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Lesekurs - Anfänger

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Lesekurs für Geisteswissenschaftler Texte und Übungen für Anfänger von Marie-Luise Brandi und Barbara Momenteau unter Mitwirkung der Verlagsredaktion Klett Edition Deutsch Lesekurs für Geisteswissenschaftler Texte und Übungen für Anfänger von Marie-Luise Brandi und Barbara Momenteau Redaktion: Wolfgang Weermann Komponenten: Texte und Übungen für Anfänger (ISBN 3-12-675360-4) Textreihen und Übungen für Fortgeschrittene (ISBN 3-12-675361-2) Anhang Französisch (ISBN 3-12-675362-0) Anhang Englisch (ISBN 3-12-675363-9) Alle Drucke dieser Auflage können im Unterricht nebeneinander benutzt werden, sie sind untereinander unverändert. Die letzte Zahl bezeichnet das Jahr des Druckes. OVerlag Klett Edition Deutsch GmbH, München 1992 Alle Rechte vorbehalten. Übersetzungen (Englisch): Sue Bollans, München Typographie und Layout: Alfred Lahner, München Umschlag (Zeichnung und Layout): Barbara M. Köhler, München Gesamtherstellung: REIFF-Druck, München . Printed in Germany ISBN 3-12-675360-4 Einleitung Zielgruppe Das vorliegende Kompendium richtet sich an Lerner, die aus persönlichen oder beruflichen Gründen a m Lesen deutscher Texte aus dem Bereich der Geisteswissenschaften interessiert sind. Dazu gehören u.a. Historiker, Psychologen, Philosophen, Archivare, Soziologen und Studenten geisteswissenschaftlicher Disziplinen. Für diese Zielgruppe geht es vorrangig um die Fertigkeit Lesen. Lernziel Bei der Einführung in das Lesen geisteswissenschaftlicher Texte soll der Lerner mit Hilfe einer an seinen spezifischen Bedürfnissen ausgerichteten Methode Mittel zur Entschlüsselung authentischer Texte in die Hand bekommen. Diese Mittel sollen ihm das Erkennen und Verstehen der Gesetzmäßigkeiten in der deutschen Sprache ermöglichen, insbesondere der Eigenheiten der Schriftsprache auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Endziel ist also, daß der Leser-Lerner beim Entschlüsseln ihn angehender Texte soweit wie möglich autonom vorgehen kann. Das ist für ihn um so wichtiger, als auch die beste Übersetzung dem Original nie vollkommen gerecht werden kann und auf vielen Gebieten Übersetzungen fehlen. Methode und methodische Schritte Ein so definiertes Lernziel setzt beim methodischen Vorgehen andere Schwerpunkte als beim gleichzeitigen Vermitteln und Üben der Fertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben. In der hier vorgestellten Methode geht es darum, daß der Leser-Lerner Zeichen im Text erkennen lernt, die er in Bedeutung umsetzen kann, die ihm somit schrittweisen Zugang zum Inhalt verschaffen, vom globalen bis hin zum detaillierten Verständnis. Kommunikationssprache bleibt im Unterricht die Muttersprache. I n geisteswissenschaftlichen Texten werden Phänomene dargestellt, definiert, diskutiert, Hypothesen definiert, belegt oder widerlegt. Das bringt notwendig mit sich, daß gewisse »Schlüsselwörter« immer wieder erscheinen. Diese äußerlich erkennbaren Zeichen in Fachtexten bestimmen die Thematik und greifen sie immer wieder auf. Dementsprechend wird der Leser im ersten Arbeitsschritt, nach einer Kontextualisierung nach Autor und Titel, aufgefordert, Eigennamen, Internationalismen und frequente Wörter zu unterstreichen. Bei Internationalismen, die in Fachtexten gebraucht werden, handelt es sich um Termini lateinischen und griechischen Ursprungs, deren deutsche Erscheinungsform sich quasi mit der der Muttersprache deckt, die also unmittelbar verständlich sind. Unter frequenten Wörtern verstehen wir der gleichen Wortfamilie zugehörige Wörter, die durch ihr häufiges Auftreten im Text ins Auge fallen, d.h. daß ein Wortstamm in adäquat veränderter Weise immer wieder auftaucht. Das Aufsuchen der frequenten Wörter geschieht zunächst nach ihrer äußeren Erscheinungsform, ohne daß das Wort notwendig verstanden wird. Es muß jedoch erkannt werden, daß verschiedene Erscheinungsformen den gleichen Wortstamm enthalten. Dieser Erkenntnisprozeß und die anschließende Wortanalyse mit Hilfe von Gruppierungen nach Wortfamilien sollen die Lerner mit den Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung vertraut machen. Gedankliche Querverbindungen zwischen den frequenten Wörtern, Eigennamen und Internationalismen lassen dann erste Rückschlüsse auf den Inhalt des Textes zu. Der zweite Arbeitsschritt besteht im Aufsuchen sogenannter Signalwörter. Was sind Signalwörter? Sie zeigen an, ob eine Aussage bejaht oder verneint wird, nur beschränkt gültig ist oder bekräftigt wird, also Modaladverbien von der Verneinung über die Einschränkung bis hin zur Bekräftigung. Demonstrativa, da sie auf ein wichtiges bereits genanntes Phänomen verweisen oder auf seine Nennung vor- bereiten. Interrogativpronomen, die Fragen aufwerfen, und Konjunktionen, die den Text argumentativ strukturieren. Am Auftreten der verschiedenen Signalwörter und ihrer Häufigkeit kann man sofort erkennen, ob es sich um einen Text bzw. eine Textstelle mit definitorischem oder argumentativem Charakter handelt, ob Thesen einfach dargestellt werden oder sich in ihrer Definition der Gegenüberstellung von Gegensätzen bedienen, ob und an welcher Stelle die Argumentation Begründungen und Erläuterungen anführt, auf Vorbedingungen hinweist usw. Die Sinnverbindung der frequenten Wörter mit den Signalwörtern ermöglicht es, das Verständnis des Textes in seinen logischen Zusammenhängen zu vertiefen. Wie in der muttersprachlichen Situation die Fachleser entscheiden, ob ihnen die bereits erhaltenen Informationen genügen, könnte auch hier die Lektüre nach jedem Leseschritt abgebrochen werden. In der Kurssituation werden alle Leseschritte vom globalen bis zum detaillierten Lesen durchlaufen, da der Leser-Lerner an ihnen die entsprechenden Strategien lernen und üben soll. Als dritter Arbeitsvorgang erfolgt das detaillierte Lesen des Textes. Dabei hat es sich als hilfreich erwiesen, daß der Kursleiter den Text satzweise vorliest. Er vollzieht damit für den Leser-Lerner das Lesen mit dem inneren Ohr, das ihm im Deutschen erst vertraut werden muß. Ausgehend von den bereits geklärten frequenten Wörtern, Internationalismen und Signalwörtern werden die Verständnisinseln im Satz erweitert: - durch Einbeziehung der Substantive, von denen als frequente Wörter unterstrichene Genitivformen oder attributive Adjektive abhängig sind, - durch Einbeziehung des Wortes bzw. der Wortgruppe, die auf ein Modaladverb folgt (in seltenen Fällen ihm vorausgeht) als einer wichtigen Aussage im Satz, - durch Aufsuchen der Verbalgruppe (= Verb + Verbergänzung), wenn ein Signalwort (Konjunktion) es inhaltlich erfordert, - durch Aufsuchen der Verbalgruppe und seine Bedeutungsbestimmung unter Einbeziehung des Subjekts und der bereits entschlüsselten Inseln. Oft lassen diese schon verhältnismäßig sichere Vermutungen über die Verbaussage zu. Ausgehend vom zunächst rein mechanischen Zugriff auf Wort- wie auf Satzebene soll der Lerner allmählich dahingeführt werden, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Das betrifft sowohl das Aufgreifen von frequenten Wörtern nach dem Gesichtspunkt, ob sie inhaltlich von Belang sind oder nicht, als auch, bei der Verständnisvertiefung, die Einbeziehung von Signalwörtern: es muß erkannt werden, ob sie nur ein Satzelement oder die ganze Satzaussage betreffen und damit die Einbeziehung der Verbalgruppe bzw. der Verbergänzung notwendig machen. Erfahrungsgemäß ist der Lerner mit der Orientierung im Satzgefüge schnell vertraut; auch bei der Wortanalyse erlangt er, was die Anwendung von Wortbildungsgesetzmäßigkeiten betrifft, rasch große Sicherheit. Sie erlaubt ihm in vielen Fällen, die wahrscheinliche Bedeutung eines Wortes zu bestimmen. Es ist jedoch unbestreitbar, daß die Lexik immer ein Problem darstellen wird und auch durch richtig angewandte Wortanalyse in ihrer Bedeutungsbestimmung nie völlig abgesichert ist. Die Methode kann hier nur zu einer relativen Autonomie führen und die Zuhilfenahme des Wörterbuches nicht ausschließen. Noch bestehende Unklarheiten auf Wort- bzw. Satzebene rechtfertigen punktuell eine textnahe Kontrollübersetzung, die lediglich der Bedeutungsabgrenzung dienen und das Verständnis sichern soll, also keinen Wert auf stilistische Vollkommenheit in der Muttersprache legt. In manchen Fällen kann es sich allerdings für den Leser-Lerner als interessant erweisen, die ihm bekannte muttersprachliche Übersetzung mit dem Original zu vergleichen. Der nunmehr erarbeitete Text wird von den Lernern unter Anleitung des Lehrers satzweise vorgelesen. Durch Nachahmen der richtigen Intonation und der Satzmelodie vollzieht der Lerner den Text auf einer anderen Ebene als der der verstandesmäßigen Erkenntnis sinngemäß noch einmal nach. An alle Texte schließen sich Ubungen an. Sie greifen textspezifische Phänomene in Syntax bzw. Wortbildung auf, in deren Erkenntnis der Leser-Lerner sich üben soll. Ausschlaggebend bei der Auswahl des zu übenden Stoffes ist die Häufigkeit, mit der textspezifische grammatische Phänomene in geisteswissenschaftlichen Texten auftreten. Insofern erheben die Übungen, wie auch die im Anhang behandelten Punkte, keinen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der deutschen Sprache im allgemeinen. 