dass sie sich eine neue Schrze kaufen wollte. Pia dachte nur an Teddy und wie sie ihn wieder gesund machen konnte. Zuerst musste er trocknen und dann musste sie sein Fell ausbrsten und dann ja seine Lcher.... "....ach, jetzt regnet es schon wieder in Str-men, und ich wollte doch die Mohrrben aus-graben.." hrte Pia ihre Oma sagen und fuhr aus ihren Gedanken auf. "Ach du schreck!" rief Pia und htte fast den Kakao umgestoen. "Es regnet ja! Da wird doch der arme Te...alles nass!" verbesserte sich Pia und sprang zum Fenster. "Ja, aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht, Dirn. Die Mohrrben kann ich ja auch noch ein andermal ernten", wunderte sich Pias Oma. Pia berlegte angestrengt und biss sich auf die Unterlippe. "Ach, ich habe das Fenster von der Dachstube vergessen zuzumachen. Ich renn schnell hoch, es zumachen, nicht, dass es rein-

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    regnet!" schwindelte Pia und bevor die Oma etwas sagen konnte, rannte sie aus der Kche. Ein richtiger Wirbelwind meine kleine Pia, dachte die Oma und lchelte. Pia sprang an der Haustr in Omas viel zu groe Gummistiefel und humpelte damit plat-schend durch die Pftzen, auf denen Blasen schwammen, so doll regnete es. Pia stand vor dem pitschnassen Holzsto und suchte das kleine Brettchen, das sie vor den Spalt gestellt hatte, hinter dem Teddy sa. Der Regen lief an ihren Zpfen hinab wie in einer Regenrinne und ihr Kleid war auch schon pit-schenass. Natrlich hatte sie keine Jacke ange-zogen, denn der arme Teddy sa ja hier drau-en und wartete auf sie. Sicher war er schon pitschnass. Wo war denn nur das Brett? Pia suchte und suchte, aber es war nicht zu finden. Sie schlurfte um den ganzen Holzsto, und da "schwubb" stolperte sie und "patsch" lag sie in einer groen schlammigen Pftze. "So ein Mist!" schrie Pia wtend und griff nach dem Brett ber dass sie gestolpert war, um es ganz, ganz weit wegwerfen zu knnen. Aber da merkte sie, dass das Brett gerade das Brett war, nach dem sie suchte. Verwundert sah sie das Brett an und dann ein Stck hher

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    auf den Holzstapel. Genau, hier in die Spalte hatte sie den Teddy gesteckt, aber er war weg! Pia war auer sich. Das gab es doch nicht, wer hatte denn ihren Teddy gestohlen? Sie sah ge-rade noch einmal ganz hinten nach, ob der Teddy vielleicht zwischen die Holzscheite ge-rutscht war, als sie etwas am Genick packte und krftig durchschttelte. "Ohne Jacke in dem Regen!" rief ihre Oma streng. "Und wie du aussiehst, ganz dreckig und vllig nass. Dirn, ich hab gedacht, du bist schon vernnftiger!" Oma sah Pia wtend an, dann bekam sie "klatsch, klatsch, klatsch!" den Po voll. "Angeschwindelt hast du mich auer-dem noch, dass man dich keine Minute allein lassen kann! Was wolltest du denn nur bei dem Wetter hier am Holzsto?" Pia weinte und jammerte: "Ich wollte doch den armen Teddy verstecken, damit er nicht auf den Mll kommt!" "Den alten Drecklumpen, du hast doch so schne neue Stofftiere mit, da brauchst du den Lumpen nicht noch rumzerren", schimpfte die Oma und zog Pia an einem ihrer Zpfe ins Haus zurck. Pia wurde in die Badewanne gesetzt und tch-tig abgeschrubbt, was sie gar nicht leiden

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    konnte. Sie musste die ganze Zeit ber weinen, aber nicht wegen dem Schrubben, sondern weil vielleicht ein wildes Tier jetzt den armen, kranken, nassen Teddy in seinen Bau zerrte und ihn dort in ganz kleine Fetzen riss, damit der Bau schn warm und weich ist.

