09 Theologische Sommer Akademie Giessen (2001) Berufung zur Liebe.pdf

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9th Theological Academy in Giessen (2001) Called to Love

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BERUFUNG ZUR LIEBE9. Theologische Sommerakademie in Dieen 2001

Ehe Familie Ehelosigkeit

Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Dizese Augsburg e. V.Gerhard Stumpf (Hrsg.)

Berufung zur Liebe

Ehe Familie Ehelosigkeit

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Die Deutsche Bibliothek CIP-Einheitsaufnahme

Berufung zur Liebe: Ehe Familie Ehelosigkeit Theologische Sommerakademie Dieen 2001 Veranstalter: Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Dizese Augsburg e. V. Hrsg.: Gerhard Stumpf Landsberg, Eigenverlag: Initiativkreis, 1. Auflage Dezember 2001 ISBN 3-9808068-0-4

Copyright 2001 Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Dizese Augsburg e. V. Alle Rechte vorbehalten

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Satz und Layout: Gerhard Stumpf Druck: Egger Satz + Druck GmbH Landsberg Fotos von der Theol. Sommerakademie: C. Schlotmann, H. Marx Umschlaggestaltung: Gerhard Stumpf 2

InhaltsverzeichnisVorwort des Herausgebers Gruwort Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz Die Verankerung von Ehe und Familie im Grundgesetz Norbert Geis Ehe und Familie im Zugriff moderner Ideologien Hans Thomas Die beiden Grundbezge des Menschen: Gott und Mensch, Mann und Frau Joachim Piegsa Die Ehe weltlich Ding oder Sakrament Anton Ziegenaus Die Ehelosigkeit des Klerikers Adalbert Keller Ehe und Ehelosigkeit ihre gegenseitige Zuordnung Ursula Bleyenberg Auf dem Weg zur Ehe Clemens Breuer De-facto-Lebensgemeinschaften Ppstlicher Rat fr die Familien 5

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Die Lebensalter nach Romano Guardini Manfred Lochbrunner Verliert die Ehe ihre schpfungsgeme Exklusivitt? Joachim Kardinal Meisner

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Predigten und Betrachtungen Die verwandelnde Kraft des Glaubens Leo Kardinal Scheffczyk Maria Jungfrau, Braut und Mutter Markus Hofmann Die Berufung des Christen zur Heiligkeit Anton Ziegenaus Die Muttergottes das personifizierte Evangelium Joachim Kardinal Meisner Das adventliche Tor Gedanken zur Wieskirche Ludwig Gschwind

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Die Autoren

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VorwortDie Zukunft einer Gesellschaft hngt von der Familie ab, die in der Ehe grndet. Dies ist die Erfahrung der Menschheit, dies lehrt die Geschichte. Vlker erleben ihren Aufschwung und ihren Niedergang mit dem Ma der Wertschtzung der Familie. In der Gegenwart scheint die Ehe, und damit auch die Familie, mehr und mehr entwertet zu werden. Darauf deutet einerseits das Verhalten vieler Menschen in der Gesellschaft. Die Ehe steht nicht mehr hoch im Kurs. Nichteheliche Lebensgemeinschaften, zwar noch eine Minderheit, werden durch eine starke Lobby gesttzt. Andererseits werden durch politische Manahmen und Gesetze Verhltnisse gefrdert, die die Ehe und Familie zurcksetzen. Zuletzt wurde widernatrliches Verhalten durch die sog. Homo-Ehe-Gesetzgebung salonfhig gemacht. Schwerer Schaden wurde dadurch der Ehe und Familie in der ffentlichkeit zugefgt. In dieser Situation muss die Kirche die Wahrheit ber den Menschen, die Ehe und Familie unbeirrt verknden. Sie sttzt sich dabei auf die Erkenntnisse, die sie aus der Natur des Menschen gewinnt, und lsst sich von der Offenbarung leiten, die Jesus Christus gebracht hat. Die Offenbarung ist der oberste Mastab fr die Christen. Alle anderen Versuche, den Menschen ohne Gott verstehen zu wollen, bleiben unzulnglich. Die neunte Theologische Sommerakademie in Dieen befasste sich mit Ehe, Familie und Ehelosigkeit unter dem christlichen Aspekt der Liebe, zu der jeder Mensch in seinem Leben berufen ist. Dabei wurde deutlich, dass auch die Ehelosigkeit nur gelebt werden kann, wenn in dieser Lebensweise die Liebe Gottes und die recht verstandene Liebe zu den Menschen verwirklicht wird. Ehe, Familie und Ehelosigkeit sind geistig-geistlich miteinander verbunden. 5