1 Grammatische Aspekte, die für die Entschlüsselung dieser Texte von geringer Bedeutung sind, werden demzufolge nicht behandelt. In der Anfängerreihe bauen Texte wie Übungen progressiv aufeinander auf, so daß die Lerner im ersten Jahr die zum Leseverstehen nötige Grundgrammatik durchlaufen. In den Übungen für Fortgeschrittene wird das bereits Behandelte vertieft. Außerdem werden Besonderheiten der verschiedenen Fachsprachen bewußt gemacht und auf häufig auftretende stilistische Eigenheiten hingewiesen. Neben den grammatisch ausgerichteten Übungen stehen inhaltlich bezogene, die den Text in seinen wichtigen Aussagen zusammenfassen. Bei den Anfängern sind es vorwiegend die sogenannten »Leitsätze«, die den Text durch das Aufsuchen der Verbergänzung rekapitulieren. In den Textreihen für Fortgeschrittene sind die verschiedenen inhaltsbezogenen Übungsformen dem Schwierigkeitsgrad des Textes und dem Kenntnisstand der Lerner angepaßt. Damit soll verhindert werden, daß über der Arbeit mit dem Formalen der Blick für die inhaltlichen Zusammenhänge verlorengeht. Auf den Seiten 10-12 werden die methodischen Schritte anhand eines Textes exemplarisch aufgezeigt. Aufbau des Kompendiums Das Kompendium gliedert sich in drei Teile: 1. Texte und Übungen für Anfänger (1. Jahr) Die Textzusammenstellung stellt keinen Querschnitt durch die geisteswissenschaftliche Literatur dar. Inhaltliches Auswahlkriterium war die Tatsache, daß die Texte in geisteswissenschaftliches Vokabular einführen und dem Leseinteresse von Geisteswissenschaftlern gerecht werden. Ihr sprachlicher Schwierigkeitsgrad entschied über ihre Reihenfolge. Die Texte bauen progressiv aufeinander auf und bestimmen den jeweils zu behandelnden »Lernstoff«, dem Übungen zugeordnet sind. 2. Textreihen und Übungen für Fortgeschrittene (2. und 3. Jahr) Auch diese Textreihen können keinen Anspruch auf inhaltliche Repräsentativität erheben. Sie bringen Beispiele aus den verschiedenen Fachbereichen, setzen jedoch kein fachspezifisches Vorwissen voraus. Inhaltlich wurde dem von den Lernern geäußerten Interesse Rechnung getragen. Die Texte sind unter thematischen Gesichtspunkten zu Reihen zusammengestellt: das ermöglicht eine progressive Vertiefung der Kenntnis, sowohl in bezug auf fach- bzw. themenspezifisches Vokabular als auch in bezug auf den jeweiligen Themenkreis. Die beigeordneten Übungen entsprechen den am Ende jedes Textes angegebenen textspezifischen »Schwerpunkten« zur Grammatik. Unter »Hinweise« sind weitere textspezifische Merkmale angegeben, auf die der Kursleiter gegebenenfalls hinweisen kann, die jedoch nicht in Übungen aufgegriffen werden. Inhaltsbezogene Übungen ermöglichen einen thematischen Überblick und stellen innerhalb der Reihen Bezüge zwischen den einzelnen Texten her. Anfänger- und Fortgeschrittenenband sind jeweils mit einem Lösungsschlüssel versehen. Die dabei angegebenen Übersetzungen sind möglichst textnah, um den Ü b ~ n ~ s c h a r a k tzu wahren. er 3. Ein muttersprachlich abgefaßter Anhang als Nachschlagemöglichkeit für die Lerner Er enthält einen Grundriß der Grammatik zum Leseverstehen, eine Zusammenstellung der häufig auftretenden Wortwurzeln, gängige Abkürzungen und fachspezifisches Vokabular zu den Bereichen Philosophie, Psychologie und Soziologie. Dabei handelt es sich um einen Minimalwortschatz, der für das Verständnis der aufgeführten Texte notwendig erscheint. Die Entsprechungen stammen, soweit vorhanden, aus muttersprachlichen Fachwörterbüchern und von Wissenschaftlern unter den Leser-Lernern. Bei der Abfassung eines Grundrisses der Grammatik zum Leseverstehen war unser Anliegen, grammatische Phänomene im weitesten Sinne darzustellen, die für den Erkenntnisprozeß beim Lesen unerläßlich sind, also geisteswissenschaftliche Texte durch die Häufigkeit ihres Auftretens kennzeichnen und im Vergleich zur jeweiligen Muttersprache für das Deutsche bestimmend sind. Grammatische Aspekte, die in der Muttersprache parallel laufen und keiner Bewußtmachung bedürfen, sind absichtlich ausgespart. rtlhl esinn. Im Anhang behandelte Schwerpunkte 1 . Racines estimees les plus productives / Roots that are considered rnost productive Damit sind Wortwurzeln gemeint, die aufgrund ihrer Möglichkeit der Wortbildung mit Hilfe von Präfixen, Suffixen und Zusammensetzung das deutsche Vokabular durch die Häufigkeit ihres Auftreten~ bestimmen. 2. Suffies et prkixes servant a la formation de mots / Suffixes and prefixes used in the formation of words Hierbei handelt es sich um eine Auflistung und Bedeutungsbestimmung der Suffixe und Präfixe, die bei der Bildung von Substantiven, Adjektiven und Verben häufig auftreten und für die Wortanalyse wichtig sind. 3 . Le verbe / The verb In diesem Kapitel werden nur die für die geschriebene Sprache charakteristischen Formen und Funktionen aufgeführt. Schwerpunkte bilden dementsprechend die Auflistung von unregelmäßigen Verben und die Darstellung der verschiedenen Funktionen des Partizip Perfekts. 4 . Dkclinaisons / Declensions Auch hier geht es um eine Auflistung der für die Textentschlüsselung notwendigen Deklinationsformen, also vorrangig der Artikel und Pronomen. 5 . Particularitbs du graphisme de l'allemand / Peculiarities of German orthography Das Kapitel geht auf Verständnishilfen ein, die bereits im deutschen Schriftbild vorgegeben sind: Groß- und Kleinschreibung, Umlaut und Interpunktion, vor allem die Rolle des Kommas im deutschen Satzgefüge. 6. La structure regressive de l'allemand / The regressive structure of Gerrnan Die rückläufige Struktur des Deutschen erscheint uns für den Erkenntnisprozeß beim Lesen als wesentliches Phänomen, da es sich V.a. für frankophone, aber auch für anglophone Lerner um ein besonders wichtiges kontrastives Problem handelt: die französiche Sprache geht, umgekehrt zum Deutschen, in Wort- und Satzbildung von links nach rechts vor. Das erfordert eine Bewußtmachung des gegenläufigen Leseprozesses im Deutschen auf Wort- und Satzebene. Ähnliches gilt für die englische Sprache, V.a. auf der Satzebene. In der verwendeten Terminologie benutzen wir den Terminus groupe verbal / verb phrase für das Verb mit der Verbergänzung (Verbalgruppe). Verbergänzungen weisen sich dadurch aus, daß sie mit dem Verb eine Bedeutungseinheit bilden und durch die Endstellung im Satz erkennbar sind. Premier dbterminant / First element that completes the meaning of the verb ist die erste Verbergänzung, also diejenige, die den Satz in Verbindung mit dem Verb zu einem sinnvollen Minimalsatz macht. Bei trennbaren Verben, wo der trennbare Verbzusatz in seiner Endstellung bereits die erste Verbergänzung darstellt, wird häufig die Einbeziehung der zweiten Verbergänzung im Sinne eines schlüssigen Minimalsatzes notwendig. Erste Verbergänzung kann auch ein Nebensatz sein. Der Terminus renvoi / exbraciationbezeichnet die Ausklammerung im Satz. 7 . Les mots signaux / Signal words Als Signalwörter bezeichnen wir Wörter verschiedener grammatischer Kategorien, die sofort erkennbare Zeichen in bezug auf die logische Struktur eines Textes, die Verbindung der Sätze untereinander und deren Aussagewert setzen. Dabei unterscheiden wir zwei Gruppen : - Signalwörter, die die logische Struktur in einem Text anzeigen, wie Konjunktionen und Korrelativa, aber auch Wörter, die den gleichen Signalcharakter haben und in traditionellem Sinne grammatisch anders eingeordnet werden. In der verwendeten Terminologie entspricht die Bezeichnung articulateurs / linking words Verbindungswörtern, die eine ähnliche Signalfunktion wie die der Konjunktionen haben. Unter klkments fonctionnant pur pairs / pair words verstehen wir sowohl Korrelativa im üblichen Sinn als auch Signalwörter mit Korrelativcharakter. - Modaladverbien, die den Satz in seinem Aussagewert bestimmen. Auch hier werden traditionelle grammatische Kategorien durchbrochen, wenn Wörter anderer grammatischer Zugehörigkeit die gleiche Signalfunktion haben (s. Einbeziehung von »kein«). 8. L'4volution et I'ktat dans la Iangue allemande / Development and state in German Der Ausdruck von Entwicklung und Zustand erscheint in der deutschen Sprache als etwas Wesentliches. Das wird besonders augenfällig in den Fachbereichen Philosophie, Psychologie und Soziologie. Deshalb ist diesem übergreifenden Aspekt ein Kapitel gewidmet, das die verschiedenen diesbezüglichen Erscheinungsformen darstellt. Ausschlaggebend für das Konzept, das unserer Methode zugrundeliegt, war die Einsichtigkeit der methodischen Schritte für den Leser-Lerner, ihre unmittelbare Anwendbarkeit und ihre Übertragbarkeit auf geisteswissenschaftliche Texte, die auch außerhalb des Unterrichts gelesen werden. Dem Gebot der unmittelbaren Einsichtigkeit und Anwendbarkeit gehorcht auch unser Vorgehen bei der Schwerpunktsetzung in der Grammatik und die dort angewandte Terminologie. Der Lesekurs für Geisteswissenschaftler ist in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut e.V., München, entstanden. Marie Luise Brandi Barbara Momenteau Methodische Schritte am Beispiel eines Textes 1. Schritt Den Text, wenn möglich, nach Autor und Titel thematisch und zeitlich situieren. Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferische Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt.« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist 5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.«' Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert.«2 »Die Philosophie von Marx«, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Protest erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Ind~strialismus.«~ Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus, noch einen Idealismus, sondern einen Humani~rnus.~ »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.«5 15 Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen.« (Ernst F i ~ c h e r ) ~ Lesetext aus: Häussermann, Deutschkurs 3, S.13 2. Schritt Im Text werden die frequenten Wörter, die Eigennamen und die Internationalismen unterstrichen. Bei längeren Texten erfolgt die Unterstreichung nach Sinnabschnitten. Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferische Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich f i i G « Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist - wenn - nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist - nicht zu Haus. Seine Arbeit ist er, er er 5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' - Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert.« »Die Philosophie von Marx«, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Protest erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Industrialismus.« Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus. noch einen Idealismus. sondern einen Humanismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der - selbst.« Mensch 15 Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen«. (Ernst Fischer) P P P j - Ökonomisch-~hilosophische Fragmente - MEGA I, 3,92 - Erich Fromm: Das Menschenbild bei Marx (Frankfurt 1980), S. 7 - Kritik der Hegelschen Dialektik XXVI - Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung - Ernst Fischer: Was Marx wirklich sagte (Wien 1968), S. 17 3. Schritt Die von den Lernern unterstrichenen Wörter werden an der Tafel festgehalten: gruppiert nach Wortfamilien und zugleich als Tafelbild so angeordnet, daß der Zugang zu einer ersten inhaltlichen Hypothesenbildung klarer erscheint. Dabei handelt es sich vornehmlich um die Wörter, die einer Wortanalyse bedürfen und inhaltlich von Belang sind. Arbeit arbeiten Arbeiter Zwangsarbeit Arbeitslohn außer Arbeit außer sich Mensch Mensch selbst menschlich Zwang gezwungen frei freiwillig unfrei entfremden Entfremdung zu Haus Marx' Kritik Philosophie - Marx Humanismus Dehumanisierung Sklave - Protest gegen - Entfremdung des Menschen gegen - Dehumanisierung - Automatisierung für - freien - individuellen Menschen - Industrialismus Ausgehend von den derart aufgelisteten Schlüsselwörtern werden im Klassengespräch mögliche inhaltliche Zusammenhänge diskutiert. Manche Sätze erscheinen durch die Frequenz der Unterstreichungen bereits als Schlüsselsätze. 4. Schritt Die Signalwörter werden umkringelt. Das kann in Einzel- oder Gruppenarbeit oder mit der ganzen Klasse geschehen. Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferische Arbeit ist, sich der Mensch »in seiner Arbeit bejaht, ( S n ) verneint, wohl, ( ) unglücklich fühlt«. (Dann) ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich @ in der er arbeitet, ist er ( B ) Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, er arbeitet, (und) 5 zu Haus. Seine Arbeit ist ( E r ) ( mfreiwillig,)n) C gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' Kritik trifft (s) die ungerechte Verteilung des Geldes, (sEdii?n) die unfreie Arbeit: »Eine gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre @ eine bessere Salairierung der Sklaven @ hätte (weder) dem Arbeiter @ der Arbeit ihre menschliche Bestimmung (Und) Würde erobert.« »Die Philosophie von Marx«, @ faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst seine Verwandlung in ein Ding. ( E d Protest erhebt er gegen die Dehumanisierung Automatisierung des Menschen im Industrialismus.« Marx selbst nennt seine Lehre einen Materialismus, B einen Idealismus, einen Humanismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen 1s ist der Mensch selbst.« Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft ( mfür irgendein System, (-]für ) den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen.« (Ernst Fischer) rn (I = 1 ( Die Art der Signalwörter läßt zum einen Rückschlüsse auf die inhaltlich-logische Struktur des Textes zu, zum anderen führt sie zu einer Erweiterung der Verständnisinseln - durch Einbeziehung der Substantive, von denen als frequente Wörter unterstrichene Genitivformen (z.B. Z. 7: Erhöhung des Arbeitslohns) oder deklinierte Adjektive (2.B. Z. 8: ihre menschliche Bestimmung und Würde) abhängig sind, - durch Einbeziehung des Wortes, bzw. der Wortgruppe, die auf ein Modaladverb folgt (in seltenen Fällen ihm vorausgeht) als einer wichtigen Aussage im Satz (2.B. Z. 2: beja,ht, E dern) verneint), - durch Aufsuchen der Verbalgruppe (Verb + Verbergänzung), wenn ein Signalwort es inhaltlich erfordert. Im vorliegenden Beispiel ist aufgrund der Signalwörter bereits ersichtlich, daß es sich um einen Text mit definitorischem Charakter handelt, der in seinen Definitionen mit Gegensatzpaaren arbeitet. (m) 5. Schritt In der Kurspraxis erfolgt nun immer die Detaillektüre. Der Kursleiter liest die einzelnen Sätze vor. Inhaltlich durch die vorhergehenden Schritte noch nicht geklärte Sätze werden erschlossen durch Aufsuchen der Verbalgruppe und ihre Bedeutungsbestimmung unter Einbeziehung des Subjektes und der bereits entschlüsselten Textinseln. Bei Unklarheiten auf Wort- bzw. Satzebene erfolgt eine kurze Kontrollübersetzung. Anschließend lesen die Lerner den behandelten Text satzweise vor. Textspezifische Übungen werden in der Regel von den Schülern zu Hause gemacht. Geisteswissenschaftliche Texte für Anfänger Die Texte für Anfänger sind progressiv angeordnet. Sie bauen in Lernstoff und Schwierigkeitsgrad aufeinander auf. Der Lernstoff deckt ein Lernjahr a 90 Minuten pro Woche ab. In diesem ersten Lernjahr gehen die Lerner die Hauptschwierigkeiten an, die sich beim Lesen geisteswissenschaftlicher Texte stellen. Auf eine Abfassung der Arbeitsanweisungen in der Muttersprache des Leser-Lerners wird bei den hier vorliegenden Texten verzichtet, da davon ausgegangen wird, daß die Texte in einer Unterrichtssituation erarbeitet werden. Inhaltsübersicht Index des textes proposks / Table of contents Seitelpage Rosa Luxemburg Wassily Kandinsky Wassily Kandinsky Wassily Kandinsky Walter Benjamin Walter Benjamin Walter Benjamin Friedrich Engels / Karl Marx Friedrich Engels / Karl Marx Friedrich Engels / Karl Marx Friedrich Engels / Karl Marx Stefan Andres Johannes-Evangelium Arthur Schopenhauer Martin Heidegger Martin Heidegger Carl Gustav Jung Sigmund Freud Lösungen : : : : Brief Lebenslauf Grundbegriffe - Geist und Materie Grundbegriffe - Form und Inhalt Illuminationen - Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts Illuminationen - Grandville oder die Weltausstellungen Illuminationen - Haussmann oder die Barrikaden Manifest der kommunistischen Partei - Auszug I Manifest der kommunistischen Partei - Auszug I1 Manifest der kommunistischen Partei - Auszug I11 Manifest der kommunistischen Partei - Auszug IV Im Anfang Prolog >)Überdas Lesen« Was heißt Denken? - Auszug I Was heißt Denken? - Auszug 11: Stundenübergänge, Von I zu I1 Funktion der Träume Von Traum und Traumdeutung 15 17 20 22 27 30 34 38 41 44 47 51 53 56 58 62 65 68 73 Lernstoff Text 1: Erste Sensibilisierung für Signalwörter Groß- und Kleinschreibung / Umlaute / Interpunktion Bestimmter Artikel Satzbauschema Hauptsatz Präsensformen 3. Pers.Sg./Pl. Internationalismen Komposita Internationalismen; Komposita Verben auf »-ieren« Präsens von »sein« Adjektivsuffix »-isch« Nebensatzkonstruktion (Relativsatz) Text 2: Text 4: Text 5 : Text 6: Text 7 : Text 8: Text 9 : Text 10: Text Text Text Text 11: 12 : 13: 14: Text 15 : Text 16: Text 17: Text 18: Einführung in die Signalwörter Unbestimmter Artikel und »kein« Substantivierung von Verb, Adjektiv und Partizip Partizip Präsens Adjektivsuffixe »-bar« / »-ig« / »-lieh« / »-sam« Nebensatzkonstruktion (Infinitivsatz) Personalpronomen Partizip Perfekt: Form und Funktion Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) Interpunktion Substantivsuffix »-ung« Unregelmäßige Verben: Präsens Possessivpronomen 3. Pers.Sg./Pl. Trennbare Verben in Haupt- und Nebensatz Stellung des Verbs bzw. der Verbalgruppe in Haupt- und Nebensatz Präsens der Modalverben Präteritum der schwachen Verben, Modalverben und von »haben«, »sein«, »werden« Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) Substantivsuffix »-er« Gegenüberstellung und Sinndifferenzierung von: a) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven ohne Suffix b) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven mit Suffix »-ung« »werden« und seine Funktion Verbpräfix »ver-« Verstärkte Behandlung der Funktion der Signalwörter Präteritum der unregelmäßigen Verben Verben - Wiederholung der verschiedenen Tempora Unterschiedliche Bedeutung von : a) substantiviertem Infinitiv b) Substantiv mit Suffix »-ung« C) vom Verbstamm abgeleitetem Substantiv ohne Suffix Neben- und unterordnende Konjunktionen und ihre Funktion in der argumentativen Struktur eines Textes Substantivierte Infinitive und Adjektive in der philosophischen Sprache Komparativ mit »als« Kausale Zusammenhänge: »warum - darum«, »darum, weil« Verbpräfix »er-« / Präfix nun-« Konditionalsätze ohne die Konjunktion »wenn« Wortbildung ausgehend von Verbstämmen Vokabular der Psychologie 1 Rosa Luxemburg: Auszug aus einem Brief an Mathilde Wurm vom 16. 2. 1917 Aus: »Briefe an Freunde« Europäische Verlagsanstalt GmbH - Köln, zitiert nach: Häussermann, Woods, Zenkner, Sprachkurs Deutsch 2, Diesterweg 1979, S. 97 5 10 Nichts ändert sich so schnell wie die menschliche Psyche. Vor allem die Psyche der Massen - sie ist dem Meer gleich. In der Masse ruhen alle Möglichkeiten: die Stille und der Orkan, die Schwäche und der Heroismus. Die Masse ist immer auf dem Sprung, etwas total anderes zu werden. Der schlechte Kapitän steuert sein Schiff nach dem momentanen Aussehen der Wasseroberfläche. Der gute Kapitän versteht die Zeichen am Himmel und in der Tiefe und kennt die zukünftigen Stürme. »Die Masse ist schlecht« - so urteilt immer nur der kleine Politiker. Der große Politiker folgt nicht der momentanen Stimmung der Massen. Er kennt die Geschichte und läßt ihr Zeit. Ihm gehört die Zukunft. Französische Übersetzung in: Rosa Luxemburg: »J'&tais, je suis, je serai!