• B u h o lz er | H ai g n er | Je n ew ei n | Sc h n ei d er V on A u sf al lr is ik o b is Z en tr al b an k Buholzer | Haigner | Jenewein | Schneider Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte $ Gesellschaft $ BANK BANK INvestoreN Investmentbanken Hedgefonds Pensionsfonds $ Investor Umwandlung in Wertpapiere GesellschAft Zweckgesellschaft zum Ankauf von Krediten 3. VerBrIeFUnG Vom Kredit zum handelbaren Wertpapier einer breiteren Öffentlichkeit ist der Begriff der Ver- briefung erstmals im Zuge der subprimekrise unter- gekommen, weshalb wir die Frage beantworten wol- len, was sinn und Zweck einer Verbriefung ist und wie diese funktioniert. Alles beginnt damit, dass eine Bank einen Kredit zum Kauf einer Wohnungsimmobilie vergibt. Aus sicht der Bank stellt der Kredit eine Forderung dar, die mit einem zukünftigen Zahlungsstrom in Form von Kreditrückzahlungen verbunden ist. da die Bank selbst jedoch Geld zur Vergabe des Kredites benötigt, entsteht auf ihrer seite ein sogenannter refinanzie- rungsbedarf. traditioneller Weise greift eine Bank zur deckung dieses Bedarfs dabei auf einlagen der Kunden zurück. diese Geschäftspolitik hat jedoch ihre Grenzen, denn einlagen der Kunden sind nicht beliebig zu generieren. Also was tun? die Bank kann den Kredit ganz einfach weiterverkaufen und zwar an eine eigens dazu gegründete Gesellschaft, deren Zweck im Aufkauf von Krediten liegt. diese Gesell- schaft ihrerseits bündelt die von ihr erworbenen Kre- dite zu einem Portfolio und verkauft danach Anteile an diesem Kreditportfolio in Form von Wertpapieren an diverse institutionelle Investoren wie Fonds, Ver- sicherungen oder auch Banken. Mit dem erlös aus dem Verkauf von Anteilen können wiederum weitere Kredite aufgekauft werden. da in diesem Beispiel die Wertpapiere durch Hypo- thekarkredite besichert sind, werden diese Wertpa- piere Mortgage Backed securities (MBs) genannt. die Zahlungen an die Investoren, die ihnen durch den Kauf der Wertpapiere zustehen, werden dabei aus den laufenden Zins- und tilgungszahlungen, die die Kreditnehmenden weiterhin für ihre aufgenom- menen Hypothekarkredite zu leisten haben, gespeist. Letzten endes wird so aus einer Forderung ein handel- bares Wertpapier gemacht – und genau dieser Vor- gang wird Verbriefung genannt. Und natürlich können verbriefte Wertpapiere weiter verbrieft werden – bei- spielsweise zu Collaterized debt Obligations (CdOs). so besehen, ist die Verbriefung aber nichts neues, denn auch hinter dem guten alten Pfandbrief steht der Vorgang der Verbriefung – aber Pfandbriefe zäh- len zum sichersten, was die Finanzbrache zu bie- ten hat, was von Mortgage Backed securities nicht behauptet werden kann. Worin besteht also der wesentliche Unterschied zwischen einem Pfandbrief und Mortgage Backed securities? der Unterschied liegt im risiko. Im Zuge der oben beschriebenen Verbriefung übertragen die Banken nämlich auch die sicherheiten an die Gesellschaften, wodurch diese Kreditgeschäfte gänzlich aus den Bilanzen der Banken verschwinden und allfällige Kreditausfälle die Banken selbst nicht mehr treffen. dies ist inso- fern von zentraler Bedeutung, als damit die Anreize für die Banken steigen, mehr und mehr Kredite zu vergeben. denn mit jeder Kreditvergabe verdient die Bank auch entsprechende Provisionen. damit jedoch nicht genug. denn darüber hinaus finden Banken jetzt Anreize, bei der Kreditvergabe weniger sorgfalt walten zu lassen. denn sie verkauft die Kredite ja ohnehin samt den damit zusammenhängenden sicherheiten an Investoren. diese Geschäftspraktik wird als Originate-to-distribute-Modell bezeichnet. Um es deutlich zu sagen: Kredite werden vergeben, um sie danach wieder zu verkaufen. Und dadurch, dass die Investoren überall auf der Welt saßen, konnte sich das risiko von Kreditausfäl- len weltweit verbreiten. das heißt, ohne Verbriefung wären die Auswirkungen der subprimekrise bei Wei- tem nicht so stark weltweit spürbar gewesen, denn die Ausfälle hätten die kreditgewährenden Banken selbst tragen müssen. eine Frage stellt sich jedoch noch: Warum wurden dafür eigene Gesellschaften gegründet? Weil sie teil des schattenbanksystems sind und das echte Vorteile bringt. Von der Subprime- zur Staatsschuldenkrise Die Finanz- und Schuldenkrise in 57 Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Mit einem Ausblick von Lars Feld
  • Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte Die Finanz- und Schuldenkrise in 57 Stichworten und Schaubildern – Zusammenhänge und Begriffe einfach erklärt. Von Dr. René P. Buholzer Dr. Stefan D. Haigner Mag. Stefan Jenewein Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Schneider Mit einem Ausblick des deutschen Wirtschaftsweisen Prof. Dr. Lars P. Feld 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 1 16-JUN-14
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  • Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Kapitel I: Hintergründe der Krise Hintergründe der Krise Wie alles zusammenhängt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Die Rolle der US-Notenbank Warum die US-Notenbank die Zinsen auf Talfahrt schickte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Attraktive Immobilienfinanzierungen Kreative Banker und naive Kunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Kapitel II: Die Subprimekrise Subprimekrise Wie die Krise zu ihrem Namen kam . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Verbriefung Vom Kredit zum handelbaren Wertpapier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Collaterized Debt Obligation Verbriefung von Verbriefungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Schattenbanken Wo verstecken sich diese Banken?