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Untersuchungen über die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose und die Wirksamkeit des derzeitigen Leukosebekämpfungsverfahrens in Niedersachsen

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  • Zbl. Vet. Med. B, 21, 520-539 (1974) @ 1974 Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg ISSN 0044-4294/ASTM-Coden: ZVRBAZ Aus dem Tierarztlichen Institut der Universitat Gottingen Direktor: Prof . Dr. Dr. h. c. E. Mitscherlich Untersuchungen uber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose und die Wirksamkeit des derzeitigen Leukosebekiimpfungsverfahrens in Niedersachsen Von A. ALBRECHT, E. GARCIA DE LIMA:?), H. GELDERMANN, E. MITSCHERLICH und Fr.-W. SCHMIDT Mit einer Abbildung und 12 Tabellen (Eingegangen am 18. Februar 1974) 1. Einleitung Die Bekampfung der Rinderleukose erfolgt in Niedersachsen zur Zeit auf Grund einer Reihe von Verordnungen, die in ihren Grundzugen folgendes vorsehen: 1. Alle uber 2 Jahre alten Rinder, ausgenommen Mastbullen und Ochsen, werden einmal im Jahr hamatologisch auf Leukose nach einem amtlich vor- geschriebenen Verfahren untersucht. Die Beurteilung der bei den einzelnen Tieren ermittelten Lymphocytenwerte erfolgt nach dem von TOLLE (1965) f i i r die Rasse der Deutschen Schwarzbunten angegebenen Schlussel. 2. Als leukoseunverdachtig wird ein Bestand anerkannt, bei dem inner- halb der letzten 12 Monate bei allen uber 2 Jahre alten Rindern im Abstand von mindestens 6 Monaten 2 Blutuntersuchungen durchgefuhrt wurden, ohne stark erhohte Lymphocytenwerte zu ergeben. Die nach Abs. 1 vorgeschrie- benen jahrlichen Untersuchungen mussen zu demselben Ergebnis fuhren. Tritt bei einem Rind einmal ein stark erhohter Lymphocytenwert auf, so ist durch Wiederholungsuntersuchungen abzuklaren, dai3 dieses Tier nicht an einer per- sistierenden Lyphocytose erkrankt ist. Es diirfen ferner in den letzten 2 Jahren keine Tatsachen bekannt geworden sein, die auf eine Verseuchung des Be- ’$) Stipendiat der FundagHo de Amparo A Pesquisa do Estado de S. Paulo. Adresse: Faculdade de Medicina de Ribeirao Preto, Sp - Brasil. - Die Arbeit wurde durch eine Unterstutzung der Ministerien fur Ernahrung, Landwirtschaft und Forsten der Bundesrepublik und dcs Landes Niedersachsen ermoglicht.
  • Untersuchungen iiber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 521 standes mit Leukose schliefien lassen. In leukoseunverdachtigen Bestanden dur- fen nur Bullen decken, die in leukoseunverdachtigen Bestanden stehen und nur zum Decken von Rindern verwandt werden, die ihrerseits in leukoseunver- dachtigen oder auch in solchen Bestinden stehen, in denen in den letzten 2 Jahren keine Tatsachen bekannt geworden sind, die auf Leukose schliei3en lassen, oder in denen ein staatlich gefordertes Verfahren zur Bekampfung der Leukose durchgefuhrt worden ist. 3. Zucht- und Nutzrinder durfen nur dann auf Viehmarkte, offentliche Tierschauen, Tierversteigerungen und Gemeinschaftsweiden oder in einen an- deren Rinderbestand gebracht werden, wenn durch eine amtstierarztliche Be- scheinigung bestatigt wird, dai3 sie aus einem leukoseunverdachtigen Rinder- bestand kommen. 4. Die Sanierung verseuchter Herden erfolgt z. T. auf behordliche Anord- nung, z. T. auf freiwilliger Basis durch Teilausmerzung oder durch Totalaus- merzung des gesamten Bestandes. Im ersteren Falle werden die leukamisch erkrankten und die mit Tumoren behafteten Tiere mit ihrer gesamten Nach- zucht entfernt. Die Sanierung wird durch die Gewahrung von Entschadigungen Lzw. Beihilfen fur die ausgemerzten Tiere gefordert. Die derzeitigen Bekampfungsmahahmen wenden sich mithin bevorzugt gegen die leukamische Phase der Rinderleukose, die beim klassischen Krank- heitsverlauf der tumorosen Phase voranzugehen pflegt. Die fruhzeitige Erfas- sung leukamischer Krankheitsfalle eroff net die Moglichkeit, die weitere Aus- breitung der Seuche einzuschranken und die Sanierung verseuchter Bestande in Angriff zu nehmen. Aleukamisch verlaufende Tumorosen werden durch dieses Verfahren jedoch erst erfaflt, wenn die Tumorbildung offenbar geworden ist, ein Zustand, der bei innerlich liegenden Tumoren nicht einzutreten braucht. Damit erhebt sich die Frage, in welchem Mafie das derzeitige Bekampfungs- verfahren durch das Auftreten aleukamischer Tumorfalle in seiner Wirksam- keit beeintrachtigt oder gehemmt wird. Leukamische und aleukamische Tumorfalle werden als Krankheitsformen derselben durch ein infektioses Agens hervorgerufenen enzootischen Leukose des Rindes angesehen. Diese Annahme wird durch eine Reihe von Beobachtun- gen gestutzt, nach denen Nachkommen von leukamisch erkrankten Muttertie- ren an der aleukamischen Tumorose und Nachkommen aleukamisch erkrankter Muttertiere an der leukamischen Form erkranken konnen. BEDERKE, TOLLE u. SCHMIDT (1968) stellten 10 Kalber leukamisch er- krankter Kuhe sofort nach ihrer Geburt in Einzelboxen eines Isoliergehoftes auf. Die Tiere erhielten jeweils 11 Kolmtrum einer Kuh aus einem leukose- freien Bestand und wurden anschliei3end rnit dem Milchersatzpraparat Hamo- fac ohne Antibiotica-Zusatz (Fa. Hemo-Mohr, KG, Scheden) aufgezogen. Nach Abschlui3 der Trankeperiode erhielten die Tiere ein den Praxisverhalt- nissen entsprechendes Futter und blieben bis zu einem Alter von 1 '/z Jahren im Laufstall. Alle 14 Tage erfolgte bei ihnen nach den amtlich vorgeschrie- benen Richtlinien eine hamatologische Blutuntersuchung. Eines dieser Tiere, dessen Mutter in einer leukoseverseuchten Herde stand und in 1 mms Blut 19.068 Lymphocyten aufgewiesen hatte, verendete im Alter von 479 Tagen mit ausgedehnten leukotischen Veranderungen in beiden Nieren, im Labmagen, Herzvorhof sowie in zahlreichen Lymphknoten. Bis zu seinem Tode waren bei ihm in 14tagigen Abstanden 34 Blutuntersuchungen durchgefuhrt worden, die alle einen hamatologisch unverdachtigen Befund ergeben hatten. VERTER und GEHRKE (1965) untersuchten in einem geschlossenen Rinder- bestand der Deutschen Schwarzbunten die Ausbreitung der Leukose in 64 Kuhfamilien rnit 803 Tieren. Die uber 2 Jahre alten Tiere des Bestandes
  • 522 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT wurden regelmai3ig alle 3 bis 4 Monate klinisch und hamatologisch auf Leukose untersucht. In 8 Kuhfamilien, deren Mutter leukamisch erkrankt waren, wur- den in der 1. Generation 33 Nachkommen geboren. Von ihnen erkrankten 4 an der aleukamischen Tumorose. In 4 weiteren Kuhfamilien, deren Mutter an aleukamischer Tumorose litten, wurden in der 1. Generation 14 Kalber gebo- ren, von denen eines an der leukamischen Krankheitsform erkrankte. Es kann somit als erwiesen gelten, dai3 beide Krankheitsformen bei einer weiteren Ubertragung die andere abspalten konnen. Unbekannt ist jedoch in welchem Mai3e dieses im groflen epidemiologischen Geschehen der Fall ist. Fur die Wirksamkeit des derzeitigen Bekampfungsverfahrens kann das von grof3er Bedeutung sein. 2. Eigene Untersuhungen Um den Einflufl aleukamischer Tumorfalle auf die Erfolge des derzeitigen Bekampfungsverfahrens abzuklaren, war es erforderlich zunachst die epide- miologischen Besonderheiten der leukamischen und der aleukamischen Form der Rinderleukose zu untersuchen sowie das Ausmaf3, in dem beide Formen einander abspalten. Auf Grund der bei diesen Untersuchungen erhobenen Befunde war d a m eine Analyse der bisherigen Erfolge des Leukosebekimp- fungsverfahrens vorzunehmen. 2.1. Material und Methoden Das fur die Untersuchungen erforderliche statistische Material entnahmen wir einem ,,Tumorregister", das am Tierarztlichen Institut der Universitit Gottingen gefuhrt wird (SCHMIDT et. al. 1970). Seit 1970 werden dem Institut Tumorfalle beim Rind gemeldet, die im Rahmen des Leukosebekampfungs- verfahrens in Niedersachsen ermittelt werden. Diese Meldungen erfassen soweit bekannt den hamatologischen Status der Tumortrager und ihrer Herkunftsbestande sowie die pathologisch-anato- mischen Befunde der Tumorfalle. In Zusammenarbeit mit der Tierseuchenkasse Hannover gelang es dariiber hinaus, die amtlichen Meldungen uber leukotische Tumoren bis zum Jahre 1966 zuruckzuverfolgen. Unvollstandige Daten aus fruheren Jahren liegen zusatzlich aus einigen Bezirken vor. Bis Oktober 1973 kamen insgesamt 4.559 Tumorfalle aus 3.655 Betrieben zur Kenntnis. I n den Jahren 1966-1972 wurden durch das Tumorregister 68,5 O / o der Tumorfalle erfaflt, die an das Niedersachsische Ministerium fur Ernahrung, Landwirtschaft und Forsten gemeldet wurden. Die zu jedem Fall mitgeteilten Daten wurden auf Lochkarten aufgenommen. Zur Auswertung des Materials wurden folgende statistische Methoden herangezogen: I. Der t-Test zur Priifung einer Hypothese uber die Differenz zwischen 2 Haufigkeitsziffern (WEBER, 1967). 2. Die X*-Methode zur Priifung der Unabhfngigkeit der Besetzungs- zahlen einzelner Auspragungen in 2 Tiergruppen mit Hilfe einer Kontin- genztafel (PFLANZAGL, 1966). 3. Bildung des gewogenen arithmetischen Mittels (WEBER, 1967). 2.2. Untersuchungen zur Epidemiologie der leukamischen und aleukamischen Form der Rinderleukose In den folgenden Untersuchungen zahlen zu den leukamischen Tumor- tragern Rinder, die an der Geschwulstform erkranken und hamatologisch eine persistierende Lymphocytose aufweisen.
