System is processing data
Please download to view
...

über das Wachstum der Nebennier

by a-smollich

on

Report

Category:

Documents

Download: 0

Comment: 0

212

views

Comments

Description

Download über das Wachstum der Nebennier

Transcript

  • A N S dern lnstitut f u r Veterinar-Anatornie der Hurnboldt-Universitat zu Berlin Direktor: P r o f . Dr. T. Koch Uber das Wachstum der Nebenniere Von A. SMOLLICH Mit 6 Abbildungen Obwohl das Schrifttum uber die Entwicklung, das Wachstum und die Morphologie der Nebenniere einen gewaltigen Umfang angenommen hat, stehen bis heute noch zahlreiche Fragen, vornehmlich vergleichender Natur, offcn. Das wird verschiedentlich bedauert und steht der Klarung bestimmter Fragenkomplexe hinderlich im Wege. Die vorliegenden Beobachtungen dienen der Korrektur einer Angabe im Schrifttum, die, obgleich offensichtlich falsch, mehrfach mitgeschleppt wird. Aui3erdem stellen sie eine orientierende Grund- lage fur weitere Untersuchungen dar. Schrifttum Die Entwicklung der Nebenniere (NN) beginnt mit der Anlage der Neben- nierenrinde (NNR). Nach der gegenwartigen Lehrbuchmeinung siiid die Rindemellen von Elementen der Colomwand abzuleiten. Die erste Anlage der N N R erfolgt auf einer friiheii Entwicklungsstufe des embryonalen Lebens, beim Menschen etwa in der vierten bis funften Woche oder bei einer Scheitel- Steii3-Lange (SSL) von 7 bis 8 mm. Ungefahr am Anfang des zweiten Em- bryonalmonats beginnt die Adage des Nebennierenmarkes (NNM) durch Eiiiwanderung von Elementen aus den Sympathicusgaiiglien. ibihnlich liegen die Verhaltnisse auch Lei unseren Haussaugetieren. Beim Schweineembryo von 2 cm Lange macht sich nach ZIETZSCHMANN-KROLLING (1955) die Rindenanlage in Form von Wucherungsprozesscn am Peritonaealepithel beiderseits der Aorta nahe dem medialen Teil der Urniere bemerkbar. Nach HARTMAN and BROWNELL (1949) ist die Rindenanlage bereits bei 8 mm langen Schweine- embryonen beobachtet worden, wahrend die Anlage des N N M bei einer SSL von 30 bis 35 mm beginnen soll. Die weitere Entwicklung der NN zeigt nun beim Menschen eiii eigenartiges Verhalten, das den Beobachtern bereits vor rund 150 Jahren aufgefallen ist. So schreibt MECKEL (1 820) daruber:
  • 1018 SMOLLICH Lange dcr Fctrn Gcwicht beidcr NNn 11.-15. ,, g l6.-220. ,, 21.-25. ,, mi 15-20 20-25 30-35 2,144 51.-60. ,, 35-40 2,450 61.-70. ,, 2,792 71.-80. ,, 5,977 81.--90. ,, 45-50 50-55 I 0,660 20.-30. ,, I 1,057 31.-40. ,, 25-30 I 1,436 41.-50. ,, I 40-45 I 1 7,837 ,,Die Nebennieren sind schon beini zweimonatlichen Embryo sehr deutlicli. Von ihreni ersten Erscheincn an nimmt ihre verhiiltnismallige, von der Zeit der Geburt an, wcnigstens oft, sclbst ihre absolute Grofle allmahlich ab. Sie werdcn besonders dunner, trockener, sclirumpfen ein und im Alter verschwinden sie sogar bisweilen g a n ~ Noch an1 h i d e des dritten Monats sind die Ncbenniercn etwas gro13er und scliwerer als die Nieren. Im vierten sind sie glcich grog, aber, wegcn groflerer Lockerheit, etwas leichtcr, im Anfange des sechsten sind sie mchr als halb so groi3, ihr Gcwicht aber verhilt sich aus demselben Grunde wie 2 : 5, indem jcde Nebenniere 10, jede Niere 25 Gran') w o ~ . Beim reifen Fotus ist das Verhiltnis ungefihr wie 1 : 3, indeni ich jede Nebcnniere gewiihnlicli etwas schwercr nls vier Skruyc12)), jedc Niere etwas iiber eine halbe Unzc?) wiegend fatid. Dagegen ist das Verhiltnis bci Erwachsenen, wo die Ncbenniere eine Drachme4), die Niere 