Oftmals sehen sich katholische Eltern in der Diskussion mit ihren Kindern nicht in der Lage, die katholische Ehe und Familie gegenber nichtehelichen Lebensgemeinschaften argumentativ zu vertreten. So drfte es ntzlich sein, im Zusammenhang der Gesamtthematik einen Beitrag des Ppstlichen Rates fr die Familie einzufgen, der sich mit den De-facto-Lebensgemeinschaften befasst. In die Tagung war in harmonischer Weise die Feier der Liturgie und eine Wallfahrt zum Gegeielten Heiland in der Wies integriert. Deshalb finden sich in diesem Band auch Predigten und eine Betrachtung zur Wieskirche. Besondere Akzente im Ablauf und in der inhaltlichen Ausgestaltung der Tagung setzten Joachim Kardinal Meisner, der sich in der ffentlichkeit gerade in jngster Zeit zu Ehe und Familie sehr deutlich zu Wort meldete, und Leo Kardinal Scheffczyk, der seit der ersten Dieener Sommerakademie zentrale Themen behandelte. Anfang des Jahres erhielt er von Papst Johannes Paul II. die Kardinalswrde. Die Konzeption und Moderation der Akademie bernahm Professor Dr. Dr. Anton Ziegenaus, die Organisation der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Dizese Augsburg. Gerhard Stumpf

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GruwortVerehrte Teilnehmer der Theologischen Sommerakademie, als Bischof der gastgebenden Dizese Augsburg heie ich Sie herzlich in Dieen am Ammersee willkommen. Sie tagen im Schatten des prchtigen Marienmnsters, in dem unsere Vorfahren uns ein eindrucksvolles Zeichen ihrer Glaubensfreude hinterlassen haben. Die Sorgfalt und nicht geringen Kosten, die in den 80er Jahren zur Renovierung dieses herrlichen Gotteshauses und seines Umfeldes aufgewendet wurden, lassen erkennen, dass den Glubigen auch heute noch die Kirche etwas wert ist! Sie widmen sich in der diesjhrigen Theologischen Sommerakademie einem Thema, das durch die jngsten Vorgnge in unserer Gesellschaft von hchster Aktualitt ist. Welchen Stellenwert besitzt die Bestimmung unseres Grundgesetzes, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen (vgl. Art. 6)? Es geht nicht darum, irgendwelche Privilegien gar kirchliche oder katholische Sonderansprche zu verteidigen. Ein Staat, der die Familie vernachlssigt, wird zum Totengrber seiner eigenen Zukunft, denn die Familie ist nach den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils die Grund- und Lebenszelle der Gesellschaft. Wir wissen alle, dass die Familie in unserer Zeit mehr denn je groen Belastungen ausgesetzt ist. Gott sei Dank, es gibt auch heute viele christliche Ehen und Familien, die gelingen. Getragen vom Glauben und verwurzelt im Sakrament der Ehe, erfahren sie die fortdauernde Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte, der ihnen hilft, im Miteinander und Freinander auch Spannungen zu ertragen und Krisen zu berwinden. Daneben aber wchst in bengstigendem Mae die Zahl der gescheiterten Ehen und zerbrochenen Familien auch unter praktizierenden 7