  • Untersuchungen uber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 523 Alters - gruppe (Jahre) bis 3 3 - 5 5 - 7 7 - 9 uber 9 Sa Als aleukamische Tumortrager gelten Rinder, die an der Geschwulstform erkranken und bei den jahrlich wiederholten hamatologischen Untersuchungen stets normale Lymphocytenwerte aufweisen. Es ist uns bewuflt, dafl bei einigen dieser Tiere ein kurzfristiges, nur wenige Monate wahrendes Leukamiesta- dium bestanden haben kann, das der hamatologischen Feststellung entging (GOTZE et al., 1955). In der praktischen Seuchenbekampfung, die mit jahr- lich wiederholten Blutuntersuchungen arbeitet, zahlen diese Tiere gleichwohl zu den aleukamischen Tumortragern. Gruppe 1 Gruppe 2 Differenz Vergleichsgruppe Leukam. Gruppe Aleukam. Gruppe x2 - Wert n. BOTTGER (1956) abs. % abs. % abs. % 44 3,4 17 343 n. s. 32 64 292 22,l 94 18,2 n. s. 155 31,O 442 33,s 138 26,6 P c l,o % 160 32,O 333 25,2 139 26,8 n. s. 80 16,O 2 09 1 5,a 130 25,l P C 0,l % 73 146 1.320 100,O 518 1040 500 1040 2.2.1. Epidemiologische Besonderheiten der leukamischen und aleukamischen Form der Rinderleukose Fur die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose ist es bedeutungs- voll, ob die leukamische und aleukamische Form der Tumorose sich gleich oder verschieden verhalten hinsichtlich des Alters der Tumortrager, der Ausbrei- tungstendenz der Seuchenfalle in den Bestanden insgesamt sowie bezogen auf die verschiedenen Herdengroflen. Um diese Fragen zu untersuchen wurden aus dem Gesamtmaterial alle diejenigen Falle ausgesucht, die sich einer der beiden folgenden Gruppen zuordnen liei3en: 1. Gruppe (leukamische Gruppe): Bestande, die auf Grund der jahr- lichen hamatologischen Untersuchungen als leukoseverseucht erkannt waren, und in denen nu7 leukamisch erkrankte Tumortrager auftraten. 2. Gruppe (aleukamische Gruppe): Bestande, die auf Grund der jahr- lichen hamatologischen Untersuchungen leukoseunverdachtig waren, und in denen n w aleukamische Tumortrager beobachtet wurden. Anschlieflend wurden diese beiden Gruppen miteinander verglichen. 2.2.1.1. Untersuchungen uber das Alter der Tumortrager in den Gruppen 1 und 2 Gruppe 1 umfai3te Bestande mit der reinen leukamischen und Gruppe 2 Bestande mit der reinen aleukimischen Krankheitsform. Der Gruppe 1 konn- ten aus dem Tumorregister 1320 Tumorfalle und der Gruppe 2 518 Tumor- ereignisse zugeordnet werden. Die Altersverteilung der Tumortrager ist aus Tabelle 1 ersichtlich. Relativ zu den leukamischen Vergleichstieren (Gruppe 1) traten aleuka- mische Tumorfalle (Gruppe 2) in einem Alter zwischen 5 und 7 Jahren seltener (P < 1,0 O / o ) und im Alter von 9 Jahren haufiger (I? < O,1 O / o ) auf. Aus den
  • 524 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT Daten kann mithin abgeleitet werden, dai3 leukamische Tumorfalle in einem signifikant friiheren Lebensalter auftreten als aleukamische (P < 0,l O/O). Da Altersangaben in Jahren nur fur die Tiere bis zu 9 Jahren bekannt waren, konnten die gewogenen arithmetischen Mittel fur die Gruppen 1 und 2 nur fur das Alter bis zu 9 Jahren errechnet werden. In diesem Altersabschnitt waren die Tiere der aleukamischen Gruppe um 0,15 Jahre (etwa 55 Tage) alter als diejenigen der leukamischen Tiergruppe. Wird jedoch die Altersgruppe von iiber 9 Jahren mit der Annahme eines Mittelwertes von 10 Jahren beruck- sichtigt, so erhoht sich diese Zeitdifferenz auf 0,684 Jahre (etwa 250 Tage) und bei Annahme eines Mittelwertes von 11 Jahren auf 0,826 Jahre (etwa 300 Tage). Gegen die Verlafllichkeit des Zahlenmaterials kann eingewandt werden, dai3 es zu einer Zeit erhoben wurde, in der die Seuche nach dem eingangs be- schriebenen Verfahren bekampf t wurde. Durch dieses insbesondere gegen die leukamische Krankheitsphase gerichtete Verfahren wird die Altersverteilung der leukamischen Tumortrager (Gruppe 1) moglicherweise starker beeinflufit als die der aleukamischen (Gruppe 2). Um diesen Einwand zu beriicksichtigcn ist in Tabelle 1 die Altersverteilung von 500 Rindern der Deutschen Schwarz- bunten aufgenommen worden, die wegen tumoroser Leukose in den Jahren vor 1956 aus den Betriebe entfernt wurden (BOTTGER, 1956,). Zu dieser Zeit gab es noch kein Leukosebekampfungsverfahren. Diese Gruppe ist nicht nach leukamischen und aleukamischen Tumorfallen spezifiziert. Ihr gewogenes arithmetisches Mittel liegt jedoch fruher als das der Gruppen 1 und 2. Hieraus kann geschlossen werden, dai3 das gewogene arithmetische Mittel der leu- kamischen Tumortrager (Gruppe 1) wahrscheinlich in einem friiheren Lebens- alter gelegen hatte, wenn die Seuche nicht bekampft worden ware. Die Zeit- differenz zwischen den Mittelwerten der Gruppen 1 und 2 ware so unter dieser Voraussetzung noch groi3er ausgefallen. 2.2.1.2. Verteilung einfacher und wiederholter Tumorfalle in den Gruppen 1 und 2 Betrachtung des Gesamtmaterials Die Frage, ob sich die reine leukamische und die reine aleukamische Form der enzootischen Rinderleukose durch eine unterschiedliche Ausbreitungsten- denz in den Bestanden voneinander unterscheiden, wurde zunachst an Hand der Verteilung einfacher und wiederholter Tumorfalle in den Bestanden der Gruppen 1 und 2 uberpruft. Zu diesen Untersuchungen konnten 1125 Be- stande der Gruppe 1 und 493 Bestande der Gruppe 2 herangezogen werden. Das Auftreten wiederholter Tumorfalle ist naturgemai3 von der Zeit abhangig, die beide Gruppen unter Beobachtung standen. Es war daher zu- nachst zu prufen, ob die Beobachtungszeiten in den beiden Gruppen dieselben waren oder sich voneinander unterschieden. Unter Beobachtungszeit wird die Zeit verstanden, die ein Bestand seit Meldung des ersten hamatologisch untersuchten Tumorfalles unter hamatolo- gischer Kontrolle stand. Diese Maazahl ,,Beobachtungszeit" hat nichts mit der Tatsache zu tun, dai3 viele Bestande schon vor Meldung des 1. Tumorfalles hamatologisch untersucht worden waren. Die Verteilung der Beobachtungs- zeiten in Gruppe 1 und 2 ist in Tabelle 2 dargestellt. Gegeniiber der Gruppe 2 (aleukamische Form) enthielt die Gruppe 1 (leukamische Form) weniger Herden mit einer Beobachtungszeit von 2 bis 3 Jahren ( P < 1,0 O/o bzw. P < 5,O O/O), aber mehr Betriebe mit einer Be- obachtungszeit von 9 Jahren (P < 1,0 O/O). Das fuhrte zu einer geringeren durchschnittlichen Beobachtungszeit bei den aleukamischen Tierbestanden von