3'12 Unte wiegt, wie 1 : 28." Diese Beobachtungen MECKEL'S sind bis auf das seltsame Schruinpfen und das ratselhafte Verschwinden der NN im Alter zutreffend und werden von zahlreichen Autoren bestatigt. Unter Zusammenfassung der Bemerkungen und Angaben iiber die Entwicklung, die Groflenverhaltnisse und das Wachstum der NNn dcs Menschen im Schrifttum (BISCHOFF [ 18421, AEBY [ 1871 1, HENLE [ 18731, SOBOTTA [ 19041, v. BARDELEREN [ 19061, VIEROKDT I 19061, SCHEEL [1908], MIDEROE [1910], GUNDOBIN [1912], SCHILF [1922], MUHLMANN [1927], v. GIERKE 119361, HOFFMANN [ 19471, HARTMAN and BROWNELL 119491, RAUBER-KOPSCH [1951], BACHMANN [1954] u. a.) Iaflt sich etwa folgendes sagen: Die N N n werden in einem friihen Embryonalstadium an- gelegt und erreichen sehr fruh eine betriichtliche Grofle. In den ersten Fetal- monaten ubertreffen sie sogar die Nieren an Grofle und Gewicht. HOFFMANN (1947) erwahnt die fetalen N N n des Menschen ini dritten Schwangerschafts- nionat als grofltes Organ der Bauch- hohle. Das hochste Relativgewicht er- reichen die N N n nach LUCIEN und PARISOT (1913) und LUCIEN und GEo~GE(1927) im vierten Fetalmonat. N n - Ihr Gewichtsverhaltnis zu den Nieren T a b c i l c 2 D u r c h s c h n i t t 1 i c h e s n a c h SCIIILF (1922) *7,8 10.6 10,7 1 !,1 11.2 1 4 4 1 4 4 13.7 10,9 10,8 - betragt zu dieser Zeit etwa 1 : I , im sechsten Monat etwa 1 : 2, beim Neu- geborenen 1 : 3 und beim Erwachsenen durchschnittlich 1 : 28. Mahrend die NN beim Fetus ein annahernd kon- stantes Wachstum aufweist, treten T n b e l l e 1 D u r c h s c h n i t t l i c h e s N N n - G e w i c h t m e n s c h 1 i c h c r F e t e n n a c h CAZZANICA (1922) ~ Gcwicht bcider N N n Alter g Rcife Gcburt 1. Monat 2. ,, 3. 7, 4. 1, 5. >, 6. ,, 7.--12. ,, 2.- 5. ,, 6.--10. ,, 1. Jdhr 6,98 3.26 2,81 2,78 2,7 3 2,20 1,69 21.74 2!,86 3,38 4,63
  • Uber das Wachstum der Nebenniere 1019 postfetal erhebliche Veranderungen ihres Absolut- und Relativgewichtes auf, die sich mit SCHILF (1922), dessen Beobachtungen ein reichhaltiges Unter- suchun,gsmaterial zugrunde liegt, folgendermaflen charakterisieren lassen: Das Gewicht der N N n andert sich in den Jahren der Entwicklung. Nach der Geburt sinkt es, vom zweiten Halbjahr an steigt es wieder und erreicht im 12. bis 13. Lebensjahr das Geburtsgewicht. Nach weiterer Groflenzunahme bleiben die Gewichtsverhaltnisse etwa vom 20. Lebensjahr ab annahernd konstant. Eine senile Atrophie scheint an der NN des Menschen nicht aufzutreten. Wenn auch die im Schrifttuni genaniiten Daten iiber die Gewichtsverhalt- nisse der N N n zum Teil erheblich variieren, so andert sich dadurch doch kaum das oben aufgezeigte Bild des Entwicklungs- und Wachstumsniodus der mensch- lichen NN. Der Obersichtlichkeit wegen seien nebenstehend zwei dem Schrift- turn entnommene und hier in ihrer aufleren Form abgeanderteTabellen uber die Gewichtsverhaltnisse der N N n des Menschen wiedergegeben (Tabelle 1 u. 2). Ober die Groflen- und Wachstumsverhaltnisse der N N n bei Haustierfeten findet man im Schriftturn keine naheren Angaben. Einige altere Autoren (SCHWAB [1833], GURLT [1834], LEYH [1850], MULLER 118711) erwahnen lediglich, dafl auch die NN der Haustiere im Fetalzustand relativ groi3 sei. EONNLT (1891) schreibt sogar, dafl die NN eine Zeit lang die Niere bedeutend an Grofle ubertrifft. Ahnliche Bemerkungen finden sich auch bei TRAUTMANN (1924) und bei LUBKE (1926). Dagegen sollen diese Beobachtungen nach BISCHOPF (1 