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Praktische Durchführung der sozialen Kieferorthopädie im Bezirk Erfurt

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  • J~'ortschritte der Is Bd. 17 t-I. 4 (1956) Der Vergleieh der Aufna.hmen des linken Unterkiefers 1/~t3t zu Beginn der Be- h~ndltmg (Abb. 3) ein n~ch untel-I ver].agertes und naeh ~orn gekipptes Kinn- fragment erkennen. Der besonders im oberen Ant, eli welt klaffende Bruehspalt ist in seinem un{>eren 71)rittet inIblge {)berlagerung der Fragmentant.eile nieht erkennbar. Die l~6n~genaufnahme naeh Absehlu8 der Behandlung (Abb. 4) stellt den Bruchspalt nicht mehr dar. Diese TaCsa.ehe jedoeh ist dureh die Pro- jektiorl teil-weise erkliirbar, da sieh die Fragm.entenden stellenweise ~iberdeeken. Andererseits karat, dgs Fehlen eines BruehspMtes auf diesem iRSntgenbild dureh diesen Umsta.nd Mlein nieht erkl/irt; werden, da. dim Strahlenriehtung bei beiden Auih~hmen keine grol?e 7Differenz aufweist. Weit.er ist auf dieser Aufna.hme er- sieht.lieh, dab das Kinnfmgment weitgehend reponiert isle., wodureh das unt:er- sehiedliehe Aufnahmeergebnis zustande gekommen ist. Dgs vorgefLihrte Behandl-angsresul~at einer beiderseitigen Pseudarthrose im vorderen Bereiehe der ~Iandibult~ kann nur dureh Vermittlung optimaler funk- tionetler Reize erMgrt werden. Wir mfissen uns dgbei allerdings eingestehen, dab gewisse ~Fra.gen unbeantwortet b leiben, t/el m~serem Behandlungsfall wurde die Pseudarthrosenbildung dutch eine Weiehteilin*,erposition erklgrt, iiber deren {)berwindung dureh Knoehenneubild~mg bei der Anwendung des Aktivators und einer Kinnkappe vorlgufig keine Aussagen gemacht, werden k6nnen. Derzeit steht ein zweiter Pseudarthrosefatl mit einem. Bruehspa.lt zwisehe:n links u:nten Fund 1"6 lit funktionskieferorthop~idiseher Behandlung. N~eh einer Behandlungszeit. vo~ 13 Tagen isg aueh hier eine sieh anbahnende Konsolidierm~g ldiniseh e:indeutig feststellbar. Es wird zu einem sp~%teren Zeitpunkt fiber die Ertbtgssietterheit dieser ~orwiegend fkmktionellen 5Iethode bei der Behandlung der Pseudarthrose im vorderen Bereieh der Mandibu]a zu beriehten sein. Amschrif~ d. Yer{. : Dttsseldorf, Jlimmelgeisterst;r. 152 Aus tier kief~rorthopa.dischen Abteihmg (Leiter: Oberarz~c Dr. Bode Steinle) der Z,~hn- und Kief?rklinik Erf'ltrt (()hefarz• : Dr. med. S e h n e i d e r) Praktische Durchfiihrung der sezialen Kieferorthopiidie im Bezirk Erfurt I) Yon Dr. Bode Steinlc, EHurt ~Fachzahnarzt fiir Kieferortho]~idie Nit 8 Abbildungen Vor 2 gahren ~ar das Hauptthem~ unserer Tagung in BomTt die soziale Kiefer- orthop~die. Na:mhaf'te Vertreter aus dem In- und Ausland, wie Korkhaus , Kantorowiez , Re iehenbaeh, Neumann, Sieberth., Nord u. v. a. haben fiber die praktische Durehf'iihrung beriehtet: und wertvolle Am'egungen ffir kom- mende &r ffir die auf diesem wicht;igen Gebiet. t~tigen Kollegen gegeben. Ge- fordert wurde: Eine breite Aufkl~immg unseres kieferorthop/~disehen unbelaste~ Kollegenkreises, e:ine Ausbildung der Sehulzah:ngrzte, um einfaehe Behandlungen selbst durehftthren zu kSnnen - v-on Kantorowiez gefordert und yon Kork - b a u s und H a u s s e r in Nordrhein-Westfalen durehgeffihrt - und enge Zusamme~- arbei'[ mit der Sehulza.lmpflege, um somit die kieferorthop/idisehe Prophylaxe 1) Vortra.g, gehalten yon 1~. S t ein] e am 30.7. 1956 anli~glict', der Tagung der Deutscher~ Gesellsehaft fftr Kieferorthop~idie, Bad Goderberg.
