1+1=1 – eine Torheit?

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    06-Jun-2016

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  • R T S E L | M AG A Z I N

    2011 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim www.biuz.de 2/2011 (41) | Biol. Unserer Zeit | 139

    R T S E L

    1+1= 1 eine Torheit?

    scher Zugehrigkeit Zuckeralko-hole (beispielsweise Ribit, Erythritoder Sorbit) oder Glucose, die My-kobionten revanchieren sich bei-spielsweise mit Mineralien undWasser. Der Mykobiont kontrolliertdie Zellteilungsraten der Photobi-onten und gibt ihnen einen Le-bensraum, in dem Feuchtigkeits-schwankungen und Lichtklima ge-dmpft werden. Ein Resultat ist einganz langsames Wachstum, dasaber auch unter Extrembedingun-gen sei es in ber 7000 m Hheim Himalaya oder in Trockentlernder Antarktis stattfinden kann.

    Etwa 20% aller heute bekann-ten Pilzarten sind am Aufbau derhier diskutierten Symbiose betei-ligt, die Mehrzahl sind Ascomyce-ten. Natrlich wissen Sie sptes-tens jetzt, dass es sich um Flechtenhandelt, aber welche Organismen-

    Bis zur Mitte des 19. Jahrhundertssah man die Organismen, von de-nen in diesem Rtsel die Rede ist,als Pflanzen an. Das bezweifelteder Schweizer Botaniker SimonSchwendener, und nach mehrjhri-gem, sorgfltigem Arbeiten in Mn-chen prsentierte er 1867 vorFachkollegen und zwei Jahre spterin seiner Rektoratsrede an der Uni-versitt Basel eine abweichendeVorstellung. Die kugeligen Zellen,die auf dem rasterelektronenmikro-skopischen Bild auf dieser Seite zusehen sind, hatte man als Fort-pflanzungszellen der Pflanze an-gesehen, Schwendener interpre-tierte sie als Partner in einer Sym-biose. Von einer der fhrendenAutoritten, Wilhelm Nylander, aufden noch heute gebruchliche che-mische Bestimmungstechniken zu-rckgehen, wurde die neue Inter-pretation als Stultitia Schwendene-riana (stultitia = lat.: Torheit,Einfalt) gegeielt.

    Heute wissen wir, dass Schwen-dener etwas Wichtiges entdeckthatte: eine Symbiose zwischen My-kobiont (der entspricht demFlechtwerk auf dem REM-Bild) undeinem oder auch zwei Photobion-ten (das sind die Kugeln auf demREM-Bild). Aus wenigstens zweiPartnern entsteht eine neue Orga-nisationsform, ein kooperativesSystem, das sich in der Evolutionals uerst erfolgreich erwiesenhat, aber empfindlich auf die Im-missionen unserer anthropogenenWelt reagiert. Temperaturen bis un-ter minus 170C wurden im Expe-riment lebend berstanden, imTrockenzustand auch Temperatu-ren ber 80C ber dem Gefrier-punkt sowie Ausflge ins Weltall.Mittlerweile kennt man um die20.000 Arten; allein in Mitteleu-ropa wurden etwa 2000 festge-stellt. Die Photobionten liefern ih-rem Partner je nach systemati-

    gruppe, zu der beispielsweise Tre-bouxia, Chlorella und Trentepoh-lia gehren, stellt die Mehrzahl derPhotobionten (Frage 1)? Eine Min-derheit wird von Cyanobakteriengestellt, beispielsweise Nostoc undGloeocapsa.

    Bekannte Flechten-Gattungensind Evernia (zur Parfm-Herstel-lung genutzt), Roccella (darauswird Lackmus hergestellt) und Cla-donia (als Schmuck auf Dauerkrn-zen verwendet). Wie aber heit diebei uns so hufige grn-gelbeFlechte, in deren Innenleben dasREM-Bild Einblick gewhrt (Fra-ge 2)? In BIUZ 5 (2010) ist sie aufS. 322 in toto zu sehen. Sie gehrtselbst in unseren Stdten zu denoft anzutreffenden Formen.

    Volker Storch, Universitt Heidelberg

    Schicken Sie bitte Ihre Lsung bis zum 28. Mai 2011 an die Redaktion Biologie in unserer Zeit, Fhrenweg 6, D-68305 Mannheim. Bitte keine Postfach-Anschriften angeben! Verlost wird dreimal...

    In Heft 1/2011 suchten wir:1. Weberknechte (Opiliones)2. Webspinnen (Araneae)

    Gewonnen haben Dr. S. Siebert, Mnchen J. Sswat, Gleichen S. Hoc, Olching

    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

    A B B . Myko-bionten undPhotobionten,die uns in derStadt auf Schrittund Tritt begeg-nen knnen.

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