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Leverage und Leverage Ratio Fremdkapital als Turbo oder Investieren auf Pump . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Risikogewichtete Eigenkapitalquote Mehr Risiko, mehr Eigenkapital . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Funktionen von Banken Worin Banken sich von anderen Unternehmen unterscheiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Verschuldung von Banken Sind Banken anders als andere Unternehmen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Insolvenz von Lehman Brothers Höhepunkt der Subprimekrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Die Rolle der Ratingagenturen Gütesiegel für Finanzprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Credit Default Swap Mehr als nur eine Versicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Vertrauensverlust Warum sich die Banken nicht mehr (ver)trauten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Kapitel III: Die Bankenkrise Bankenkrise Von der Subprime- zur Bankenkrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 3 16-JUN-14
  • 4 Inhaltsverzeichnis Moral Hazard Die Crux an einer Rettung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Solvabilität versus Liquidität Der Kern der Bankenkrise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Geldmarktfonds Wo die Liquidität zu Hause ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Bankenrettung Warum Banken gerettet werden mussten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Maßnahmen zur Bankenrettung Von Garantien, Kapitalspritzen, Verstaatlichung und Bad Banks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Liquiditätsunterstützung durch Zentralbanken Ziele und Aufgaben von Zentralbanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Unorthodoxe Maßnahmen der Zentralbanken Wo bleibt die Inflation? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Reaktion der Staatengemeinschaft G20 im internationalen Fokus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Protektionismus Ausweg oder Gefahr? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Financial Stability Board Das Bindeglied zwischen G20 und anderen Institutionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Ein Ausschuss mit Einfluss. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Basel III Kernpunkte der Bankenregulierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Regulierungsflut als Reaktion auf die Krise Kern der Regulierungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Extraterritorialität Nicht alle Regulierungen machen an Grenzen halt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Höchstverschuldungsquote und risikogewichtete Eigenkapitalquote Ist die US-Wirtschaft weniger betroffen als die europäische? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Europäisches Finanzaufsichtssystem Regulierung ist gut, Aufsicht ist besser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Europäische Bankenunion Ein Weg ohne Alternativen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Einlagensicherung Maßnahmen zur Verhinderung von bank runs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Makroprudenzielle Aufsicht Der Blick aus der Vogelperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Trennbankensystem Wer von wem getrennt wurde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Ring Fencing Ein Schutzwall um volkswirtschaftlich bedeutende Bankbereiche. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Recovery and Resolution Plans Sanierungs- und Abwicklungsstrategien für große Banken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 4 16-JUN-14
  • Bail-in Wer im Fall der Fälle geradestehen soll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Wachstum der Schattenbanken Führen Regulierungen zu Schattenbanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Kapitel IV: Die Staatsschuldenkrise Rezession Von der Bankenkrise in die wirtschaftliche Rezession . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Rettung der Konjunktur Wie die Staaten nach den Banken nun die Wirtschaft retteten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Staatsschuldenkrise Die Retter geraten ins Wanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Implizite Schulden Staatsschulden als Spitze des Eisbergs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Strafen für eine hohe Staatsverschuldung Von CDS-Spreads und Downgrading . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Folgen einer hohen Staatsverschuldung Höhere Zinsen, weniger Handlungsspielraum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Verschuldung zu negativen Zinsen Ein Exkurs zu einem scheinbaren Paradoxon. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Staaten auf der Suche nach Geldquellen Von Steueroasen und Steuerhinterziehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Konformität in Steuerfragen Druck von allen Seiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Steuervermeidung internationaler Konzerne Die Sandwichstrategie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 Automatischer Informationsaustausch Wer wem was melden wird müssen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Banken und Staaten Eine Beziehung mit Abhängigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Kapitel V: Die Eurokrise Eurokrise Ein Symbol gerät in Gefahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Griechische Staatsschuldenkrise Eine Tragödie in mehreren Akten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Starker Schweizer Franken Ein Experiment, das funktionierte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Maßnahmen gegen die Eurokrise EFSM, EFSF, ESM und SMP: Ein Buchstabensalat rettet den Euro. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Institutionelle Änderungen auf EU-Ebene Sixpack und Europäischer Fiskalpakt: Auf dem Weg in eine Fiskalunion? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 5 16-JUN-14