  • B. Steinle, Praktisehe Durehffihrung der sozialen KieferorthoI?gdie im Bezirk Erfllrt 333 einzufiihren. Klarhei~ herrseht ferner dar/iber, dab im SchulMter die AnomMien bereit.s iil ihrer Entwieklung welt fort, gesehritten oder teilweise ausgebildet sin& Die kieferort, hop~disehe Behandlung kgm also in vielen F/fllen sehon zu spi~t~ Bei der Prophylaxe im KleinkindMter, M so bei der Friihbehandlung beginnt die soziMe Kieferorthopgdie. Aber nur dann, wenn die Forderung yon Xorkhaus naeh einer plamni~Bigen und systematisehen Prophylaxe eingehalten wird. Dies erfordert hierflhr geeignete Behandlungsst~ttten und eine umfassende Organisation. Abb. 1. In~gesamt 5 ]~ehandlung,sr/iume mit gleieher Einrichtuug sind ir~ der kiefel:orthopSdischen Xbteilung VO ~ha~Id (~ll Seit 21/~ J~hren ~rbeifen wit in Erfl~rt in diesem Sinne. Da die his zu diesem Zeitpunkt an der Z~zhn- und Kieferklinik Erfurt bestehende kieferorthop~disehe Abteihmg, sowohl raum- Ms auch ausbildungsmiiSig den neuen Anforderungen nicht entspraeh, wurde eine neue kieferorthop~dische Abteilung in dem Stadt- gesundheitsamt eingerichtet. In ihr arbeiten 4 Kieferorthop~den uud 2 Absof venten, deren Aufgabe es ist, die Sanierung und ansehlie/tende Versorgung der Kindergartenkinder mit kieferorthop:~idiseheu Frtihbehandlungsmitt.eln dureh- zuffihren (Abb. 1). Ffir die technischen Arbeiten der Kieferorthop~fden stehen ein Zahnteehuiker- meister mi~ drei ZMmteehnikern und f6r die Kinderga.rtenst~nierung sowie f~ir die technisehen Arbeiten yon AuBenstellen steht ein Zahnteehniker auSerdem zur Verffigung. Die ~ul3erst wichtige Aufklgrung breiter Bev61kerungskreise fiihren wit dureh Beteiligung an 6ffentliehen Ausstellungen des Gesundheitswesens sowie durch Aufstelhmg eines umfangreiehen kieferorthop/~disehen Sehaukastens dutch (Abb. 2 und 3). Um eine gestellte Aufgabe einer L{Ssung reeht nahe zu bringen, mu8 ihr eine grundlegende Unterlagenforsehung vorausgehen. Wit standen vor der Frage, soil, um dieser Vielzahl an AnomMien im Bezirk Erfur~ m it starkem Zustrom aus den ~ngrenzenden Bezirken Gera und SuM einigermal3en Herr zu werden, die Forgschritfe der Kieferorthopiidie Bd. 17 !![. 4 23
  • 334 Fortsehritte der Kieferorthopadie Bd. 17 H. 4 (1956) Zahl der behandelnden Kieferorthopgden erh6ht werden oder die Zahl der Schul- zah:ngrzte oder beides. Letz~eres stellt logiseherweise den Idealzusgand dar und -w~re bei~_?berwindmlg 5konomiseher Sehwierigkeiten praktiseh durehffihrbar. Tat- sgehlieh stehen je- doeh nnr zwei haupt- amtliche Schulzahn- grzte f6r die S~nie- rung der 66000 Kin- der und Jugendlichen des St~dtgebietes zur Verf/igung. Um Kl~rhei~ zu erhalten, h~ben wir Kieferorthop~tden vor Beginn der Ak- tion die 23 Erfurter Grundschulen des Stadtgebietes auf Karies, frfihzeitigen Milchzahnverlust und auf Anomalien nach der Donner Diagno- stik untersucht. In Abl~. ~ diesen Schulen war- den insgesamt 14450 Schiller im Alter yon 6-- 14 Jahren erfal~t. Das Ergebnis der Auswertung des Ka- ties- und Anom~lie- spiegels w~r erschrek- kend, jedoch /ingerst a,ufgchlnBreich, da, die Zusammenhgnge zwisehen dem Karies- befall, dem friihzei- tigen ~Iilchzahnver- lust und den Ano- malien deutlieh sieht- bar ! wurden. Kh~r zeigte sieh. bei der ge- gen/iberstelhmg der einzelnen Sehulen, dab eine starke Ka- ~1,~. '.