842) fur das Saugetier nicht zutreffen. Meine Aufgabe sehe ich nun darin, die fur den Menschen geschildertenver- haltnisse bei einigen Haussaugetieren nachzuprufen. Material und Methodik Den nachstehenden Ausfuhrungen liegt folgendes Untersuchungsmaterial 18 Rinderfeten, 20 Schweinefeten, 1 3 neugeborene Schweine, 14 Fleischfresserfeten (Hund und Katze). xugrunde: Zunachst wurde an den Feten das Geschlecht, die Scheitel-Steii3-Lanpe und das Korpergewicht festgestellt. Daraufhin wurden die N N n und die Nieren heraus- prapariert, gewogen und rechnerisch Beziehungen zwischen NNn-, Nieren- und Korpergewicht ermittelt. Des weiteren wurde an 288 Schlachtrindern aller Altersstufen das Ge- wichtswachstum der NN untersucht. Beobachtungen An Feten von Rindern, Schweinen, Hunden und Katzen fallt hinsichtlich der Groflenverhaltnisse der N N n auf, dafl letztere - im Cegensatz zu den Verhaltnissen beim Menschen - in allen Entwicklungsphasen relativ sehr klein sind. Das kommt visuell am deutlichsten im Vergleich mit der Nierengrijme zum Ausdruck (Abb. 1 bis 5). Die ermittelten Verhaltniszahlen zwischen NNn- und Nierengewicht streuen zwisch,en den Extremwerten 1 : 15 und 1 : 143. Das Verhaltnis ist bei jungeren Feten eng und wird mit zunehmendem Alter weiter. Diese Gesetzmafligkeit tritt am deutlichsten bei Schweinefeten in Erscheinung. Hier kommt es urn den Zeitpunkt der Geburt herum zu einer starkeren Ge-
  • 1020 1 SMOLLICH 2 3 5 Abb. 1 . Regio renalis cines 15,5 cm lan- gen Menschenfetus niinnlicheri Geschlechts. Gewicht 223 g. a Nebennieren, b Nieren, c Harnleiter, d Rectum, e Hoden, f Aorta abdominalis Abb. 2. Regio renalis eines l? ,O cin langen Rinderfetus miinnlichen Geschlcchrs. Ge- aricht 197 g. a Nebennieren, b Nierrn, c Iiarnleiter, d Recrum, e Hoden, g V. cava caudalis Abb. 3. Regio renalis eines 20,5 m i lingen Schweinefetus nisnnlichen Geschlechts. Ge- wicht 550 g. a Kebenniercn, b Nieren, c Harnleiter, d Rectum, e Hoden, f Aorta abdominalis, g V. c a m caudalis Abb. 4. Regio renalis cines 12,O cm langen Hundefetus miinnlichen Ge:;chlechts. Ge- wicht 84 g. a N e h n i e r e n , b Nieren, c Harn!eiter, d Rectum, f Aorta. abdominalis Abb. 5. Regio renalis eines 13,O cm langen Katzenfews mhdichen. Geschlechts. Gewicht 100 g. a Nebennieren, b Nieren, c Harnleiter
  • Ober das Wachstum der Nebenniere 1021 T a b e l l e 3 G e w i c h t s v e r h a l t n i s s e d e r N N n b e i S c h m e i n e f e t e n u n d n e u g e b o r e n e n S c h w e i n e n N N n -~ SSL NNn-Gew. N N n cm g Nieren Korpergew. Anzahl F e t e n 5 7,4- 7,8 0,015 1 : 32,4 1 : 1565 3 10,2 - 10,5 0,029 1 : 40,9 1 : 2375 5 17,5 - 18,O 0,050 1 : 84,8 1: 7255 5 20,5 - 22,O 0,057 1 : 103,8 1 : 10172 2 29,O + 29,5 0,168 1 : 63,2 1: 8305 N e u g e b o r e n e 10 22,5 - 29,5 0,267 1 : 30,7 1: 4455 2 4 S t u n d e n a l t 2 24,5 + 28,O 0,189 1 : 29,7 1 : 4609 4 8 S t u n d e n a l t 1 26,O 0,203 1 : 35,9 1 : 3916 wichtszuiiahme der NNn, die in eiiiem engeren NNn-Nierenverhaltnis Aus- druck findet. Das gleiche Verhalten zeigen auch die Beziehungen des NNn- Gewichtes zum Korpergewicht (Tabelle 3). Dabei ist festzustellen, dai3 die Schwanliungen der absoluten Werte (SSL, Korpergewicht, NNn-Gewicht) keineii spurbaren Einflufl auf die relativen Daten ausuben. Fur Schlachtschweine laat sich aus den Zahlenangaben voii KRUPSKI (1921) das Verhaltnis des NNn-Gewichtes zum Schlachtgewicht mit 1 : 11 111 bis 1 : 20965 errechnen. Bei Mutterschweinen