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    Kapitel 3 In dieser Nacht trumte Pia von dem Teddy. Es war ein ganz komischer Traum. Mitten in der Nacht kam der Teddy zu dem offenen Dachbodenfenster in ihr Zimmer geklettert. Er schnaufte laut und schimpfte, weil es nicht so einfach ist, das steile Dach hochzuklettern. "Na Frau Pipi!" sagte er, nahm einen ihrer Zpfe und zerrte zur Begrung ordentlich daran. Pia schrie "Autsch!" und kroch in die hinterste Ecke von ihrem Bett. "Du wolltest mich bei dem Unwetter ersufen, aber so leicht lsst sich der fiese Teddy nicht unterkriegen!" schrie sie der Teddy an und hieb mit seinem Stoffrmchen auf das Kopf-kissen, dass es einen groen schwarzen Dreck-fleck bekam. "Erst tust du nett und dann stopfst du mich in den Holzhaufen, damit ich verschimmeln kann", schimpfte er weiter. "Aber so seid ihr alle, na wartet, der fiese Ted-dy wird es euch schon noch zeigen!" Der Br stieg zu Pia auf das Bett und fing an, wie auf einem Trampolin im Schlusssprung darauf herum zu hpfen, dabei sang er:

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    "Ich bin der fiese Teddy, bin zu keinem nett nie!

    Pia machte "ksch, ksch!" und versuchte den tanzenden und grlenden Teddy von ihrem Bett zu vertreiben, aber der lie sich gar nicht stren.

    "Ich raube und ich stehle, ich schreie und krakehle,"

    sang der Teddy weiter und hpfte immer h-her.

    "Ich rger die bsen Kinder die alten Teddy Schinder!"

    berall wo Teddy hinsprang, gab es zwei schmutzige Teddypfotenalbdrcke auf der weien Bettwsche. Dann sprang der Teddy mit einem ganz groen Satz vom Bett und machte noch auf der Erde einen Purzelbaum. "Jetzt geh ich erst einmal nachsehen, ob ihr hier nicht irgendwo Schokolade versteckt habt!" erklrte der Teddy und marschierte zur

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    Tr. Er sprang an die Trklinke und stemmte sich mit einem Bein geschickt gegen den Tr-rahmen, so dass die Tr aufging. Dann lie er sich wieder auf die Erde fallen und ver-schwand auf dem Flur. Pia atmete erleichtert auf, ihre Knie zitterten richtig, war das ein schrecklicher Alptraum, doch da erschien Teddys Kopf schon wieder in der Trspalte. "Denk ja nicht, dass ich schon mit dir fertig bin, Miststck!" brummte er, dann machte er das Gerusch von einem Pups nach und verschwand endgltig. Pia sa schlotternd in ihrem Bett, aber da es ja nur ein Traum war, drehte sie sich nach einer Weile auf die andere Seite und schlief weiter.

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    Kapitel 4 "Dirn, was hast du denn jetzt wieder ange-stellt?" hrte Pia als erstes beim Aufwachen und dachte zuerst, es wrde noch zu ihrem komischen Traum gehren. Aber dann machte sie die Augen auf, und in der Morgensonne stand ihre Oma im Morgenmantel vor ihr. "So wenig bekommst du doch nicht zu essen, dass du dich in der Nacht in die Kammer schleichen und alle Lebensmittel durchwhlen musst!" "Aber ich hab doch gar ...." wollte Pia einwen-den. "Oooooch, und wie das Bett aussieht, auf dem bist du wohl mit schmutzigen Schuhen herum-gehopst? Du bist doch sonst so ein liebes Mdchen, was ist nur in dich gefahren?" "Das war ich doch aber nicht....!" "Das du jetzt auch noch schwindeln willst?" du hast ja noch das ganze Gesicht voller Schoko-lade! Wie kann man nur 5 Tafeln Schokolade essen, ist dir wenigstens schlecht geworden?" "Wirklich ich habe nichts gemacht, Oma!"

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    "Sooooo, dann komm einmal mit und sieh dir an, wie es in meiner Speisekammer aussieht!" mit diesen Worten packte die Oma Pias Ohr und marschierte mit ihr die Treppe hinunter zur Kche. In einer Ecke der Kche ist noch einmal eine Tr und dahinter eine kleine Kammer, in der die Lebensmittel aufbewahrt werden. Die Tr zur Kammer stand offen und die Lebensmittel lagen alle durcheinander auf der Erde. "Und das warst du auch nicht?" Oma sah Pia wtend an. "Nein, Oma wirklich nicht...!" "Klatsch, klatsch, klatsch!" bekam Pia schon wieder den Po voll, und das bekam sie sonst nie. Pia weinte jmmerlich und musste an ihren komischen Traum denken. Ob der fiese Teddy wirklich zu ihr gekommen war?

