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Sexualverhalten von Auszubildenden in Gesundheitsfachberufen; Sexual behavior among students in healthcare professions;

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  • 1 3 Wissenschaftliche Kurzmitteilung Zusammenfassung Einleitung/Zielstellung Da bislang nur sehr wenige studien zum sexualverhalten von auszubildenden in gesundheits- fachberufen vorliegen, sollte das sexualverhalten dieser auszubildenden untersucht werden. Methodik an einer medizinischen Berufsfachschule wur- den im rahmen einer Vollerhebung 433 standardisierte an- onyme fragebogen zum sexualverhalten und zu methoden der schwangerschaftsverhütung ausgegeben. Die antwor- ten von 301 Pflegeschülern und 131 weiteren auszubilden- den in gesundheitsfachberufen waren auswertbar, sodass in die analyse insgesamt 432 fragebogen eingingen. Ergebnisse in den letzten 12 monaten vor der Befragung verkehrten die Pflegeschüler mit durchschnittlich 1,6 se- xualpartnern und die schüler der Vergleichsgruppe mit 1,5 sexualpartnern. Bei sexuellen Kontakten mit neuen Partnern verwendeten nur 66,4 % der Pflegeschüler und 80,6 % der schüler der Vergleichsgruppe immer Kondome. eine ungewollte schwangerschaft berichteten bereits 4,7 % der Pflegeschüler und 3,3 % der schüler der Vergleichs- gruppe bzw. deren Partnerin. Diskussion/Schlussfolgerungen Die ergebnisse weisen auf unzureichende Kenntnisse beim schutz vor sexuell über- tragbaren Krankheiten und bei der schwangerschaftsverhü- tung hin. Deshalb sollte das thema sexualität noch stärker in der ausbildung in gesundheitsfachberufen berücksich- tigt werden. Schlüsselwörter  auszubildende in gesundheitsfachberufen · sexualverhalten · sexuelle Kontakte · schwangerschaftsverhütung · Pflegeschüler Sexual behavior among students in healthcare  professions Abstract Background/Aims Only a few studies relating to sexual behavior among students in healthcare professions have been carried out. therefore the aim of this study was to investigate sexual behavior among students in healthcare professions. Methods all 433 students of a regional college for health- care professionals were asked to complete a standardized and anonymous questionnaire. altogether 301 nursing stu- dents and 131 students from other healthcare professions participated. Results the nursing students reported an average of 1.6 sexual partners and the other students 1.5 sexual partners within the previous 12 months. in sexual contacts with new partners 66.4% of nursing students and 80.6% of the other students always used condoms. an unwanted pregnancy was reported by 4.7% of nursing students and 3.3% of the other students or of the partners. Discussion/Conclusions the results indicate a lack of knowledge about preventive measures for sexually trans- mitted diseases and contraception in the investigated stu- dents. therefore, education of these future healthcare pro- heilberufescience (2012) 3:93–96 DOi 10.1007/s16024-011-0042-7 Sexualverhalten von Auszubildenden in Gesundheitsfachberufen Katharina von Lindeman · Joachim Kugler ·  Jörg Klewer K. von lindeman, Diplommedizinpädagogin () medizinische Berufsfachschule der Klinikum chemnitz ggmbh, Berganger 11, 09116 chemnitz, Deutschland e-mail: k.v.lindeman@web.de univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. Kugler lehrstuhl gesundheitswissenschaften/Public health, medizinische fakultät, tu Dresden, Deutschland Prof. Dr. med. habil. J. Klewer fakultät gesundheits- und Pflegewissenschaften, Westsächsische hochschule zwickau, Deutschland eingegangen: 19. mai 2011 / angenommen: 10. Juni 2011 / Online publiziert: 6. Dezember 2011 © springer-Verlag 2011