  • Die Finanzkrise und das Marktversagen – Ist die Antwort einfach nur „mehr Staat“? Ein Ausblick von Lars P. Feld Die Welt nach Lehman . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Was lief denn nun schief und was ist zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Die Rolle der Ökonomen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 Was ist zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Literaturverzeichnis und Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 6 Inhaltsverzeichnis 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 6 16-JUN-14
  • Vorwort Die Finanz- und Schuldenkrise begleitet uns in all ihren Facetten seit nunmehr sieben Jahren. Ihre Folgen sind im gesellschaftlichen und politischen Diskurs noch immer allgegenwärtig. Zwar ist das Wissen um die Zusammenhänge und Abhängigkei- ten mittlerweile in der Fachliteratur aufgearbeitet worden, doch wer nicht zur Zunft der Ökonomen, Juristen und Buchhalter gehört, die sich mit diesem komplexen Gebiet auseinandergesetzt hat und über das notwendige Fachvokabular verfügt, hat Schwierigkeiten, der Debatte zu folgen. Dabei weiß jeder Mensch sehr wohl, dass ihn „die Wirtschaft“ existenziell etwas angeht. Doch nur wenige wagen es, in Diskussionen, wo oftmals (englische) Fachbegriffe inflationär gebraucht wer- den, mitzureden und grundsätzliche – vermeintlich dumme – Fragen zu stellen, damit sie sich eine ei- gene fundierte Meinung bilden können. Da ist es einfacher, sich in Allgemeinplätze zu flüchten, zu- mal scheinbar ein Konsens über die vermeintlich „Schuldigen“ der Finanzkrise – die „gierigen Banker“ – besteht. Wer sich aber mit wirtschaftlichen und politischen Fragen befasst und sich für das Zusam- menwirken von Wirtschaft und Politik in der Praxis interessiert, weiß, dass die Realität vielschichtiger ist. Solche Klischees mögen vielleicht einem media- len und politischen Bedürfnis entsprechen, sind aber einer konstruktiven Lösung nicht zuträglich. Die Idee zum vorliegenden Buch ist denn auch aus der wirtschaftspolitischen Praxis entstanden. Der Versuch in den letzten Jahren, wirtschaftspoliti- schen Akteuren die Ursachen und Zusammenhänge der Finanzkrise sowie mögliche (regulatorische) Korrekturmaßnahmen und deren Implikationen aufzuzeigen, hat deutlich gemacht, dass es einer- seits der Vermittlung von Basiswissen und anderer- seits einer einfacheren und verständlicheren Dar- stellung der Sachverhalte bedarf. Insbesondere der (nicht immer einfache) Versuch, Zusammenhänge grafisch aufzuarbeiten, ist dabei auf große Reso- nanz gestoßen. Über die Jahre sind so verschiede- ne bildlich vereinfachende Aufarbeitungen entstan- den. Es war deshalb naheliegend, diese in einer Gesamtschau zusammenzutragen. In diesem Sinne bezweckt das Buch die Aufklä- rung und Befähigung des Bürgers zu einer besseren Urteilsfindung. Als Informationsbuch will es auf all- gemein verständliche Weise Grundwissen rund um die Subprime-, Banken- und Staatsschuldenkrise vermitteln. Dabei wurde bewusst der Ansatz ge- wählt, das komplexe Thema über Stichwörter und Schaubilder1 aufzuarbeiten. Dies soll dem Leser er- möglichen, das Buch auch als Nachschlagewerk zu benützen. Die entsprechenden Querverweise die- nen dabei der leichteren Orientierung und ermögli- chen es, überall in das Buch einzusteigen, also auch nur selektiv einzelne Stichwörter zu lesen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit sind Frauen in den männlichen Formen mitgemeint. Obwohl sie nicht ausdrücklich genannt werden, bezieht sich die männliche Form auf beide Geschlechter. Wenn das Buch mithilft, besser und verständli- cher zu erklären, was in den letzten sieben Jahren diskutiert und reguliert wurde und noch immer wird, hat es ein wesentliches Ziel erreicht. Die Autoren sind überzeugt, dass ein besseres Verständnis in breiteren Kreisen der Bevölkerung zur besseren Ori- entierung in der wirtschaftspolitischen Diskussion und damit zu einer fundierten Meinungsbildung so- wie letztlich auch besseren Entscheidungen bei- trägt. Uerikon/Zürich, Innsbruck und Linz im Frühjahr 2014 1 Die Autoren danken der Credit Suisse für die Unterstützung bei der Erstellung der Schaubilder. 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 7 16-JUN-14
  • 92 Kapitel III: Die Bankenkrise WAcHStuM DEr ScHAttEnBAnKEn Führen regulierungen zu Schattenbanken? Von  Schattenbanken (24), also von Banken oder bankähnlichen Instituten, die weitgehend au- ßerhalb des Einflussbereichs von Regulierungs- und Aufsichtsbehörden arbeiten, war bereits mehr- mals die Rede. Die aktuelle Diskussion in diesem Zusammenhang kreist nun um die Frage, ob die  Flut an Regelungen (70) in Reaktion auf die Krise nicht auch oder wieder das Wachstum von Schattenbanken fördert, wie dies in jüngster Zeit bereits zu beobachten war. Dass diese Debatte keine spezifisch europäi- sche ist, zeigt die Tatsache, dass alleine im Jahr 2012 die Schattenbanken in China mit mehr als 40% stärker als in allen anderen Ländern wuchsen und auch noch Anfang 2014 von stark wachsenden Schattenbanken, die die Finanzstabilität in China gefährden, zu lesen war.82 Diese Entwicklung sollte auch in Europa nicht aus dem Auge verloren werden, zeigen doch die Erfahrungen aus der Subprime- krise (18) und der ihr folgenden Bankenkrise (44), dass sich allfällige Erschütterungen in Chi- na oder anderen Ländern durch die internationalen Verflechtungen rasch weltweit ausbreiten können. Die Konzentration der Regulierungen auf