Katholiken. Die Scheidung erfolgt manchmal schon nach wenigen Ehejahren, zunehmend aber auch nach fnfzehn, zwanzig und mehr Jahren gemeinsamen Lebens. Gleichzeitig nehmen die kirchlichen Eheschlieungen immer mehr ab, das Zusammenleben ohne Trauschein ist lngst gesellschaftsfhig geworden. Und wie urteilen junge Menschen ber Ehe und Familie? Umfragen besagen, dass sie auf der einen Seite stabile partnerschaftliche Treue in Liebe und Geborgenheit als einen hohen Wert ansehen, ja sie bekunden eine tiefe Sehnsucht danach. Auf der anderen Seite aber schrecken viele von ihnen vor einer auf Dauer angelegten Bindung in der Ehe zurck oder fhlen sich durch eine solche Bindung berfordert. Diese Kluft zwischen Sehnsucht und gelebter Wirklichkeit erfllt mich mit tiefer Sorge. Viele Familien stehen vor ernsten finanziellen Problemen. Vor allem junge Familien tun sich schwer, eine ihren Bedrfnissen und finanziellen Mglichkeiten entsprechende Wohnung zu finden. Das gilt erst recht fr kinderreiche Familien. Die nicht immer frei gewhlte Mehrfachbelastung durch Berufsttigkeit, Haushalt und Kindererziehung stellt oft an die Eltern, besonders an die Frauen und Mtter, hohe Anforderungen. Alleinerziehende Mtter oder Vter sind hier besonders belastet. Nicht selten erschweren aber auch zu hohe Erwartungen an den Partner bzw. die Partnerin, ein bersteigerter Drang nach individueller Selbstverwirklichung, der Wunsch nach mglichst umfassender Unabhngigkeit ein Gelingen von Ehe und Familie. Negative Leitbilder und die Art und Weise, wie Liebe und Treue oft in den Medien dargestellt werden, erhhen die Verunsicherung. Die Forderungen nach einem ehe- und familienfreundlicheren Klima in unserer Gesellschaft richten sich an die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir sind aber auch selbst als Pfarrgemeinden, Verbnde oder Gruppen, aber auch als Einzelne in die Pflicht genommen. Wie lebendig ist, wie weit trgt der Glaube an die Sakramentalitt einer christlichen Ehe? Was tragen wir dazu bei, Ehen und Familien zu frdern, zu untersttzen, ihnen beizustehen, gerade auch dann, wenn sie mit Problemen zu ringen haben? 8

Der Familienbund in unserer Dizese schreibt seit 1997 alle zwei Jahre einen Wettbewerb familienfreundliche Pfarrgemeinde aus. Dabei werden jeweils zehn Pfarreien unterschiedlicher Gre (und daher mit unterschiedlichen Mglichkeiten) ausgezeichnet. Dieser Wettbewerb zeigt, wieviel mit etwas Phantasie und Engagement den Familien, zumal auch den kinderreichen Familien, geholfen werden kann. Das katholische Verstndnis von Ehe und Familie zeigt ein hohes Ideal auf, das allen ein stndiges Ringen und Mhen abverlangt. Der Christ, der sein Leben in Ehe und Familie so begreift, muss sich auf einen stndigen Wachstumsprozess einlassen. Denn die Liebe, die Ehepartner sowie Eltern und Kinder aneinander bindet, ist keine fertige Gre. Es gilt, sie immer neu, in stndig wechselnden Situationen, zu lernen und einzuben. Liebe muss sich in Ehe und Familie bewhren in der Freude darber, einander geschenkt zu sein, im dauernden Mhen um gegenseitiges Verstehen, in der Bereitschaft, einander zu sttzen und zu ertragen, zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten, im Zurcknehmen eigener Ansprche, damit auch andere wachsen und sich entfalten knnen, im festen Willen, in frohen und in schweren Tagen in unverbrchlicher Treue zueinander zu stehen. Wo dies, wenigstens bruchstckhaft und ansatzweise, immer wieder gelingt, wird die Familie zu einer Hauskirche, in der der Herr mit seiner Liebe anwesend ist und in der Kraft des Ehesakramentes wirksam bleibt. Ich wnsche und hoffe, dass Ihre Sommerakademie den Ehen und Familien, aber auch den Ehelosen, wieder neue Impulse schenkt, ihr Leben als Berufung zur Liebe zu verstehen und zu gestalten. Augsburg, am Gedenktag der heiligen Monika, 27. August 2001

Viktor Josef Dammertz, Bischof von Augsburg

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Die Verankerung von Ehe und Familie in der VerfassungNorbert Geis

1. Der Rang von Ehe und Familie bei den politischen Parteien

1.1 Der Stellenwert von Ehe und Familie in der Union Nach den Programmen der Parteien, den Reden im Bundestag und den Erklrungen fhrender Politiker darf man den Eindruck haben, dass die Familienpolitik eine zentrale Bedeutung in der deutschen Politik einnimmt. Jede politische Partei, die etwas auf sich hlt und sich nicht nur als Vollstrecker einer bestimmten Klientel versteht, sondern versucht, dem Gemeinwohl wenigstens dem Programm nach zu dienen, hlt es fr wichtig, sich in der ffentlichkeit fr die Familien einzusetzen und immer wieder ein entsprechendes politisches Programm fr die Frderung der Familien vorzulegen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat die Frderung von Ehe und Familie von je her zu einem Schwerpunkt ihrer Politik gemacht und hat in ihrer Regierungszeit viel durchsetzen knnen: Wohnungsbaugesetz mit familienfreundlichen Komponenten, Einfhrung und Weiterentwicklung des Kindergeldes zum dualen Familienlastenausgleich, Einfhrung von Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub, Anrechnung von Erziehungszeiten bei der Rente und viele weitere familienpolitische Manahmen und Innovationen tragen die Handschrift der Unionsfraktion und der von ihr gestellten Regierungen. 11