  • 1 3 94 K. von lindeman et al. fessionals requires issues relating to sexual behavior to be intensified. Keywords  health care professions · sexual behavior · sexual contact · contraception · nursing students  Einführung Die ausbildung in der Krankenpflege erfolgt mit der ziel- stellung, dass Pflege ausdrücklich unter einbeziehung von präventiven maßnahmen zu Verbesserung, erhaltung sowie förderung der physischen und psychischen gesundheit der zu pflegenden menschen stattfinden soll, worunter auch die Beratungen zum Präventions- und schutzverhalten beim sexualverhalten fallen [2]. insgesamt ist die studienlage zum sexualverhalten von auszubildenden in gesundheits- fachberufen rar. Die wenigen aktuellen studien zeigen, dass selbst unter auszubildenden der Pflegeberufe unzureichende Kenntnisse bei der Kondombenutzung und zu Übertragungs- wegen von hiV häufig anzutreffen sind [3, 5]. norris und Beaton [5] überprüften in Boston das Wissen über geeig- neten Kondom- und gleitmittelgebrauch bei 79 Kranken- pflegestudentinnen („nursing students“), 92 studentinnen und 65 gefährdeten Jugendlichen. Weder die Krankenpfle- gestudentinnen noch die studentinnen hatten ein besseres Wissen als die Jugendlichen, die kein college besuchten. ferner beantworteten 27–66 % der Kondom benutzenden teilnehmer die fragen nach gleitmitteln nicht richtig. alle dachten, dass unsichere gleitmittel sicher wären und umge- kehrt, woraus die autoren schlussfolgerten, dass die Jugend keine Kenntnisse über geeignete Kondome besäße [5].  Zielstellung anliegen der studie war es, in einem deskriptiven ansatz das sexualverhalten von auszubildenden der gesundheits- fachberufe zu ermitteln.  Methodik Die untersuchung fand an einer großen medizinischen Berufsfachschule in sachsen statt. alle auszubildenden wurden mittels eines standardisierten anonymen fragebo- gens im rahmen der unterrichtsveranstaltungen befragt. Der fragebogen beinhaltete teile eines fragebogens, der bei auszubildenden in der Pflege bzw. bei Pflegepersonal eingesetzt wurde [3, 4, 7]. abgefragt wurden neben sozio- demografischen Daten u. a. die anzahl der sexualpart- ner, sexualpraktiken, Kondombenutzung, methoden der schwangerschaftsverhütung, hiV-testung und bisher durch- gemachte geschlechtskrankheiten. Bei dieser untersuchung handelte es sich um eine Vollerhebung, in der 433 fragebo- gen ausgeteilt und 432 ausgefüllt zurückgegeben wurden. Die auswertung der Daten erfolgte vergleichend zwischen den 301 Pflegeauszubildenden (gesundheits- und Kran- kenpflege sowie gesundheits- und Kinderkrankenpflege) und den 131 auszubildenden der fachrichtungen heb- ammenwesen, Physiotherapie und medizinisch-technische laboratoriumsassistenz.  Ergebnisse  Alter beim ersten Geschlechtsverkehr, Anzahl   der Sexualpartner Das alter beim ersten geschlechtsverkehr lag bei den Pfle- geschülern bei durchschnittlich 15,5 Jahren geringfügig niedriger als bei den schülern der Vergleichsgruppe mit durch- schnittlich 15,8 Jahren. Bezogen auf die lebenszeitprävalenz gaben die Pflegeschüler im mittel insgesamt 4,2 sexualpart- ner und die schüler der Vergleichsgruppe 3,4 sexualpartner an. in den letzten 12 monaten vor der Befragung verkehrten die Pflegeschüler durchschnittlich mit 1,6 sexualpartnern und die schüler der Vergleichsgruppe mit durchschnittlich 1,5 sexualpartnern. Dabei unterschieden sich die mittelwerte der beiden gruppen nicht signifikant (tab. 1).  Sexualpraktiken Bei den sexualpraktiken und der häufigkeit von gleich- geschlechtlichem Verkehr zeigten sich keine signifikanten Tab. 1 alter beim ersten geschlechtsverkehr und anzahl der sexual- partner der befragten auszubildenden Pflegeschüler (n = 301, angabe in %) Vergleichs- gruppe (n = 131, angabe in %) statistischer unterschied (χ²-test) Alter beim ersten Geschlechtsverkehr (Jahre) Durchschnitt 15,53 15,79 n. s. spanne 10–21 10–19 Anzahl der Sexual- partner im bisherigen Leben Durchschnitt 4,21 3,40 n. s. spanne 0–40 0–27 Anzahl der Sexual- partner der letzten 12 Monate Durchschnitt 1,61 1,50 n. s. spanne 0–20 0–20 n.s. nicht signifikant