~ riesanffilligkeit bei Abb. 2 und 3. Beleuehteter transportabler 8chankasten mit Anomalien nach g le iehze i t igem h in - der Bolmer Diagnostik, den verschiedensten kieferorthoDfidischen Behandhmgs- behelf~n u .d J3ehandhmgserfolgen fangre iohem Milch- zahnverlust die An- zahl der Anomalien stark vermehrt. Damit ist zugleich der Beweis ffir die Pdchtigkeit des Systems der Bonner Schulzahnpflege erbracht, dab eine plan-
  • B. Steinle, Praktische Durohfiihrung der sozialen Kieferorthopi~:lie im ~Bezirk Erfl.~rt 335 m~13ige nnd systematische Schnlzahnpflege allerorts unbedingt durchgefiihr~ werden mug. Als Durehschnitt wurden 61,5% Anomalien errechnet. Diese Zahlen decken sich mit denen yon Bonn und Halle. FLierzu der Anomaliespiegel der 6-14ji~h- rigen Schiiler der 23 Erf'urter Grundschulen (Abb. 4 und 5). Grund- Beispiele: schule 27 Kariesfrei = 52,5(}s Vorzeitiger Milchzahnverlust = 25% 2~ , , = 3o % 13 ,, = 52 % Von grol3em Inferesse % waren ftir uns ferner ao Untersuetmngen an den 75 Einsehiilern und in den 70 65 Kindergi/r~en. Vor den 5o Un~ersuchungen wurden 55 alle Leigerirmen der Kin- 5o derg/~rten dutch Vortr/~ge ~5 mit ])iaposi~iven em:fge- ~C kl~rt und zur Mitarbeit 35 30 gewormen. 25 Untersueb~ wurden in zo den konfessionellen und ~s .~taa~liehen Kindergarten ~o 1792 3-6j~hrige Kinder. 5 0 Abb. 4. A,nomalie- l ind ](ariesspie- gel der Stadt Erfurt 1955i56. l"est- geste!l~ an 14450 Schfilerl~ in 23" Gt'undschulen (6------14.3ahre) Anomal ien = 42 ,5% �9 O / . . . . == 12/o ,, : 47 % 5., i - '~ i % : ' I _ . ,.. ~ I "7 ~4, .." ~ .; ; f ' " t : ~ :v~. . , , / ..... '",, �9 .., , / v ~(..." ": v" I I I I '~' 1 I t I I I l ] I I 1 t I I I i I I i 8 9 10 2 23 7 5 2528 5 3031s'/}sZ 27'~'~/~29 7#21 3 17 73 Anomch~n ~runffschule . . . . . vorzelts)~erM12chzahnveWust" 7D BezirL~lord }o 49 28 .q 70 2 23 ! . . . . . . . . . . . Kom~'sfre/ ~ezir~ Ost 5 25 28 Bez/rk3U6 5 3Q N 7/~ Bezs?k We~t ~ 8ez/rk Mffte ~0 7O ~0 50 ~ 5er Verlust 40 ~I1 5er F~)llung 30 ~ 6erSam~s 20 ~] fru,~z M&hz YerL ?O [] K~r/}Mre/ [] Anoma/z2fz ~Y~s 7 27 7z/2~ Io/22 4 74 21 3 77 13 Orundschule Abb. 5. AnomMie- Ut:Ld [KarieSSl+iegel der Sh~dt Er furt 195556, er~+eitert aufVer]ust, Fiillungen uml I(aries der 6-Jabr-3~olareu be[ 14450 SchiiIerJ[ 23"
