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Zur Durchführung von audiometrischen Balancetests

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  • Arch. Oto-Rhino-Laryng. 214, 143-147 (1976) Archives of Oto-Rhino-Laryngology �9 by Springer-Verlag 1976 Zur Durchfdhrung von audiometrischen Balancetests W. Fritze II. Universit/itsklinik f/ir Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (Vorstand: Prof. Dr. K. Buriafi) Wien, (}sterreich On the Practice of Audiological Balance-Tests Summary. The psychological factors influencing the common test-situation of the ABLB are still unknown. The fact that always on the same ear the intensity is remaining constant and that this intensity is increased in equal steps is no longer due to modern psychological principles of testing. Both - the side and the inten- sity - should be randomized within the given range (both sides and all possible intensities). Therefore the test-procedure is controlled by a computer, which also calculates the significance of the relative recruitment. When the test is finished a diagram is plotted containing the values and the regressionline. Also the monaural test (comparison of two frequencies) is well practicable using the same program, because the incertainty (being greater if the test is more difficult) is included in the statistic calculation. Key words: Fowler-Test -- Kingsbury-Test - Correlation. Der subjektive Vergleich zweier Schallintensit/iten kann monaural (Kingsbury, 1920) und auch binaural durchgefiihrt werden. Wiihrend die monaurale Untersu- chung ffir den Pat. relativ schwierig ist, - was sich in der Unsicherheit des Resultats niederschl/igt (Lid~n, 1962) -- hat die binaurale Balance mit alternierender Anbie- tung derselben Frequenz in der audiometrischen Routineuntersuchung einen festen Platz. Die Durchf/ihrung ist nicht ganz einheitlich: als Bezugsohr -- auf dem die Intensit/it vorgegeben und konstant gehalten wird - wird zumeist das schlechtere Ohr gew~ihlt (Lehnhardt, 1975). Wenn man yon dieser Durchfiihrungsart abweicht, erh/ilt man diskrepante Befunde, die einen deutlichen Einflul3 der Vorgangsweise aufzeigen (Lehnhardt, 1975; Reeker, 1975). Eine Abkl/irung dieses Einflusses er- scheint untersuchenswert, da nicht geniigend bekannt ist, welche Faktoren bei den angegebenen standardisierten Durchfiihrungsarten im Spiel sind. Eine durchaus denkbare Beeinflussung liegt in den psychologischen Gegebenhei- ten: einerseits die Tatsache, dal3 die Bezugsintensit~it immer auf demselben Ohr
  • 144 W. Fntze angeboten wird, andererse i ts das Anste igen dieser Intensit / i ten in gleichen Schr i t ten sind Vorgangsweisen , die mit der modernen Testpsycho log ie (Sachs, 1975) n icht zu vere inbaren sind. Um diese psycho log ischen Faktoren auszuscha l ten, ist es erforder- l ich sowohl das Bezugsohr , als auch die Bezugsintensit / i t zu randomis ieren, also unter den gegebenen MSgl ichkei ten (beide Ohren , alle mSgl ichen Intens i tgten) nach den Gesetzen des Zufal les abzuwechse ln . Au l3erdem sollte der Pat. selbst die Inten- sit/it au f dem jeweils gegenf iber l iegenden Ohr einstellen, da eine Beeinf lussung durch den Aud iometr i s ten zu bef / i rchten ist, wenn dieser nach Ze ichen des Pat. das Audio- meter einstellt. Dadurch kSnnte die Fehlerbre i te der Untersuchung verwischt wer- den, d .h . eine grSl3ere Pr/ iz is ion vorget / iuscht werden. Methodik Verwendet wurde ein Peters Audiometer AP 6 und ein Computer Hewlett Packard 2100 A. Der Proband sitzt neben dem Audiometer und greift