den Bankensektor hat also unbeabsichtigt auch dazu geführt, dass verstärkt Geschäfte in den Schatten- bankbereich abwanderten. Zu beobachten war dies beispielsweise in den USA, wo Banken begonnen haben, ihren Eigenhandel abzuspalten und auszu- lagern – als Vorgriff auf die Regelungen durch den Dodd-Frank Act,83 der Beschränkungen im Eigen- handel der Banken84 unter dem StichwortRing Fencing (86) vorsieht. Oder auch bei Anbietern von  Credit Default Swaps (38), die die New Yorker Börse verlassen haben mit der Begründung, dass die dortigen Auflagen zu kostspielig seien.85 Zugespitzt könnte man also sagen, dass die Schat- tenbanken umso stärker wachsen, je strenger die Regulierungen im Bankensektor werden. Aus diesen Entwicklungen sind also folgende Lehren zu ziehen: Zum einen müssen Schattenban- ken so weit wie möglich einer Aufsicht unterworfen und wie der reguläre Bankensektor reguliert wer- den. Zum anderen muss der Fokus der Regulierun- gen und Vorschriften auch auf den Verbindungen zwischen Banken und Schattenbanken liegen, denn nicht selten stehen hinter Schattenbanken wieder Banken. Und zu guter Letzt muss die internationale Zusammenarbeit weiter verstärkt werden, denn so- lange Regulierungsarbitrage zwischen Staaten durch unterschiedlich strenge Regulierungen und Aufsichten möglich ist, solange wird sie auch aus- genützt werden und solange werden sich Schatten- banken abseits regulierter und beaufsichtigter Ge- biete entwickeln können. Die von der G20 (60), aber auch vom Fi- nancial Stability Board (64) ausgearbeiteten An- sätze zur Regulierung der Schattenbanken berück- sichtigen die genannten Themenfelder. Welche konkreten Vorschriften jedoch in welcher Ausfor- mung am Ende des Tages in Gesetze gegossen wer- den, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Im Jahr 2012 wuchs das Volumen der Schatten- banken weltweit um 5.000 Milliarden Dollar auf mittlerweile nun über 70.000 Milliarden Dollar.86 Es ist damit in etwa so groß wie die jährliche Wirt- schaftsleistung aller Länder dieser Erde. 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 92 16-JUN-14
  • 2012 Zunehmende Regulierung der regulären Banken = 70.000 Mrd. $ Bilanzsummen Schattenbanken weltweit = Wirtschaftsleistung aller Länder der Welt Ausweichen in Schattenbanken 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 93 16-JUN-14
  • Die Krise in 57 Stichworten! Preise inkl. MWSt., zzgl Versandkosten. *Portofreie Lieferung im Inland bei Bestellungen im MANZ Webshop. Lieferung unter Eigentumsvorbehalt. Irrtum und Preisänderun- gen vorbehalten. Datenträger und Sammelwerke zur Fortsetzung bis auf Widerruf; der Widerruf entfaltet keine Wirksamkeit für bereits erhaltene, sondern nur für zukünftige Lieferungen und hat schriftlich zu erfolgen. Ich bin damit einverstanden, dass ich gelegentlich insbesondere per Fax, per E-Mail oder telefonisch über Neuerscheinungen des MANZ Verlages informiert werde und dass meine Daten zu diesem Zweck gespeichert und verwendet werden. Die Zustimmung kann jederzeit schriftlich widerrufen werden. Kunden- bezogene Daten werden zur Vertragserfüllung und Abrechnung gespeichert und verwendet. Konsumenten iSd § 1 KSchG sind unbeschadet der in § 5f KSchG angeführten Ausnahmen innerhalb von 14 Werktagen ab dem Tag des Einlangens der Lieferung gem § 5e KSchG zum Vertragsrücktritt berechtigt. Prospektstand: Juli 2014. Als Gerichtsstand wird Wien vereinbart. Ich bestelle… Bestellen Sie portofrei im Webshop www.manz.at Telefon (01) 531 61-100, Fax (01) 531 61-455, E-Mail [email protected] F A X - B E S T E L L B L A T T K U N D E N N U M M E R R 3 8 1 0 F I R M A N A M E S T R A S S E ∙ P L Z ∙ O R T E - M A I L T E L E F O N · F A X D A T U M ∙ U N T E R S C H R I F T M ANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH F I R M E N S I T Z Kohlmarkt 16 ∙ 1014 Wien F N 124 181w HG Wien T E L + 43 1 531 61-100 F A X + 43 1 531 61- 455 www.manz .at Buholzer · Haigner · Jenewein · Schneider, Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte 2014. 152 Seiten. Geb. EUR 26,– [A] / CHF 35,50 ISBN 978-3-214-08161-4 2014. 152 Seiten. Geb. EUR 26,– [A] / CHF 35,50 ISBN 978-3-214-08161-4 Buholzer · Haigner · Jenewein · Schneider Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte Die Finanz- und Schuldenkrise in 57 Stichworten und Schaubildern In Fachkreisen ist die Finanz- und Schuldenkrise weitgehend aufgearbeitet. Ein Informations- und Nachschlagewerk, in dem das Wichtigste für eine breitere Leserschaft einfach auf bereitet ist, fehlte jedoch bislang. Was haben nun Kreditausfälle von Hausbesitzern in den USA mit steigender Arbeitslosigkeit in Europa zu tun? Warum wurden Banken gerettet? Was steckt hinter CDO, CDS, FSB und Basel III? Das vorliegende Buch erzählt • in 57 Stichworten, • in leicht verständlicher Weise und • grafi sch auf bereitet die Geschichte der Krise und erklärt die wichtigsten Begriffe und Zusam- menhänge. Und es zeigt auf, was wir aus der Krise gelernt haben – oder eben auch nicht. „Das vorliegende Buch ist von großer Bedeutung, weil die komplexen Zusammenhänge sehr eingängig erläutert werden und dem Leser durch unterschiedliche Mittel das Verständnis erleichtert wird.“ (Prof. Dr. Lars Feld, Wirtschaftsweiser der Bundesrepublik Deutschland)
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Leseprobe 8: Wachstum der Schattenbanken

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Buholzer/Haigner/Jenewein/Schneider, Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte
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  • B u h o lz er | H ai g n er | Je n ew ei n | Sc h n ei d er V on A u sf al lr is ik o b is Z en tr al b an k Buholzer | Haigner | Jenewein | Schneider Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte $ Gesellschaft $ BANK BANK INvestoreN Investmentbanken Hedgefonds Pensionsfonds $ Investor Umwandlung in Wertpapiere GesellschAft Zweckgesellschaft zum Ankauf von Krediten 3. VerBrIeFUnG Vom Kredit zum handelbaren Wertpapier einer breiteren Öffentlichkeit ist der Begriff der Ver- briefung erstmals im Zuge der subprimekrise unter- gekommen, weshalb wir die Frage beantworten wol- len, was sinn und Zweck einer Verbriefung ist und wie diese funktioniert. Alles beginnt damit, dass eine Bank einen Kredit zum Kauf einer Wohnungsimmobilie vergibt. Aus sicht der Bank stellt der Kredit eine Forderung dar, die mit einem zukünftigen Zahlungsstrom in Form von Kreditrückzahlungen verbunden ist. da die Bank selbst jedoch Geld zur Vergabe des Kredites benötigt, entsteht auf ihrer seite ein sogenannter refinanzie- rungsbedarf. traditioneller Weise greift eine Bank zur deckung dieses Bedarfs dabei auf einlagen der Kunden zurück. diese Geschäftspolitik hat jedoch ihre Grenzen, denn einlagen der Kunden sind nicht beliebig zu generieren. Also was tun? die Bank kann den Kredit ganz einfach weiterverkaufen und zwar an eine eigens dazu gegründete Gesellschaft, deren Zweck im Aufkauf von Krediten liegt. diese Gesell- schaft ihrerseits bündelt die von ihr erworbenen Kre- dite zu einem Portfolio und verkauft danach Anteile an diesem Kreditportfolio in Form von Wertpapieren an diverse institutionelle Investoren wie Fonds, Ver- sicherungen oder auch Banken. Mit dem erlös aus dem Verkauf von Anteilen können wiederum weitere Kredite aufgekauft werden. da in diesem Beispiel die Wertpapiere durch Hypo- thekarkredite besichert sind, werden diese Wertpa- piere Mortgage Backed securities (MBs) genannt. die Zahlungen an die Investoren, die ihnen durch den Kauf der Wertpapiere zustehen, werden dabei aus den laufenden Zins- und tilgungszahlungen, die die Kreditnehmenden weiterhin für ihre aufgenom- menen Hypothekarkredite zu leisten haben, gespeist. Letzten endes wird so aus einer Forderung ein handel- bares Wertpapier gemacht – und genau dieser Vor- gang wird Verbriefung genannt. Und natürlich können verbriefte Wertpapiere weiter verbrieft werden – bei- spielsweise zu Collaterized debt Obligations (CdOs). so besehen, ist die Verbriefung aber nichts neues, denn auch hinter dem guten alten Pfandbrief steht der Vorgang der Verbriefung – aber Pfandbriefe zäh- len zum sichersten, was die Finanzbrache zu bie- ten hat, was von Mortgage Backed securities nicht behauptet werden kann. Worin besteht also der wesentliche Unterschied zwischen einem Pfandbrief und Mortgage Backed securities? der Unterschied liegt im risiko. Im Zuge der oben beschriebenen Verbriefung übertragen die Banken nämlich auch die sicherheiten an die Gesellschaften, wodurch diese Kreditgeschäfte gänzlich aus den Bilanzen der Banken verschwinden und allfällige Kreditausfälle die Banken selbst nicht mehr treffen. dies ist inso- fern von zentraler Bedeutung, als damit die Anreize für die Banken steigen, mehr und mehr Kredite zu vergeben. denn mit jeder Kreditvergabe verdient die Bank auch entsprechende Provisionen. damit jedoch nicht genug. denn darüber hinaus finden Banken jetzt Anreize, bei der Kreditvergabe weniger sorgfalt walten zu lassen. denn sie verkauft die Kredite ja ohnehin samt den damit zusammenhängenden sicherheiten an Investoren. diese Geschäftspraktik wird als Originate-to-distribute-Modell bezeichnet. Um es deutlich zu sagen: Kredite werden vergeben, um sie danach wieder zu verkaufen. Und dadurch, dass die Investoren überall auf der Welt saßen, konnte sich das risiko von Kreditausfäl- len weltweit verbreiten. das heißt, ohne Verbriefung wären die Auswirkungen der subprimekrise bei Wei- tem nicht so stark weltweit spürbar gewesen, denn die Ausfälle hätten die kreditgewährenden Banken selbst tragen müssen. eine Frage stellt sich jedoch noch: Warum wurden dafür eigene Gesellschaften gegründet? Weil sie teil des schattenbanksystems sind und das echte Vorteile bringt. Von der Subprime- zur Staatsschuldenkrise Die Finanz- und Schuldenkrise in 57 Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Stichworten und Schaubildern Mit einem Ausblick von Lars Feld
  • Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte Die Finanz- und Schuldenkrise in 57 Stichworten und Schaubildern – Zusammenhänge und Begriffe einfach erklärt. Von Dr. René P. Buholzer Dr. Stefan D. Haigner Mag. Stefan Jenewein Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Schneider Mit einem Ausblick des deutschen Wirtschaftsweisen Prof. Dr. Lars P. Feld 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 1 16-JUN-14
  • Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Sämtliche Angaben in diesem Buch erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr; eine Haftung der Autoren sowie des Verlages ist ausgeschlossen. ISBN 978-3-214-08161-4 © 2014 Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH, Wien Telefon: (01) 531 61-0 E-Mail: [email protected] www.MANZ.at Layoutkonzept: Anita Frühwirth/EFFundWE Grafiken: P & P Marketing GmbH – Manufaktur für innovative Kommunikation, Innsbruck Druck: FINIDR, s.r.o., Cˇesky´ Teˇšín 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 2 16-JUN-14
  • Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Kapitel I: Hintergründe der Krise Hintergründe der Krise Wie alles zusammenhängt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Die Rolle der US-Notenbank Warum die US-Notenbank die Zinsen auf Talfahrt schickte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Attraktive Immobilienfinanzierungen Kreative Banker und naive Kunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Kapitel II: Die Subprimekrise Subprimekrise Wie die Krise zu ihrem Namen kam . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Verbriefung Vom Kredit zum handelbaren Wertpapier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Collaterized Debt Obligation Verbriefung von Verbriefungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Schattenbanken Wo verstecken sich diese Banken?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Leverage und Leverage Ratio Fremdkapital als Turbo oder Investieren auf Pump . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Risikogewichtete Eigenkapitalquote Mehr Risiko, mehr Eigenkapital . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Funktionen von Banken Worin Banken sich von anderen Unternehmen unterscheiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Verschuldung von Banken Sind Banken anders als andere Unternehmen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Insolvenz von Lehman Brothers Höhepunkt der Subprimekrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Die Rolle der Ratingagenturen Gütesiegel für Finanzprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Credit Default Swap Mehr als nur eine Versicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Vertrauensverlust Warum sich die Banken nicht mehr (ver)trauten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Kapitel III: Die Bankenkrise Bankenkrise Von der Subprime- zur Bankenkrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 3 16-JUN-14
  • 4 Inhaltsverzeichnis Moral Hazard Die Crux an einer Rettung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Solvabilität versus Liquidität Der Kern der Bankenkrise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Geldmarktfonds Wo die Liquidität zu Hause ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Bankenrettung Warum Banken gerettet werden mussten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Maßnahmen zur Bankenrettung Von Garantien, Kapitalspritzen, Verstaatlichung und Bad Banks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Liquiditätsunterstützung durch Zentralbanken Ziele und Aufgaben von Zentralbanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Unorthodoxe Maßnahmen der Zentralbanken Wo bleibt die Inflation? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Reaktion der Staatengemeinschaft G20 im internationalen Fokus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Protektionismus Ausweg oder Gefahr? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Financial Stability Board Das Bindeglied zwischen G20 und anderen Institutionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Ein Ausschuss mit Einfluss. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Basel III Kernpunkte der Bankenregulierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Regulierungsflut als Reaktion auf die Krise Kern der Regulierungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Extraterritorialität Nicht alle Regulierungen machen an Grenzen halt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Höchstverschuldungsquote und risikogewichtete Eigenkapitalquote Ist die US-Wirtschaft weniger betroffen als die europäische? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Europäisches Finanzaufsichtssystem Regulierung ist gut, Aufsicht ist besser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Europäische Bankenunion Ein Weg ohne Alternativen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Einlagensicherung Maßnahmen zur Verhinderung von bank runs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Makroprudenzielle Aufsicht Der Blick aus der Vogelperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Trennbankensystem Wer von wem getrennt wurde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Ring Fencing Ein Schutzwall um volkswirtschaftlich bedeutende Bankbereiche. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Recovery and Resolution Plans Sanierungs- und Abwicklungsstrategien für große Banken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 4 16-JUN-14
  • Bail-in Wer im Fall der Fälle geradestehen soll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Wachstum der Schattenbanken Führen Regulierungen zu Schattenbanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Kapitel IV: Die Staatsschuldenkrise Rezession Von der Bankenkrise in die wirtschaftliche Rezession . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Rettung der Konjunktur Wie die Staaten nach den Banken nun die Wirtschaft retteten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Staatsschuldenkrise Die Retter geraten ins Wanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Implizite Schulden Staatsschulden als Spitze des Eisbergs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Strafen für eine hohe Staatsverschuldung Von CDS-Spreads und Downgrading . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Folgen einer hohen Staatsverschuldung Höhere Zinsen, weniger Handlungsspielraum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Verschuldung zu negativen Zinsen Ein Exkurs zu einem scheinbaren Paradoxon. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Staaten auf der Suche nach Geldquellen Von Steueroasen und Steuerhinterziehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Konformität in Steuerfragen Druck von allen Seiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Steuervermeidung internationaler Konzerne Die Sandwichstrategie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 Automatischer Informationsaustausch Wer wem was melden wird müssen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Banken und Staaten Eine Beziehung mit Abhängigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Kapitel V: Die Eurokrise Eurokrise Ein Symbol gerät in Gefahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Griechische Staatsschuldenkrise Eine Tragödie in mehreren Akten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Starker Schweizer Franken Ein Experiment, das funktionierte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Maßnahmen gegen die Eurokrise EFSM, EFSF, ESM und SMP: Ein Buchstabensalat rettet den Euro. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Institutionelle Änderungen auf EU-Ebene Sixpack und Europäischer Fiskalpakt: Auf dem Weg in eine Fiskalunion? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 5 16-JUN-14
