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Konzept für bundesweite Kooperation in der Planung und Durchführung multizentrischer Studien

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  • R. Rau Konzept für bundesweite Kooperation in der Planung und Durchführung multizentrischer Studien Z Rheumatol 59:50±52 (2000) ° Steinkopff Verlag 2000 WORKSHOP QUALITØTSSICHERUNG Z fR h 220 R. Rau ()) Rheumaklinik am Ev. Fachkrankenhaus Rosenstraûe 2 D-40882 Ratingen Outline for a nationwide co-operation in planning and performing multicenter studies in rheumatology Zusammenfassung In Deutschland werden zu wenige gute multizentri- sche klinische Studien mit praxisre- levanter Fragestellung durchgefuÈhrt. Die im allgemeinen supranational durchgefuÈhrten Studien der pharma- zeutischen Industrie dienen im we- sentlichen der Zulassung neuer (teurer) Medikamente. Die Voraus- setzungen fuÈr die Kooperation bei nicht von der pharmazeutischen In- dustrie gefoÈrderten klinischen Stu- dien haben sich durch die Einrich- tung der Arbeitsgemeinschaft ko- operierender Rheumazentren, der Kerndokumentation mit 1997 fast 32000 dokumentierten Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und des ausgekluÈgelten Kommunikationssy- stems MedNet Rheuma deutlich ver- bessert. Eine vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft fuÈr Rheuma- tologie eingesetzte ad-hoc-Kommis- sion hat die Notwendigkeit eines ¹Koordinierungsausschusses fuÈr kli- nische Studien in der Rheumatolo- gieª festgestellt. Darin sollen inter- nistische und orthopaÈdische Rheu- matologen, PaÈdiater, Biometriker, Epidemiologen aus UniversitaÈten, KrankenhaÈusern und Praxen vertre- ten sein. Dieses Gremium ist prinzi- piell unabhaÈngig von der Arbeitsge- meinschaft der Rheumazentren und den Organen des MedNet, soll aber mit ihnen kooperieren. Alle Mitglie- der der DGRh werden zur Mitarbeit eingeladen, beispielsweise indem sie klinisch relevante Fragen beitragen oder sich an Studien beteiligen. Der Ausschuû soll fuÈr die Rheumatologie relevante Fragestellungen bestimmen und multizentrische Studien planen und durchfuÈhren, um diese Fragen zu beantworten. ZusaÈtzlich koÈnnten Studienprotokolle der pharmazeuti- schen Industrie bezuÈglich ihrer Be- deutung, QualitaÈt und DurchfuÈhrbar- keit gepruÈft werden. Summary In Germany, good clini- cal multicenter studies that are not supported by pharmaceutical compa- nies are rarely performed. Good su- pranational industry-sponsored stud- ies are usually aimed at the registra- tion of new (expensive) drugs. The preconditions for co-operation in conducting industry-independent studies which are of interest for the scientific community have been im- proved substantially in Germany by instituting the working group of co- operating arthritis centers, the so- called core documentation where 32000 patients with rheumatic con- ditions were documented in 1997 and the institution of a sophisticated information system (ªRheumaNetº). The executive board of the German Rheumatology Association has set up an ªad hoc commissionº that agreed to institute a ªCommittee for the Coordination of Clinical Studies in Rheumatic Diseasesº. In this committee rheumatologists subspe- cialized from medicine, orthopedic, pediatrics working in universities, hospitals and private practice as well as specialists in statistics and epidemiology shall be represented. In principle