  • Untersuchungen iiber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 525 abs. 42 108 167 199 180 175 185 25 44 1.125 Tabelle 2 Verteilung der Beobachtungszeiten in den Gruppen 1 und 2 810 3,7 9,s 17,7 1 48 1 6,O 15,6 16,4 2,2 3,9 1040 Beo bachtungszeit (Jahre) 1 2 3 I 5 6 7 8 9 Sa Gruppe 1 Leukamische Form Tumorereignis einfach I wiederholt 1.125 985 140 Gesamtzahl Gruppe 2 t - Wert und ALeukPmische Form Tumorereignis einfach I wiederholt ''- Wert Gesarntrahl 493 473 [ 20 PC 0,l */. Gruppe 2 Aleukimische Form abs. 19 72 93 82 76 63 72 9 7 493 % 146 1 8,9 16,6 15,4 12,8 146 128 1,4 1040 1 9 Diff. x2 n. s. P c 1 v. n. s. n. s. n. s. n. s. n. s. P C 1 % P < 5 '18 4,40 Jahren gegenuber 4,80 Jahren bei den Bestanden der leukamischen Ver- gleichsgruppe. Die durchschnittlichen Beobachtungszeiten beider Gruppen wei- chen mit einem t-Wert von 3,82 (FG = 1616) hochsignifikant voneinander ab. Die Aufgliederung des gesamten Materials nach einfachen und wiederhol- ten Tumorfallen gibt Tabelle 3 wieder. Die Differenz in der Haufigkeit des Erscheinens von einfachen und wie- derholten Fallen ist mit einem t-Wert von 5,2 (FG = 1616) bzw. einem x2- Wert von 27,06 (FG = 1) hochsignifikant (P < O,1 O/o). Die aleukamische Gruppe unterscheidet sich von der leukamischen Ver- gleichsgruppe in der Haufigkeit des mehrfachen Auftretens von Tumoren in einem Tierbestand. In der leukamischen Gruppe sind 11,2 O / o in der aleuka- mischen Gruppe hingegen nur 4, l O / o der Tumormeldungen wiederholte Falle. Die aleukamische Gruppe ist jedoch nicht so lange beobachtet worden wie die leukamische. Nimmt man an, dai3 sie nicht 4,40 Jahre sondern wie die leu- kamische 4,80 Jahre beobachtet worden ware, so wurde sich in ihr die Zahl der wiederholten Tumorfalle von 20 (4,l O / o ) auf 21,8 (4,4 "0) erhohen. Die Diffe- renz zwischen den wiederholten Tumormeldungen in beiden Gruppen wurde dabei hochsignifikant gesichert bleiben. (P < 0,l V O ) . 2.2.1.3. Verteilung einfacher und wiederholter Tumorfalle in den Gruppen 1 und 2 in Abhangigkeit von der Herdengroae In Tabelle 4 ist angegeben, wie sich einfache und wiederholte Tumorfalle in Gruppe 1 und 2 auf die verschiedenen Herdengroi3en verteilen. In den Betrieben mit 1 bis 20 Tieren waren sowohl in der leukamischen als auch in der aleukamischen Gruppe die Haufigkeiten einfacher Befunde
  • 526 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT HerdegroOe Tierzahl 1 - 5 6 - 10 1 1 - 20 21 - 50 51 - Sa Gruppe 1 Gruppe 2 gesamt einfach mehrfach gesamt einfach mehrfach Leukamische Gruppe Aleukimische Gruppe t - Wert 91 91 0 69 68 1 n. s. 149 1 LO 9 84 80 4 n. s. 292 273 19 1 34 128 6 n. s. 391 333 58 153 118 5 P< 0,l % 199 145 54 46 42 4 P< 0,l 'lo 1.122 982 140 486 466 20 relativ hoch. Von den Betriebsgroi3en ab 21 Tieren an zeigt sich jedoch, dai3 fur die aleukamische Erkrankung ein mehrfaches Auftreten in einem Bestand signifikant seltener ist als fur die leukamische Form. 2.2.2. Die eptdemiologischen Beziehungen der leukamischen zu der aleukamischen Form der Rinderleukose Untersuchungen an den Gruppen 3 und 4 Von Bedeutung fur die E idemiologie der enzootischen Rinderleukose ist weiterhin die Frage, in we f &em Umfang auf dem Wege der Seuchen- ubertragung leukamische Krankheitsfalle zur Entstehung aleukamischer Falle fuhren und in welchem MaBe auf gleichem Wege das Umgekehrte der Fall ist. Zur Klarung dieser Frage wurden aus dem Gesamtmaterial des Tumor- registers die Gruppen 3 und 4 gebildet und miteinander verglichen. Der Gruppe 3 wurden alle Bestande zugeordnet, die auf Grund der hama- tologischen Untersuchung zur Zeit des 1. Tumorfalles als leukoseverseucht erkannt waren, und in denen der 1 Tumortrager leukamisch erkrankt war. Weitere Tumortrfger konnten sowohl leukamisch als auch aleukamisch er- krankt sein. Der Gruppe 4 wurden alle Bestande zugezahlt, die auf Grund der hama- tologischen Untersuchung zur Zeit des 1. Tumorfalles leukoseunverdachtig waren, und in denen der 1. Tumortrager aleukamisch erkrankt war. Weitere Tumortrager konnten auch hier sowohl leukamisch als auch aleukamisch er- krankt sein. Beobachtungszeit (Jahre 1 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Sa Tabelle I Verteilung der Beobachtungszeiten in den Gruppen 3 und 4 Diff. Gruppe 3 Gruppe 4 Leukhische Form Aleuklmische Form abs. % abs. % X2 56 55 25 5'0 n. s. 72 7,o 45 90 n. s. 84 822 49 928 n. s. 128 155 88 177 P c 1 % 178 17,4 80 16,l n. s. 136 133 74 1 4,8 n. s. 147 14,4 55 11,o P< 1 % 160 15,6 70 14,o n. s. 27 47 8 136 n. s. 35 3>4 5 110 n. s. 1.023 roqo 499 1 00,o
  • Untersuchungen iiber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 527 Laufende Nr. des auf den 1. Fall folgenden Turnor- Der Gruppe 3 konnten 1374 Tumorfalle aus 1023 Bestanden und der Gruppe 4 insgesamt 533 Tumorfalle aus 499 Bestanden zugeordnet werden. So wie bei dem Vergleich der Gruppen 1 und 2 (Abschn. 2.2.1.2) war zunachst danach zu fragen, ob beide Gruppen gleich lang beobachtet worden waren. Unter Beobachtungszeit wird hierbei wiederum die Zeit verstanden, die ein Bestand seit Meldung des 1. hamatologisch untersuchten Tumorfalles unter hamatologischer Kontrolle stand. Die Verteilung der Beobachtungs- zeiten in Gruppe 3 und 4 ist in Tabelle 5 angegeben. Gegenuber der Gruppe 4 (aleukamische Form) enthielt die Gruppe 3 (leukamische Form) weniger Herden mit einer Beobachtungszeit von 4 Jahren (P < 1 O/o) und mehr Herden mit einer Beobachtungszeit von 7 Jahren (P < 1 O/o). Die mittlere Beobachtungszeit betrug 5,45 Jahre in Gruppe 3 und 5,06 Jahre in Gruppe 4. Die Zeiten weichen mit einem t-Wert von 3,201 (FG = 1520) signifikant voneinander ab (P < 1 O/o). Die Verteilung der einfachen und wiederholten Tumorereignisse auf leukamische und aleukamische Falle in den beiden Gruppen ist in Tabelle 6 wiedergegeben. Aus der Tabelle ergibt sich folgendes. Gruppe 3 Gruppe L 1. Turnortrager = leukarnisch in 1.023 1. TurnortrPger = aleukarnisch in 499 bis dahin hiirnatologisch positiven bls dahin hiirnatologisch negativen Bestanden Hiirnatologischer Befund der folgenden Turnortrager Tabelle 6 folgenden Tumortrager Zahl und hamatologischer Befund der in den Gruppen 3 urld 4 auf den 1. Tumorfall nicht unter- sucht mPRig stark Sa erhaht erhijht stark Sa nicht normal rniiflig normal aleu- erhSht erhaht kiirnisch leukarnisch sucht kamisch unter- aleu- falles 30 68 16 26 1 10 5 5 2 2 1 1 1 - 1 1 - 2. TurnortrYger 3. 11 4. u 5. 11 6. 11 1. " 8. 11 9. 1' 10. 11 11. 11 12. - 2 1 3 - 1 - 6 - 2 - 2 - 1 - - I Lyrnphocytenzahl I I I Lyrnphocytenzahl I Surnrne in '1, von den harna- tologisch unter- suchten Turnortragern 49 85 23 194 351 4 24 2 4 34 28,2 % 1,6 '1- 64,2 % 80,O % 6,l % 13,3 % 32 59 12 124 221 I 4 22 2 3 31 12 19 1 3 5 2 2 1 1 1 1 In 1023 bis dahin hamatologisch positiven Bestanden (Gruppe 3) folgten auf den 1. leukamischen Tumorfall in 25,5 O/o der Falle weitere Tumoren (351 Falle). In 499 bis dahin hamatologisch negativen Bestanden (Gruppe 4) folgten auf den 1. aleukamischen Tumorfall in 6,4 O/o der Falle weitere Tumor- ereignisse (34 Falle). Bei Berucksichtigung der kurzeren Beobachtungszeit dieser Gruppe erhoht sich die Zahl auf 6,8 O/o (36 Falle). Die Differenz zwischen den beiden Gruppen ist mit einem xz-Wert von 84,35 (FG = 1) signifikant (P < 0,l O/o). Nach einem aleukamischen Tumorfall breitet sich mithin die Iiinderleukose in den Bestanden weniger stark aus als nach einem leukamischen