  • 1 3 95sexualverhalten von auszubildenden in gesundheitsfachberufen unterschiede zwischen den beiden gruppen (tab. 2). fel- latio und cunnilingus wurden gelegentlich bis regelmäßig von ca. zwei Drittel der auszubildenden praktiziert, anal- verkehr kaum.  Kondombenutzung, HIV-Test   und Geschlechtskrankheiten Bei sexuellen Kontakten mit neuen Partnern verwendeten 7,8 % der Pflegeschüler nie Kondome, 25,8 % gelegentlich und 66,4 % immer. Von den schülern der Vergleichsgruppe benutzten 4,8 % nie Kondome beim geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner, 14,5 % gelegentlich und 80,6 % immer. Bei der Kondombenutzung beim geschlechtsver- kehr mit einem neuen Partner unterschieden sich die bei- den gruppen signifikant (χ²-test, p = 0,014). Während bei 66,3 % der Pflegeschüler und bei 67,3 % der schüler der Vergleichsgruppe noch nie ein hiV-test durchgeführt wurde, hatten sich bereits mehrmals 4,0 vs. 5,3 % einem hiV-test unterzogen. Bei der Blutspende wurden 22,0 vs. 20,6 % auf hiV getestet. einmalig oder mehrmalig durch- gemachte geschlechtskrankheiten wurden von 5,0 % der Pflegeschüler (15 Personen) und von 5,3 % der schüler der Vergleichsgruppe (7 Personen) berichtet. innerhalb der Variablen hiV-test und geschlechtskrankheit unterschieden sich die untersuchten gruppen nicht signifikant (tab. 3).  Methoden der Schwangerschaftsverhütung   und ungewollte Schwangerschaften zur Verhütung einer schwangerschaft verwendete der größte teil der befragten auszubildenden oder deren Partner orale antikonzeptiva (78,0 % der Pflegeschüler vs. 71,7 % der schüler der Vergleichsgruppe). andere mittel und metho- den zur empfängnisverhütung nutzten 24,8 vs. 22,6 %. eine ungewollte schwangerschaft hatten bereits 4,7 % der Pflegeschüler (14 Personen) und 3,0 % der schüler der Ver- gleichsgruppe (4 Personen) bzw. deren Partnerin.  Diskussion ziel der erhebung war es, das sexualverhalten bei aus- zubildenden in gesundheitsfachberufen zu ermitteln. Die ergebnisse sind für die medizinische Berufsfachschule repräsentativ und lassen sich, aufgrund des großen einzugs- bereichs der Berufsfachschule, auf die region übertragen. auch wenn bei der Befragung mittels anonymen frage- bogens möglicherweise antworten im sinne einer sozialen erwünschtheit hätten erfolgen können, lässt die Verwendung eines erprobten fragebogens dieses Problem eher geringfü- gig erscheinen [3, 7]. Die angaben der auszubildenden der gesundheits- fachberufe zu ihrem sexualverhalten lassen einerseits die schlussfolgerung zu, dass zwar durchschnittlich kein ris- Tab.  2 sexualpraktiken und häufigkeit des gleichgeschlechtlichen Verkehrs der befragten auszubildenden sexualpraktiken (n = 432) Pflegeschüler (n = 301, angabe in %) Vergleichsgruppe (n = 131, angabe in %) statistischer unterschied (χ²-test) Fellatio nie 31,1 34,7 n. s. einmal 3,4 6,8 gelegentlich 43,2 39,0 Regelmäßig 22,3 13,5 Cunnilingus nie 31,4 34,7 n. s. einmal 4,1 6,8 gelegentlich 42,6 42,4 Regelmäßig 22,0 16,1 Analverkehr nie 70,2 70,9 n. s. einmal 14,2 17,1 gelegentlich 14,2 9,4 Regelmäßig 1,4 2,6 Gleichgeschlecht- licher Verkehr nie 89,3 88,5 n. s. ein mal 5,0 6,6 Regelmäßig 5,7 4,9 n.s. nicht signifikant Tab. 3 Kondombenutzung, hiV-test und geschlechtskrankheiten der befragten auszubildenden Pflegeschüler (n = 301, angabe in %) Vergleichs- gruppe (n = 131, angabe in %) statistischer unterschied (χ²-test) Kondombenutzung nie 7,8 4,8 p = 0,014 gelegentlich 25,8 14,5 immer 66,4 80,6 HIV-Test nein 66,3 67,3 n. s. einmal 7,7 6,9 mehrmals 4,0 5,3 Bei der Blutspende 22,0 20,6 Geschlechtskrankheiten nein 95,0 94,4 n. s. einmal 5,0 4,0 mehrmals 0,0 1,6 n.s. nicht signifikant