this committee is inde- pendent of the co-operating arthritis centers and the RheumaNet. All members of the German Rheumatol- ogy Association are invited to coop- erate with this committee by contri- buting to the clinically important questions and participating in clini- cal studies. The committee has to define key questions in rheumatol- ogy and shall plan and organize multicenter studies to answer these questions. In addition, study proto- cols of pharmaceutical companies may be examined as to their impor- tance, quality, and feasibility. SchluÈ sselwoÈrter Klinische Studien ± Koordinierungsausschuû ± Rheumanet ± Kerndokumentation Key words Multicenter clinical studies ± coordination of clinical studies ± RheumaNet ± core documentation
  • Ausgangslage In Deutschland besteht im Vergleich zum umgebenden Ausland ein Mangel an guten klinischen Studien. Bei den von der pharmazeutischen Industrie inaugerierten und finanzierten internationalen multizentrischen Stu- dien handelt es sich im allgemeinen um Zulassungsstu- dien fuÈr neue Medikamente. Derartige Studien sind auf- grund der rigiden Ein- und Ausschluûkriterien mit ei- nem entsprechend selektierten Krankengut und ihrer nur kurzen Dauer fuÈr die Praxis oft wenig relevant. Ihre Aussagekraft ist auch durch die groûe Zahl der vom In- teresse am Ergebnis und von der QualitaÈt sehr unter- schiedlichen Zentren eingeschraÈnkt, woraus eine Va- rianz zur Mitte resultiert. Nicht mehr geschuÈtzte Sub- stanzen werden allenfalls zu Vergleichszwecken heran- gezogen. Studien mit negativem Ergebnis werden kaum publiziert. Die Rheumatologie ist aber vor allem an langfristigen Beobachtungsstudien u.a. auch zur PruÈ- fung komplexer Therapiekonzepte interessiert. Diese aber werden von keiner Seite gefoÈrdert. Beispiel Deutsche Krebsgesellschaft Die deutschen Onkologen standen vor Jahren vor dem gleichen Problem: auch hier bestand ein Mangel an gu- ten klinischen Studien, an Kooperationswillen der ver- schiedenen Zentren, auch eine geringe Bereitschaft uÈberhaupt Studien durchzufuÈhren, da diese mit einer Mehrbelastung von Ørzten und Pflegepersonal verbun- den sind und in der oÈffentlichen Meinung als ¹Experi- ment am Menschenª diskreditiert werden. Die Deutsche Krebsgesellschaft ergriff deshalb eine Initiative zur FoÈr- derung und QualitaÈtssicherung klinischer Studien mit dem Ziel durch multizentrische Zusammenarbeit ausrei- chende Patientenzahlen in ein einheitliches Protokoll re- krutieren zu koÈnnen. Damit sollte vermieden werden, daû mehrere Zentren aÈhnliche Studien mit unterschiedli- chen Einschluûkriterien und unterschiedlichen Verlauf- sparametern durchfuÈhren, deren Daten dann doch nicht zusammengefuÈhrt werden koÈnnen. Einrichtung von Studiengruppen Die Deutsche Krebsgesellschaft hat deswegen mehrere Studiengruppen eingerichtet: eine praÈklinische, eine pharmakologische und zwei klinische Studiengruppen, jeweils fuÈr Phase I/II- sowie Phase III-Studien. In die- sen Studiengruppen sind UniversitaÈtskliniken, onkologi- sche Krankenhausabteilungen, onkologische Praxen, Pharmafirmen und ein Datenzentrum vertreten. Die Studiengruppen entscheiden daruÈber, welche Me- dikamente sinnvollerweise Gegenstand einer klinischen PruÈfung sein sollten, sie pruÈfen Studienprotokolle bzw. fassen selbst Studienprotokolle ab, entwickeln einheitli- che Fallberichtsformulare, PatienteninformationsblaÈtter usw. Sie treffen