  • Die Finanzkrise und das Marktversagen – Ist die Antwort einfach nur „mehr Staat“? Ein Ausblick von Lars P. Feld Die Welt nach Lehman . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Was lief denn nun schief und was ist zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Die Rolle der Ökonomen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 Was ist zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Literaturverzeichnis und Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 6 Inhaltsverzeichnis 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 6 16-JUN-14
  • Vorwort Die Finanz- und Schuldenkrise begleitet uns in all ihren Facetten seit nunmehr sieben Jahren. Ihre Folgen sind im gesellschaftlichen und politischen Diskurs noch immer allgegenwärtig. Zwar ist das Wissen um die Zusammenhänge und Abhängigkei- ten mittlerweile in der Fachliteratur aufgearbeitet worden, doch wer nicht zur Zunft der Ökonomen, Juristen und Buchhalter gehört, die sich mit diesem komplexen Gebiet auseinandergesetzt hat und über das notwendige Fachvokabular verfügt, hat Schwierigkeiten, der Debatte zu folgen. Dabei weiß jeder Mensch sehr wohl, dass ihn „die Wirtschaft“ existenziell etwas angeht. Doch nur wenige wagen es, in Diskussionen, wo oftmals (englische) Fachbegriffe inflationär gebraucht wer- den, mitzureden und grundsätzliche – vermeintlich dumme – Fragen zu stellen, damit sie sich eine ei- gene fundierte Meinung bilden können. Da ist es einfacher, sich in Allgemeinplätze zu flüchten, zu- mal scheinbar ein Konsens über die vermeintlich „Schuldigen“ der Finanzkrise – die „gierigen Banker“ – besteht. Wer sich aber mit wirtschaftlichen und politischen Fragen befasst und sich für das Zusam- menwirken von Wirtschaft und Politik in der Praxis interessiert, weiß, dass die Realität vielschichtiger ist. Solche Klischees mögen vielleicht einem media- len und politischen Bedürfnis entsprechen, sind aber einer konstruktiven Lösung nicht zuträglich. Die Idee zum vorliegenden Buch ist denn auch aus der wirtschaftspolitischen Praxis entstanden. Der Versuch in den letzten Jahren, wirtschaftspoliti- schen Akteuren die Ursachen und Zusammenhänge der Finanzkrise sowie mögliche (regulatorische) Korrekturmaßnahmen und deren Implikationen aufzuzeigen, hat deutlich gemacht, dass es einer- seits der Vermittlung von Basiswissen und anderer- seits einer einfacheren und verständlicheren Dar- stellung der Sachverhalte bedarf. Insbesondere der (nicht immer einfache) Versuch, Zusammenhänge grafisch aufzuarbeiten, ist dabei auf große Reso- nanz gestoßen. Über die Jahre sind so verschiede- ne bildlich vereinfachende Aufarbeitungen entstan- den. Es war deshalb naheliegend, diese in einer Gesamtschau zusammenzutragen. In diesem Sinne bezweckt das Buch die Aufklä- rung und Befähigung des Bürgers zu einer besseren Urteilsfindung. Als Informationsbuch will es auf all- gemein verständliche Weise Grundwissen rund um die Subprime-, Banken- und Staatsschuldenkrise vermitteln. Dabei wurde bewusst der Ansatz ge- wählt, das komplexe Thema über Stichwörter und Schaubilder1 aufzuarbeiten. Dies soll dem Leser er- möglichen, das Buch auch als Nachschlagewerk zu benützen. Die entsprechenden Querverweise die- nen dabei der leichteren Orientierung und ermögli- chen es, überall in das Buch einzusteigen, also auch nur selektiv einzelne Stichwörter zu lesen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit sind Frauen in den männlichen Formen mitgemeint. Obwohl sie nicht ausdrücklich genannt werden, bezieht sich die männliche Form auf beide Geschlechter. Wenn das Buch mithilft, besser und verständli- cher zu erklären, was in den letzten sieben Jahren diskutiert und reguliert wurde und noch immer wird, hat es ein wesentliches Ziel erreicht. Die Autoren sind überzeugt, dass ein besseres Verständnis in breiteren Kreisen der Bevölkerung zur besseren Ori- entierung in der wirtschaftspolitischen Diskussion und damit zu einer fundierten Meinungsbildung so- wie letztlich auch besseren Entscheidungen bei- trägt. Uerikon/Zürich, Innsbruck und Linz im Frühjahr 2014 1 Die Autoren danken der Credit Suisse für die Unterstützung bei der Erstellung der Schaubilder. 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 7 16-JUN-14