  • 528 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT Fall. Dasselbe Bild ergibt sich, wenn man die dritten und hoheren Tumorfalle betrachtet. Von der Summe der auf den 1. Tumorfall folgenden Tumortragern gehorten zu den dritten und hoheren Tumorfallen 35,5 O/o in Gruppe 3 und 8,8 O / o in Gruppe 4. Die Differenz ist mit einem x2-Wert von 9,85 (FG = 1) signifikant (P < 1 O / o ) . Von den nach dem 1. Tumorfall auftretenden hamatologisch untersuchten Fallen waren in Gruppe Leukamisch 194 = 64,2 % 3 4 4 = 13,3 % aleukhisch 05 s 242 % 24 = eqo % Das unterschiedliche Verteilungsverhaltnis der auf den 1. Tumorfall fol- genden leukamischen bzw. aleukamischen Tumorfalle in beiden Gruppen ist mit einem X2-Wert von 33,91 (FG = 1) signifikant (I? < 0,l O/O), Auf aleuka- mische bzw. leukamische Tumorfalle folgen mithin bevorzugt gleichartige Tumorfalle. Die ersten aleukamischen Tumorfalle hatten aber in dem vorlie- genden Material nur in 13,3 O/o der Falle leukamische Tumoren zur Folge, wahrend auf die ersten leukamischen Tumorfalle in 28,2 O/o der Falle aleuka- mische folgten. Die leukamische Krankheitsform neigt mithin dam, etwa noch einmal soviel aleukamische Krankheitsfalle abzuspalten, als die aleukamische Form leukamische Falle abspaltet. 2.2.3. Zahlen der in den Bezirken Niedersachsens in den Jahren 1966-1972 beobachteten leukamischen und aleukamischen Tumortrager Um zu ermitteln in welcher Zahl leukamische und aleukamische Tumor- falle in den verschiedenen Bezirken Niedersachsens in den Jahren 1966-1972 aufgetreten sind, wurden zunachst aus dem Tumorregister des Institutes die leukamischen und aleukamischen Tumorfalle geordnet nach Jahren und Be- zirken ohne Rucksicht auf die jeweiligen Bestandssituationen ausgezogen. Die Daten sind in Tabelle 7 zusammengefai3t dargestellt. Insgesamt konnten 2524 Tumorfalle ausgewertet werden, von denen 1334 leukamisch und 1190 aleukamisch waren. Vom Niedersachsischen Ministerium fur Ernahrung, Landwirtschaft und Forsten wurden uns die Zahlen der amtlich gemeldeten Leukosetumorfalle geordnet nach Bezirken und Jahren angegeben. Die Daten sind in Tabelle 8 wiedergegeben. Insgesamt handelte es sich um 4998 Tumorfalle. Die Zahl der durch das Tumorregister erfaaten, hamatologisch diff erenzierten Tumor- falle machte damit 50,5 O/o der amtlich gemeldeten Tumorfalle aus. Aus den Relationen der leukamischen zu den aleukamischen Tumortra- gern, wie sie sich aus Tabelle 7 fur die verschiedenen Bezirke und Jahre er- gaben, wurde errechnet wieviel der amtlich an das Niedersachsische Ministe- rium fur Ernahrung, Landwirtschaft und Forsten gemeldeten Tumorffflle (Tab. 8) wahrscheinlich leukamisch bzw. aleukamisch waren. Diese Zahlen, die einen Aufschlui3 uber die effektiven regionalen und zeitlichen Ab- bzw. Zu- nahmen der leukamischen und aleukamischen Tumorfalle geben sind in Tabelle 9 zusammenfassend dargestellt. Aus diesen Daten kann entnommen werden, dai3 die Gesamtzahl der amtlich gemeldeten Tumorfalle von 886 im Jahre 1966 auf 539 im Jahre 1972 laufend abgenommen hat. An dieser Abnahme sind vor allem die leu- kamischen Tumorfalle beteiligt. Ihre Zahl ist im Jahre 1972 mit 214 Fallen auf 42,3 O/o der im Jahre 1966 gemeldeten Falle (503) abgesunken. Die Zahl der aleukamischen Falle ging bis zum Jahre 1970 (300 Falle) zunachst auf
  • 529 Untersuchungen iiber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose Tabelle 7 Zahl der in den Jahren 1966-1972 an das Tumorregister gemeldeten leukamischen und aleukamischen Tumorfalle aus Niedersachsen ohne Beriicksichtigung der hamatologischen Bestandssituationen I Art des I Jahr I I Aurich I leukam. I o I o I 3 : aleuklm. I 3 I 2 3 9 12 - +-t+j-+ 12 48 Braunschweig leukam. I 2; I 21 aleuklm. 6 Hannover LeukPm. 12 19 26 24 15 10 113 123 I aleukam. 1 16 I 18 I 26 I 16 1 24 1 7 1 167 I I Hildesheim 1 leukarn. I 24 I 24 I 20 I 16 I 11 I 7 1 4 I 106 I aleukarn. I 31 23 17 18 5 135 113 - 7 I 6 I 107 140 99 104 88 779 103 I 93 I 646 Luneburg leukarn. 92 110 110 aleuklm. 73 75 90 Oldenburg Leukarn. 11 4 6 aleu kam. 3 8 7 Osnabruck Leukarn. 7 2 8 aleukam. 14 3 5 Stade leukam. 36 32 40 aleukam. 17 22 21 5 5 7 6 24 23 - - 9 14 6 7 11 16 - - 6 1 4 1 45 137 Tabelle 8 Zahl der an das Niedersachsische Ministerium fur Ernahrung, Landwirtschaft und Forsten in den Jahren 1966-1972 amtlich gerneldeten Tumorfalle Jahr 1969 I 1970 Bezirk Summe 1971 1972 16 15 62 15 19 318 39 68 495 1966 I 1967 I 1968 Aurich Braunschweig Hannover Hi ldeshei m Luneburg Oldenburg Osnabruck Stade 9 32 80 54 4 12 51 21 161 820 - 6 96 96 100 413 24 21 130 886 15 1 50 833 129 67 716 Sa 78,3 O / o der irn Jahre 1966 (383 Falle) gerneldeten Turnoren zuriick. Danach stieg sie jedoch wieder auf 325 Falle irn Jahre 1972 an und erreichte damit 84,9 O/u der im Jahre 1966 aufgetretenen Falle. 2.3 Diskussion und Analyse der Wirksamkeit des derzeitigen Leukosebekamp fungsver~abrens 1. Es wurde beobachtet, dai3 leukarnische Tumorfalle (Gruppe 1 ) durch- schnittlich in einern friiheren Lebensalter auftreten als aleukamische Falle (Gruppe 2, Abschn. 2.2.1.1) Gegen diesen Befund kann geltend gemacht wer-