  • 336 Fortschritte der Kieferor{hop/idie Bd. 17 i~. 4 (1956) Eine Auswertung nach Kantorowicz ergab 77,7% KariesbefaH. Kantoro - wiez gibt eine Kariesfl'equenz yon 71% und t~e iehenbaeh yon 78% an. Unsere Ergebnisse deeken sieh genau mit denen yon Halle (Abb. 6). Die genauen Auswertungen naeh Kangorowiez in bezug auf die Lutseh- gruppe, gtiologisehe Kariesgruppe, Kompressionsgruppe und hereditgre Gruppe ergeben jedoeh einige prozen~uale Abweiehungen. ]~ei 1792 Kindern fanden wit 825 Anoalalien = 45,9o/o. Voi1 diesen 825 Anoo malien entfallen auf die Lutsehgruppe 43%, auf die Kariesgruppe 35,50/o, auf die Kompressionsgruppe 20,2O/o, auf die hereditgre Gruppe 1,3~o. An der Gesam~zahl der Anomaliem ~kf ~ hat das Imtsehen und der vorzeitige ~77.7 ~ Zahnverlust bzw. kari6se Milehzahn- / ~Zu~3% zerstSrung einen Anteil yon 78,5?/o. Fast. die ttfi.lft.e der Anomalien entf/illt auf die Lut.sehergruppe (Abb. 7). /(a , e~,n~0/~ j / - Auf Grnnd der gefundenen Unter- + ~ '~/ / lagen haben wir systematiseh alle Er- ~(~25.5% furter konfessionellen und staat.liehen \ / / Kinderggrten erfagt., saniert und mit .-. ~ D ~ Liiekenhaltern sowie mit kieferort.hopii- ~/~/~/ At, b. r dischen Frfihbehandlungsbehelfen vet- """ Abb. 7. Au f te ihmg der Anomal imJ - sorgt.. ~Vohlbemerkt nm' {tie unbeding~ }(a 2~3 grupDe und ih re I2ntergrup l~en behandlmlgsbedfirftigen Anoma]ien, wie Xreuzbisse, echte Progenien, /re/ Lutschprotrusionen und lutschoffene . Abb . 6. Yer te i l tmg der kar i6sen Mi l ch - 1 z f ihneaufd ie 1792 3 -6 j~ ihr gmtX inder Bisse. Desoleichen werden yon uns sei~. Abb. 6 - -o �9 2 Jahren in enger Zusammenarbeit mi~ der B'~/i{terberatung und der Sguglingsf~irsorge alle Einsehfiler der einzelnen Stadt- bezirke untersueht, die 3Ifitter aufklgrend beraten und unbedingt behandlungs- bediirftige Anomalien bei elterlichem Einverstiindnis in Behandlung genommen. So :ist es uns gelungen, in diesera Jahre zum zweitenmal beginnende progene Verzahnungen, Zwangsbisse und eehte Progenien in einer grot~en Anzahl ab- zufangen und die GebiSentwieklung in normalere Bahnen zu lenken. Naeh ~l]'ber- stelhmg dieser Anomalien verbleiben die Patienten in halbjghrlieher Kontrolle. GroSen Weft legen wir ferner auf die Aufklgrung mid AbgeuShnung der Lutsehu:narten. In grot3em Urn fang werden Ltiekenhalter na.eh K or khans und die yon uns engwiekelten Antilutsohk6rper eingesetzt. Dureh Verbindung des Mundinneren mit der Augenwelt wird das Saugeu und Lutsehen unm6glieh. An dem Lutsehk/3rper wird bei Kleinkindern ein KunststoffrShrehen oder Drain- sehlaueh mit Leukoplast fixiert. Bei glteren Lutsehern wird yon dem Lutseh- k6rper ein Abdruek genommen und auf diesem Modell der Antilutsehkgrper aus weiehbleibendem Kautsehuk oder skelettiert aus Kunststoff hergestellL hn Oegensatz zu Westdeutsehland finden wit in Mitteldeutschland eine ver- hglt, nism/igig starke Kariesanfglligkeit. Dutch tggliehe Applikation yon NaF- Tabletten an Kindergartenki:nder versuehen wir die Kar:iesfrequenz herab- zusetzen. Aueh die Seehsj/~hrigen in den 1. Klassen der Grundsehulen erhalten tgglieh dureh die Klassenlehrer NaF-Tabletten. Naeh einigen Jahren soll iiber Erfolg oder Mil~erfolg der NaF-Tabletten~vpplikation naeh Durehffihrung yon Reihenuntersuehungen beriehtet werden.