  • 92 Kapitel III: Die Bankenkrise WAcHStuM DEr ScHAttEnBAnKEn Führen regulierungen zu Schattenbanken? Von  Schattenbanken (24), also von Banken oder bankähnlichen Instituten, die weitgehend au- ßerhalb des Einflussbereichs von Regulierungs- und Aufsichtsbehörden arbeiten, war bereits mehr- mals die Rede. Die aktuelle Diskussion in diesem Zusammenhang kreist nun um die Frage, ob die  Flut an Regelungen (70) in Reaktion auf die Krise nicht auch oder wieder das Wachstum von Schattenbanken fördert, wie dies in jüngster Zeit bereits zu beobachten war. Dass diese Debatte keine spezifisch europäi- sche ist, zeigt die Tatsache, dass alleine im Jahr 2012 die Schattenbanken in China mit mehr als 40% stärker als in allen anderen Ländern wuchsen und auch noch Anfang 2014 von stark wachsenden Schattenbanken, die die Finanzstabilität in China gefährden, zu lesen war.82 Diese Entwicklung sollte auch in Europa nicht aus dem Auge verloren werden, zeigen doch die Erfahrungen aus der Subprime- krise (18) und der ihr folgenden Bankenkrise (44), dass sich allfällige Erschütterungen in Chi- na oder anderen Ländern durch die internationalen Verflechtungen rasch weltweit ausbreiten können. Die Konzentration der Regulierungen auf den Bankensektor hat also unbeabsichtigt auch dazu geführt, dass verstärkt Geschäfte in den Schatten- bankbereich abwanderten. Zu beobachten war dies beispielsweise in den USA, wo Banken begonnen haben, ihren Eigenhandel abzuspalten und auszu- lagern – als Vorgriff auf die Regelungen durch den Dodd-Frank Act,83 der Beschränkungen im Eigen- handel der Banken84 unter dem StichwortRing Fencing (86) vorsieht. Oder auch bei Anbietern von  Credit Default Swaps (38), die die New Yorker Börse verlassen haben mit der Begründung, dass die dortigen Auflagen zu kostspielig seien.85 Zugespitzt könnte man also sagen, dass die Schat- tenbanken umso stärker wachsen, je strenger die Regulierungen im Bankensektor werden. Aus diesen Entwicklungen sind also folgende Lehren zu ziehen: Zum einen müssen Schattenban- ken so weit wie möglich einer Aufsicht unterworfen und wie der reguläre Bankensektor reguliert wer- den. Zum anderen muss der Fokus der Regulierun- gen und Vorschriften auch auf den Verbindungen zwischen Banken und Schattenbanken liegen, denn nicht selten stehen hinter Schattenbanken wieder Banken. Und zu guter Letzt muss die internationale Zusammenarbeit weiter verstärkt werden, denn so- lange Regulierungsarbitrage zwischen Staaten durch unterschiedlich strenge Regulierungen und Aufsichten möglich ist, solange wird sie auch aus- genützt werden und solange werden sich Schatten- banken abseits regulierter und beaufsichtigter Ge- biete entwickeln können. Die von der G20 (60), aber auch vom Fi- nancial Stability Board (64) ausgearbeiteten An- sätze zur Regulierung der Schattenbanken berück- sichtigen die genannten Themenfelder. Welche konkreten Vorschriften jedoch in welcher Ausfor- mung am Ende des Tages in Gesetze gegossen wer- den, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Im Jahr 2012 wuchs das Volumen der Schatten- banken weltweit um 5.000 Milliarden Dollar auf mittlerweile nun über 70.000 Milliarden Dollar.86 Es ist damit in etwa so groß wie die jährliche Wirt- schaftsleistung aller Länder dieser Erde. 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 92 16-JUN-14
  • 2012 Zunehmende Regulierung der regulären Banken = 70.000 Mrd. $ Bilanzsummen Schattenbanken weltweit = Wirtschaftsleistung aller Länder der Welt Ausweichen in Schattenbanken 86763-1_T_v1_Buholzerua_1_Trimboxes_ipp Page 93 16-JUN-14
  • Die Krise in 57 Stichworten! Preise inkl. MWSt., zzgl Versandkosten. *Portofreie Lieferung im Inland bei Bestellungen im MANZ Webshop. Lieferung unter Eigentumsvorbehalt. Irrtum und Preisänderun- gen vorbehalten. Datenträger und Sammelwerke zur Fortsetzung bis auf Widerruf; der Widerruf entfaltet keine Wirksamkeit für bereits erhaltene, sondern nur für zukünftige Lieferungen und hat schriftlich zu erfolgen. Ich bin damit einverstanden, dass ich gelegentlich insbesondere per Fax, per E-Mail oder telefonisch über Neuerscheinungen des MANZ Verlages informiert werde und dass meine Daten zu diesem Zweck gespeichert und verwendet werden. Die Zustimmung kann jederzeit schriftlich widerrufen werden. Kunden- bezogene Daten werden zur Vertragserfüllung und Abrechnung gespeichert und verwendet. Konsumenten iSd § 1 KSchG sind unbeschadet der in § 5f KSchG angeführten Ausnahmen innerhalb von 14 Werktagen ab dem Tag des Einlangens der Lieferung gem § 5e KSchG zum Vertragsrücktritt berechtigt. Prospektstand: Juli 2014. Als Gerichtsstand wird Wien vereinbart. Ich bestelle… Bestellen Sie portofrei im Webshop www.manz.at Telefon (01) 531 61-100, Fax (01) 531 61-455, E-Mail [email protected] F A X - B E S T E L L B L A T T K U N D E N N U M M E R R 3 8 1 0 F I R M A N A M E S T R A S S E ∙ P L Z ∙ O R T E - M A I L T E L E F O N · F A X D A T U M ∙ U N T E R S C H R I F T M ANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH F I R M E N S I T Z Kohlmarkt 16 ∙ 1014 Wien F N 124 181w HG Wien T E L + 43 1 531 61-100 F A X + 43 1 531 61- 455 www.manz .at Buholzer · Haigner · Jenewein · Schneider, Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte 2014. 152 Seiten. Geb. EUR 26,– [A] / CHF 35,50 ISBN 978-3-214-08161-4 2014. 152 Seiten. Geb. EUR 26,– [A] / CHF 35,50 ISBN 978-3-214-08161-4 Buholzer · Haigner · Jenewein · Schneider Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte Die Finanz- und Schuldenkrise in 57 Stichworten und Schaubildern In Fachkreisen ist die Finanz- und Schuldenkrise weitgehend aufgearbeitet. Ein Informations- und Nachschlagewerk, in dem das Wichtigste für eine breitere Leserschaft einfach auf bereitet ist, fehlte jedoch bislang. Was haben nun Kreditausfälle von Hausbesitzern in den USA mit steigender Arbeitslosigkeit in Europa zu tun? Warum wurden Banken gerettet? Was steckt hinter CDO, CDS, FSB und Basel III? Das vorliegende Buch erzählt • in 57 Stichworten, • in leicht verständlicher Weise und • grafi sch auf bereitet die Geschichte der Krise und erklärt die wichtigsten Begriffe und Zusam- menhänge. Und es zeigt auf, was wir aus der Krise gelernt haben – oder eben auch nicht. „Das vorliegende Buch ist von großer Bedeutung, weil die komplexen Zusammenhänge sehr eingängig erläutert werden und dem Leser durch unterschiedliche Mittel das Verständnis erleichtert wird.“ (Prof. Dr. Lars Feld, Wirtschaftsweiser der Bundesrepublik Deutschland)
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