  • 530 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT Tabelle 9 Gesamtzahl der in Niedersachsen in den Jahren 1966-1972 aufgetretenen leukamischen und aleukamischen Tumoren errechnet aus den Zahlen des Tumorregisters und den amtlichen Meldungen an das Niedersachsische Ministerium fur Ernahrung, Landwirrschaft und Forsten I I I IAnteil der Art des I Tumors 1 1966 I 1967 I 1968 Aurich LeukYm. 0 0 aleuklm 6 5 Braun- LeukYm. 74 66 schweig aleukam. 22 19 Hannover leukdm. 41 40 aleuklm. 55 37 Hildesheim leuklm. 44 35 aleuktim. 56 35 Luneburg leukam. 230 244 aleuklm. 183 166 227 185 Oldenburg LeukYm 24 1 aleukfm. I 'i I 1: 1 27 13 1 886 1 :: 1 820 Gesamtsumme ~ Anteil d. aleuklm. Tumoren von der Gesamtsumme in % 43,2 43,5 Jahr 1969 I 1970 I 1971 26 14 7 20 1 1 8 48 21 23 32 34 16 28 30 17 31 13 16 226 215 167 160 179 166 den. dafi viele an der leukamischen Form erkrankte 5 I 22 I 64,5 '10 147 155 33,3 % 52.7 'I* 195 50,O % 195 1456 45,l % 1194 6 108 54,6 % 22 I 130 I Tiere durch die BekamD- fungsmafinahmen aus den Bestanden eliminiert werden, bevor sie in das Stla- dium der Tumorose eingetreten sind. Fur die aleukamisch erkrankten Tiere trifft dieses hingegen nicht zu. Der zwischen den beiden Gruppen beobachtete Altersunterschied konnte damit eine Folge der Leukosebekampfungsmafinah- men und nicht ein charakteristischer Unterschied der beiden Krankheitsformen sein. Urn diesem Einwand zu begegnen, sind in Tabelle 1 die Daten der Alters- verteilung von 500 Kuhen aufgenommen worden, die nach BOTTGER (1956) wegen tumoroser Leukose aus den Bestanden 9 Jahre vor Anordnung der ersten Leukosebekampfungsmafinahmen ausschieden. Aus diesem durch Be- kampfungsmaflnahmen unbeeinfluflten Kollektiv, das sowohl leukamische als auch aleukamische Tumorfalle beinhaltet, ist zu ersehen, dai3 das durch Be- kampfungsmaflnahmen unbeeinfluflte durchschnittliche Abgangsalter der leu- kamischen Tumorfalle noch friiher liegen mufl, als es die Daten der Gruppe 1 angeben. Beide Formen fuhren nach unseren bisherigen Kenntnissen zum Tode der Tiere. Sie sind mithin beide gleichermaflen schwer. Wenn die leu- kamische Form friiher als die aleukamische zur Tumorbildung fuhrt, so mui3 die Ursache hierfur darin gesehen werden, dai3 die leukamische Phase die Tumorentstehung begunstigt. Gleichwohl hat sic nach den Untersuchungen von SEILS (1964) sowie MEISINGER und MEISINGER (1969) fur sich allein keinen Einflufi auf die Nutz- und Zuchtleistung der Tiere. Wie andererseits die Hohe
  • Untersuchungen iiber die Epiderniologie der enzootischen Rinderleukose 531 der Milchleistung von sich aus keinen Einflui3 auf die Pathogenese nimmt (MEISINGER u. Mitarb., 1971, 1972). 2. Es zeigte sich, dai3 in den Bestanden die Ausbreitungstendenz der reinen leukamischen Form (Gruppe 1) mit 11,2 O / o wiederholten Tumorfallen mehr als doppelt so hoch war wie die Ausbreitungstendenz der reinen aleuka- mischen Form (Gruppe 2) rnit 4, l O / o wiederholten Tumorereignissen (Abschn. 2.2.1.2.). Dieser Befund wurde auch bei einem Vergleich der Gruppen 3 und 4 erhoben. Hier war die Ausbreitungstendenz der anfanglich leukami- schen Form (Gruppe 3) rnit 25,5 O / o wiederholten Tumorfallen etwa viermal so groi3 wie die der anfanglich aleukamischen Form (Gruppe 4) mit 6,s O / o wiederholten Tumorfallen (Abschn. 2.2.2.). Die leukamische Form erweist sich damit als die infektiosere Form. Das erscheint erklarlich, denn in der leukamischen Phase ist das Blut von Lympho- cyten uberschwemmt, aus denen sich das Leukoseagens kulturell isolieren lai3t (SCHMIDT, 1970 a u. b; SCHMIDT u. TIEFENAU, 1972). Der durchschnitt- liche Virusgehalt des Blutes und die damit verbundene Moglichkeit der Aus- scheidung des Agens auf diesem oder jenem Wege durfte deshalb bei der leukamischen Krankheitsform groaer sein als bei der aleukamischen. 3. Die unterschiedliche Infektiositat der beiden Formen ist auch als Grund dafur anzusehen, dai3 sich die leukamische Form in den Bestanden mit steigender Herdengroi3e rascher ausbreitet als die aleukamische Form (Abschn. 2.2.1.3). 4. Das Auftreten von Krankheitsfallen der Rinderleukose ist jedoch nicht nur von der Infektiositat des Erregers abhangig sondern offensichtlich auch von der genetisch veranlagten Resistenz der Wirtstiere. Es gibt zahlreiche sorgfaltige Untersuchungen, in denen nachgewiesen wird, dai3 von der Rinderleukose die Nachkommen bestimmter Bullen oder Kuhe besonders haufig betroffen werden (CROSHAW et al., 1963; MARSHAK et al., 1966). Diese Tatsache kann sowohl auf eine vertikale Obertragung des infektiosen Agens als auch auf eine besondere, genetisch veranlagte Empfang- lichkeit zuriickgefuhrt werden. Beobachtungen dieser Art lassen ihrer Natur nach eine Entscheidung daruber nicht zu, welche von beiden Moglichkeiten im Einzelfall zutrifft, oder ob sie beide zusammen wirksam sind. Das Mitwirken einer besonderen genetischen Veranlagung 1ai3t sich jedoch aus anderen Be- cbachtungen erschliei3en. In der Literatur sind eine groi3ere Reihe experimenteller Obertragungs- versuche beschrieben worden, die alle im Prinzip in gleicher Weise durch- gefuhrt wurden (BEDERKE u. TOLLE, 1964; BEDERKE et. al. 1967, 1970; STRAUB u. WEINHOLD, 1971). Aus Rinderbestanden, die auf Grund mehrjahriger hama- tologischer Bestandsuntersuchungen und sorgfaltig aufgenommener Anamnesen als leukosefrei angesehen werden konnten, wurden gleich nach der Geburt Kalber aufgekauft und in Isolierstallungen unter ebracht. Die Tiere erhielteii und nach Abschlui3 der Trankeperiode das ihrem Alter entsprechende Futter. Die Infektion der Kalber erfolgte in den ersten Lebenstagen entweder durch parenterale Verabreichung von Frischblut bzw. Tumormaterial leukamisch und tumoros erkrankter Kuhe oder durch Verfutterung von Kolostrum und Rohmilch von Kuhen, die teils leukamisch und zum Teil daruber hinaus auch tumoros erkrankt waren. Das Ergebnis von 10 derartigen Obertragungs- versuchen ist in Tabelle 10 dargestellt. In jedem dieser Versuche erhielten 2 bis 10 Kalber, die alle der Rasse der Deutschen Schwarzbunten angehorten, dasselbe Infektionsmaterial. Insgesamt handelte es sich um 49 Versuchstiere. In keinem Versuch war es jedoch moglich mehr als 2/3 der Tiere derart zu in der Regel zunachst 11 Kolostralmilch, anschlie a end ein Milchersatzpraparat Zbl. Vet. Med., Reihe B, Bd. 21, Heft 7 37
  • 5 32 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT Tabelle 10 Ergebnisse von 10 Versuchen innerhalb deren gleiches leukotisches Infektionsmaterial auf Kalber der Deutschen Schwarzbunten ubertragen wurde 1 I Ergebnis des I I in % der Surnrne Virus I t Virulenz Wirf - Ernplonglichkeif - Graphik 1 Hypothese zur Abhangigkeit der Pathogenese der enzootischen Rinderleukose von der Virulenz des Virus und der Empfanglichkeit des Wirtes infizieren, dai3 sie innerhalb einer 2 bis mehrere Jahre wahrenden Beobach- tungszeit leukamisch oder tumoros erkrankten. Im Durchschnitt aller Versuche zeigten 59 O/o aller Versuchstiere keine fur die enzootische Rinderleukose typische Krankheitserscheinungen.