1.2 Der Stellenwert von Ehe und Familie in der SPD Auch fr die SPD steht die Familie im Zentrum ihrer Politik. Auf dem SPD-Bundesparteitag in Nrnberg vom 19. bis 22.11.2001 soll ein Leitantrag: Kinder Familie Zukunft verabschiedet werden. Der Leitantrag beginnt mit dem Satz: Chancengleichheit und soziale Sicherheit fr Familien zu schaffen, entspricht dem sozial-demokratischen Verstndnis einer gerechten und solidarischen Gesellschaft. Weiter heit es: In der Familie werden Kultur und Werte vermittelt. Familie ist die erste Instanz fr Sozialisation und Erziehung, in der Persnlichkeits- und Charakterbildung gefrdert werden. Eine ohne Zweifel richtige Bewertung der Familie. 1.3 Der Unterschied zwischen Union und SPD im Verstndnis von Ehe und Familie Allerdings fllt auf und auf diesen Unterschied mchte ich hinweisen , dass in diesem Leitantrag die Ehe als bevorzugte Voraussetzung fr die Familie keine Rolle mehr spielt. Wrtlich heit es: Ein modernes Familienverstndnis respektiert die Vielfalt der Familienformen. Familien sind: Kinder und ihre verheirateten und unverheirateten Eltern, Kinder und ihre alleinerziehenden Mtter oder Vter, Kinder und ihre Adoptiv-, Stief- oder Pflegeeltern, Kinder mit Eltern binationaler und auslndischer Herkunft. Fr die Unionsparteien dagegen gehren Ehe und Familie zusammen. Das von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Prof. Dr. Maria Bhmer vorgelegte Eckpunktepapier der Unionsfraktion zur Familienpolitik, das zur Zeit von der Fraktion diskutiert wird, beginnt mit dem Satz: Ehe und Familie sind zentrale Fundamente unserer Gesellschaft. Damit scheint die Union wieder einmal allein dem Zeitgeist Widerstand zu leisten. In weiten Bereichen der Politik wird also mehr und mehr der Versuch unternommen, die Ehe von der Familie abzukoppeln. Die Ehe soll aus dem besonderen Schutz, der ihr zusammen mit der Familie gem Art. 6 GG zukommen muss, herausgelst werden. Dazu passt auch die Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsgesetzes. 12

2. Bevlkerungsentwicklung

2.1 Unzulngliche Geburtenrate Einig sind sich die groen Parteien allerdings, was die berragende Bedeutung der Familie fr unsere Gesellschaft betrifft. Dies kann auch gar nicht anders sein, wenn wir auf die Bevlkerungsentwicklung blicken. Kein vernnftiger Politiker kann ignorieren, dass nur eine gute Familienpolitik diese Entwicklung vielleicht noch ndern kann. Unsere Gesellschaft wird lter. Wir haben eine zu niedrige Geburtenrate. Sie ist von 2,02 Geburten im Jahre 1970 auf 1,37 Geburten je Frau Ende der neunziger Jahre zurckgegangen. Deutschland liegt damit an viertletzter Stelle im europischen Vergleich. Norwegen hat mit 1,86 Geburten pro Frau die hchste Rate in Europa, gefolgt von Dnemark und Finnland mit 1,75, Frankreich mit 1,72, den Niederlanden mit 1,56, Deutschland mit 1,37, Griechenland mit 1,37. Italien mit 1,22 und Spanien mit 1,14 zwei katholische Lnder bilden das Schlusslicht. Die Siebzigjhrigen werden in zwanzig Jahren der strkste Jahrgang in Deutschland sein. Bevlkerungswissenschaft-ler erwarten, dass in den nchsten zwanzig Jahren nochmals bis zu zwanzig Prozent weniger Kinder g...

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