vonder Seite -- ohne die Skala zu sehen - auf den der jeweiligen Seite entsprechenden Intensit~itsregler (kontinuierliche Intensit/itsver~inderung ohne Einrastung). Der vor dem Get/it sitzende Untersucher steht fiber eine Gegensprechanlage mit einer Hilfsperson in Verbindung, die alas Terminal des Computers bedient (bei Verwendung eines leisen Terminals mit Bildschirm kSnnte die Untersuchung yon einer beim Audiometer sitzenden Person durchgeffihrt werden; auch ist ein direkte Ansteuerung des Tongenerators vom Computer denk- bar). Der gesamte Untersuchungsvorgang wird yore Programm gesteuert, das in der Sprache Basic vom Autor ersteilt wurde. Am Beginn des Tests wird zun~ichst nach der Randomisierungsart gefragt, da aul3er der oben erwghnten Testsitutation insbesondere ffir Studienzwecke auch die Randomisierung nur der Intensit~it bei gleichbleibender Seite, sowie die Simulation der fiblichen Durchffihrung des Fowler- Tests (von einer Seite ausgehend, kontinuierliches Aufsteigen der Intensit~it) mfglich sind. AuBerdem ist auch die freie Eingabe von Daten mSglich -- etwa um die Signifikanz eines in konventioneller Art bereits durchgeffihrten Tests zu fiberprfifen. Danach fragt die Maschine nach Testnummer und Datum und ob der Test monaural oder binaural durehgefiihrt werden soil. Bei monauraler Durchffihrung mfissen dann die Seiten und die beiden Fre- quenzen eingegeben werden, bei binauralem Test die Frequenz. Als weitere notwendige Daten fragt der Computer nach den beiden HSrschwellen und den maximalen Intensit~iten. Danach generiert die Maschine eine vonder Testnummer und dem Datum abh~ingige Anzahl von Pseudozufallszahlen, da sonst durch gleiche Serien von Zufallszahlen der Test manchmal in gleicher Weise ablaufen wfirde (bei verschiedenen Probanden write die Reihenfolge der Seiten sowie die Serie der anzubietenden Intensit/iten gleich). Dann schreibt das Terminal eine Zeile als Uberschrift (Abb. 1) und bestimmt in der Version der vollen Randomisierung - nur diese Art soil hier besprochen werden - auf welehem Ohr der Ton angeboten werden soil. In dem Bereich zwischen der jeweiligen H6rschwelle (+ 10 dB) und der maximal mSglichen Intensit~it wird hierauf eine Gaugsche Verteilung simuliert und in Abh/ingigkeit davon eine Intensit/it bestimmt und ausgedruckt. Diese Intensit/it wird dem Untersucher mitgeteilt und yon ihm auf dem Audiometer ffir das be- stimmte Ohr eingestellt. Der Proband sucht nun selbst, ohne die Skala zu sehen und ohne Beeinflussung durch den Audiometristen (der lediglich gegebenenfalls auf die M6glichkeit des ,,Eingabelns" hinweisen soil) die korrespondierende Lautst~irke (alternierende Anbietung dutch das Audiometer, 500 ms Ton- dauer). Diese wird dem Untersucher mitgeteilt und yon ihm in die Maschine eingegeben. Diese be- stimmt nun neuerlich nach Pseudozufallsgesetzen Ohr (Frequenz) und Intensitiit, schreibt es in die n~ichste Zeile und wartet wieder auf die Antwort. Dieser Vorgang wird wiederholt so oft der Audiome- trist es wiinscht (im Programm sind maximal 80 Anbietungen vorgesehen). Ist eine Intensidit zu hoch - etwa weil sie jenseits der Schmerzgrenze liegt - so kann als Antwort 1E5 eingegeben werden -- damit wird vonder Maschine die angebotene Intensit/it ffir das betreffende Ohr (Frequenz) als Maximum fiir weitere Anbietungen angenornmen. Ist die Differenz zwischen den beiden Intensit/iten grSl3er als 60 dB, so werden wegen der M6glichkeit des/,Jberh6rens die Werte nicht berficksichtigt. Unterbrochen wird dieser Lauf des Programms durch die Eingabe 1El0.