  • Untersuchungen uber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 533 Es mui3 aus diesen experimentellen Versuchen geschlossen werden, dai3 das Auftreten klinischer Krankheitssymptome wesentlich von einer genetisch un- terschiedlich stark veranlagten Resistenz der Tiere abhangig ist. Es ergibt sich hieraus, die in Graphik 1 dargestellte Hypothese zur Abhangigkeit der Patho- genese der enzootischen Rinderleukose von Virulenz des Virus und der Emp- fanglichkeit des Wirtes. Beide Faktoren bestimmen, in welche Phase das Krankheitsgeschehen bei dem einzelnen Tier ausmundet. Die 1. Phase ist dadurch gekennzeichnet, dai3 die Tiere keine Tumoren aufweisen und bei der hamatologischen Untersuchung normale Lymphocyten- werte zeigen. In dieser Phase befinden sich einerseits Tiere, die im Inkubations- stadium stehen und spaterhin in die 2 oder auch 3 . Phase ubertreten konnen, und zum anderen Tiere, die eine subklinische oder latente Infektion durch- machen. Bei subklinischen Infektionen wird das infektiose Agens letztlich im Wirt vollstandig inaktiviert. Bei latenten Infektionen ist der Wirt uber langere Zeit Trager des infektiosen Agens oder dessen Genoms. Die Ver- mehrung des Erregers im Wirt und seine Ausscheidung sind gering. Es ent- stehen keine klinischen Folgen fur den Wirt. Es unterbleibt jedoch auch eine intensive Abwehr des Wirtes, die zu einer Vernichtung, Eliminierung oder Neutralisierung des Erregers fuhren konnte (MAYR et al., 1969). Diese 1. Phase wirkt sich bei der Bekampfung der Rinderleukose offen- sichtlich nicht storend auf die Bekampfung der leukamischen Krankheitsform aus. Die Abnahme der leukamischen Tumorfalle in den Jahren 1966-1972 ist gut (s. Tab. 9). Es darf angenommen werden, dai3 dasselbe auch fur die aleukamischen Krankheitsfalle zutrifft. Die 2. Phase ist bei den leukiimischen Krankheitsfallen durch eine per- sistierende Lymphocytose gekennzeichnet. Diese durch eine besonders hohe In- fektiositat ausgezeichnete Krankheitsform wird durch das Bekampfungsverfah- ren erfai3t. Bei den aleukiimischen Krankheitsfallen der 2. Phase wird die per- sistierende Lymphocytose nicht beobachtet, sei es, dai3 sie tatsachlich nicht vor- handen ist wie in dem von BEDERKE, TOLLE u. SCHMIDT (1968) beschriebenen Fall und entsprechend der Definition von SEILS (1964), oder sei es, dai3 sie zu kurzfristig (GOTZE et al., 1955) oder auch zu geringgradig ist. Die aleuka- mischen Erkrankungsfalle der 2. Phase entgehen dem Bekampfungsverfahren. Bei dem von BEDERKE, TOLLE und SCHMIDT (1968) beschriebenen, hamatologisch sorgfaltig kontrollierten aleukamischen Tumorfall lagen ausgedehnte leuko- tische Veranderungen in beiden Nieren, im Labmagen, Herzvorhof und in zahlreichen Lymphknoten vor. Diese disseminierte Tumorose lai3t sich nur durch eine Verbreitung des Virus im Wirtsorganismus mit dem Blut- und Lymphstrom erklaren. Damit sind aber auch alle Voraussetzungen fur eine Ausscheidung des Agens gegeben, die in dieser Phase auch bei den aleukami- schen Fallen haufiger und starker stattfinden durfte als es in der 1. Phase des Krankheitsgeschehens vermutet werden kann. Die aleukamischen Falle der 2. Phase durften zu einem wesentlichen Teil d a m beigetragen haben, dai3 die Zahl der aleukamischen Tumorfalle (3. Phase) von 1966 bis 1972 in unbefriedigendem Mai3e zuruckgegangen ist (s. Tab. 9). Hier durfte eine Infek- tionsquelle liegen, die durch das Bekampfungsverfahren nicht erfai3t wird. In der 3. Krankheitsphase kommt es schliei3lich zur Ausbildung von leu- kamischen bzw. aleukamischen Tumoren. Die Infektiositat der leukamischen Tumorfalle mui3 hierbei hoher veranschlagt werden als die der aleukamischen Falle. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dai3 die aleukamischen Tumorfalle langer als die leukamischen in den Bestanden stehen bleiben, weil bei ihnen kein Blutuntersuchungsergebnis vorliegt, dai3 Anlai3 zu einer fruhzeitigen sorgfaltigen klinischen Untersuchung gibt. Auch dieses Moment, dai3 aleuka-
  • 534 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT mische Tumorfalle klinisch erst relativ spat erkannt werden, mag dazu bei- tragen, dai3 die Tilgung dieser Krankheitsform nach dem derzeitigen Verfah- ren unbefriedigend ist. 5. Es zeigte sich bei einem Vergleich der Gruppen 3 und 4 (Abschn. 2.2.2 dai3 die leukamische Krankheitsform bei weiteren Ubertragungen etwa no $I einmal soviel aleukamische Falle abspaltet als die aleukamische Form ihrer- seits leukamische Falle entstehen laat. Diese Ungleichgewicht mag als weiterer Grund dafiir angesehen werden, dai3 die Zahl der aleukamischen Falle relativ zu den leukamischen zunimmt. 6. Gegen die Verlai3lichkeit des Zahlenmaterials der aleukamischen Tumoren ist eingewandt worden, dai3 in dieses Material auch Tumoren anderer Art wie Karzinome, Sarkome u. s. w. Eingang gefunden haben konnen. Es ist also die Frage, wie hoch der Prozentsatz der Fehldiagnosen in der Gruppe der aleukamischen Tumorfalle sein kann. Nach den Daten des Tumorregisters wurden an die zustandigen Untersuchungsamter Niedersachsens von 24 1 hamatologisch negativen Tieren Tumor- bzw. Organproben zur histologischen Untersuchung auf Leukose eingesandt. Hierbei wurden festgestellt in 223 Fal- len (92,5 "0) Leukose, in 6 Fallen (2,5 O / o ) Leukoseverdacht, in 4 Fallen (1,7 " 0 ) Tumoren anderer Art und in 8 Fallen (3,3 O / o ) andere Erkrankungen. Der Prozentsatz der Fehldiagnosen liegt damit allenfalls bei 5,O O / o . Er vermag die Verlai3lichkeit des Zahlenmaterials in keiner Weise zu beeintrachtigen. 7. Die relative Zunahme der aleukamischen Tumorfalle 1ai3t sich als Trend in allen Bezirken des Landes Niedersachsen mit Ausnahme des Regie- rungsbezirkes Aurich nachweisen. Tabelle 11 gibt einen Oberblick uber die absoluten Zahlen der aleukamischen Falle und ihren prozentualen Anteil an der Gesamtzahlt der Tumorfalle in den verschiedenen Bezirken in den Jahren 1966/67 und 1971/72. Aus Tabelle 11 geht dieser Trend klar hervor. Bezirk Aur ich Braunschweig Hannover Hildesheim LUneburg Oldenburg Osnabrijck Stade Sa 1966 I67 1971 I72 in % aller in % aller absolut absolut TumortFaLLe TumorfiIlLe 1 1 1040 18 58,l 41 257 16 47,l 92 53,2 63 58,s 91 535 35 547 349 42,4 321 546 19 42,2 38 65,5 23 6j9 20 64,5 103 36,8 116 82,s 729 42,4 627 56,9 Wenn in dem Regierungsbezirk Aurich der prozentuale Anteil der aleu- kamischen Tumorfalle von 1966/67 auf 1971/72 nicht zu- sondern abgenom- men hat, so durfte dieses eine Folge der geringen Zahl der 1966/67 in Aurich ermittelten Tumorfalle sein, die eine verlai3liche Beurteilung des Trends nicht zu1ai3t. 8. Die Tatsache, dai3 infolge dieses Trends die Seuchenbekampfung nach dem derzeitigen Verfahren von Jahr zu Jahr schwieriger wird 1ai3t sich un- schwer erschlieaen, wenn man die Bekampfungserfolge im Regierungsbezirk