ist dasverhaltnis infolge des hoheren NNn-Gewichtes enger (1 : 9646). SCHUBERT (1921) ermittelte eiiien Durch- schnittswert von 1 : 17998, wahrend aus den Daten von SASHEGY (1935) die Relativzahl mit 1 : 19 724 berechnet werden kann. Die beiden letzten Angaben beziehen sich auf das Lebendgewicht. Aus dem Vergleich dieser Werte mit deneii der Tabelle 3 geht in der T a t eindeutig hervor, dai3 die N N n bei Schweinefeten, namentlich in fruheren Stadien, sowie bei neugeboreneii Schweinen - ver- glichen mit den postpartalen Verhaltnissen - relativ grofl sind. Das gleiche gilt in ahnlicher Form auch fur das Rind und den Fleischfresser. Die sich im Quantitativen ausdruckende Wachstumstendenz der N N n ist, iiamentlich im Fetalzustand der untersuchten Tierarten, voii der des Menschen wesentlich zu unterscheiden. Die Groi3e der Nieren wird bei unseren Haus- saupetieren von den N N n in keiner Phase der Entwicklung erreicht. Das zeigt Tabelle 4 nocli einmal deutlich fur das Rind auf. Die ermittelten Durchschnitts- gewichte der N N n sind auf die Angabeii des Nierengewichtes nach KLINGNER (1910), die mit denen SCHNEIDER’S (1904) annahernd ubereinstimmen, bezogen. Der Standardfehler der durchschnittlichen NNn-Gewichte wurde nach der Formel berechnet.
  • 1022 SMOLLILH - Darin bedeutet der Ausdruck 2 (x, x ) ~ die Summe der Abw eichunpquadrate vom arithmetischen Mittelwert und N die Anzahl der Meflwerte. 13e t-Ver- teilung wird hierbei nicht berucksichtigt, da eine weitergehende statistische Sicherung fur die vorliegende Fragestellung ohne Belang ist, Die extremen Relationen zwischen NNn-Gewicht und Nicrengewicht bei Rinderfeten betragen rund 1 : 15 und 1 : 84,6, wobei auch hier die engsten Be- ziehungen bei den jungsten Feten gefunden wurden. Allerdings liegen diese Verhaltnisse hier weniger eindeutig als beim Schwein. Fur das Kalb liegen keine brauchbaren Angaben des Nierengewichtes vor, so dat3 eine Relativzahl nicht aufgestellt werden kann. T a b e l l c 4 R e l a t i o n e n z w i s c h e n N N n - u n d N i e r e n g e w i c h r b e i m R i n d _.___ Feten I 0,010 - 1,850 ":47 Ochsen (4- 6 Jahre) I 30,570 & 2,012 I 1:49 I Kalber (bis 3 Monate) 4,045 f 0,188 I - 1:56 I 1:52 Jungrindcr (1- 4 Jahrc) Bullen (4- 5 Jahre) Kiihe (5-25 Jahre) 30,600 f 0,915 1:39 17,590 0,413 26,030 f 2,897 I Aus dem Vergleich der bei Rinderfeten ermittelten h Nn-Gawichte mit denen des Kalbes ergibt sich die Feststellung, dad eine sich im Gcwicht aus- druckende postpartale physiologische Involution der N N , wie sie in einer uber- aus deutlichen Form beim Menschen vorkommt, beim Rinde nicht aiiftritt. Das gleiche gilt nach unseren Beobachtungen und unter Berucksichtigung der An- gaben von GROTH (1956) uber das NNn-Gewicht von 5 gesunden Ferkeln im Alter von 5 Tagen, 2 , 4, 6 und 10 Wochen (0,400 bis 1,020 g) auch fur das Schwein. Zwar besteht eine gewisse Berechtigung der Gultigkeit tlieser Fest- stellung auch fur den Fleischfresser, doch liegen hier nach unserer Meinung keine geniigend fundierten Anknupfungspunkte vor, so dafl an dieser Stelle von weiteren definitiven Aussagen abgesehen werden soll (dieser- Gegenstand wird gelegentlich an anderer Stelle wieder aufgegriffen werden). Inwieweit urn den Zeitpunkt der Geburt herum und danach histologisch feststellbara Degenera- tions- und Involutionsprozesse an bestimmten Rindenabschnitten a blaufen, ist von unseren Haustieren bis heute unbekannt. Die Klarung dieser Frage bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten. Der Wachstumsmodus der NN soll am Beispiel des Rindes aufgezeigt werden. Stellt man die bei Rindern und Rinderfeten ermittelten NNn-Gewichte graphisch dar, SO ergibt sich, wenn die beiden Kurvenstreclien der Abb. 6 an- einandergefugt werden, eine annahernd S-formige Wachstumskutve. Sie ist hier nach der Formel % = ausgeglichen worden. Die NN des Rindes weist also ein typisches Gewichtswachstum auf, das in der zweiten Halfte der intrauterine11 Entwicklung und in den ersten zwei Lebensj'ihren am starksten ausgepragt ist. Der Wendepunkt der Kurve, also der Ubergmg volt zunehmen- der zu abnehmender Wachstunisgcschwindigkeit, liegt bei etwa der Halfte des Endgewichtes der NN. Weiter geht aus der Darstellung hervor, dafl die NN des Rindes ein stetes Gewichtswachstum aufweist, wobei ein dehi t ives Ge-
  • Uber das Wachstum der Nebenniere 1023 Abb. 6. Graphische Darstellung des Gewichtswachstums der Nebennieren bei weiblichen Rindern (linke Ordinate, ausgezogene Kurve) und bei Rinderfeten (rechte Ordinate, gestrichelte Kurve) wicht - zumindesten beim weiblichen Rind - praktisch nicht erreicht wird. Es tritt demnach bei dieser Tierart weder eine postpartale noch eine Alters- involution auf. Man kann hier vielmehr auch im hoheren Lebensalter, noch jen- seits des 10. bis 15. Lebensjahres eine Gewichtszunahme der N N n beobachten. Beilaufig sei no& bemerkt, dai3 die fur die einzelnen Tierarten charakte- ristischen Links- Rechtsunterschiede hinsichtlich Form und Gewicht der N N n bereits im Fetalzustand deutlich ausgepragt sind. Diskussion Aus dem unterschiedlichen Wachstumsmodus der NN beim Menschen und den untersuchten Haustierarten ergibt sich zwangslaufig die Frage nach der Ursache dieses Verhaltens. Der Versuch einer Deutung derartiger Artunter- schiede ist, das zeigen die allgemeinen Erfahrungen, in zahlreichen Fallen ein fragwurdiges Unterfangen. Von den Verhaltnissen beim Menschen ausgehend bemerkt HOFFMANN (1947), es sei kaum zweifelhaft, dafl die fetalen N N n eine besondere, uns heute noch unbekannte Rolle im hormonalen Geschehen der Schwangerschaft besitzen mussen. Um den Zeitpunkt der Geburt herum setzt an der NN des Menschen ein Involutionsprozefl ein, der auf Kosten der N N R geht. Histologisch findet dieser ProzeB in einem von einer serosen Entzundung begleiteten Untergang der Parenchymzellen zentraler Rindenabschnitte Aus- druck. Die diesem Schicksal verfallende innere Rindenzone wird als ,,Cortex fetalis" dem ,,Cortex permanens" gegenubergestellt und steht nach NEUMANN (1936) und ROTTER (1949) zur Zeit der intrauterinen Entwicklung unter dem stimulierenden EinfluB des gonadotropen Chorionhormons. Der Ausfall dieses Hormons mit dem Zeitpunkt der Geburt sol1 den Untergang der Rindeninnen- zone, der seinerseits mit dem erheblichen Gewichtsverlust der NN nach der Geburt einhergeht, zur Folge haben. D a nun bei den untersuchten Haustier-
  • 1024 SE*lOLLICH arten unter physiologischen Bedingungen eiiie quantitativ feststellbxe post- partale Involution der NN nicht vorkommt, so konnte man, wenn die An- nahme ROTTER’S uber die Wirkung des gonadotropen Chorion hormons auf die fetale NNK zutrifft, aus dieser Tatsache folgern, daiS die hormonellen Ver- haltnisse zur Zeit der Graviditat, insbesondere hinsichtlich des gonadotropen Chorionhormons, bei unseren Haustieren irgendwie anders geartet seiii mussen. Das ist bekanntlich in der T a t auch der Fall. In