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    Kapitel 5 Nach dem Frhstck hatte sich Pias Oma wie-der beruhigt. Sie wusch das Frhstcksgeschirr ab, und Pia trocknete ab. Die Oma erzhlte wieder von ihrer bsen Nachbarin, die heim-lich mit einer Gartenschere ber den Zaun langte und Omas schne Rosen abschnitt. Pia hrte nur halb zu, sie musste immer noch an den Teddy denken, es konnte doch nicht sein, dass wirklich der Teddy zu ihr ins Zimmer ge-kommen war und die Schokolade genascht hatte. Je lnger sie darber nachdachte, um so sicherer war sie sich, dass Teddys keine K-chen verwsteten. "Ratten!", fiel es Pia ein, sicher hatten sich Ratten in das Haus geschli-chen und sich in der Kche zu schaffen ge-macht. Ich werde die Ratten fangen und Oma beweisen, dass ich nicht der Schokoladendieb bin, beschloss Pia und bekam bei dem Gedan-ken eine Gnsehaut, sie hatte natrlich groe Angst vor Ratten. Als der Abwasch fertig war, ging Pia in den Garten. Die Sonne schien, und sie hatte schon bessere Laune. "Ich werde es euch schon zei-

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    gen, ihr alten Ratten!" rief sie laut. "Um eins gibt es Essen, nicht vergessen, Dirn!" rief Ihre Oma zurck, die ein bisschen schwerhrig war und Pia falsch verstanden hatte. "Ist gut Oma!" antwortete Pia und kicherte. Sie lief in den Schuppen, weil da so viele Sachen herumlagen, vielleicht gab es da auch eine Rattenfalle. Pia durchwhlte die alte Kommode, in der es jede Menge Schrauben und Ngel gab. Sie kroch auf den alten Heuhaufen in der Ecke, der schon ganz muffig roch, nichts. Sogar bei dem alten Moped von Opa sah sie nach. Kurz, es war einfach keine Rattenfalle zu finden. Pia wischte die Spinnenweben von ihren Zpfen und klopfte den Staub aus ihrem Kleid. "Ich sehe schon wieder aus, als htte ich mich im Dreck gewlzt", stellte sie fest und lief verr-gert in den Garten. Am Gartenzaun stand Vol-ker und langweilte sich ganz offensichtlich. Pia sah ihn verdrielich an. Jetzt luft mir auch noch der alte Krbis ber den Weg, dachte sie. "Hallo Pia, na was machste!" rief Volker freundlich ber den Zaun und wackelte auf-munternd mit seinem groen Kopf, der wirk-lich ein wenig an einen Krbis erinnerte.

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    "Na heute ohne Raumanzug oder sind deine Freunde ohne dich in ihrem Raumschiff ab-gehauen?" gab Pia verdrielich zurck. Volker gehrte zu Arnes Bande und wenn er Pia fr-her gesehen hatte, war er immer dabei gewe-sen, sein Lasergewehr auf sie leerzuschieen und schrie dabei so was wie: "Da ist das Mon-ster, ich hab ihm schon einen seiner Kpfe abgesbelt...!" oder "Da feuert einer von den Mutanten, schickt noch eine Protonenhandgra-nate hinterher, wir mssen ihn vereisen!" "Nee, die sind mir zu langweilig, die spielen ja immer nur dasselbe. Wollen wir nicht was zu-sammen spielen?" fragte Volker weiter. "Nein, ich habe keine Zeit zum Spielen. Ich muss was gegen die Ratten in unserer Kammer machen", antwortete Pia und wollte schon wei-tergehen. "Was Ratten?" Volkers Augen leuchteten. "So richtig fette, mit langen gelben Zhnen und widerlich drren Schwnzen?" "Ja, ganz abscheuliche, und ihre Augen leuch-ten im Dunkeln, und sie knnen in einer Mi-nute fnf Tafeln Schokolade fressen!" Pia war auf einmal stolz auf ihre Ratten. "Voll stark!" rief Volker begeistert. "Hast du sie schon gesehen?"

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    "Nee!" Pia machte ein wichtiges Gesicht. Das si...

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