auch eine Auswahl geeigneter Studien- zentren durch Bewertung der Infrastruktur und Beurtei- lung der QualitaÈt der Datenerhebung. Die Studien wer- den auch waÈhrend der PruÈfphase begleitet und zertifi- ziert; das eigentliche Monitoring ist dabei Aufgabe des jeweiligen Sponsors. Die Studienzentren kuÈmmern sich auch um die statistische Auswertung und um die Publi- kation der Studienergebnisse. Als Autoren fungieren PruÈfer, die mindestens 10% der auswertbaren Patienten eingebracht haben, der Koordinator, ein Vertreter des Sponsors und der Statistiker. Die finanziellen Mittel, die beispielsweise fuÈr das Datenzentrum, das Studiensekretariat, fuÈr wissenschaftli- che Treffen, fuÈr Gutachten etc. benoÈtigt werden, werden aus MitgliedsbeitraÈgen der Pharmaindustrie sowie einer 25%igen Abgabe aus den Studienfallpauschalen aufge- bracht. Derzeitige Ausgangslage in der deutschen Rheumatologie Wie bereits eingangs erwaÈhnt, werden in Deutschland zu wenige gute klinische Studien durchgefuÈhrt, soweit sie nicht von groûen Pharmafirmen organisiert werden. In anderen LaÈndern gibt es Gremien, die multizentrische Studien organisieren. Als Beispiel nenne ich die ¹Clini- cal Trial Groupsª in Groûbritannien, die vom Arthritis Research Council (ARC) bzw. von der British Society of Rheumatology (BSR) unterstuÈtzt und finanziert wer- den. Die Mitglieder der ¹Clinical Trial Groupsª entschei- den uÈber die ¹Key Questionsª und machen VorschlaÈge, wie diese Fragen beantwortet werden koÈnnten und orga- nisieren entsprechende multizentrische Untersuchungen. In den USA werden Erhebungen vom American College of Rheumatology (ACR) angestellt, daruÈber hinaus gibt 51R. Rau Konzept fuÈr bundesweite Kooperation multizentrischer Studien
  • es regionale Klinikkooperationen zum Zwecke klinischer PruÈfungen, z. B. das Cooperating Clinics Committee in Salt Lake City und eine feste Kooperation zwischen Kli- nik und Praxen in Nebraska (O'Dell). In Deutschland haben die Einrichtung der Arbeitsge- meinschaft kooperierender Rheumazentren, die EinfuÈh- rung der Kerndokumentation und juÈngst der MedNet- Antrag die Ausgangslage erheblich verbessert. Die Kerndokumentation mit 1997 fast 32 000 dokumentier- ten Patienten, darunter fast 10 000 mit seropositiver RA (weltweit einmalig) zeigt, wo Patienten mit bestimmten Diagnosen vorhanden sind und gibt Hinweise auf zu untersuchende Probleme dort, wo bezuÈglich Therapie- strategien wenig Ûbereinstimmung unter den Zentren besteht. Prof. Zeidler, Hannover, hat die Initiative ergriffen, in Anlehnung an die Strukturen in anderen LaÈndern bzw. bei der Deutschen Krebsgesellschaft auch fuÈr die deutsche Rheumatologie eine Institution zu schaffen, die qualitativ hochstehende multizentrische Studien uÈber klinisch relevante Fragen in der Rheumatologie organi- siert und durchfuÈhrt. Vorgeschlagenes Vorgehen bei der Studienorganisation Der Vorstand der DGRh hat den Vorschlag von Prof. Zeidler aufgenommen und eine ¹ad-hoc-Kommissionª eingesetzt, um die Notwendigkeit eines Koordinierungs- zentrums fuÈr klinische Studien zu pruÈfen und dessen Aufgaben festzustellen. Die ad-hoc-Kommission hat folgende vorlaÈufige Vorstellungen entwickelt: ein Koordinierungszentrum fuÈr klinische Studien ist wuÈnschenswert. Um Namens- gleichheit mit den ¹Zentren fuÈr klinische Studienª zu vermeiden sollte dieses Gremium ¹Koordinierungsaus- schuû fuÈr klinische Studien in der