Akutbehandlung beendet—was nun ?

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    14-Jul-2016

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  • Akutbehandlung

    Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2004 | S163

    Herr Leuftink Herr Belzl, wenn Sie, wiein Ihrem Vortrag angeklungen, fr denPhysiotherapeuten mehr Eigenstndig-keit ansprechen,was bleibt dann dem Arztan Kompetenz in der Behandlungsfh-rung?

    Herr Belzl Ich mchte damit nicht sagen,dass dem Arzt die Entscheidungskompe-tenz beschnitten werden soll, jedoch den-ke ich, dass in der Auswahl der verschie-denen Behandlungsmethoden die Fach-kompetenz des Physiotherapeuten mitentscheiden sollte.

    Herr Leuftink Insgesamt hat die Physio-therapie heute in der Behandlung von Un-fallverletzten deutlich mehr Spielraum,und das wurde von den Berufsgenossen-schaften auch als richtig erkannt.

    Herr Dr. Krackhardt, wenn Sie in ih-rem Vortrag auf eine bessere Ausnutzungder Rehabilitationsmglichkeiten abge-hoben haben, muss man sich fragen, wa-rum das nicht schon frher realisiert wor-den ist. Ist denn der Weg zum Physiothe-rapeuten so schwer?

    Herr Dr. Krackhardt Nein, das ist nichtso, und ich denke, das Problem liegt eherin der ambulanten Behandlung. Wir se-hen den Patienten im Rahmen der am-bulanten Behandlung hufig nur in unse-rer Sprechstunde und haben damit auchnur eine kurze Momentaufnahme. Ichdenke schon, dass wir die Mglichkeitendes Heilverfahrens konsequent ausnut-zen, aber es gibt einfach noch Defizite.

    Akutbehandlung

    F. Maurer Krankenhaus St.Elisabeth, Ravensburg

    Akutbehandlung beendet was nun ?Diskussion mit dem Auditorium

    Deswegen mchte ich auch nochmals aufdie Wichtigkeit von Schulungsmanah-men hinweisen.

    Herr Dr. Mller Nach meiner Erfahrungbesteht immer noch ein Kommunika-tionsloch zwischen BG und dem behan-delnden Arzt. Es heit immer, dass mansich bei der BG melden soll,wenn irgend-welche Probleme da sind,aber ich falle insolchen Fllen bei der BG nicht selten inein Kommunikationsloch.

    Herr Dr. Bischoff Eigentlich ist jeder Ein-zelfall eines solchen Kommunikations-lochs zu viel.Falls wir ein solches Problemerkennen, wird auch sicher umgehendeine Vernderung versucht. Sie mssendavon ausgehen,dass der Sachbearbeitereinfach den schriftlichen Kontakt mit dembehandelnden Arzt gewohnt ist, wir ar-beiten aber daran.Oft ist es aber auch so,dass sich der kleine Sachbearbeiter bei te-lefonischer Kontaktaufnahme mit dembehandelnden Arzt von diesem in Fragegestellt sieht.Ich denke,da bestehen nochProbleme in beiden Richtungen.

    Herr Leuftink In dem neuen Konzept ge-rade zur BGSW ist noch immer ein Ge-nehmigungsvorbehalt fr den Unfallver-sicherungstrger vorgesehen. Gleichzei-tig ist ein schnelles Reagieren des Unfall-versicherungstrgers erforderlich (Ent-scheidung innerhalb von 24 h). Ist dennsolch ein schneller Ablauf berhaupt re-alisierbar und mglich?

    Herr Dr. Bischoff Hier muss man daraufhinweisen, dass der Arzt ja nicht erst beider Entlassung des Unfallverletzten ber-legen sollte,ob im Einzelfall mit EAP oderBGSW weiter zu behandeln ist. Der je-weilige Behandlungs- und auch Rehabi-litationsplan sollte frhzeitig so festgelegtwerden und die Hintergrnde sollten auchso transparent sein, dass rechtzeitig dieEntscheidung ber die Fortfhrung derRehabilitationsmanahmen getroffenwerden kann.

    Herr Dr. Schmickal Ich mchte das Au-ditorium einmal fragen,ob Sie denn Pro-bleme in der Kommunikation mit demUnfallversicherungstrger haben?

    Herr Dr. Schwmmle Ich mchte hierzusagen, dass meiner Meinung nach nicht24 h, sondern 42 h die Regel sind, bis wireine Entscheidung von Seiten der Berufs-genossenschaften haben. Fr die Ent-scheidung, wie es weitergehen soll, brau-che ich auch keinen beratenden Arzt derBerufsgenossenschaft fr die Antragstel-lung.

    Herr Leuftink Dem kann ich so nicht zu-stimmen,denn es bleiben meiner Meinungnach noch gengend Lcken, und demRehabilitationstrger muss eine ber-prfung zugestanden werden.Herr Dr.Bi-schoff hat bereits auf den Indikationska-talog hingewiesen. Im brigen ist dieseEntscheidung innerhalb der 24-h-Grenzenoch gar nicht definitiv fixiert,wir werdenhier noch alle auf dem Prfstein stehen.

    Trauma Berufskrankh 2004 6 [Suppl 1] : S163S164DOI 10.1007/s10039-003-0819-8 Online publiziert: 9. Januar 2004 Springer-Verlag 2004

  • Akutbehandlung

    | Trauma und Berufskrankheit Supplement 1 2004S164

    Herr Prof. Dr. Wentzensen Ich meine, esist einfach eine klare Begriffsbestimmungnotwendig.Die BGSW muss als Anschlussan die Behandlung in der Akutklinik ge-sehen werden.Alles andere sind die klas-sischen stationren Heilverfahren. EinePrfung der Vorgehensweise durch denUnfallversicherungstrger ist legitim.