  • Zur Durchfiihrung von audiometrischen Balancetests 145 Full randomization? 1 Number? 56 Subnumber? 2 Year? 75 Month? 1 Day? 21 Binaural? 1 Frequency? 2000 On the right ear: Hearing threshold? 40 Maximal intensity? 95 On the left ear: Hearing threshold? 10 Maximal intensity? 108 Frequ/ear, dB Right 79 Right 65 Left 97 Left 68 Right 64 Right 71 Left 48 Left 80 Right 58 Right 63 Left 64 Left 31 Left 55 Right 62 11 3.69 1.41581 0.112603 -- 38.098 4.44999 Input N ? 67 ?51 ? 93 ? 71 4 59 5 60 6 65 7 85 8 44 9 55 10 70 11 50 12 66 13 IEl0 Degr. of freedom T BYX SBYX A -- 18.869 14.544 Sig. in. prom. 0 0 0 0 100 50 50 50 10 10 Punch of datas? 0 Angle Rel. recr. at 11.36 Right ear 8.7 Right ear 9.05 Right ear 10.53 Right ear 9.9 Right ear 9.68 Right ear 9.02 Right ear 8.95 Right ear 9.6 Right ear 9.61 Right ear Datas for testing linearity Zu Abb. 1
  • 146 LEFT 0 100- - I10 - - 100-- 90 - - 80 - - 70 - - 60- - 50- - J401- 30- i 20 - - 10-- W. Fritze 10 2~ 30 /40 50 60 70 80 90 100 110 120 , , i , t , i , , t i i l , * , , B , , I , , I i , i i v v , , l , , , , , , , t l , v t , g , , , , , , , , . , , , . , , , . v l ,0 , , l * - -120 * - -110 - - 100 i - 90 § +* �9 + + 4-t- 4- 4- +~ § - - 8 0 - - 70 - - 60 - - 50 - - 40 - - 30 - - 20 - - 10 0- - * - - - 0 v l l 0 1 ~ l i i v l v , t , l l l 0 , , i , , i l0 ~,0 , , , l , , , , , i , , l l ,10 v , , l ,0 , , , I , , l t , 0 i i , , i i 0 0 10 20 30 40 513 60 70 80 9t3 100 110 120 1RI I~clT Abb. 1. Beispiel eines Testablaufes; die von der Maschine gefragten, also eingegebenen Zahlen sind fettgedruckt. Zun/ichst sind einige Fragen zu beantworten, dann beginnt nach einer Beschriftungszeile der eigentliche Test. Der Computer w/ihlt ein Ohr und eine Intensit~it, die im m6glichen Bereich liegt und wartet dann auf die Antwort. Nach 4 solchen Durchg/ingen werden in der Wartezeit statistische Daten ausgeschrieben. In diesem Fall wurde nach 12 Ermittlungen die l%ige Signifikanz erreicht wobei der Winkel 9,6 ~ 45 ~ unterschiedlich ist. Es handelt sich also um ein signifikantes relatives Recruit- ment Wfihrend dieses Vorganges werden von Schritt zu Schritt die beiden Werte, deren Quadrate und deren Produkt addiert und ab dem vierten Wertpaar werden statistische Berechnungen durchgeffihrt: nach den Formeln der Korrelationsrechnung (siehe Aufstellung) werden der Regressionskoeffizient (byx) sowie sein Vertrauensbereich (Sbyx) berechnet. Beide werden auf Winkelgrade umgerechnet und der Wert der Regression um 1 (das entspricht 45 ~ und damit der Diagonalen in der graphischen Darstel- lung des Tests) vermindert. Der fibrigbleibende Weft der Regression wird durch den Vertrauensbereich dividiert und ist nun als Mag der Signifikanz im Sinne des t der Student-Verteilung (Sachs, 1974) aufzufassen. Die Maschine bestimmt mittels einer im Programm vorhandenen Tabelle die nun noch vonder Zahl der Freiheitsgrade abh/ingige Signifikanz. Ausgeschrieben werden -- gem~iB der Beschriftung - die Zahl der Wertpaare (N), der tausendfache Wert der Signifikanz (der Weft in Promille; 0 bedeutet: kein Trend), der Winkel (die Abweichung yon 45 ~ in der graphischen Darstellung) und zuletzt wird