«, Correspondance 1914-1919, Maspkro 1977 Englische Übersetzung in: Eric Bronner (ed.): The Letters of Rosa Luxemburg, Boulder/Colo.: Westview Press, 1978 I Lernstoff Erste Sensibilisierung für Signalwörter durch Vorgabe des Lehrers Groß- und Kleinschreibung/Umlaute/Interpunktion Bestimmter Artikel -+ Anhang F 27, 28 / E 27 (*) Satzbauschema Hauptsatz -+ Anhang F35-36 / E 33-34 Präsensformen 3. Pers.Sg./Pl. -t Anhang F 18-19 / E 18-19 Internationalismen Komposita = = *F E Französisch Englisch (Nichts) ändert sich @ schnell @ die menschliche Psyche. (W) Psyche der Massen - sie ist dem Meer gleich. In die 5 10 der Masse ruhen alle Möglichkeiten: die Stille @ der Orkan, die Schwäche @ der Heroismus. Die Masse ist (immer) auf dem Sprung, etwas total anderes zu werden. Der schlechte Kapitän steuert sein Schiff nach dem momentanen Aussehen der Wasseroberfläche. Der gute Kapitän versteht die Zeichen am Himmel (und) in der Tiefe @ kennt die zukünftigen Stürme. »Die Masse ist schlecht« - @ urteilt ( G(nuy) der kleiI ne Politiker. Der große Politiker folgt (nicht) der momentanen Stimmung der Massen. Er kennt die Geschichte (und) läßt ihr Zeit. Ihm gehört die Zukunft. P Hier einige Satzanfänge aus dem Text von Rosa Luxemburg. Einige Veränderungen gegenüber dem Original erklären sich daraus, daß das Subjekt hier immer an den Satzanfang gestellt ist. Vervollständigen Sie die Sätze durch die erste Verbergänzung. 1. Die Psyche der Massen ist 2. Alle Möglichkeiten ruhen 3. Die Masse ist 4. Die Masse ist 5. Nur der kleine Politiker urteilt 6 . Der große Politiker folgt nicht 7. Er kennt 8. Er läßt ihr 9. Die Zukunft gehört 2 Wassily Kandinsky : Lebenslauf 4. Dez. 1866 Moskau - 13. Dez. 1944 Neuilly s. Seine 5 10 15 20 Nach einem Jurastudium in Moskau geht Kandinsky 1896 nach München und beginnt sein Kunststudium. 1897 besucht er die AZbe-Schule und ist Schüler von Franz von Stuck an der Kunstakademie in München. 1901 gründet er die Künstlergruppe »Phalanx«, ist 1902 Mitglied der »Berliner Secession«, des Deutschen Künstlerbundes und des Pariser Herbstsalons. 1909 wird Kandinsky Gründer der »Neuen Künstlervereinigung(( in München. 1910 malt er sein erstes abstraktes Aquarell und publiziert seinen Aufsatz »Inhalt und Form«, der bereits die Grundgedanken seiner späteren Publikation »Über das Geistige in der Kunst« (1912) enthält. 1911 gründet er zusammen mit Franz Marc den »Blauen Reiter«. 1914 geht Kandinsky nach Moskau zurück, wo er ab 1920 u.a. als Professor an der Universität arbeitet. Von 1922 bis 1933 ist er Professor am Bauhaus in Weimar und in Dessau. 1933 emigriert Kandinsky nach Neuilly-sur-Seine. Kandinsky schafft im malerischen und kunsttheoretischen Bereich den Weg für eine abstrakte Malerei. Es sind vor allem seine theosophischen Studien, die ihn in seinem Werk zur Abstraktion führen. Lernstoff Internationalismen; Komposita + Anhang F33 / Verben auf »-ieren« Präsens von »sein« -+ Anhang F 19 / E 19 Adjektivsuffix wisch« + Anhang F 13 / E 13 Nebensatzkonstruktion (Relativsatz) -+ Anhang F35-36 / E34 (Relativpron.) + Anhang F27 / E27 Vorgabe der Signalwörter durch den Lehrer Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen und geben Sie ihre Übersetzung an. Benutzen Sie dabei die Liste der Wortwurzeln (Anhang F5-10 / E5-10). Beispiel das Musik/instrument die Zukunft/s/musik l'instrument de musique / musical instrument l'utopie / dreams of the future das Kunstwerk die Baukunst die Menschenmasse der Massenmensch der Ausstellungskatalog die Kunstausstellung der Lebenslauf das Künstlerleben die Formfrage die Grundform der Meeresgrund der Grundgedanke die Künstlergruppe der Gruppengeist die Kunstschule die Schulpolitik die Zeitgeschichte das Geschichtswerk das Industrialisierungsprogramm das Organisationsproblem Verbinden Sie die folgenden Sätze. Formen Sie dabei jeweils den zweiten Satz zu einem Relativsatz um. Vergessen Sie nicht, daß im deutschen Nebensatz das konjugierte Verb am Ende steht (s. Anhang F35 / E34). 1. Kandinsky publiziert 1910 seinen Aufsatz »Inhalt und Form«. Der Aufsatz enthält die Grundgedanken seiner späteren hblikationen. 2. Larionow organisiert 1910 die erste Ausstellung »Karo Bube«. Die Ausstellung zeigt (zeigen montrer / show) Werke von Kandinsky. = 3. Boccioni, Carra, Russolo, Balla und Severini publizieren das »Technische Manifest der futuristischen Malerei«. In dem Manifest proklamieren sie den Dynamismus in der Malerei. 4. 1911 gründet Kandinsky zusammen mit Franz Marc den »Blauen Reiter«. Der »Blaue Reiter« geht in die Geschichte der Kunst ein. (eingehen = entrer / g o down in) 5. Gropius arbeitet am Bauhaus mit einer Künstlergruppe. Zu der Künstlergruppe gehört von 1922 bis 1933 auch Kandinsky. 6. Kandinsky schafft den Weg für eine abstrakte Malerei. Zu der abstrakten Malerei führen ihn vor allem seine theosophischen Studien. 7. Die theosophischen Studien sind grundlegend (= fondamental/ fundamental) für Kandinskys Werk. Die theosophischen Studien führen ihn zur Abstraktion. Vervollständigen Sie folgende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung. 1. Kandinsky geht 1896 2. Er gründet 1901 3. Er ist 1902 4. Er publiziert 1910 - 5. Der Aufsatz enthält bereits 6. Er geht 1914 7. Er arbeitet ab 1920 8. Er ist von 1922-1933 9. Kandinsky schafft 10. Seine theosophischen Studien führen ihn 3 Wassily Kandinsky: Grundbegriffe Auszüge aus Kandinsky-Ausstellungskatalog Nov. 1973, Bielefeld, Didaktischer Ausstellungsteil S. 50 I Geist und Materie Es gibt eine gemeinsame Wurzel aller Einzelerscheinungen in dieser Welt. Die Welt ist ein Kosmos geistig wirkender Wesen. Was der Mensch sieht, ist Materie. In der Materie aber ist der abstrakte, schaffende Geist verborgen. Es ist nicht möglich, ihn zu definieren, wohl aber seine Wirkungen zu erfahren und zu beschreiben. Dieser Geist ist eine Kraft. Als das alles durchdringende Prinzip drängt er danach, sich in materiellen, präzisen Formen zu verkörpern. Er ist die Wahrheit. Geist und Form, d.h. Materie, sind etwas Verschiedenes, und doch sind sie so unmittelbar voneinander abhängig, daß unentscheidbar bleibt, ob alles Materie oder ob alles Geist ist. Die Unterschiede, die wir zwischen Materie und Geist sehen, sind auch als Abstufungen der Materie oder des Geistes denkbar. Letzten Endes bleibt die Welt eine große Frage, mehr dem Ahnen als dem Wissen zugänglich. Der Geist, in der Materie verhüllt, spricht durch die Materie zum Innersten, zur Seele des Menschen. Nur wenige Menschen sind feinfühlig genug und empfänglich dafür, den Geist zu erkennen. 5 10 1s 20 Lernstoff Einfühmng in die Signalwörter Anhang F37-42 / E36-41 Unbestimmter Artikel und »kein« -+ Anhang F28-29 / E28 Substantivierung von Verb, Adjektiv und Partizip Partizip Präsens -+ Anhang F21 / E 21 Adjektivsuffixe »-bar« / »-ig« / »-lich« / »-sam« -+ Anhang F 13 / E 13 Nebensatzkonstruktion (Infinitivsatz) -+ Anhang F35-36 / E34 Personalpronomen -+ Anhang F29-30 / E 29 -+ a) Verbinden Sie folgende Sätze durch die nachstehenden Signalwörter: aber / oder / und doch (nebenordnende Konjunktionen) 1. Der Mensch sieht Materie. In der Materie ist der abstrakte Geist verborgen. 2. Es ist nicht möglich, ihn zu definieren. Es ist möglich, seine Wirkung zu erfahren. 3. Geist und Materie sind etwas Verschiedenes, ... sind sie voneinander abhängig. 4. Ist alles Materie? Ist alles Geist? 5. Materie und Geist sind als Abstufungen der Materie denkbar. Sie sind als Abstufungen des Geistes denkbar. b) Schreiben Sie unter die nachstehenden Sätze die Übersetzung in Ihrer Muttersprache. Umrahmen Sie im Infinitivsatz die einzelnen Satzelemente. Beachten Sie die rückläufige Struktur des Deutschen. Beispiel Es ist nicht möglich,1 - .1M I what the world is 1. . I1 n 'est pas possible- 1 It is not possible -1 1. Es ist nicht möglich, den Geist zu definieren. 2. Es ist möglich, die Wirkung des Geistes zu erfahren. 3. Es ist möglich, die Wirkung des Geistes zu beschreiben. 4. Der Geist drängt danach, sich in materiellen Formen zu verkörpern. 5. Nur wenige Menschen sind feinfühlig genug, den Geist zu erkennen. 4 Wassily Kandinsky: Grundbegriffe Auszüge aus Kandinsky-Ausstellungskatalog Nov. 1973, Bielefeld, Didaktischer Ausstellungsteil S. 53 II Form und Inhalt Form und Inhalt sind voneinander geschieden, wenngleich aufs engste aufeinander bezogen und voneinander abhängig. Form ist die materielle Ausprägung des Geistes. Doch nicht die Form, die Materie, ist das Wichtigste, sondern der Inhalt, der Geist. Alles Äußere birgt ein Inneres in sich. Jede Form hat einen Inhalt. Es gibt keine nichtssagenden Formen, auch wenn sie gleichgültig wirken. Jede Form spricht. Aufgabe des Künstlers ist es, Formen zu deutlichem Sprechen und damit einen Inhalt zum Ausdruck zu bringen. Die Inhalte sind als etwas abstrakt Vorgegebenes aufzufassen, die ein körperliches Medium brauchen, um sich offenbaren zu können. Inhalte sind ewig und absolut, die vom Künstler geprägten und an ihn gebundenen Formen aber sind zeitlich und relativ. Von daher hat die Verschiedenartigkeit der Formen ihre Berechtigung. Form ist Bestimmung und Abgrenzung. Sie ist dann erschöpfend zweckmäßig, wenn sie den Inhalt am ausdruckvollsten zum Vorschein bringt, wenn sie aus innerer Notwendigkeit erwachsen ist. 5 10 1s Lernstoff Partizip Perfekt: Form und Funktion -+ Anhang F 19-21,22-25 / E20-21,22-25 Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) -+ Anhang F 2 1, 33 / E 2 1, 32 1. Ermitteln Sie durch Entschlüsselung der nachstehenden Partizipien die entsprechenden Infinitive und geben Sie die Übersetzung an. Partizip Perfekt (-t/-en) gemacht gesagt gefolgt gelassen veranstaltet organisiert ausgedrückt gegründet gebunden verkörpert geschaffen gewußt definiert gedacht erkannt vorgegeben 2. Übersetzen Sie folgende Auszüge und umrahmen Sie die Verbalgruppen wie folgt: a) Form und Inhalt Infinitiv machen Ubersetzung faire / to rnake 7 Forme et contenu Form and content 1 Igeschiedenl. FIbn de l'autre]. I ] I from one another]. 1. Form und Inhalt sind aufeinander bezogen. 2. Die Formen sind an den Künstler gebunden. 