  • Untersuchungen uber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 535 1966 f 67 1971 / 72 1 Luneburg von 1966/67 auf 1971/72 denen in den Bezirken Aurich, Hannover, Oldenburg und Osnabruck im gleichen Zeitraum gegenuberstellt. 1966/67 war die Ausgangslage hinsichtlich der aleukamischen Tumorfalle in den beiden Vergleichsgebieten eine verschiedene. In Luneburg waren 1966/67 42,4 O / o und in dem Vergleichsgebiet 54,7 O/o der auftretenden Tumorfalle aleukamisch. In Tabelle 12 sind die Bekampfungserfolge in den beiden Gebieten einander gegenubergestellt. Tabelle 12 Die Erfolge der Bekampfung der enzootischen Rinderleukose von 1966/67 auf 1971/72 im Regierungsbezirk Liineburg einerseits und in den Bezirken Aurich, Hannover, Oldenburg und Osnabruck andererseits. errechnet auf Grund der Daten von Tabelle 9 823 474 (57,6 %) 349 (42,4 % I Bezirk 636 315 149,5 %) 32 1 (545 %) Lilneburg 187 159 28 Aurich , Hannover , Oldenburg , OsnabrUck 5,6 : 1 Summe der ge- meldeten Tumorfllle davon : leukamisch 38 32 6 aleukarnisch 5,3 : 1 Summe der ge- meldeten Tumorfalle davon : leukamisch aleukarnisch Abnahme der Tumorfllle in Relation abs. 1 Leukam. zu aleuklm. Aus Tabelle 12 kann entnommen werden, dai3 a) unabhangig von der Hohe des prozentualen Anteils der aleukami- schen Tumortrager von der Gesamtzahl der Tumorfalle durch das bisherige Bekampfungsverfahren in einem etwa konstanten Verhaltnis von 5,6 : 1 bzw. 5,3 : 1 leukamische und aleukamische Tumortrager aus der Population ent- fernt werden und, da13 b) abhangig von demselben Mail der absolute Bekampfungserfolg ist. trager von %2,4 O / o nahmen ab In Lilneburg mit einem anfanglichen Anteil der aleukamischen Tumor- die Gesamtzahl der Tumorfalle um 22,7 O / o die leukamischen Tumorfalle um 33,5 O / o die aleukamischen Tumorfalle um 8,O O / o In dem Vevgleichsgebiet mit einem anfanglichen Anteil der aleukamischen Tumortrager von 54,7 O/o nahmen ab die Gesamtzahl der Tumorfalle um 14,4 O / o die leukamischen Tumorfalle um 26,7 O/o die aleukamischen Tumorfalle um 4,l O / o Je geringer der prozentuale Anteil der aleukamischen Tumorfalle zu Beginn des Verfahrens ist, um so groi3er ist der Bekampfungserfolg sowohl gegenuber den leukamischen als auch gegenuber den aleukamischen Fallen. Das derzeitige Leukosebekampfungsverfahren hat sich - auf der Basis der gegenwartig zur Verfiigung stehenden diagnostischen Moglichkeiten - als
  • 536 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT wirksam erwiesen. Die hamatologisch feststellbare Leukose des Rindes ist gut zuruckgegangen. Da mit fortschreitender Leukosebekampfung der prozentuale Anteil der leukamischen Tumortrager abnimmt, und jener der aleukamischen steigt, besteht jedoch die Gefahr, dai3 die Bekampfungserfolge, wie es der Ver- gleich auf Tabelle 12 zeigt, von Jahr zu Jahr eringer werden, bis ein Schwel- fahren nicht weiter herabdrucken lai3t. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Nutzen des Verfahrens darin bestehen, dai3 das aleukamische Krankheitsreservoir in Grenzen gehalten wird, und von diesem Reservoir abspaltende leukamische Falle sofort erfai3t und getilgt werden, so wie es bisher mit allen leukamischen Fallen geschieht. Es erscheint uns deshalb dringend geboten, fur diese letzte Phase der Leu- kosebekam fung nach einem vom hamatologischen Befund unabhangigen diagnostisxen Verfahren zu suchen, das eine fruhzeitige Erfassung auch der aleukamisch verlaufenden Leukosefalle ermoglicht. lenwert von aleukamischen Fallen verbleibt, dp er sich durch das bisherige Ver- Zusammenf assung Auf Grund eines 2524 Tumorfalle umfassenden Materiales konnte der Nachweis gefuhrt werden, dai3 die leukamische Krankheitsform der enzoo- tischen Rinderleukose infektioser ist und in einem fruheren Alter zur Tumor- bildung fuhrt als die aleukamische Form. Bei der Verbreitung von Tier zu Tier 1ai3t iede Form weitaus bevorzugt dieselbe Krankheitsform entstehen. Daruber hinaus spaltet aber die leukamische Form in etwa 28 O / o der Fflle die aleukamische Form ab und umgekehrt die aleukamische in etwa 13 O / o der Falle die leukamische. Insgesamt fuhren die epidemiologischen und pathogenetischen Besonder- heiten der leukamischen und aleukamischen Krankheitsform sowie die Tat- sache, dai3 sich das derzeitige Bekampfungsverfahren vorwiegend gegen die leukamische Form richtet dam, dai3 der Anteil der aleukamischen Tumorfslle an der Gesamtzahl der gemeldeten Tumoren standig wachst. In dem gleichen Mai3e schwinden die Erfolgsaussichten des derzeitigen Bekampfungsverfahrens, das bislang gut gearbeitet hat. Es erscheint deshalb dringend erforderlich, fur die letzte Phase der Leu- kosebekampfung nach einem vom hamatologischen Befund unabhangigen dia- gnostischen Verfahren zu suchen, das eine fruhzeitige Erfassung auch der a h - kamischen Leukosefalle ermoglicht. Summary Studies on the epidemiology of bovine leukosis and the efficacy of a programme to combat it in Lower Saxony A public health programme to combat bovine leukosis exists in the Fede- ral Republic of Germany. Herds in which animals with persistent lymphocyto- sis or leukotic tumors are detected are considered leukosis - positive and the disease is combatted either by total herd slaughter or by eliminating the infec- ted animals together with their offspring. In this paper the chances of success of this programme are examined. Evaluating 2524 tumor cases it could be shown that the leukemic form (i. e. persistant lymphocytosis) of the disease is more infectious and will lead earlier to the development of tumors than the aleukemic form. While sprea- ding within the herd, each form favors the development of its own in newly infected animals, but besides this, in 28 O/o of all new cases the leukemic form
  • UntersuQungen uber die Epidemiologie der enzootischen Rinderleukose 537 leads to the development of the aleukemic form and vice versa the aleukemic form leads in 13 O/o to the development of the leukemic. The epidemiological and pathogenic peculiarities of the disease together with the fact that the combatting programme is directed chiefly against the leukemic form of the disease lead to the trend that the percentage of aleukemic cases is increasing steadily. O n the whole the leukemic form of bovine leukosis is successfully combatted by the programme but there are well established doubts that it will be advisable to combate the aleukemic form in the same manner. Resume Recherches sur 1’6 idimiologie de la leucose bovine enzootique contre la leucose L’ktude de 2524 cas de tumeurs a montrk que la forme leuckmique de la leucose bovine enzootique est plus infectieuse que la forme non leuckmique et qu’elle conduit B la formation de tumeurs B un 9ge plus prkcoce. Chaque forme laisse apparaitre la m&me image lors de l’extension d’animaux en animaux. La forme leuckmique disskmine la forme non leuckmique dans le 28 O / o des cas environ et la foirme non leuckmique disskmine la forme leuckmique dans le 13 O/o des cas environ. Les caracteres kpidkmiologiques et pathogknktiques des formes de la mala- die leuckmique et non leuckmique et le fait que les prockdks de lutte actuels sont principalement dirigks contre la forme leuckmique ont la conskquence que le nombre des cas de tumeurs non leuckmiques augmente rkgulierement par rapport B l’ensemble des cas annoncks. Dans la m&me mesure, les perspectives de succds du prockdk de lutte actuel diminuent progressivement, la mkthode jusqu’ici ayant bien fonctionnk. I1 apparaPt urgent de rechercher pour la dernihre phase de la lutte contre la leucose une mkthode de diagnostic indkpendante du rksultat hkmatologique qui permette kgalement la dktection prkcoce des cas de leucose non leuckmique. et sur l’action de P a lutte entreprise actuellement en Basse-Saxe Resumen Estudios acerca de la epidemiologia de la leucosis bovina enzo6tica y la eficiencia del procedimiento actual de lucha contra la leucosis en Sajonia Baja Sobre la base de un material que abarcaba 2524 casos tumorales, se pudo demostrar que la forma nosol6gica leuckmica de la leucosis bovina enzo6tica es de naturaleza infecciosa y que tiende a formar tumor en una kpoca anterior a la forma aleuckmica. En la difusi6n de animal a animal suele ocasionar cual- quier forma, de manera preponderante, la misma forma nosol6gica. Pero mis all5 de esto, la forma leuckmica escinde en el 28 O / o de 10s casos aprox. la forma aleuckmica, y viceversa la aleuckmica la leuckmica en el 13 O / o de 10s casos aprox. En conjunto, conducen las caracteristicas epidemiol6gicas y patogknicas de la forma nosolbgica leuckmica y aleuckmica, asi como el hecho de que el procedimiento actual de lucha se halla dirigido ante t d o contra la forma leuckmica, a que crezca constantemente la parte de 10s casos tumorales aleuck- micos en la cifra total de 10s tumores comunicados y registrados. En grado semejante disminuyen las perspectivas de kxito del procedimiento actual de lucha, el cual ha trabajado bien hasta la fecha.
