Der Character der Vegetation im Himalaya

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    06-Jun-2016

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  • Der Character der Vegetation im Himalaya. 59

    werden, um die Nahrungsmittel zu verfalschen, iiber 80, nebst Angabe ihrer Beschaffenheit und ihres Vorkommens, geordnet nach dem Werke des Dr. H a s s a l , i i b e r d i e V e r f a l - s c h u n g d e r N a h r 11 n g s m i t t c 1.

    Wenn 8ie nun erwagen, dass alle diese lllustrationen sich in dem geschilderten Zusanimenhange und gegenseitigen Beziehungen auf einander folgen und so zu sagen logisch an cinander gereiht sind , auch ein zweckmiissig eingerichteter und klar geschriebener Fuhrer nicht fehlt, so werden sie zngeben, dass dkse Art der Darstellung wohl a l s e i n w a h - rcs , s c h w e r z u u b e r t r e f f e n d e s M u s t e r d c r B e h a n d - 1 u n g w i s Y e n s c h a f t 1 i ch e r G e g e n s t ii n d e z u b e t r a c h - t e n i s t , u n d a u c h f u r n n d e r e Z w e i g e d e r t e c h n i - s ch e n W i s s e n s c h a f t e n N a c h a h m u n g v e r d i e n t. N i c h t s d e s t o w e n i g e r i s t s i e b e i u n s d o c h s o g u t R i e u n b e k a n n t , w e n i g s t e n s , s o v i e 1 i c h w e i s s , b e i k e i n e m d e r b i s j e t z t i n D e u t s c h l a n d e r r i c h t e t e n g e w e r b l i o h e n M u s e e n g e n i i g e n d b e a c h t e t w o r d e n. D a s s d i e s e r V o r w u r f n i c h t d e m v o n uns p r o j e c t i r - t e n M u s e u m e i n s t g e m a c h t w e r d e n m o g e , w i i n s o h e i c h a u f r i c h t i g , u n d v o r a l l e m , d a s s S i e , h o c h - g e e h r t e H e r r e n , b a l d i n d e n S t a n d g e s e t z t s e i n m o c h t e n , e i n s o l c h e s zu b e g r i i n d e n .

    Der Character der Vegetation im Himalaya ; iiach R o b e r t v o n S c h l a g i n t w e i t und H i i g e l

    H i ni a 1 a y a oder Himaleh, (im Sanskrit Heimath des Schnees), ist das grosse Gebirge, welches den Sudrand yon Centralasien und die Scheide zwischen Hindostan und Tibet bildct. Aus den Ebenen Hindostans erhebt sich dieses Rie- scngebirge stufenweise in 3 H a u p t k e t t e n zum grossen Tafellande von Innerasien, von denen die e r s t e meistens aus S a n d s t c i n gebildete Kette sich 3200 Fuss uber dcm Meeresgpiegcl erhebt; wahrend die z w e i t e Xette vorzugs-

  • 60 Der Character dcr Vcgctation in1 lIirnalaya

    weise aus S c h i e f e r a r t e n besteht, und zwischen 3200 und 8400 FUSS steigt. Die d r i t t e oder C e n t r a l k e t t e , der eigentliche Himalaya besteht aus G n e i s , der von G r a n i t durchbrochen wird , als Grundgebirge und erstreckt sich in einer Kammhbhe von 14,700 Fuss, die aber yon vielen iiber 20,000 Fuss hohen , mit ewigem Schnee bedeckten Gipfeln iiberragt wird. Diese Gipfel lassen sich in verschiedene Gruppen eintheilen , von welchen die wichtigsten sind: die in dcm Quellengebiet von G a n g e s , D s c h u m n a und S e t - l e d s c h mit dem 24,160 Fuss hohen R a n d a D a w i als hoch- stem Punkte, sodann an den Quellen des G h a n d a k mit dem D h a w a l a g i r i nach B l a k e 26,340', nach W e b b 26,286 Fuss iiber dem Meere und endlich die Gruppe, deren hochster Punkt der 26,266 Fuss hohe T s c h a m a l i r i ist.

    Die Schilderung, welche Prof. R. v. S c h 1 ag i n t we i t von dem Vegetationscharacter des Himalaya entwirft , glaubt er nicht besser einzuleiten, als indem er auf die bekannten That- sachen aufmerksam macht, dass in einem jedcn grosseren Ge- birge der Character der Vegetation in verschiedenen Erhe- bungen iiber dem Meere ein wesentlich verschiedeiier sei. Unter allen den mannichfaltigen Einflussen, welche den Vege- tationscharacter in einem Gebirgslande bedingen, sind jene, welche die Hohe iiber der Meeresflache ausiibt, so wie die mit zunehmender Hohe abnehmende Temperatur der Luft und die Veranderung der Feuchtigkeitsverhaltnisse , die wichtig- sten und bedeutendsten.

