Big Data, Augmented Ubiquity, Quantified Self

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    02-Nov-2014

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Drei Trends mit enormen Auswirkungen auf viele Bereiche unseres Lebens und unserer Arbeit. Big Data bedeutet einen Paradigmenwechsel, wie wir aus Daten Informationen lesen; Augmented Ubiquity ist ein Kunstwort von Bruce Sterling und beschreibt, wie digitale Technologie lngst "den Computer" verlassen hat und uns berall und jeder Zeit umgibt; Quantified Self ist eine Bewegung der "Selbst-Vermessung", alles wird quantifiziert und analysierbar.

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1. Big Data, Augmented Ubiquity, Quantified Self Jrg Blumtritt 2. 2 3. Big Data Paradigmenwechsel in Verarbeitung, Analyse und Interpretation von Daten Von festen Strukturen zu beliebigen Inputs Von vorgefassten Hypothesen zu Mustererkennung Vllig neue Player im Bereich Software und Infrastruktur "Demokratisierung" von Datenanalyse - "Ende des Herrschaftswissens" Wechsel Von Statistik und Business Intelligence zu Data Science Das erste Chart zeigt eine Karte von Berlin, die Eric Fisher aus den Geodaten von Tweets (Blau) und Flickr-Bildern erstellt hat. Es sind die Metadaten, die die interessante Information tragen. Die Karte ist vllig ohne "geografisches Knowhow" entstanden. Dieses Beispiel ist typisch fr Big Data: Strukturen aus Daten erkennen, die nicht explizit dafr gesammelt worden waren. Link: https://www.flickr.com/photos/walkingsf/ (unter Creative Commons-Lizenz cc-by-sa verffentlicht) 3 4. Textanalyse Big Data hat einen enormen Fortschritt in der Verarbeitung von natrlicher Sprache gebracht. Texte werden rein quantitativ analysiert, indem z.B. die Wrter ausgezhlt und anhand der Worthufigkeiten die hnlichkeit zweier Texte berechnet wird. Das folgende Beispiel haben wir aus den Abstracts von Research-Papers erzeugt, die Google in den letzten 24 Monaten verffentlicht hat. Die meisten Paper werden online verffentlicht, sind also leicht fr Analysen zugnglich. Durch eine einfache Cluster-Analyse und Betrachtung der hufigsten Wortpaare knnen wir sofort erfahren, wo die Forschungsschwerpunkte von Google zur Zeit liegen. Dieses Verfahren funktioniert vllig unabhngig davon, ob wir die Sprache verstehen. 4 5. 5 6. Netzwerke Das folgende Beispiel zeigt die Mchtigkeit von Netzwerkanalysen. Wir haben Bilder analysiert, die in Sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook oder auf Insstagram von Nutzern weitergeleitet wurden. Jeder Punkt ("Knoten") ist ein Nutzer, jede Verbindungslinie ("Kante") zeigt an, dass der eine Nutzer ein Bild des anderen mit seinen Freunden geteilt hat, das Bild also weiterverbreitet hat. Allein durch die spezifische Form des Netzwerkes ist es mglich, przise Rckschlsse auf den Inhalt der Bilder zu ziehen. Ohne das Bild "zu verstehen", d.h. ohne irgendwelche komplexe Bildanalyse konnten wir so z.B. Aufrufe zu verbotenen Versammlungen identifizieren, die von den Teilnehmern in Form von abfotografierten, handschriftlichen Zetteln im Netz verbreitet wird. 6 7. 7 8. Werbung Programmatic Buying - der voll automatisierte Einkauf von Werbepltzen und die voll automatisierte Platzierung der Werbung ist die Zukunft der Mediaplanung. Solides Big-Data-Know-How ist die Voraussetzung, hier erfolgreich zu sein und sich nicht "ber den Tisch ziehen zu lassen". Unternehmen, die Big Data im Marketing fr sich einsetzen, werden wesentlich erfolgreicher fr sich werben. 8 9. Reengineering Algorithms 9 10. Intrusion: the next level of Spam 10 11. Augmented Reality Das vorangegangene Bild stammt aus einer Studie, wie sich Werbeagenturen Augmented Reality vorstellen: Alles ist voll mit Werbung, die Wirklichkeit wird von Marketing berlagert. Diese Vision ist vllig an der Realitt vorbei: keine Augmented Reality Plattform wird Werbung in dieser Form zulassen. Aber: in Wahrheit ist unsere Realitt schon berall "augmented": Wir brauchen nicht auf Google Glass zu warten. Wie real und berhaupt nicht "virtuell" diese Augmented Reality ist, sieht man z.B. bei selbstfahrenden Autos (das Bild unten habe ich vor unserem Haus in San Jose, Ca. gemacht; die beiden Google Selfdriving Cars sind kurz daruf selbststndig ausgeparkt und haben sich in den flieenden Verkehr eingeordnet. Die Daten umgeben uns, wie eine zustzliche Dimension, die wir nur mit bloem Auge nicht sehen knnen. Unsere Smartphones sind wie ein Mikroskop, das uns in diese Dimension schauen lsst. 11 12. 