der Plazenta des Rindes z. B. sind gonadotrope Hormone nicht vorhaiiden. Ihr Nachweis im H a r n und ini Blut tragender Rinder, Schweine, Hunde und Katzen ist bisher nicht gelungen. Obwohl iiber diese Fragen zahlreiche Publikationen vorliegen (Schrifttum bei BOLWIN [ 1952]), laflt sich bis heute daruber vermutlich noch n tchts Ertdgultiges aussagen. B E K G M A ~ N (1 840) und LOMER (1 884) vermuten gewiscw entwicklungs- geschichtliche Zusammenhange zwischen Zentralnerveiisysteii2 und NN auf Grund der Tatsache, daA in zahlreichen Fallen von Hemicephalie t rotz voll- kommener Ausbildung allzr ubrigen Organe eine Hypo- oder Aplasile der NN vorliegt. Diese Beziehungen finden auch bei HAKTMAN uiid BROWNELI. (1949) Erwahnung. Man konnte geneigt sein, aus diesen Eeobachtungen den recht ein- faltigen Schlufl zu ziehen, dai3 der unterschiedliche Entwicliluiigsgrad des Z N S bei Mensch und Tier mit einer unterschiedlichen quantitativeti Ausbildung der NN einherginge. Da13 die Dinge nicht so einfach liegen, beweist die besonders starke Ausbildung der Nni bei Myocastor coypus. Indes erscheint es mugig, sich in weitereii Spekulationen auf dieser Basis zu ergehen. Zusanimenfassung Die Nebenniereii von Rinder-, Schweine-, Hunde- uiid Katzenfeten sind im Gegensatz zu den Verhaltnissen beim Meiischen in allen Entwicklungs- phasen relativ sehr klein. Die Griji3e der Nieren wird bei ihnen von den Neben- nieren in keinem Stadium der Entwicklung erreicht. Gegenuber den-, wachsen- den und erwachsenen Tier ist allerdings beim Fetus das Verhaltnio zwischen Nebennierengewicht und Nierengewicht einerseits sowie zwischen Neben- nierengewicht und Korpergewicht andererseits, namentlieh bei jiingi:ren Feten und speziell beim Schwein - um den Zeitpunkt der Geburt herum, relativ eng. Eine sich im Gewicht ausdruckende postpartale Involution dinr Neben- niere, wie sie in einer uberaus deutlichen Form beim Menscheii vorlrommt, ist bei den untersuchten Tierarten unter physiologischen Bedingungen nicht zu beobachten. Am Beispiel des Rindes wird das Gewichtswachstum der Nebeniiiere naher untersucht. Einige das unterschiedliche Verhalten der Nebenniere bei Mensch und Haussaugetier moglicherweise bedingenden IJrsachen werdeii in der Diskussioii kurz gestreift. Summary Growth of the Adrenals I n contrast to man, the adrenals of cattle, pig, dog and cat foetuses grow very little a t all stages of development. At no stage do they become as large as the kidney. Contrary to the weight relations of the adrenals in the growing and adult animals the relationship between adrenal weight and kidney weight
  • Ober das Wachstuni der Nebenniere 1025 on the one hand and between adrenal weight and body weight on the other - particularly in young foetuses and especially in the pig - round about the time of birth, is relatively close. A post-partum involution of the adrenal shown by a loss of weight, as occurs so clearly in man, was not observed in normal conditions in the species studied. More detailed studies were made on the weight changes of the adrenal of the ox. The differing relationships of the adrenals in man and domestic animals and their possible causes are briefly discussed. Resume La croissance des glandes surrenales Les glandes surrknales du boeuf, du porc, du chien et du chat sont a l’ktat embryonnaire relativement tres petites dans toutes les phases de leur dkveloppe- ment. Elles n’atreignent jamais, comme c’est le cas chez l’homme, la