    Herr Dr. Mller Ich habe in der Verbin-dung mit dem Sachbearbeiter in der Re-gel kein Problem, wenn nicht gerade dieMittagspause betroffen ist.Ansonsten istder Kontakt mit dem Sachbearbeiter gut.Ich mchte aber noch auf den Punkt derberufshelferischen Manahmen hinwei-sen.Diese waren in 2 Fllen angezeigt unddie Unfallverletzten wurden jeweils in derBG-Unfallklinik Ludwigshafen vorgestellt.Hier habe ich aber im weiteren Verlaufberhaupt keine Rckmeldung bekom-men. Ich finde, dass auch in solchen Fl-len der Kontakt mit dem Erstbehandlernotwendig ist.

    Herr Leuftink Ich halte das Vorgehen mitder persnlichen Kontaktaufnahme zumSachbearbeiter des Unfallversicherungs-trgers trotz der angesprochenen Proble-me wegen der Mittagspause fr o.k.

    Herr Dr. Bischoff Es wurde gerade einProblem in der Kommunikation ange-sprochen,wir wissen,dass wir auch an denprimren Behandler eine Rckmeldungmachen mssen, auf keinen Fall soll einbehandelnder Arzt ausgegrenzt werden.

    Herr Dr. Krackhardt Ich sehe durch denVorwurf aus dem Auditorium auch dieBG-Unfallklinik Tbingen mit angespro-chen. Wir geben in der Regel nicht nurdem Versicherungstrger einen Bericht,sondern auch immer dem berweisen-den oder behandelnden Arzt.

    Herr Leuftink Herr Belzl,meinen Sie dassdie Qualifikation der Physiotherapeutenauf dem richtigen Niveau ist? Wie sehensie das Problem der Kommunikation zwi-schen Arzt und Physiotherapeuten?

    Herr Belzl Unser Berufsstand hat dasProblem, dass fr die Dokumentationnoch konkrete Messparameter fehlen. Esist auch nicht ganz eindeutig,welche The-

    rapiefreiheit der Therapeut im Einzelnenhat. Fr bestimmte evidenzbasierte Ver-fahren und Therapien gibt es im Rahmender BG-lichen Behandlung klare Indika-tionen.

    Resmee

    In den verschiedenen Vortrgen und auchden Diskussionsbeitrgen haben sichnicht 1, sondern 2 rote Fden herauskris-tallisiert, die immer wieder zur Sprachegekommen sind:

    1. die Zeitproblematik mit der Forde-rung, im Rahmen des BG-lichenHeilverfahrens Zeitverluste zu ver-meiden und

    2. die Zusammenarbeit der verschiede-nen, an der Behandlung beteiligtenPartner.

    Herr Belzl hat das Problem der verkrz-ten Akutphase in der Behandlung ange-sprochen.

    Ist fr die weitere Zielsetzung derArzt entscheidend?

    Gibt es eine Liste fr die verschiede-nen Indikationen?

    Sollten nicht gemeinsam Arzt undPhysiotherapeut in Kenntnis des Pa-tienten das konkrete Vorgehen festle-gen?

    Fr die EAP ist wichtig, dass der Unfall-verletzte selbst von der Verbesserung sei-nes Zustands berzeugt ist.Insgesamt er-fordern die verschiedenen Verfahren einenoch einfachere Verordnung und aucheine rasche Genehmigung.

    Herr Dr.Krackhardt hat in seinem Vor-trag auf einen wesentlichen Punkt hinge-wiesen: Wann immer im Laufe der Be-handlung ein Zugewinn im Sinn des Fort-schreitens der Rehabilitation fraglich wird,sollte rechtzeitig an eine Vernderung ge-dacht werden.In Bezug auf die BGSW hater die Bedeutung sozialer und organisa-torischer Grnde herausgestellt.

    Dem Vortrag von Herrn Dr. Bischoffwar zu entnehmen, dass der Unfallversi-cherungstrger zusammen mit allen Be-handlungspartnern die Behandlung desUnfallverletzten bestimmt.Das Effizienz-problem wurde angesprochen,es handelt

    sich hier v. a. aber um ein Problem derSchnittstellen und damit auch um ein Pro-blem des Zeitverlusts.Verbesserungsideensind hier bereits umgesetzt oder noch un-mittelbar vor der Umsetzung.

    Wie Herr Leuftink ausgefhrt hat,mussbei sich verndernden Rahmenbedin-gungen der hohe Standard der BG-lichenBehandlung erhalten werden.Die Schnitt-stellenproblematik im bergang von derAkut- zur Nachbehandlung wurde ange-sprochen.Die sachliche Entscheidung frdie verschiedenen Mglichkeiten der Phy-siotherapie der EAP oder des BGSW er-fordert die Zusammenarbeit aller.Die Re-aktionszeit muss auf allen Ebenen nochverringert werden.

    Korrespondierender AutorProf. Dr.F. Maurer

    Krankenhaus St. Elisabeth,Elisabethenstrae 15, 88212 RavensburgE-Mail: fmaurerpddr@t-online.de

    Interessenkonflikt: Der korrespondierende Autor

    versichert, dass keine Verbindungen mit einer Firma,

    deren Produkt in dem Artikel genannt ist, oder einer

    Firma, die ein Konkurrenzprodukt vertreibt,

    bestehen.

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