  • 13. Steinle, Praktische Durchfiihrung der sozialen Kieferortho]?/~die im Bezirk Erfurt 337 Da die eingangs erwahnten zwei hauptamtlichen SchulzahnSrzte eine pian- m/~gige Sanierung auf keinen FM1 Mlein durehffihren kSnnen, die yon uns dureh- geffihrte Kindergartensanierung praktiseh umsonst gewesen w/~re, wurden die freien Praktiker und staatliehen Einrichtungen yon diesem Problem in Xenntnis gesetzt, um gemeinsam eine systematische Sehulzahnpflege einzufiihren. An diesen gemeinsamen Besprechungen haben auf~erdem Vertreter der Sehule, der St~ndigen Kommission ffir Gesundheitswesen und Sozialffirsorge sowie Ver. AI)I). $. Die zahn~rztliche Versorgung der Kindergartenkinder, Schiller und Lehrlinge wird durch die Zusammen- arbeit der h'eien Pr~ktiker, tier staatlichert Einr~chtungen, der kief~rorthopfidischen Abteihmg und dcr Schul- zahnpflege gesichert t, reter der Elternbeirgte teilgenommen. Praktische Erf~hrungen bei der Sa,nierung yon zwei Grundschu len dutch einen Zahnarzt des freien Praxis wurden aus- gewerCet und beseh]ossen, dag ab I. 9. ].956 25 freipraktizierende Zahn~Lrzte und alle staatlichen EJnrichtungen der S~adt Erfurt mit der Sanierung der Grund- sehulen beginnen werden. Somit :ist es mSglieh, fiir jede S ehule 2 Zahn~rzte zur Sanierung einzusetzen, wiihrend die Sehuluntersuehungen und ]3ehandhngen welter dureh die 2 ha uptamtliehen Sehulzahn~rzte durehgeffihrt werden. Die Zubringung der Sehulkinder zur Sanierung in den freien Praxen oder staatliehen Einriehtungen erfblgt dureh AuiMehtspersonaI w/~hrend der Sehulzeit. Um den Patientenstrom aus den Bezirken einzudammen, wurden aeh~tagige Fortbildungskurse f/ir die hauptamtliehen Schulzahn/irzte im Bezirk Erfurt ab-
  • o,q Oc: Fortschlritte der Kieferor~hopgdie Bd. I7 H. 4 (1.956) gehaIten. ]~is zum Ende dieses Jahres folgen noch weitere 3 Kurse, so dab dann Ende 1956 insgesamt 65 Za.hn~rzte den kieferorthopi~dischen Grundkursus ab- solviert haben. Die einfachen kieferorthop~dischen Arbeiten werden vorI~tufig yon diesen Kursusteilnehmern zu uns nach Erfurt geschiekt, wo sie yon dem Zahntechniker fiir Schulzahnpflege hergestellt werden , bis die Techniker der Kursusteilnehmer in achttggiger Hospitation die Grundbegriffe der kieferortho- p~dischen Technik erhMten haben. Ein Tell dieser Teehniker ha~ bereits hos- pitiert. Im Laufe der Zeit wird es somit m6glieh sein, dM~ sich die Kieferorthopgden in Erfurt nur der Betreuung der Erfurter Schulkinder widmen kSnnen. Zmn Schlug meiner Ausfiihrungen darf ich Ihnen noeh mitteilen, da$ es uns gelungen ist, vor einem hMben Jahr in einem Kindergarten durch Unterstiitzung dieses Betriebes eine Kindergarten-Zahnstation einzuriehten. Naeh der jetzt ab- geschlossenen Sanierung und Versorgung dieses Kindergartens mit