  • Zur Durchfiihrung von audiometrischen Balancetests 147 angegeben, auf welchem Ohr (bei monauralem Test: bei welcher Frequenz) das relative Recruitment besteht (relativ zurn anderen Ohr, bzw. Frequenz). Erst danach fragt die Maschine den n~ichsten Wert ab. Soll der Test beendet werden - etwa weil das gew/inschte Signifikanzniveau errechnet wurde oder weil der Winkel nicht nennenswert von 45 ~ unterschiedlich ist - so wird (s. o.) der Wert 1E10 als Antwort eingegeben. Danach werden die bis dahin nicht ausgegebenen statistischen Daten, u. a. das a der Formet y = bx + a fiir die Korrelationsgerade geschrieben. Auch werden 3 Datas wiedergegeben, die die Abweichung der Werte von einer Geraden repr/isentierten, um eventuell in einem sp/iteren Rechnungsgang die Abweichung yon der LinearitS_t an einem gr/Sf3eren Datenrnaterial nachzuweisen. Danach fragt der Computer, ob der Outprint der gesamten statistischen Datas ffir die Konservierung auf Lochstreifen (ffir eventuelle sp/itere umfangreiche statistische Berechnungen) gewfinscht wird; im abgedruckten Musterprogramm wird aus Platzgrfinden diese Frage negiert. Als letzter im Programm vorgesehener Schritt zeichnet der Computer auf dem Outprint das Diagramm mit allen gerechneten Wertepaaren (Kreuze), der Regressionsgeraden (Sternen) und der Diagonalen (45 ~ Normalwert, Punk- re). Der Test wurde bisher rnehr als 150mal an norrnalen Personen sowie an Patienten mit Schwerht- rigkeit unterschiedlicher Atiologie durchgefiihrt, wobei sowohl die binaurale als auch die rnonaurale Version verwendet wurden; auch die letztere ist durchaus durchffihrbar, zurnal die vom Pat. hervorge- rufene Ungenauigkeit in der Rechnung beriicksichtigt wird. Ein Vergleich der erw/ihnten verschiedenen Durchffihrungsarten (sieben Untersuchungen pro Per- son) sowie die Reproduzierbarkeit des Tests sollen getrennt dargestellt werden. t - byx- 1 Qx = Sx 2 - (I:x)2 Sbyx n nZxy-ZxZy by x -- nZx2_ Z(x) 2 Syx Sbyx- fQx (~y)2 Qy = ~y2 ___ n S =] /Qy- (Qxy)2 /Qx Qxy = Zxy- s yx I / #-2 n Aufstellung der statistischen Formeln zur Berechnung des t; dieser Wert wird vom Programm in einer als zweidimensionale Matrize vorhandenen Tabelle nachgesehen und die Signifikanz (Trend) wird in Promille ausgeschrieben. Literatur Kingsbury, B.: A direct comparison of the loudness of pure tones. Physical Rev. 29, 588 (1927) Lehnhardt, E.: Die fiberschwellige Audiometrie in der Hand des praktischen HNO-Arztes. Arch. klin. exp. Ohr.-, Nas.- u. Kehlk.-Heilk. 210, 325 (1975) Lid~n, G.: Binaural and monaural measurement of the recruitment phenomenon. Int. Audiologie 1, 194 (1962) Reker, U.: Zum ,,zentralen Lautheitsausgleich" nach Feldmann bei einseitigen Schalleitungsschwerht- rigkeiten. Larynx. Rhinol. 54, 909 (1975) Sachs, L.: Angewandte Statistik, 4. Aufl. Berlin-Heidelb'erg-New York: Springer 1974 Eingegangen am 28. Miirz 1976
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