    Denn uTiihrend in tiefgelegenen Theilen des Himalaya eine Vegetation hervortritt , welche mit Recht als eine tropi- hche bezeichnet wird , zeigen dagegen die hoher gelegenen Regionen des G ebirges nur eine spiirliche Pflanzendecke , die eine Flora hervorbringen, welche von einer tropischen ganz verschieden ist und unserer europiiischen Alpenflor iihnelt. Da es demnach nicht wohl moglich ist, von dem Vegetations- character des Himalaya zu sprechen, ohne die Hohenregion, in welcher sie auftritt, zu beriicksichtigen, so hat Professor v. S c h l a g i n t w e i t fur den Himalaya fiinf Zonen oder Vegetationsregionen, wie folgt, angenommen :

  • Der Character der Vegetation im Himalaya. 61

    1) Die Tropenregion awischen 1,000 u. 3,000 eng1.FussErhebung. 2) Die subtrop. Region ,, 3,000~. 6,000 ,, ,, 27

    4) Die Strauchregion ,, 11,000~. 14,000 ,, ,, 2, 5) Die Alpenregion von 14,000 zu jenen IIohen, bis zu welchen iiberhaupt noch Yflanzen gedeihen.

    Die T r o p e n r e g i o n , zwischen 1000 und 3000 Fuss sich erstreclcend, ist besonders gii t entwiclcelt langst des gan- zen Siidfusses des Himalaya. Man findet da die prachtvoll- sten Palmen, eine Varietat der Dattelpalme, Phoenix acanlis, baumartige Farrnkrauter, besonders Asophila gigantea, mehre Arten von Calanius z. B. C . Rotang Willd. etc., niiichtige Rambus - Rohre ) Bambnsa arundinacea Willd. , riescnhafte Baumo von Magnolien, Cedrelen, Tiks (Tectonia grandis Lin. suppl.) , Sals (Shorea robusta) , riesige Feigen - und Gummi - Baume uud zwischen ihnen Schlinggewiichse der verschieden- sten Art, die sich iiberall an Stimmen nnd Aesten empor- schlingen. Alles bedeckt hier eine wuchernde Vegetation, zwischen wclcher abgestorbene Baumstamnie liegen , die nach einiger Zeit ebent'alls dicht mit Schlingpflanzen iiberzogen sind. Die Mannichfaltigkeit der Forrnen ist so gross, die Pracht der Bliithcn und die Zahl der herrlichsten I'flanzen ist so unbeschrciblich , dass selbst das eigentliche tropische Indien keine iippigerc Vegetation aufzuweisen hat. Das Ge- deihen diescr grossartigen Vegetation wird wesen tlich von der Beschaffenhcit dcs Terrains befordert, welches hier sumpfig ist. Denn Indicns reichbebaute Ebenen verwandcln sich da, wo sie den Siidfuss des Himalaya erreichen, in Sumpfland, (Tard in Indien genannt), welches an einigen Stellen nur einen schmalen Giirtel bildct nnd an anderen eine Breite von 15 - 20 Stnndcn einnimmt. So reizcnd dem h g e die in dem Tarai vorkominendo tropische Vegetation erscheint , so gefTihrlich ist sie dem Menschcn , denn fast uberall auf der Erde, sind jene Perhiiltnisse ) die sich den1 Pflanzenleben so giinstig erweisen , dem menschlichen Organismus sehr schadlich. Zu jeder Jahreszeit lagert Morgens uber den Tarai- Wiildern und Iangals eine hohe Schiclit von fast undurch-

    3) Die Waldregion Y, 6,000 u. 11,000 ,, ), 1 ) .

  • 62 Der Character dcr Vegetation in1 Himalaya.

    dringlichern Nebel ; wenn nun im Laufe des Tages, die direct herabgesandtyn , heissen Sonncnstrahlen , deren &aft nur in der Regenzcit voriibergehend geschwkht wird , einwirken, dann scheint der Bodcn der Tarai zu dampfen, dann entstei- gen ihm Diinstc , niit Unmasscn von verwesten organischen Stoffen geschwiingert, wclche die bosartigsten Krankheiten und todtliche Fieber niclit allein filr den Europaer , sondern auch selbst fur die Urbcwohner erzeugen, wodnrch der Tarai anch fur diese unbewohnbar wird.