kieferortho- pgdischen Fr/ihbehandlungsbehelfen wird diese Zahnstation fiir die Schulbehand- lung eines Stadtbezirkes eingesetzt (Abb. 8). Die Kindergartensanierung der 63 Erfurter Kindergiirten ist jedoeh nicht Mleinstehend. Die Sehulzahnpflege in Eisenach hat yon 14~ bereits 7 Kindergarten seit einiger Zeit saniert. Wie ieh unterrichtet wurde, hat aneh die Sehulzahnpflege in HMle gemeinsam mit der kief~rorthop~tdisehen Abteilung bereits 3 Kinder- ggrten in Behandlung genommen. Wit sind uns bewugt, dab noeh einige Jahre vergehen werden, bis gueh in anderen St~idten die Einf~hrung der soziMen Kiefbrorthop~tdie ihre Verwisk- liehung finder. Wir glauben jedoeh, dM~ wit mit dem sich jetzt schon langsam abzeichnenden, ganz kleinen Anfangserfolg, den rechten Weg beschritten haben. Die Forderung der Jugendzahnklinik der Stadt und des Bezirkes Halle/SaMe auf dieser Tagung durch H. Taatz , ,,Kiefesosthop~dische Prophylaxe nicht zu fbrdern, sondern a uch durchzuffihren", ist somit bereits in Erfurt. verwirldieht. ZusammeMassung 1. Vor der Untersuchung der Xinderg~rten, Vorschiiler und Schiller wul'den dis Leite- rinnen der Kindergarten und Schulleiter tiber die Wiehtigkeit der Sanierung nnd kiefsr- orthop/~dischen Friihbehandlung durch Vor~r/~ge mit Diapositiven aufgekl/~rt. 2. Durch Absolventen wurdeu die 62 Xinderg~trten in tier Schulzahnpflege der kiefer- orthop~dischen Abteitung s~nier~, und sin Tell des Kindergarten prophylaktisch gegen Xaries- anfaltigkeit mit NaF-Tablet~en versorgt. 3, In einem Bet, riebski~adergarten wurde sins Zahnstation erriehtet. , 6. Alls Einsehiiler werden jedes Jahr i~ Zusammen~rbeit mit den 5 Stadtbezirken des Gesundheitswesens nntersueht, beraten und behandlungsbedfirftige Kinder werden bei el~erliehem Einverst~ndnis vers0rgt. ])azu zghlen dis Progenien, Kreuzbisse und of~ne Bisse. 5. E~ge Zusammenarbeit besteh~ mi~ den frei praktizierenden Zahn/~rz~en, den Organe~ des Orundsehnten und den. staa~Iiehen Einrieh~ungen, urn Mle Grundsehu[en planm~tBig zu sanieren. 2 Grundsehulen sind bereits sanieri.. 6. [Durehfiihrung yon aeh~t.~gigen kieferorthopi~disehen Fortbildungskursen fiir ha,upt- amtliehe Sehulzahn~rz~s des Bezirkes Erfurt und fiir niedergelassene Zahn~rzte. 7. Drei- bis aeht$/~gige Anleitung erhMten die Teehniker der kieferorthop/idischen Kursus- teilnehmer in der kieferor~hop~disehen Teehnik. S. 23 Erfurter Grundsehulen mit 16650 6--1~j~thrigen Sehiilern ~urden nntersueh~ und ein Anomalie- nnd Kariesspiegel a,ufges~.ell• Die Armmaliefrequenz betr~gt im ])urchschnitt ~,5%. 9. 63 Erfurter Kinderg~rs mit, I792 3---6jt~hrigen Kindern wurden nntersueht., saniert nnd gleichfalls ein AnomMie- und Kariesspiegel aufgestelIt. In 45,9c~,; wurden Anomalien nnd in 77,7~ wurde Kariesbefall fsstgestellt.