12 13. Agents 13 14. Mobile 14 15. 15 16. The Quantified Self Die Bewegung des Quantified Self wurde 2007 von den beiden Wired-Redakteuren Kevin Kelly und Gary Wolf gegrndet. Quantified Self bedeutet "Selbst-Tracking", also sich selbst vermessen. Das ist natrlich gar nicht so ungewhnlich. Die meisten Menschen haben eine Badezimmerwaage. Wir machen Striche an die Wand um die gre unserer Kinder zu dokumentieren. Neu ist, dass man die Daten digital erfassen kann - unter Umstnden sogar kontinuierlich - und dass sich die Daten leicht mit anderen teilen lassen. 60% der US-Amerikaner nutzen Self-Tracking, und auch in Deutschland haben Fitness-Apps wie Runtastic oder Fitbit Millionen von Nutzern. Die meisten Selbst-Tracker geben an, dass es fr sie wesentlich leichter ist, ihr Verhalten positiv zu verndern, wenn sie mit anderen gemeinsam auf die Daten blicken. Quantified Self geht aber weiter: Schlaf-Tracking hilft dabei, Schlafstrungen auf den Grund zu kommen. Jawbone, abieter der erfolgreichsten Schlaftracking-Lsung "Up" wird schon als "Nachfolger von Apple" gehandelt und ist mit ber 1 Mrd. US$ bewertet. Lifelogging - ein visuelles Tagebuch fhren; Gadgets wie der Narrative-Clip machen automatisch alle 30 Sek. ein Bild. Bekannt geworden ist das LIfetracking durch die zahlreichen Videos, die automatische Kameras aus der Windschutzscheibe beim Fahren von dem spektakulren Metor gemacht hatten, der ber Russland explodierte. Dort verlangen Versicherungen, dass Autofahrer ihre Fahrt komplett visuell aufzeichnen. Am intimsten wird Quantified Self, wenn es daran geht, das eigene Genom zu entschlsseln. 16 17. 17 Joerg Blumtritt, Mar 15th 2013 18. 18 19. 19 20. Track your metabolism: piddle 20 21. 21 22. Augmented Reality 22 Joerg Blumtritt, Mar 15th 2013 23. 23 24. 24 25. Genome sequencing 26 26. Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung Die Snowden-Enthllungen haben deutlich gemacht, dass Datenschutz nichts hilft, gegen staatliche berwachung. Schon heute haben die Finanzmter vollen Zugriff auf unsere Konten. Die Voratsdatenspeicherung wurde zwar vom Europischen Gerichtshof vor kurzem fr rechtswidrig und nichtig erklrt. Dennoch werden insbesondere Mobilfunkdaten in unglaublichem Umfang von den Sicherheitsbehrden ausgewertet. Zwei Millionen Funkzellenabfragen gab es 2012 alleine in Schleswig-Holstein! Unternehmen wie Google und selbst das viel gescholtene Facebook scheinen dagegen bis heute relativ pfleglich mit unseren Daten umzugehen - ihre Furcht vor Imageverlust und daraus folgendem wirtschaftlichem Schaden ist zu gro, als dass sie sich Fehler erlauben knnten. Durch die "Heartbleed"-Sicherheitslcke, die im April bekannt wurde, sind Passwrter, vertrauliche Nachrichten und alle mglichen anderen persnlichen Daten im gesamten Internet ber Monate, wenn nicht Jahre mehr oder weniger ungeschtzt zugnglich gewesen, - zumindest fr die, die von der Sicherheitslcke wussten. Datenschutz wiegt uns in falscher Sicherheit, macht uns unaufmerksam. Statt Daten zu schtzen, sollten wir strker auf offene Daten drngen. Wenn jeder Zugriff hat, gibt es kein hierarchisches Geflle mehr,. Wenn wir uns bewusst sind, dass die Daten potenziell von jedem Menschen eingesehen werden knnen, werden wir uns so verhalten, dass wir nicht mehr erpressbar sind. Die Vorstellung von "persnlichen Daten", von Privatheit, ist zu tiefst brgerlich (im wrtlichen Sinne); sie ist dem Wunsch der Brger entsprungen, sich vom Adel abzugrenzen. Wie ffenltich die Aristokratie im Feudalismus lebte, kann man bis heute in den offenen Zimmerfluchten der Barockschlsser bewundern. Fr Menschen auf den Drfern gab es keine Privatsphre. Alle lebsten in einer Kammer zusammen. Erst mit der brgerlichen "Familienwohnung" des 19 Jhd. konnte sich Privatsphre als kultureller Wert entwickeln. Die Digitalisierung ist nicht mehr rckgngig zu machen. Die Vorteile, Daten zu teilen sind so berweltigend, dass die Gesellschaften einen "Datenschutz" oder "Informationelle Selbstbestimmung" wie im 20. Jahrhundert nicht mehr zulassen werden. Lernen wir, damit zu leben! 27 27. "Privacy" 28 Worthufigkeit in englischsprachigen Bchern 28. "Data Protection" 29 Hufigkeit des Suchwortes in der Google Suche 29. 30 30. Cyborg Rights 31 31. Jerg Blumtritt Datarella GmbH Oskar-von-Miller-Ring 36 80333 Mnchen 089/44 23 69 99 info@datarella.com

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