3. Form ist aus innerer Notwendigkeit erwachsen. b) Übersetzen Sie nachstehende Beispiele und umrahmen Sie wie folgt: U L ' I i i i l ' I Ider in der Materie1 ( 011/I dans la mutiere /I 1. der ausgedrückte Inhalt 2. der in der Form ausgedrückte Inhalt 3. der verkörperte Geist m I in matter 4. der in materiellen, präzisen Formen verkörperte Geist 5. das geschaffene Werk 6. das vom Künstler geschaffene Werk 7. das gesprochene Wort 8. das aus innerer Notwendigkeit gesprochene Wort Verbinden Sie folgende Sätze mit Hilfe der nachstehenden Signalwörter (n.K. = nebenordnende Konjunktion, u.K. = unterordnende Konjunktion): aber (n.K.) / auch wenn (u.K.) / sondern (n.K.) / wenn (u.K.) / wenngleich (u.K.) siehe Anhang F37-38 / E36-37 1. Form und Inhalt sind voneinander geschieden. Sie sind aufs engste aufeinander bezogen. 2. Nicht die Form, die Materie, ist das Wichtigste. Der Inhalt, der Geist, ist das Wichtigste. 3. Es gibt keine nichtssagenden Formen. Sie wirken gleichgültig. 4. Inhalte sind ewig und absolut. Die vom Künstler geprägten und an ihn gebundenen Formen sind zeitlich und relativ. 5. Form ist erschöpfend zweckmäßig. Sie bringt den Inhalt am ausdrucksvollsten zum Vorschein und ist aus innerer Notwendigkeit erwachsen. Suchen Sie in den beiden Kandinsky-Texten Adjektive zu den untenstehenden Adjektivsuffixen (vgl. Anhang F 13 / E 12. Entschlüsseln Sie ihren Sinn mit Hilfe des Wörterbuches oder der Wortstammliste (Anhang F5- 10 / E 5- 10) und finden Sie das Grundwort auf, von dem sie abgeleitet sind. Geben Sie die Übersetzung an. Suffix -1ich menschlich Grundwort Ubersetzung Mensch humain / human Übung Vervollständigen Sie die nachstehenden Satzanfänge aus den beiden Kandinsky-Texten durch die erste Verbergänzung. NB: Satz I I ist als Beispiel eines vollständigen Minimalsatzes aufgeführt, in dem das Verb zu seiner Aussage keiner Ergänzung bedarf. I 1. Die Welt ist 2. Der schaffende Geist ist 3. Dieser Geist ist 4. Er drängt danach, 5. Er ist --- - --- -. . P P - -- 6. Der Geist spricht I1 -- - . . - -- - 7. Nicht die Form, sondern der Geist ist 8. Materie ist, 9. Form ist - -- I I1 -.-- --- .- 10. Jede Form hat 11. Jede Form spricht. 12. Die vom Künstler geprägten Formen sind 13. Form ist 5 Walter Benjamin : Illuminationen Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 170/ 171 I. Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht in den anderthalb Jahrzehnten nach 1822. Die erste Bedingung ihres Aufkommens ist die Hochkonjunktur des Textilhandels. Die magasins de nouveautk1, die ersten Etablissements, die größere Warenlager im Hause unterhalten, beginnen sich zu zeigen. Sie sind die Vorläufer der Warenhäuser. Es war die Zeit, von der Balzac schrieb: »Le grand poeme de l'ktalage chante Ses strophes de couleur depuis la Madeleine jusqu'a la porte Saint-Deni~.~« Passagen Die sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren. In ihrer Ausstattung tritt die Kunst in den Dienst des Kaufmanns. Die Zeitgenossen werden nicht müde, sie zu bewundern. Noch lange bleiben sie ein Anziehungspunkt für die Fremden. Ein »Illustrierter Pariser Führer« sagt: »Diese Passagen, eine neuere Erfindung des industriellen Luxus, sind glasgedeckte, marmorgetäfelte Gänge durch ganze Häusermassen, deren Besitzer sich zu solchen Spekulationen vereinigt haben. Zu beiden Seiten dieser Gänge, die ihr Licht von oben erhalten, laufen die elegantesten Warenläden hin, so daß eine solche Passage eine Stadt, ja eine Welt im Kleinen ist.« Die Passagen sind der Schauplatz der ersten Gasbeleuchtung. Die zweite Bedingung des Entstehens der Passagen bilden die Anfänge des Eisenbaus. Das Empire sah in dieser Technik einen Beitrag zur Erneuerung der Baukunst im altgriechischen Sinne. ... Erstmals in der Geschichte der Architektur tritt mit dem Eisen ein künstlicher Baustoff auf. Er unterliegt einer Entwicklung, deren Tempo sich im Laufe des Jahrhunderts beschleunigt. Sie erhält den entscheidenden Anstoß, als sich herausstellt, daß die Lokomotive, mit der man seit Ende der zwanziger Jahre Versuche anstellte, nur auf eisernen Schienen verwendbar ist. Die Schiene wird der erste montierte Eisenteil, die Vorgängerin des 35 Trägers. Man vermeidet das Eisen bei Wohnbauten und verwendet es bei Passagen, Ausstellungshallen, Bahnhöfen - Bauten, die transitorischen Zwecken dienen. Gleichzeitig erweitert sich das architektonische Anwendungsgebiet des Glases. Die gesellschaftlichen Voraussetzungen für seine gesteigerte Verwendung als Baustoff finden sich aber erst hundert Jahre später. Noch in der »Glasarchitektur« von Scheerbart (1914) tritt sie in den Zusammenhängen der Utopie auf. 1 - Geschäfte des Neuesten 2 - Das große Gedicht der Auslagen singt seine farbigen Strophen von der Madeleine bis zur Porte Saint-Denis. Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagen-Werk, Frankfurt: edition Suhrkamp, 1983, 1. Bd., S. 60-61 Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973 Lernstoff Interpunktion -i Anhang F32,36 / E 3 1,34 Substantiv-Suffix »-urig« -+ Anhang F 12,48 / E 12,47 Unregelmäßige Verben: Präsens -+ Anhang F 17- 18,22-25 / E 17- 19,22-25 Possessivpronomen, 3. Pers.Sg. + Plur. + Anhang F28 / E28 1. Setzen Sie die Satzzeichen ein. 2 4 6 Die erste Bedingung des Entstehens der Pariser Passagen die nach 1822 entstehen ist die Hochkonjunktur des Textilhandels Die zweite Bedingung bilden die Anfänge des Eisenbaus in dem das Empire eine Erneuerung der Baukunst sieht Diese Passagen die Vorläufer der modernen Warenhäuser sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren Gänge durch ganze Häusermassen deren Besitzer sich vereinigt haben zeigen die elegantesten Waren die man in Paris finden kann Balzac schreibt daß die Zeitgenossen nicht müde werden sie zu bewundern 2. Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen, und geben Sie die Übersetzung an. Beispiel das Handel/s/zentrum le centre de commerce / commercial centre 1. das Stadtzentrum 2. die Handelsstadt 3. der Warenhandel 4. die Handelsware 5. das Wohnhaus 6. der Hausbesitzer 7. der Hausbau 8. die Baukunst 9. der Kunststoff 10. die Kunststoffverwendung 11. die Kunstausstellung 12. die Ausstellungshalle 13. die Zeitgeschichte 14. das Geschichtsbuch 15. die Entstehungszeit 3. Suchen Sie im Text alle Substantive mit Suffix »-urig«. Geben Sie die Verben, von denen sie abgeleitet sind, an und übersetzen Sie sie. Beispiel Suffix -ung die Bedingung Verb bedingen Ubersetzung P - conditionner / to cause, bring about Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung. 1. Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht 2. Die Hochkonjunktur des Textilhandels ist 3. Die magasins de nouveauti beginnen 4. Sie sind 5. In der Ausstattung der Warenhäuser tritt die Kunst 6. Die Warenhäuser bleiben noch lange 7. Eine solche Passage ist 8. Die Anfänge des Eisenbaus bilden 9. Die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die gesteigerte Verwendung des Glases als Baustoff finden sich 6 Walter Benjamin: iiiuminationen Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 175/176 11. Grandville oder die Weltausstellungen Weltausstellungen sind Wallfahrtsstätten zum Fetisch Ware. »L'Europe s'est deplace pour voir des marchandises«l, sagt Taine 1855. Den Weltausstellungen gehen nationale Ausstellungen der Industrie vorher, von denen die erste 1798 auf dem Marsfelde stattfindet. Sie geht aus dem Wunsch hervor, »die Arbeiterklassen zu amüsieren und wird für dieselben ein Fest der Emanzipation«. Die Arbeiterschaft steht als Kunde im Vordergrund. Der Rahmen der Vergnügungsindustrie hat sich noch nicht gebildet. Das Volksfest stellt ihn. Chaptals Rede auf die Industrie eröffnet diese Ausstellung. - Die Saint-Simonisten, die die Industrialisierung der Erde planen, nehmen den Gedanken der Weltausstellungen auf. ... Die Saint-Simonisten haben die Entwicklung der Weltwirtschaft, nicht aber den Klassenkampf vorausgesehen. Neben ihrem Anteil an den industriellen und kommerziellen Unternehmungen um die Jahrhundertmitte steht ihre Hilflosigkeit in den Fragen, die das Proletariat betreffen. Die Weltausstellungen verklären den Tauschwert der Waren. Sie schaffen einen Rahmen, in dem ihr Gebrauchswert zurücktritt. Sie eröffnen eine Phantasmagorie, in die der Mensch eintritt, um sich zerstreuen zu lassen. Die Vergnügungsindustrie erleichtert ihm das, indem sie ihn auf die Höhe der Ware hebt. Er überläßt sich ihren Manipulationen, indem er seine Entfremdung von sich und den anderen genießt. - Die Inthronisierung der Ware und der sie umgebende Glanz der Zerstreuung ist das geheime Thema von Grandvilles Kunst. Dem entspricht der Zwiespalt zwischen ihrem utopischen und ihrem zynischen Element. Ihre Spitzfindigkeiten in der Darstellung toter Objekte entsprechen dem, was Marx die »theologischen Mucken« der Ware nennt. Sie schlagen sich deutlich in der »specialite« nieder - eine Warenbezeichnung, die um diese Zeit in der Luxusindustrie aufkommt, unter Grandvilles Stift 5 10 15 20 25 30 35 verwandelt sich die gesamte Natur in Spezialitäten. Er präsentiert sie im gleichen Geist, in dem die Reklame - auch dieses Wort entsteht damals - ihre Artikel zu präsentieren beginnt. Er endet im Wahnsinn. 1 - Europa hat sich auf den Weg gemacht, um Waren zu sehen Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagen-Werk, Frankfurt: edition suhrkamp, 1983, L. Bd., S. 64 Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973 Lernstoff Trennbare Verben in Haupt- und Nebensatz Stellung des Verbs bzw. der Verbalgruppe in Haupt- und Nebensatz + Anhang F33-36 / E32-35 a) Setzen Sie das Verb in der adäquaten Form ein. Beispiel Nationale Industrieausstellungen / den Weltausstellungen / vorhergehen / Nationale Industrieausstellungen gehen den Weltausstellungen "&her. 1. Die erste nationale Industrieausstellung / 1798 auf dem Marsfeld / stattfinden / 2. Die Saint-Simonisten / den Gedanken der Weltausstellung / aufnehmen / 3. Die Saint-Simonisten / die Entwicklung der Weltwirtschaft / voraussehen / 4. Aber sie / nicht den Klassenkampf / voraussehen / 5. Der Gebrauchswert der Waren / zurücktreten */ 6. Der Mensch / in eine Phantasmagorie / eintreten */ 7. Das Wort »spkcialitk« / um diese Zeit in der Luxusindustrie / aufkommen / b) Stellen Sie den Sätzen 1 , 2 , 3 , 7 »Benjamin schreibt, daß ...