    I n der s n b t r o p i s c h e n U c g i o n , von 3000bis 6000Fuss iiber deiii Neere, 1-eriindert sich dcr Character der Vegetation ; wir treffen zwar zuweilcn Gruppen wie mitten in den Tropcn, aber iinnier vereinzelt und ohne Zusammenhang. Hier treten uns schon cine Reihe nicht tropisclier Gewachse entgegen, und inan erblick t stellenwcisc schon die langnadlige Fichte (Pinus longifolia). I n der snbtropischen Region cultiviren die Bewohner das Himalaya niit Erfolg eine Reihe tropischer Pflanzen, wie ganz besonders die Bananon oder Plantains ( A h a paradisica Lin.), die Bnanas und anderc Priichte. Das Klima dieser Region ist auch dein Europaer nicht gefiihrlich, obgleicli im Sommcr in den engen Thalern oft cine Temperatur herrscht, die an die heissen Ebenen Indiens erinnert.

    I n der W a 1 d r e g i o 11, zwischen 6000 und 11,000 Fuss Erhebung iiber dein Neerc, tritt uns ein u-esentlich veran- derter Character dcr Vogetalion i n Bezug auf die friiheren Regionen entgegen, cs ist die begiiiistigste Zone in Bezie- hung der Vegetation dcs ganzen Berglandes, hier fallen Tor- erst eine p o s s e Menge von Obstbaumen auf, die mit unseren europiischen identisch sind nnd deren Friichte hier in ihrem naturlichen Zustande vollkonimener werden. Ueher diesen sehen wir dann eine Anzahl Nadelholzer, welche der ganeen Region einen eigenthiimlichen Character geben. Die il'adelholz - Vege- tation im Himalaya ist am schonsten entwickelt in dem eigent- lichen Quellengebiete des Ganges, in Kamaon und Garhval. Im Bhagirathi - Thale, dem Hauptthale des Ganges, sind die steilen Abhlinge, welche das enge Thal einschliessen , nicht kahl tlnd nackt ; denn allenthalben, selbst zwischen den Stein-

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    ritzen , wuchern Graser und Pflanzen hervor und machtige Nadelholzstamme schmucken die Felsen mit einer Pracht, einer Schonheit und Hohe, wie nur selten in einem anderen Theile des Gebirges. In lrurzen Abstiinden erheben sich Pi- nus longifolia, eine niit 2 Zoll langen Nadeln versehene Fichte, eine riesige Ceder, aber beide prachtvolle Raumarten werden wieder iiberragt von einer uralten Cedrus Deodara, der grossten und schonsten Fichte dcs Himalaya. Die Nadelholzbaume wachsen oft an Felsengehangen, die so steil und unzuganzlich sind, dass des Menschen Fuss sie wohl niemals betreten wird. Die in dem Himalaya vorkommenden Nadelholzer sind : Pi - n 11 s excelsa) Y. longifolia, Y. Gerardiana; A b i e s Pindrow, A. Webbiana; P i c e a Xhutrow; L a r i x Griffithii; C e d r u s Deodara; C u p r e s s u s torulosa, Cupr. Whileyana ; E p h e - d r a Gerardiana ; J uni p e r 11 s rccurva, J. squamata , J. reli- giosa; T a x u s Wallichiana; Y o do c a r p 11 s nere'ifolia; G n e - t u m Brunonii.

    ,,Der Character dieser Vegetation in Xaschnur" sagt H ii g e 1, ,, ist nach den verechiedenen Richtungen hochst wech- selnd, uberall zicrlicli nnd geordnet. Des Wanderers Schritte durch die unbetretenen Waldungen und Haine hemnien weder engverschlungene Schmarotzer - oder Schlingpflanzen, noch zwin- gen ihn stachelige oder dornige Gewiichse znr Vorsicht. Im Priihlinge bedeckt eine unglaubliche 3Iassc von Biiithen das Thal; die Dijrfer sind im vollen Sinne des Wortes davon ein- gehiillt und selbst in den WRldern stehen die Fruchtbaume in so grosser Menge, dass grosse, weisse und rothe Massen nach allen Richtungen hervorschimmern , wahrend hohere Puncte des Gebirgs mit grossblumigem Rhododendron und mit den gelben Blumen von Berberis prangen. Nach dieser Zeit ist alles mit dem iippigsten Grun iiberzogen, das aus der Ferne gesehen durch nichts unterbrochen wird; aber f i r den Niihertretenden ist das anders: f i r diesen sind die Blumen zu jeder Jahreszeit in grosser Menge vorhanden. '(