  • 1 3 96 K. von lindeman et al. kantes sexualverhalten praktiziert wurde, jedoch anderer- seits bei den themen Kondombenutzung oder methoden zur schwangerschaftsverhütung Defizite bestehen, die bei den Pflegeschülern stärker ausgeprägt waren als bei den schülern der Vergleichsgruppe. Da immerhin 14 Pflege- schüler und 4 schüler der Vergleichsgruppe bzw. deren Partnerin ungewollt schwanger geworden waren, weist dies darauf hin, dass die auszubildenden mangelhafte Kennt- nisse über Verhütungsmethoden besitzen, weshalb sie bes- ser an informationsmöglichkeiten herangeführt werden müssen. Obwohl die ergebnisse belegen, dass sich das Wissen und das eigene sexualverhalten der untersuchten auszubildenden nicht wesentlich von dem anderer auszu- bildender der gesundheitsfachberufe [3, 5] sowie von dem deutscher Jugendlicher unterscheidet [6], ist dies trotzdem für die Pflegeschüler bedenklich, da ihnen die unterrichteten ausbildungsinhalte zu den themen gesundheitsförderung, schutz vor übertragbaren Krankheiten und den folgen ris- kanten sexualverhaltens bekannt sein müssten.  Fazit Künftig müssen gesundheitsfördernde und präventive maßnahmen im sexualverhalten, wie der schutz vor übertragbaren Krankheiten und methoden der schwan- gerschaftsverhütung, noch stärker in der ausbildung an medizinischen Berufsfachschulen berücksichtigt werden, damit die auszubildenden die unterstützung, Beratung und anleitung in gesundheits- sowie pflegerelevanten fra- gen fachkundig gewährleisten können [1]. Da erworbenes fachwissen über sexualität und sexualverhalten aufgrund besonderer umstände sexueller handlungen nicht automa- tisch zu einer umsetzung in eigene Verhaltensweisen führt, sollte dies im rahmen von unterrichtsveranstaltungen stär- ker thematisiert werden. Literatur 1. ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege (KrPflaPrV) vom 10. november 2003 (BgBl. i s. 2263), geändert durch artikel 5 nr. 19 des gesetzes zur reform der beruflichen Bildung (Berufsbildungsreformgesetz – BerBi- refg) vom 23. märz 2005 (BgBl. i s. 931), zuletzt geändert durch artikel 35 des gesetzes vom 2. Dezember 2007 (BgBl. i s. 2286). 2. gesetz über die Berufe in der Krankenpflege (Krankenpflegege- setz – KrPflg) und zur Änderung anderer gesetze vom 16. Juli 2003 (BgBl. i s. 1442), geändert durch artikel 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2004 (BgBl. i s. 1442), zuletzt geändert durch artikel 12a des gesetzes vom 17. Juli 2009 (BgBl. i s. 1990). 3. Klewer J, aguinaga-Ontoso i, guillen-grima f, sasnauskaite l, Pavilonis a, Kugler J. sexual behaviour and condom use – Dif- ferences between health care students from germany, spain and lithuania. in: monduzzi editore, herausgeber. XiV. international aiDs conference. litosei-rastignano, Bologna, 2002, s. 201–4. 4. neumann P, Klewer J. Das gesundheitsverhalten von auszu- bildenden im sozialpflegerischen Bereich. eine untersuchung an Berufsbildenden schulen in sachsen. Pflegewissenschaft. 2010;12:672–7. 5. norris ae, Beaton mm. Who knows more about condoms? a com- parison between nursing students, education students, and at-risk adolescents. mcn am J matern child nurs. 2002;27:103–8. 6. robert Koch-institut, statistisches Bundesamt, herausgeber. schwerpunktbericht der gesundheitsberichterstattung des Bun- des. gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Berlin: robert Koch-institut; 2004. 7. tracogna u, Klewer J, Kugler J. gesundheitsverhalten und gesundheitszustand von Pflegepersonal im Krankenhaus. gesundh Okon Qual manag. 2003;8:115–9. Sexual behavior among students in healthcare professions Zusammenfassung Abstract Einführung Zielstellung Methodik Ergebnisse Alter beim ersten Geschlechtsverkehr, Anzahl der Sexualpartner Sexualpraktiken Kondombenutzung, HIV-Test und Geschlechtskrankheiten Methoden der Schwangerschaftsverhütung und ungewollte Schwangerschaften Diskussion Fazit Literatur
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