« voran. Beachten Sie die Nebensatzkonstruktion! Beispiel Benjamin schreibt, daß nationale Industrieausstellungen den Weltausstellungen vorhergehen. Unterstreichen Sie im deutschen Text die in der französischen bzw. englischen Fassung unterstrichenen Verben bzw. Verbalgruppen. Louis-Philippe ou l'intirieur W. Benjamin: Louis-Philippe oder das Interieur Illuminationen, Auszug S. 177 Louis-Philippe or the lnterior Under Louis-Philippe the private individual rnakes his appearance on the Stage of history. The extension of the dernocratic apparatus through new voting rights coincides with parliarnentary corruption, which & ganized by Guihot. Under Cover of this the ruling class rnakes history through the pursuit of its business activities. lt prornotes the building of iron structures in order to irnprove its shares. It supports the reign of Louis-Philippe as that of the private businessrnan. With the July revolution the bourgeoisie realizes its goals of 1789 (Marx). ... The private individual who in his office takes account of reality, dernands of the lnterior that it preserve his illusions. ... This is the origin - of the phantasrnagoria of the lnterior. To the private individual it is the universe and represents everything that is distant and in the past. Its salon E a box in the theatre of the world. Unter Louis-Philippe betritt der Sous Louis-Philippe le particulier entre sur la scene de I'histoire. Privatmann den geschichtlichen L2largissement de I'appareil di- Schauplatz. Die Erweiterung mocratique par un nouveau droit des demokratischen Apparates de vote coiizcide avec la corrup- s durch ein neues Wahlrecht fällt tion parlementaire qui est orga- mit der parlamentarischen Kornisie pur Guihot. Sous son cou- ruption zusammen, die von vert la classe au pouvoir fait I'hiGuihot organisiert wird. In destoire pur le fait m8me qu'elle ren Schutz macht die herrschens'occupe de ses affaires. Elle fait 10 de Klasse Geschichte, indem sie progresser la construction de fer ihre Geschäfte verfolgt. Sie föra 8 n d'amiliorer son fonds en ac- dert den Eisenbau, um ihren tions. Elle favorise le regne de Aktienbesitz zu verbessern. Sie Louis-Philippe comme celui d'un begünstigt die Herrschaft particulier chargi de la gestion 1s Louis-Philippes als die des gedes affaires. Dans la rivolution schäftsführenden Privatmand e juillet la bourgeoisie a rialisi nes. Mit der Julirevolution hat les objectifs de 1789 (Marx). die Bourgeoisie die Ziele von ... Le particulier qui, dans son 1789 verwirklicht (Marx). comptoir, tient compte de la rka- 20 ... Der Privatmann, der im Konliti exige de I'intirieur d'8tre tor der Realität Rechnung trägt, entretenu dans ses illusions. ... verlangt vom Interieur in seiCela est a I'origine des phantasnen Illusionen unterhalten zu magories de I'intkrieur. I1 reprk- werden. ... Dem entspringen die sente pour le particulier l'univers. 25 Phantasmagorien des InteEn lui il rassemble le lointain et rieurs. Es stellt für den Privatle passe. Son salon est une loge mann das Universum dar. In dans le thidtre mondial. ihm versammelt er die Ferne und die Vergangenheit. Sein 30 Salon ist eine Loge im Welttheater. Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfange durch die erste Verbergänzung. 1. Weltausstellungen sind 2. Nationale Ausstellungen der Industrie gehen 3. Die erste Weltausstellung findet 1798 4. Sie wird für die Arbeiterklassen 5. Die Weltausstellungen verklären 6. Der Gebrauchswert der Waren tritt 7. Die Vergnügungsindustrie hebt den Menschen 8. Der Mensch genießt 9. Die Warenbezeichnung »sp6cialit6« kommt um diese Zeit 10. Auch das Wort Reklame entsteht 7 Walter Benjamin Illuminationen Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 181/182 111. Haussmann oder die Barrikaden Haussmanns urbanistisches Ideal waren die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluchten. Es entspricht der im neunzehnten Jahrhundert immer wieder bemerkbaren Neigung, technische Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen zu veredeln. Die Institute der weltlichen und geistlichen Herrschaft des Bürgertums sollten, in den Rahmen der Straßenzüge gefaßt, ihre Apotheose finden. Straßenzüge wurden vor ihrer Fertigstellung mit einem Zelttuch verhangen und wie Denkmäler enthüllt. - Die Wirksamkeit Haussmanns fügt sich dem napoleonischen Idealismus ein. Dieser begünstigt das Finanzkapital. Paris erlebt eine Hochblüte der Spekulation. Das Börsenspiel drängt die aus der feudalen Gesellschaft überkommenen Formen des Hasardspiels zurück. ... Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat in die Faubourgs. Die Quartiers von Paris verlieren dadurch ihre Eigenphysiognomie. Die rote ceinturel entsteht. Haussmann hat sich selber den Namen »artiste dernolisse~r«~ gegeben. Er fühlte sich zu seinem Werk berufen und betont das in seinen Memoiren. Indessen entfremdet er den Parisern ihre Stadt. Sie fühlen sich in ihr nicht mehr heimisch. Der unmenschliche Charakter der Großstadt beginnt, ihnen bewußt zu werden. ... Der wahre Zweck der Haussmannschen Arbeiten war die Sicherung der Stadt gegen den Bürgerkrieg. Er wollte die Errichtung von Barrikaden in Paris für alle Zukunft unmöglich machen. In solcher Absicht hatte schon Louis-Philippe Holzpflasterung eingeführt. Dennoch spielten die Barrikaden in der Februarrevolution eine Rolle. Engels beschäftigt sich mit der Technik der Barrikadenkämpfe. Haussmann will sie auf doppelte Art unterbin- 5 10 1s 20 25 30 den. Die Breite der Straßen soll ihre Errichtung unmöglich machen, und neue Straßen sollen den kürzesten Weg zwischen den Kasernen und Arbeitervierteln herstellen. Die Zeitgenossen taufen das Unternehmen »L'embellissement ~trategique«~. 1 - Ring 2 - Abbruchkünstler 3 - Strategische Verschönerung Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagenwerk, Frankfurt: edition suhrkamp, 1983, 1. Bd., S. 72-73 Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973 Lernstoff Präsens der Modalverben + Anhang F25 / E25 Präteritum der schwachen Verben, Modalverben und von »haben«, »sein«, »werden« + Anhang F17-19,25 / E 17- 19,25 Suchen Sie in den nachstehenden Auszügen die Verben in ihren verschiedenen Erscheinungsformen auf. Bestimmen Sie ihre Form, geben Sie den Infinitiv und die entsprechende Übersetzung an. Illuminationen, Auszug S. 174 Beispiel Arago präsentiert die Photographie in einer Kammerrede. präsentiert: 3. Pers.Sg.Präs. / präsentieren / presenter / to present 1. Er prophezeit ihre wissenschaftliche Anwendung. 2. Dagegen beginnen die Künstler, ihren Kunstwert zu debattieren. 3. Die Photographie führt zur Vernichtung des großen Berufsstandes der Portraitminiaturisten. 4. Dies geschieht nicht nur aus ökonomischen Gründen. 5. Die frühe Photographie war künstlerisch der Portraitminiatur überlegen. 6. Der gesellschaftliche Grund dafür liegt in dem Umstand, daß die ersten Photographen der Avantgarde angehörten ... 7. Die Weltausstellung von 1855 bringt zum ersten Mal eine Sonderschau »Photographie«. 8. Im gleichen Jahr veröffentlicht Wiertz seinen Artikel über die Photographie. 9. Die Weltausstellungen bauen das Universum der Waren auf. P P - - - 10. Die Mode schreibt das Ritual vor, nach dem der Fetisch Ware verehrt sein will. 11. Zur Pariser Weltausstellung von 1867 erläßt Victor Hugo ein Manifest: »An die Völker Europas«. 12. Früher ... wurden deren Interessen von den französischen Arbeiterdelegationen vertreten, deren erste zur Londoner Weltausstellung von 1851 ... abgeordnet wurde. 13. Diese war tung. 14. ... für die Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation von Marx von Bedeu- ... Balzac hat als erster von den Ruinen der Bourgeoisie gesprochen. Unterstreichen Sie die Substantive, auf die sich die im Text markierten Wörter beziehen (Personal-, Possessiv- und Demonstrativpronomen, bestimmte Artikel). Haussmanns urbanistisches Ideal waren die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluchten. Es entspricht @ im neunzehnten Jahrhundert immer wieder bemerkbaren Neigung, technische Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen zu veredeln. Die Institute der weltlichen und geistlichen Herrschaft des Bürgertums sollten, in den Rahmen der Straßenzüge gefaßt, Apo5 theose finden. Straßenzüge wurden vor Fertigstellung mit einem Zelttuch verhangen und wie Denkmäler enthüllt. - Die Wirksamkeit Haussmanns fügt sich dem napoleonischen Idealismus ein. C E r ] begünstigt das Finanzkapital. Paris erlebt eine Hochblüte der Spekulation. Das Börsenspiel drängt @ aus der feudalen Gesellschaft überkommenen Formen des Hasardspiels zurück. ... Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat in die Faubourgs. Die Quartiers von Paris ver10 le i ren(-] @ Eigenphysiognomie. Die rote ceinture entsteht. Haussmann hat sich selber den Namen »artiste dkmolisseur« gegeben. (@ fühlte sich zu Werk berufen und betont das in seinen Memoiren. Indessen entfremdet @ den Parisern Stadt. @ fühlen sich in @ nicht mehr heimisch. Der unmenschliche Charakter der Großstadt b e g i n n t , C E ] bewußt zu werden. ... 