    Die Nadelholzer bilden ebenso in ihrer Art einen Ulwald im Himalaya , wie die dichtesten Jangals der ausgedehntesten Walder im tropischen Indien; aber wie sehr verschieden kt

  • G4 Der Character der Vegetation in1 IIimalaya.

    der Urwald in den hoheren Theilen des Himalaya und der Urwald in Indien. In der Waldregion des Himalaya entfal- tet sich jeder Baiim zu seiner grossten Vollkommenheit ; da ist keine gewaltige Scblingpflanze, da ist kein lastiger Para- sit , welcher ihn unizieht, welcher ihn seincr besten Safte beraubt und ihm dcn zii seiner gnnzen Entn-ickelung nothigen Raum rerliiimmert. Im Himalaya lassen sich die Baumfor- men in ihrer Indiviclualitit erkenncn; da ruht das Auge auf dem dunkeln Griin und auf den harmonischen Fortnen der Biiume und ihrer Bliithen.

    I n cinem Jangals hingegcn (einer Art UrwaId in Indien) sucht eine Form die andcre zu verdringen , da herrscht eine Unregelmiissigkcit , cin Chaos , ein Gewirr von Baumen, Stranchern nnd baumartigen Schlingpflanzen , da Tird das Ange ermiidet diirch die grellen Farbcn , den verschiedenar- tigsten Gcstaltcn nnd Pormcn der Bliitter. Der lange Aufent- halt in einein solchcn Jangals in Indien ist sehr schfidlich; der Boden ist ,fenelit nnd oft zolltief bedeclrt mit vermoder- ten Pflaiizenresten , die Luft ist undurchsichtig, schwiil und verpestet mit rniasmatischen Ausdiinstnngen ; triige und schlammig fiiessen die Biichc durch die Jangals, jhr Wasser ist auch in den Teichcii, Wassergriiben warm, es erquickt nicht , sondcrn vernichrt vielmehr den Durst und ist sehr ungesnnd. Wie ganz andcrs ist die Waldregion des Hirna- laya; da wchet eine klare, rcine und erquickende Luft; da finden sich kiihlende Quellen mit kostlichem Wasser , auch hier nnd da rauschcnde Giesebfiche.

    In der Waldregion des IXimalaya wird die Schonheit der Vegetation noch durch ein herrliches Xlima mit wolkenleerem, blauen Himmel erhohet ; zwischen Raumen und Blumen wan- dert man durch das enge Thal. Da auf einmal ganz uner- wartet macht das Thal eine Kriimmung und plotzlich steht vor uns ein rnachtiger , von blendend weissem Schnee bedeck- ter Riesenberg, einen grellen Contrast bildend zu deni von allen Seiten umgebenden saftigen Griin umher.

    R. v. S c h l a g i n t w e i t sagt: ,,diese Erscheinung ist so urplotzlich und imposant, dass sie mir stets einen tiefen, miichtigen

  • Der Character der Vegetation im Himalaya. 66

    Eindruck hervorrief. Noch heirte erinnere ich mich lebhaft solcher Bilder , wie ich deren viele im Quellengebiete des Ganges sah. Sie sind es, welclre diesen Theil des Himalaya zii einem der schonsten und reizendsten im ganzen Hochasien maahen.

    Ausser den Nadelholzwaldungen finden sich nicld allein die oben crwahnten Obstbaume in der Waldregion des Hima- laya, sondern auch andrere Laubbinnie , besonders Eichen- arten. Am hochsten hinauf steigl Quercus semicarpifolia, fast bis zu 12,000 Fuss, es ist ein herrlicher Baum, dessen Holz sehr geschatzt wird. Der europ;iischen Steineiche, Win- tereiche, Quercus Robnr @. Linn. steht am nachsten Quer- GUS incana, die iichte Steineiche des Himalaya; doch weder ihr Holz noch das Holz yon Quercus annulata ist besonders brauchbar.

    Die beschriebene Waldregion des Himalaya ist zugleich jene Zone, welche sich als sehr giinstig zur Kultur einer grossen Anzahl von Getreidearten eignet, die auch von den Bergbewohnern in solcher Anzahl und Menge , verhaltniss- massig mit geringem Aufwande von Zeit und Arbeit ange- baiit werden, dass die Bewohner des Himalaya nicht im Stande sind, die Ernte selbst EU verzehren. Ein bedeutendes Quantum davon wird noch alljahrlich auf Gchafe geladen und iiber die hohen Schneepasse nach dem ranhen, unwirthlichen Tibet hiniibergefiihrt.

    In den Hohen iiber 11,000 Fuss werden Baume immer aeltener; wir nahern uns der S t r a u c h r e g i o n von 11,000 bis 14,...

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