  • 538 ALBRECHT, GARCIA DE LIMA, GELDERMANN, MITSCHERLICH u. SCHMIDT Por esta razbn, parece ser de necesidad ripida imperiosa la bGsqueda para la fase Gltima en la lucha contra la leucosis de un mktodo diagnhstico, independiente del hallazgo hematolbgico, que posibilitase abarcar tambikn cuanto antes 10s casos aleuckmicos de leucosis. Literaturverzeichnis BEDERKE, G., FR.-W. SCHMIDT, A. TOLLE und S. UEBERSCHAR, 1970: Versuche zur Ubertra- gung der Rinderleukose mit Rohmilch und pasteurisierter Milch. Zbl. Vet. Med. B, 27, BFDPRKE, G., und A. TOLLE, 1964: Zur Ubertragung der Rinderleukose durch das Blut und den Kontakt mit experimentell behandelten Tieren. Zbl. Vet. Med. B, 12, 433-445. BEDERKE, G., A. TOLLE und H. LOPPNOW, 1967: Ubertragungsversuche mit leukotischem Tumormaterial auf das Rind. Zbl. Vet. Med. B, 2 4 , 32-48. BEI)ERKE, G., A. TOLLE und FR.-W. SCHMIDT, 1968: Zur placentaren Ubertragbarkeit der Rinderleukose. Zbl. Vet. Med. B, 15, 782-793. BOTTGER, TH., 1956: Ermittlungen zur Frage der Verursachung der turnorosen Form der Rinderleukose. Dtsch. Tierarztl. Wschr. 63, 332-336. CROSHAW, J. E., D. A. ABT, R. R. MARSHAK, W. C. D. HARE and J. SWITZER, 1963: Pedigree studies in bovine lymphosarcoma. Ann. N. Y. Acad. Sci. 208, 1193-1202. GOTLE. R., G. ROSENBERGER und G. ZIEGENHAGEN, 1955: Uber Ursachen und Bekampfuna 701-71 7. der Rinderleukose. 11. Weitere Bemerkungen zur Diagnose und zur Erblichkeit. Dtsd;. Tierarztl. Wschr. 62, 353-357. MARSHAK, R. R., D. A. ABT and D. COHEN, 1966: Epidemiological aspects of leukemia i n mammals. In: WINQUIST, G.: Comparative leukaemia research, Wenner - Gren Center, Internat. Sympos. Series 6, Pergamon Press, Oxford. MARSHAK, R. R., W. C. D. HARE, D. A. ABT, J. E. CROSHAW, Jr. J. W. SWITZER, I. IPSEN, R. M. DUTCHER and J. E. MARTIN, 1963: Occurrence of lymphocytosis in dairy cattle herds with high incidence of lymphosarcoma. Ann. N. Y. Acad. Sci. 103, 1284-1301. MAYR, A,, TH. SCHLIESSER und W. MERK, 1969: Infektion - Infektionskrankheit - Seuchr. Mitteilungen fur Tierarzte, Rentschler 22, H. 4, 3-16. MEISINGER, G., und G. MEISINGER, 1969: Untersuchungen iiber Zusamrnenhange zwischen der Milchleistung und der Erkrankung an enzootischer Rinderleukose. 1. Mitteilung: Milch- leistung und hamatologische Leukose. Mh. Veterinarmed. 24, 728-732. Dieselben, 1971 : Untersuchungen uber Zusammenhange zwischen der Milchleistung und der Erkrankung an enzootischer Rinderleukose. 2. Mitteilung: Milchleistung und Ubergang zur tumorosen Leukose. Monatsh. Veterinarmed. 26, 801-805. Dieselben, 1972: Untersuchungen uber Zusammenhange zwischen der Milchleistung und der Erkrankung an enzootischer Rinderleukose. 3. Mitteilung: Milhleistung und leukose- bedingtes Abgangsalter. Monatsh. Veterinarmed. 27, 721-724. PFLANZAGL, J., 1966: Allgemeine Methodenlehre der Statistik 11, 2. Auflage. W. de Gruyter & Co., Berlin, 177-190. SCHMIDT, FR.-W., 1970 a: Untersuchungen uber die Epidemiologie und Atiologie der enzoo- tischen Rinderleukose. Habilitationsschrift, Landw. Fakultat Universitat Gottingen. SCHMIDT, FR.-W., 1970 b: Preliminary report on transmission experiments of bovine leukosis by leukocyte-cultures. Bibl. Haemat. 36, 555-558. SCHMIDT, FR.-W., H. PITTLER und K. P. HEYDORN, 1970: Erhebungen zum Vorkommen der tumorosen Form der enzootischen Rinderleukose im Lande Niedersachsen. Dtsch. Tier- arzt!. Wschr. 70, 256-259. SCHMIDT, FR.-W., und M. TIEFENAU, 1972: Versuche zur Zuchtung eines Agens der Rinder- leukose in Leukozytenkulturen vom Rind. 2. Mitteilung: Die Infektiositat von Leuko- zytenkulturen leukamischer Rinder fur Kalber. Zbl. Vet. Med. B, 19, 460-472. SEILS, H., 1964: Beitrag zur Frage der echten aleukamischen Leukose der Rinder. Tierarztl. Umsch. 19, 493-501. SEILS, H., 1964: Untersuchungen iiber die Leukose des Rindes. V. Mitteilung: Die Nutz- und Zuchtleistung im Stadium der Praleukose. Monatsh. Veterinarmed. 19, 168-173. STOBER, M., F. SCHERK und H. ANDRESEN, 1969: Befundauswertung bei 298 erwachsenen Rindern mit tumoroser lyrnphatischer Leukose. Zbl. Vet. Med. B, 16, 154-168. STRAUB, 0. C., und E. WEINHOLD, 1971: Zur Frage der Ubertragung boviner Leukose durch Kolostrum und Milch. Dtsch. Tierarztl. Wschr. 78, 441-444. TOLLE, A., 1965 : Zur Beurteilung quantitativer hamatologischer Befunde im Rahmen der Leukose-Diagnostik bei Rindern. Zbl. Vet. Med. B, 12, 281-290. VERTER, W., und E. GEHRKE, 1965: Die Ausbreitung der Leukose in Kuhfamilien. Monatsh. Veterinarmed. 20, 533-537.
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