15 Der wahre Zweck der Haussmannschen Arbeiten war die Sicherung der Stadt gegen den Bürgerkrieg. (Er) wollte die Errichtung von Barrikaden in Paris für alle Zukunft unmöglich machen. In solcher Absicht hatte schon Louis-Philippe Holzpflasterung eingeführt. Dennoch spielten die Barrikaden in der Februarrevolution eine Rolle. Engels beschäftigt sich mit der Technik der Barrikadenkämpfe. Haussmann will @ auf doppelte Art unterbinden. Die Breite der Straßen soll (;hre Errichtung un20 möglich machen, und neue Straßen sollen den kürzesten Weg zwischen den Kasernen und Arbeitervierteln herstellen. Die Zeitgenossen taufen das Unternehmen »L'embellissement stratkgique«. - C = ) Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung. 1. Die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluchten waren 2. Im 19. Jahrhundert veredelte man gern 3. Die Wirksamkeit Hausmanns fügt sich 4. Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat 5. Durch diese Vertreibung verlieren die Quartiers von Paris 6. Haussmann entfremdet den Parisern 7. Der wahre Zweck seiner Arbeiten war 8. Wie Louis-Philippe wollte er die Errichtung von Barrikaden in Paris 9. Neue Straßen sollten 8 Karl Marx - Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei (1848) Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug I, S. 44-45 Bourgeois und Proletarier Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen. In den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung der Gesellschaft in verschiedene Stände, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen Stellungen. Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer, Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Vasallen, Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen wieder besondere Abstufungen. Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt. Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. 5 io 15 20 25 Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels: Manifeste du Parti Cornrnuniste, Paris: kditions sociales, 1972, S. 3 1-32 (edition bilingue) Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971 38 Lernstoff Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) Substantivsuffix »-er«+ Anhang F 11 / E 11 Anhang F21, 33 / E21, 32 Übung a) Suchen Sie im Text die Substantive mit dem Suffix »-er« auf, die eine Gruppenzugehörigkeit bezeichnen. b) Bilden Sie von den folgenden Verben ausgehend Substantive mit dem Suffix »-er«, die eine Gruppenzugehörigkeit bezeichnen, und geben Sie die Übersetzung an. Infinitiv B-en« Beispiel führen der Führer Substantiv mit Suffix »-er« Übersetzung le meneur, guide / leader, guide kämpfen reiten unterdrücken zeichnen verlieren arbeiten spielen herstellen sehen Nachstehend einige Auszüge aus dem Manifest der kommunistischen Partei. Suchen und unterstreichen Sie in diesen Sätzen jeweils das erweiterte Attribut. Orientieren Sie sich dabei an den Unterstreichungen in der französischen bzw. englischen Übersetzung, die zum Zweck dieser Übung sehr wörtlich gefaßt ist. 1. Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der Austausch mit den Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren überhaupt gaben dem Handel, der Schiffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung ... Les marchks des Indes Orientales et de la Chine, la colonisation de l'Amirique, le commerce colonial, la multiplication des moyens dechange et, en ginkral, des marchandises donnerent un essor jusqu'alors inconnu au nkgoce, a la navigation, a I'industrie ... The East Indian and Chinese markets, the colonisation of Arnerica, the trade with the colonies, the increase in the rneans of exchange and in cornrnodities generally, gave to cornrnerce, to navigation, to industry, an impulse never before known ... 2. Die bisherige feudale oder zünftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus für den mit den neuen Märkten anwachsenden Bedarf. L'ancien mode d'exploitation fkodal ou corporatifde l'industrie ne suffisait plus aux besoins sans cesse croissants a mesure que s'ouvraient de nouveaux marchks. The previous feudal or guild rnode of industry now no longer sufficed for the growing wants of the new rnarkets. 3. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. A la place des anciens besoins satisfaits pur la production nationale naissent des besoins nouveaux rkclamant pour leur satisfaction les produits des contrkes et des climats les plus lointains. In place of the old wants, satisfied by the productions of the country, we find new wants requiring for their satisfaction the products of distant lands and clirnates. 4. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern sogar der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. Ces crises ditruisent rkgulierement une grande partie non seulement des produits fabriquks, mais m2m e des forces productives delja crkkes. In these crises a great Part not only of the existing products but also of the previously created productive forces are periodically destroyed. 5. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeois unter sich und die daraus hervorgehenden HandelskriSen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender. La concurrence croissante des bourgeois entre eux et les crises commerciales rksultant de Ia rendent les salaires des ouvriers deplus en plus instables. The growing cornpetition arnong the bourgeois and the resulting cornrnercial crises rnake the wages of the worker ever rnore fluctuating. Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung. 1. Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist 2. Unterdrücker und Unterdrückte standen - 3. Sie führten 4. Dieser Kampf endete jedesmal -- . oder 5. Die moderne bürgerliche Gesellschaft ist hervorgegangen. 6. Sie hat nicht aufgehoben. 7. Unsere Epoche hat vereinfacht. 8. Die ganze Gesellschaft spaltet sich 9 Karl Marx - Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei(1848) Manifest der kommunistischen Partei (1848), Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug 11, S. 48-49 5 10 1s 20 Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt. Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat ... kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose »bare Zahlung«. ... Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt. Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt. ... Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen früheren aus. ... 25 30 Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels, Manifeste du Parti Communiste, Paris: kditions sociales, 1972, S. 39-41 (kdition bilingue) Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971 Lernstoff Gegenüberstellung und Sinndifferenzierung von: a) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven ohne Suffix b) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven mit Suffix »-ung« -+ Anhang F48-49 / E47-48 a) Substantive mit Suffix »-urig« Bilden Sie mit Hilfe nachstehender Verben Substantive auf an. Beispiel zahlen 1. ausbeuten »-urig« und geben Sie ihre Übersetzung payer / to pay exploiter / to exploit conditionner / to cause, bring about die Zahlung le paiement / payment 2. bedingen 3. umwälzen 4. bewegen bouleverser / to revolutionize mouvoir, bouger / to move, agitate 5. unterdrücken opprimer / to oppress structurer / to structure, arrange 6. gliedern 7. gründen fonder / to found differencier / to differentiate 8. unterscheiden 9. binden Zier / to bind, link crker / to create apparaitre / to appear, be manifested 10. schaffen 11. erscheinen 12. verkörpern 13. werten b) Substantive ohne Suffix incarner / to ernbody kvaluer / to evaluate Suchen Sie aus den Auszügen I und I1 des Manifests der kommunistischen Partei die Substantive ohne Suffix heraus, die den nachstehenden Verben entsprechen und geben Sie ihre Übersetzung an. 1. kämpfen 2. setzen lutter / to struggle, fight poser, statuer / to place 3. stehen, stand, gestanden etre debout / to stand a) b) 4. untergehen, ging, gegangen sombrer / to sink, decline, be ruined 5. binden, band, gebunden Zier / to bind dchanger / to exchange dvaluer / to rate, evaluate briller / to shine recompenser / to reward 6. tauschen 7. werten 8. scheinen 9. lohnen C) Geben Sie die Grundverben (ohne Präfix) an, von denen folgende Substantive abgeleitet sind. Beispiel der Druck la pression, l'impression / pressure, impression drücken, drucken 1. r Bund la fdddration / federation, alliance la phrase / sentence, phrase la raison / reason le contenu / content la construction, I'immeuble / construction, building 2.. r Satz 3. r Grund 4. r Inhalt 5. r Bau 6. r Unterschied la difference/ difference la sentence / maxim, sentence I'expression / expression la demarche, le couloir / gait, step, corridor 7. r Spruch 8. r Ausdruck 9. r Gang Übung a) Suchen Sie im Text (Zeile 1-20) die von der Bourgeoisie herbeigeführten Umwälzungen. Beispiel das Band zwischen Mensch und Mensch - das nackte Interesse 1 die gefühllose »bare Zahlung« 1. die persönliche Würde 2. die verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten 3. die mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutungen 4. der Arzt, der Jurist, der Pfaffe, der Poet, der Mann der Wissenschaft 5. das rührend-sentimentale Familienverhältnis b) Welche Adjektive zeigen Ihrer Meinung nach eine affektive Stellungnahme des Autors an? 10 Karl Marx - Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei (1848) Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug 111, S. 49-50 5 10 15 20 25 30 Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. Die Bourgeoisie hat durch die Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. ... Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Land selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. ... Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. ... Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrundegehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde. Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade vermehrt ... Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die barbarischen und halbbarbarischen Länder von den zivilisierten, die Bauernvölker von den Bourgeoisvölkern, den Orient vom Okzident abhängig gemacht. ... Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation. Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels: Manifeste du Parti Communiste, Paris: Cditions sociales, 1972, S. 41 -45 (kdition bilingue) Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971 Lernstoff »werden« und seine Funktion + Anhang F46-47 / E45-46 Verbpräfix »ver-«+ Anhang F 16,51 -52 / E 16, 50-51 L Nachstehend eine Liste von Substantiven, die von Verben mit dem Präfix »ver-« abgeleitet sind. Finden Sie diese Verben sowie ihre Grundwörter auf (Verb, Adverb, Adjektiv, Substantiv). Geben Sie die entsprechende Übersetzung an. Beispiel die Verbindung la liaison, la relation connection, contact verbinden relier connect binden lier bind die Vernichtung die Verarbeitung der Verbrauch die Verbesserung die Vermehrung der Versuch die Vergrößerung die Verfilmung der Verstand die Vergötterung das Verhältnis die Vereinfachung die Veränderung die Verachtung a) Suchen Sie im 3. Auszug aus dem Manifest der kommunistischen Partei die Verbalgruppen mit »werden« auf. Bestimmen Sie jeweils, was sie zum Ausdruck bringen. (Anhang F46-47 / E45-46) b) Verfahren Sie ebenso mit folgenden Auszügen: I. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. 2. Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie. 3. Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die Bourgeoisie heranbildete, wurden in der feudalen Gesellschaft erzeugt. P - 4. In den Handelskrisen wird ein großer Teil ... der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. 5. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, ... die Epidemie der Überproduktion. ... Die Produktivkräfte ... sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden. ... Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. 6. Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletarier. Vokabelhilfen erzeugen / das Erzeugnis das Gemeingut der Zoll zusammendrängen vernichten ausbrechen gewaltig der Reichtum Waffen schmieden / führen produire, le produit / produce, the product la propriktk commune / cornrnon property la douane / custorns regrouper, parquer / to herd together aneantir / to destroy kclater / to break out immense, puissant / powerful la richesse / wealth forger, manier des armes / to forge, wield arms 11 Karl Marx - Friedrich Engels Manifest der kommunistischen Partei (1848) Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug IV, S. 54-55, S. 58 5 10 15 20 25 30 Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein Kampf gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz. Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, sie richten sie gegen die Produktionsinstrumente selbst. ... Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land zerstreute und durch die Konkurrenz zersplitterte Masse. ... Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in größeren Massen zusammengedrängt, seine Kraft wächst, und es fühlt sie mehr. Die Interessen, die Lebenslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr aus, indem die Maschinerie mehr und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt und den Lohn fast überall auf ein gleich niedriges Niveau herabdrückt. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeoisie unter, sich und die daraus hervorgehenden Handelskrisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die immer rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung der Maschinerie macht ihre ganze Lebensstellung immer unsicherer; immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. ... Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Sie wird befördert durch die wachsenden Kommunikationsmittel, die von der großen Industrie erzeugt werden und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in Verbindung setzen. Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lokalkämpfe von überall gleichem Charakter zu einem 35 nationalen, zu einem Klassenkampfe zu zentralisieren. Jeder Klassenkampf aber ist ein politischer Kampf. Und die Vereinigung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit den Eisenbahnen in wenigen Jahren zustande. ... 40 Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl. Französische Übersetzung in: Karl Marx - Fnedrich Engels: Manifeste du Parti Communiste, Paris: editions sociales, 1972, S. 53-57, 63 (edition bilingue) Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971 Lernstoff Verstärkte Behandlung d e r Funktion d e r Signalwörter --P Anhang F37-45 / E 36-44 a) Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen, und geben Sie ihre Übersetzung an. Handarbeit Handelsartikel Warenhandel Handelsware Warenhaus Lohnarbeit Lohnarbeitssystem Arbeitslohn Lohntarif Lohntarifverhandlung Arbeitsmarkt Arbeitsteilung Teilzeitarbeit Lebenskosten Lebensmittel Lebensmittelpreis Arbeitsstunde . ---- ----- -- Stundenarbeit Arbeiterklasse Klassenkampf b) Finden Sie in nachstehenden Sätzen jeweils die Nominalgruppen mit erweitertem Attribut auf und geben Sie die Übersetzung an. 1. Die von der Bourgeoisie geschmiedeten Waffen bringen ihr jetzt den Tod. 2. Die Bourgeoisie hat auch die diese Waffen führenden Männer gezeugt, die Proletarier. 3. Diese sich stückweis verkaufenden Arbeiter sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel. 4. Sie werden ein bloßes Zubehör der sich immer mehr ausdehnenden Maschinerie. 5. Die vom Arbeiter verursachten Kosten beschränken sich fast nur auf die Lebensmittel. 6. Von allen der Bourgeoisie heute gegenüberstehenden Klassen ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. (Hinweis für den Lehrer: Erarbeiten Sie zur Vorentlastung der Übung mit den Schülern die frequenten Wörter, Internationalismen und Eigennamen.) Markieren Sie die Signalwörter und analysieren Sie ihre Funktion in bezug auf die argumentative Struktur des Textes. Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferische Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt.« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist 5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert. »Die Philosophie von Marxc>über das Lesen, Brockhaus 1947, sämtl. Werke, Bd. 6, S. 588 5 10 Wenn wir lesen, denkt ein Anderer für uns; wir wiederholen bloß seinen mentalen Proceß. Es ist damit, wie wenn beim Schreibenlernen der Schüler die vom Lehrer mit Bleistift geschriebenen Züge mit der Feder nachzieht. Demnach ist beim Lesen die Arbeit des Denkens uns zum größten Theile abgenommen. Daher die fühlbare Erleichterung, wenn wir von der Beschäftigung mit unsren eigenen Gedanken zum Lesen übergehen. Aber während des Lesens ist unser Kopf doch eigentlich nur der Tummelplatz fremder Gedanken. Daher kommt es, daß wer sehr viel und fast den ganzen Tag liest, dazwischen aber sich in gedankenlosem Zeitvertreib erholt, die Fähigkeit, selbst zu denken, allmählich verliert, - wie Einer, der immer reitet, zuletzt das Gehen verlernt. Solches aber ist der Fall sehr vieler Gelehrten: sie haben sich dumm gelesen. Lernstoff Unterschiedliche Bedeutung von: a) substantiviertem Infinitiv, b) Substantiv mit Suffix »-ung«, C) vom Verbstamm abgeleitetem Substantiv ohne Suffix -+ Anhang F47-49 / E46-48 Ubung Finden Sie im Text die Substantive auf, die nachstehenden Kategorien entsprechen. Geben Sie den dazugehörigen Infinitiv an. 1. Vorgang als Phänomen 2. Phänomen, das auf seine Entwicklung zurückverweist 3. Phänomen, Ergebnis eines Vorgangs (vom Verbstamm abgeleitet, ohne Suffix) 4. Infinitiv das Beispiel s Unterscheiden - en die -ung e Unterscheidung r Unterschied unterscheiden Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung. 1. Beim Lesen ist uns 2. Denn ein Anderer denkt 3. Während des Lesens ist unser Kopf 4. Wer viel liest, verliert daher 5. Viele Gelehrte haben sich gelesen. 15 Martin Heidegger: Was heiBt Denken? Tübingen: Niemeyer Verlag, 1961, erster Teil, 1951 - 1952, Auszug S. 1-2 5 10 1s 20 25 In das, was Denken heißt, gelangen wir, wenn wir selbst denken. Damit ein solcher Versuch glückt, müssen wir bereit sein, das Denken zu lernen. Sobald wir uns auf dieses Lernen einlassen, haben wir auch schon zugestanden, daß wir das Denken noch nicht vermögen. Aber der Mensch heißt doch der, der denken kann - und das mit Recht. Denn er ist das vernünftige Lebewesen. Die Vernunft, die ratio, entfaltet sich im Denken. Als das vernünftige Lebewesen muß der Mensch denken können, wenn er nur will. Indes will der Mensch vielleicht denken und kann es doch nicht. Am Ende will er bei diesem Denkenwollen zu viel und kann deshalb zu wenig. Der Mensch kann denken, insofern er die Möglichkeit dazu hat. Allein dieses Mögliche verbürgt uns noch nicht, daß wir es vermögen. Denn wir vermögen nur das, was wir mögen. Aber wir mögen wiederum wahrhaft nur Jenes, was seinerseits uns selber und zwar uns in unserem Wesen mag, indem es sich unserem Wesen als das zuspricht, was uns im Wesen hält. Halten heißt eigentlich hüten, auf dem Weideland weiden lassen. Was uns in unserem Wesen hält, hält uns jedoch nur so lange, als wir selber von uns her das Haltende be-halten. Wir be-halten es, wenn wir es nicht aus dem Gedächtnis lassen. Das Gedächtnis ist die Versammlung des Denkens. ... Um das Denken zu vermögen, müssen wir es lernen. Was ist Lernen? Der Mensch lernt, insofern er sein Tun und Lassen zu dem in die Entsprechung bringt, was ihm jeweils an Wesenhaftem zugesprochen wird. Das Denken lernen wir, indem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt. ... Das Bedenklichste ist, da$' wir noch nicht denken; immer noch nicht, obgleich der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird. Französische Übersetzung: Qu'appelle-t-on penser?, Paris: PUF, 1971, traduit par Aloys Becker et Gerard Granet Englische Ubersetzung: A translation of »Was heißt Denken?
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