grandeur des reins. Contrairement au rapport du poids des surrknales chez l’animal en croissance et chez l’adulte, le rapport entre le poids des surrknales et le poids des reins d’une part, ou le poids du corps d’autre part est relativement ktroit, notamment chez les foetus jeunes et - surtout chez le porc - a l’kpoque prkckdent ou suivant immkdiatement la naissance. Une involution des glandes surrknales pouvant &re exprimke en poids comme elle existe sous une forme tres nette chez l’homme, n’est pas observkes dans des conditions physiologiques chez les animaux ktudiks. La croissance pondkrale des glandes surrknales est ktudike en dktail sur l’exemple du boeuf. Quelques unes des causes qui peuvent dkterminer les diffkrences de com- portement des capsules surrknales chez l’homme et les mammiferes domestiques sont l’objet d‘une courte discussion. Resumen Sobre el crecimiento de 10s adrenes Las glindulas adrenales de 10s fetos de vaca, cerda, perra y gata son, en contraposici6n con las del ser humano, muy pequeiias en todas sus fases evolu- tivas. En ellos, el tamaiio de 10s riiiones jam& es alcanzado por el de las glrindulas anterrenales en n i n g h estadio de su evoluci6n. Frente a las relaciones ponderales de 10s adrenes en el animal en crecimiento y en el adulto, las existentes entre el peso de las cipsulas anterrenales y el del rifi6n, y entre el peso de las adrenales y el peso corporal, son bastante estrechas, sobre todo en 10s fetos j6venes y - especialmente en el cerdo - alrededor de la fecha de nacimiento. La involuci6n postpartum de las anterrenales que se expresa en el peso, como se registra de una forma extraordinariamente marcada en el hombre, no se observa bajo condiciones fisiol6gicas en las especies animales estudiadas. En el ejemplo de la vaca se estudia detenidamente el crecimiento ponderal de las glhndulas anterrenales. En la discusi6n se mencionan sucintamente las causas que posiblemente condicionan el comportamiento distinto de las chpsulas anterrenales en el hombre y el mamifero domkstico.
  • 1026 SMOLLICH Literaturverzeichnis 1. AEBY, CHR., 1871: Der Bau des menschlichen Korpers. Vogel, Leipzig. 2. BACH- MANN, R., 1954: Die Nebenniere, in: Handbuch der mikroskopischen Anatomie des Menschen von W. v. Mollendorff, Bd. VI,'5. Springer, Berlin. 3. BARDELEBEN, K. \.ON, 1906: Lehrbuch der systematischen Anatomie des Menschen. Urban & Schwarzenberg, Berlin- Wien. 4. BISCHOFF, TH. L. W., 1842: Entwicklungsgeschichte der Sdugethiere und des Menschen. Vofi, Leipzig. 5. BONNET, R., 1891 : Grundrifl der Entwicklungsgeschichte der Haussaugethiere. Paul Parey, Berlin. 6. CAZZANIGA, A., 1922: Gli indici ponderali dei surreni in funzione della lunghezza e del peso del prodotto del cocepimenro. Spcrimentalc 76, 12!.-129 (zit. n. Bachmann). 7. GIERKE, E. v., 1936: Driisen mit innerer Sekretion, in: L. Aschoff: Patho- iogische Anatomie, 8. Aufl., Bd. 11. Fischer, Jena. 8. GRAU, H. , 1943: Die '3rgane mit innerer Sekretion, in: Ellenberger-Baum, Handbuch der vergleichenden Anatomic: der Haus- tiere, 18. Aufl. Springer, Berlin. . 9. GROTH, W., 1956: Die Beteiligung der Nebermierenrinde am Krankheitsgeschehen. Arch. esp. Veterinarmed. 10, 453-470. . 10. GUNTHER, G., 1927: Kompendium der Arzneimittellehre fur Tierarzte. Urban & Schwarzenberg, Bei-lin-Wien. 11. GUNDOBIN, N. P., 1912: Die Besonderheiten des Kindesalters. Allg. Tv1edizinis':he Verlags- anstalt, Berlin. . 12. HARTMAN, F. A. and I
Fly UP