  • D. Neumann u. I-I. Kipp, Einfliisse, die zu einer t{emmung usw. des Oberkiefers f~ihren 339 10. ])urch detlAnomalie- und Kariesspiegel wurde der Beweis erbra.eh~;, da[.~ dutch s~arken Kariesbefall und friihzei~igem Milchzahnverlust die Anzahl der Anomalien s~eig~. Schriftt;um Kantorowicz , A., Fortschr. Kieferorthop. 16, 112 (1955). - - Korkhaus , G., Fort- sehr. Kieferorthop. 16, 107 (1955). --- Neumann, D., Fortsehr. Kieferorthop. 16, 126, 131 (1955). - - Nord, Ch. F. L., For~sehr. Kieferorthop. l(I, 107 (1955). - - ge iehenbaeh, E., Fortsehr. Kieferorthop. 16, 124, 125. 126 (1955). - - Re iehenbaeh, E., mid H. Bri iekl , Kieferor%hophdisehe Niinik mad Therapie (Zahn~rztliehe Fortbildnng, H. 7), 2. Aufh Leip- zig 1954. - l~udolph, W., Fo~sehr. Kieferorthop. 16, 135 (1955). AnschriI% d. Ver~\: Erfurt, Turnierga.sse 17 Ans der Universit/~tsklinik und Poliklinik fiir Mund-, Zahn- und Kieferkmnkheiten. Bonn/Rhein (Direktor: Prof. ~Dr. med. Dr. reed. dent. G. Korkhaus) Uber die Einfliisse, die zu elner Hemmung oder Fiirderung der Entwicklmlg des Oberkiefers fiihren ~) Yon Privatdozentin Dr. l)orothea Neumann und Dr. Helmut Kipp, Bonn/Rh. Mit 4 Abbildungen Bevor man yon einer ,,Henmmng" oder .FSrderung" der Entwickhmg des Oberkiefers sprechen kann, mul3 festgelegt werden, was unter der Norm zu ver~ stehen ist und wo deren Grenzen liegen. Aus dieser Erkenntnis haben wir die Bereeh#igung abgeleitet, innerhalb des gestel lten Themas Untersuchungen als [Bemiihung um diese Norm anzns~ellen. Da Un~ersuehungen am mazerierten Seh~del sowie am Lebenden zu grogen Ungenauigkeiten f/ihren kOnnen, wurde yon uns die laterale Fernr/Sntgenaufnahme bevorzugt., mit deren It i l fe wir jedoeh lediglich die sagittMen nnd vert ikalen Beziehungen beri ieksiehtigen kSnnen. Beim Aufsuehen der Normwerte geht es nns nieht darum, das absolute Wachstum des Oberkiefers bzw. des 5'Iittelgesieh~s zu erfassen, sondern es soil versueht werden, t~ela.tionen zwischen. Seh/ide], SehiidelhOhe und Oberkiefer auf~ustellen. Diese Heranziehung der Dimensionen yon Sehiidel und Seh:~idelbasis ist erforderlieh, um fiir den zu mltersuehenden Oberkiefer jeweits eine individuel le Vergleiehs- m6glichkeit zu seh~ffen, die bei unseren Untersuehungen besonders deshalb wieh- rig ist, d~ K inder in der Waehstumsper iode, vornehmlieh im Alter voli 7 bis 15 Jahren erf'a.gt werden. ~i~ber GrSl3enverhiiltnisse innerhalb des Seh/idelbereiehes und besonders f'iir den Oberkiefer f indet man im Sehrift~um nur sehr wenig Ang~ben. Dagegen sind a.ndere Beziehnngen, wie z. B. das Verh~i.ltnis yon K6rperl~inge und Seh~idelgr6i~e, das Verh/ilt.nis yon Seh~delhghe zur G~nge des gesamten Unterkief?rs oder aueh Beziehungen zwisehen der Seh.gdelbasisl/inge und der Seh~delbasiskniekung auf- gestellt. In diesem Zusammenhang stel lt G i in ther auf Grund seiner Unter- suehungen lest, dab das Waehstum des kindl iehen Kiefers eine Umgesta l tung des Gesieh.tsseh~idels und eine Anderung des Kopf-Kiefer index bedingt. Ni l dem 5. Lebe:nsjahr des 5{ensehen sei eine gewisse Formkonsta;nz der Proport ion Ohr- ~) Preisarbeiv (Auszug), eingereieht, zur wissenschafl, iichen Aufga~oe der ,,I)eut.seher~ Gesellschaft f~ir KieferorthopS~die" (Abgabetermin 1. April 1956).
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