Rheumatologieª ge- nannt werden. Die Mitglieder dieses Gremiums sind in- ternistische und orthopaÈdische sowie paÈdiatrische Rheu- matologen aus UniversitaÈtskliniken, KrankenhaÈusern und Praxen sowie Methodiker, etwa Biometriker und Epidemiologen. Sie koÈnnten vom Vorstand der DGRh in dieses Gremium entsandt werden. Aus steuertechni- schen GruÈnden ist der Ausschuû jedoch kein Organ der DGRh. Der Koordinierungsausschuû ist prinzipiell un- abhaÈngig von der Arbeitsgemeinschaft kooperierender Rheumazentren und von den TraÈgern des MedNet, soll aber mit beiden Institutionen zusammenarbeiten. Der Ausschuû steht prinzipiell jedem Mitglied der DGRh offen, alle Mitglieder sollen, unabhaÈngig von der Mit- gliedschaft in einem Rheumazentrum, mit ihm kooperie- ren koÈnnen. Der Ausschuû soll die Expertise des Deut- schen Rheumaforschungszentrums, der Organe des MedNet, der Zentren fuÈr klinische Studien, der Kom- mission ReHa-Forschung nutzen und auch mit der Kommission Pharmakotherapie kooperieren. Ein externes Gutachtergremium zur PruÈfung be- stimmter Vorhaben wird vermutlich erforderlich sein. Es besteht die Vorstellung, daû dieser Ausschuû sich durch die Beratung der Pharmaindustrie und durch Ab- gaben aus Studienhonoraren finanzieren koÈnnte. Hierzu waÈre ggf. am geeignetsten die GruÈndung einer Gesell- schaft buÈrgerlichen Rechts. Aufgaben des Koordinierungsausschusses · Definition wichtiger und praxisrelevanter Fragestel- lungen. Diese koÈnnen von auûen an das Gremium herangetragen oder innerhalb des Gremiums entwik- kelt werden. · Erstellen entsprechender Studienprotokolle zur Beant- wortung der anstehenden Fragen · Auswahl geeigneter PruÈfzentren · Organisation der Studie in Kooperation mit einer Biometrie (z.B. Zentrum fuÈr klinische Studien?) · Erstellen der PruÈfunterlagen (PatientenboÈgen etc.) · PruÈfung von Protokollen der Pharmaindustrie bezuÈg- lich Wichtigkeit, QualitaÈt und DurchfuÈhrbarkeit ge- planter Studien · Organisation von Langzeitbeobachtungsstudien ohne strenge Ein- und Ausschluûkriterien zur PruÈfung komplexer Fragestellungen · Organisation interdisziplinaÈrer Studien, z. B. konser- vativ/operativ, medikamentoÈs/physiotherapeutisch, rheumapaÈdiatrischer oder rheumaorthopaÈdischer Fra- gestellungen. Praktisch soll bei der Organisation klinischer Studien et- wa in folgender Weise vorgegangen werden: Der Koordinierungsausschuû waÈhlt aus verschiede- nen MoÈglichkeiten ein Projekt aus, er sucht sich die fuÈr die Realisierung dieses Projektes geeignetsten Koopera- tionspartner, er bestimmt ± je nach Inhalt der PruÈfung ± einen wissenschaftlichen Leiter. Der Ausschuû wird or- ganisatorisch und biometrisch unterstuÈtzt durch das Deutsche Rheumaforschungszentrum und die MedNet- Zentrale in DuÈsseldorf, ggf. zusaÈtzlich durch ein Zen- trum fuÈr Therapiestudien. Die Ûberwachung der Studie und die Auswertung der Daten muÈssen ebenfalls organi- siert werden. Hier noch eine persoÈnliche Bemerkung: Das Gelin- gen derartiger Vorhaben ist natuÈrlich mit der Organisati- on der AblaÈufe nicht garantiert. Vielmehr ist es abhaÈn- gig von der Bereitschaft der rekrutierenden Zentren, ge- eignete Patienten in derartige Untersuchungen einzu- bringen und sie waÈhrend der Dauer der Studie entspre- chend zu betreuen. 52 Zeitschrift fuÈr Rheumatologie, Band 59, Heft 1 (2000) ° Steinkopff Verlag 2000
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